„Manche Leute reden sich Sorgen ein, die sie gar nicht haben.“ (Fred Ammon)

„Was wäre wenn…“ – Mit dieser Floskel fangen viele Sorgen an. Wir denken an etwas, das uns passieren könnte, malen es in allen düsteren Farben aus und sorgen uns immer mehr. Wir sorgen uns über die Folgen von etwas, das nicht eingetreten ist. Unter Umständen tritt es auch nie ein, so dass wir uns die Sorgen völlig umsonst gemacht haben. Und: Wenn es denn eintritt, machen wir uns dann die Sorgen nochmals. Wir haben uns dann nicht nur doppelt gesorgt, wir haben uns zweimal zuviel gesorgt, denn:

Wenn uns etwas Schlimmes passiert, nützen die Sorgen wenig. Sie verändern nichts zum Positiven, sie tragen nichts zur Lösung bei, sie belasten uns nur und ziehen uns runter. Statt sich also sorgenvoll zu fragen „Was soll nur werden?“ hilft die Frage „Was kann ich tun?“ mehr. Wenn ich dann etwas finde, das ich tun kann, um meine Lage zu ändern, tue ich es. Wenn ich nichts finde, suche ich einen Weg, mit dieser Lage klarzukommen, indem ich versuche, sie zu akzeptiere und das beste draus zu machen.

„Kreativität ist die Fähigkeit zu sehen (oder bewusst wahrzunehmen) und zu antworten.“ (Erich Fromm)

Jeder Mensch ist kreativ, nur haben wir oft den Zugang zu unserer Kreativität verloren. Festgefahren in Routinen oder vorgefassten Meinungen reagieren wir auf Situationen, statt aktiv hinzusehen, was ist und dann aktiv etwas zu tun.

Im bewussten Wahrnehmen dessen, was ist, steckt die Möglichkeit, Neues zu schaffen – sei es im eigenen Verhalten (quasi als Lebenskunst) oder in Form eines (künstlerischen) Werkes.

Die eigene Kreativität wieder zu entdecken, heisst, sein eigenes Leben wieder aktiv in die Hand zu nehmen und sich und die in sich angelegten Fähigkeiten und Möglichkeiten zu entwickeln. Es heisst, wieder bewusst hinzusehen, was ist und entsprechend zu handeln. Das hilft uns auch im Umgang mit anderen Menschen, da wir sie wieder offen sehen, nicht durch unsere eigenen Projektionen verstellt.

Wenn der Weg zur inneren Kreativität versperrt ist, dann sind wir wie die Menschen in Platons Höhlengleichnis: Wir sehen nur die Schatten und halten sie für die Welt. Damit beschneiden wir uns selber in unseren Möglichkeiten und unserem Sein, aber auch unsere Sicht auf die Welt und unseren Umgang damit. Spätestens wenn wir das merken oder gar darunter leiden, sollten wir das Licht suchen und den Weg zur eigenen Kreativität freischaufeln.

Wenn du damit beginnst, dich denen aufzuopfern, die du liebst, wirst du damit enden, die zu hassen, denen du dich aufgeopfert hast. (George Bernhard Shaw)

Du lernst jemanden kennen, verliebst dich. Alles ist schön. Nun bloss nichts falsch machen. Du willst ihn nicht verlieren, denn: Du liebst ihn doch so. Und so tust du ihm hier was zu lieb, machst es ihm da recht, steckst gerne auch mal zurück. Und natürlich findet er das toll. Er merkt ja nicht, was du tust, er denkt, es passt grad so. Für beide. Nur du… du warst nicht ganz du. Du hast immer wieder Teile von dir verleugnet, unterdrückt. Und das nagt. Erst leise, dann lauter. Und dann wirfst du es ihm vor. Es passierte ja seinetwegen. Sagst du. Nur:

Wieso liessest du es geschehen? Wieso dachtest du, dass du so, wie du bist, mit den Ansprüchen und Bedürfnissen, die du hast, nicht liebenswert seist? Wieso dachtest du, dass du nur geliebt wirst, wenn du bist, wie dich der andere will, und tust, was er von dir möchte (oder du glaubst, dass er es möchte)?

Wäre das wirklich Liebe, wenn es so wäre? Und: Ist der Preis dafür nicht zu hoch, wenn du dich selber aufgeben musst?

Wo Liebe wächst, gedeiht Leben – wo Hass aufkommt, droht Untergang. (Mahatma Gandhi)

Achte darauf, was du aussäst, denn du wirst das Entsprechende ernten. Das fängt schon bei den eigenen Gedanken an: Wenn wir Negatives denken, müssen wir uns nicht wundern, wenn die Welt um uns in dunkles Licht gehüllt ist. Wie soll man Licht sehen, wenn man nur Dunkelheit aussendet? Wie könnte man auf Gutes hoffen, wenn man Böses aussendet? Hass wird nie ein fruchtbarer Boden für Schönes und Gutes sein.

Buddha sagte:

Wir sind, was wir denken. Alles, was wir sind, entsteht aus unseren Gedanken. Mit unseren Gedanken formen wir die Welt.

In was für einer Welt also wollen wir leben? In einer, in der Hass und Dunkelheit regieren, oder aber in einer, die auf Liebe baut?

Das einzig Wichtige im Leben sind die Spuren der Liebe, die wir hinterlassen, wenn wir gehen. (Albert Schweitzer)

Erfolg, Geld, Ehre, Ruhm, Macht – alles Dinge, nach denen viele Menschen tagtäglich streben. Wie oft denkt man, glücklich zu sein, wenn man nur erst etwas erreicht? Wie oft will man sich und anderen etwas beweisen? Wir denken, Leistung sei, was zähle, glauben, sie mache uns liebenswert. Nur: Liebenswert sind wir nicht durch unsere Leistung, sondern durch unser Sein. Und wenn dieses auf Liebe baut und aus Liebe handelt, hinterlässt es Spuren auf dieser Welt – und bleibt dadurch ein bisschen ewig.

Das Leben ist schön. Am Weg blühen wunderbare Blumen, du musst sie nur sehen, dann wird dein Leben ein Fest. Siehst du alles schwarz? Sei achtsamer, schon wird es kunterbunt.

Wir leben in einer Zeit, die viel darauf setzt, dass wir glücklich sein müssen. Wer nicht glücklich ist, macht etwas falsch. Er hat schlicht nicht begriffen, worauf es ankommt. Er dreht zu viel in der Vergangenheit, denkt zu oft in Zukunftsplänen, verpasst das Hier und Jetzt, beachtet nicht die kleinen Schönheiten. Kein Wunder, ist das Leben so Plage. Dabei gäbe es einfache Mittel. Allheilmittel: Achtsamkeit. Mindfulness. Mitgefühl. Yoga. Und so vieles mehr. Ganze Ausbildungen schiessen aus dem Boden. Atme dich glücklich. Denke dich gesund.

Ist Achtsamkeit wirklich ein Allheilmittel? Bin ich automatisch glücklich, wenn ich achtsam bin? Wohl kaum. Wie alles im Leben, ist es auch hier: Nichts ist für jeden und alles hat Kehrseiten. Wichtig ist, was man daraus macht.

Ich kann ganz achtsam wahrnehmen, was alles passiert. Ich kann es in allen kleinen Details zerpflücken. Und mich dran aufhängen. Ich kann mich auch dem Druck aussetzen, dass ich nun achtsam sein müsste, weil Achtsamkeit glücklich macht. Und wenn ich nicht glücklich bin, dann war ich nicht achtsam genug. Ich kann von Yoga-Stunde zu Yoga-Stunde rennen, in der Hoffnung, Entspannung zu finden, wo ein Essen mit einer Freundin diese sofort gebracht hätte. Ich kann mich für einen Atem-Kurs verpflichten, welcher mir Entspannung und Gesundheit bringen soll, nur um zu merken, dass er schlicht noch ein Termin mehr in meiner Agenda ist, die sonst schon überquillt. Aber he: Es ist für die gute Sache… Ich muss doch glücklich sein. Und entspannt. Jeder kann das. Und man weiss wie.

Oder doch nicht? Sind das alles zwar keine schlechten Dinge, aber doch nicht für jeden gemacht? Sind Achtsamkeit, Atemübungen, Yoga und all das vielleicht durchaus gesund, aber nur in Massen und auch in bestimmten Grenzen? Ist stets selig glückliches Lächeln nicht doch nur eine Marketingerfindung und keine Folge der richtig eingesetzten Allheilmittelformel? Muss ich immer glücklich sein? Will ich es? Kann ich es?

Ich denke nein. Nicht dass ich gerne unglücklich bin oder leide, aber ich habe durchaus oft erlebt, dass mich Phasen des Leidens weiter brachten. Ich habe etwas gelernt. Über mich. Über das Leben. Vor die Wahl gestellt, würde ich das Leiden trotzdem gerne meiden, nur: Es gehört zum Leben dazu. Es ist die eine Seite der Medaille. Glück die andere. Es stellt sich ein, wenn mir Dinge klar werden. Nicht durch Programme. Nicht durch Begriffe. Nicht auf einem vorgefertigten Weg. Durch das pralle Leben. Mit allen Facetten.

Achtsamkeit ist toll. Das Wissen darum, dass es neben all dem Leid noch Schönes gibt, hilfreich. Es hilft, nicht im Elend zu versinken, wenn dieses zu überborden droht. Es hilft, Mittel und Wege zu haben, sich selber vor dem Ertrinken zu retten, wenn der Boden unter den Füssen schwindet. Nur: Der Boden darf ab und an schwinden. Das Leben ist ab und an schmerzhaft. Und nicht jeder muss oder kann diesen Schmerz einfach wegatmen oder auf der Matte wegturnen. Im Gegenteil: Zu wissen, dass man auch mal leiden darf, dass das Leben schlicht auch mal scheisse ist, hilft ungemein, gelassener damit umzugehen. Das Wissen, dass wir alle leiden, dass wir alle uns dabei aber wünschen, es nicht zu tun, hilft, sich nicht allein zu fühlen in dem Leid. Und es hilft, einem Menschen, der leidet, offen gegenüber zu treten und ihn nicht nur auf irgendwelche Allheilmittel zu verweisen, da eines ja nun gar nicht geht: Zu leiden.

Der Anspruch, das Leben müsste immer wunderbar sein, die nötige Achtsamkeit für das Schöne würde dabei helfen, ist eine gnadenlose Überforderung. Sie suggeriert, dass der, welcher leidet, nicht in Ordnung ist. Er hat nicht genug getan, um glücklich zu sein. Er hat sich nicht genügend angestrengt. Und dabei ist er schlicht nur eines: Am Leben. So, wie das Leben halt ist. Mit Hochs und Tiefs. Und beide dürfen sein. Damit plädiere ich nicht für ein sich Suhlen im Elend, sondern dafür, sich auch dunkle Momente zuzugestehen. Und sich dann wieder dem Licht zuzuwenden. Im Wissen, dass beides sein kann. Und ist.