Rezension: Alex Capus: Das Leben ist gut

Geschichten, die das Leben schreibt

Ich kann sie verstehen. Sie muss wieder mal weg aus diesem Kaff. Bei mir ist das anders. Ich könnte von hier weg, wenn ich wollte, aber ich muss nicht. Vielleicht werde ich eines Tages wollen, dann werde ich es tun. Aber bis auf weiteres muss ich nicht.

Nach 25 gemeinsamen Jahren verändert sich was im Leben von Max: Tine ist fortan von Montag bis Donnerstag in Paris und er schläft allein im Bett, ist allein für die drei fast erwachsenen Kinder zuständig und ist allein im leeren Haus, wenn die Kinder zur Schule gefahren sind. Dann hat er Zeit, sich zu überlegen, was Tina wohl macht in Paris, ob sie mit anderen Männern essen geht, sich bei denen gar einhängt auf dem Heimweg, wie sie das bei ihm jeweils tut. Er fragt sich, ob die Männer noch mit ihr in die Wohnung gehen, was da passiert, passieren könnte und was das mit ihm machen würde.

Max ist Schriftsteller, eigentlich, aber statt zu schreiben führt er nun eine Bar. Jeden Morgen öffnet er sie, schlisst sie abends wieder, bewirtschaftet zwischendurch die verschiedenen Gäste. Zu jedem Gast gibt es eine Geschichte, die Max erzählt. Und so plätschert das Buch und das Leben dahin.

Das Leben ist gut ist wohl eines der persönlichsten Bücher von Alex Capus – und eines der schwächsten bislang. Es mutet an wie ein einziges, langes Selbstgespräch, welches von kurzen Erzählungen unterbrochen wird. Das Buch vermischt Banales mit Schönem, immer wieder stösst man auf eine kleine Trouvaille, die einen anspricht, die einem ein Lächeln aufs Gesicht zaubert. Man findet Passagen, die zum Nachdenken anregen und solche, welche den Gedanken von „das kenne ich auch“ auslösen. Trotzdem bleibt irgendwo das Gefühl, dass das ganz normale Leben eben doch nicht das ist, was einen Roman ausmacht, dass da etwas fehlt.

Fazit:
Ein sehr persönliches, leise dahinplätscherndes Buch, mitten aus dem Leben erzählt. Dank einiger schöner, zum Lächeln oder auch Nachdenken anregenden Passagen durchaus empfehlenswert.

Zum Autor
Alex Capus
Alex Capus wird am 23. Juli 1961 in der Normandie als Sohn eines Franzosen und einer Schweizerin geboren. Die ersten fünf Lebensjahre lebt er mit seiner Familie in der Wohnung des Grossvaters in Paris, zieht nach der Trennung seiner Eltern mit seiner Mutter nach Olten in die Schweiz. Neben seinem Studium der Geschichte, Philosophie und Ethnologie an der Universität Basel arbeitet er bei diversen Tageszeitungen als Journalist und ist während vier Jahren als Inlandredaktor einer bei einer Schweizerischen Depeschenagentur in Bern beschäftigt. Zwischen 2009 und 2012 fungiert er als Präsident der Sozialdemokratischen Partei Oltens. Alex Capus lebt als freier Schriftsteller mit seiner Familie in Olten. Von ihm erschienen sind unter anderem Munzinger Pascha (1997), Der König von Olten (2009), Léon und Louise (2011), Skidoo (2012), Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer (2013), Mein Nachbar Urs (2015).

Hier gibt es ein Interview mit dem Autoren.

Angaben zum Buch:
capuslebenGebundene Ausgabe: 240 Seiten
Verlag: Hanser Verlag (22. August 2016)
ISBN-Nr.: 978-3446252677
Preis: EUR 20 / CHF 22.90

Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

 

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