Achte auf deine Gedanken!

Philosophische Praxis

Morgen. Der Wecker klingelt. Du bist noch müde und siehst vor deinem geistigen Auge den vollen Terminkalender. Nicht alle Einträge sind erfreulich. Noch vor dem Aufstehen beklagst du innerlich, was für ein Tag dir bevorsteht. Am liebsten würdest du dich umdrehen, dem Tag sprichwörtlich den Rücken zudrehen. Natürlich tust du es nicht, sondern stehst pflichtbewusst auf.

Du stehst unter der Dusche, merkst erst zu spät, dass das Duschmittel alle ist. Du erinnerst dich an dein Gefühl noch im Bett und siehst es bestätigt. Dass danach just Wasser nachgefüllt und Trester geleert werden muss bei der Kaffeemaschine, ist Wasser auf die Mühlen des Gejammers. Innerlich klingt es:

Ist ja klar. Das passiert immer mir. Ich habe das wohl verdient.

Du gehst aus dem Haus, der erste Termin steht an, danach gleich der zweite, vor dem dritten merkst du, dass du Unterlagen zu Hause vergessen hast. Innerlich klingt es:

Nicht mal richtig…

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Ich sei zu weichgespült in meinen Gedanken. Hörte ich heute. Ja, das mag sein in einer Welt voller Fisherman’s-Kerle. Ich kaufte mir kürzlich Fisherman’s… sie waren mir nicht zu stark, eher auch etwas weich, nur: sie schmeckten mir nicht. Ich mag lieber so die lieblichen Fruchbonbons, die dem Rachen schmeicheln, etwas Süsse ins Leben bringen, in mir ein Gefühl von Wohlbefinden erwecken.
Ja, ich lebte auch mal in der Welt der rein rationalen Gedanken. Ich setzte mehr Fussnoten unter den Text als ich Text über den Fussnoten hatte. Alles musste akkurat sein, alles musste passen und abgestützt sein. Mich ja nicht angreifbar machen. Mich ja nicht aussetzen. Um Gottes Willen nicht den Anschein machen, als ob ich allein stünde mit meinen Gedanken.
Aber he: Ich denke, wie ich denke, und ich bin genau so. Und wem das nicht passt, der darf mir das sagen. Und er darf dann auch gehen. Und wenn er dann doch bleibt, finde ich das schön, denn was wäre die Welt, wenn wir alle gleich dächten? Sie wäre nur grau und ein Einheitssumpf. Unterschiedliches Denken und andere Sichtweisen machen das Leben bunt. Nur: Man muss sie zulassen. Gegenseitig. Dann ist etwas nicht einfach nur weichgespült, sondern schlicht anders, als selber gedacht. Und vice versum passt auch ein Fisherman’s in meinen Cassisbonbon-Genuss.

Philosophische Praxis

Ich bin nicht gut genug. Der andere ist viel besser als ich.

Wer hat sich das nicht schon mal gesagt? Ich selber habe Jahre, wenn nicht Jahrzehnte damit zugebracht, mir vorzuhalten, wer alles besser ist als ich, schöner ist als ich, und wo ich nicht genüge. Ich fand immer und überall etwas und litt natürlich darunter. Wer ist schon gerne minderwertig? Wer möchte nicht genügen?

Es hat viele Jahre gedauert, mehr Gelassenheit mir selber gegenüber zu gewinnen. Das Alter hat sicher einen Teil dazu beigetragen, Yoga hat dabei aber den grossen Anteil gehabt. Ich möchte damit nicht sagen, dass ich auf die Yogamatte stand und das Leben war plötzlich wundervoll und ich der Held in meinem eigenen Universum. Es war ein Weg – und er dauert noch an. Auf diesem Weg habe ich eine Wahrheit ganz schmerzhaft erfahren müssen: Ich bin ich und ich kann, was ich kann. Ich kann…

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Kürzlich hörte ich, dass man vorsichtig sein müsse. So mit den sozialen Medien. Wenn man schreibe, dass man in den Ferien sei, locke das Diebe an. Die Polizei warnt. Das ist nicht neu, natürlich wusste ich das. Aber doch. Ich fragte mich. Was mach ich denn nun? So bildtechnisch? Nehme ich hier Bilder auf, die ich dann reinstelle, wenn ich woanders bin, um dann dort Bilder von hier reinzustellen? Bin ich damit so klug, die potentiellen Diebe zu irritieren? Noch besser: Ich mache nur noch Blumenbilder – kein Mensch weiss, wo die Blume steht. Nur bin ich nicht Florist. Vielleicht sollte ich ganz aus den Sozialen Medien raus. Sind ja eh so virtuell und kaum real. Blöderweise habe ich ganz viele wunderbare Kontakte hier, die durchaus real sind. Auch in der Virtualität. Im Zeitalter der Digitalisierung ist die Unterscheidung virtuell – real sowieso ein wenig wie wenn man sagt, dass nur das ganz sauber ist, das man von Hand wäscht, nie die Maschinenwäsche.

Was mach ich denn nun? Klar: Gefahren gibt es, die Polizei warnt. Aber auch wenn mein Haus dunkel bleibt, wenn ich weg bin, sind das Zeichen. So reale. Wenn jemand vor Ort beobachtet, hat er Zeichen. Mehr als virtuell, denn ich bewege mich doch durchaus mehr zu Fuss als über die Tasten – man glaubt es kaum. Sicher ist es nicht ganz geschickt, öffentlich lesbar zu schreiben, dass man an dieser oder jener Adresse wohnt, nun von jetzt bis dann weg ist, um dann irgendwann wiederzukommen. Man könnte das als Einladung lesen als Dieb: Komm doch vorbei, es steht dir alles zur Verfügung, keiner greift ein.
Früher gab es ähnliche Warnungen. Es wurden Alarmanlagen, Lichtzeitschaltuhren, regelmässig vorbeischauende Nachbarn empfohlen, wenn man in die Ferien fuhr. Diebe beobachten Gewohnheiten und reagieren auf sich verändernde. Am besten wäre es, man hätte keine Gewohnheiten, sondern lebte sein Leben so ziemlich unnachvollziehbar – eine regelmässige Arbeit fiele da auch flach. Man hat sich selten an all die Ratschläge gehalten, sondern sein Leben gelebt und gehofft, dass nichts passiert. Und statistisch lag man damit gut. Es wird in weniger Haushalten nicht eingebrochen als eingebrochen wird.
Daran hat sich nichts geändert, allerdings sind halt die Möglichkeiten der Diebe durch die Digitalisierung andere geworden. Und damit änderten sich auch die Ratschläge. Nun würde ich natürlich niemandem zu einem leichtsinnigen Verhalten raten, nur: Wenn wir uns in allem, was wir tun und machen, einschränken, weil jemand das ausnutzen könnte, machen wir uns schon im Vorfeld zum Opfer eines Täters, von dem wir noch nicht mal wissen, ob er einer wird bei uns. Vorsicht ist geboten. Aber: Wenn diese das eigene Leben so einschränkt, dass man es nicht mehr leben kann, ist der Preis eventuell zu hoch.
Klar kann man sich aus den sozialen Medien zurückziehen. Klar kann man alles verschweigen, was das eigene Leben betrifft. Klar kann man zurück zu analog gehen oder aber Lügenkonstrukte aufbauen, um die Welt da draussen zu irritieren. Nur: Wo bleibt dann noch die Authentizität? Wo das eigene freie Leben?
Was man ins Netz stellt, steht da. Man muss sich also sicher klar sein, ob man das da haben will oder nicht. Und wieso. Im Zeitalter der Digitalisierung muss uns aber schlicht bewusst sein: Es ist kaum mehr was versteckt und privat. Wir hinterlassen Spuren und die werden getrackt. Wirklichen Schutz bringt da wohl nur eine abgelegene Alphütte ohne Empfang. Nur: Wollen wir so leben?
Das Leben ist und bleibt ein Risiko. Ich würde nun auch nicht alle Türen offen lassen, vor der Hütte eine Tafel mit der Aufschrift „Immer nur reinkommen und bedienen“ – aber: Ich möchte mein Leben weiter frei leben. Und ich mag meinen Austausch auf menschlicher Ebene im Netz, zumal daraus immer auch ganz wunderbare Beziehungen entstanden sind. In ganz unterschiedlichen Ausprägungen: Reichend von Schreib- und Herzensverbindungen, hin zu Freundschaften vor Ort bis hin zu Lebensbeziehungen. All das wäre wohl durch verschleiernde Bilder und kryptische Botschaften nicht passiert. Was für ein Verlust.
Drum: Es gilt sicher, achtsam zu sein, was man ins Netz stellt, aber: Die Authentizität darf nicht leiden. Wir müssen uns den neuen Gefahren stellen. Der Weg kann nicht Selbstverleugnung sein, sondern Reaktion auf neue Gefahren. Da sind wir heute gefordert. Wie gehen wir mit den Geistern um, die wir riefen.

Philosophische Praxis

„Wir machen ihn (den anderen Menschen, S.M.) zum Aufhänger für die vielen Kleider, die wir selber nicht tragen wollen.“[1]

Nichts kritisiert man so leicht wie die Fehler der Anderen. Wir sehen sie und sind schnell mit unserem Urteil dabei. Teilweise denken wir dieses nur für uns, teilweise teilen wir es dem anderen gleich mit. In beiden Fällen aber steckt etwas drin: Ich setze den Massstab und du entsprichst diesem nicht.

Es steckt aber noch mehr drin: Oft sind die Dinge, die uns an anderen stören, die, welche sich auch in uns finden – oft als dunkle Flecke, die wir tunlichst übersehen. Zwar sind sie da, machen uns wohl mitunter das Leben schwer, weil sie sich durchaus nach aussen äussern, für uns aber oft nicht sichtbar und damit nicht veränderbar sind.

Beziehungen zu anderen Menschen können uns helfen, unsere blinden Flecke aufzudecken. Wenn wir hinsehen, was uns an anderen stört…

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Philosophische Praxis

Wer bist du?

Stellt uns jemand diese Frage, kommen die Antworten meist spontan: Ich bin Sandra, bin Mutter, Frau von dem und arbeite das. Die meisten von uns würden wohl staunen, käme dann die Nachfrage:

Und wer bist nun du?

Wir würden denken, das gerade erzählt zu haben. Nur: Wir kratzten an der Oberfläche. Wir zählten unsere verschiedenen Rollen auf, trafen aber nicht den Kern. Was wir beschrieben, war unser Ego, der Teil von uns, der immer „hier“ schreit, wenn es darum geht, zu definieren, welche Rollen wir in der Gesellschaft spielen, was uns gehört, wodurch wir uns nach aussen definieren. Das tief drin ist damit noch nicht mal ansatzweise genannt – meist kennen wir es gar nicht.

In der östlichen Philosophie unterscheidet man zwischen dem Ego und dem Selbst. Das Ego ist all das, was oben genannt wurde, es ist das, was wünscht und sehnt, das ablehnt und vermeidet…

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Philosophische Praxis

Wir alle wollen geliebt werden. Und oft wurde uns vermittelt, dass wir etwas zu leisten hätten, auf eine gewisse Art zu sein hätten, damit man uns liebt. Und so versuchen wir dann, so zu sein, wie wir sein sollen. Manchmal sind wir dann ziemlich weit von dem entfernt, wer wir selber sind oder wären, wir hoffen aber, dadurch liebenswerter zu werden – weil wir ja die Vorgaben erfüllen. Nur: Sehr oft gelingt das nicht, denn solche Scheinidentitäten wirken so, wie sie sind: Aufgesetzt, nicht authentisch.

Bei Lichte betrachtet, ist es auch nicht wirklich liebenswert, aus purem Opportunismus etwas vorzuspielen, was gar nicht stimmt. Das ist in dem Falle aber oft egal, denn: Der Zweck heiligt die Mittel. So belassen es manche dabei und fahren vordergründig gut. Zwar werden sie nicht wirklich geliebt, aber sie haben Erfolg. Das deckt eine Zeit lang die Ur-Sehnsucht nach Liebe, dient quasi als Ersatz. Bleibt…

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