#abcliteraturchallenge – Runde 2

img_2432Ich habe ja vor einiger Zeit auf Instagram eine #abcliteraturchallenge gemacht, daraus entstand dieser Artikel: HIER

Gerade lief die zweite Runde aus, dieses waren die Bücher, die ich auswählte:

A: Hannah Arendt: Denktagebücher
Nirgendwo taucht man so tief in ihr Denken, in ihren Arbeitsprozess, in ihr Dichten auch ein wie hier. Und man lernt unglaublich viel kennen und wird auch selber immer wieder zum Denken angeregt!

B: Gottfried Benn: Gedichte
Ein vielseitiger, tiefgründiger Dichter, welcher wie kein anderer Tabuthemen wie Krankheit, Verwesung und Tod aufgriff, aber auch in ehrlichen, poetischen Versen voller Melancholie und Feingefühl. Der Band enthält seine Gedichte von den frühen bis zu den späten und lässt so gut die Entwicklung Benns erkennen, sowohl inhaltlich wie auch sprachlich und formal.

C: J. M. Coetzee: Die jungen Jahre
Autobiographie, Künstlerroman und Zeugnis einer Zeit und eines Zeitgefühls. Die Suche nach dem eigenen Platz in dieser Welt beschrieben in einer oft poetisch anmutenden Sprache. Sehr berührend!

D: Friedrich Dürrenmatt: Stoffe I-III und IV-IX
Mein Lieblingsschweizer mit Humor, Biss und Tiefgang liefert hier eine Art poetischer Autobiografie, die zugleich beispielhaft für sein philosophisches Denken und seinen scharfen Blick auf sich und vor allem die Welt ist.

E: T. S. Eliot: Gesammelte Gedichte
„Ich verbrachte mein Leben mit Versuchen, mich selbst zu vergessen. Versuchen, mich mit der Rolle zu identifizieren, die ich mir gewählt hatte.“ Das lässt Eliot seinen Lord Claverton sagen und es steckt nur schon in diesen zwei Versen unglaublich viel drin: über sein Denken, seine Zeit, den Menschen generell in seinem täglichen Tun. Berühmt wurde Eliot vor allem für „The Waste Land“, aber auch seine übrigen Gedichte sind sehr zu empfehlen.

F: Claire Fuller: Eine englische Ehe
„Was ich wirklich liebe: Wie wir damals waren und wie wir hätten werden können.“ Ein wunderbares Buch über die Liebe, über Träume, Verletzungen, das Älterwerden, Hoffnung und vieles mehr. Für mich das grosse Highlight unter den Neuerscheinungen.

G: Françoise Gilot: Mein Leben mit Picasso
Françoise Gilot schreibt über ihre Zeit an der Seite des wohl grössten Künstlers: Pablo Picasso. Eine wunderschöne Liebesgeschichte, die aber für beide Seiten auch schmerzhaft war. Zudem die Geschichte einer starken Frau.

H: Patricia Highsmith: Ediths Tagebuch
Ediths Tagebuch handelt von der Sehnsucht einer Frau nach einem harmonischen Familienleben, allerdings sitzt dieselbe in der amerikanischen Pampa, wird vom Mann betrogen, dessen Onkel sie dafür pflegen soll und kämpft mit einem egoistischen Sohn. Um der Öde zu entkommen, schreibt sie von ihrem imaginären Wunschleben in ihr Tagebuch.

I: Kazuo Ishiguro: Die Ungetrösteten
Die Geschichte eines Konzertpianisten, der von verschiedenen Menschen um Gefallen gebeten wird und darüber sein eigenes Leben mehr und mehr aus den Augen verliert.

J: Uwe Johnson: Die Mutmassungen über Jakob
Ein Buch über den Tod von Jakob Ab: Wie kam er, der ins Visier der Staatssicherheit gekommen war, ums Leben? War es Mord, Selbstmord oder ein Unfall? Ein Roman über die Suche nach Wahrheit , ein Roman auch über die Verhimg_2387ältnisse in der DDR.

K: Franz Kafka: Das Schloss
Das Schreiben sollte für ihn therapeutische Wirkung haben, er litt unter psychischen Problemen und wollte sich quasi auf einen friedlichen Tod hinschreiben, zu gross war in ihm die Vorstellung eines baldigen Endes. Entstanden ist ein skurriler, grotesker Roman, ein Meisterwerk der Literatur.

L: Harper Lee: Wer die Nachtigall stört
Es gibt wohl kaum einen liebenswürdigeren Protagonisten als Atticus Finch. Die Geschichte eines liebevollen Vaters, der seinen Kindern die Werte des friedlichen Miteinanders vorlebt, der einsteht für seine Überzeugungen und sich einsetzt im Kampf gegen Rassismus und Ungerechtigkeit. Ein Mensch mit dem Herzen auf dem richtigen Fleck. Eigentlich müsste das Buch Pflichtlektüre sein, es schlägt alle langatmigen philosophischen Abhandlungen über Sitte und Moral auf wunderbare Weise. Toll übrigens auch die gelungene Verfilmung mit Gregory Peck.

M: Heinrich Mann: Professor Unrat
Die Tyrannei des kleinen Mannes, erzählt als eine makabre Groteske.

N: Friedrich Nietzsche
Keine leichte Kost. Für einmal kein theoretisches Buch, Nietzsche schreibt in hymnischer Prosa über den Denker Zarathustra und legt diesem eigentlich die eigene Philosophie in den Mund. Dabei hält er die zeitgenössische Leserschaft für dem Werk nicht gewachsen, weswegen er es auch ein Buch für Alle und Keinen nennt.

O: Lori Ostlund: Das Leben ist ein merkwürdiger Ort
Die Geschichte von Aaron Englund, der nach vielen Jahren Beziehung und 149 Einträgen in seinem persönlichen Klagenkatalog beschliesst, nochmals neu anzufangen und sein Leben hinter sich zu lassen. Er fährt nach San Francisco, findet einen Job sowie eine neue Unterkunft und merkt dann, dass er etwas mitgenommen hat: seine Vergangenheit in Form von vielen Erinnerungen.

Sylvia Plath: Die Tagebücher
Die Tagebücher einer sensiblen, melancholischen, mit sich unbarmherzigen, intensiven, zerrissenen, nach Anerkennung dürstenden Dichterin.

Q musste leider ausfallen

img_2439R: Rainer Maria Rilke: Gesammelte Gedichte
Das ist eines der Bücher für die berühmte einsame Insel für mich. Dadurch, dass von den frühen bis zu den späten Gedichten alle da sind, kann man Rilkes Entwicklung als Dichter schön nachvollziehen. Der eher schwülstig flache Jungdichter entwickelt eine Sprachprägnanz und Bildkraft, arbeitet mit Rhythmus und Enjambements mit einem Können , das seinesgleichen sucht. Ich habe mich wohl grad als Fan geoutet.

S: Arthur Schnitzer: Der Weg ins Freie
Eine Geschichte über die Liebe, das Streben nach Freiheit, Ausbrüche und Lebenslügen. „Ungetrübte Erinnerungen bewahren wir doch nur an versäumte Gelegenheiten.“

img_2474T: George Tabori – verschiedene Werke
Mein T widmete ich einem Autoren, nicht einem seiner Werke: George Tabori, der sich in seinen Werken mit Themen wie Rassismus und Diskriminierung auseinandersetzte, der unermüdlich die Gräueltaten, die Menschen einander antun und vor allem im Zweiten Weltkrieg angetan haben (Taboris Vater starb in Auschwitz), thematisierte.

Das eine U, das in meinem Regal steht, brachte ich schon letztes Mal, so dass das U dieses Mal ausfallen musste.

V: Voltaire: Über die Toleranz
Dass das Buch aktueller denn je ist, zeigt das Zitat: „Was soll man einem Menschen entgegenhalten, der sagt, er wolle lieber Gott als den Menschen gehorchen, und daher überzeugt ist, in den Himmel zu kommen, wenn er einem den Hals abschneidet?“

img_2488W: Oscar Wilde: Bunbury
Wildes letzte Komödie handelt von Dandys und Liebeleien, kommt in locker-flockigem Stil mit viel Humor daher und ist doch bitterböse Gesellschaftskritik.

Mit dem X ist es jedes Mal dasselbe: Ich habe keines.

Y: Irvin D. Yalom: Die Liebe und ihr Henker
Yalom plaudert aus dem Nähkästchen der Psyhoanalyse, entstanden sind unterhaltsame Geschichten rund um die Menschen, ihre Beziehungen, Sorgen und Absurditäten.

Z: Emile Zola: Das Kunstwerk
Zola beschreibt einen an sich selber verzweifelnden Künstler, der schliesslich nur einen heilsamen Weg sieht: Selbstmord.

Es war eine schöne Runde, ich glaube, ich mache wohl noch eine Runde, dann werde ich aber die Titel dem ABC entlang laufen lassen. Start ist am 1. Juli, vielleicht macht jemand auf Instagram mit?

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