Kategorie: Gedanken
Ein Verlag stellt sich vor: rüffer & rub

Wozu braucht man in Zeiten des Internets und des Selfpublishing noch Verlage? Wie sehen die Verlage selber ihre Zukunft? Denkzeiten fragt nach.
Anne Rüffer vom Verlag rüffer&rub hat sich bereit erklärt, mir ein paar Fragen zu beantworten:
Wie ist ihr Verlag entstanden? Was ist ihr Schwerpunkt?
Bei rüffer&rub publizieren wir seit über 10 Jahren ausschliesslich Sachbücher zu Fragen, die eine Antwort verdienen. Daneben finden Sie im 2008 gegründeten Römerhof Verlag Biographien von interessanten Menschen.
Wieso wurden Sie Verleger, wie sah Ihr Weg dahin aus?
Als Journalistin habe ich mich vorwiegend Themen gewidmet, die im weitesten Sinne mit sozialen Fragen und gesellschaftlichen Zusammenhängen verknüpft sind und bei denen die wichtigste Überlegung lautete: Was ist die Qualität des nächsten Schritts? Mit der Zeit hatte ich jeweils derart viel Material recherchiert, dass es irgendwann hiess: Wieso machst du daraus nicht ein Buch? Der nächste Schritt folgte rasch: Da es viele relevante Themen gibt und ausgezeichnete Autoren, die fundiert recherchieren und kompetent den Inhalt darlegen können, zudem noch einen Stil beherrschen, den man literarisch nennen kann, brauchte es nur noch ein Gefäss, das alles zusammenhält. Dass es am Ende zwei Verlage werden würden, hat sich logisch ergeben: Im Jahr 2008 fiel mir auf, dass zwar nahezu jeder Verlag Biographien im Programm hat, aber dass sich niemand ausschliesslich darum bemüht, die Lebensgeschichten von Menschen zu publizieren, die eine aussergewöhnliche Leistung vollbracht haben.
Würden Sie den Weg wieder gehen?
Salto rückwärts – das ist nicht meine Sache, ich halte nichts vom Spekulieren über eine mögliche Vergangenheit.
Was fasziniert Sie an Büchern? Woher stammt die Liebe dazu?
Bücher sind wie beste Freunde: Wir wachsen mit ihnen auf, wir werden mit ihnen alt, mit manchen ziehen wir um, andere gehen verloren und/oder vergessen. Als Kind konnte ich mich in Büchern verstecken, mich von ihnen trösten lassen und vor allem ließen sie mich in Welten eintauchen, die mir sonst verschlossen geblieben wären.
Gibt es Bücher, Schriftsteller, die Sie persönlich geprägt haben, die Ihnen wichtig sind?
Das wechselt mit zunehmendem Alter und den persönlichen Umständen: Ganz früher Karl May (mit meiner Kinderbande habe ich seine Romane auf dem platten Land nachgespielt …), in der Phase, in der man seine Wurzeln sucht und sich verorten will, die Bücher von Elie Wiesel und die Existentialisten, im nächsten Lebens-Abschnitt und auf dem Weg zum eigenen Verlag vor allem Sozialreportagen wortgewaltiger Journalisten sowie die Bücher von Joan Didion. Und immer wieder Perlen aus der Literatur, die ich ohne »Anweisung von oben«, was man angeblich alles gelesen haben muss, durch Hinschauen, darin blättern und sich gefangen nehmen lassen, entdeckt habe.
Wie darf man sich den Alltag eines Verlages, eines Verlegers vorstellen?
Kommen Sie doch einfach mal einen Tag zu uns und schauen Sie uns über die Schulter.
Wie haben sich Ihr Verlag und ihr Beruf verändert in den letzten Jahren?
Durch die technischen Fortschritte sind viele Dinge einfacher geworden, doch das Wesentliche bleibt: Relevante Inhalte von kompetenten Autoren mit den richtigen Personen an das Publikum zu bringen.
Die Zeiten des Internets und damit die Möglichkeiten des Selfpublishing wirbeln die Bücherwelt auf. Was kann oder muss im Verlagswesen in Ihren Augen allgemein geschehen, damit nicht alles untergeht?
Vor allem nicht ständig das Mantra des Untergangs herbei zu beten! Im Grunde zählt die Fähigkeit, eine Geschichte brillant zu erzählen und ein Thema kompetent auszuschöpfen; wer das auf welchem Weg macht, ist am Ende irrelevant. Um das Buch ist mir nicht bange.
Welchen Vorteil hat ein Autor, der ein Buch bei Ihnen herausbringt, statt es in Eigenregie zu publizieren?
Wir sind dann immerhin zu zweit (und mit meinem Team gleich 7), die ihr Herzblut und ihre Fähigkeiten einsetzen, um dem Buch zum Publikum zu verhelfen.
Nach welchen Kriterien wählen Sie die Bücher aus, die Sie veröffentlichen?
Bei uns gilt die Regel: Packt uns das Thema, trauen wir dem Autor/der Autorin die Fähigkeiten (Kompetenz, Durchhaltewillen, Engagement über 8 to 5 hinaus) zu und können wir uns vorstellen, uns dafür lange, lange einzusetzen.
Was halten Sie von der Kontroverse Buch – E-Book?
Nicht besonders viel, denn unsere Aufgabe als Verleger ist es, den Inhalt mit den Autoren so zu polieren, dass der Leser zufrieden ist. In welcher Form er den Inhalt haben will, ist eine rein technische Frage. Warum sollte ich das dem Leser vorenthalten?
In Deutschland wurden in letzter Zeit immer wieder kritische Stimmen laut, Verlage nutzen ihre Praktikanten und Volontäre aus, indem so billige Arbeitskräfte ausgenutzt würden. Was ist dran? Wie sieht das in der Schweiz aus?
Wenn man eine Vollkostenrechnung macht, dann ist es schier unmöglich, mit dem Erlös aus einem Buchverkauf zu »überleben«, man muss als unabhängiger Verleger/Verlegerin schon sehr enthusiastisch sein und bereit zur persönlichen materiellen Reduktion – eine Art »Überlebenskitt«. Andererseits fasziniert die Bücherwelt und bietet eine inhaltliche Erfüllung, die man nicht in vielen Branchen findet. Will man in dieser Welt seine berufliche Erfüllung finden, ist klar, dass man finanziell – im Vergleich zur Finanzbranche – auf einem anderen (Finanz-)Planet unterwegs ist. Letztlich ist es eine Frage, wer einen denn zwingt, ein Praktikum anzunehmen. Wir ermöglichen einen vertieften Einblick in ein Berufsumfeld und dazu die Chance herauszufinden, ob die Bücherwelt wirklich die ist, in der man arbeiten möchte und ob es sich lohnt, sich dafür anzustrengen. Dass man dafür auch noch einen (kleinen) Lohn bekommt, ist doch fair, oder etwa nicht?
Auch von Seiten der Autoren hört man Klagen von zu viel Druck, zu viel Einmischung und drohenden Abgabeterminen seitens der Verlage. Wie sieht das von Verlagsseite aus? Sind Autoren heutzutage sensibler? Die Zeiten einfach härter?
Wir erleben das anders, es ist mehr die Frage: Wie kann man gemeinsam dem Buch im harten Konkurrenzumfeld zum Durchbruch verhelfen. Dass die Anforderungen grundsätzlich intensiver sind, versteht sich angesichts der Tatsache, dass man in den Medien inzwischen auch zum »Casting« antritt und der Text allein oft nicht mehr reicht, um dort anzukommen. Das kann man beklagen, doch schmollen hilft nicht. Dranbleiben und sich nicht entmutigen lassen, und ein klein wenig hoffen, dass das Glück uns schon findet.
Welchen anderen Verlag / Verleger würden Sie empfehlen für ein nächstes Porträt hier?
Daniel Puntas – der das grossartige Heft »Reportagen« verlegt und beweist, wie man mit einer tragfähigen Idee etwas Neues aufbauen kann.
Ich bedanke mich herzlich für dieses Interview!
r & r: Fakten und Zahlen:
Gründungsdatum: Juli 2000
Anzahl Mitarbeiter: 7
Jährliche Publikationen: 8 – 12
Adresse: Konkordiastrasse 20, 8032 Zürich
Telefonnummer: ++ 044/381 77 30
Mail: info@ruefferundrub.ch
www: ruefferundrub.ch
Was ist das Besondere an mir?
Ich war dieses Wochenende an einem Workshop. Das Thema war „Dharma“ – wie soll ich handeln, was stimmt für mich, ist mein richtiger Weg? Wer bin ich, was macht mich aus? Ich fand es spannend zu sehen, dass genau dieses Thema gewählt wurde, das auch mich immer wieder beschäftigt hat, sei es als philosophische Gedankenspielerei, sei es in Bezug auf mein eigenes, persönliches Leben.
Wie oft versuchen wir, in den Fussstapfen anderer zu gehen. Wir lernen einen Beruf, weil unsere Eltern das so wollen oder schon der Grossvater denselben hatte. Wir verhalten uns in Beziehungen so, wie wir denken, dass unser Gegenüber das von uns wünscht. Wir gehen Wege, weil die Gesellschaft diese als zu gehende definiert. Gar oft leiden wir, fühlen uns unwohl, irgendwie in uns und unserem eigenen Leben nicht zu Hause. Spätestens dann, wenn wir nicht mal mehr in uns selber zu Hause sind, wäre ein guter Zeitpunkt, hinzusehen und zu entdecken, was denn unser wirkliches Zuhause wäre. Was will ich im Leben? Was macht mich aus? Was kann ich und möchte ich in die Welt hinaus tragen?
Oft trauen wir uns nicht, die Dinge zu verwirklichen, die uns wirklich tief am Herzen liegen, weil wir vielleicht zu sehr gefangen sind in äusseren Zwängen, in inneren Ängsten. Vielleicht trauen wir uns schlicht nicht, zu uns zu stehen, weil es Angst machen kann, sich wirklich ganz selber zu sein. Was, wenn man dann abgelehnt würde? Was, wenn genau das, was einem wirklich nah ist, nicht klappt?
Gestern stolperte ich wie zufällig über ein Zitat, das ich schon lange kenne, das aber just prima in das Wochenende passte. Johann Wolfgang von Goethe scheint sich auch mit diesem Thema befasst zu haben, sagte er doch:
In dem Augenblick, in dem man sich endgültig einer Aufgabe verschreibt, bewegt sich die Vorsehung auch. Alle möglichen Dinge, die sonst nie geschehen wären, geschehen, um einem zu helfen. Ein ganzer Strom von Ereignissen wird in Gang gesetzt durch die Entscheidung, und er sorgt zu den eigenen Gunsten für zahlreiche unvorhergesehene Zufälle, Begegnungen und materielle Hilfen, die sich kein Mensch vorher je so erträumt haben könnte. Was immer Du kannst, beginne es. Kühnheit trägt Genius, Macht und Magie. Beginne jetzt.
Es ist nie zu spät, anzufangen, denn Jetzt ist immer gerade in dem Moment, in dem man steckt.
Ich fragte gestern einen mir nahestehenden Menschen, was denn mich ausmache, was an mir besonders sei (dies war eine Aufgabe an diesem Wochenendworkshop). Die Antwort war, dass ich das, was ich tue, mit ganzem Herzen mache, mich voll in meinen Weg hineingebe und diese Begeisterung und Liebe auch weiter geben könne.
Ich hätte mich nie so beschrieben, erkenne mich aber wieder. Ich bin dankbar, zu wissen, dass ich auf dem richtigen Weg bin, auf meinem. Vielleicht ist heute auch genau der richtige Tag, sich und seinen Nächsten gewisse Fragen zu stellen:
Wer bin ich? Was macht mich aus? Wo fühle ich mich zu Hause, was will ich tun?
Mein Leben
Es gibt Tage, da hadere ich. Denke, was ich alles aus meinem Leben hätte machen können, sehe erfolgreiche Menschen, reiche Menschen, berühmte Menschen und dann mich. Denke, was ich hätte anders machen können und müssen, um vielleicht auch einen Weg einschlagen zu können, der mehr Reichtum, mehr Anerkennung, mehr Status gebracht hätte.
So zu denken taugt nicht dazu, sich gut zu fühlen, im Gegenteil, es zieht runter. Man sieht all das, was man nicht hat, sehnt sich an Orte, an denen man ist und vielleicht auch nie sein wird. Man hadert mit Wegen, die man gegangen ist aufgrund von Entscheidungen, die man getroffen hat. Damals hatte man Gründe für die Entscheidungen, heute sieht man nur noch das Ziel, die man so erreichte.
Wenn der erste Sturm der Aufregung vorbei ist, frage ich mich jeweils: Wo möchte ich gerade jetzt lieber sein als da, wo ich bin? Was möchte ich lieber tun als das, was ich tue? Und meistens komme ich dann zum Schluss, dass das, was ich tue, genau dem entspricht, was ich tun will (ausser wenn es grad ganz schlimm die Steuererklärung oder das Bad putzen ist). Ich komme zum Schluss, dass da, wo ich bin, der Ort ist, an dem ich sein will – wäre es anders, könnte ich es ändern und habe das in der Vergangenheit auch einige Male getan – oder eben gelassen.
Ich war in meinem Leben meistens in der wirklich glücklichen Lage, sehr frei entscheiden zu können, was ich tun will, womit ich mein Leben füllen möchte. Es gab kaum Grenzen, gab wenige Einschränkungen und wenn, dann keine, die ich hätte durchbrechen wollen. Ich war nie reich, auch nie berühmt, ich habe weder Status noch sonstige hochtrabenden Dinge, trotzdem habe ich das ganz grosse Glück, genau das tun zu können, was ich tun will. Und dabei erfahre ich von verschiedenen Seiten immer wieder wunderbare Reaktionen, teilweise von unerwarteter Seite Unterstützung, oft von ganz vielen Stellen Rückhalt, Zuspruch.
Wenn ich heute zurück schaue, habe ich viele verschiedene Dinge im Leben ausprobiert und auch durchgezogen und alle zusammen haben dahin geführt, wo ich heute bin. Mein Leben ist breit, ge- und erfüllt von den Dingen, die ich liebe. Ich habe im Yoga etwas gefunden, das ich als meinen Lebensweg anschaue, den ich weiter gehen, tiefer erforschen und daran wachsen kann. Die Philosophie begleitet mich dabei, ist sie einerseits Teil des Weges, andererseits auch Methode, den Dingen immer wieder neu auf den Grund zu gehen, sie nicht einfach hinzunehmen, sondern auf ihre Wirklichkeit hin zu prüfen. Die Literatur bringt Leichtigkeit, Kreativität und Spielerei ins Leben, lässt Geschichten entstehen, Welten sich entwickeln und neue Horizonte wachsen.
Alles in allem ist es einfach: Mein Leben. Und es ist gut, wie es ist. Es ist unbezahlbar.
Barbara Kündig: Yoga Nidra
Barbara Kündig: Yoga-Inspiration. Impulse für jeden Tag
Chögyam Trungpa: Aktive Meditation
Nischala Joy Devi: Yoga heilt
William J. Broad: The Science of Yoga. Was es verspricht – und was es kann
Das Universum in mir – von Ordnung und Unordnung
Claudia lebt mit Paul zusammen. Eigentlich haben sie es gut zusammen. Eigentlich. Wenn da nicht die Ecken und Kanten bei Paul wären, die Claudia Monat für Monat etwas mehr stören. Wenn da nicht die Schwierigkeiten wären, die das Zusammenleben bringt, und die man eigentlich lieber nicht mehr hätte. Irgendwann ist das Mass voll, Claudia trennt sich von Paul. Sie findet, dass sie nicht ihr ganzes Leben mit diesen Schwierigkeiten kämpfen möchte, es müsse da draussen einen Menschen geben, der besser zu ihr passe.
Claudia lernt Klaus kennen. Klaus ist toll. Er bleibt toll. Sie ziehen zusammen. Sie leben zusammen. Und so langsam entdeckt Claudia ganz sanft Ecken und Kanten, die ihr bekannt vorkommen. Da war doch was. Wenn Claudia nun wirklich genau hinschauen würde, sähe sie, dass das genau die Ecken und Kanten sind, die schon Paul hatte. Und wenn sie noch genauer hinschaute, sähe sie, dass auch bei Paul die Ecken und Kanten erst über die Monate hinweg zu den Schwierigkeiten führte, die am Schluss Trennungsgrund waren. Und wenn Claudia ganz ehrlich mit sich selber wäre, müsste sie sich vielleicht eingestehen, dass es gar nicht wirklich Ecken und Kanten von Paul und Klaus waren, sondern sie durchaus auch ihren Beitrag zu den Schwierigkeiten leistete.
Was in Beziehungen oft deutlich zu beobachten ist, zeigt sich auch in vielen anderen Bereichen des Lebens. Wir suchen nach einem Ideal, das wir uns im Kopf schön ausgemalt haben und steuern es an. Irgendwann merken wir, dass das Ideal gar nicht so ideal ist, wie wir es uns ausgemalt haben. Das kann viele Gründe haben: Mal sind wir selber nicht in der Lage, es zu erreichen, mal sind die Umstände schwierig, mal liegen Hürden zwischen einem selber und dem Ideal, mal fühlt es sich auch bei Erreichen nicht gut an. Und man erkennt das, geht in sich, sucht neue Ideale und steht irgendwann oft vor denselben Hürden, vor denselben Hindernissen, sieht sich mit denselben Abweichungen vom Idealbild konfrontiert.
Beim ersten Mal kann man noch denken, dass das einfach dumm gelaufen ist. Beim zweiten Mal ist es vielleicht wirklich ganz dumm gelaufen. Beim dritten Mal könnte langsam ein Licht aufgehen, dass diese ewigen Schleifen, die am selben Punkt enden, mit einem selber zu tun haben könnten. Vielleicht steckt da eine Aufgabe drin, die man selber anzugehen hat, bevor man wirklich an den Punkt kommt, den man gerne hätte. Vielleicht ist noch etwas ungeklärt, tief drin in einem, muss man erst mal genau hinsehen und bei sich selber aufräumen, um dann nach aussen zu stossen und die eigenen Idealvorstellungen im Aussen zu suchen.
Das Aussen ist oft nur der Spiegel dessen, was tief drin in einem selber abgeht. Die Beziehung, die man zu sich selber hat, spiegelt sich nicht selten in der Beziehung mit den Menschen im Aussen wieder. Wenn man also immer an ähnliche Menschen gerät, muss man sich mal fragen, welchen Punkt davon man in sich selber trägt und gegen sich oder auch andere auslebt. Wenn man immer wieder neue Projekte an dieselbe Wand fährt, muss man vielleicht mal hinschauen, welche eigene Schwäche dies symbolisiert, wo man sich selber immer wieder gegen eine innere Wand fährt.
Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.
Wie soll man den lieben, wenn man sich selber gering schätzt? Wie soll man von ihm ernst genommen werden, wenn man es selber nicht tut? Wie soll er einen genau so haben wollen, wie man ist, und mit Respekt behandeln, wenn man selber ständig mit sich hart ins Gericht geht?
Ich bin das Universum und das Universum ist in mir.
Es gibt die Philosophie, dass alles eins ist, eine grosse Einheit. Alles, was wir um uns, in uns wahrnehmen, ist Teil dieses Ganzen, ist das Ganze, von diesem durchdrungen. Wenn ich also mit mir schimpfe, strahlt das auf meine Umwelt ab. Wenn ich meinem Gegenüber weh tue, ist der Schmerz auch in mir. Wenn ich die Dinge in mir nicht in Ordnung habe, können sie auch im Aussen nicht in Ordnung sein. Ich kann sie im Aussen in Ordnung bringen, denn das Aussen ist eine Widerspiegelung des Inneren. Es ist sogar einfacher, sie da in Ordnung zu bringen, da oft der klare Blick auf das Innen verloren gegangen ist. Allerdings ist es auch leichter, vor der Unordnung im Aussen wegzurennen, in der Hoffnung, wo anders Ordnung zu finden. Dabei vergisst man nur, dass man die Unordnung im Innen mitnimmt und wieder ans Aussen abgeben wird. Bis man das System begriffen und sich der Aufgabe gestellt hat.
Dann wartet die nächste.
Ursula Karven: Yoga für dich und überall. 60 unglaublich nützliche Übungen für jedermann und jeden Tag
Kraft, das Leben anzugehen
Wir gehen durchs Leben und das Leben fliesst so dahin. Wir hadern mit allem, was nicht passt und schimpfen, zetern, gehen weiter. Ab und an erfreut uns was, wir nehmen es zur Kenntnis, gehen weiter. Das Leben nimmt seinen Lauf, die Zeit verrinnt, vollgepackt mit Pflichten, Arbeit, Streben nach allem, was erstrebenswert scheint oder uns als solches vorgemacht wird. Und wenn das Streben nicht fruchtet, hadern wir wieder und sind unzufrieden.
Ab und an schimpfen wir mit uns selber, dass wir nicht erreichen, was wir gerne hätten. Wir schelten uns zu dumm, zu faul, zu sehr mit Unglück behaftet. Wir neiden anderen, was sie haben, weil wir es auch gerne hätten oder ab und an sogar nur, weil sie es haben. So einfach. Sie haben es, sind glücklich (oder scheinen so) und wir sehen dieses Glück und hätten das auch. Und wir finden tausend Gründe, wieso wir es mehr verdient hätten, dieses Glück zu haben, als sie .
Und irgendwann ist dieses Leben vorbei. Und wir blicken vielleicht zurück. Und denken an die schönen Dinge und sind hoffentlich zufrieden.
Hier könnte die Geschichte zu Ende sein. Sie könnte aber auch erst anfangen. Wenn wir mal hinsehen, so ganz genau, und analysieren, womit wir hadern, was unser Leben wirklich – so ganz wirklich – beinhaltet – und wonach wir streben, so fällt – ich möchte fast wetten – auf, dass das, womit wir hadern, oft Kleinigkeiten sind, sicher keine Lebenswichtigkeiten. Das, wonach wir streben, sind oft Äusserlichkeiten wie Besitz, Erfolg, Geld, Ruhm, Ehre, Zuneigung (aufgrund von Leistung oder Aussehen oder anderem).
Schauen wir das Leben an, wie es ist, sehen wir uns wohl mit Menschen konfrontiert, die das Glück hatten, in ein Land geboren zu werden, in dem mehrheitlich Frieden herrscht. Es sind Menschen, die ein Dach über dem Kopf haben, zu essen, einen Computer (sonst könnten sie das nicht lesen), Internet (dito), somit wohl fliessend Strom und wie ich denke auch Wasser. Sie können lesen, weil sie genug Bildung geniessen durften, es zu lernen. Und es gibt sicherlich noch ganz viel mehr, das positiv in die Waagschale geworfen werden könnte, das aber im Alltag einfach als selbstverständlich untergeht. Wer dankt schon jeden Tag dem Mann, dass es ihn gibt, dass er zuhört, wenn Probleme da sind? Wer dankt dem Kind, vor allem, wenn es mal ungezogen ist, dass es gesund ist und einen liebt, wie man ist, einem auch die Fehler verzeiht, die man macht? Wer ist dankbar für den Strom aus der Dose und die Schulbildung, die hinter einem liegt, statt nur die doofen Lehrer Revue passieren zu lassen und einen innerlichen Freudentanz aufzuführen, dass das Kapitel abgeschlossen ist?
Das Leben ist kein Ponyhof und es birgt vieles an Leid, an Unschönem, an Schmerz und Ungewolltem. Die Buddhisten sagen gar, das Leben sei Leid. Sie sagen aber auch, dass es Lösungen gibt für dieses Leid. Und in meinen Augen fangen diese Lösungen immer bei einem selber an. Wir können die Welt nicht ändern. Wir können oft nicht mal unser kleines Umfeld grundsätzlich ändern. Wir können uns aber bewusst werden, was alles gut ist in unserem Leben. Wir können dankbar sein dafür, dass so vieles gut ist. Und dass auch schwierige Zeiten (wenn auch oft erst im Nachhinein sichtbar) eine positive Seite mit sich brachten, weil man etwas gelernt hat, etwas erkannt hat, gewachsen ist. Und ja, es gibt auch diese ganz fiesen, miesen Dinge, die weder Sinn noch Zweck noch Erklärung haben, die einen einfach heimsuchen, umstossen, fertig machen. Es gibt kein Warum und kein Wofür. Jeder kennt sie, jeder hat sie wohl.
Aber es gibt daneben die anderen Dinge, die darüber nicht vergessen werden sollten. Vielleicht wäre es heilsam, jeden Abend aufzuschreiben, was an diesem Tag gut war. Immer 5 Dinge. Wenn man geübt ist, 10. Später 15. Und dann kann man das Licht löschen und in Dankbarkeit für diese 5, 10 oder 15 Dinge einschlafen. Am nächsten Tag hat man immer noch genug Kraft, die anderen anzugehen. Und wer weiss: Vielleicht werden sie weniger. Vielleicht auch weniger drückend. Vielleicht bleiben sie aber genauso schlimm wie sie es am Tag zuvor waren, aber man hat in und für sich ein wenig Kraft geschöpft, sie anzugehen.
Politik mit dem Tod
Ein Flieger des Schweizer Militärs stürzt ab, einer der Insassen ist ein deutscher Militärarzt, der sein ganzes Herzblut in seine Arbeit steckte, der sein Leben nun bei diesem Unfall verloren hat. Die Schweizer Politiker haben nichts besseres zu tun, als diesen Unfall für ihre Propagandazwecke zu nutzen; die einen schimpfen unter Berufung auf das Unglück gegen Fliegereinsaätze und die anderen regen sich auf, dass ein Deutscher im Schweizer Militär sitzt, und wollen gegen die Masseneinwanderung Propaganda machen. Auch das auf dem Unglück eines Menschen.
Wie krank und pietätlos ist diese Welt eigentlich, dass man nicht mal vor dem Tod eines Menschen innehält und ihn für eigene Zwecke ausschlachtet? Wie grausam und kalt agieren hier Politiker, indem sie alles instrumentalisieren, um ihre eigene Haltung zu untermauern? Die Rechtfertigung, es sei zum besten des Landes (das jeder für sich zu wissen in Anspruch nimmt), lasse ich nicht gelten, denn dafür müsste man mit Argumenten auffahren, die sachlich sind und die damit eine wirkliche Grundlage für die je eigene Meinung bieten.
Wie beruhigend wäre es doch, wenn die Politik, die sich um das Wohl eines Landes bemüht, von sachlichen Argumenten, menschlichen Gefühlen und gesundem Menschenverstand geleitet wäre. Eine Utopie?
Humor und Mitgefühl
Humor ist, wenn man trotzdem lacht.
Das impliziert, dass man lacht, obwohl es einem nicht gut geht. Trotzdem. Es klingt, als ob das gut ist so, gewollt.
„Niemand will dich weinen sehen, also lache, sonst stehst du alleine da. „
Diesen Rat erhielt ich als kleines Mädchen. Menschen wollen keine Probleme, die hätten sie schon selber, sie wollten Menschen, die feiern, fröhlich sind, positiv. Und wahrlich: Tauchen Probleme auf, reduzieren sich die Freunde oft. Man hört und sieht es überall.
Spass muss sein.
Muss er? Immer? Ist Ernst überholt? Antiquiert? Langweilig? Borniert? Sicher wohl abgelehnt.
Heute kann man alles durch den Kakao ziehen. Wer nicht lacht, hat den Witz nicht begriffen oder ist einfach zu steif. Humor kennt keine Grenzen und wo sie doch sind, werden sie gebrochen und die Brechenden fühlen sich als grosse Pioniere. Alle düsteren Themen werden plötzlich der Spasskultur anheim gegeben.
Szenenwechsel
Krieg, Unfrieden, Streitereien, Anonymität, Skrupellosigkeit, Unmenschlichkeit, Intoleranz. Ein paar Stichworte, die in der heutigen Gesellschaft häufig zu hören sind. Es gäbe derselben noch viele mehr. Keiner hört hin, keiner fühlt mit, jeder ist sich selbst der nächste, jeder schaut auf seinen Profit. Die Stimmen werden laut, man müsse wieder mehr für ein Miteinander einstehen, müsse wieder mehr am Leid der anderen teilnehmen, könne sie nicht einfach ihrem Schicksal überlassen.
Kinder sterben, Alte verhungern, Kranke serbeln dahin. Nahrung fehlt, Geld fehlt, Würde fehlt. Wir sehen im Internet, TV und in Magazinen Bildern von Zerstörung, von Leid, von Tod. Wir blättern um, zappen weiter, klicken uns zur nächsten Seite. Unbeirrt, nicht betroffen.
Wir seien abgebrüht, heisst es, wir seien abgestumpft durch die Überflutung durch Informationen. Unser Hirn müsse sich schützen, um nicht unterzugehen, es könne nur noch die wirklich wichtigen Dinge annehmen und darauf reagieren. Die Hürden werden höher gesetzt, es braucht immer noch mehr Blut, noch mehr Leid, noch mehr Gewalt, um etwas auszulösen.
Szenenwechsel
Ein Unglück passiert und man hört davon. Was nun?
Humor ist, wenn man trotzdem lacht?
Einfach mal einen Witz machen, wer nicht lacht ist selber doof? Oder war das Unglück nur ein Witz? Man war ja nicht dabei… Würde man nun in Tränen ausbrechen, stünde man schön blöd da… Augen zu und durch, als hätte man nichts gesehen. Damit wahrt man das Gesicht und sollte was sein, kümmert sich sicher ein anderer… und war es was, macht sicher bald jemand einen Witz darüber und man kann noch zünftig lachen, um zu zeigen, dass man voll up to date und mit Humor gesegnet ist.
Ich könnte nun schreiben, dass es dieser Welt gut tun würde, wenn die Menschen wieder achtsamer mit sich umgehen, dass sie sich überlegen, wem gewisse Witze wirklich etwas bringen und ob sie nicht nur einfach deplatziert, weil auf dem Leid vieler Menschen aufgebaut sind. Ich könnte mir wünschen, dass Worte bewusster gewählt und Gefühle tiefer gespürt würden, könnte hoffen, dass das Mitgefühl wieder vermehrt Einzug hielte und man auch nach all den grässlichen Bildern überall nicht aufhören könnte, zu trauern, wenn Unrecht und Leid passieren. Ob das jemand lesen wollte?
Cyndi Lee: Yoga für den Körper, Buddha für den Geist
Körper und Geist vereint durch Yoga und Buddhismus