Tagesgedanken: Gemeinsam die Welt gestalten

Manchmal fühlt sich das Leben an, als wären die Dinge festgefahren und man selber habe keine Wahl als sie zu nehmen, wie sie sind. Nun kann man sicher nicht alles ändern im Leben, und doch besteht da doch ein Spielraum, den wir aber erkennen müssen, um ihn nutzen zu können. Festgefahren scheinen mir auch oft die Meinungen in Diskussionen: Es besteht wenig Offenheit für die Argumente des anderen, man bleibt in seiner Meinung verhaftet, versucht den anderen immer heftiger zu überzeugen oder aber grenzt ihn aus als falsch Denkenden. 

Bei Hannah Arendt gibt es zwei zentrale Begriffe: Pluralität und Natalität. Wir sind als Menschen in diese eine gemeinsame Welt geworfen und für Hannah Arendt bedeutet das, dass wir als Verschiedene und Vielfältige jeder von seinem Standort aus auf die Welt blicken und sie anders wahrnehmen. Erst im gemeinsamen Diskurs als Verschiedene aber mit gleichem Wert können wir die Welt als eine gemeinsame erschaffen, weil wir die Dinge auch von verschiedenen Seiten betrachten, Seiten, die wir alleine nie sehen würden. 

In der Natalität liegt der Gedanke des Neubeginns: Die Geschichte ist nicht einfach eine Folge von Gesetzmässigkeiten, sondern ein Zusammenkommen von vielen unvorhersehbaren Ereignissen, die dann zu unserer Geschichte werden. Mit jedem Ereignis, mit jeder Geburtsstunde, kommt etwas Neues in diese Welt. Wir selber als Menschen sind so in der Lage, neu anzufangen. Immer wieder. Wir sind nicht einfach auf einen vorherbestimmten Ablauf festgelegt. Ich mag diesen Gedanken sehr. Ich mag auch ihr freies Denken, das Denken ohne Geländer, von dem sie aber weiss: 

„Es gibt keinen gefährlichen Gedanken, das Denken an sich ist gefährlich.“

Man setzt sich damit auch gerne mal zwischen die Stühle – und da muss man sich dann einrichten. 

3 Kommentare zu „Tagesgedanken: Gemeinsam die Welt gestalten

  1. Wie’s so kommt
    Man kann die Bewegung als solche schätzen und von ihr Positives erwarten. Das war bei Hannah Arendt 1968 wohl der Fall, denn sie begrüßte die SDS-Bewegung. Aus der sich dann Figuren wie Dutschke und Meinhof erhoben, beide intelligent und denkfreudig. Diese Eigenschaften trieben sie zur Besserwisserei – bei riesigen Kenntnisdefiziten – und dann zur Neigung zu Gewalt, Mord und Totschlag. In einer anderen, auch politischen Sphäre, gilt das ähnlich auch für Dugin und Putin: intelligent und denkfreudig. Die Epigonen der SDS-Bewegung wie Schröder, Scholz und Steinmeier sind heute konfrontiert mit den Folgen ihrer Denkfrüchte von damals und Dugin und Putin.

    Ähnliche Betrachtungen müssen Pascal zu folgenden Gedanken angeregt haben: “Wenn ich mich zuweilen damit beschäftigt habe, die vielgestaltige Unrast der Menschen zu betrachten, die Gefahren und Mühsale, denen sie sich aussetzen … habe ich entdeckt, daß das ganze Unglück der Menschen aus einer einzigen Ursache kommt: nicht ruhig in einem Zimmer bleiben zu können.”
    (Pascal, Gedanken, Dieterich Nr. 178 (136))
    – „… daß der Mensch die überspanntesten Meinungen leicht annehmen kann“ Pascal, Gedanken (33/374)

    Pluralität wurde von der Studentenbewegung als “bürgerlich” diffamiert, auch im persönlichen Bereich.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s