Die Tage der Dämonen

Es gibt so Tage, an denen will nichts gelingen. Und während du da sitzt und entweder gar nicht in die Gänge kommst oder aber probierst und probierst und alles versandet, zerrinnen die Stunden und die Selbstzweifel kommen. Wie böse Dämonen sitzen sie in deinem Hirn und sprechen zu dir:

„Was machst du da überhaupt?“
„Du kannst doch eh nichts!“
„Andere können alles viel besser!“

Das sind nur einige der schönen Dinge, die sie dir zuflüstern und du neigst dazu, ihnen zu glauben. Vor allem an solchen Tagen. Und du schimpfst mit dir und schiltst dich eine dumme Kuh, die irgendwelchen Träumen nachhängt, statt etwas Sinnvolles zu leisten. Andere retten die Welt, heilen Menschen, erforschen gerade das Weltall. Du sitzt hier und willst Kunst machen. Und du machst es nicht mal gut. Ok, das eine oder andere Stück gefällt dir ganz gut, aber im Ganzen ist keine Linie, ist kein Stil, ist keine Konstanz. Es sind Anfängerwerke von einem Anfänger, der nicht weiss, ob er je mehr sein wird als ein Anfänger – oder eben einer, der lange übte und doch nirgends hinkam.

Also aufgeben? Das geht nicht. Denn: Nie hast du etwas gehabt in deinem Leben, das dir mehr bedeutete, das dir mehr gab, mit dem du dich – ausgenommen an solchen Tagen – besser fühltest. Nie gelang es dir sonst, dich in etwas so zu verlieren und dich damit gut zu fühlen, wie jetzt.

Es bleibt also nur eines: Weiter machen. Im Wissen, dass immer wieder solche Tage kommen werden. Und wenn die Zweifel gar zu gross sind, hilft es, auf den Weg zurückzublicken, den du schon gegangen bist. Wo hast du angefangen, was hast du seit da erreicht? Und du wirst Fortschritte sehen und wirst sehen, was du alles schon gemacht hast – Tolles gemacht hast.

Ja, du bist vielleicht noch nicht da, wo du hinwillst und du weißt vielleicht nicht mal genau, wo das genau sein wird. Du weißt aber, dass es der Weg ist, den du gehen willst und du hast Vorstellungen vom Ziel – nicht immer gleich klar, aber sie sind da und sie fühlen sich schön und richtig an. Vielleicht ist heute einer der Tage, an denen gar nichts klar ist, an denen die Dämonen rufen, zanken, schimpfen, dich auch auslachen. Aber: Der Tag geht vorbei und ein nächster kommt.

Es gibt ein Zaubermittel gegen die Dämonen, die dir sagen wollen, dass du gar nicht kannst, was du tust: Tu es und sie werden schweigen.

15 Comments

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  1. Treffend geschrieben und mit dem Wort Dämonen gut besetzt. Die Schlußfolgerung sehe ich nur etwas mit Thema – es gelingt dir nichts – wegen die Dämonen an diesem Tag – zu eingeengt. Ist es überhaupt richtig an einem solchen Tag die Frage der Fähigkeit zu stellen – ich denke nein – wäre die Schlussfolgerung nicht einfach – Klappe für heute zu – morgen ist ein neuer Tag und die Dämonen brauchen auch mal Schlaf.

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  2. Stimmt, es gibt Tage, da funktioniert nicht, was man sich vorgenommen hatte. Ich lasse es dann, und wende mich einer anderen Leidenschaft zu. Geht überhaupt nichts, sage ich mir, „Heute sollte es nicht sein“, und sammle dann Ideen. Egal wie weit ich mich schon aus dem Fenster gelehnt habe, oder andere Menschen fanden, mein Projekt wäre für mich nicht machbar, denke ich an die Milliarden, die es nicht besser können als ich, und beschließe, die paar Tausend, die noch vor mir sind, einzuholen, denn, alle Menschen die ich bisher in meinem Leben getroffen habe, kochten auch nur mit Wasser, und das nicht besser als ich. Es gibt nichts, was du nicht sein kannst Sandra.

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  3. „Dämonen“ kann man nicht besiegen. Also muß man ihre Existenz eher akzeptieren lernen.
    Von Deinen 3 Anklagen
    „Was machst du da überhaupt?“
    „Du kannst doch eh nichts!“
    „Andere können alles viel besser!“
    kenne ich vor allem die erste.
    Ich übe mich still weiter umfänglich im Schach, obwohl ich nie wieder in einer Mannschaft spielen werde.
    Ich verfasse seit langem biographische Notizen, die ich wohl kaum lesen werde.
    Ich recherchiere unentwegt nach Musik und kenne noch nicht einmal vollständig das Material, das ich dabei eingefangen habe.
    Ich zeichne und werde darin nicht besser. Es ist da fast wie bei dem Japaner, der fortlaufend Zahlen notierte und bis 7 Millionen kam.
    Was ich mache, ist, diese Dinge nicht ausschliesslich zu machen. Ich tue Arbeit im Haushalt, im Garten ect, auch um ein „vollständigerer“ Mensch zu werden. Ein Nerd, der nur ein, zwei Sachen macht und darüber alles andere vergisst, ist nicht mein Ideal.

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