“ Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“
(Reinhold Niebuhr)

Es gab in meinem Leben leider viele Momente, in denen ich dachte, dem, was grad passiert, einfach hilflos ausgeliefert zu sein. Ich fühlte mich ohnmächtig (es lag nicht in meiner Macht, etwas zu ändern), hilflos (ich wusste mir nicht zu helfen und fand auch im Aussen keine Hilfe) und vor allem sehr verletzlich (die Welt schaut auf mich und urteilt….).

Und ja, es ist so: Es gab viele Situationen, in denen das Gefühl nicht falsch war: Ich konnte die Dinge nicht ändern. Dabei wollte ich es so gerne. Ich studierte ganze Nächte, suchte tagsüber nach Wegen und Möglichkeiten. Am Schluss… blieb alles, wie es war. Und dieses Gefühl des Ausgeliefertseins, der Hilflosigkeit, hatte sich eingebrannt.

Wie oft greifen wir genau auf das Gefühl zurück, wenn wir vor Schwierigkeiten stehen? Denken: Ach, das bringt ja eh nichts, es gelingt ja nicht.

Es ist eine Tatsache, dass wir nicht alles im Leben in der Hand haben. Ganz viel entzieht sich unserer Kontrolle, beruht auf Zufällen oder ist von etwas abhängig, das ausserhalb unserer Macht liegt. Wenn wir uns nun über diese Dinge aufregen und uns daran aufreiben, passiert nur eines: Wir ärgern uns, ändern aber nichts am Grund für den Ärger. Die Dinge nehmen ihren Lauf.


Es gibt aber durchaus Dinge, die wir selber in der Hand haben. Da dann einfach abwartend zu sitzen und zu hoffen, dass sich alles zum Guten wendet, wäre mehr als schade. Wir könnten da selber Hand anlegen, nur: Dinge zu verändern ist nicht immer nur einfach, Gewohnheiten wiegen mitunter schwer. Sind sie doch erstens erprobt und oft auch bequem. Und doch: Es wäre schade, es nicht zu tun, da wir damit das Steuer unseres Lebens aus der Hand geben und auf etwas verzichten, das wir insgeheim (wir würden uns sonst nicht ärgern) wollen.

Ich wurde kürzlich gefragt, wieso ich mich enerviere, wenn ich von Farid Bang lese. Ich wurde gefragt, wieso ich mich so einsetze, schreibe, mich aufrege, zum Hinschauen anrege. Es hat Gründe:

Ich habe viele Jahre damit zugebracht, Unrecht philosophisch und historisch zu erforschen. Und ich bin auf viel gestossen, von dem ich sagen möchte: Das darf nicht sein, das soll nicht sein, das dürfte nie mehr möglich sein. Wenn ich nun sehe, dass Texte, die genau solches Unrecht verherrlichen, ausgezeichnet werden, dann stellen sich mir die Nackenhaare auf. Dann kann ich nicht schweigen. Dann muss ich was sagen. Und das werde ich tun. Auf allen mir möglichen Wegen. Ich werde nicht schweigen, wenn Rechte mit Füssen getreten werden. Ich werde nicht schweigen, wenn Gewalt verherrlicht wird. Das muss man nicht verstehen. Das ist mein Weg. Und den gehe ich.

Wer schweigt, macht mit. Er denkt zwar, er sei aussen vor, aber dem ist nicht so. All die Schweiger sind die Masse, die trägt. Ich sage nicht, dass jeder in die Opposition gehen muss. Ich sage auch nicht, dass damals alle das hätten tun müssen. Die eigene Sicherheit ist immer wichtig. Denn: Wenn man nicht mehr ist, kann man nicht mehr hinstehen. Und es braucht Menschen, die hinstehen. Einige können es offensiver, andere verdeckt. Aber ignorieren und nur schweigen? Das geht nicht.

Wie seht ihr das? Und ach ja… Auslöser war dieses nette Video von Farid Bang:

„Frauen sind auch Lebewesen. Frauen sind auch Menschen. Und: Sie essen und trinken auch… genau… Wir müssen akzeptieren, dass wir mit denen zusammenleben…“

Sagt alles, oder? Mehr zu ihm und zu dieser ach so ehrvollen Echoverleihung HIER und HIER

Er hätte Talent. Schade, lenkt er es nicht in eine gute Richtung. Das finde ich wirklich schade. Aber das… ne, da schweige ich nicht. Witzig dazu: