Der Liebe geschuldet

Liebst du mich?
Das frag ich mich,
und gäbe viel,
dass du es tust.

Bin ich so gut?
Müsst’ ich was tun?
Was willst du denn,
wo reich ich nicht?

Ein Wort von dir,
ein Blick danach,
schon fühl ich mich
in meiner Pflicht.

Es wög wohl schwer,
wär ich noch mehr,
doch das, was ist,
scheint schlicht mir Mist.

Ich würde gern
in Normen passen,
wäre gern so
ein Gewinn.

Ich würde gern
die Welt bespassen,
bin doch aber
manchmal ernst.

Ich wär so gern der,
den man mag,
doch bleib ich schliesslich
doch nur ich.

Ich würd so vieles
tun für dich, doch
bleiben muss ich
letztlich ich.

©Sandra Matteotti

Vladimir Nabokov (*22. April 1899)

„Neben der Liebe auf den ersten Blick gibt es auch die Liebe auf die erste Berührung. Und die geht vielleicht noch tiefer.“

Vladimir Nabokov würde heute 121 Jahre alt – ich hebe mein Glas!

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Vladimir_NabokovVladimir Nabokov wird am 22. April 1899 in St. Petersburg als Kind einer russischen Adelsfamilie geboren. Er kommt wegen seines westlich orientierten Vaters schon als Kind in Kontakt mit der Weltliteratur, spricht französisch und englisch. Bereits mit 17 Jahren veröffentlicht er seinen ersten Gedichtband.   Das politische Engagement des Vaters bringt diesem verschiedene Inhaftierungen und führt schliesslich zur Flucht nach London. Nabokov studiert an der Universität Cambridge Romanistik und Russische Literatur und zieht nach dem Studium nach Berlin.

Er publiziert unter dem Pseudonym V. Sirin, kann aber nicht leben von der Literatur und hält sich mit Tennis- und Boxunterricht über Wasser. 1937 folgt die Emigration nach Paris, 1940 die Flucht in die USA, wo er als Kurator des zoologischen Museums an der Harvard University arbeitet und wissenschaftlich schreibt. 1948-1958 hat er eine Professur für russische und europäische Literatur an der Cornell Universität inne. 1955 erscheint sein Roman Lolita, der für Aufruhr sorgte, aber …

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Gesund leben in Zeiten von Corona

So auf sich gestellt eingeschlossen im einsamen Zuhause lauern doch so viele Gefahren. Eine davon ist, sich ungesund zu ernähren – das Trinken schliesse ich hier mal mit ein. Zuviel heisst das Wort der Angst. Gemeint ist alles, was nicht als gesund deklariert ist: Fleisch, Süsses, Alkohol, Fett – halt alles, was schmeckt und das Leben schön macht.

Zuwenig heisst das zweite Wort der Angst. Gemeint ist hier Gemüse, Obst, Freud- und Trostloses halt, also alles, was man isst, weil man vom anderen eher wenig essen sollte, weil dieses ja ach so gesund ist.

Nun war ich ja lange Jahre Vegetarier, ich mag grundsätzlich Obst, Gemüse auch.. und kochte es nun in diesen schwierigen Zeiten fleissig dem guten Gewissen – und der Gesundheit der Mitessenden geschuldet. Nur: Meist ass ich es dann alleine, ausser ein paar Anstandsbissen ging kaum was weg. Ich fing dann an, das Gemüse in Käsesahnesauce und mit Käse überbacken zu servieren. Nun kam es endlich an – also hauptsächlich die Sauce und die Käsekruste….

Irgendwie erinnerte mich das Ganze an den Turnunterricht in der Schule… zuerst werden die gewählt, die man so wirklich toll findet, dann die noch brauchbaren… und irgend einer blieb am Schluss übrig. Während also Fleisch, Pommes und Konsorten weg gingen wie warme Semmeln, blieb das Gemüse noch immer an mir hängen. Und so langsam frage ich mich….kann das wirklich gesund sein? Für meine Psychohygiene (die will ja schliesslich auch gewaschen sein, nicht nur die Hände) und auch sonst?

Ich hörte mal von einem Ernährungsexperten (ach, es gibt so viele davon), dass Salat den Nährwert von Toilettenpapier (ob das den inflationär angestiegenen Kauf desselben erklärt?) und auch Gemüse den seinen auf dem Teller schon praktisch verloren hätte. Wozu also tun wir uns das an? Vielleicht, weil wir dran glauben (wollen) und denken, uns was Gutes zu tun. Tun zu müssen. Und vermutlich ist schon das unglaublich wohltuend für Körper und Seele.

Und so werde ich wohl auch morgen wieder Gemüse auf den Tisch bringen, die Käsekruste oben abessen und sagen: DAS ist mein Lieblingsgemüse.

Die Welt nach Corona – oder: Es bleibt, wie es war

„Wenn ich auf Twitter so lese, wer wen Corona zum Tod vorwerfen würde und dabei lächeln… die Welt wird auch nach Corona keine friedlichere sein… die Menschen haben NICHTS begriffen“

Das schrieb ich heute auf Twitter. Und nein, es fiel mir nicht leicht, nur: Es ist meine persönliche (leider) und fachliche (ebenfalls leider) Meinung. Ja, es gibt in der heutigen Zeit viel sich zeigende Solidarität. Wenn man aber genau hinschaut, kommt sie meist von Menschen, die vorher schon auf einem sehr mitmenschlichen und solidarischen Weg unterwegs waren. Vielleicht noch mehr im Versteckten, vielleicht auch wenig gelebt, nur gedacht – aber vorhanden. Es ist wunderbar zu sehen, wie plötzlich Menschen sich um Nachbarn kümmern, wie im Netz Angebote entstehen von Künstlern (sicher auch anderen, das ist die Szene, die ich am besten kenne), die Kurse, Tutorials und Ideen gratis bereit stellen, damit aus dem Leben geworfene und mit neuen Situationen konfrontierte Menschen ein Angebot haben, damit umzugehen. WUNDERBAR!

Es gibt aber auch andere. Die nun ihr Angebot (das wohl vorher nicht so optimal lief) inflationär bewerben und mit Prozenten locken. Ich sage nicht, dass das nicht legitim ist, es ist immer noch ein gangbarer und sauberer Weg – schlussendlich müssen wir alle überleben. Aber es gibt auch die noch anderen. Die, welche sehen, was alles zu holen wäre durch die Krise. Mieterlässe, Zuschüsse, Unterstützung – und die Möglichkeit, da wo sie selber Geld zahlen müssten, einzusparen. Und selbst wenn sie selber keine Einbussen haben, setzen sie andere auf Mindestlohn oder entlassen ganz, schnorren bei den anderen um Erlässe, Zinsen und Unterstützung. Ohne Not, einfach, weil es geht.

Wir können gut applaudieren, weil Krankenschwestern gute Dienste leisten. Im Moment sind wir uns auch sicher, dass Coiffeure einen guten Dienst leisten. NUR: Wenn das alles vorbei ist: Wollen wir dann höhere Prämien zahlen, damit Krankenschwestern einen besseren Lohn erhalten? (Und nein, ich bin nicht so naiv, dass ich denke, dass die höheren Prämien denen zugute käme, nur: Selbst wenn es so wäre, würden wir es nicht zahlen wollen – und viele auch nicht können).

Ich lese auf Twitter immer mal wieder: Ach, wenn die und der durch Corona sterben würde, wäre das ein gelöstes Problem. Und ich denke bei mir: Ich mag nicht mit jedem auf einer Welle schwimmen, das tue ich wohl langfristig und auf die ganze Welle betrachtet mit quasi keinem, nur: Ich würde KEINEM den Tod wünschen. Nicht mal im Spass! Und so lange das so ist und sogar auf so viel Zustimmung und Applaus stösst, sehe ich keine Änderung in Sicht. Es bleibt der oben, der oben sein kann, dazu sind ihm alle Mittel recht. Auch der Tod derer, die nicht in seinem Sinne handeln. Frei nach Macchiavelli: Der Zweck heiligt alle Mittel.

Nun kann man sagen: Das sind nur Worte, das ist nur Spiel und Spass – nur: Am Anfang war das Wort – oder: Die latente Wahrheit der Sprache: Wo Rauch ist, ist auch Feuer. Jeder Witz gründet auf einer Wahrheit – gäbe es die nicht, würde man den Witz gar nicht verstehen.

Bett aus Rosen

Wie eine Rose
aus Knospen erblüht,
die Liebe so zärtlich,
sie hat mich berührt.

In zart rosa Farben,
mit Engelsmusik,
das Leben als Traum fast,
versprach ach so viel.

Ein Fels in der Brandung,
ein Netz vor dem Fall,
ein Herz voller Tiefe,
ich gab mich ihm hin.

Ich fühlt’ mich geborgen,
ich fühlt’ mich zuhaus…
doch dann wankt der Boden,
es flutet das Meer.

Erst fehlt nur der Halt, doch
dann fehlt noch mehr.
Da ist nirgends Wärme,
es ist nur noch kalt.

Ich stehe am Abgrund,
ich blicke hinab.
Ich sehe ins Dunkel,
es ist wie ein Bett.

Es ruft mich leis zu sich,
es wirkt sanft und still,
es wirkt wie ein Heim mir,
es scheint, was ich will.

©Sandra Matteotti

Charles Baudelaire (*9. April 1821)

Heute würde Charles Baudelaire 199 Jahre alt – eine gute Gelegenheit, sich mit seinem Leben und Werk auseinanderzusetzen. Hier ein Gedicht:

Ende des Tages.

In bleiernen Lichtes Weben
Tanzt und windet ohne Grund
Sich schamlos lärmend das Leben,
Drum sobald der Erde Rund

Von seligem Dunkel erfrischt ist,
Wann alles, der Hunger selbst, ruht,
Wann alles, die Schmach selbst, verwischt ist,
Seufzt der Dichter: Nun ist’s gut!

Meine Glieder wie meine Gefühle
Erflehen die Ruhe sich,
In finsterem Traumgewühle

Will ausgestreckt liegen ich,
Und dein Vorhang umhülle mich,
Erquickende, nächtige Kühle.

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Charles Baudelaire kam am 9. April 1821 in Paris als Kind eines wohlhabenden, kunst- und literaturliebhabenden ehemaligen Verwaltungsbeamten und dessen viel jüngeren englischen Frau zur Welt. Als Charles sechs Jahre alt ist, stirbt sein Vater und seine Mutter wendet sich einem sehr autoritären und karriereorientierten Offizier zu, was für den kleinen Baudelaire eher traumatisch war. Der Wechsel vom musischen Zuhause zur Drillstätte, dazu häufige Umzüge führten dazu, dass sich Charles Baudelaire immer mehr zurückzog und aus einem Gefühl der Wurzellosigkeit und mangelnden Anschlusses zu Depressionen neigte. Dass man ihn auch noch in ein Internat steckte, liess ihn vollends aus dem Ruder laufen, er flog wegen seines schwierigen Verhaltens von der Schule.

Nach seinem trotzdem geglückten Schulabschluss schrieb er sich für ein Jurastudium ein, dies allerdings nur auf Drängen seiner Eltern. Selber wollte er Schriftsteller werden und bewegte sich in den entsprechenden Kreisen der Literaten- und Künstler-Bohème in Paris.

Ab 1838…

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Kommunikation heute – oder: Bewusste Wahl des Umgangs

Soziale Medien – sind sie nun Fluch oder Segen? Gerade in Zeiten wie aktuell verbinden sie Menschen. Sie sind der Weg von Mensch zu Mensch, weil die sich nicht mehr Auge in Auge treffen dürfen. WhatsApp, SMS, Mail und Facebook – wir sind nicht allein, wir treffen einander, sprechen einander Mut zu, teilen Angebote, die in solch isolierten Zeiten wertvoll sind. Ganze Programme sind aus dem Boden gestampft worden, teilweise aus reiner Nächstenliebe ohne Blick auf eigenen Profit.

Und doch ist da die Kehrseite. Früher war mir ganz klar – und vielen auch: Auf Fragen antwortet man, auf Briefe ebenfalls. Wenn sich einer meldet, reagiert man. In nützlicher Frist. Das gebot der reine Anstand, wenn einem der andere etwas bedeutete, erst recht. Das scheint ein wenig verloren gegangen. Whatsapp-Nachrichten gehen unter, Mails bleiben ohne Reaktion. Das Argument, sich von elektronischen Medien fern zu halten, klingt zwar schön, wenn diese aber die grundsätzliche Kommunikationsverbindung sind, die dann einseitig ins Leere läuft, wird es doch eher unglücklich.

Gibt es überhaupt noch eine Ethik des Umgangs? Ist Anstand noch ein Ziel? Oder ein Wert? Ist Kommunikation nicht mehr zweigleisig sondern Glücksache oder beliebig? Ich weiss es nicht, ich beobachte nur und komme teilweise zu dem Schluss. Was also tun?

Ich hörte oft, ich solle das nicht tragisch nehmen, das bedeute alles nichts. Wenn ich keine Antwort kriege oder sich jemand nie melde, hätte das nichts mit mir zu tun. Sei nicht böse gemeint. Das mag sogar so sein. NUR: Es macht trotzdem etwas mit mir. Und es lässt mich nachdenklich werden.

Ich würde mich freuen, etwas zu hören. Mal einfach so, sicher aber als Antwort. Bleibt das aus, muss das in der Tat nicht heissen, dass der andere etwas gegen mich hat. Es war ihm nicht so wichtig. Nur, hätte ihm die Nachricht Freude bereitet, ich wäre ihm wichtig, würde er dann nicht auch die Freude mal zurück geben wollen? Und sonst war ihm die Nachricht wohl auch egal. In beiden Fällen könnte ich sie mir sparen.

Ich bin sehr dankbar für ganz tolle Kontakte, mit denen ich mehrheitlich virtuell verkehre – aus Gründen der lokalen Distanz. Leider. Es gibt aber auch andere, sogar sehr reale, von denen nichts kommt. Und das hat mich immer wieder getroffen. Es war nicht so tragisch (und doch gefühlt), da real ja viel möglich war. Nur jetzt merke ich nun, dass nichts mehr bleibt.

Es sind oft die schwierigen Zeiten, die einen viel lehren. Krisen, Probleme, Unglücksfälle. Die ganzen Einschränkungen rund um Corona bewirken viel, sie sind herausfordernd. Es fehlt so viel, was vorher normal galt, was man für selbstverständlich nahm. Gerade im Miteinander. Zeit also für einen bewussten Umgang miteinander. Zeit dafür, den anderen auch über die Distanz spüren zu lassen: „He, du bist mir wichtig. Aber auch: Zeit, für einen innerlichen Abschied von denen, von denen das Gefühl nicht zurück kommt. Schlussendlich ist alles schon schwer genug, es müssen nicht noch negative Gefühle dazu kommen. Und: Die Zeit wird nachher wieder begrenzter sein – sie soll denen gehören, die auch in diesen Zeiten da waren.

Dankbarkeit – auch jetzt

Krisen sind unschön. Man wünscht sie sich nicht. Und wenn sie dann da sind, fragt man sich, wie es so weit kommen konnte. Meist drum, weil man nicht damit rechnete, dass es wirklich passiert, obwohl man eigentlich grundsätzlich den ganzen Tag damit beschäftigt ist, sich Sorgen um Dinge zu machen, die nicht sind, die aber sein könnten. Und man steigert sich dann gerne rein, und man fühlt sich dann auch ganz unglaublich schlecht und das bitte zu recht, hat man doch schliesslich das entsprechende Szenario im Kopfe präsent.

Nur: Was man dann nicht tut, ist ein Mittel zu erdenken, das greifen würde, täte das so aktuell ausgedachte Szenario auch wirklich eintreffen. Man suhlt lieber in den sich vorgestellten Leidenspfuhlen, statt gedanklich zum Retter zu werden. Und so bleibt es nicht aus, dass in dem Fall, wenn wirklich ein Unglück eintrifft, alle mit offenen Augen und Mündern dastehen und denken – sogar sagen:

Wie konnte das passieren? Damit hat ja keiner je gerechnet?

Und nein, damit hatte in der Tat keiner gerechnet, die meisten rechneten tagtäglich mit viel schlimmerem, denn sonst hätten sie viel mutiger ihren Lebensalltag bestritten. Leider war das nicht mutige Beschreiten die einzige Massnahme, die nur dazu führte, den eigenen Lebenssaft abzuschneiden, nie aber dazu, in wirklichen Notsituationen Lösungen präsent zu haben. Und so stehen wir nun hier.

Und wir stehen und sehen und klagen und zagen. Und sind so ziemlich am Berg. Und stehen halt an. Wir könnten den Berg auch als Chance sehen. Eine Chance, die uns zeigt, dass wir was lernen können. Ich habe einiges gelernt bislang, es kommt sicher noch viel dazu. Hier mal das wenige bis nun:

  • Ich bin dankbar, kann ich alleine sein.
  • Ich bin dankbar, kann ich mich selber beschäftigen.
  • Ich bin dankbar, habe ich ein schönes Dach über dem Kopf, an dem es sich leben lässt, auch wenn ich es nicht verlassen darf.
  • Es gibt Menschen, die mir wichtig sind und um die ich mich kümmere. Auch aus der Distanz.
  • Es gibt Menschen, die an mich denken. Auch aus der Distanz.
  • Es gibt Menschen, die hört man nicht – selbst wenn man sich selber meldet. Das gibt Platz in der Agenda für die Zeiten, die wieder voller sind. Die muss man dann auch nicht mehr berücksichtigen.
  • Es gibt Solidarität unter den Menschen. Sie wird gelebt.
  • Es gibt in allen Situationen auch Gutes. Man muss es nur sehen.

Ich habe die Zeit bislang genutzt, zu sehen, was ich wirklich will. Ich habe sie aber auch nutzen können, zu sehen, was oder wer mir wichtig ist, zu spüren, wem ich wichtig bin. Und ich werde das sicher nicht vergessen, wenn die Zeiten wieder „normal“ werden. Ich wünsche mir, dass wir alle gut aus dieser Situation kommen. Ich wünsche mir zudem, dass wir gelernt haben, dass Solidarität, Empathie und ein Miteinander die einzige Möglichkeit sind, zu überleben. Keiner ist eine Insel, keiner überlebt für sich allein. Profit allein wird uns nicht retten. Wir brauchen neben den notwendigen Mitteln vor allem eines: (Mit-)Menschlichkeit. Gelebte Beziehungen. Und ab und an ist es wertvoll, zu sehen, auf welche man bauen kann. Dafür bin ich dankbar – trotz ein paar wenigen Enttäuschungen.

Wolkenbruch

Bedrohlich erst, noch sehr subtil,
brach es dann aus, so voll und ganz,
in Strömen kamen, Wellen gleich,
in Flüssen strömten, Wogen reich.

So über mich, in vollen Zügen,
unter mir, ganz weggefegt,
kein Boden mehr, wie Scheine trügen,
kein Himmel mehr, die Sicht belegt.

Ich sitze hier, ich bin allein,
ich fühle mich, gar hilflos klein,
ich sitze hier, ich weiss nicht aus,
und ein schon gar, wo könnt es sein?

So heimatlos und eingeklemmt,
in käfiggleichen Stabstrukturen,
seh ich kaum Welt, krieg ich kaum Luft,
und sehne mich nur nach dem Du.

Ich merk sogleich, es wird nicht sein,
ich bin hier schlicht so ganz allein,
es gibt nur eins, das mir noch bleibt,
ich nehm den Strom, ich geb mich rein.

©Sandra Matteotti

Wenn Bildung Flüche absegnet

Ich war gestern an der Fastnacht. Das an sich ist schon ein Paradoxon, denn ich und Fasnacht, das passt nun gar nicht. Und da ich nie weiss, wie man die schreibt, ob nun mit oder  ohne T nach dem S, schreib ich sie fortan mal so und mal anders. Und klar, ich weiss es eigentlich schon und könnte es auch nachschauen, wenn nicht, aber es ist wirklich ein Wort, bei dem ich immer ins Stocken komme. Das sind wohl so persönliche Stolperwörter, die bei jedem wieder anders aussehen. Ein anderes vom mir sind die Ortschaften Dietikon und Dietlikon. Ich weiss nie, welche von beiden (wo sie sind, weiss ich) nun welche ist. Aber ich schweife ab.

Ich war also an der Fastnacht (man sieht, ich halte den Rhythmus ein), sass in lustiger Gesellschaft bei gutem Essen und viel (!!! seufz) Trank am Tisch, eine Gruppe nach der anderen kam rein, der Lustigkeitsgrad war durchaus auf breitem Band. Und dann kam der Spruch:

Wer hinter meinem Rücken über mich redet, ist gerade am richtigen Ort, mich am Arsch zu lecken.

Den fand ich toll. Vor allem weil mir in den letzten Tagen/Wochen/Monaten so einiges zu Ohren kam, das hinter meinem Rücken getuschelt wurde…leider vergessen die Tuschelnden, dass die Welt klein ist und andere auch tuscheln. Was mir vor einiger Zeit noch an die Nieren gegangen wäre, prallte von mir ab. Das war schön zu sehen, insofern Dank an die Lästertanten. Mittlerweile finde ich es sogar ziemlich witzig.

Zurück zum Spruch: Wer nun denkt, dass er ja toll wäre, dass man ihn nur nicht einfach so sagen könnte, da er ja ach so vulgär sei, dann versucht, ihn abzumildern durch einen Hintern statt den Arsch, dem sei gesagt: Das ist ein Goethe-Zitat. Das ist nicht vulgär, das ist hohe Literatur.

„Er aber sag’s ihm, er kann mich am Arsche lecken!“

So steht es geschrieben (im Götz von Berlichingen, wer’s nachlesen möchte – was ich als Germanistin natürlich empfehlen kann..). Und ich finde, das ist ein gutes Motto. Lass sie reden. Lass sie sich gross fühlen in ihrem Reden, so die Welt ver- und über allem stehend. So lange du weisst, wo du stehst, können sie alle tun, was Goethe schon sagte. Ich weiss schon, wieso ich den alten Knaben liebe. (Ok, man sagt mir eine gewisse Vorliebe für diese nach… ich kann’s nicht abstreiten). Es gibt nur einen Menschen, der dir deinen Wert zuschreiben kann: Du selber. Von aussen wirst du ihn nie WIRKLICH annehmen. Im Guten schon gar nicht, wenn, dann im Schlechten (weil wir ja geübt sind, das Schlechte, den Tadel, die Fehler zu sehen). Und DAS ist nun wirklich nicht nötig.

 

Auf Selbst-Vertrauen bauen

„Man wirft den Menschen immer vor, daß sie ihre Mängel nicht erkennen. Noch weniger aber kennen sie ihre Stärken. Sie sind wie das Erdreich. In vielen Grundstücken sind Schätze verborgen, aber der Besitzer weiß nichts von ihnen.“ (Jonathan Swift)

Kennst du das auch, dass die Dinge nicht so laufen, wie sie sollten, oder etwas Herausforderndes ansteht und du dir dann sagst:

„Ich bin nicht gut genug.“, „Das schaffe ich nie!“, „Ich mache zu viele Fehler!“

Wie oft werfen wir uns vor, was wir nicht können? Wie oft glauben wir nicht an uns? Wie oft hadern wir mit unseren Schwächen und fürchten, nicht gut genug zu sein – für den Partner, für die Arbeitswelt, für die Schule, am schlimmsten: Für uns selber?

Wie oft aber kommt es vor, dass wir vor den Spiegel stehen und finden

„Ich bin gut.“, „Ich gefalle mir!“, „Wenn ich es will, schaffe ich es.“?

Wenn etwas gut geht, haben wir sicher schnell Freude, betrachten es aber sehr schnell auch als Normalfall, als selbstverständlich. Nur: Wir haben etwas dafür getan, dass die Dinge gut laufen. Wir haben in unsere Beziehung, in unsere Ausbildung, in unser eigenes Sein investiert, uns eingesetzt dafür, dass es eben gut läuft in dem Sinne, wie wir es uns wünschen.

Schlussendlich ist es doch so: Niemand kann alles, doch jeder hat seine Talente und Fähigkeiten. Statt also ständig auf dem rumzureiten, was (vermeintlich?) nicht geht, wäre es viel sinnvoller, sich vor Augen zu führen, was man alles kann und das dann auch zu leben. Aus dieser inneren Haltung sich selber gegenüber könnte eine Kraft wachsen, die zu einem positiveren Selbstbild führt, zu einem, das auf Vertrauen in die eigenen Kräfte, aber auch auf Vertrauen ins eigene Sein baut. Aus diesem Vertrauen wiederum kann Mut entstehen. Wenn wieder einmal etwas ansteht, könnte der erste Gedanke nicht sein „Ach, das schaffe ich sowieso nicht!“, sondern: Das probiere ich einfach mal aus! Und wenn es gelingt, ist super, wenn nicht, habe ich es versucht.

Es ist schon so: Nicht alles im Leben wird gelingen. Was gelingen kann, kann auch ebenso misslingen. Nur: Mit einem Misslingen ist noch nicht alles verloren. Es war ein Weg, der nicht zum gewünschten Ziel führte, aber es gibt noch viele weitere Wege, die zu gehen wunderbar und zielführend sein können. Und manchmal ändern sich auch die Ziele oder früher angestrebte erweisen sich als gar nicht wirklich wünschenswert. Das alles aber erfährt man erst, wenn man den Mut hatte, etwas auszuprobieren, eigene Träume zu verwirklichen, im Vertrauen darauf, dass man auch, wenn es nicht gelingt, ein guter Mensch ist und genug. Einfach nur, weil man ist, wer man ist.

Dichterstubengedicht

Der Mann, der schaut fern,
der Hund nagt grad hart,
nur ich sitze hier,
und kämpf Wort um Wort

so durch das Gedicht,
mein Fuss scharrt im Takt,
ergreift dann den Reim –
ist das wohl schon Sport?

Ich ring um Gefühl,
und kämpf mit dem Stil,
ich tanz mit den Vers,
und schweif auch mal ab.

Ich fliesse im Fluss
von dem, was grad kommt,
und gebe mich hin,
nur so bringt es Sinn

ins Sein dieses Tuns,
nur so ist es das,
was aus mir raus muss,
weil’s leben schlicht will.

©Sandra Matteotti