Du aber auch…

Sie sagt was. Er erwidert. Sie legt nach. Er ebenso. So ergibt ein Wort das andere. Sie werden härter. Die Worte. Die Positionen. Sie. Er.

Sie sagt was. Er sagt*:

„Du aber auch.“

Damit ist es gegessen. Vielleicht war es schon vorher. Nur: Das Argument findet keine Erwiderung. Keine sachliche. Es selber ist es schon nicht. Etwas zu tun, damit zu rechtfertigen, dass ein Anderer Gleiches tat, ist nie ein Argument. Es fänden sich Beispiele in Hülle und Fülle. Nur: Es gibt kein Argument dagegen. Wie will man auf ein Nicht-Argument reagieren?

„Du aber auch“ ist der Tod jeder Diskussion und das Ende jeden erwachsenen Austauschs. Und doch bemüht man genau das so oft. Wieso? Weil man sich ertappt fühlt? Weil man keine Argumente habt? Weil man selber weiss, wie dumm man agierte, es aber nicht zugeben kann?

Es hat was von

„Er hat angefangen!“

im Kindergarten, ist aber im Erwachsenenalter so präsent. Und ich denke nicht, dass das damit gemeint ist, wenn es darum geht, das Kind in sich zu bewahren…

*Die Rollen sind auch andersrum denkbar

Patrick Schuchter: Sich einen Begriff vom Leiden Anderer machen

Eine Praktische Philosophie der Sorge

Philosophie als Lebenspraxis

Es gibt im Leben philosophische Momente, die uns über das Alltagsgeschäft und unsere eingespielten Wahrnehmungsroutinen erheben. Möglicherweise hängt manchmal im Leben alles davon ab, ob wir es verstehen, die in solchen Momenten aufleuchtende Weisheit ernst zu nehmen und sie für unser tägliches Leben und Arbeite zu nutzen.

Auf der Basis eigener Lebenserfahrung im Pflegebereich und Leseerfahrungen in der Philosophie will uns Patrick Schuchter eine Abhandlung über eine Ethik der Sorge, verstanden als lebenspraktische Anleitung und nicht als wissenschaftliche Abhandlung vorlegen. Nach einer Analyse des Begriffs „Sorge“ erzählt Schuchter die Geschichte der legendären Krankenschwester Florence Nightingale und arbeitet an ihrem Beispiel weitere Punkte der Sorge aus verschiedenen Blickwinkeln heraus, sei es die Religion, sei es auch das Frauenbild oder das Verhältnis zwischen praktischer Pflegearbeit und Theorie der Sorge.

Danach wendet er sich der Philosophie zu, bei welcher er sich hauptsächlich auf die hellenistische bezieht, diese kurz in der Zeit verortet als Ganzes, ihre einzelnen Richtungen und Philosophen vorstellt, um dann ihre Aussagen zum Bereich Sorge herauszuarbeiten. Auffallend ist, dass sich alle Philosophen grundsätzlich mit der Selbstsorge beschäftigen, nicht mit der Fürsorge. Es geht ihnen in erster Linie also darum, dass der Mensch sich selber erkennen und sich um sich kümmern soll. Allerdings kann Schuchter den Bogen von der Selbst- zur Fürsorge schlagen, indem er aufzeigt, dass diese Selbstsorge dem Gemeinwohl dient, also im Endeffekt die Basis für eine Fürsorge sein muss.

Der Apell an die Selbstsorge ist also als ein Weckruf zu sehen, sich nicht um äusserliche Güter wie Macht, Reichtum oder Ansehen zu kümmern, sondern um die Schönheit und Tugend der Seele, um die Pflege der moralischen Werte

Patrick Schuchter liefert in diesem Buch auf der Grundlage einer breiten und fundierten Begriffsanalyse der Sorge unter Zuhilfenahme hellenistischer Philosophie eine Ethik der Sorge, welche Impulse für eine philosophische Praxis und Lebenskunst bereitstellen kann.

Das Buch ist sehr komplex, sehr dicht, oft etwas überladen und ausschweifend, verschiedene Kapitel hätten ohne Verlust kürzer und stringenter geschrieben werden. Die Verwendung einer politisch korrekten feministischen Schreibweise kann den Sprachliebhaber etwas stören, die Ersetzung von „man“ durch „frau“ wirkt eher bemühend als frauenfreundlich. Zudem ist das Bemühen nicht konsequent verfolgt worden, heisst es doch im Buch dann „der Philosophierende“. Dies aber nur noch eine Sprach- keine Inhaltskritik. 

Fazit
Ein komplexes, analytisches, fundiertes Buch zur Praktischen Philosophie der Sorge. Empfehlenswert.

Zum Autor:
Patrick Schuchter
Patrick Schuchter (Dr. phil., MPH), Philosoph, Krankenpfleger, Gesundheitswissenschaftler, forscht und lehrt am Institut für Palliative Care und Organisationsethik an der Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung (IFF) Wien der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt | Wien Graz. Er ist in unterschiedlichen Palliative-Care- und Ethik-Projekten tätig und beschäftigt sich mit der Frage, wie Reflexionsprozesse zu existenziellen, philosophischen und ethischen Grundfragen organisiert und gestaltet werden können.

Angaben zum Buch:
schuchterbegriffleidenTaschenbuch: 390 Seiten
Verlag: transcript Verlag (18. Juli 2016)
ISBN: 978-3837635492
Preis: EUR: 39.99 ; CHF 44.50
Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

 

Halloween – oder: Wer bin ich?

Heute ist Halloween. An der Tür klingelt es im Minutentakt. Alle wollen was. Ich öffne nicht. Ich mag Halloween nicht. Es ist nicht mein Fest. Im Netz lese ich von Gleichgesinnten. Ich lese aber auch viele Deutungsversuche. Alle versuchen, den Tag einer Tradition zuzuordnen und sich darin zu verorten.

Ich bin ich und ich lebe heute. Ich kenne viele der verschiedenen Theorien. Greifen sie noch heute? So echt? Oder wollen wir nur in einer Tradition stehen? Und in welcher stehen wir? So wirklich? So ganz? Ich bin durchaus für Traditionen, da zählt für mich aber immer die, in welcher ich aufwuchs. Gar zu oft stemmen wir uns aber genau gegen diese und legen uns eine neue, fremde zu. Wir denken, die sei viel toller als unsere. Und das oft nur, weil wir von aussen kommen und uns nur nehmen, was uns gerade passt.

Der Westen wendet sich dem Osten zu, turnt Yogaübungen und meditiert. Der Osten sieht den Westen als Rettung und sucht, da unterzukommen. Die Halloweengegner sehen sich als Kelten und feiern was, die Christen sehen die christliche Deutung und feiern das. Und alle tun was, alle begründen und keiner schaut auf sich. Ich öffne derweil eine Flasche Wein, schaue ins Glas und feier mich. Ich weiss nicht viel, weiss nur, dass ich von allen oft verlacht werde, weil ich ab und an gerne die Musik meiner Kindheit höre, weiss nur, dass mir fremde Feste nie in Mark und Blut übergingen, weiss nur, dass ich wohl zu viel denke – wobei ich eigentlich nur fühle, dass all das mit MIR nichts zu tun hat.

Sarah Bakewell: Wie soll ich leben? oder Das Leben Montaignes in einer Frage und zwanzig Antworten

„Jedermann schaut vor sich, ich schaue in mich hinein“

Wer einen Lebensratgeber erwartet nach dem Titel, der kann das Buch getrost weglegen – aber: Ich würde es nicht raten, denn es enthält etwas viel besseres: Die Lebensgeschichte Montaignes – und das auf eine Weise, wie sie ihresgleichen sucht.

Sarah Bakewell gelingt in diesem Buch die Quadratur des Kreises: Sie entführt den Leser in die Zeit Montaignes, zeigt ihm die historischen Gegebenheiten, politischen Verhältnisse und gesellschaftlichen Vorstellungen dieser Zeit, stellt dann Montaigne als Mensch hinein in die Zeit und beschreibt, wie er sich darin bewegte. In der Folge spinnt sie ein Netz aus Zeit, Mensch und Werk, beleuchtet dabei Montaignes Gedankengänge und wie sie sich in seinem Werk niederschlugen.

Mein wesentlicher Charakterzug […] ist die Neigung, mich mitzuteilen und zu offenbaren: Zu Geselligkeit und Freundschaft geboren, bin ich vor aller Augen ganz nach aussen gewandt.

Montaigne beschloss eines Tages, seine politische Laufbahn zu beenden und sich ganz dem Schreiben zu widmen. Dazu zog er sich in sein Turmzimmer zurück und schrieb. Er schrieb nicht, um zu belehren, vielmehr schrieb er, was er alles bei sich entdeckte, in der Welt wahrnahm, dachte.

Ich wende meinen Blick nach innen, und da halte ich ihn fest und lasse ihn verweilen. Jedermann schaut vor sich, ich schaue in mich hinein. Ich habe es nur mit mir selbst zu tun. Ich beobachte mich unablässig und prüfe mich, ich koste mich […]. Ich wälze mich in mir selbst.

Kein Thema war tabu, er schaute hin. Damit stiess er, als es ums verlegen ging, nicht nur auf offene Türen, auch später noch fanden sich seine Essais immer mal wieder auf den Listen der verbotenen Bücher.

Montaigne liess sich nicht beirren, er schrieb weiter neue Essais oder ergänzte die alten durch neue Gedanken oder Sichtweisen. Dies und der Umstand, dass die Essais in den Händen zweier Freunde waren, die unter Umständen auch Ergänzungen und Veränderungen vornahmen, ist die wirkliche Entstehungsgeschichte der Essais nicht ganz gesichert, was dem Lesegenuss aber keinen Abbruch tut, im Gegenteil. Montaigne wurde über all die Jahre begeistert gelesen und hinterliess bleibende Eindrücke, allen voran den Eindruck: Da schrieb einer, der in mich hineinschauen konnte.

Auch der Rezeption von Montaignes Essais widmet sich Bakewell ausführlich und schliesst damit den Kreis. Montaigne wollte sich mitteilen, wollte etwas hinterlassen, das über ihn hinausweist. Das ist ihm gelungen, wie man aufgrund der vielfältigen Stimmen seiner (oft berühmten) Leser sieht.

Trotz einer Flut von Informationen ist das Buch nie langatmig oder gar staubtrocken. Sarah Bakewell ist es gelungen, eine flüssig lesbare, fundierte, durch breites Wissen und tiefe Kenntnis betechende Biographie zu schreiben, die einen grosse Lust auf die Lektüre Montaignes selber macht. Sie hat also einfach alles richtig gemacht!

Fazit
Ein wunderbares, fundiertes, gut lesbares und umfassendes Buch über das Leben Montaignes, das Lust auf mehr macht. Absolut empfehlenswert!

Zum Autor:
Sarah Bakewell
Sarah Bakewell lebt als Schriftstellerin in London, wo sie außerdem Creative Writing an der City University lehrt und für den National Trust seltene Bücher katalogisiert.

Angaben zum Buch:
BakewellMontaigneGebundene Ausgabe: 416 Seiten
Verlag: C. H. Beck Verlag (21. Juli 2016)
Übersetzung: Rita Seuss
ISBN: 978-3406697807
Preis: EUR: 16.95 ; CHF 23.90
Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

 

Der Spott der Welt über das Scheitern anderer

Aktuell lese ich überall Spott über das Ehe-Aus von Sarah und Pietro. Wie traurig ist das?Haben erwachsene Menschen nichts Besseres zu tun, als ihre Schadenfreude und ihren Spott zu feiern?

Da verliert grad ein Kind seine heile Familie (und ich höre den Spott und die Korinthenkackerei jetzt schon wieder ob dieses Begriffs) und man hat nichts Besseres zu tun, als sich ach so witzig zu fühlen? Ist das die Welt, in der ihr leben wollt? Echt jetzt?

Ich könnte sagen, ich habe es gesagt (und ja, das tat ich) – nur: Wir müssen nicht richten, wir können es selber besser machen. Ich habe so die Nase voll von all dem moralinsauren Urteilen über andere – und immer unter dem Deckmantel von Ironie, Satiere oder „es war nur witzig gemeint“.

Wir haben auf der Welt echt schlimmere Probleme als ein auseinander gehendes Pseudopromipaar. Und jeder hat wohl mit sich selber nochmals genug zu tun – eigentlich.

‪#schweizeraufschrei

bildschirmfoto-2016-10-13-um-18-54-23Auf Twitter gibt es grad eine neue Aktion. Sie soll darstellen, dass Sexismus in der Schweiz aktuell ist. Ich bin ja bekanntlich keine Feministin, ich mag Genderdingens nicht. Ich finde, die Menschen sollten langsam mal merken, dass es nichts hilft, wenn das eine Geschlecht gegen das andere schiesst, sondern man müsste zusammenspannen und sich Aug in Auge auf gleicher Höhe begegnen.

Nur… als ich es auf mich wirken liess, sprudelte es nur noch aus mir raus:

Als Doktorandin hören, als Alleinerziehende könne man keine Diss schreiben, drum kriegt die Stelle ein junger Mann

oder

Als Doktorandin hören, man benutze als Alleinerziehende das Geld des Stip. nur zur Kindsaufzucht und es nicht kriegt

oder

Nach der Masterprüfung hören, du hast die Note 6 nur wegen eines kurzen Rocks gekriegt

oder

Nach bestandener Doktoratsprüfung hören, man hätte dem Professor wohl schöne Augen gemacht

oder

Vom Chef auf einem Gang zum Kunden diverse Sexpraktiken erzählt kriegen, die er gerne noch ausprobieren möchte…

oder

„Wärst du ein Mann, traute ich dir, so muss ich dich überprüfen.“ Aussage des Projektbetreuers an der Uni

Alles so passiert. Und noch viel mehr. Es bleibt wohl doch noch viel zu tun.

Was ist Literatur?

Bob Dylan kriegt den diesjährigen Literaturnobelpreis. Einige jubeln, einige finden „endlich“ und ganz viele regen sich auf. Sie meinen, das sei keine Literatur. Sie weinen um die verpassten Chancen von Roth und Murakami. Der Buchhandel weint mit, weil er nun keine Bücher verkauft.

Aber: Wann ist Literatur Literatur? Hört ein Text auf, Literatur zu sein, wenn er musikalisch unterlegt wird? Muss Literatur zwischen Buchtexten stehen? Sind Gedichte Literatur und wo ist ihre Grenze zum Musiktext?

Musiktexte sind Literatur. Dass sie bislang ignoriert wurden, könnte man auch bemängeln. Literatur will sich immer wieder neu erfinden, liest man heutige Romane, lesen die sich anders als noch vor einigen Jahren. Und man jubelt darüber und schilt die, welche dem alten Roman nachtrauern einen Ewiggestrigen. Und dann, wenn Literatur weiter gefasst wird, als sie es grad für richtig halten, dann hört der Fortschrittsgeist auf? Dann möchte man die Literatur zwischen Deckel pressen und in Schubladen verstanden wissen?

Zudem: Ist der Literaturnobelpreis echt dazu geschaffen, einer Branche Einkünfte zu verschaffen? Wohl kaum. Dafür haben wir noch den Buchhandelspreis, den kann man gerne so steuern, dass er einträglich ist.

Rezension: Gregor Eisenhauer: Die 10 wichtigsten Fragen des Lebens

Was würde auf drei Seiten über mich stehen?

Wenn wir keine persönlichen Worte finden, dann bleibt auch die Persönlichkeit unerkannt.

Gregor Eisenhauer ist Nachrufeschreiber. Seit vielen Jahren besucht er Hinterbliebene, um von ihnen etwas über den Verstorbenen zu erfahren. Wider Erwarten trifft er selten auf weinende und verzweifelte Menschen, sondern auf solche, die wollen, dass ein Mensch, der nicht mehr ist, in Erinnerung bleibt – so wie er war. Aus dem gehörten entsteht dann der Text Eisenhauers. Es soll ein Text sein, welcher den Verstorbenen so wiedergibt, wie er war, mit all seinen Facetten.

Wenn ein Freund über einen Freund schreibt, dann will er nur Gutes erzählen. Aber das ist kein Porträt. Das ist Schönfärberei.

Eisenhauer ist überzeugt, dass es jedem von uns gut täte, wenn wir einen Nachruf auf uns selber schrieben schon zu Lebzeiten. Das würde uns dazu bringen, über uns nachzudenken, in uns zu gehen und herauszufinden, wer wir wirklich sind, wie wir wirklich sind. Drei Seiten gibt er uns, das zu tun.

Damit es nicht gar so schwer fällt, gibt er uns zehn Fragen an die Hand, die wir uns stellen können. Die Fragen reichen vom Sinn des Lebens über unsere Einschätzung, ob wir schön sind hin zu Gott und dem Leben nach dem Tod. Zu allen Fragen gibt es ein Kapitel, in welchem Eisenhauer aus dem Nähkästchen plaudert. Er erzählt von Gesprächen, die er führte wegen eines zu schreibenden Nachrufs, gibt (Lebens-)Philosophien zum besten und erzählt von Gesprächen unter Freunden.

Ein guter Ansatz mit einigen tiefgründigen Gedanken. Der Autor wirkt teilweise aber sehr überheblich, als ob er im Gegensatz zum Rest der Welt die Wahrheit erkannt hätte. zudem ist das Buch mehrheitlich wirklich ein Plaudern, das dahinplätschert und damit oft etwas langatmig wird. Es fehlt der rote Faden, es fehlt die wirkliche Anleitung, die er ja zu geben verspricht. Man könnte fast denken, er hätte bis zum Schluss des Buches vergessen, was er eigentlich wollte und sich in seinen eigenen Fragen selber verloren. Trotzdem regt das Buch durchaus zum Nachdenken an. Es behandelt mit dem Sterben und dem Tod sensible Thema und nimmt diesen durch die Leichtigkeit der Sprache ein wenig von ihrer Schwere.

Fazit
Ein sensibles Thema wird mit Leichtigkeit und anregenden Fragen behandelt, leider ab und an etwas langatmig und besserwisserisch.

Zum Autor:
Gregor Eisenhauer
Geboren 1960, hat Germanistik und Philosophie studiert. Er lebt als freier Schriftsteller in Berlin und schreibt u. a. Nachrufe für den Tagesspiegel.

Angaben zum Buch:
eisenhauer10Taschenbuch: 256 Seiten
Verlag: DuMont Buchverlag (9. Februar 2016)
ISBN: 978-3832163501
Preis: EUR: 9.99 ; CHF 14.90
Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

 

 

Nicht nur wollen, was man will

Du willst was tun. So wirklich. Und du malst es dir aus und es wäre genau das, was du dir für dich vorstellen könntest. Wäre da nicht… Die Aufzählung dessen, was nun kommt, ist lang. Schliesslich finden sich immer mehr Gründe, die dagegen sprechen als solche, die unterstützen. Da wir rein mathematisch darauf getrimmt werden, dass Quantität immer siegt, so will es ja auch die Demokratie (die Mehrheit siegt über die Minderheit), stehen wir zurück. Wir linsen ab und an zum Wunsch und schauen gleich wieder verschämt weg. Wir denken Dinge wie „schön wäre es ja schon“ und „irgendwann werde ich es tun“. Wir sind dann die, welche immer denken, was sie nach der Pensionierung alles tun werden, merken aber erst dann, dass sie gar nie gelernt haben, es zu tun – und lassen es auch dann.

Die meisten Träume sterben nicht daran, weil die äusseren Umstände sind, wie sie sind. Sie sterben daran, dass wir immer wieder Umstände finden, die der Umsetzung der Träume im Wege stehen. Sobald das Kriterium „wenn…. dann“ ins Spiel kommt, kann man davon ausgehen, dass es nie der Fall sein wird. Es gibt immer wieder neue, noch nicht erfüllte Wenns. Das Dann kommt gar nie zum Zug.

Wenn du also wieder mal was willst, dann frag dich nicht, wieso es grad nicht geht, sondern schaue, was du brauchst, es zu tun. Und dann gilt es nicht mehr, Dinge auszuräumen, die im Weg sind (es ist immer was da), sondern Möglichkeiten zu schaffen, es zu tun! Und – ganz wichtig: Man muss es tun! Einfach anfangen. Und natürlich merkt man dann, dass es vielleicht nicht so leicht ist. Und es Hindernisse gibt. Auch da gilt wieder: Nicht die Hindernisse betrauern, Wege suchen!

Wünsche brauchen Zeit und Raum. Die muss man sich einräumen. Dann können sie gedeihen. Das klappt selten „wenn – dann“, sondern nur „so – jetzt“. Und nein, ich sage nicht, alles ist immer möglich. Das ist schlicht nicht so. Es gilt durchaus zu prüfen, ob der Wunsch einem wirklich auch entspricht. Es bringt nichts, sich gegen den Strich kämmen zu wollen. Wenn der Strich aber stimmt, dann findet sich ein Weg – wenn man es denn will.