„Der Dank ist für kleine Seelen eine drückende Last, für edle Herzen ein Bedürfnis.“ Georg Christoph Lichtenberg

Oft fühlen wir uns klein, wenn wir Hilfe brauchen. Um Hilfe zu bitten, fällt vielen Menschen schwer. Nur: Kein Mensch kann alles und kein Mensch kann für sich allein existieren. Wir alle sind voneinander abhängig. Und jeder ist darauf angewiesen, dass andere Dinge tun, die man selber nicht tun kann. Nur in diesem Miteinander ist ein Leben und ein Überleben überhaupt möglich.

Klein ist also nicht der, welcher Hilfe braucht, sondern der, welcher diese nicht zu schätzen weiss.

„Gedenke der Quelle, wenn du trinkst.“ Aus China

Fliessend Wasser, genügend Strom, im Winter eine Heizung, im Sommer ein Eisfach für das kühlende Getränk – den meisten in unseren Breitengraden geht es gut. Die Grundbedürfnisse sind mehrheitlich gedeckt, meist noch viel mehr. Und: Wir nehmen es als selbstverständlich. Wie selbstverständlich wir darauf zurück greifen, merken wir dann, wenn etwas nicht mehr funktioniert.

Statt dann zu fluchen, könnten wir auch immer mal wieder auf unser Leben schauen und wertschätzen, wie gut es uns geht. Diese Einsicht weckt Dankbarkeit und diese wiederum Freude. Und wer möchte nicht ein bisschen Freude im Tag haben?

„Worauf wir auch immer warten mögen – Seelenfrieden, Zufriedenheit, Gnade, die innere Wahrnehmung der Fülle -, es wird kommen, doch nur dann, wenn wir bereit sind, es mit offenem und dankbarem Herzen zu empfangen.“ (Sarah Ban Breathnach)

Hast du schon mal ein Kind beobachtet, dass unbedingt eine Katze streicheln wollte, die nicht gestreichelt werden wollte? Es rennt der Katze hinterher und diese rennt davon. Das dauert, bis das Kind müde ist, sich hinsetzt oder abliegt. Und bei kleinen Kindern passiert es oft, dass sie dann einschlafen. Und: Nicht selten kommt dann die Katze und legt sich dazu.

Genauso ist es mit vielen Dingen in unserem Leben: Wir rennen ihnen verbissen und fast blind vor Eifer hinterher. Manche Dinge brauchen ihre Zeit und die richtige Haltung, dann passieren sie von selber. Das heisst nicht, man müsste nichts dafür tun, nur erzwingen kann man das meiste nicht.

„Ich bin dankbar, nicht weil es vorteilhaft ist, sondern weil es Freude macht.“ (Seneca)

Oft hört man, Menschen seien Egoisten. Sie täten nur, was ihnen nützt. Wieso also sollte man dankbar sein? Was man brauchte, hat man nun, alles weitere dient einem nicht mehr. Wobei: Tut es das wirklich nicht? Einerseits zeigt Dankbarkeit dem anderen Wertschätzung und macht ihn dadurch sicher geneigter, zu einem anderen Zeitpunkt wieder zu helfen.

Dankbarkeit gibt auch mir selber ein gutes Gefühl. Ich habe die Möglichkeit, dankbar zu sein, das bedeutet, mir ist etwas Gutes widerfahren. Das aktive Wahrnehmen desselben verdoppelt noch das Gefühl des „Mir geht es gut.“

Nun nur aus diesen Gründen einen Dank auszusprechen, wäre aber nicht nur berechnend, es würde auch wenig bringen, denn: Was nicht gefühlt ist, zeigt auch keine Wirkung. Nie bei einem selber, selten bei anderen.

„Denken und danken sind verwandte Wörter; wir danken dem Leben, in dem wir es bedenken.“ (Thomas Mann)

Ich habe in einer schwierigen Zeit damit begonnen, jeden Abend den Tag Revue passieren zu lassen und drei Dinge zu suchen, für die ich dankbar bin. Und: Egal, wie schwierig der Tag war, ich fand immer drei Dinge. Nicht immer grosse, ab und an kleine, fast schon banale, aber doch wohltuende.

Diese Praxis der aktiven Dankbarkeit hat mir sehr geholfen, das Leben umfassender zu sehen. Sie hat mir geholfen, auch in dunklen Momenten die lichtvollen Momente wahrnehmen zu können. Und über die Zeit hinweg merkte ich, wie ich besser mit den Herausforderungen umgehen konnte, die das Leben brachte, einfach, weil tief in mir immer auch Dankbarkeit mitschwang für das Gute, das jeden Tag präsent ist – wenn man es sieht.

„Wäre das Wort „Danke“ das einzige Gebet, das du je sprichst, so würde es genügen.“ (Meister Eckhart)

Es gibt ein Lied, in welchem es heisst: „Danke für diesen guten Morgen, danke, für jeden neuen Tag….“ Und ja, es ist kein hochstehendes Lied, eher so ein banales mit einer simplen Melodie, einem einfachen Text. Sowas belächelt man gerne. Bis man innehält und denkt: Wie, wenn nicht so?

Ist nicht jeder neue Tag ein Geschenk? Eines, mit dem man eigentlich nicht rechnen kann und es doch tut? So selbstverständlich? Und wenn dann nicht alles so läuft wie geplant, hadert man noch. Ohne zu überlegen, dass schon der Tag eigentlich ein Geschenk war.

Wir müssen nun nicht alle mit einem Dauergrinsen durch die Welt laufen, gewisse Tage sind schwieriger als andere, und doch: Jeder Tag ist ein Geschenk und keiner ist selbstverständlich. Wir haben jeden Tag einen Grund, dankbar zu sein.