„Zeitungen, vereinigt euch…“

Immer mehr Schweizer Zeitungen fallen unter immer weniger Hände. Sprich: Immer mehr Zeitungen präsentieren die gleichen Inhalte. Geschrieben in denselben Redaktionen. Ein Thema, das ich gerade heute mit meinem Papa diskutierte, seines Zeichens eifriger Zeitungsleser und dazumal Mitarbeiter des Winterthurer Landboten. Lange ist’s her.

Wir haben heute eine Situation, in welcher xxx Zeitungen dieselben Inhalte teilen. Man kann sagen, die internationale Politik ist für alle die gleiche – ja, aber: Die Sicht kann unterschiedlich sein. Und es wäre wichtig und sinnvoll in einer Demokratie, dass verschiedene Sichtweisen portiert würden. Nur so sähe man unterschiedliche Perspektiven, aufgrund derer man dann eine Meinung bilden könnte. Das fällt mehr und mehr weg.

Man müsste sich hier fragen: Wozu sind Zeitungen da? Sie sollen informieren. Sie sollen zeigen, was in der Welt abgeht. Da jede Information geprägt ist von dem, der sie vermittelt, liest der Leser immer nur eine selektive Sichtweise. Das mag man anprangern und für journalistische Objektivität plädieren – die ist nie zu erreichen. Aus dem Grund ist es wichtig, dass da eine Pluralität herrscht, dass es verschiedene Medien mit unterschiedlichen Ausrichtungen gibt. Wer wirklich interessiert ist, kann so verschiedene Blickwinkel kennenlernen. Sie verinnerlichen. Eine Meinung bilden. Und demokratisch tätig werden.

Das hebeln wir aktuell aus. Wir monopolisieren Meinungen und Sichtweisen, unterstellen Informationen einzelnen Meinungsträgern und höhlen damit eigentlich den Journalismus aus. Die Stellen sind knapp, wer nicht genehm schreibt im Haus, dem wird gesagt:

Vielleicht wäre es Ihnen an einem anderen Ort wohler.

Wohl wissend, dass es andere Orte (bezahlte) kaum gibt. Entweder der Journalist passt sich an oder er wird brotloser Poet. Das kann sich nicht jeder leisten. Und Reim und Rhythmus sind auch eher bemühend.

Quo vadis?

Demokratie funktioniert nicht ohne Meinungspluralität und Diskurs. wenn man die einschränkt, unterhöhlt man das System. Was ist die Alternative? Was kommt? Es geht nicht um verlorene Arbeitsstellen, die sind traurig genug, es geht darum, dass hier eine Richtung eingenommen wurde, welche die Grundfesten unserer Verfassung tangiert. Ich bin zu pathetisch? Geht ja nur um ein paar Blättchen (die ich, ich gebe es zu, nicht mal lese)? Informationsbeschaffung ist aufwändig. Zeitungen wurden eingerichtet, das dem arbeitstätigen Bürger abzunehmen, dass er informiert ist und weiss, was im Land vor sich geht. Fallen nun immer mehr dieser Medien unter eine Hand, kriegt der Bürger keine Informationen mehr, sondern er wird ungefiltert mit den Ideen der Eigner der gelesenen Blätter bombardiert. Hiess es früher, dass man für eine umfassende Sicht verschiedene Zeitungen lesen soll, kann er heute 10 kaufen und es steht in allen dasselbe drin. Das, was der Eigentümer darin stehen haben will.

Dann sind wir eigentlich an dem Punkt angelangt, an dem man sagen könnte: Es lohnt nicht mehr, Zeitungen zu lesen. Man liest nicht mehr, was ist, man liest nur noch, was einer will, dass es gelesen wird.

In jüngerer Zeit gab es Vorstösse von alternativen Projekten. Sie wollten den Journalismus rehabilitieren, waren quasi das schwarze Schaf im Journalistenzirkus. Passend dazu mein Aphorismus von gestern HIER). Nur: Ausser grossen Worten kam da nichts. Sie setzten auf alte Namen, laute Stimmen und plakative Ansagen. Der Frust der Medienmüden spielte ihnen in die Hände, die Chose wurde finanziert durch Förderer. Nur: Da muss was kommen. Und sie unterlaufen die eigenen Maximen jetzt schon.

Woraus bilden wir unsere Meinungen? Zeitungen fallen weg. Immer weniger lesen sie – sie sind auch immer weniger lesenswert. Den Stammtisch gibt es nicht mehr, nicht in grösseren Orten. Auf Facebook und Konsorten umgibt man sich nur mit Seinesgleichen. Demokratie KANN so nicht funktionieren. Wo aber setzen wir an?

6 Comments

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  1. Guten Morgen Sunny, wieder einmal machen wir uns ähnliche Gedanken und ich teile deine Ansicht über die Medien. Nächste Woche erscheint dazu ein Artikel von mir und zur Vervollständigung würde ich gerne einen Link mit deinem Beitrag einfügen. Es war eine Freude deine Gedanken zu lesen!

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  2. […] Lachen ist wichtig und gesund und wer jetzt den guten alten englischen Humor hat, kann sicher mal schmunzeln, doch mehr wird das Thema nicht hergeben, denn wer kann schon Frohsinn verbreiten, wenn er nach Strich und Faden verarscht wird. Ich habe noch nicht so oft (eigentlich gar nicht) darüber geschrieben, dass ich sehr gerne von Meinungsforschungsinstituten angerufen werde (wirklich alle bekannten). Ich stelle natürlich immer die obligatorische Frage, wie ich denn zu der Ehre komme und die Antwort ist immer gleich. Zufallsprinzip. Auf meiner Geheimnummer haben die noch nie zufällig angerufen, nur den Geschäftsanschluss. Zufälle gibts! Jedenfalls lüge ich jetzt schon ein paar Jahre das Blaue vom Himmel runter, denn ich lasse mich nicht aushorchen, damit andere daraus Kaptital schlagen können und so wundert euch nicht, wenn keine Statistik stimmen kann, die euch jemand vor die Nase hält, um euch seine Sicht der Dinge logisch und plausibel zu erklären. Bei diesen Methoden schließe ich wirklich niemanden aus, natürlich gilt das auch für die Nachrichten, immer noch des (älteren) Deutschen liebstes Informationskind.  Wer meine Wahlversprechen vom Januar nochmals nachsehen möchte (es wurde kein Wort verändert) hat dann vielleicht doch noch ein wenig Spaß! Meine Freundin Sandra Matteotti aus der Schweiz hat dieser Tage ebenfalls einen lesenswerten Artikel über Zeitungsmedien geschrieben, bitte schön! […]

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