Ein Verlag stellt sich vor: rüffer & rub

Anne Rueffer, Verlegerin
Anne Rüffer

Wozu braucht man in Zeiten des Internets und des Selfpublishing noch Verlage? Wie sehen die Verlage selber ihre Zukunft? Denkzeiten fragt nach. 

Anne Rüffer vom Verlag rüffer&rub hat sich bereit erklärt, mir ein paar Fragen zu beantworten:

Wie ist ihr Verlag entstanden? Was ist ihr Schwerpunkt?

Bei rüffer&rub publizieren wir seit über 10 Jahren ausschliesslich Sachbücher zu Fragen, die eine Antwort verdienen. Daneben finden Sie im 2008 gegründeten Römerhof Verlag Biographien von interessanten Menschen.

Wieso wurden Sie Verleger, wie sah Ihr Weg dahin aus?

Als Journalistin habe ich mich vorwiegend Themen gewidmet, die im weitesten Sinne mit sozialen Fragen und gesellschaftlichen Zusammenhängen verknüpft sind und bei denen die wichtigste Überlegung lautete: Was ist die Qualität des nächsten Schritts? Mit der Zeit hatte ich jeweils derart viel Material recherchiert, dass es irgendwann hiess: Wieso machst du daraus nicht ein Buch? Der nächste Schritt folgte rasch: Da es viele relevante Themen gibt und ausgezeichnete Autoren, die fundiert recherchieren und kompetent den Inhalt darlegen können, zudem noch einen Stil beherrschen, den man literarisch nennen kann, brauchte es nur noch ein Gefäss, das alles zusammenhält. Dass es am Ende zwei Verlage werden würden, hat sich logisch ergeben: Im Jahr 2008 fiel mir auf, dass zwar nahezu jeder Verlag Biographien im Programm hat, aber dass sich niemand ausschliesslich darum bemüht, die Lebensgeschichten von Menschen zu publizieren, die eine aussergewöhnliche Leistung vollbracht haben.

Würden Sie den Weg wieder gehen?

Salto rückwärts – das ist nicht meine Sache, ich halte nichts vom Spekulieren über eine mögliche Vergangenheit.

Was fasziniert Sie an Büchern? Woher stammt die Liebe dazu?

Bücher sind wie beste Freunde: Wir wachsen mit ihnen auf, wir werden mit ihnen alt, mit manchen ziehen wir um, andere gehen verloren und/oder vergessen. Als Kind konnte ich mich in Büchern verstecken, mich von ihnen trösten lassen und vor allem ließen sie mich in Welten eintauchen, die mir sonst verschlossen geblieben wären.

Gibt es Bücher, Schriftsteller, die Sie persönlich geprägt haben, die Ihnen wichtig sind?

Das wechselt mit zunehmendem Alter und den persönlichen Umständen: Ganz früher Karl May (mit meiner Kinderbande habe ich seine Romane auf dem platten Land nachgespielt …), in der Phase, in der man seine Wurzeln sucht und sich verorten will, die Bücher von Elie Wiesel und die Existentialisten, im nächsten Lebens-Abschnitt und auf dem Weg zum eigenen Verlag vor allem Sozialreportagen wortgewaltiger Journalisten sowie die Bücher von Joan Didion. Und immer wieder Perlen aus der Literatur, die ich ohne »Anweisung von oben«, was man angeblich alles gelesen haben muss, durch Hinschauen, darin blättern und sich gefangen nehmen lassen, entdeckt habe.

Wie darf man sich den Alltag eines Verlages, eines Verlegers vorstellen?

Kommen Sie doch einfach mal einen Tag zu uns und schauen Sie uns über die Schulter.

Wie haben sich Ihr Verlag und ihr Beruf verändert in den letzten Jahren?

Durch die technischen Fortschritte sind viele Dinge einfacher geworden, doch das Wesentliche bleibt: Relevante Inhalte von kompetenten Autoren mit den richtigen Personen an das Publikum zu bringen.

Die Zeiten des Internets und damit die Möglichkeiten des Selfpublishing wirbeln die Bücherwelt auf. Was kann oder muss im Verlagswesen in Ihren Augen allgemein geschehen, damit nicht alles untergeht?

Vor allem nicht ständig das Mantra des Untergangs herbei zu beten! Im Grunde zählt die Fähigkeit, eine Geschichte brillant zu erzählen und ein Thema kompetent auszuschöpfen; wer das auf welchem Weg macht, ist am Ende irrelevant. Um das Buch ist mir nicht bange.

Welchen Vorteil hat ein Autor, der ein Buch bei Ihnen herausbringt, statt es in Eigenregie zu publizieren?

Wir sind dann immerhin zu zweit (und mit meinem Team gleich 7), die ihr Herzblut und ihre Fähigkeiten einsetzen, um dem Buch zum Publikum zu verhelfen.

Nach welchen Kriterien wählen Sie die Bücher aus, die Sie veröffentlichen?

Bei uns gilt die Regel: Packt uns das Thema, trauen wir dem Autor/der Autorin die Fähigkeiten (Kompetenz, Durchhaltewillen, Engagement über 8 to 5 hinaus) zu und können wir uns vorstellen, uns dafür lange, lange einzusetzen.

Was halten Sie von der Kontroverse Buch – E-Book?

Nicht besonders viel, denn unsere Aufgabe als Verleger ist es, den Inhalt mit den Autoren so zu polieren, dass der Leser zufrieden ist. In welcher Form er den Inhalt haben will, ist eine rein technische Frage. Warum sollte ich das dem Leser vorenthalten?

In Deutschland wurden in letzter Zeit immer wieder kritische Stimmen laut, Verlage nutzen ihre Praktikanten und Volontäre aus, indem so billige Arbeitskräfte ausgenutzt würden. Was ist dran? Wie sieht das in der Schweiz aus?

Wenn man eine Vollkostenrechnung macht, dann ist es schier unmöglich, mit dem Erlös aus einem Buchverkauf zu »überleben«, man muss als unabhängiger Verleger/Verlegerin schon sehr enthusiastisch sein und bereit zur persönlichen materiellen Reduktion – eine Art »Überlebenskitt«. Andererseits fasziniert die Bücherwelt und bietet eine inhaltliche Erfüllung, die man nicht in vielen Branchen findet. Will man in dieser Welt seine berufliche Erfüllung finden, ist klar, dass man finanziell – im Vergleich zur Finanzbranche – auf einem anderen (Finanz-)Planet unterwegs ist. Letztlich ist es eine Frage, wer einen denn zwingt, ein Praktikum anzunehmen. Wir ermöglichen einen vertieften Einblick in ein Berufsumfeld und dazu die Chance herauszufinden, ob die Bücherwelt wirklich die ist, in der man arbeiten möchte und ob es sich lohnt, sich dafür anzustrengen. Dass man dafür auch noch einen (kleinen) Lohn bekommt, ist doch fair, oder etwa nicht?

Auch von Seiten der Autoren hört man Klagen von zu viel Druck, zu viel Einmischung und drohenden Abgabeterminen seitens der Verlage. Wie sieht das von Verlagsseite aus? Sind Autoren heutzutage sensibler? Die Zeiten einfach härter?

Wir erleben das anders, es ist mehr die Frage: Wie kann man gemeinsam dem Buch im harten Konkurrenzumfeld zum Durchbruch verhelfen. Dass die Anforderungen grundsätzlich intensiver sind, versteht sich angesichts der Tatsache, dass man in den Medien inzwischen auch zum »Casting« antritt und der Text allein oft nicht mehr reicht, um dort anzukommen. Das kann man beklagen, doch schmollen hilft nicht. Dranbleiben und sich nicht entmutigen lassen, und ein klein wenig hoffen, dass das Glück uns schon findet.

Welchen anderen Verlag / Verleger würden Sie empfehlen für ein nächstes Porträt hier?

Daniel Puntas – der das grossartige Heft »Reportagen« verlegt und beweist, wie man mit einer tragfähigen Idee etwas Neues aufbauen kann.

Ich bedanke mich herzlich für dieses Interview!

logor & r: Fakten und Zahlen:
Gründungsdatum: Juli 2000
Anzahl Mitarbeiter: 7
Jährliche Publikationen: 8 – 12
Adresse: Konkordiastrasse 20, 8032 Zürich
Telefonnummer: ++ 044/381 77 30
Mail: info@ruefferundrub.ch
www: ruefferundrub.ch

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