Am Ende der Worte

Worte geh’n aus und es bleibt,
nicht Gesagtes
und Schweigen zurück.

Es brodelt in mir, es will was hinaus,
es fehlt mir die Sprache,
sie ging mir grad aus.

Die Worte, sie enden,
Sie kommen an Grenzen,
wo nur noch Gefühl.

Ich mal es in Bildern,
ich schrei es auf Wände,
es schiesst aus mir raus.

Wo Sprache versagt,,
da sprechen nun Hände.
Zurück bleibt ein Bild.

Hier im Dort

Alles schreit
und alles drückt,
alles fällt
und alles stirbt.

Was mal war,
ist längst nicht mehr.
Was mal war,
ist längst passé.

Drum lass uns ziehen,
lass uns geh’n.
Ferne Lande,
weit von hier.

Lass uns sehen
was noch geht,
lass uns fühlen,
was noch ist.

Wenn das Ende
ist gekommen,
gibt es nur
den Neuanfang.

Lass ihn packen,
lass uns träumen,
lass den Zauber
wirken nun.

Und so ziehen wir
wir brechen auf,
um im Dort
im Hier zu sein.

Nicht nur wollen, was man will

Du willst was tun. So wirklich. Und du malst es dir aus und es wäre genau das, was du dir für dich vorstellen könntest. Wäre da nicht… Die Aufzählung dessen, was nun kommt, ist lang. Schliesslich finden sich immer mehr Gründe, die dagegen sprechen als solche, die unterstützen. Da wir rein mathematisch darauf getrimmt werden, dass Quantität immer siegt, so will es ja auch die Demokratie (die Mehrheit siegt über die Minderheit), stehen wir zurück. Wir linsen ab und an zum Wunsch und schauen gleich wieder verschämt weg. Wir denken Dinge wie „schön wäre es ja schon“ und „irgendwann werde ich es tun“. Wir sind dann die, welche immer denken, was sie nach der Pensionierung alles tun werden, merken aber erst dann, dass sie gar nie gelernt haben, es zu tun – und lassen es auch dann.

Die meisten Träume sterben nicht daran, weil die äusseren Umstände sind, wie sie sind. Sie sterben daran, dass wir immer wieder Umstände finden, die der Umsetzung der Träume im Wege stehen. Sobald das Kriterium „wenn…. dann“ ins Spiel kommt, kann man davon ausgehen, dass es nie der Fall sein wird. Es gibt immer wieder neue, noch nicht erfüllte Wenns. Das Dann kommt gar nie zum Zug.

Wenn du also wieder mal was willst, dann frag dich nicht, wieso es grad nicht geht, sondern schaue, was du brauchst, es zu tun. Und dann gilt es nicht mehr, Dinge auszuräumen, die im Weg sind (es ist immer was da), sondern Möglichkeiten zu schaffen, es zu tun! Und – ganz wichtig: Man muss es tun! Einfach anfangen. Und natürlich merkt man dann, dass es vielleicht nicht so leicht ist. Und es Hindernisse gibt. Auch da gilt wieder: Nicht die Hindernisse betrauern, Wege suchen!

Wünsche brauchen Zeit und Raum. Die muss man sich einräumen. Dann können sie gedeihen. Das klappt selten „wenn – dann“, sondern nur „so – jetzt“. Und nein, ich sage nicht, alles ist immer möglich. Das ist schlicht nicht so. Es gilt durchaus zu prüfen, ob der Wunsch einem wirklich auch entspricht. Es bringt nichts, sich gegen den Strich kämmen zu wollen. Wenn der Strich aber stimmt, dann findet sich ein Weg – wenn man es denn will.

Entweder – oder

Ich sah das grad im TV so ähnlich, ich fand das witzig. Macht ihr mit? Ich würde mich freuen:

1 Stadt oder Land?
2 Kaffee oder Tee?
3 Hund oder Katze?
4 Schwarz oder weiss?
5 Buch oder E-Reader?
6 Bester Freund oder beste Freundin?
7 Serie oder Film?
8 Sofasitzer oder Esstischplauderer?
9 Bier oder Wein?
10 Einsame Insel oder Partystrand?
11 Fleisch oder Gemüse?
12 Marmeladenbrot oder Müesli?
13 Flip Flops oder Sandalen?
14 Twitter oder Facebook?
15 TV oder Kino?
16 Malerei oder Plastik?
17 Krimi oder Liebesroman?
18 Hochzeit oder wilde Ehe?
19 Natur oder Kultur?
20 Kopf oder Herz?
21 süss oder salzig?
22 lieb oder frech?
23 weich oder hart?
24 Hand oder Fuss?
25 kalt oder warm?
26 gleich und gleich oder unterschiedlich?
27 denken oder fühlen?
28 Mutter oder Vater?
29 Einsiedler oder Herdentier?
30 Wald oder Bäume?
31 stricken oder häkeln?
32 Auto oder Bus?
33 Spaziergang oder Radtour?
34 Morgenmensch oder Nachteule?
35 Entweder oder oder und?

Ich hab‘ die Wahl

Was ihr mir tut,
was ich hier trag,
was das nur soll,
ich weiss es nicht.

Ich sitze hier
und frag mich nur,
die Antwort fehlt,
ein gähnend Loch.

Ich rufe aus,
ihr hört mich nicht,
ihr tut einfach,
was ihr tun wollt.

Ich gebe auf,
es bringt ja nichts,
ich habe nur
mein Leben noch.

Es bleibt die Wahl:
Lass’ ich euch zieh’n?
Gebe ich
mein Leben hin?

Ich bleibe hier,
denn alles mehr
wär euer Sieg,
den kriegt ihr nicht.

Ich lebe fort,
wie ich es will,
so lebt denn wohl,
das war’s für mich.

Ich fühl’ mich frei,
seit langem mal,
ihr könnt mir nichts,
ich hab die Wahl.

Ich darf sein

Ich schau in den Spiegel,
ich schaue mich an.
Ich blick durch mich durch
und doch nur heran.

Ich suche das Wesen,
ich suche den Kern,
ich frag mich „wer bin ich?“ und
hab’ ich mich gern?

Ich sehe die Haare,
ich sehe den Mund,
ich sehe die Augen,
was tun sie mir kund?

Ich schau in den Spiegel,
ich schaue mich an,
schau in die Augen,
und schliesse sie dann.

Ich suche die Töne,
ich suche den Klang,
ich hör auf mein Herz
und bleibe noch lang.

Ich fühle tief drinnen,
ich spüre hinein,
Ich merk’ ich bin gut so,
ich fühl, ich darf sein.

Männliche und weibliche Skandale

Ein Aushängeschild einer christlichen Partei wird zum vierten Mal Vater. Daran ist per se nichts auszusetzen, nur: Die Mutter ist nicht seine Frau, sondern ein einmaliger (?) Ausrutscher. Da hat es der gute Mann mit der christlichen Nächstenliebe etwas zu wörtlich genommen, möchte man spotten – wäre das Ganze nicht so traurig und das in vielerlei Hinsicht.

Man könnte sich auf den Standpunkt stellen, das sei seine Privatangelegenheit, hätte weder mit seiner Politik was zu tun, noch hätte es uns was anzugehen. Dem möchte ich entgegenhalten, dass es nunmal an mich herangetragen wurde durch die Medien und ich mir dadurch natürlich meine Gedanken dazu mache. Ist so ein Mensch tragbar? Politiker sollten ja gewisse Werte vertreten, sollten für etwas stehen, man sollte ihnen trauen können. Kann man das, wenn es einer auf einer so elementaren Ebene an Ehrlichkeit und Integrität fehlen lässt?

Könnte man hier das Argument „Er ist auch nur ein Mensch/Mann“ gelten lassen? Dass Seitensprünge keine Seltenheit sind, ist Fakt, das müssen wir nicht wegdiskutieren. Eigentlich möchte ich den moralischen Zeigefinger gar nicht so sehr bemühen, aber er regt sich, weswegen ich dieses Feld verlasse und mich einem anderen zuwende. Der Politiker bezeichnet das Ganze als „grossen Fehler“. Da wächst nun also ein Kind heran, dass irgendwann mal lesen kann, dass es sein Dasein einem grossen Fehler verdankt. Eine solche Äusserung öffentlich finde ich mehr als bedenklich, sie ist menschlich dumm und unbedacht. Sie ist für das heranwachsende Leben ein Stempel, den es irgendwann mal an sich entdecken wird – und er wird sich kaum wegwischen lassen. Aber es geht noch weiter. Seiner Frau beichtete er alles erst kurz vor der Geburt. Sie will nun zu ihm stehen. Und er will für das Kind sorgen, er hätte sogar die Vaterschaft anerkannt und die finanzielle Unterstützung geregelt. Wenn man das so liest, klingt es fast so, als ob man nun applaudieren müsste ob der Weitsichtigkeit und Gutherzigkeit des edlen Mannes – dabei hat er nur das Mindeste getan, was man in einer solchen Situation überhaupt verlangen kann. Aber die Medien klopfen ihm fast auf die Schultern, indem sie es eben nicht anprangern, nur so quasi sachlich berichten.

Man denke mal ein paar Monate zurück. Da wurde ein Tunnel eröffnet und eine Frau trug einen Mantel, der nicht ganz vorteilhaft erschien. Wie haben die Medien gezetert und geschrien. Wie haben sie sich über ihren Kleidergeschmack lustig gemacht, sie durch den Kakao gezogen. Dann wurde auch noch über den (viel zu hohen – wovon zahlt sie das? Von zu hoch angesetzten Geldern, die den Steuerzahler schröpfen???) Preis geschimpft. Ein Skandal, könnte man denken, den sich diese Politikerin erlaubt hat. Wie viel besser macht es da dieser Politiker (notabene derselben Partei), der einfach mal fremdgeht, alle belügt, hintergeht und dann auch noch einen grossen Fehler produziert. Immerhin bereut er es ja.

Rezension: Alex Capus: Das Leben ist gut

Geschichten, die das Leben schreibt

Ich kann sie verstehen. Sie muss wieder mal weg aus diesem Kaff. Bei mir ist das anders. Ich könnte von hier weg, wenn ich wollte, aber ich muss nicht. Vielleicht werde ich eines Tages wollen, dann werde ich es tun. Aber bis auf weiteres muss ich nicht.

Nach 25 gemeinsamen Jahren verändert sich was im Leben von Max: Tine ist fortan von Montag bis Donnerstag in Paris und er schläft allein im Bett, ist allein für die drei fast erwachsenen Kinder zuständig und ist allein im leeren Haus, wenn die Kinder zur Schule gefahren sind. Dann hat er Zeit, sich zu überlegen, was Tina wohl macht in Paris, ob sie mit anderen Männern essen geht, sich bei denen gar einhängt auf dem Heimweg, wie sie das bei ihm jeweils tut. Er fragt sich, ob die Männer noch mit ihr in die Wohnung gehen, was da passiert, passieren könnte und was das mit ihm machen würde.

Max ist Schriftsteller, eigentlich, aber statt zu schreiben führt er nun eine Bar. Jeden Morgen öffnet er sie, schlisst sie abends wieder, bewirtschaftet zwischendurch die verschiedenen Gäste. Zu jedem Gast gibt es eine Geschichte, die Max erzählt. Und so plätschert das Buch und das Leben dahin.

Das Leben ist gut ist wohl eines der persönlichsten Bücher von Alex Capus – und eines der schwächsten bislang. Es mutet an wie ein einziges, langes Selbstgespräch, welches von kurzen Erzählungen unterbrochen wird. Das Buch vermischt Banales mit Schönem, immer wieder stösst man auf eine kleine Trouvaille, die einen anspricht, die einem ein Lächeln aufs Gesicht zaubert. Man findet Passagen, die zum Nachdenken anregen und solche, welche den Gedanken von „das kenne ich auch“ auslösen. Trotzdem bleibt irgendwo das Gefühl, dass das ganz normale Leben eben doch nicht das ist, was einen Roman ausmacht, dass da etwas fehlt.

Fazit:
Ein sehr persönliches, leise dahinplätscherndes Buch, mitten aus dem Leben erzählt. Dank einiger schöner, zum Lächeln oder auch Nachdenken anregenden Passagen durchaus empfehlenswert.

Zum Autor
Alex Capus
Alex Capus wird am 23. Juli 1961 in der Normandie als Sohn eines Franzosen und einer Schweizerin geboren. Die ersten fünf Lebensjahre lebt er mit seiner Familie in der Wohnung des Grossvaters in Paris, zieht nach der Trennung seiner Eltern mit seiner Mutter nach Olten in die Schweiz. Neben seinem Studium der Geschichte, Philosophie und Ethnologie an der Universität Basel arbeitet er bei diversen Tageszeitungen als Journalist und ist während vier Jahren als Inlandredaktor einer bei einer Schweizerischen Depeschenagentur in Bern beschäftigt. Zwischen 2009 und 2012 fungiert er als Präsident der Sozialdemokratischen Partei Oltens. Alex Capus lebt als freier Schriftsteller mit seiner Familie in Olten. Von ihm erschienen sind unter anderem Munzinger Pascha (1997), Der König von Olten (2009), Léon und Louise (2011), Skidoo (2012), Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer (2013), Mein Nachbar Urs (2015).

Hier gibt es ein Interview mit dem Autoren.

Angaben zum Buch:
capuslebenGebundene Ausgabe: 240 Seiten
Verlag: Hanser Verlag (22. August 2016)
ISBN-Nr.: 978-3446252677
Preis: EUR 20 / CHF 22.90

Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

 

Das Leben ist scheisse

Das Leben ist scheisse
und so ist der Rest.
Wobei es kein Rest ist,
da nachher nichts ist.

Das Leben ist scheisse,
es ist nicht mal fair,
doch Fairness war nie Plan,
man hofft’ es nur sehr.

Das Leben ist scheisse,
ich bin ja schon still,
denn keiner will’s hören,
man hofft lieber still.

Das Leben ist scheisse,
ich hab’ es erkannt,
ich macht dennoch weiter,
Ich hoff auch noch mit.

Das Leben ist scheisse,
mal mehr und mal nicht,
ich geh durch die Jahre,
ich nehme sie mit.