Lebensgarten

Wo man Liebe aussät, da wächst Freude empor. (Wiliam Shakespeare)

Stellen wir uns unser Leben wie einen Garten vor, in welchem ganz viele Samen sind. Es gibt positive Samen wie Liebe, Mitgefühl, Humor, Mut, aber auch negative wie Hass, Gier, Neid, , Missgunst. Wir haben es in der Hand, welche wir giessen und welche nicht. All das, was Nahrung, Energie bekommt, wird sich entwickeln, das andere bleibt als Anlage zwar da, wird aber nicht zur Blume.

Wenn wir also die guten Seiten unseres Seins pflegen wollen, müssen wir unseren Fokus auf sie richten und sie stärken. Es ist unser Garten, gestalten wir ihn. Alles, was Aufmerksamkeit und Energie erhält, wird wachsen und nach aussen strahlen, in die Welt hinaus.

Es gibt den schönen Spruch, dass man erntet, was man sät. Nun haben wir nicht in der Hand, was in uns angelegt ist, doch wir können steuern, was gedeiht. Die Welt ist nicht einfach, wie sie ist, wir prägen sie durch unser Verhalten, durch unsere Handlungen, durch unser Sein. Wenn wir also in einer freudvollen Welt leben wollen, liegt es immer auch an uns: Was tragen wir dazu bei?

genesung

ein schleier sich hebt
und sacht offen legt
was oft noch erhofft
doch kaum mehr geglaubt

ein Lichtstrahl sich zeigt
und sachte aufsteigt
den Himmel erhellt
das Tal sanft belebt

wenn also schlicht das
was gut einmal war
dann höllentief schien
zum Himmel nun strebt

dann kommt endlich gut
was kaum mehr geglaubt
nur tief drin erhofft
die seele bewegt

dann wird endlich ganz
was bruchstück noch war,
dann wird endlich heil
was tieftraurig war

©Sandra Matteotti

Der liebende Blick auf sich selbst

Es ist was Schönes, sein eigenes Bild im liebenden Auge zu erblicken. (Johann Wolfgang von Goethe)

Hast du auch schon in den Spiegel geschaut und an allem etwas auszusetzen gehabt? Oder hast du auch schon mit dir geschimpft, weil die Dinge nicht so klappten, wie sie sollten, dir etwas nicht gelungen ist? Oft gehen wir mit uns selber hart ins Gericht, so hart, wie wir das keinem anderen zumuten würden.

Wie wohl tut da ein Blick aus liebenden Augen, einer, der gut gesinnt ist, der mit dem Herzen schaut, der Milde walten lässt. Liebe verschliesst nicht gänzlich die Augen vor den Fehlern oder Schwächen des anderen, Aber: Liebe lässt keine Unbarmherzigkeit zu, Liebe kennt keine Verachtung. Oft sind es sogar die kleinen Einzigartigkeiten und Schrullen, die man besonders liebevoll betrachtet, weil sie den geliebten Menschen ausmachen.

Vielleicht sollten wir uns selber auch öfters mit einem liebenden Blick anschauen?!

Schönheit fängt in einem selber an

Schön ist eigentlich alles, was man mit Liebe betrachtet. (Christian Morgenstern)

Bist du auch schon einmal durch die Welt gelaufen und sie war alles andere als schön? Die Sonne schien nicht, Abfall lag am Strassenrand, die Menschen zogen mürrische Gesichter, die Stadt erschien grau? Und liefst du nicht auch schon durch die Stadt und wo du auch hinschautest, war alles schön? Blumen blühten in den buntesten Farben, die Menschen lachten, Häuserwände glitzerten in der Sonne? Und war es nicht beides Mal vielleicht sogar die gleiche Stadt, durch die du gingst?

Hatte die Stadt sich so verändert oder warst es nicht eher du, der mit einem anderen Blick auf die Stadt schaute? Wie wir uns fühlen, prägt oft unseren Blick. Wir transportieren quasi unsere innere Haltung in die Aussenwelt und bestimmen durch diese innere Haltung, wie wir die Welt sehen. Schauen wir positiv darauf, erscheint sie wunderschön und hell, schauen wir im Ärger drauf, sehen wir alles düster. Genauso geht es auch mit den Menschen: Schauen wir sie mit liebenden Augen an, erscheinen sie uns liebenswert, sind wir selber von Ärger durchdrungen, finden wir bestimmt etwas an ihnen auszusetzen.

Wenn wir also wieder mal durch die Welt gehen und alles dunkel und ärgerlich erscheint, hilft ein Blick ins eigene Innere: Tragen nicht wir selber die Ärgernisse in uns, die wir in der Welt sehen?

Lächeln

Lächeln
Mein Grundbedürfnis geht nach Liebe.
Ich wünschte sehr, daß man mich liebt
Und daß mein Lächeln leben bliebe,
Wenn es mich einmal nicht mehr gibt.

Das Höchste, was man hat, ist Bindung
Durch Liebe. Ich ertrage nicht
Die mir verweigerte Empfindung.
Ich öffne allen mein Gesicht

Mit einem Lächeln. Magisch scheinen
In mich die anderen hinein.
Und ich kann sie in mir vereinen,
Und sie vervielfachen mein Sein.
Eva Strittmatter

Wenn ich Bus oder Zug fahre, fallen mir immer wieder die vielen unzufriedenen Gesichter auf. Mit starrem Blick und runtergezogenen Mundwinkeln starren sie entweder in die Luft oder aber auf den Bildschirm eines Handys. Es werden selten Blicke getauscht, geschweige denn kommen Menschen ins Gespräch. Und: Kaum ein Lächeln zeigt sich. Eigentlich traurig, denn ein Lächeln kann so viel bewirken. Bei sich und bei anderen.

Lächle einen Menschen an und er fühlt sich wahrgenommen, auf eine positive Weise. Stell dir nur mal vor, wie dich jemand anlächelt. Kommt nicht gleich ein warmes Gefühl ums Herz auf? Und spüre mal in dein Gesicht, hat sich dein Mund nicht auch gleich zu einem Lächeln bewegt nur schon beim Gedanken an ein Lächeln?

Ein Lächeln kann die Welt eines Menschen für einen Moment erhellen – und oft bleibt es dann weiter hell. Lächeln bringt Liebe ins Leben. Liebe, die wir alle so sehr brauchen. Wieso nicht einfach den Menschen um uns ein Lächeln schenken? Und wieso nicht mal in den Spiegel schauen und uns selber anlächeln? Gerade dann, wenn uns vielleicht nicht so sehr zum lachen zumute ist?

Hass vergiftet

Niemals in der Welt hört Hass durch Hass auf. Hass hört durch Liebe auf. (Buddha)

„Dem zahle ich es heim!“ Hast du das auch schon gedacht, als dir jemand Unrecht tat oder sich dir gegenüber schlecht verhielt? War der Wunsch nach Rache auch schon mal dein erster Impuls? Aber: Was genau passiert, wenn wir auf Rache aus sind?

Wir beschäftigen uns zuerst einmal für ganz lange Zeit mit negativen und zerstörerischen Gedanken. Wir holen das uns passierte Unrecht in Gedanken immer wieder in die Gegenwart, lassen dann den Groll gegen den Täter wachsen, und spinnen unsere Rachepläne. Der so Bedachte weiss davon nichts. Er lebt in Ruhe und Frieden, während in uns der Bär tobt.

Es gibt den sinngemässen Spruch, Rache sei, wenn man jemanden umbringen wolle, das Gift aber selber trinke. Da liegt viel Wahres drin. Denn: Selbst wenn ein Racheplan gelänge, der damit bestrafte wirklich litte: Was wäre in der Welt besser? Würde er gleich ticken wie wir in dem Moment, wäre es nun an ihm, neue Rachepläne zu schmieden. Und so nähme eine unendliche Geschichte ihren Anfang. Zu was Gutem führte sie nie.

Unrecht soll und darf nicht sein. Rache und Hass sind aber nie die Antwort. Wenn wir in einer Welt leben wollen, in welcher Liebe regiert, müssen wir entsprechend handeln. Eine liebevolle Geste kann einen Kreislauf des Hasses oder des Böses durchbrechen. Jemand muss den Anfang machen.

Ausbruch aus der negativen Spirale

„Ein grosser Teil des Leidens ist hausgemacht.“ (Dalai Lama)

Das Wetter ist schlecht, obwohl ich Pläne habe, eine Verkäuferin bedient mich unfreundlich oder gar nicht, ein Freund sagt etwas zu mir, das mich verletzt – die Liste liesse sich endlos weiter ziehen. All diesen Situationen gemeinsam ist, dass sie nicht so waren, wie ich sie mir gewünscht hätte. Ich litt. Und: Obwohl die Situation nun vorbei ist, leide ich weiter. Weil ich sie nicht aus den Gedanken verbannen kann, sondern diese ständig weiter um die ganze Sache drehen.

Ist nun wirklich die Situation an meinem Leiden schuld? Oder trage ich nicht zumindest eine Mitschuld? Es gibt Dinge, die ich schlicht nicht ändern kann. Da aus anderen Erwartungen heraus mit dem Schicksal zu hadern, bringt wenig mehr als Leiden – und das ist selbstgemacht. Und auch wenn Situationen unschön sind, wenn sie vorbei sind, könnte ich sie abhaken. Doch ich halte sie fast krampfhaft am Leben durch meine Gedanken. Ich erzähle mir immer und immer wieder, was mir passiert ist, erzähle es auch anderen und ärgere mich bei jedem Erzählen von Neuem. Ich verfange mich selber in einer negativen Spirale und lasse nicht los.

Wenn das wieder mal passiert, könnte ich auch anders reagieren? Könnte ich nicht hinschauen und mich fragen, ob das alles wirklich nötig ist, was ich tue? Was bringen mir die negativen Gedanken bezüglich des Wetters? Wäre es nicht sinnvoller, ein Alternativprogramm zu suchen? Und selbst wenn ich gefrustet bin: Wieso halte ich diesen Frust fest, selbst wenn der Tag gelaufen und eigentlich ein neuer, schöner Tag da ist? Gehören all die negativen Gefühle, die ich immer wieder heraufbeschwöre, wirklich ins Hier und Jetzt oder produziere ich sie selber durch meine Gedanken? Könnte ich damit aufhören? Gäbe es aktuell etwas Erfreuliches, an das ich viel lieber denken würde?

Erkenne dich selbst

„Gnothi seauton – erkenne dich selbst!“ (Inschrift am Apollotempel in Delphi)

Wer bin ich und wer will ich sein? Wie reagiere ich in schwierigen Situationen? Welche Motive stecken hinter meinen Handlungen?

Eigentlich einfache Fragen, doch sind sie selten leicht zu beantworten. Oft laufen wir mit einer Art Autopilot durchs Leben, unsere Reaktionen kommen aus dem Affekt, ohne vorher darüber nachgedacht zu haben, auch viele Handlungen sind zu Automatismen geworden, so dass wir nicht mehr darüber nachdenken, was wir wann tun – wir tun es einfach aus einer Gewohnheit heraus. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden, da es uns den Alltag erleichtert, genauer hinschauen müssen wir nur, wenn wir immer wieder in ähnliche Situationen geraten, die uns nicht gut tun: Bei Streit in der Partnerschaft, Konflikten im Büro oder auch eigenen Reaktionen auf Situationen, die im Nachhinein eher zu unserem Schaden sind.

Was ist mein Anteil an dem Ganzen? Woher kommt mein Verhalten? Und wenn man das erst mal erkannt hat, kann man das verändern, was zu leidvollen Situationen führt. Das mag nicht immer einfach sein, sind die eigenen Verhaltensmuster doch tief eingeprägt und Veränderungen brauchen immer Zeit und Anstrengung, aber: Es kann helfen, wenn man sich bewusst ist, in welchen Situationen gewisse Muster auftreten, um dann statt gleich zu reagieren, erst mal durchzuatmen. Das verschafft Zeit, die eigene Reaktion zuerst zu überdenken, um sie gegebenenfalls anzupassen.

Und: Wenn es mal nicht gelingt: Die nächste Gelegenheit wird kommen.

Ich bin meine eigene Zuflucht

„Sei dir selbst eine Insel.“ Buddha

Gerade in schwierigen Situationen sucht man gerne Hilfe und Halt im Aussen. Menschen wenden sich Religionen zu, verschreiben sich neuen spirituellen Gruppen und hoffen, da zu finden, was ihnen abhanden gekommen zu sein scheint. Man erhofft sich Halt bei anderen Menschen, klammert sich teilweise förmlich an sie als Rettungsanker quasi.

Als Buddha kurz vor seinem Tod stand, waren seine Anhänger betrübt. Was würde aus ihnen, wenn er nicht mehr wäre? Seine Botschaften hätten klarer nicht sein können. Erstens – so der Buddha – lebe er in seinen Lehren weiter. Allerdings solle man diesen nicht blind folgen, sondern sie nur als Anstoss nehmen, selber Erfahrungen zu machen. Zweitens, und das wurde er nicht müde zu betonen, sollen sie Zuflucht zu sich selber nehmen. Sie sollen aufhören nach Dingen zu suchen, die in der Ferne liegen, denn es sei alles schon da, in ihrem Herzen. Es warte nur darauf, entdeckt zu werden.
Es hilft, die eigenen Kräfte schon in guten Zeiten zu erkennen und zu pflegen, damit sie in schwierigen da sind und wir auf sie vertrauen und bauen können. Vielleicht fragen wir uns einfach mal:

  • Was tut mir gut?
  • Wie kann ich mir selber etwas Gutes tun?
  • Was sind meine Stärken?
  • Wie kann ich mir selber Halt sein, wenn ich ihn brauche?

dunkles im licht

des nachts in den strassen
im dunkel ein licht
aus fenstern geschienen
das dunkel durchbricht

ein jedes ein leben
geschichte für sich
doch keines der fenster
steht für sich allein

sie bilden hoch reihen
und bilden sie quer
und jedes der fenster
gebiert eine Welt

ein jedes allein
verwoben im netz
in reih und in glied
scheint jedes am platz

vermeintlich selbst ganz
und doch nur ein teil
vermeintlich selbst ganz
und doch schlicht allein

©Sandra Matteotti

Wenn die Liebe regiert

Wenn auf der Welt die Liebe herrschte, wären alle Gesetze entbehrlich. (Aristoteles)

Liebe spricht von Mensch zu Mensch, von Herz zu Herz. Wenn wir aus Liebe handeln, wollen wir, dass es dem anderen gut geht und tun alles in unserer Macht Liegende, dazu beizutragen. Würden also alle Menschen aus Liebe handeln, wozu bräuchten wir noch Gesetze?

Gesetze sind dazu da, Menschen vor Unrecht zu bewahren. Einerseits sollen sie den, der Böses im Sinn hat, durch die angedrohte Strafe abschrecken, andererseits zu einer Wiedergutmachung beitragen. Wenn nun aber keiner mehr dem anderen ein Unrecht antun wollte, wenn keiner mehr darauf aus wäre, dem anderen zu schaden, weil er aus Liebe handelt, würden Gesetze überflüssig.

Wir können nicht die Welt ändern, wir können nur bei uns selber anfangen. Wenn wir uns die Haltung „Ich will, dass es dir gut geht“ zum kategorischen Imperativ erklären, kann das ein Anfang für eine bessere Welt sein, eine, in der Liebe regiert und nicht Ge- und Verbote. Und: Wenn einer anfängt, ziehen andere nach.