„Was ist das Eine, das alle anderen Tugenden in sich fasst? Mitgefühl.“ (Buddha)

Mitgefühl. Was bedeutet das eigentlich? Es ist ein Gefühl. Eines, das mitgeht. Mitgeht mit dem Gefühl eines anderen. Es ist nicht Mitleid. Wenn der andere leidet, leide ich mitfühlend nicht mit. Aber ich verstehe ihn in seinem Leid. Ich kann „nachfühlen“, verstehe ihn in seinem Fühlen, in seinem Sein. Dieses Verstehen kommt von tief drinnen, es ist eine Verbindung von mir zum anderen.

Im Buddhismus ist das Mitgefühl zentral, es ist die eigentliche Essenz des Buddhismus. Im Mitgefühl drückt sich die Verbindung der lebenden Wesen untereinander aus. Mitgefühl basiert auf Wertschätzung, auf dem Wunsch, dass alle Lebewesen frei von Leid sein mögen. Und wenn wir uns das wünschen, werden wir uns auch hüten, anderen Leid zuzufügen, im Gegenteil: Wir würden alles daran setzen, dem Leiden ein Ende zu bereiten, läge es in unserer Macht.

Umfassendes Mitgefühl wertet nicht. Es sortiert nicht aus. Jeder Mensch will glücklich sein. Jeder Mensch will frei von Leid sein. Egal, wo er geboren wurde, welche Sprache er spricht, welche Religion er zu seiner erklärt oder welche Hautfarbe er hat. Auch der unliebsame Nachbar hat tief drin die gleichen Sehnsüchte wie wir. Ebenso der grantige Chef. Keiner steht wohl am Morgen auf und denkt: „Ich will heute mal ein Ekel sein, egal, ob mich die Menschen mögen.“ Wenn wir uns dieses vor Augen halten, gelingt es vielleicht, unser Mitgefühl auch auf die auszuweiten, denen wir im ersten Moment eigentlich zürnen wollten.

Und: Das kommt nicht zuletzt auch uns selber zu Gute, denn: Mitgefühl hat heilende Wirkung und es führt zu Frieden, Glück und Zufriedenheit.

Der Wunder grösstes ist die Liebe. (August Heinrich Hoffmann von Fallersleben)

Dass etwas so schön ist, so wertvoll, so licht- und freudvoll, ist ein Wunder. Dass etwas so viel Kraft und Macht hat, dass es Berge versetzen und Menschen glücklich machen kann, ist ein Wunder. Dass etwas so grundlegend ist und doch so erhebend, ist ein Wunder.

Das Wunder leben zu dürfen, das Wunder erfahren zu dürfen, sollte drum nie gering geschätzt werden, sondern täglich mit Dankbarkeit und auch Demut erfüllen.

Im Buddhismus gibt es eine wunderbare Meditation:

Die Metta Meditation
(Metta heisst so viel wie liebende Güte, Liebe)

Zuerst wendet man sich an sich selber:

Möge ich glücklich sein.
Möge ich mich sicher und geborgen fühlen.
Möge ich gesund sein.
Möge ich unbeschwert leben.
Dann an einen lieben Menschen:

Mögest du glücklich sein.
Mögest du dich sicher und geborgen fühlen.
Mögest du gesund sein.
Mögest du unbeschwert leben.

Dann an alle lebenden Wesen:

Mögen alle Wesen glücklich sein.
Mögen sich alle Wesen sicher und geborgen fühlen.
Mögen alle Wesen gesund sein.
Mögen alle Wesen unbeschwert sein.

Anleitung zur Meditation:
Einen aufrechten Sitz einnehmen, die Augen schliessen, tief und bewusst in den Bauch atmen, zur Ruhe kommen. Dann ganz bewusst diese Worte sprechen. Es gibt auch Anleitungen im Netz, so dass man die Worte nachsprechen kann. Oder aber man nimmt sie auf und hört sie dann zur eigenen Meditation an.

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Die erste Liebe ist immer die zu sich selber. Wie soll ich andere Menschen wirklich lieben, wenn ich mich selber nicht liebe? Wie mich um andere sorgen, wenn ich es an der Sorge für mich selber mangeln lasse? Nur wenn ich mich selber liebe, zu mir stehe, kann ich als Ich authentisch nach aussen gehen und in Beziehung treten, andere Menschen als die, die sie sind, annehmen und lieben.

Liebe ist ein Geschenk, ein Wunder. Schön daran ist auch, dass sie nicht abnimmt, wenn man sie verschenkt, sondern im Gegenteil noch wächst.

Ein liebend Auge ist ein milder Richter. (Theodor Fontane)

Wenn du einen geliebten Menschen anschaust, fallen dir ganz viele liebe und schöne Dinge auf. Auch gegenüber seinen Fehlern und Schwächen, die eigentlich eher kleine Einzigartigkeiten sind als Mängel, bist du grosszügig, hast ab und an sogar ein Lächeln auf den Lippen, wenn dir wieder eine auffällt.

Wie gehst du mit dir selber um? Auch so grosszügig? Oder verurteilst du dich viel mehr für alles, was nicht perfekt ist? Würdest du mit jemand anders genauso rigoros umgehen, wie du es teilweise mit dir selber tust? Und wenn nein, wieso tust du es bei dir selber?

Liebe beginnt immer bei einem selber. Der Liebe wohnt immer auch eine Spur Grossmut mit. Sie lässt das Auge gnädiger taxieren, lässt die Urteile milder ausfallen. Liebe will Frieden schaffen und bewahren, nicht Krieg und Streit kultivieren. Liebe will verzeihen, nicht strafen oder gar Rache üben.

Liebe lässt Milde und Gnade walten, statt unbarmherzig zu verurteilen.

In einem eher links orientierten (so stand es in den Medien) Cafe wurden zwei Politiker einer eher rechts ausgerichteten Partei attackiert von Linksextremen. Es ist nicht der erste Vorfall dieser Art. Anhänger einer Gesinnung gehen dahin und gehen mit Gewalt gegen die vor, welche anderer Meinung sind. Weil sie denken, sie seien im Recht mit ihrer Meinung und diese die einzig Wahre.

Das ist nicht demokratisch!

Demokratie beruht immer auf einem Konsens. Im weitesten Sinne. Um die grösstmögliche Schnittmenge der Meinungen zu erreichen bedarf es des Dialogs. Wir brauchen keine Arena-Diskussionen, in welchen alle möglichst den anderen mit Argumenten totschlagen wollen. SO funktionieren auch andere Podiumsdiskussionen. Es wird mehr gegen den Mann geschossen, als zu verstehen versucht, was er denkt und wieso. Es wird wenig nachgedacht und gemeinsam reflektiert, sondern schlicht nur die eigenen, für sich in Stein gemeisselten Argumente um sich geschossen. Oft mit süffisantem Unterton und ebensolchem abwertendem Grinsen im Gesicht.

Oft scheint es gar nicht so sehr um die Sache zu gehen und vielmehr darum, erstens sich selber, zweitens die eigene Partei ins Rampenlicht zu rücken. Sind es wirkliche Überzeugungen? Wenn es diese wären, könnte man sich doch ruhig die Argumente anderer anhören. Und sie sogar überdenken. Was hätte man zu verlieren? Aber nein. Man will sich bestätigt sehen. Koste es, was es wolle. Schliesslich macht der Karriere, der am lautesten propagiert und von den Meisten gehört wird.

Und ganz oft… ist all das nur ein Alibi, um das auszuleben, was tief drin brodelt. Gerade bei solchen Attacken. Da steckt wenig Überlegung dahinter, denn diese wäre so überlegt, nicht über die Tat zu Wort zu kommen. Das ist der eigene Frust am eigenen – oft wohl versauten – Leben, der Neid auf die, welche ihres nicht versaut haben, der dann in Ausbrüchen ihren Ausdruck findet. Und so lässt sich eine Demokratie schlicht nicht leben.

Schon Platon fand die Demokratie zum Scheitern verurteilt. Kant sah ein miteinander Entscheiden für eine friedliche Gemeinschaft dann als sinnvoll, wenn die Gruppe nicht zu gross ist. Doch irgendwann geht es schlicht nicht. Platon plädierte für einen Philosophenkönig. Einer, der ohne eigene Interessen das Gemeinwohl im Auge und die nötigen Schritte dazu im Blick hätte. Doch: Wo finden?

Demokratie ist eine wunderbare Sache. Nur funktioniert sie nur miteinander. Und zwar in einem Miteinander, in welchem alle mit allen sprechen. Ein Miteinander, in dem man nicht all die entfreundet auf Facebook, die nicht der gleichen Meinung sind, ein Miteinander, in welchem man den anders Denkenden keinen Wein über den Kopf giesst. Ein Miteinander, in dem man sich für den anderen, seine Meinung, seine Gefühle, die dazu geführt haben, interessiert.

Es wäre wunderbar, kämen wir wieder dahin. Dazu bräuchten wir aber eine entsprechende Bildung. Eine, die Kinder aufruft, zu sich und ihrer Meinung zu stehen, nicht irgendwelchen Dogmen zu folgen, die irgendwer mal aufgestellt hat. Eine, die Kinder dazu aufruft, auch anderen zuzuhören, aber immer im Wissen, dass auch ihnen zugehört wird. Eine Bildung, die Kinder autonom werden lässt, dabei auch auch immer den Wert des Dialogs aufzeigt. Indem eben nicht der Lehrer sagt, alle folgen. Aus solchen Schülern, die blind Lehrern folgen, werden Bürger, die blind Politikern folgen. Sie haben in der Schule gelernt: Folge ich nicht, bin ich auf der Abschussliste. Und da sollte ich tunlichst nicht hin.

Und so schwimmt jeder im gerade förderlichen Strom. Und wir lassen die Demokratie vor die Hunde gehen.

Denn die Summe unseres Lebens sind die Stunden, wo wir lieben. (Wilhelm Busch)

Wie oft hetzen wir uns ab, um Dinge zu erreichen, setzen alles daran, Geld und Ruhm anzuhäufen und rennen dem Erfolg hinterher? Schneller. höher, weiter heissen die Schlagwörter der heutigen Zeit – wir wollen hoch hinaus. Dafür bleiben oft andere Dinge auf der Strecke: Familie, Freunde, Partner, Alltagsfreuden.

Fragt man Menschen am Ende ihres Lebens, was sie am meisten bedauern, ist es selten, dass sie nicht noch mehr gearbeitet, mehr Geld verdient, mehr Stunden im Büro verbracht hätten. Es sind verpasste Chancen im Leben, es sind nicht gelebte Träume, immer wieder aufgeschobene Freuden. Es ist die verpasste Kindheit der Kinder, dass nicht genug Zeit für die Liebe war und vieles mehr. Es sind oft kleine Dinge des Alltags, die auf der Strecke blieben, Dinge, die man immer wieder aufgeschoben hatte, um noch mehr zu leisten, noch höher zu steigen, noch mehr zu erreichen.

Wenn du einst auf dein Leben zurück blickst, was wirst du sehen? Woran wirst du dich erinnern? Wenn du auf dein Leben heute schaust: Was schiebst du schon zu lange auf? Räumst du dem und denen, die du liebst, genügend Raum und Zeit ein?

Wo man Liebe aussät, da wächst Freude empor. (Wiliam Shakespeare)

Stellen wir uns unser Leben wie einen Garten vor, in welchem ganz viele Samen sind. Es gibt positive Samen wie Liebe, Mitgefühl, Humor, Mut, aber auch negative wie Hass, Gier, Neid, , Missgunst. Wir haben es in der Hand, welche wir giessen und welche nicht. All das, was Nahrung, Energie bekommt, wird sich entwickeln, das andere bleibt als Anlage zwar da, wird aber nicht zur Blume.

Wenn wir also die guten Seiten unseres Seins pflegen wollen, müssen wir unseren Fokus auf sie richten und sie stärken. Es ist unser Garten, gestalten wir ihn. Alles, was Aufmerksamkeit und Energie erhält, wird wachsen und nach aussen strahlen, in die Welt hinaus.

Es gibt den schönen Spruch, dass man erntet, was man sät. Nun haben wir nicht in der Hand, was in uns angelegt ist, doch wir können steuern, was gedeiht. Die Welt ist nicht einfach, wie sie ist, wir prägen sie durch unser Verhalten, durch unsere Handlungen, durch unser Sein. Wenn wir also in einer freudvollen Welt leben wollen, liegt es immer auch an uns: Was tragen wir dazu bei?

Es ist was Schönes, sein eigenes Bild im liebenden Auge zu erblicken. (Johann Wolfgang von Goethe)

Hast du auch schon in den Spiegel geschaut und an allem etwas auszusetzen gehabt? Oder hast du auch schon mit dir geschimpft, weil die Dinge nicht so klappten, wie sie sollten, dir etwas nicht gelungen ist? Oft gehen wir mit uns selber hart ins Gericht, so hart, wie wir das keinem anderen zumuten würden.

Wie wohl tut da ein Blick aus liebenden Augen, einer, der gut gesinnt ist, der mit dem Herzen schaut, der Milde walten lässt. Liebe verschliesst nicht gänzlich die Augen vor den Fehlern oder Schwächen des anderen, Aber: Liebe lässt keine Unbarmherzigkeit zu, Liebe kennt keine Verachtung. Oft sind es sogar die kleinen Einzigartigkeiten und Schrullen, die man besonders liebevoll betrachtet, weil sie den geliebten Menschen ausmachen.

Vielleicht sollten wir uns selber auch öfters mit einem liebenden Blick anschauen?!