Wie oft hörte ich das in meiner Schulzeit und ich konnte es kaum glauben. Klar, Schule wurde als das hingestellt, was mich auf die Zukunft vorbereiten, das mir den Zugang zu einer Ausbildung, zu einem Studium, zu einer weiterführenden Schule ermöglichen sollte. Und so lernte ich, was mir vorgegeben wurde, zu lernen. Sinn und Zweck sah ich selten, was sich auf die Lernmotivation niederschlug und oft das Lernen eher als notwendiges Übel denn als sinnvolle Tätigkeit erscheinen liess.

Lernen in der Form, wie ich es in der Schule kennengelernt habe, war eigentlich kein wirkliches Lernen, es war eher das Pauken von Inhalten, die mir vom Lehrer frontal gegen den Kopf geschleudert wurde und die ich nun in diesem hätte ansammeln sollen. Dass sich diese Inhalte oft nur kurzzeitig und nur gerade im Hinblick auf eine Prüfung niederliessen, bestärkt die Ansicht, dass von Lernen, wirklichem Verinnerlichen, kaum die Rede sein konnte.

Von vielem, das ich damals gehört habe, ist kaum etwas geblieben. Das ist insofern schade, als ich heute finde, dass ganz vieles davon spannend gewesen wäre, dass es mich eigentlich interessieren würde. Nun ist es nicht so, dass ich ein gänzlich uninteressiertes Kind gewesen wäre, im Gegenteil. Es gelang im Unterricht in der Form schlicht nicht, mein Interesse zu wecken. Das hatte verschiedene Gründe:

  • Ich sah beim Lehrer selten eine eigene Faszination für den Stoff. Meist leierten unsere Lehrer die gleichen Inhalte auf die gleiche Art und Weise runter, wie sie das schon seit Jahren getan hatten.
  • Ich sah in vielen Inhalten keinen Sinn für mein Leben, da ich sicher war, die Mehrheit davon nie mehr im Leben brauchen zu können. Und ich habe recht behalten.
  • Das stupide Auswendiglernen von prüfungsrelevantem Stoff tötete noch den letzten Funken an Interesse in mir.

Und ja, so fühlte es sich schlicht nicht so an, als ob ich für mich lernte – ich lernte für die Schule. Ich lernte für eine Schule, die so ausgerichtet war, dass sie mir Stoff eintrichtern musste nach Lehrplan, welcher für mich nicht relevant war, auf eine Weise, die weder kindgerecht noch lernpsychologisch sinnvoll war.

Nun kann man sagen, dass man es nicht besser wusste. Das wage ich zu bezweifeln, denke ich nur an Aussagen von Humboldt, Dewey oder auch Piaget (um nur einige wenige zu nennen, die Liste wäre lang). Seit da kam die Hirnforschung dazu, welche viele der Aussagen stützte, vor allem aber, dass Lernen, wie es heute in Schulen gefordert wird, nicht den menschlichen Anlagen entspricht.

So oder so: Wenn ein Kind wirklich für sich lernen soll, dann müsste dieses Lernen auf eine ihm mögliche Weise geschehen können und es müsste für sein persönliches Leben einen Sinn ergeben. Im Hinblick darauf, dass wir in unserer immer schneller sich verändernden Welt keine Ahnung mehr haben, welche Berufe es in der Zukunft noch geben wird, wäre es wichtig, dem Kind Fähigkeiten mit auf den Weg zu geben, welche ihm eine Anpassung an diese sich verändernde Welt ermöglichen. Zudem müsste es sich in einer immer mehr zusammenwachsenden Welt orientieren und austauschen können. Es müsste, um in eben dieser Welt friedlich mit andern zusammenleben zu können, Werte verinnerlichen, die dieses Zusammenleben ermöglichen. Es muss wissen, wie und wo es sich Informationen beschaffen und wie es diese verinnerlichen kann – was es von Natur aus könnte, würde man ihm dieses natürliche und autonome Lernen nicht abgewöhnen würde durch zu viele vorgefertigte Antworten, welche das neugierige Fragen im Keime ersticken.

Werte und Fähigkeiten und Kompetenzen in grundlegenden Bereichen, die lebensrelevant in einer Welt des Miteinanders sind, wären also das, was in Schulen vermittelt werden sollte. Dass eine gewisse Allgemeinbildung durchaus sinnvoll ist, soll nicht bestritten werden, allerdings sollte es dem Interesse des Kindes überlassen werden, wie tief es in gewissen Bereichen gehen (nämlich so weit, wie es für seinen persönlichen Lebensweg sinnvoll erscheint) und auf welchen Wegen es sich diesen Stoff erarbeiten will.

Damit plädiere ich nicht dafür, den Lehrer abzuschaffen und die Kinder auf sich selber gestellt zu lassen beim Lernprozess, im Gegenteil. Lehrer sind wichtig. Allerdings sollte ihre Aufgabe weniger in der dozierenden Fachvermittlung liegen, als mehr in der Begleitung auf den individuellen Lernwegen und im Aufbau einer Beziehung, welche dem Kind Halt und einen geschützten Rahmen gibt auf seiner Reise durch die Lernwelten.

Und plötzlich weiss man: Das möchte ich tun. Das wäre das Leben, das ich gerne leben würde. Und in uns entsteht ein Bild in den buntesten Farben, wir malen alles aus und fühlen uns wohl damit. Manchmal ist es auch nicht ein ganzer Lebensentwurf, nur ein Projekt, das wir gerne umsetzen, ein Plan, den wir gerne verfolgen würden. Egal, was und wie gross es ist: So soll es sein!

Doch dann kommen die inneren Stimmen: „Das geht doch nicht!“, „Ich kann doch nicht!“, „Was werden bloss die anderen sagen?“, „Wie könnte ich das schaffen?“ Das eben noch so leuchtende Bild wird trüber, die eigene Freude gedämpft. Erich Fried hat diese inneren Stimmen in Bezug auf die Liebe in ein wunderbares Gedicht verpackt:

Was es ist
Es ist Unsinn
sagt die Vernunft
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Es ist Unglück
sagt die Berechnung
Es ist nichts als Schmerz
sagt die Angst
Es ist aussichtslos
sagt die Einsicht
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Es ist lächerlich
sagt der Stolz
Es ist leichtsinnig
sagt die Vorsicht
Es ist unmöglich
sagt die Erfahrung
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Wir können diese inneren Stimmen wichtig nehmen und alles lassen, wogegen sie stänkern. Wir können uns einreden, dass unsere Pläne wirklich unsinnig, aussichtslos, lächerlich, leichtsinnig oder gar unmöglich sind. Und dann tun wir brav das, was wir schon immer taten. Der Umstand, dass wir beim Denken neuer Wege aufblühten, zeigt zwar, dass wir mit den alten nicht glücklich waren, trotzdem das wäre sicher der Weg des geringsten Widerstands. Wir bleiben dabei aber auch das, was wir waren: Unglücklich, zumindest unzufrieden.

Was ist die Alternative? Wir fassen uns ein Herz und wagen das Risiko. Das braucht Mut, keine Frage, und ich behaupte nicht, dass es einfach ist. Neue Wege sind immer unsicher, wir betreten damit Land, das wir vorher noch nicht kannten, verlassen unsere eingetretenen Pfade, die uns vertraut waren. Aber: Schon Hermann Hesse wusste:

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,

Diese Zeile des Gedichts ist wohl vielen bekannt, aber das Gedicht geht weiter:

Der uns beschützt und der und hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
an keinem wie an einer Heimat hängen.
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf’ und Stufe heben, weiten.

Mut zu haben, heisst nicht, dass wir von jetzt auf gleich keine Angst mehr haben. Es heisst auch nicht, dass all die Stimmen plötzlich verstummt sind und wir nur noch optimistisch in die Welt grinsen. Es ist sogar wichtig, die inneren Stimmen anzuhören, die Risiken einzuschätzen und abzuwägen. Unter Umständen erkennen wir so Hindernisse, die wir ausräumen können.

Dass wir den Mut aufbringen, für unsere Wünsche und Ziele einzustehen, bedeutet, dass wir uns ernst nehmen. Wir stehen für uns ein und gestehen uns ein: Es ist, was es ist. Ich bin, wie ich bin. Und ich bin es mir wert, dass ich für mich meine Wege gehe.

Natürlich ist es möglich, dass wir mit einem Plan in die Irre laufen. Es ist auch gut möglich, dass ein erreichtes Ziel beim Erreichen plötzlich nicht mehr so bunt ist, wie es auf dem Weg dahin schien. Trotzdem bin ich überzeugt, dass es sich lohnt, den Weg zu gehen. Entweder zeigt er uns auf, was wir schon hatten, aber nicht sahen, oder aber wir entdecken eine Abzweigung, die uns wirklich an einen Ort führt, der für uns richtig ist. Und ab und an gehen wir den Weg, kommen ans Ziel und wissen: Ich habe es geschafft. Das war mein Weg und ich bin angekommen. Was könnte es schöneres geben?

Am Anfang stehen immer die Fragen: Wer bin ich? Was will ich im Leben? Wie will ich leben? Wie will ich sein? Sie geben den Weg vor, den wir gehen wollen. Und: Wenn wir Dinge mit Leidenschaft tun, unser Herz daran hängt, dann eröffnet sich immer etwas Gutes daraus. Dieses ist nicht zwangläufig immer das, was wir uns am Anfang vorstellten, aber der Weg, den wir dahin gingen, war selbst gewählt. Die nötige Vorsicht ist geboten, die Vernunft soll immer mitgehen, aber der Mut soll die Führung übernehmen, denn er ist der Verbündete der Liebe – der Liebe zu uns selber.

Hermann Hesse schliesst sein Gedicht „Stufen“ mit der wunderbaren Zeile:

Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

„Die Verantwortung Konflikte zu vermeiden, obliegt den Politikern; diejenige, einen dauerhaften Frieden zu begründen, den Pädagogen.“ (Maria Montessori)

In einem Schulhaus, das für Gewalt und sogar sexuelle Übergriffe bekannt war, reagierte die Schulleitung prompt: Es wurde ein Gewaltpräventionsexperte ins Haus geholt, der einen Vortrag hielt, und es gab eine Kleiderordnung: Keine grossen Ausschnitte, keine kurzen Röcke, nicht mehr bauchfrei. Man hat sich also auf die Symptome gestürzt und diese zu eliminieren versucht. Natürlich versuchte man auch Ursachen für die Gewalt zu benennen, zuerst wurden immer fremde Mentalitäten und dementsprechende Handlungen genannt.

Das mag durchaus dazu beitragen, ist aber in meinen Augen auch nur die Oberfläche. Wieso reagiert man mit Gewalt auf andere? Doch weil man sich vom anderen abgegrenzt fühlt. Man fühlt keine Verbindung und kann ihm drum Gewalt antun. Fühlte man die Verbindung, wäre Gewalt keine Option, denn man würde sich selber damit schaden. Um eine Verbindung aufzubauen, muss man in Beziehung treten. Es reicht nicht, einfach im selben Klassenzimmer zu sitzen und dem gleichen Lehrer bei der Vermittlung des für alle gleichen Stoffes zuzuhören, den man dann zu Hause durch Hausaufgaben alleine verarbeiten muss.

Beziehungen spielen im Klassenzimmer eine grosse Rolle. Nicht nur hat Hattie in seiner gross angelegten Studie herausgefunden, dass für den Lernerfolg die Lehrperson und nicht zuletzt die Beziehung zu dieser ausschlaggebend ist (und erst viel später die Fachkompetenz und –vermittlung), eine Studie der ETH und der Cambridge und der Toronto University kamen zudem zum Schluss, dass eine gelingende Beziehung zwischen Lehrer und Schülern auch das Gewaltpotential an Schulen mindert.

Was können uns solche Studien lernen? Was sollten Pädagogen und vor allem Bildungsbehörden daraus lernen? Statt immer weiter auf Fächerunterricht zu setzen, bei welchem dem Lehrer immer weniger Zeit für eine gelebte Beziehung zu seinen Schülern bleibt, wäre es an der Zeit, mehr Zeit auf Werte zu setzen. Es wäre dringend nötig, Lehrern die Möglichkeit zu geben, mit ihren Schülern in Beziehung zu treten und sie dann auf ihrem Lernweg zu begleiten. Statt also Stunden mit Frontalunterricht zu verschwenden, welcher aufgrund der unterschiedlichen Bedürfnisse und Anlagen der einzelnen Schüler für viele nicht das Passende bietet, wäre es wichtig, den Schülern einen Bezugsrahmen zu geben, sich das Wissen selber anzueignen, im Wissen, dass sie auf jemanden zurückgreifen können, wenn sie anstehen. Das verstärkte Setzen auf Kooperation sowohl auf der Schüler-Lehrer-Ebene wie auch unter den Schülern, würde dazu beitragen, ein Beziehungsnetz aufzubauen, welches nicht nur dem Lernerfolg zugute käme (siehe Hattie), sondern auch die Aggressionen an Schulen eindämmen würden.

Und: Auf diese Weise legte man eine Basis für das weitere Sozialverhalten der Kinder, welches der Welt, in der sie später die entscheidenden Faktoren sind, nur gut tun würde.

 

Die Fragen sind es,
aus denen das, was bleibt, entsteht.
Denk an die Frage jenes Kindes:
„Was tut der Wind, wenn er nicht weht?“
(Erich Kästner)

Weshalb, wieso, warum?
Philosophieren heisst, Fragen zu stellen. Kinder sind Philosophen der ersten Stunde. Alles ist spannend, weil sie nicht denken, schon alles gesehen zu haben, weil sie nicht glauben, alles bereits zu wissen. Wenn Kinder Fragen stellen, neigen wir dazu, sofort Antworten zu geben. Schliesslich wollen wir dem Kind helfen, seine Wissenslücken zu füllen. Nur: Damit beenden wir mit einem Schlag das Philosophieren des Kindes. Ohne sich selber Gedanken zu machen, erhielt es eine Lösung.

Vorgefertigte Antworten beenden mit einem Schlag das eigene Nachdenken – und damit das Philosophieren des Kindes. Nur wo keine vorgefertigten Antworten warten, können freie Köpfe grenzenlos denken.

Wieso also nicht statt einer Antwort die Frage hinterfragen? Dadurch wäre das Kind herausgefordert, selber zu denken, seine Phantasie spielen zu lassen, sich Möglichkeiten auszumalen und kreativ zu werden. Nicht nur käme so ein spielerischer Prozess in Gang, das Kind würde zudem im eigenen Denken bestärkt, könnte lernen, diesem mehr zu vertrauen und es fühlte sich mit dem eigenen Denken auch ernst genommen.

Philosophieren so verstanden stellt eine Methode dar, an die Dinge heranzugehen. Kinder lernen, dass das eigene Denken wichtig ist und ernst genommen wird. Sie lernen auf ihre Selbstwirksamkeit vertrauen, entwickeln Selbstvertrauen dadurch, dass sie ernst genommen werden und auch realisieren, dass sie im Dialog Antworten selber herleiten können. Als Lehrer kann man das fördern: Durch das sokratische Gespräch.

Das sokratische Gespräch
Als sokratisches Gespräch bezeichnet man einen Dialog zu einem Thema, einem Gegenstand. Das Ziel ist, durch immer wieder neues Hinterfragen der gefundenen Antworten tiefer zu stossen und gemeinsam zu neuen Erkenntnissen zu gelangen. Diese sind nie in Stein gemeisselt, sondern immer nur vorläufige Ergebnisse, die immer auch wieder neu hinterfragt werden können.

Namensgeber des sokratischen Gesprächs war der griechische Philosoph Sokrates, der tagein tagaus über den Marktplatz schlenderte und mit Menschen Gespräche führte. Die behandelten Themen waren vielfältig, die Methode der Gesprächsführung haben wir durch Platons Schriften (mehrheitlich Dialoge) kennengelernt: Jemand tritt mit einer Frage an Sokrates heran, die dieser für seine Klugheit bekannte Philosoph beantworten soll. Doch anstatt einfach eine pfannenfertige Antwort zu liefern, fragt er nach und bewirkt damit, dass der Fragesteller seine Frage selber bedenken und eine Antwort finden muss. Auch diese Antwort stellt Sokrates wieder in Frage, was zu weiterem Nachdenken und mitunter zum Anpassen der vorherigen Antwort führt.

Leonard Nelson, ein Göttinger Philosoph, hat diese Methode des Philosophierens anfangs des 20. Jahrhunderts als Sokratisches Gespräch benannt und fortan in weiten Kreisen – auch in der Pädagogik – propagiert. Durch gemeinsames Argumentieren soll ein Problem umkreist werden und gemeinsam nach einem Konsens über die Wahrheit darüber gesucht werden.

Die sokratische Methode verlangt von allen Beteiligten die Offenheit, die eigene Meinung in Frage zu stellen. Sie bedingt, dass sich die Gesprächsteilnehmer gegenseitig ernst nehmen und verstehen wollen. Es geht weiter darum, offen die eigenen Überzeugungen und Zweifel zu erläutern:

„Ehrlichkeit des Denkens und Sprechens.“

lautet Nelsons Devise.

Das sokratische Gespräch in der Schule
Sokratische Gespräche können sowohl zwischen Schülern wie auch zwischen Lehrern und Schülern stattfinden. Wichtig ist, dass sich alle Beteiligten auf Augenhöhe begegnen. Der Lehrer ist also nicht der, welcher mehr weiss, er ist genauso Teilnehmer am Gespräch wie die Schüler und unterliegt denselben Bedingungen, die für einen solchen Dialog notwendig sind:

• die Hinwendung eines Menschen als Ganzes zum anderen als Ganzer
• Begegnung auf Augenhöhe
• die Bereitschaft, sich selber einzubringen
• Authentizität in Wort und Gefühl
• direkte Reaktion statt vorgefertigte Meinungen
• Alle Themen und Meinungen dürfen thematisiert werden
• Wirkliches Zuhören
• Gegenseitiger Respekt
• Offenheit
• Verantwortung übernehmen
• Gegenseitiges Lernen
• Mitgefühl

Es kann anfänglich allerdings sinnvoll sein, wenn der Lehrer (oder ein dazu bestimmter Schüler) darauf achtet, dass das Gespräch nicht zu sehr abschweift – es sei denn, das sei gewünscht und sinnvoll.

Sokratische Gespräche zwischen Schülern können dazu dienen, dass die Schüler miteinander im Austausch Themen und Fragestellungen erarbeiten. Der offene Austausch hilft dabei, die begrenzte Sicht des Einzelnen aufzubrechen und weitere Sichtweisen kennenzulernen. Dadurch können (Denk- und Sicht-)Grenzen erweitert und neue Erkenntnisse gewonnen werden.

Bei sokratischen Gesprächen zwischen Lehrern und Schülern passiert grundsätzlich dasselbe. Die Form der Gesprächsführung kann aber – im Gegensatz zu einem Frontalunterricht mit Lehrer-Schüler-Hierarchie – dazu beitragen, eine neue Beziehungsebene zwischen Lehrern und Schülern zu fördern, welche auf mehr gegenseitigem Respekt und Vertrauen basiert.

Zu allen Zeiten wurde es als höchstes Gut, als erstrebenswertes Ziel genannt: Das Glück. Schon Aristoteles propagierte es in seiner Nikomachischen Ethik, die heutige Ratgeberliteratur bestätigt es weiter. Wenn man das weiss, würde man denken, dass wir Menschen alles dafür tun, das Glück zu finden und es in unser Leben zu integrieren.

Was genau ist Glück? Es ist ein Gefühl. Es stellt sich ein, wenn wir ganz in einer Sache aufgehen, wir diese um ihrer selbst willen machen, uns dabei vergessen. Ein Kind, das auf einer Schaukel sitzt, schwingt, den Wind in den Haaren spürt, ist glücklich. Auch ein Kind, das am Teich die Enten füttert, ist glücklich. Ein Mensch, der sich für etwas begeistern kann und darin aufgeht, ist glücklich. Diese Begeisterung am eigenen Tun löst das Glück aus, indem das Hirn die entsprechenden Hormone ausschütten. Wir versuchen das Hirn im Alltag zu überlisten, indem wir mit Ausgleichshandlungen wie Schuhe kaufen oder Alkohol trinken ähnliche Ausschüttungen herbeiführen. Die halten zwar kurz an, sind dann aber weg – ohne weitere Wirkung auf uns. Wirkliches Glück bleibt im Hirn als Erfahrung gespeichert, so dass nächste Erfahrungen immer auf älteren aufbauen, sich zusammenschliessen, unser Leben und uns selber beeinflussen.

Eigentlich einfach? Die Frage ist, wieso wir alles dazu tun, uns genau das auszutreiben. Wir fangen schon bei kleinen Kindern an, indem wir ihnen sagen, wie sie zu sein hätten. Schon früh müssen sie Leistung zeigen, denn wer keine Leistung zeigt, aus dem wird nichts. Wir lehren sie, dass sie Erfolg im Leben haben müssen und Erfolg ist dadurch definiert, über andere zu siegen. Zuoberst zu stehen. Dafür müssen sie als Kleinkinder Sprachen lernen, weil man es ja dann so einfach lernt, später nicht mehr (man weiss aus der Hirnforschung, dass das nicht zwangsläufig richtig ist), müssen gute Noten bringen und alles dafür einsetzen. Dinge, die sie begeistern, müssen hintenanstehen, denn wir haben Prioritäten und die gilt es, zu erfüllen.

Das zieht sich ins Erwachsenenalter hinein. Wir kämpfen gegeneinander, stehen im Wettbewerb, wollen besser sein, höher hinaus, wir wollen Erfolg haben. Ein Miteinander geht so schwer, denn jeder trachtet danach, die anderen zu überrunden. Das Miteinander ist höchstens noch Mittel zum Zweck, nicht das, was man anstrebt.

Wenn wir schauen, was die Grundbedürfnisse eines Menschen sind, die er im Leben erfüllt haben möchte, kristallisieren sich zwei heraus: Verbundenheit und Freiheit. Er will einerseits dazugehören zu einer Gruppe, will akzeptier sein, mit all seinen Fähigkeiten, Schwächen und Stärken angenommen. Er will gleichzeitig frei sein, sich zu entwickeln, zu wachsen, seinen Teil beizutragen. Das geht nur, wenn man in der Gruppe, in der Gemeinschaft darauf setzt – nicht auf Erfolg um jeden Preis. Denn: Meist ist der Preis dafür die Ausmerzung der Begeisterung – und damit töten wir das Glück ab.

Wieso also nicht wieder mal hinsehen, wofür wir uns begeistern? Wieso nicht einfach sich mal Zeit nehmen, etwas zu tun, weil es Spass macht, gut tut, Begeisterung auslöst? Und dann das Glück spüren. Und wenn wir so Glücksmomente sammeln, Glücksgefühle ins Leben bringen, dann wird das Leben bunter, das Wohlgefühl steigt – seelisch und körperlich.

„Man muss den Dingen gegenüber Gleichmut bewahren und sich das Leben nicht mit überflüssigem Grübeln und Philosophieren verbittern.“ (Maxim Gorki)

Eine Situation lief nicht, wie sie sollte, jemand sagte etwas zu uns, das wir nicht mochten. Und schon geht es los: Das Gedankenkarussell dreht sich, wir käuen immer und immer wieder, was passiert ist, stellen uns vor, was dahinter stehen, was daraus folgen könnte. Wir malen uns in allen düsteren Farben das Leben aus und stecken in einer Gedankenspirale fest.

Wenn du wieder einmal in einer solchen Gedankenspirale sitzt, reicht es vielleicht nicht, dir einfach nur vorzunehmen, nicht mehr daran zu denken, weil es nichts bringt. Helfen kann in dem Moment, etwas anderes zu machen, etwas, von dem du weisst, dass es dir gut tut, dich ablenkt, dir Freude bereitet: Musik oder Sport machen, spielen, malen, Freunde treffen (um über anderes zu sprechen und nicht in den gleichen Gedanken weiter zu drehen), einfach etwas, bei dem du im aktuellen Tun aufgehst, so dass das Grübeln von selber aufhört.

Oft werde ich gefragt, was ich in einer Philosophischen Praxis mache, wie man sich eine philosophische Begleitung vorstellen muss. Die Antwort ist einfach und schwer zu gleich: Zentral ist, dass im Zentrum der Mensch steht, der zu mir kommt (oft übers Netz via Skype). Er hat ein Anliegen, fühlt sich mit etwas in seinem Leben nicht wohl. Grundsätzlich stehen dann grundlegende Fragen an:

  • Wo stehe ich im Leben?
  • Wie will ich leben?
  • Was kann ich dafür tun?
  • Was für ein Mensch bin ich?
  • Bin ich der Mensch, der ich sein kann?

Wenn wir im Leben anstehen, fühlen wir uns oft richtig aus der Bahn geworfen an: Wir sind vom Weg abgekommen, etwas ist in Unordnung geraten. Was wir anstreben, ist Ordnung, ist ein Leben, das wir als gelingendes, als rundes, stimmiges bezeichnen für uns. Nur sehen wir den Weg dahin oft nicht. Die Fragen können helfen, das eigene Bild wieder zu erkennen – mit allen Facetten.

Wir können uns das Leben wie ein Pult vorstellen. Wenn sich Blättergeigen türmnen, alles drunter und drüber liegt, finden die einen gar nichts mehr, für die anderen ist das erst der passende Arbeitsplatz. Wir haben unterschiedliche Ansprüche an eine für uns passende Ordnung, so dass wir zuerst die Unordnung analysieren und feststellen müssen, was wir selber unter Ordnung verstehen – und wieso wir das so sehen. Hier setzt die Philosophische Begleitung, das Philosophische Coaching an:

Dein Leben scheint gerade aus den Fugen? Du hast keine Kraft mehr, fühlst dich am falschen Platz, bist von deinem Partner verlassen worden oder weißt nicht, ob du gehen sollst? Ein lieber Mensch liegt im Sterben oder du erlebst dein Leben schlicht nicht als sinnvoll? Du hast viele Fragen und wenige Antworten? Du weißt nicht, wie mit einer Situation umgehen oder wie zu einer Entscheidung zu gelangen? Du sehnst dich nach Ordnung, doch überall siehst du nur Chaos?

Was auch immer in deinem Leben los ist: Du erzählst davon. Du erzählst von deinen Sorgen, von den Stellen, die dir Mühe bereiten. Du erzählst, was dir wichtig ist und ich höre dir zu.  Zusammen versuchen wir, im Dialog weiter und tiefer zu gehen, prüfen deine Geschichte von allen Seiten. Das kann zu neuen Perspektiven führen, auch neue Wege zeigen. Wichtig dabei ist, dass wir auf Augenhöhe kommunizieren. Deine Situation ist einzigartig, weil du es bist. Da hilft keine vorgefertigte Methode oder Anleitung. Dein individuelles Problem verdient eine massgeschneiderte Lösung. Und ich werde dich auf dem Weg begleiten, diese zu finden und umzusetzen.

Dabei ist mir ganz wichtig, dass du neben dem Problem auch deine guten Seiten siehst. Wo liegen deine Stärken, wo deine Fähigkeiten? Womit bist du zufrieden und woher holst du Kraft? Wie kannst du all das nutzen dabei, das Leben wieder in die Ordnung zu bringen, die für dich stimmt? Wie kannst du genügend Resilienz entwickeln, um trotz einiger Probleme sagen zu können: „Es geht mir gut!“

Philosophisches Coaching kann helfen bei

  • Entscheidungsunsicherheiten
  • Burnouttendenzen
  • Scheidung
  • Verluste
  • Tod
  • Umbrüche im Leben
  • Psychische Belastungen

Behandelt werden Lebensthemen wie

  • Wie will ich leben?
  • Was bin ich für ein Mensch?
  • Wie lebe ich Beziehungen?
  • Was ist ein gelingendes Leben?
  • Was kann ich tun?
  • Was schulde ich anderen?
  • Was schulde ich mir selber?
  • Was ist Glück?
  • Wie kann ich mehr Freude in mein Leben bringen?
  • Wie komme ich zu mehr Gelassenheit?
  • Wie kann ich vergangene Wunden heilen?
  • Wie entwickle ich mehr Resilienz?

Zum Angebot: Philosophische Begleitung / Philosophisches Coaching