Tagesgedanken: Die eigene Wahrheit ergründen

„Unsere Wahrheit liegt innen, und dort sind wir souverän. Solange wir diese uralte Wahrheit nicht neu entdecken und zwar jeder für sich und auf seine Weise, sind wir dazu verdammt, umherzuirren und Trost dort zu suchen, wo es keinen gibt – in der Aussenwelt.“ James Bugental

Wenn man sich durch die sozialen Medien scrollt, gibt es, so will es scheinen, nur Menschen, denen alles gelingt, die auf der Welle des Erfolgs reiten, schon beim Aufstehen am Morgen wie aus der neusten Vogue entsprungen aussehen und auch von 0 auf 100 mit bester Laune gesegnet sind, die dann bis Abends anhält. Der Blick auf das eigene Leben zeigt im Vergleich dazu viel Optimierungspotential. Schnell sind die Sätze im Kopf: „Wenn ich nur schlanker wäre, dann wäre alles einfacher.“ Oder: „Wenn ich nur dies oder jenes hätte, dann würde ich das alles auch schaffen.“ Einfach ein wenig sein wie der andere, dann wäre die Welt eine bessere und man selbst in ihr glücklicher.

Was wir dabei vergessen: Wir sind, wer wir sind. Alles, was wir daran verändern im Sinne einer Anpassung an von aussen gegebene Bilder, führt uns vom einzigen Menschen weg, der wir wirklich sein können, hin zu etwas, von dem wir eine blosse Kopie und damit immer auf verlorenem Posten sind. Wer das Original kennt, wird uns immer messen, wer nur uns kennenlernt, wird merken, dass irgendwas nicht echt ist.

Das alles heisst nicht, dass wir nicht zu einer besseren Version unserer selbst werden können, wenn das unser Wunsch ist, nur gibt es dafür nur eine Vorgabe: Uns selbst und das, was in uns angelegt ist. Der Blick muss also nach innen gehen, er muss von der Frage geleitet sein: Wer bin ich und wer will ich wirklich sein? Was sind meine Werte im Leben, woran will ich mich ausrichten. Ich las mal die Frage

„Wer will ich gewesen sein?“

Sie erinnert ich an Kierkegaards Spruch, dass man das Leben nur vorwärts leben, aber im Rückblick verstehen kann. Zu versuchen, die Perspektive von später einzunehmen und quasi zurückzublicken kann helfen, heute so zu sein, wie man gerne in Erinnerung bleiben würde irgendwann. Und vielleicht denkt man zuerst an grosse Erfolge und Schönheit und all die äusseren Merkmale. Nur: Wäre es nicht viel wertvoller, wenn es hiesse:

„Ein toller Mensch – weil er war, wie er war.“

Ich bin der festen Überzeugung, dass jeder Mensch ein solcher ist, wenn er es zulässt. Alles, was es dazu braucht, ist in uns angelegt. Wir müssen es nur entfalten.


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4 Kommentare zu „Tagesgedanken: Die eigene Wahrheit ergründen

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