Schon Aristoteles sagte, dass Glückseligkeit das höchste Gut des Menschen sei. In seiner Nikomaschischen Ethik versucht er aufzuzeigen, wie man ein guter Mensch ist und ein glückliches Leben führt. Leben heisst nach Aristoteles immer auch handeln. Indem wir handeln, leben wir. Und wir handeln, um etwas zu erreichen, ein Gut – und da wären wir wieder am Anfangspunkt:

Das Höchste all dieser Güter ist die Glückseligkeit.

Allem Handeln um unterschiediche Güter liegt immer etwas zugrunde:

Wir wollen glücklich sein.

Nur: Was ist Glück? Bücher darüber gibt es viele, Ratgeber, wie wir es erreichen, ebenso. Noch scheint keines wirklich der Erfolgsgarant zu sein, denn es entstehen immer neue. Vermutlich liegt ein Grund dafür, dass es mit dem Lesen der Bücher nicht getan ist, man auch gewisse Einsichten anwenden müsste – eben handeln. Und das anders, als man es bislang tat, denn offensichtlich erreichta man auf die althergebrachte Weise das Glück nicht. Und hier wird es ungemütlich. Wir lebten schon eine Weile so, verhielten uns auf eine gewohnte Weise – irgendwie war das unser Ich, wie wir es kannten. Nur:

If you do what you did, you’ll get what you got.

Sprich: Es ändert sich nichts und das Glück – sofern du nicht schon jetzt glückselig lächelnd da sitzt und dies liest– wird nicht einfach an die Tür klopfen und sich häuslich niederlassen.

tatsächlich tun wir jeden Tag ganz viel, in der Hoffnung, glücklich zu werden. Wir erfüllen uns Wünsche, wir strengen uns an, um anderen zu gefallen, Ziele zu erreichen. Wir gönnen uns was – Schokolade, Urlaub, ein neues Auto. Und doch: Nichts will so wirklich wirken. Und wenn etwas nicht klappt, sind wir nicht nur nicht glücklich, dann leiden wir. Und noch schlimmer: Wir tun tagtäglich Dinge, die uns nicht gut tun, die uns mehr schaden als nützen – und doch tun wir sie immer wieder. Würden wir nur diese Dinge loslassen, wären wir dem eigenen Glück schon ein ganzes Stück näher.

10 Dinge, die wir loslassen können, um dem Glück ein bisschen näher zu kommen:

  1. Vergleiche

Wie oft schauen wir, was andere haben oder nicht haben, und sind dann mit uns selber nicht mehr zufrieden? Warten wir eben noch zufrieden, sehen wir bei jemand anderem mehr… Neid macht sich bemerkbar, zumindest aber Unzufriedenheit mit dem, was wir haben. Das muss nicht sein. Der andere ist ein anderer, ich bin ich. Das zu geniessen und sich daran zu freuen, was man hat, ist ein ganz grosser Schritt hin zum eigenen Glück.

  1. Es allen recht machen wollen

Wie oft nehmen wir uns zurück, um es anderen recht zu machen? Nicht selten danken es diese uns kaum, im Gegenteil, sie merken es unter Umständen gar nicht. Und wir sitzen dann da und grummeln innerlich – darüber, dass unsere Bedürfnisse auf der Strecke blieben, und darüber, dass nicht einmal Dankbarkeit dafür geäussert wurde. Es geht nicht darum, keinem mehr einen Gefallen zu machen, aber es tut weder einem selber noch der Beziehung gut, wenn einer sich immer zurücknimmt – und oft dann den anderen seinen Frust darüber merken lässt.

  1. „Das kann ich nicht!“

Wie oft stehen wir vor einer Aufgabe und sagen uns als erstes: Das kann ich nicht. Wie viel verpassen wir, weil wir es nicht mal probieren? Wie viel entgeht uns, weil wir uns zu wenig zutrauen?

  1. „Was denken wohl die anderen?“

Auch hier steht uns die Angst, das Gesicht zu verlieren, im Wege. Der Gedanke, andere können uns auslachen, etwas schlechtes von uns denken oder uns nicht mögen, lässt uns oft erstarren. Wir meiden Dinge, die uns eigentlich Freude machen würden, nur um ein Bild zu wahren.

  1. Sich zu ernst nehmen

Wenn mal etwas in die Hose geht, geht die Welt nicht unter. Einfach mal über die eigenen Fehler lachen, die eigenen Unsicherheiten zugeben, fünf gerade sein lassen. Das Leben ist nicht nur ernst und wenn man es mit Humor und ein bisschen Nachsicht (mit sich selber) nimmt, geht vieles leichter von der Hand.

  1. Alles persönlich nehmen

Nicht alles, was passiert, hat wirklich mit einem selber zu tun. Wenn jemand einen grimmig anschaut, muss das nicht heissen, dass wir etwas falsch gemacht haben (vor allem dann, wenn er uns gar nicht kennt und nichts vorgefallen ist). Vielleicht hat er einfach einen schlechten Tag? Viele Reaktionen anderer sagen zu einem grossen Teil mehr darüber aus, was in den anderen Menschen vorgeht, als es mit uns zu tun hat.

  1. Sich aufopfern

Oft schauen wir, dass es allen gut geht, vergessen uns selber dabei selber. Wieso messen wir uns selber so wenig Wert zu?

  1. Geliebt werden wollen um jeden Preis

Was tun wir alles, um geliebt zu werden? Wir passen uns an, interessieren uns für Dinge, die uns vorher egal waren, versuchen so zu sein, wie wir denken, dass der andere uns haben will, nur weil wir denken, dass er uns so, wie wir sind, nicht lieben kann. Wen aber liebt er, wenn wir gar nicht mehr sind, wer wir wirklich sind? Und was passiert mit unserem wahren Sein? Halten wir das Versteckspiel ewig durch oder platzt irgendwann die Bombe? Ist es das wirklich wert? Liebe sollte nie aufgrund irgendwelcher Anpassungen und äusserer Merkmale erarbeitet werden müssen. Wirkliche Liebe geht tiefer.

  1. Wenn ich nur erst….

Oft denken wir, glücklich zu sein, wenn wir nur erst etwas erreicht haben. Mehr Geld, weniger Kilos, einen neuen Job, einen neuen Mann. Wir definieren unser heutiges Leben und damit unser heutiges Unglück damit, dass wir noch nicht haben, was wir dringend brauchen, und streben dann händeringend und mit Scheuklappen für anderes danach, dieses zu erreichen. Die Ernüchterung kommt meist dann, wenn das eine erreicht ist, das Glück (nach vielleicht kurzem Aufflackern) aber nicht von Dauer ist, weil wieder etwas fehlt. Glück hängt nicht am Erreichen von Dingen, sondern ist eine innere Einstellung zu dem, was ist.

  1. Ich bin nicht gut genug

Für wen oder was? Und wieso? Jeder Mensch ist gut genug. Das heisst nicht, dass man keine Ziele mehr haben darf oder an sich arbeiten soll, im Gegenteil, aber: Das, was heute ist, ist für heute gut genug. Gäbe es das heutige Ich nicht, hätten wir gar keine Basis. Was heute ist, ist alles, was wir haben, und dafür sollten wir dankbar sein.

„Wenn du tust, was du schon immer getan hast, bekommst du, was du schon immer bekommen hast.“ (Unbekannt)

Wer hat nicht auch schon mal am Silvester gute Vorsätze gefasst? Und sie dann nicht eingehalten? Voller Elan starten wir ins neue Jahr, sind guten Mutes, dieses Mal unsere Vorsätze umzusetzen. Die ersten Tage gehen auch gut, doch dann wird es langsam harzig. Und schon bald ist alles beim Alten.

Leider ist eine Veränderung nicht damit passiert, diese Veränderung wirklich zu wollen. Um sich wirklich zu verändern, braucht es neben dem Vorsatz

  • den festen Willen, das zu tun, was man will,
  • die Entsagungskraft, das loszulassen, was man nicht mehr will,
  • die Ausdauer, auch in schwierigen Phasen durchzuhalten.

Veränderung ist immer Arbeit und immer Übung. Und: Sie passiert nicht für sich allein. Oft müssen wir unser Denken, Verhalten und Tun rund um den Punkt, der sich verändern soll, auch prüfen und anpassen.

Wenn wir tagtäglich die gleichen Dinge auf die gleiche Weise tun, ist dieses Tun zu einer Gewohnheit geworden, in welcher alles zusammen ein Ganzes gibt. Daraus nur ein einzelnes Teilchen zu lösen und zu verändern, kann schwer fallen, wenn nicht unmöglich sein. Wenn wir also etwas ändern wollen, müssen wir genau hinschauen, wie dieses in unserem Leben verwurzelt ist. Und es dann mitsamt den Wurzeln aus unserem Lebensgarten reissen.

Nun wünschen wir uns Veränderungen oft nicht nur für uns, sondern auch für andere oder gar die Welt. Es ist eine alte Weisheit, dass man andere nicht ändern kann, nur sich selber. Gandhi sagte:

Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt.

Oft ist unser erster Gedanke, was das bringen soll. Wenn wir plötzlich lieb und nett sind, bedeutet das nicht, dass der übellaunige Nachbar das auch ist. Das zumindest reden wir uns ein, und wir tun es häufig, weil wir selber vor der Arbeit, die eine Veränderung mit sich bringt, zurückschrecken. Allzu oft ist nämlich genau das, was wir in der Welt ändern wollen, auch in uns angelegt und uns ein wunder (teilweise auch ein blinder) Punkt im Leben.

Bevor wir also hingehen und die Welt ändern wollen, sollten wir zuerst bei uns anfangen und nach Anzeichen dessen suchen, das wir im Aussen ändern wollen. Wenn wir es erkannt haben, gilt es, zu akzeptieren, dass es ein Teil von uns ist. Wir können es von allen Seiten betrachten und schauen, wie es in unserem Sein verwurzelt ist, um es dann mitsamt den Wurzeln aus dem Leben loszulassen.

Oft denken wir, dass wir mit Gewalt gegen Unliebsames vorgehen müssen. Wir stellen uns auf Kämpfe ein, sagen dem Ungewollten den Krieg an, aber damit erzeugen wir nur Druck – und befeuern das, was wir loswerden sogar noch. Viel effizienter ist es, anzuerkennen, dass es ein Teil von uns ist – wie vieles andere auch. Statt das Negative zu bekämpfen, sollten wir das Positive stärken, um diesem mehr Gewicht zu geben. Dann gelingt es irgendwann, das andere loszulassen. Weil wir es nicht mehr brauchen. Weil wir eingesehen haben, dass es in unserem Leben nur Leid bringt und wir das so nicht mehr wollen. All das ohne verbissenen Kampf, sondern mit einem Lächeln im Gesicht. Und dieses schicken wir dann in die Welt hinaus:

„Lächle und die Welt verändert sich.“ (Buddha)

 

„Wir mögen’s keinem gerne gönnen, daß er was kann, was wir nicht können.“ (Wilhelm Busch)

Wohl jeder hat sich wohl schon mal dabei ertappt, dass er neidisch auf einen andern schaute und innerlich grummelte, weil dieser was hatte oder konnte, das auch er gerne gehabt oder gekonnt hätte. Neid ist so ziemlich der Vorreiter unter den negativen Gefühlen. Ebenso ist es einem wohl auch schon so ergangen, dass man förmlich spürte, wie bei anderen der Neid regiert, einfach aus ihren Reaktionen – oder auch Nichtreaktionen.

So menschlich Neid sein mag, so vergiftend wirkt er – und dies hauptsächlich für den, welcher ihn hegt. Wenn ich jemandem etwas neide, hat dieser es immer noch, merkt oft gar nichts von meinen negativen Gefühlen (oder sie können ihm auch egal sein), ich dagegen habe es immer noch nicht. Und: Ich habe zusätzlich noch all die negativen Gefühle, die mir alles andere als gut tun.

Wieso mich nicht einfach freuen, dass jemand etwas hat oder kann? Mich mit ihm freuen? Im Buddhismus heisst das Mudita: Mitfreude. Eine wunderbare Sache, da sie Menschen verbindet. Studien zufolge halten Beziehungen länger, wenn man die Fähigkeit zur Mitfreude hat und lebt. Das Gefühl, dass da jemand ist, der sich mit einem freut, vertieft die Beziehung und verstärkt die eigene Freude. Zudem: Geteilte Freude ist doppelte Freude, da sich nun zwei freuen. Und ist es nicht schöner, mit Freude im Herzen durchs Leben zu gehen als sich von Neid zerfressen lassen.

There are a myriad different ways to search, but the object of the search is always the same. Don’t you see that the roads to Mecca are all different? One comes from Byzantium, another from Syria, still others wind through land or across the sea. The roads are different; the goal is one.
– Jalal-ud-Din Rumi

Selbst wenn wir das gleiche Ziel haben, können unsere Wege dahin doch unterschiedlich aussehen. Einfach darum, weil wir unterschiedliche Menschen sind. Wenn wir also wieder einmal jemanden von unserem Weg überzeugen wollen, weil er als der einzig gangbare zum Ziel erscheint, sollten wir uns zuerst fragen, ob das wirklich wahr und nicht nur unsere beschränkte Sicht ist. Und wer weiss: Vielleicht entdecken wir so für uns selber auch neue Wege, die noch besser zu uns passen als der, den wir bislang vor Augen hatten.

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*Es gibt eine Myriade unterschiedlicher Wege, zu suchen, doch das Objekt der Suche ist immer das gleiche. Siehst du nicht, dass die Wege nach Mekka alle unterschiedlich sind? Einer kommt aus Byzanz, ein anderer aus Syrien, noch andere überwinden Landstriche oder kommen übers Meer. Die Wege sind verschieden; das Ziel ist dasselbe. [Übersetzung S. M.]

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„Der Mensch muss ein ungeheurer Ignorant sein, der auf jede Frage eine Antwort weiss.“ (Voltaire)

Was ist richtig, was falsch? Was ist schön, was hässlich? Wie soll ich sein? Wie darf ich sein? Was muss ich tun? Was sollte ich lassen?

Ich stosse immer wieder auf Fragen und selten liegt die Antwort gleich offen da. Es gibt immer viele Möglichkeiten und am Schluss bleibt oft die Erkenntnis, dass es keine allgemein gültige und für immer richtige Antwort gibt, sondern nur ein Finden einer aktuellen Möglichkeit, die jetzt stimmt für mich.

Es gibt Menschen, die scheinen auf alles eine Antwort zu wissen, sie sind stets da, Ratschläge zu erteilen und zu bestimmen, was richtig ist, wie die Welt zu sein hat, wie die Menschen in ihr zu leben haben. Woher nehmen sie dieses Wissen? Und das Recht? Ich las mal, dass auch Ratschläge Schläge seien. Und irgendwie sehe ich das auch so. Auch ich ertappe mich ab und an dabei, Ratschläge erteilen zu wollen. Weil ich denke, zu wissen, was richtig ist. Nur: Weil es für mich (im Moment) richtig ist (erscheint?), heisst das nicht, dass es für den anderen auch passen muss.

„Jeder Tag ist eine Gelegenheit, wieder neu zu beginnen. Jeder Tag ist unser Geburtstag.“
(Dalai Lama, Desmond Tutu)

Wer hat nicht schon einmal eine falsche Entscheidung getroffen? Wer sich nicht mal auf eine Weise verhalten, die einem am nächsten Tag leid tut? Wer ist nicht schon mal einen Weg gegangen, auf dem er plötzlich merkte, dass dies eigentlich kein passender Weg ist, man lieber einen anderen ginge? Und wer hat nicht schon mal von etwas geträumt, das er gerne verwirklichen würde, hat es aber nicht angepackt?

Und dann sitzt du da mit all diesen Gedanken von „Ach hätte ich doch…“ oder „wieso habe ich bloss…“. Die bringen aber nur etwas, wenn man genau hinschaut, was man besser getan hätte oder eben nicht, was man sich wünschen würde oder eben nicht. Und dann etwas daraus macht. Die Chance dazu bietet sich genau jetzt, denn:

Jeder Tag ist eine neue Chance.

Packen wir sie!

„Wir suchen den Spielraum, der uns verbleibt
Zwischen Gesetzen, die durch uns handeln,
Und suchen das Mächtige, das uns treibt,
In Freiheiten umzuwandeln.

Es läuft auf Unterwerfung hinaus.
Quer dürfen wir uns nicht stellen.
Sonst zerreißt es uns, und die Wege sind kraus.
Es geht nicht zurück zu den Quellen“
(Eva Strittmatter, Auszug aus „Einklang“)

Wie frei bist du wirklich? Wenn du was tust, tust du es, weil du es willst oder weil du denkst, es zu müssen? Wer definiert dein Müssen? Die Forderungen des Alltags? Die Gesellschaft? eine innere Stimme, die eigentlich nicht dir gehört, sondern deinem Vater, deiner Mutter, einem Chef…?

Ab und an ist es sinnvoll, innezuhalten und das eigene Tun zu hinterfragen. Lebe ich wirklich noch mein Leben? Wer setzt die Grenzen? Stimmen sie für mich? Reissen andere meine Grenzen ein oder ignoriere ich sie selber? Lebe ich mein Leben oder erfülle ich nur Erwartungen? Was treibt mich an? Wo will ich hin? Solche Fragen können helfen, wieder zurück zu den Quellen zu kommen. Und dann bewusst er zu leben.