„Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können.“ (Nietzsche, Also sprach Zarathustra)

Vieles im Leben haben wir nicht im Griff, wir können es schlicht nicht kontrollieren. Das Wetter, Krankheiten, Begegnungen, Todesfälle – alles kommt von aussen auf uns zu und wir können nur damit leben – auf die bestmögliche Weise. Bei all den Unsicherheiten im Aussen suchen wir nach Sicherheit, nach einem Halt, versuchen, unter Kontrolle zu haben, was sich in diese bringen lässt. Nur:

Die (vermeintliche) Kontrolle ist nicht nur oft eine Illusion, sie ist auch der Tod der Kreativität. Wo wir nur noch in vorgefertigten Schemen denken, wo wir nur noch auf vorgfertigen Pfaden gehen, wo wir alles akkurat nach Vorgabe, Regel und Vorschrift abhandeln und uns von starren Prinzipien leiten lassen, entsteht nichts Neues. Das Leben hört auf Spiel zu sein und es werden ganz sicher keine tanzenden Sterne geboren. Und:

Wirkliche Sicherheit finden wir auch so nicht. Ist der Preis unsere Kontroll- und Sicherheitsdenken also nicht zu hoch? Wieso nicht einfach mal loslassen, geschehen lassen, chaotisch und frisch denken und fühlen und handeln? Und Sterne gebären, um mit ihnen zu tanzen.

„Live, Love, Laugh.“ (Osho)

Wie oft sagst du im Leben, dass du etwas gerne tun würdest, leider keine Zeit dafür hast? Wie oft schiebst du Herzenswünsche vor dir her, weil du sie dir irgendwann später erfüllen möchtest? Wie oft vertröstest du liebe Menschen auf später, weil du im Moment einfach zu eingespannt bist?

Das Leben ist kurz und wir haben nur das eine. Wir sollten uns also gut überlegen, was wir mit der Zeit, die wir haben, anfangen. Das heisst nicht, dass wir alle Pflichten liegen lassen und fortan nur noch nach dem Lustprinzip leben sollen, aber es bedeutet, dass wir uns klar werden müssen, wo unsere wirklichen Prioritäten liegen und wie wir sie umsetzen können. Wie viel Unwichtiges tun wir tagtäglich, weil wir nicht nein sagen konnten, weil wir uns einfach treiben lassen, weil wir schlicht nicht hinsehen, was uns wirklich gut tut und am Herzen liegt?

Irgendwann gibt es kein später mehr – es wäre schade, wenn die Herzenswünsche unerfüllt mit uns aus dieser Welt gingen oder wir zu wenig Zeit mit geliebten Menschen verbracht haben, und es nun nicht mehr möglich ist.

Lebe, liebe, lache! Es ist dein Leben!

„Es gibt keine Zeit ohne Kummer und Leid. Es gibt aber auch Ecken, wo Freude und Glück sich verstecken.“ (Fred Ammon)

Als die Krankheit meines Vaters voranschritt und klar war, dass unsere gemeinsame Zeit absehbar wird, übermannte mich die Trauer und zog mich förmlich in ein tiefes Loch herab. Alles schien dunkel, alles schien hoffnungslos. In dieser Zeit schenkte mir ein Freund eine Tangostunde. Zwar war mir gar nicht nach Tanzen zumute (obwohl ich immer gerne getanzt hatte), aber ich nahm an. Und siehe da: Ich hatte zwei wundervolle Stunden, spürte meinen Körper und spürte, wie tief drin noch mehr war, als nur diese Trauer.

An dem Tag habe ich beschlossen, das Schöne und Gute des Lebens auch wieder sehen zu wollen – auch und gerade in düsteren Zeiten, denn: Es ist immer da und es gibt Kraft, den Rest zu tragen. Die Situation in meinem Leben hatte sich nicht verändert, aber mein Blick darauf. Ich habe gelernt, immer auch das Glück zu sehen, was half, gestärkt durch die letzten Monate mit meinem Papa zu gehen und Abschied zu nehmen.

Wenn das Dunkel überhand zu nehmen scheint, achte auf das Licht.

„Je leiser ich geworden bin, desto mehr konnte ich hören.“ (Ram Dass)

Zu Hause läuft das Radio, unterwegs sind Kopfhörer auf den Ohren. Wir sind dauernd in Bewegung, stehen unter Dauerberieslung und kommen kaum zur Ruhe – lassen Ruhe auch kaum je zu.

Wann hast du das letzte Mal bewusst dem Vogelgezwitscher zugehört? Das Rascheln des Windes in den Blättern eines Baums und das Rauschen eines Baches wahrgenommen? Wann bist du mit deiner Umwelt verschmolzen durch all die Geräusche, die in dich fliessen?

Wie wäre es damit:
Einfach mal sitzen. Nichts tun. Nichts sagen, nichts wollen. Einfach mal still sein und hören, was ist. Die Geräusche kommen lassen, gehen lassen, beobachten, gewahr sein. Einfach mal zur Ruhe kommen. Einfach mal sein.

„Glück ist Liebe, nichts anderes. Wer lieben kann, ist glücklich.“ (Hermann Hesse)

Wir Menschen streben nach Liebe. Von klein an sind wir auf Liebe angewiesen, ungeliebte Kinder verkümmern – und ebenso tun es Erwachsene. Oft schränken wir Liebe zu sehr ein, denken nur an eine Partnerschaft, wenn wir an Liebe denken und sehen uns als leidend, weil wir keine Liebe erfahrung durch den fehlenden Partner.

Liebe geht viel weiter. Liebe ist nicht auf ein Objekt beschränkt, sondern eine Grundhaltung, die aus einem offenen und mitfühlenden Herzen entspringt und auf das Leben und die lebenden Wesen bezieht – eingeschlossen uns selber.

Stell dir am Ende eines Tages mal die Frage: Bin ich heute lieb mit mir umgegangen? Und lasse den Tag Revue passieren. Wie oft warst du unzufrieden mit dir? Wie oft hast du dich innerlich kritisiert, hast geschimpft und gehadert? Oft schon wegen Kleinigkeiten.

Wir können keinen Partner herbeizaubern, aber wir können uns selber liebevoll behandeln. Und wenn uns das gelingt, können wir aus diesem liebenden Herz heraus unsere Liebe auf andere Wesen ausdehnen. Und wenn dieses ganze Herz von Liebe erfüllt ist, wird sich das Glück einstellen. Wie von selber.

„Es gibt keine Normen. Alle Menschen sind Ausnahmen einer Regel, die es nicht gibt.“ (Fernando Pessoa)

Wer bestimmt, wie wir zu sein haben? Wonach müssen wir uns ausrichten? Wer setzt den Massstab und mit welchem Recht? Ich erinnere mich gut an meine Kindheit, als mein Vater oft zu mir sagte: „Sei mal normal, sei mal wie die anderen, verhalte dich so.“ Und ja, es liess mich ein wenig hilflos und auch traurig zurück, denn so, wie ich war, schien ich nicht richtig zu sein. Und vor allem nicht normal.

Wer oder was ist normal? Wenn es eine solche Norm gäbe, wären dann alle gleich? Eine Welt voller gleich geschalteter Menschen, die das gleiche denken, tun, sagen? Wäre das nicht fürchterlich langweilig?

Kurz bevor mein Vater starb, hatten wir ein schönes Gespräch. Da sagte er mir: „Du warst schon immer anders als andere, hast schon immer dein Ding gemacht und darauf bin ich sehr stolz.“ Wie gut hätte mir das als Kind getan? Aus ihm sprach damals aber wohl die Sorge, wie die Gesellschaft mit mir und ich in der Gesellschaft klar käme. Landläufig haben es Menschen, die sich anpassen, einfacher. Nur: Was ist der Preis? Und bin ich bereit, ihn zu zahlen? Das muss jeder für sich selber entscheiden. Und dann ist jeder Entscheid gut und richtig, denn es war ein eigener.

„Schlussendlich zählen nur drei Dinge: Wie gut wir gelebt haben. Wie gut wir geliebt haben. Wir gut wir gelernt haben, loszulassen.“ (Jack Kornfield)

Was ist ein gutes Leben? Wann können wir auf unser Leben schauen und sagen: Ja, es ist gut, wie es ist? Was brauchen wir dazu? Geld?

Wenn wir unsere Tage anschauen, sind die oft mehrheitlich mit Dingen gefüllt, die dazu dienen, etwas zu erreichen. Wir arbeiten, um Geld zu verdienen, gehen ins Fitnessstudio, um abzunehmen, gehen shoppen, um mehr Kleider zu haben und besser auszusehen, kaufen ein neues Auto, um mit dem Nachbarn mithalten zu können. Dafür schieben wir anderes auf die Seite: Wir besuchen den alten Onkel nicht, den wir immer so liebten, weil schlicht die Zeit fehlt, wir geniessen nicht den Sonnentag, weil wir uns auf dem Stepper abstrampeln müssen, wir spielen nicht mit den Kindern, weil wir Überzeit machen, die gut bezahlt wird.

Und dann ist der Onkel tot, die Kinder sind gross, draussen ist Nebelwetter und den Job verlieren wir wegen Reorganisation. Und nun? Sitzen wir nun da und denken: Aber wenigstens haben wir ein neues Auto und eine Traumfigur? Nein, sehr wahrscheinlich wird in uns Bedauern laut. Wir merken, was wir verpasst haben und klagen uns an. Leider hilft das wenig, im Gegenteil: Wir können die Uhr nicht zurückdrehen. Es gilt also, loszulassen, was war und nach vorne zu schauen. Wir haben einige Chancen verpasst, aber neue warten auf uns. Die sehen wir nur, wenn wir nicht an den verpassten hängen, sondern mit offenem Blick nach vorne schauen, mit dem Lehrstück aus der Vergangenheit im Hinterkopf. Und dann machen wir es besser. Wir haben jeden Tag die Chance, neu anzufangen. Wir haben jeden Tag die Möglichkeit zu sagen:

Heute beginnt der Rest meines Lebens. Ich will leben und lieben. Und irgendwann lasse ich los im Wissen, dass ich gut gelebt und von Herzen geliebt habe.