Das Andenken an die Geschwister Scholl

Vor 77 Jahren wurden die Geschwister Scholl verhaftet und hingerichtet. Die Studenten hatten zum Widerstand gegen das Nazi-Regime aufgerufen. Sie gelten bis heute als Vorbilder der Zivilcourage.*

Die Geschwister Scholl stehen bis heute für Widerstand und Zivilcourage. Sie lehnten sich gegen die Machenschaften unter Hitler auf und bezahlten ihren Einsatz schlussendlich mit ihrem Leben. Ihre Geschichte ist umso erstaunlicher, als sie zuerst mit den Nationalsozialisten sympathisierten, eine Karriere machten in dem System entgegen den Überzeugungen ihrer Eltern, welche dem System eher kritisch gegenüber standen. Die anfängliche Faszination für die Bewegung Hitlers wich nach und nach der Überzeugung, dass diese mit der eigenen Moral nicht konform ging. Doch: woher stammt diese innere Moral? Und wieso fehlte sie bei so vielen der anderen, die entweder mitmachten oder einfach schwiegen?

Glaubt man Kant, steckt die Moral in jedem drin und jeder Mensch hätte (theoretisch) die Fähigkeit, zu erkennen, was recht und was unrecht ist und auch nach danach zu handeln. Wenn dem so ist, wie kommt es dann, dass so viele Menschen sich in ein System einspannen liessen und sogar noch freudig mitmachten, das so offensichtlich nicht recht, nicht gut war? War es wirklich blosse Gedankenlosigkeit, wie Hannah Arendt sie bei Eichmann (wenn auch aufgrund falscher Voraussetzungen) feststellte oder steckt eine menschliche Boshaftigkeit dahinter, die jedem innewohnt? C.G.Jung hat darauf hingewiesen, dass jeder Mensch sowohl Licht wie auch Schatten in sich trägt. Als Schatten bezeichnete er die dunklen Seiten, die man selber verabscheut und auch unterdrückt. Und doch scheinen sie auch eine Anziehungskraft zu haben. Das Gute also blosse Unterdrückung des eigentlich reizvollen?

Der Mensch strebt nach dem Guten. Dessen waren sich die Philosophen zu allen Zeiten einig. Die Meinungen gingen aber auseinander, was dieses Gute sei. Nun lässt sich das Gute, das einer will, durch verschiedene Kriterien bestimmen. Es kann moralisch gut sein, es kann aber auch nur gut sein, weil es erstrebenswert scheint. Dazu bedarf es keiner moralischen Komponente, sondern einer individuell der aktuellen Begehrenssituation angepassten. Ob es wirklich gut und vor allem richtig sei, das zu wollen, was man in dem Moment will, ob dieses erstrebte Gut (moralisch) angebracht ist, steht auf einem anderen Blatt. Es steht einem immer frei, sich gegen das angestrebte zu entscheiden, wenn man es aufgrund der eigenen Abwägung über richtig oder falsch als falsch erkannt hätte. Dazu bedarf es aber des Insichgehens. Es bedarf der inneren Zwiesprache mit sich selber darüber, was Recht und Unrecht ist und was für ein Mensch man sein will. In vielen Fällen wird diese Entscheidung zugunsten des (moralisch) richtigen ausfallen. Der andere Fall findet aber auch statt. Und so findet sich kein Mensch, der nur gut oder nur böse ist. Es ist eine Entscheidung von Mal zu Mal. Gefährlich wird es da, wo das sich Fragen ausbleibt, man unbedacht handelt, ohne sich bewusst zu sein, was man tut und wieso – und vor allem, ob man das tun sollte, dürfte, kann.

Die Geschwister Scholl haben nachgedacht, haben nach ihrem eigenen Gewissen gehandelt und bezahlten das mit ihrem Leben. Sie liessen nicht ihr Leben für die Sache, denn sie wollten leben um für ihre Haltung gegen das Regime. Sie mussten sich aber bewusst gewesen sein, dass sie dieser Kampf eben dieses Leben kosten kann. Das Andenken an die Courage dieser jungen Menschen ist aus verschiedenen Gründen wichtig: Es ist ein Aufruf an das eigene Denken und Hinterfragen von von aussen Gegebenen. Selbst wenn man zuerst etwas gut hiess, ihm folgte, kann man seine Route jederzeit ändern, wenn man den eigenen Weg als falsch erkannt hat. Und man kann die eigene Kraft für das Gute einsetzen, statt sie dem Bösen zu widmen. Dazu bedarf es des eigenen Urteils, der eigenen Stellungnahme, denn nichts ist – wie schon Hannah Arendt sagte – gefährlicher als blinder Aktionismus:

Diese Indifferenz stellt, moralisch und politisch gesprochen, die grösste Gefahr dar.**

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*http://www.dw.de/vorbilder-bis-heute-sophie-und-hans-scholl/a-16601656

**Hannah Arendt: Über das Böse

Lebenssinne

„Glücklich ist also ein Leben in Übereinstimmung mit der eigenen Natur.“ Seneca

Bin ich gut, wie ich bin? Müsste ich nicht ein wenig anders sein, um wirklich gut zu sein? Taugt, was ich tue, wirklich? Wäre es nicht besser, wenn es ein wenig so wäre wie das, das ich so toll finde bei anderen?

Ich ertappe mich immer wieder bei solchen Gedanken. Es sind keine schönen, keine aufbauenden, im Gegenteil, sie werfen mich immer wieder zurück. Erst in ein tiefes Tal, dann auf mich selbst. Das ist nicht per se schlecht, es ist einfach sehr anstrengend. Ob es nötig ist?

Es wäre bestimmt einfacher, mit einem unantastbaren und gross dimensionierten Ego auf der Welt zu wandeln, immer im Glauben: „Ich bin super. So quasi der Beste.“ Leider bin ich davon weit entfernt. Und ganz oft bin ich dafür auch dankbar, denn die tiefen und düsteren Momente sind mitunter die, welche mich immer wieder auch weiter brachten. Wie sagte schon Rilke:

„Ich liebe meines Wesens Dunkelstunden…“

Ohne sie hätte er vieles nicht vollbracht, das so wunderbar ist. Und ja, auch mich selber brachten sie immer wieder weiter. Hätte ich sie also missen mögen? Im Moment des Daseins ja. Im Nachhinein nie. Mittlerweile weiss ich, dass sie kommen, zu mir gehören, mich weiter bringen. Als ich.

Ich könnte sie kurz vielleicht umgehen. Indem ich im Stadium des Zweifels kopieren würde, was ich da draussen in der Welt Grosses sehe. Schliesslich und endlich hadere ich in den dunklen Stunden mit meinem (so gefühlten) Kleinsein. Das mag von aussen keiner begreifen, mir vorrechnen, was alles toll und gut und erfolgreich ist und war in meinem Leben. Und ja, da lässt sich sicherlich einiges aufzählen. Im Moment sehe ich es aber nicht. Ich bin aber durchaus dankbar für die Erwähnung, da dies mir hilft, die Relationen nicht ganz zu verlieren.

Was aber wirklich klar ist: Würde ich dahin gehen, schlicht andere zu kopieren, weil sie mir gross scheinen, ich mich klein fühle, wäre ich bloss noch eine Kopie. Was sollte das bringen? Kopieren ist toll. Wenn es ein Übungsweg hin zu etwas Eigenem ist. Schlussendlich zählt aber nur eines: „Wer bin ich, was trage ich zu dieser Welt bei, was ist mein Platz hier?“ Und genau den darf ich einnehmen. Ich muss dazu nichts Besonderes sein, es reicht, wenn ich schlicht ich bin. Denn: Es braucht uns alle irgendwie. Wären alle gleich, würde ganz viel fehlen auf dieser Welt. Man kann das ganz leicht nachvollziehen, wenn man sich ausdenken muss, wie alle sein müssten. Man kann dabei praktisch jeden beliebig einsetzen – wären alle so, würde die Welt nicht weiter funktionieren. Sie lebt von der Vielfalt. Dazu tragen wir bei.

Ich werde wieder hadern, wieder an mir verzweifeln. Aber: Ich werde auch immer wieder gestärkt daraus hervor gehen. Und zurück blicken. Und an Rilke denken. Und danke sagen. Denn: Alles hat seinen Sinn. Auch das Leiden. Und zum Thema Kopie:

Oscar Wilde sagte einst:

„Sei du selbst, denn alle anderen gibt es schon.“

Statt also eine schlechte Kopie eines anderen zu sein, könnten wir daran glauben, dass wir selber ein wertvolles Original sind. Und so leben, wie es uns entspricht. Dann stellt sich auch das Glück ein.

Ich brauche keine Anerkennung

Ich muss nicht alles können. Ich muss nicht jedem gefallen. Ich muss nicht alles wissen. Ich muss nicht jeden mögen.

Vor langer Zeit stellte ich diesen Satz als eigenes Mantra bei Twitter rein. Ich war überzeugt, dass es genau so ist. Und ich konnte es nicht leben. Wie oft suchte ich die Anerkennung. Wie oft fürchtete ich, man könnte mich nicht mögen. Wie oft versuchte ich, alles „recht“ zu machen, um ja nicht abgelehnt zu werden. Wie unfrei war ich. Gefangen in Versuchen, die Erwartungen anderer zu erfüllen – teils wirklich ihre, teils die, welche ich ihnen zuschrieb.

Alfred Adler sagte sinngemäss, dass wir nicht auf der Welt sind, damit wir die Erwartungen anderer erfüllen. Wie oft aber versuchen wir es? Und scheitern? An uns, an ihnen, am Leben? Wie oft denken wir, dass das Leben so kompliziert ist, Beziehungen schwierig sind und wir nicht genügen?

Was macht den Wert eines Menschen aus? Was er hat? Was er kann? Was er verdient? Oder vielleicht doch nur, dass er da ist? Kein Mensch ist eine Insel, kein Mensch lebt für sich allein. Um als menschliche Individuen zu leben, brauchen wir andere Menschen, wir brauchen eine Gemeinschaft. Und zu dieser wollen wir gehören, in ihr wollen wir einen Wert haben.

Heutzutage wird dieser Wert oft in Geld gemessen. Sag mir, was du hast/verdienst, ich sage dir, was du (mir/der Gesellschaft) wert bist. Wenn das Leben aber zum Tauschhandel wird, haben wir alle verloren, denn: Jeder rennt nur dem Status nach, der ihm von aussen zugeschrieben wird. Was von innen zum Leben drängt, wird oftmals ignoriert – und dies mitunter mit schwerwiegenden Folgen wie psychischen Problemen, Alkoholmissbrauch, Süchten, Drogen oder anderen Überkompensationen. Allem zugrunde liegt das menschliche Unglück. Dieses war statistisch kaum so sehr verbreitet wie heutzutage.

Es ist DEIN Leben. Nur du kannst es leben.

Alfred Adler hat eine wohltuend klingende, kaum glaubhafte und schwer umzusetzende Aussage:

Du kannst dich ändern. In jedem Moment hast du es in der Hand, ob du glücklich sein willst.

Was es dazu braucht? Das Leben in die eigenen Hände zu nehmen. Was wir heute unser Leben nennen, haben wir heute in der Hand. Wir können die Vergangenheit nicht ändern, wir können die Zukunft kaum planen – nur hoffen – und wir können nur eines: Hier und jetzt leben. Es sind nicht die wirklichen Erfahrungen der Vergangenheit, die uns prägen, es ist die Bedeutung, die wir diesen zuschreiben. Es sind nicht die Erwartungen der anderen, die uns lenken, es ist der Wert, den wir diesen geben. Es sind nicht die Ziele, die uns leben lassen, es ist das, was wir heute tun. Und wenn es das ist, was wir gerne tun, weil es uns entspricht, dann zieht auch das Glück ins Leben ein.

Das soll kein Plädoyer dafür sein, plan- und ziellos durchs Leben zu gehen, alle vor den Kopf zu stossen und zu denken „nach mir die Sintflut“. Es ist Gedankenanstoss (immer auch an mich selber), hinzuschauen:

Lebe ich wirklich, was ich leben will, oder versuche ich nur, es allen recht zu machen?

Wer singt nicht, wenn keiner zuhört, tanzt nicht, wenn es keiner sieht? Wieso nur dann? Wieso haben wir so oft Angst, ausgelacht, nicht gemocht zu werden? Wieso machen wir uns so oft zum Sklaven fremder Erwartungen, zum Diener erhoffter Anerkennung? Keiner muss mich mögen. Aber ja, es ist schön, wenn es passiert. Aber nur dann, wenn ich so gemocht bin, wie ich bin. Als ich.

Höre auf dein Herz

„Wenn wir uns mehr um unser tatsächliches Wohl und unsere wahren Bedürfnisse kümmern als um das, was andere über uns denken oder von uns erwarten, sind wir in der Lage, uns sowohl persönlichere als auch erreichbarere Ziele zu setzen.“ (Thupten Jinpa)

  • Wieso tue ich, was ich tue?
  • Habe ich es selber gewollt oder erfülle ich damit die Erwartungen, die meine Eltern, mein Partner, die Gesellschaft an mich haben?

Wie oft leben wir ein Leben und verhalten uns dabei so, wie wir denken, dass es halt von uns erwartet wird? Wir müssen damit nicht offensichtlich unglücklich sein, aber doch schleicht sich hier und dort das Gefühl ein, dass es doch noch mehr geben müsste, dass das doch nicht ganz das ist, was wir eigentlich wollen. Nicht selten überhören wir die Stimmen und gehen den eingeschlagenen Weg weiter.

Dies machen wir oft so lange, bis uns etwas die Augen öffnet und in uns das Gefühl laut wird: So nicht mehr. Meistens sind das Krisensituationen, Krankheiten oder Schicksalsschläge. So leidvoll sie sind, bringen sie uns doch zum Nachdenken, bringen sie uns dazu, uns und unser Leben zu hinterfragen.

Wir müssten nicht auf einen solchen Auslöser warten. Wir könnten uns einfach heute hinsetzen und uns fragen:

  • Wie will ich leben?
  • Was kann ich tun?
  • Wo fange ich an?

Jeder Tag ist die Chance für einen neuen Anfang. Man muss ihn nur wagen.

Lächeln

Lächeln
Mein Grundbedürfnis geht nach Liebe.
Ich wünschte sehr, daß man mich liebt
Und daß mein Lächeln leben bliebe,
Wenn es mich einmal nicht mehr gibt.

Das Höchste, was man hat, ist Bindung
Durch Liebe. Ich ertrage nicht
Die mir verweigerte Empfindung.
Ich öffne allen mein Gesicht

Mit einem Lächeln. Magisch scheinen
In mich die anderen hinein.
Und ich kann sie in mir vereinen,
Und sie vervielfachen mein Sein.
Eva Strittmatter

Wenn ich Bus oder Zug fahre, fallen mir immer wieder die vielen unzufriedenen Gesichter auf. Mit starrem Blick und runtergezogenen Mundwinkeln starren sie entweder in die Luft oder aber auf den Bildschirm eines Handys. Es werden selten Blicke getauscht, geschweige denn kommen Menschen ins Gespräch. Und: Kaum ein Lächeln zeigt sich. Eigentlich traurig, denn ein Lächeln kann so viel bewirken. Bei sich und bei anderen.

Lächle einen Menschen an und er fühlt sich wahrgenommen, auf eine positive Weise. Stell dir nur mal vor, wie dich jemand anlächelt. Kommt nicht gleich ein warmes Gefühl ums Herz auf? Und spüre mal in dein Gesicht, hat sich dein Mund nicht auch gleich zu einem Lächeln bewegt nur schon beim Gedanken an ein Lächeln?

Ein Lächeln kann die Welt eines Menschen für einen Moment erhellen – und oft bleibt es dann weiter hell. Lächeln bringt Liebe ins Leben. Liebe, die wir alle so sehr brauchen. Wieso nicht einfach den Menschen um uns ein Lächeln schenken? Und wieso nicht mal in den Spiegel schauen und uns selber anlächeln? Gerade dann, wenn uns vielleicht nicht so sehr zum lachen zumute ist?

Ich bin meine eigene Zuflucht

„Sei dir selbst eine Insel.“ Buddha

Gerade in schwierigen Situationen sucht man gerne Hilfe und Halt im Aussen. Menschen wenden sich Religionen zu, verschreiben sich neuen spirituellen Gruppen und hoffen, da zu finden, was ihnen abhanden gekommen zu sein scheint. Man erhofft sich Halt bei anderen Menschen, klammert sich teilweise förmlich an sie als Rettungsanker quasi.

Als Buddha kurz vor seinem Tod stand, waren seine Anhänger betrübt. Was würde aus ihnen, wenn er nicht mehr wäre? Seine Botschaften hätten klarer nicht sein können. Erstens – so der Buddha – lebe er in seinen Lehren weiter. Allerdings solle man diesen nicht blind folgen, sondern sie nur als Anstoss nehmen, selber Erfahrungen zu machen. Zweitens, und das wurde er nicht müde zu betonen, sollen sie Zuflucht zu sich selber nehmen. Sie sollen aufhören nach Dingen zu suchen, die in der Ferne liegen, denn es sei alles schon da, in ihrem Herzen. Es warte nur darauf, entdeckt zu werden.
Es hilft, die eigenen Kräfte schon in guten Zeiten zu erkennen und zu pflegen, damit sie in schwierigen da sind und wir auf sie vertrauen und bauen können. Vielleicht fragen wir uns einfach mal:

  • Was tut mir gut?
  • Wie kann ich mir selber etwas Gutes tun?
  • Was sind meine Stärken?
  • Wie kann ich mir selber Halt sein, wenn ich ihn brauche?

Vergiss die Sorgen

„Manche Leute reden sich Sorgen ein, die sie gar nicht haben.“ (Fred Ammon)

„Was wäre wenn…“ – Mit dieser Floskel fangen viele Sorgen an. Wir denken an etwas, das uns passieren könnte, malen es in allen düsteren Farben aus und sorgen uns immer mehr. Wir sorgen uns über die Folgen von etwas, das nicht eingetreten ist. Unter Umständen tritt es auch nie ein, so dass wir uns die Sorgen völlig umsonst gemacht haben. Und: Wenn es denn eintritt, machen wir uns dann die Sorgen nochmals. Wir haben uns dann nicht nur doppelt gesorgt, wir haben uns zweimal zuviel gesorgt, denn:

Wenn uns etwas Schlimmes passiert, nützen die Sorgen wenig. Sie verändern nichts zum Positiven, sie tragen nichts zur Lösung bei, sie belasten uns nur und ziehen uns runter. Statt sich also sorgenvoll zu fragen „Was soll nur werden?“ hilft die Frage „Was kann ich tun?“ mehr. Wenn ich dann etwas finde, das ich tun kann, um meine Lage zu ändern, tue ich es. Wenn ich nichts finde, suche ich einen Weg, mit dieser Lage klarzukommen, indem ich versuche, sie zu akzeptiere und das beste draus zu machen.

Die eigene Kreativität entdecken

„Kreativität ist die Fähigkeit zu sehen (oder bewusst wahrzunehmen) und zu antworten.“ (Erich Fromm)

Jeder Mensch ist kreativ, nur haben wir oft den Zugang zu unserer Kreativität verloren. Festgefahren in Routinen oder vorgefassten Meinungen reagieren wir auf Situationen, statt aktiv hinzusehen, was ist und dann aktiv etwas zu tun.

Im bewussten Wahrnehmen dessen, was ist, steckt die Möglichkeit, Neues zu schaffen – sei es im eigenen Verhalten (quasi als Lebenskunst) oder in Form eines (künstlerischen) Werkes.

Die eigene Kreativität wieder zu entdecken, heisst, sein eigenes Leben wieder aktiv in die Hand zu nehmen und sich und die in sich angelegten Fähigkeiten und Möglichkeiten zu entwickeln. Es heisst, wieder bewusst hinzusehen, was ist und entsprechend zu handeln. Das hilft uns auch im Umgang mit anderen Menschen, da wir sie wieder offen sehen, nicht durch unsere eigenen Projektionen verstellt.

Wenn der Weg zur inneren Kreativität versperrt ist, dann sind wir wie die Menschen in Platons Höhlengleichnis: Wir sehen nur die Schatten und halten sie für die Welt. Damit beschneiden wir uns selber in unseren Möglichkeiten und unserem Sein, aber auch unsere Sicht auf die Welt und unseren Umgang damit. Spätestens wenn wir das merken oder gar darunter leiden, sollten wir das Licht suchen und den Weg zur eigenen Kreativität freischaufeln.

Musik

„Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist.“ (Victor Hugo)

Musik war immer ein wichtiger Teil meines Lebens. Wenn es mir nicht gut geht, hörte ich Musik und fühle mich irgendwie gehalten, oft hilft die Musik auch, dass ich mich bald wieder besser fühle. Geht es mir gut, verstärkte die Musik das Gefühl noch. Ich habe auch viele Lieder, die ich mit (immer schönen) Erinnerungen verbinde. Läuft ein solches, kommt gleich auch die Erinnerung und damit das gute Gefühl von damals hoch.

Es gibt Musik, bei der ich genau weiss, dass ich gute Laune kriege, wenn ich sie höre, Musik, die mir beim Träumen hilft, Musik, die schöne Momente noch untermalt. Nun habe ich neu begonnen, Gitarre zu spielen. Und auch wenn ich nur ein paar Akkorde kann aktuell, tut mir das Spielen gut, bringt es mich in eine andere Welt. Vor allem, wenn meine Welt mal nicht so hell erscheint, hilft die Musik, wieder ein wenig Sonne hereinzubringen.

Probiere es mal aus: Wenn du traurig oder wütend bist, schlechte Laune hast – höre ein Lied, von dem du weißt, dass es dich fröhlich macht, zu dem du am liebsten tanzen würdest. Und dann singe und tanze. Und spüre, was mit dir passiert.

Distanz gewinnen

Überlaß es der Zeit

Erscheint dir etwas unerhört,
Bist du tiefsten Herzens empört,
Bäume nicht auf, versuch’s nicht mit Streit,
Berühr es nicht, überlaß es der Zeit.
Am ersten Tag wirst du feige dich schelten,
Am zweiten läßt du dein Schweigen schon gelten,
Am dritten hast du’s überwunden,
Alles ist wichtig nur auf Stunden,
Ärger ist Zehrer und Lebensvergifter,
Zeit ist Balsam und Friedensstifter.

Theodor Fontane

Ab und an ist es sinnvoll, die Dinge einfach ruhen zu lassen. Wenn wir direkt reagieren, geschieht das häufig aus einem Affekt heraus, es ist unüberlegt und oft unangemessen, da nicht aufgrund der aktuellen Situation sondern aus alten Prägungen und Mustern heraus.

Innezuhalten und alles setzen zu lassen, hilft einerseits, die aktuelle Situation richtig einzuschätzen und eine mögliche Reaktion bewusst zu wählen, andererseits merken wir aus der Distanz oft, dass sich die Angelegenheit für uns erledigt hat, wir gar nichts mehr zu tun brauchen.

Kreativität

„Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können.“ (Nietzsche, Also sprach Zarathustra)

Vieles im Leben haben wir nicht im Griff, wir können es schlicht nicht kontrollieren. Das Wetter, Krankheiten, Begegnungen, Todesfälle – alles kommt von aussen auf uns zu und wir können nur damit leben – auf die bestmögliche Weise. Bei all den Unsicherheiten im Aussen suchen wir nach Sicherheit, nach einem Halt, versuchen, unter Kontrolle zu haben, was sich in diese bringen lässt. Nur:

Die (vermeintliche) Kontrolle ist nicht nur oft eine Illusion, sie ist auch der Tod der Kreativität. Wo wir nur noch in vorgefertigten Schemen denken, wo wir nur noch auf vorgfertigen Pfaden gehen, wo wir alles akkurat nach Vorgabe, Regel und Vorschrift abhandeln und uns von starren Prinzipien leiten lassen, entsteht nichts Neues. Das Leben hört auf Spiel zu sein und es werden ganz sicher keine tanzenden Sterne geboren. Und:

Wirkliche Sicherheit finden wir auch so nicht. Ist der Preis unsere Kontroll- und Sicherheitsdenken also nicht zu hoch? Wieso nicht einfach mal loslassen, geschehen lassen, chaotisch und frisch denken und fühlen und handeln? Und Sterne gebären, um mit ihnen zu tanzen.

Urteile – Unding oder Lebensding?

Heute las ich auf einem Blog (lieben Dank für den Denkanstoss – ein Blog, den ich übrigens sehr mag) ein Zitat:

„Denken ist schwer, deshalb urteilen die Meisten.“ (C. G. Jung)

Begleitet wurde das Zitat durch eine Zeichnung.

Meine Gedanken dazu waren:

Es ist schwer, darauf zu reagieren. Alles, was ich zum Zitat oder Bild sagen könnte, wäre ein Urteil. Zumindest eine Interpretation oder eine eigene Sicht auf das Ganze, was doch wiederum im landläufigen Sinne einem Urteil gleich kommen könnte.

Ich kenne das „nicht Urteilen“ aus der östlichen Philosophie (Jung hat sie wohl auch von ebenda). ich frage mich oft, wie lebensnah die Forderung ist? Helfen Urteile nicht oft auch, uns in einer dem Leben angemessene Zeit auf dieses zu reagieren und darin zu bestehen?

Aber ja, oft sind sie auch da, ohne dass wir wissen, woher sie kommen. Und hindern uns dann am Sein im Hier und Jetzt? Bringen uns gar zu oft in Situationen, in welchen wir uns nicht sehen wollten, weil wir aufgrund von Impulsen und aus denen resultierenden Urteilen reagierten, ohne wirklich hinzuschauen?

Deswegen aber Urteile ganz vermeiden? Wäre nicht das Bewusstsein, wo wir aufgrund welcher Gründe urteilen, ein anzustrebendes Ziel, statt Urteile per se einen negativen Touch zu geben?

Zudem: Ist ein Urteil immer frei von Denken? Sind Urteilen und Denken Gegensätze?

Lebe, liebe, lache

„Live, Love, Laugh.“ (Osho)

Wie oft sagst du im Leben, dass du etwas gerne tun würdest, leider keine Zeit dafür hast? Wie oft schiebst du Herzenswünsche vor dir her, weil du sie dir irgendwann später erfüllen möchtest? Wie oft vertröstest du liebe Menschen auf später, weil du im Moment einfach zu eingespannt bist?

Das Leben ist kurz und wir haben nur das eine. Wir sollten uns also gut überlegen, was wir mit der Zeit, die wir haben, anfangen. Das heisst nicht, dass wir alle Pflichten liegen lassen und fortan nur noch nach dem Lustprinzip leben sollen, aber es bedeutet, dass wir uns klar werden müssen, wo unsere wirklichen Prioritäten liegen und wie wir sie umsetzen können. Wie viel Unwichtiges tun wir tagtäglich, weil wir nicht nein sagen konnten, weil wir uns einfach treiben lassen, weil wir schlicht nicht hinsehen, was uns wirklich gut tut und am Herzen liegt?

Irgendwann gibt es kein später mehr – es wäre schade, wenn die Herzenswünsche unerfüllt mit uns aus dieser Welt gingen oder wir zu wenig Zeit mit geliebten Menschen verbracht haben, und es nun nicht mehr möglich ist.

Lebe, liebe, lache! Es ist dein Leben!

Leben und Lernen, oder: Ich bin gut

Klein Emma rennt über den Spielplatz, um möglichst schnell bei der Rutsche zu sein. Ihre Mutter ruft ihr nach: „Emma, pass auf, nicht dass du hinfällst.“

Schön, wie besorgt die Mutter um ihr Kind ist, nicht?

Später sitzen alle bei Tisch, Emma will sich selber aus der Salatschüssel schöpfen, es gelingt ihr auch teilweise, ein Teil des Salates landet im Teller, der Rest fällt in die Schüssel zurück. Der Vater nimmt ihr das Salatbesteck aus der Hand: „Warte, ich mach das für dich, das kannst du noch nicht. Sonst fällt noch was aufs Tischtuch.“

Schön, wie hilfsbereit der Vater ist, nicht?

Emma und ihr Freund fahren in die Stadt, finden nur einen Parkplatz zum Seitwärts-Parken. Emma: „Kannst du das für mich machen? Ich kann das nicht.“ Der Freund findet das selbstverständlich und parkt das Auto.

Schön, wenn man einen so hilfsbereiten Freund hat, nicht?

Besorgte Mütter und hilfsbereite Freunde sind wunderbar, es ist schön, wenn man Menschen im Leben hat, die für einen da sind. Das Wissen um solche Menschen gibt einem die nötige Sicherheit, das Gefühl der Verbundenheit auch, ohne das der Mensch nicht lebensfähig ist. Die drei hier erwähnten – durchaus sehr verkürzten – Beispiele zeigen aber noch mehr: Wir sehen nicht nur Hilfsbereitschaft, wir sehen auch Haltungen:

Die Mutter traut dem Kind nicht zu, unfallfrei zu rennen. Wenn sie nun bei jedem Spurt der kleinen Emma zur Vorsicht gemahnt, wird in Emma das Gefühl grösser, dass das Leben gefährlich ist und die eigenen Fähigkeiten nicht ausreichen. Das Gefühl der fehlenden Fähigkeiten verstärkt sich bei der Situation mit dem Salat noch. Hinzu kommt die Angst, einen Fehler zu machen. Diese beiden Situationen sind sicherlich nicht die einzigen im Leben der aufwachsenden Emma. Immer wieder wird sie Stimmen begegnen, die ihr sagen, was sie nicht kann, was nicht gut ist, wo sie sich verbessern müsste.

Gerade die Schule in ihrer heutigen Form ist sehr nach Leistung aus. Spätestens da wird Emma bewusst werden, dass es Normen gibt, in die sie passen muss. Tut sie das nicht, weil sie nicht die erwarteten Leistungen in der dafür vorgesehenen Zeit erbringt, wird sie bewertet, im schlimmsten Fall deklassiert.

All das hat eine Wirkung auf Emma. Es festigt in ihr ein Denken. Wenn sie nicht genügend anders geartete Stimmen hat, die an sie glauben, ihr Mut machen, sie bestärken, und wenn sie nicht genügend Resilienz besitzt, die abwertenden Stimmen im wahrsten Sinne des Wortes abprallen zu lassen, drüber zu stehen, mit gesundem Selbstbewusstsein weiter zu gehen, wird das Denken in etwa so lauten:

„Ich genüge nicht. Ich bin nicht gut genug.“

Dazu gesellen sich noch Gedanken, was sie alles nicht kann (oder nicht zu können glaubt). Und so wächst eine Emma heran, die sich (zu) wenig zutraut, die den Mut nicht hat, Dinge auch mal zu probieren, weil sie Angst hat, auf die Nase zu fallen, etwas zu riskieren, weil sie Angst hat, etwas falsch zu machen. Emma wird sicher immer wieder Menschen finden, die ihr helfen, aber sie selber wird dadurch nicht glücklich, weil sie durch diese Selbstzweifel immer wieder in der Erfahrung der Selbstwirksamkeit beschränkt ist. Es fehlt ihr die Freiheit, zu probieren, oft auch die Neugier zu lernen, weil sie von vornherein denkt, es sowieso nicht zu können.

Was also ist die Lösung? Nicht mehr helfen? Sollen alle auf die Nase fallen, denn nur aus Schaden wird man klug? Das wäre eine verheerende Schlussfolgerung. Wir alle sind auf Hilfe angewiesen in ganz vielen Punkten. Ohne gegenseitige Hilfestellungen wäre das Leben beschwerlich, wenn nicht gar unlebbar. Die Frage ist aber, wobei man hilft und auf welche Weise. Und noch zentraler ist die Frage: Aus welcher Haltung heraus helfe ich.

Wenn man als Helfer als grosser Könner dem kleinen Hilflosen zu Hilfe eilt, ist vielleicht das aktuelle Problem gelöst, aber ein grösseres nimmt seinen Anfang: eine Hierarchisierung von Menschen. Da gross, dort klein, hier Könner, da Taugenichts. Hilfe sollte immer auch Hilfe zur Selbsthilfe sein, und: Sie sollte von Mensch zu Mensch auf Augenhöhe passieren. Wenn einer dem anderen hilft, sind beide als Menschen gleichrangig. Sie treffen sich in einer Situation und sind da aufeinander angewiesen: Ohne Hilfesuchenden gibt es keinen Helfer. Und: In allen Situationen, in denen Menschen aufeinander treffen, nehmen immer beide etwas für sich mit.

Kein Kind wird ohne ein aufgeschlagenes Knie durch die Kindheit gehen. Als Eltern sind wir dazu angehalten, unsere Kinder vor Gefahren zu schützen. Nur: Wo keine anderen Gefahren als nur ein wenig Blut lauern, sollte das Kind durchaus seine eigenen Grenzen ausloten können dürfen. Wie schnell kann ich laufen, wie viel kann ich wagen? Und wenn es zu viel war, sollte nicht Tadel und Belehrung warten (das Kind hat durchaus selber gemerkt, dass es so auf die Nase gefallen ist), sondern Liebe und Aufmunterung. Ein Kind, das auch beim Hinfallen das Vertrauen spürt, das in seine Fähigkeiten gesetzt wird, wird wieder aufstehen und weiter laufen. Es wird sich gehalten, aber nicht getragen fühlen, denn es weiss, dass jemand da ist, es aber die eigenen Füsse brauchen darf und kann auf dem Weg durchs Leben.

Und so würde Emma beim ersten Autoausflug ihren Freund vielleicht bitten, von aussen zu signalieren, wie weit sie fahren kann, um es dann nach und nach selber abschätzen zu können. Weil sie weiss, dass sie sich helfen lassen darf, sie aber die Dinge selber lernen kann.

Immer, wenn in Zukunft das Gefühl aufkommt, dass man nicht genügt, könnte man sich fragen: Wem genüge ich nicht und wieso?

Wenn das Gefühl aufkommt, etwas nicht zu können, könnte man sich fragen: Wieso glaube ich das? Und: Wessen Stimme spricht da?

Schlussendlich ist jeder, wie er ist, und damit ist er gut. Das heisst nicht, dass man im Leben nichts dazu lernen kann, das kann man immer und tut man im Normalfall auch immer, denn leben heisst lernen – ein Leben lang. Wenn man etwas lernt, ist man nachher nicht besser, man ist immer noch gut. Wenn man nichts lernen will, könnte man sich fragen, wieso das so ist. Und vielleicht würde man nur schon durch die Frage etwas lernen. Auch das wäre gut.