Buchtipp: Liebe als Kunst

«Ich möchte den Leser davon überzeugen, dass alle seine Versuche zu lieben fehlschlagen müssen, sofern er nicht aktiv versucht, seine ganze Persönlichkeit zu entwickeln, und es ihm so gelingt, produktiv zu werden; ich möchte zeigen, dass es in der Liebe zu einem anderen Menschen überhaupt keine Erfüllung ohne die Liebe zum Nächsten, ohne wahre Demut, ohne Mut, Glaube und Disziplin geben kann.»[1]

Die Grundvoraussetzungen für die Liebe sind nach Fromm zwei Dinge: Sich selbst als Persönlichkeit zu entwickeln und eine innere Haltung gegenüber Menschen einzunehmen, die auf Liebe, Demut, Mut, Glaube und Disziplin beruht.

«Sie [Die Liebe] ist eine Haltung, eine Charakter-Orientierung, welche die Bezogenheit des Menschen zur Welt als Ganzem und nicht nur zu einem einzigen ‘Objekt’ der Liebe bestimmt.»[2]

Wenn wir von Liebe sprechen, denken wir oft an die romantische Liebe zwischen zwei Menschen, an die, teilweise fast symbiotische, Verbindung zwischen den beiden. Dies mag eine Form der Liebe sein, doch ist es keine reife. Liebe, so Erich Fromm, zielt nicht auf ein Objekt, sondern sie ist eine innere Haltung. Liebt man nur einen, liebt man nach Fromm keinen. Zudem fängt Liebe auch immer bei einem selbst an. Kann man sich nicht lieben, kann man auch keine Liebe zur Welt entwickeln. Ohne Selbstliebe fehlt einem das eigene Identitätsgefühl und man ist davon abhängig, dass die Welt einem die Identität quasi zuschreibt.

«Paradoxerweise ist die Fähigkeit, allein sein zu können, die Vorbedingung für die Fähigkeit zu lieben.»[3]

Liebe ist weiter eine Kunst, die man lernen kann. Um diese zu erlernen, braucht es einige Vorbedingungen: Disziplin, Ausdauer, Konzentration und Wichtigkeit. Disziplin lernt man am besten, indem man Routinen entwickelt, die zu Gewohnheiten werden: Täglich früh aufstehen, nicht zu viel essen und trinken. Sie soll nicht etwas von aussen Aufgezwungenes sein, sondern zum Ausdruck des eigenen Wollens werden. Konzentration bezeichnet die Fähigkeit, mit sich allein zu sein, möglichst ohne Ablenkungen. Geduld ist wichtig, da keine Kunst über Nacht erlernt werden kann. Wir neigen heute dazu, alles immer noch schneller machen zu wollen und denken, wir verpassen sonst etwas im Leben. Dadurch rennen wir aber nur durchs Leben und leben es nicht wirklich aus der Tiefe. Zuletzt muss einem Liebe als Kunst wichtig sein. Man muss sich ihr mit allem widmen, was man hat, sie muss oberste Priorität haben. Diese Voraussetzungen sollten nicht nur im Hinblick auf die Liebe gelebt werden, sondern im ganzen Leben.

«Genau wie der Glaube an ein Kind gründet auch die Idee, dass die dem Menschen gegebenen Möglichkeiten derart sind, dass er unter entsprechenden Bedingungen die Fähigkeit besitzt, eine von den Grundsätzen der Gleichheit, Gerechtigkeit und Liebe getragene Gesellschaftsordnung zu errichten.»[4]

Liebe als Haltung kann auch in der Gesellschaft relevant sein. Baut man diese auf den Grundsätzen der Liebe auf, handelt man im Miteinander aus einer Haltung der Liebe heraus, dann kann diese ein Ort der Gerechtigkeit werden, in dem Menschen als Gleiche miteinander leben und dieses Miteinander liebevoll gestalten.

«Der Glaube an die Möglichkeit der Liebe als einem gesellschaftlichen Phänomen und nicht nur als einer individuellen Ausnahmeerscheinung ist ein rationaler Glaube, der sich auf die Einsicht in das wahre Wesen des Menschen gründet.»[5]

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Zitate aus folgender Ausgabe: Erich Fromm: Kunst des Liebens, Ullstein Materialien, Frankfurt/M, Berlin 1989.


  • [1] Fromm, Kunst des Liebens, S. 9
  • [2] Fromm, Kunst des Liebens, S. 57
  • [3] Fromm, KdL, S. 124
  • [4] Fromm, KdL, S. 137
  • [5] Fromm, KdL, S. 146

Philosophisches: Faden im Gewebe

«Die Menschen sind nicht nur in der Kleidung und im Auftreten, in ihrer Gestalt und Gefühlsweise ein Resultat der Gesellschaft, sondern auch die Art, wie sie sehen und hören, ist von dem gesellschaftlichen Lebensprozess […] nicht abzulösen.» Max Horkheimer

In der heutigen Zeit ist es das höchste Ziel, möglichst selbstbestimmt, authentisch, autonom zu sein. Die eigene Identität steht im Zentrum des eigenen Universums, sie will gelebt werden, sie darf nicht unterdrückt werden, sondern ihre Freiheit im Sinne einer freien Entfaltung ist das höchste Gut. Einschränkungen werden mit Argwohn betrachtet, schnell abgelehnt und verurteilt. Dabei vergessen wir, dass wir als die, die wir sind, eigentlich ein Produkt der Gesellschaft sind, in die wir geboren wurden. Erst durch unseren Austausch mit anderen bildet sich unsere Persönlichkeit heraus, erst durch unser Handeln und Sprechen mit ihnen, können wir werden, wer wir sind.

Hannah Arendt hat das schöne Bild der Gesellschaft als Gewebe gezeichnet: Durch unser Sprechen miteinander schaffen wir ein Gewebe, das wir als Gesellschaft bezeichnen. Sie ist das, was zwischen uns entsteht, wenn wir sprechen und handeln. Wird nun ein neuer Mensch geboren, webt er sich durch sein Dazukommen und Mitreden als Faden in dieses Gewebe ein. Der gegenseitige Austausch prägt den Einzelnen in seinem Sein und gibt der Gesellschaft etwas Neues hinzu.

Webt man dieses Bild nun weiter, würde jeder Faden, der aus dem Gewebe herausgerissen wird, ein Loch entstehen lassen. Indem wir also Menschen, die zum Gewebe der Gesellschaft gehören, unterdrücken, diskriminieren, ausgrenzen, schädigen wir das Gewebe, in das unser Faden eingewebt ist, von innen heraus. Wir machen ein schadhaftes Gewebe daraus. Insofern schaden wir nicht nur denen, die wir schlecht behandeln, sondern fügen auch uns selbst Schaden zu, indem wir den Ort, der uns zu dem macht, die wir sind, auf eine Weise prägen, die auch das eigene Leben irgendwann beeinträchtigen kann, denn: Wer sagt, dass eine Gesellschaft, die sich gegen Pluralität stellt, nicht plötzlich auch etwas an uns selbst findet, das nicht in ihre Vorstellungen passt?

Ein Grund mehr, darauf zu achten und sich dessen bewusst zu sein: Jeder Mensch ist anders und er soll das sein dürfen. Er gehört in diesem So-Sein zum Gewebe, das unser Miteinander darstellt. Nur so kann ein strapazierfähiges, buntes Gewebe entstehen.

Tagesgedanken: Zusammenleben

„Seien Sie aufmerksam gegen das, was in Ihnen aufsteht, und stellen Sie es über alles, was Sie um sich bemerken. Ihr innerstes Geschehen ist Ihrer ganzen Liebe wert, an ihm müssen Sie irgendwie arbeiten und nicht zu viel Zeit und zu viel Mut damit verlieren, Ihre Stellung zu den Menschen aufzuklären.“

Diese Zeilen schreibt Rilke an einen jungen Schriftsteller. Er fordert ihn auf, sich auf sich selbst zu besinnen, bei sich zu schauen, was wichtig ist, die eigenen Bedürfnisse zu erkennen und sie zu erfüllen. Es ist nicht wichtig, so Rilke, was die andren über einen denken, wichtig ist, dass man mit sich im Reinen ist. Und daran muss man arbeiten, nicht am Stand unter den anderen Menschen.

Daran ist viel Wahres. Wenn ich mich selbst nicht kenne, wenn ich meine Bedürfnisse nicht wahrnehme, wenn ich nur nach aussen, kaum nach innen schaue, entfremde ich mich mit der Zeit von mir selbst. Gerade die Selbstreflexion macht uns als Menschen aber doch aus, die Fähigkeit, ein Bewusstsein zu entwickeln, mit dem wir die Welt und auch uns selbst erfassen können.

Es verwundert nicht, dass dieser Rat von Rilke kommt, hat der doch zeitlebens den grossen Teil seiner Zeit dem gewidmet, was ihm das wichtigste war, nämlich dem Schreiben. Dem ordnete er alles unter und das ohne Rücksicht darauf, was andere davon halten mochten. In dem Rat steckt aber eine Schwierigkeit: Können wir uns einfach aus der Welt nehmen? Wir sind soziale Wesen, die auf andere angewiesen sind. Wir brauchen die Gemeinschaft nur schon, um uns überhaupt selbst zu erfahren, zu dem zu werden, der wir sind, eine Identität auszubilden. Natürlich sollten wir uns nicht von den Urteilen anderer abhängig machen. Natürlich sind unsere Bedürfnisse wichtig und sollten nicht einfach übergangen werden. Dabei sollte aber immer bewusst bleiben, dass auch der andere Bedürfnisse hat. Auf meinen zu beharren, zu klagen, wenn sie nicht alle erfüllt sind, mutet eher selbstverliebt als selbstsorgend an. Vor allem, wenn der Blick nur noch auf sich gerichtet ist, damit der andere völlig ausgeblendet wird.

Es mag nicht schön sein, zurückzustecken. Manchmal tut es weh. Und vielleicht ist es wirklich unnötig, unfair, verletzend. Vielleicht aber ist es schlicht der zu machende Kompromiss, um in einem Miteinander, in dem jeder seinen Platz und seine Rechte hat, friedlich zusammenzuleben.

Philosophisches: Wer bin ich?

«Sage mir, mit wem du umgehst, so sage ich dir, wer du bist; weiss ich, womit du dich beschäftigst, so weiss ich, was aus dir werden kann.»

Goethe greift hier in seinem Wilhelm Meister eine tiefe Wahrheit über unser Sein auf: Wir sind geprägt durch unsere Umwelt – und dies mehr, als uns wohl oft bewusst ist. Menschen brauchen andere Menschen, um eine Identität auszubilden. Erst im Umgang mit anderen erfahren wir, wer wir sind, weil wir anhand ihrer Reaktionen auf unser Verhalten merken, wie sie uns sehen. Das alles fängt gleich nach der Geburt an und hört das ganze Leben nicht mehr auf.

Schon Babys reagieren auf das Verhalten ihrer Umgebung. Wenn jemand lächelt, lächeln sie zurück. Wenn sie etwas tun und eine entsprechende Reaktion erhalten, verinnerlichen sie diese und lernen, wie sie sich künftig zu verhalten haben. Das Verinnerlichen von Verhaltensmustern, von Wertmassstäben, die Reaktionen aus dem Umfeld zugrunde liegen, bilden ein inneres Diagnoseprogramm aus. Die Gesellschaft mitsamt ihren Erwartungen und Werten tritt quasi in mich ein und wirkt nun von innen heraus, indem ich selbst mein eigenes Verhalten bewerten kann anhand der erlernten Massstäbe. Indem ich einerseits handle als Ich, andererseits dieses Handeln selbst beurteilen kann, bildet sich ein Selbst-Bewusstsein, und damit meine Identität.

George H. Mead hat sich intensiv mit dem Thema Identität und Gesellschaft befasst. Er kam zum Schluss, dass sich Identität nur dann ausbildet, wenn wir uns in andere hineinfühlen können, wenn wir in der Lage sind, fremde Perspektiven einzunehmen. Dazu ist es wichtig, ein gemeinsames Symbolsystem zu schaffen, das der Verständigung dient: Die Sprache, welche sich in drei Stufen entwickelt: körperliche Gesten, vokale Gesten (einzelne Wörter), signifikante Gesten (Symbolsystem der Sprache). Dieses System ermöglicht uns, uns gegenseitig zu verstehen. Durch sie können wir das Verhalten anderer deuten und damit auch ihre Reaktion auf uns. Die Umwelt hält uns einen Spiegel unseres Verhaltens vor, den wir in der Folge verinnerlichen und der unser Bewusstsein ausbildet.

Mead spricht damit an, was im Buddhismus als Mitgefühl bekannt ist: Mit-Fühlen, was der andere fühlt. In Verbindung treten durch mein empfundenes Verständnis für sein Sein und Fühlen. Damit ist Mitgefühl eine wichtige Eigenschaft im Umgang mit anderen, und es ist auch für unsere eigene Selbsterkenntnis fundamental. Nur wenn ich mich dem anderen öffne, ihn wahrnehme, mich in ihn hineinfühle, kann ich zu einem Verständnis meiner selbst kommen. Und so kommen wir uns alle etwas näher, gegenseitig und für uns selbst. 

Wer bin ich also? Ich bin die Summe meiner Erfahrungen und der daraus verinnerlichten sozialen Erwartungshaltungen, die sich in meinem Verhalten ausdrücken. Ich werde zu dem, der ich bin, durch das, was ich im Aussen erfahre und verinnerliche. Im Wissen darum ist es umso wichtiger, denke ich, das für einen passende, einem entsprechende Umfeld zu finden, denn nur damit wird es gelingen, zu dem Ich zu werden, das man sein will.   

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Buchtipp: George H. Mead: Geist, Identität und Gesellschaft, Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft, Frankfurt am Main 1973.

Politik/Gesellschaft: Kategorisierte Identität

«Das Selbstgefühl jedes Menschen wird von seiner Herkunft geprägt, angefangen bei der Familie, aber darüber hinaus auch von vielen anderen Dingen – von der Nationalität die uns an einen Ort bindet; vom Geschlecht, das uns jeweils mit der Hälfte der Menschheit verbindet; von Kategorien wie Klasse, Sexualität, race und Religion, die über unsere lokalen Bindungen hinausreichen.»

Werde ich gefragt, wer ich bin, lautet eine mögliche Antwort: Ich heisse Sandra, bin Philosophin, bald 50 und wohne in der Schweiz. Es gäbe noch viele andere Kategorien, in die ich mich einordnen könnte, je nach Umfeld, in welchem diese Frage gestellt wird. Einige dieser Kategorien habe ich mir selbst ausgesucht. Ich wollte Philosophie studieren, ich bin zwar in der Schweiz geboren, aber ich hätte diese auch irgendwann verlassen können, was ich aber nicht tat. In andere bin ich quasi hineingeboren. Ich bin eine Frau, ich habe ein bestimmtes Alter, weil ich zu dem Zeitpunkt geboren wurde, den ich seit da als meinen Geburtstag feiere. Kategorien helfen, mich in unserem Gesellschaftssystem zu positionieren, einzuordnen.

«Den Ausgangspunkt bilden bei Identitäten Kategorisierungen und Vorstellungen darüber, warum und auf wen sie anzuwenden seien. IN einem zweiten Schritt prägen Identitäten Vorstellungen hinsichtlich des richtigen Verhaltens. Drittens haben sie Einfluss darauf, wie andere Menschen Sie behandeln. Und schliesslich sind all diese Dimensionen der Identität bestreitbar und geben stets Anlass zu Streitigkeiten über die Frage, wer dazugehört, wie die betreffenden Menschen beschaffen sind, wie sie sich verhalten und wie sie behandelt werden sollten.»

Kategorien, in die ich mich einordne, wende ich auch bei anderen an, so dass sie für mich als Menschen fassbarer werden. Das ist grundsätzlich unproblematisch, so lange ich diese Kategorien dann nicht dazu nutze, andere aufgrund dieser Zuordnung schlecht zu behandeln, was leider immer wieder getan wird auf sexistische, rassistische oder andere unterdrückende Weise. Wir vergessen dabei, dass die Kategorien allesamt menschgemacht sind, es sind Strukturen in unserem System, die unser System verständlich machen sollen. Die Kategorien sind dem Menschen nicht immanent, sie gehören nicht zu seiner Essenz. Schon Sartre sagte, dass die Existenz der Essenz vorausgeht, wir also zuerst alle Menschen sind, erst dann bilden wir Identitäten aus.

Leider wird das oft vergessen, wenn es darum geht, Menschen entgegenzutreten. Vor allem wenn diese einer Gruppe oder Kategorie angehören, der wir kritisch gegenüberstehen, sehen wir sie oft mehr als Vertreter dieser Gruppe und weniger als einzelnen Menschen. Wir stützen uns auf Klischeevorstellungen der Kategorie und verhalten uns so, als wären diese dem Menschen eingeschrieben, als machten sie ihn aus, statt wirklich hinzusehen, mit wem wir es zu tun haben. Damit werden wir nicht nur dem einzelnen Menschen nicht gerecht, wir laufen auch Gefahr, Fronten zu bilden zwischen uns hier und unserer Kategorie, und denen da mit ihrer. Dass so keine wirkliche Begegnung von Mensch zu Mensch möglich ist, liegt auf der Hand. Und genau diese brauchen wir, wenn wir wirklich als Menschen unter Menschen leben wollen.

Es gab mal ein Lied „Das ganze Leben ist ein Spiel, und wir sind nur die Kandidaten“ – irgendwie hat das was für sich. Rollen sind wichtig in gewissen Umfeldern, damit man zugeordnet werden kann. Als Arzt übernimmt man für die Zeit des Tätigseins die Rolle des Arztes. Beim Lehrer dasselbe. Oft fällt dann im Privaten auf, dass die Rolle nicht ganz abgelegt werden kann (vornehmlich bei Lehrern). Um ernst zu bleiben: So gesehen sind Rollen wichtig. Noch wichtiger ist aber, zu erkennen, dass es Rollen sind, die an- und abgestreift werden können. Und darunter liegt was. Im Indischen gibt es die schöne Begrüssung „Namaste“. Das Göttliche in mir grüsst das Göttliche in dir. Damit ist genau dieser Kern gemeint, der uns tief in uns ausmacht – und auch verbindet.Und dieser Kern will gesehen werden. Von dir. Von mir. Gegenseitig. Und von jedem bei sich selbst.

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Buchtipp: Kwame Anthony Appiah: Identitäten. Die Fiktion der Zugehörigkeit, Hanser Berlin, München 2021.

Tagesgedanken: Die Welt teilen

Da sitzt man so in dieser Welt und mit einem leben viele andere ebenfalls da. Man hat sie nicht ausgewählt, man kennt sie häufig gar nicht, sie sind mitunter sehr verschieden von einem selbst – und man versucht, irgendwie damit klarzukommen. Die eigene Sicht wird in Frage gestellt, die eigenen Überzeugungen treffen auf fremde. Damit umzugehen ist nicht immer leicht und oft kommt es dadurch zu Streit. Wir vergessen schnell einmal, dass wir als die, welche wir sind, nur das sehen, was in unserem Blickfeld ist, weil wir stehen, wo wir stehen. Der andere steht vielleicht anders, sieht dadurch andere Facetten, die von uns aus unsichtbar sind. Und doch beharren wir gerne auf unserer Sicht – sie ist schliesslich alles, was wir haben. Denken wir. Als die Einzelnen, die wir sind.

Wir könnten mehr haben. Und es wäre wichtig und nötig, dies zu sehen und uns entsprechend zu verhalten. Wir sind nicht nur Einzelne, wir sind auch ein Teil eines Ganzen, einer Gemeinschaft. Wenn wir als die zusammenleben wollen (und wir haben quasi keine andere Wahl), müssen wir einen Weg finden, die Welt nicht nur zu bewohnen, sondern sie zu teilen. Dann entstünden

«Gemeinschaften, in denen das, was allgemein, jeder und jedem zukommend und für alle verbindlich ist, nicht etwas Vorausgesetztes und vermeintlich Selbstverständliches ist, sondern ein erst in Praktiken und Beziehungen herzustellender Bezugspunkt, den wir teilen müssen, um ihn zu erfahren: gekommen, um zu bleiben.»

Wir müssen realisieren, dass wir einander brauchen, denn keiner schafft alles allein. Hannah Arendt sagte, dass wir ohneeinander verloren wären. Dies sollten wir uns hinter die Ohren schreiben. Wir alle haben das gleiche Recht, auf dieser Welt zu wohnen, wir alle möchten das möglichst friedlich tun. Wir haben es in der Hand, in was für einer Gemeinschaft wir leben wollen, denn wir tragen unseren Anteil dazu bei. Es ist an uns – wie Sabine Hark schreibt:

«Gemeinschaftlichkeit dergestalt zu imaginieren, dass neue, transversale und nicht an der Grenze der menschlichen Spezies Halt machende Verwandtschaften zwischen Verschiedenen, die doch füreinander Gleiche sind, wirklich werden.»

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Buchtipp: Sabine Hark: Gemeinschaft der Ungewählten. Umrisse eines politischen Ethos der Kohabition, edition suhrkamp, Berlin 2021.

Verantwortung übernehmen

Wir leben in dieser Welt und sind von ihr abhängig, da wir ohne sie nicht leben könnten. Und doch verhalten wir uns so, als ginge die Welt uns nichts an, als könnten wir uns in der Natur bedienen, diese ausbeuten und zerstören, ohne dass dies irgendetwas mit uns zu tun hat. Wir zerstören die Leben von Tausenden, Millionen von Menschen an entlegenen Orten durch unser tun und fühlen uns doch nicht verantwortlich dafür: Es sind zu viele, sie sind gesichtslos für uns, die Kausalkette von Tun und Wirkung ist zu abstrakt. 

«Die Art, wie sich ein Individuum verhält, ist eine Antwort, nicht bloss eine Reaktion, auf seine Umwelt; sie ist jeweils eine signifikante Art, sich auf die Welt zu beziehen.»

Mit dieser Art zu leben heute, machen wir nicht nur unsere Umwelt kaputt, wir laufen auch in die Gefahr, unsere Gesellschaftsstrukturen so zu gestalten, dass sie totalitäre Systeme ermöglichen. Die Gleichschaltung unserer kapitalistischen Ziele, welche immer weniger Pluralität und immer mehr Gleichförmigkeit mit sich bringt, bedeutet das schleichende Ende einer Welt, in der ein Individuum noch nach seinem eigenen Willen leben kann. Es braucht ein Umdenken, eine Aufklärung, die an die heutigen Bedürfnisse von Mensch und Welt angepasst ist. 

Der Mensch ist gefordert, andere Menschen, Tiere, die Natur auf eine Weise wertzuschätzen, die ein Zusammenleben ermöglicht, das für die Lebewesen ein gutes ist, und das die Natur wieder aufatmen lässt. Das bedingt, dass wir Grenzen setzen da, wo Technik und Profitdenken Risiken bergen, wo sie Vernichtung mit sich bringen können: Die Vernichtung des freien Willens, die Vernichtung von natürlichen Lebensräumen, die Vernichtung möglichen Lebens in dieser Welt. Wir brauchen ein Bewusstsein für die Verwundbarkeit der Welt. 

Mit dem Bewusstsein um die Verwundbarkeit der Welt geht auch das unserer eigenen Verwundbarkeit einher. Wir werden in der Welt, wie wir sie gestalten, leben, und unter ihr leiden müssen, wenn sie weiter zu Grunde gerichtet wird. Wir werden die Konsequenzen tragen und es wird auch uns an die Substanz gehen, wenn wir nicht wieder neue Wege finden, diese kurzfristig mit noch grösseren zu erwartenden Schäden zu umgehen. Es liegt also in unserer Verantwortung, unser heutiges Tun so zu verändern, dass wir nicht weiter Schaden zufügen, sondern endlich beginnen, diesen wiedergutzumachen. Wir müssen unser alltägliches Verhalten den Erfordernissen anpassen – und das kann jeder für sich tun.

Immer wieder hört man dann: Ich bin ja nur ein kleines Licht. Das bringt doch nichts, wenn ich mich einschränke. Die da oben sollen endlich was tun. Am besten befehlen. Nur: Würden sie befehlen, fühlte man sich wieder bevormundet, in der eigenen Freiheit eingeschränkt, und ich sehe schon die wütenden Protestierer, die um diese ihre Freiheit auf die Strasse gehen. Jetzt hätten wir die Freiheit, selbst zu handeln. Ohne Befehl, nur im Bewusstsein, das richtige tun zu müssen – weil wir es wollen (sollten).

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Buchtipp zur Vertiefung des Themas:
Corine Pelluchon: Das Zeitalter des Lebendigen. Eine neue Philosophie der Aufklärung

Ein Buch darüber, ob Aufklärung noch zeitgemäss ist, ob wir nach allem, was die Vergangenheit und Gegenwart an Krisen mit sich brachten, noch auf diese zurückgreifen können. Corine Pelluchon skizziert eine neue Form von Aufklärung, die den Gefahren, die auf uns lauern, wenn wir so weiterleben wie bisher, entgegentritt. Sie propagiert kritisches Hinterfragen von aktuellen Verhaltensweisen und strukturellen Systemen, plädiert für einen Humanismus in Bezug auf Tier- und Menschenrechte, setzt als Ziel eine ökologische und demokratische Gesellschaft, die von Freiheit geprägt ist und doch die notwendigen ökologischen Zwänge berücksichtigt.

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Angaben zum Buch:

  • Herausgeber ‏ : ‎ wbg Academic in Wissenschaftliche Buchgesellschaft (WBG); 1. Edition (22. Oktober 2021)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 320 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3534273605
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3534273607

Hannah Arendt: Vita Activa oder Vom tätigen Leben

Inhalt

«Für den Menschen heisst Leben…’unter Menschen weilen’ (inter homines esse) und Sterben soviel wie ‘aufhören unter Menschen zu weilen’ (desinere inter homines esse).

In ihrem Werk «Vita activa oder Vom tätigen Leben befasst sich Hannah Arendt mit den menschlichen Grundtätigkeiten, damit, was Menschen tun, wenn sie leben. Sie unterteilt diese in drei Kategorien: Das Arbeiten (alles, was für den Lebenserhalt notwendig ist), das Herstellen (das Schaffen von überdauernden Gütern) und das Handeln (den Umgang von Menschen miteinander, das Tun und Sprechen zum Zwecke der Gestaltung der gemeinsamen Welt). Während Arbeiten und Herstellen notwendig sind für das Leben und Überleben in dieser Welt, ist Handeln das, was den Menschen erst wirklich zum Menschen macht. Es ist das tätige In-der-Welt-Sein als viele Menschen (Pluralität), durch welches sich das jeweilige Wer des einzelnen Menschen offenbart und sich gleichzeitig in das Wir einfügt.

Weitere Betrachtungen

«Es liegt in der Natur eines jeden Anfangs, dass er, von dem Gewesenen und Geschehenen her gesehen, schlechterdings unerwartet und unerrechenbar in die Welt bricht.»

Wir Menschen neigen dazu, das Leben als Kausalkette zu sehen. Dinge passieren, so denken wir, weil wir sie so geplant haben, weil aus dem vorher zwangsläufig dies oder jenes hervorgehen könnte. Kommt es anders, sind wir erstaunt, um dann eine neue Erklärung zu finden, wieso es so kam. Kierkegaard sagte dazu, dass sich das Leben immer nur rückwärts erklärt, aber vorwärts gelebt werden muss. 

Nun ist es nicht so, dass wir dem Leben willkürlich ausgeliefert sind, keine eigenen Entscheidungsmöglichkeiten haben, sondern uns in die Dinge fügen müssen, wie sie sich darbieten. Es hilft aber, ein kleines bisschen Demut zu bewahren, wenn Dinge gelingen, denn sie hätten durchaus auch misslingen können – das gilt für uns selbst wie auch für andere. Nicht jeder, der im Leben nicht auf der Sonnenseite steht, hat dies selbst verschuldet, es ist nicht nur Dummheit, Faulheit oder mangelnder Wille, wenn Menschen durch die gesellschaftlichen Maschen fallen, sondern oft das Leben, das Menschen mit Schicksalen bedenkt, welche diese weder erwarten noch bewältigen konnten.

Dies im Blick, ist es an uns, dafür zu sorgen, dass diese Gesellschaft so aufgebaut ist, dass sie für diese Menschen Halt bietet, dass sie schaut, dass keiner durch die Maschen fällt, dass das Grundanliegen ist, dass jeder Mensch in Würde leben kann. Wir haben nur diese eine Welt und wir können sie gemeinsam gestalten – was würde unser Leben für einen Sinn ergeben ohne sie?

«Jede menschliche Tätigkeit spielt in einer Umgebung von Dingen und Menschen; in ihr ist sie lokalisiert und ohne sie verlöre sie jeden Sinn. Diese umgebende Welt wiederum, in die ein jeder hineingeboren ist, verdankt wesentlich dem Menschen ihre Existenz…»

Hannah Arendt kritisiert die Verherrlichung der Arbeit, während das politische Handeln, welches erst eigentlich den Menschen und sein Leben in der Welt ausmacht, vernachlässigt wird. Sie betont die Notwendigkeit des Miteinandersprechens, da nur durch dieses die Möglichkeit besteht, die Welt zu gestalten.

Sie weist auf die Gefahren der modernen Massengesellschaften hin, in welchen nicht mehr Menschen miteinander sprechen, sondern die statt eines Jemands von Niemanden beherrscht werden, welche sich hinter bürokratischen Abläufen verstecken und damit jeglicher Verantwortung entgehen.

«Wo immer es um die Relevanz der Sprache geht, kommt Politik notwendigerweise ins Spiel; denn Menschen sind nur darum zur Politik begabte Wesen, weil sie mit Sprache begabte Wesen sind.»

Indem Menschen einen öffentlichen Raum schaffen, in welchem sie gemeinsam über die geteilte Welt sprechen, betreiben sie Politik und nur insofern sind sie frei.

Fazit
Ein umfassendes, scharfsinniges und tiefgründiges Buch über das menschliche Tun und was es heisst, ein verantwortungsvoller und politisch aktiver Mensch zu sein.

Hannah Arendt (eigentlich Johanna Arendt)
Geboren am 14. Oktober 1906 in Linden bei Hannover als Tochter jüdischer Eltern. Obwohl sie sich keiner religiösen Gemeinschaft anschloss, sah sie sich immer als Jüdin.
Studium bei Martin Heidegger (die Liebschaft ist wohlbekannt) und später Promotion bei Karl Jaspers. 1933 Flucht nach Frankreich, 1940 Internierung im Lager Gurs, aus welchem ihr die Flucht gelang. 1941 Ankunft in New York. Verschiedene Tätigkeiten fürs Überleben und auch aus Überzeugung, daneben Publikation mehrerer Artikel. Später Lehrtätigkeit und mehrere für die Philosophie herausragende Werke (Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft, Eichmann in Jerusalem, Vita Activa). Sie stirbt am 4. Dezember 1975 in New York.

Utopien

Als ich ein Kind war, spielte ich gerne mit Lego. Ich hatte immer ausgefallene Ideen, was ich bauen wollte (es gab noch nicht so viele fertige Bausätze mit seitenlangen Bauanleitungen) und versuchte dann, dies umzusetzen. Mein Vater wollte mir immer helfen, mir zeigen, wie es geht, doch das machte mich wütend. Ich wollte es selber herausfinden. Mein Vater hat mir bis ins Erwachsenenalter vorgeworfen, dass ich mir schon als Kind nicht helfen lassen wollte. Zwar stimmt das nicht ganz, da ich durchaus Hilfe annehme, wo ich etwas nicht selbst kann oder können will, aber nicht da, wo ich der Überzeugung bin, es selbst zu schaffen.

Es gibt dieses schöne Wort der Selbstermächtigung. Ich finde es zentral in Bezug auf das Menschsein, auf die Selbstachtung als Mensch und damit die eigene Würde. Menschen, die nicht wissen, dass sie selbst etwas bewirken können, fühlen sich (und sind meist auch wirklich) Opfer der Umstände und damit hilflos und abhängig von anderen. Dieses Gefühl der eigenen Ohnmacht nagt am Selbstbild und damit an der Selbstachtung. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das jemand will. Umso mehr erstaunen mich aktuell geführte Diskussionen, wenn es um Themen wie zum Beispiel Rassismus geht.

Eine aktuell populäre Sicht bei der heutigen Thematisierung von Rassismus (die ursprünglich aus den Staaten zu uns kam) ist, dass Weisse aufgrund ihrer Hautfarbe per se rassistisch seien, weil sie in der Geschichte die Schwarzen unterdrückt haben. Rassismus so gesehen ist also quasi in ihren Genen eingebrannt, und sie können dem nicht entkommen.

Nicht nur zementiert diese Argumentation die Fronten schwarz-weiss, sie macht Schwarze auch zu ewigen Opfern. Wenn dem Weissen der Täterstatus eingebrannt ist, ist es dem Schwarzen das Opfertum. Tun wir jemandem damit einen Gefallen oder macht diese Sicht irgendetwas besser? Ich denke, das Gegenteil ist der Fall. Menschen so gesehen spricht ihnen die Würde ab, die auch darauf beruht, dass Menschen frei sind, sich zu ändern. So schreibt Avishai Margalit in seinem Buch „Politik der Würde“:

„der grundlegende Respekt vor jedem einzelnen orientiert sich an dem, was er in Zukunft tun könnte, nicht an dem, was er in der Vergangenheit getan hat. Achtung ist dem Menschen nicht dafür zu zollen, in welchem Grad er sein Leben tatsächlich zu ändern vermag, sondern allein für die Möglichkeit der Veränderung.“

Margalit fährt fort, dass ein Mensch nicht durch seine Vergangenheit determiniert (wenn auch durchaus geprägt), sondern zu jedem Zeitpunkt frei ist, sich und sein Verhalten zu ändern. Wenn dies schon für das eigene Verhalten gilt, wie viel grösser muss also die Möglichkeit einer Veränderung über Generationen sein, in denen durchaus ein Denkprozess stattfand und auch Massnahmen zur Abschaffung von Rassismus erfolgreich durchgesetzt werden (nicht zu verstehen als diesen vollständig aus der Welt schaffen) konnten?

Ich bin der Meinung, dass wir genau hinschauen müssen, wo heute noch strukturelle Benachteiligungen existieren, und wir müssen diese gemeinsam angehen. Betroffene sollten aber nicht nur von den Anderen Veränderungen erwarten, sondern sie sollten sich auch als Akteure sehen (können). Auch dafür ist ein Miteinander wichtig, dass ein Raum geschaffen wird, in welchem es möglich ist, für die eigenen Rechte und gegen Benachteiligungen einzustehen. Dann gibt es keine Täter und Opfer durch von aussen definierte Kriterien, sondern eine gemeinsame Welt mit gemeinsamen Werten und Zielen, welche diese gestalten sollen, und in der jeder seinen Platz hat.

Ich mag Utopien… und ich glaube, sie könnten oft verwirklicht werden.


Leseempfehlung: Avishai Margalit: Politik der Würde, Suhrkamp Verlag, 2. Auflage, Berlin 2018.

Die beste aller möglichen Welten

Hier in Spanien gibt es in den Felsen der Hügel Höhlen. In diesen Höhlen wohnen Menschen, die sonst kein Zuhause haben in der Welt. Gestern erzählte mir jemand von einem jungen Mann aus Dänemark, der in einer solchen Höhle lebt. Er spricht ein wenig Deutsch, Französisch, Englisch, Spanisch, hält sich mit einigen Gelegenheitsjobs soweit über Wasser, dass er nicht verhungert. Seine Schuhe haben Löcher, so dass die Zehen rausschauen. Alles, was er hat, trägt er bei sich – es ist wenig.

Vor dem Einkaufszentrum, in welchem ich hier meine Lebensmittel einkaufe, sitzt seit Jahren Tag für Tag ein Mann in ausgeleierter Kleidung, mit verfilzten Haaren. Bei ihm sind seine zwei Hunde. Er sitzt da bei den Einkaufswagen, hilft ab und zu, wenn jemand Hilfe benötigt, spielt ansonsten auf dem Handy. Wir grüssen uns immer freundlich, wir kennen uns und wissen doch nichts voneinander.

Ich frage mich immer wieder, wie es soweit kommen kann. „In unseren Breitengraden wird jedem geholfen, da muss keiner so enden.“ Das hörte ich grad gestern wieder. Und ich glaube das nicht. Ich glaube nicht, dass einer von den Menschen hier in den Höhlen sich als Lebensziel gesetzt hat, da zu landen. Als ich davon anfing, dass es möglich sein muss, unsere Wirtschaft so zu verändern, dass wirklich allen geholfen ist, wurde ich als naive Philosophin hingestellt. Nun ja, ich sage nicht, dass es einfach ist, aber ich bin überzeugt, dass es theoretisch möglich sein müsste. Ich bilde mir nicht ein, dass ich diese Lösung als einzige finden würde, aber darüber nachdenken möchte ich. Zumal ich denke, dass der erste Schritt in eine bessere Welt das wachsende Bewusstsein ist, das geweckt werden muss. Nicht nur in Bezug auf die Armut in der Welt, sondern auch in Bezug auf unsere ökologischen Probleme, die dringend einer Lösung bedürfen, wollen wir unsere Welt nicht an die Wand fahren. Die Lösungen müssen nachhaltiger sein als einfach Benzin durch ebenso schädliche Autobatterien zu ersetzen. Es reicht nicht, Oberflächenkorrekturen vorzunehmen, wir müssen in die Tiefe steigen:

Was hat welche Wirkung, was brauchen wir, welche Mittel haben wir, das zu erreichen und wie setzen wir es um. Ich möchte daran glauben, dass ich nicht einfach eine naive Philosophin bin, sondern dass es gelingen kann, die Welt zu einer zu machen, in der wir alle ein gutes Leben leben können. Auch die nachfolgenden Generationen.

Als ich gestern meine Hoffnungen für eine bessere Welt mit weniger Armut äusserte, kamen doch auch Reaktionen, dass diese utopisch sei – weil schon so lange nicht realisiert. Ich frage mich: Was ist die Alternative? Die Welt dem Abgrund geweiht zu sehen und schon mal vorsorglich reinzuspringen? Das möchte ich nicht glauben. Ich habe mich bislang im Leben nicht als Optimisten gesehen, wobei ich wohl auch kein Pessimist bin – und doch möchte ich mich hier zur optimistischen Seite zählen, frei nach dem Spruch von Theo Lingen:

„Lieber ein enttäuschter Optimist, als ein Pessimist, der recht hat.“

Wir leben in einer Welt mit verschiedenen Ungleichgewichten: arm – reich, Frau – Mann, Schwarze – Weisse, Mensch – Natur, Staat – Wirtschaft. Im Vergleich zu früher haben wir in verschiedenen Punkten Verbesserungen erreicht (das Patriarchat ist rechtlich abgeschafft, in den Köpfen muss noch einiges gehen, Rassismus ist mehr ins Bewusstsein gerückt, etc. ), was Hoffnung auf mehr macht, in anderen Punkten wurde es eher schlimmer (die Ausbeutung der Natur schreitet voran), in meinen Augen aber nicht hoffnungslos. Was sicher ist: Um Veränderungen zu bewirken, bedarf es eines Umdenkens. Wir müssen weg von der Mentalität, dass der Staat unsere Bedürfnisse befriedigen muss, hin zu einem Denken für mehr Gemeinwohl. Weg aus der egozentrierten Selbstoptimierungshaltung hin zu mehr Gemeinsinn. Wir müssen hinsehen und erkennen, welchen Beitrag wir selber leisten. Und wir müssen bereit sein, etwas zu verändern, auch wenn wir selber dadurch Einschränkungen erleben. Wir haben das Glück, in einer Demokratie zu leben, was die wohl einzige Staatsform ist, die Möglichkeiten bietet, gemeinsam Probleme zu bewältigen. Dazu müssen wir uns aber auch einbringen und in den Dialog treten.

Martha Nussbaum: Königreich der Angst

Gedanken zur aktuellen politischen Krise

Inhalt

„Wenn Menschen Angst voreinander und vor einer unbekannten Zukunft haben, führt dies leicht dazu, dass ein Sündenbock gesucht wird, dass Rachefantasien und ein giftiger Neid auf die Bessergestellten (seien es die Wahlsieger oder die sozial und wirtschaftlich Mächtigeren aufkommen.“

Wir leben aktuell in einer Welt, durch die ein tiefer Riss geht. Die gesellschaftliche Spaltung zeigt sich in verschiedenen Bereichen, sie vergrössert sich in den Verhältnissen von arm und reich, aber auch in den verschiedenen Gesinnungen der Menschen. Menschen bilden Gruppen und stellen sich gegen andere Gruppen, man befeuert sich gegenseitig innerhalb der eigenen Gruppe, der Dialog mit der anders denkenden fällt aus. Das Gefühl eines Miteinanders im Grossen ist schon lange Geschichte und die Gräben werden immer tiefer.

Wie kam es dazu? Was hat dazu geführt, dass sich Menschen immer mehr voneinander entfernen und entfremden? Martha Nussbaum geht diesem Problem auf den Grund und kommt zum Schluss, dass politische Vorgänge immer auf Emotionen gründen, allen voran rangiert die Angst. Menschen sehen sich durch die zunehmende Globalisierung immer machtloser und kleiner, sie fürchten um ihren Platz in der Welt. Aus Angst heraus suchen sie Schuldige für diese Gefühle und finden sie auch: Andere Rassen, Geschlechter, Religionen, etc.

Wir müssen diese Mechanismen erkennen, damit wir sie aus der Welt schaffen und wieder zusammenwachsen können. Martha Nussbaums Buch ist ein guter Weg dahin.

Weitere Betrachtungen

„Die Schuldzuweisung gibt uns eine Strategie an die Hand: Jetzt werde ich meinen Willen mit Toben und Lärmen durchsetzen. Doch sie drückt auch ein ihr zugrunde liegendes Bild von der Welt aus: Die Welt sollte uns geben, was wir verlangen. Wenn Menschen das nicht tun, sind sie böse.“

Niemand ist gerne machtlos, man möchte etwas tun, man möchte sich die eigene Welt sichern und sich in der Welt, in der man lebt, zu Hause fühlen. Aus dieser Hilflosigkeit und Angst heraus begehren wir auf, wir nutzen soziale Medien und die Kraft der Gruppe, um unseren Unmut kundzutun. Wir fühlen uns in der Gruppe stark und gehen gegen die Sündenböcke los. Und bei dem Unterfangen erwarten wir, dass der Staat hinter uns steht. Er soll uns die Welt bereiten, die wir uns wünschen. Tut er das nicht, unterstellen wir ihm falsche Interessen und Prioritäten.

In dieser Haltung zeigt sich eines deutlich: Der Mensch sieht sich als Konsument in einer Welt, die für ihn wie ein Markt funktionieren soll. Während laut Forderungen zur Befriedigung der eigenen Interessen gestellt werden, schwindet die aktive Teilhabe an politischen Vorgängen immer mehr.

„In allen Gesellschaften werden Gruppen von Menschen marginalisiert und als zweitrangig behandelt… Im Gegensatz dazu ist in modernen Demokratien die. öffentliche Norm in der Regel eine des gleichen Respekts und der gleichen Berücksichtigung. Wenn es zur Herabstufung einer Gruppe kommt, verletzt dies die eigenen Gerechtigkeitsnormen der Gesellschaft.“

Die Demokratie ist die Staatsform, in der die Macht beim Volk liegt, sprich, das Volk hat es durch seine Teilhabe in der Hand, die Umstände im Sinne der eigenen Werte zu gestalten. Die Verfassung ist Ausdruck dieser Werte, die Umsetzung kann durchgesetzt werden. Dazu bedarf es aber der aktiven Teilhabe durch staatliche Rechtsmittel, lauter Protest und innerstaatliche Grabenkämpfe sind da wenig hilfreich.

Wir müssen aufpassen, denn:

„Die Demokratie kann zerbrechen, wenn wir der Angst nachgeben.“

Persönlicher Bezug

„Sokratisches Denken ist eine Praxis der Hoffnung, weil es eine Welt des Zuhörens, der leisen Stimmen und des gemeinsamen Respekts vor der Vernunft schafft.“

Ich wünsche mir eine Welt, in der wir wieder miteinander reden und gemeinsam für die gute Sache kämpfen. Ich wünsche mir eine Welt, in der nicht der recht hat, welcher am lautesten schreit, sondern wir durch das Zusammentragen von verschiedenen Stimmen eine gemeinsame Lösung finden. Ich wünsche mir eine Welt, in der wir einander wieder zuhören, voneinander lernen, aneinander wachsen. Ich wünsche mir eine Welt, in der wir uns nicht immer weiter voneinander entfernen, sondern wieder mehr zusammenwachsen.

Fazit
Ein tiefgründiges, differenziertes und doch gut lesbares Buch über das Phänomen der Angst und deren gefährlichen Folgen für die Gesellschaft und die Demokratie. Sehr empfehlenswert.

Autorin
Martha Nussbaum ist Philosophin und Professorin für Rechtswissenschaften und Ethik an der University of Chicago. Mit ihrem umfangreichen Werk hat sie mehrere Literaturpreise und über sechzig wissenschaftliche Ehrengrade erhalten und gilt als eine der profiliertesten Philosophinnen der Gegenwart.

Angaben zum Buch
Herausgeber: wbg Theiss in Wissenschaftliche Buchgesellschaft (WBG); 1. Edition (14. Januar 2019)
Gebundene Ausgabe: 304 Seiten
Übersetzung: Manfred Weltecke
ISBN-Nr.: 978-3806238754

Wie retten wir unsere Demokratie?

Am 24. Juni 1995 wurde Südafrika zum Rugby-Weltmeister gekürt. Rugby war in Südafrika bis dahin der Sport der Weissen gewesen, Schwarze wurden lange Jahre vom Sport ausgeschlossen. Nelson Mandela wollte aufzeigen, dass Sport verbinden kann, er überreichte dem Siegerteam in dessen Trikot die Trophäe und zu Tränen gerührt verkündeten die Spieler, diesen Sieg für ganz Südafrika geholt zu haben. An diesem Abend feierten alle gemeinsam, Schwarze und Weisse, diesen Triumph. Die Springboks, die früher für die Apartheid standen, wurden zu einem Symbol der Hoffnung. Das hätte nach den Jahren der Apartheid mit all ihren grausamen, diskriminierenden Massnahmen gegen die schwarze Bevölkerung der Anfang eines friedlichen Zusammenlebens sein können. Leider fehlte dafür der Mann, der es in die Hand nahm, und die rassistischen Zustände in Südafrika verstärkten sich wieder.

Was Nelson Mandela aufzeigte, war, dass wir verbindende Massnahmen brauchen, keine trennenden, wenn wir einem System Herr werden wollen, das Menschen diskriminiert. Die Menschen weiter gegeneinander aufzuhetzen, um eigene Interessen (so wichtig und richtig sie auch sein mögen) durchzusetzen, wird zu keinem friedlichen Miteinander führen. Leider ist das bis heute in vielen Köpfen nicht angekommen, im Gegenteil:

Immer mehr (mehrheitlich) Linke konzentrieren sich auf eine Identitäts-Politik, indem sie sich auf eine Gruppe von Minderheiten konzentrieren, deren Rechte sie durchsetzen wollen. Zwar ist der Einsatz für benachteiligte Gruppen und deren Gleichberechtigung und Würde zu befürworten, allerdings werden dazu aktuell mehrheitlich Opfernarrative bemüht, welche dazu dienen sollen, sich gegen andere Gruppen zu behaupten. Das führt dazu, dass es zu einer immer grösseren Aufspaltung der Gesellschaft kommt. Die Menschen fühlen sich nicht mehr als Teil der (staatlichen) Gemeinschaft, sondern als Teil einer kleinen Gruppe, welche gegen andere Gruppen kämpft. Die Solidarität untereinander nimmt ab, der Blick aufs Gemeinwohl schwindet zugunsten der Fokussierung auf partielle Interessen. Der Politologe Francis Fukuyama sieht in dieser Bewegung die Gefahr eines neuen Tribalismus.

Dass bei dieser Entwicklung immer auch Menschengruppen durch die Maschen der Aufmerksamkeit fallen, bleibt nicht aus. Vor allem die Arbeiterklasse, mehrheitlich weisse Europäer, Menschen, die finanziell und sozial am unteren Ende der Gesellschaft stehen, fühlen sich nicht mehr beachtet, sie fühlen sich in ihren Sorgen und Nöten nicht mehr wahr- und ernstgenommen und damit in der Gesellschaft und von der Politik nicht mehr repräsentiert. Das spielt populistischen Parteien in die Hände, die sich diesen Menschen annimmt und ihnen versprechen, was sie vermissen. Sie scheinen ihnen so die verloren gegangene Würde zurückzugeben. Diese Tendenz zeigt sich in vielen Nationen, in denen es zu einem deutlichen Rechtsrutsch und zu Erfolgen populistischer Parteien gekommen ist.

Ich denke, in unseren Breitengraden kann man von einer allgemeinen Befürwortung des demokratischen Systems sprechen – welches andere politische System wäre besser? Eine liberale Demokratie gestattet es dem Menschen, in grösstmöglicher Freiheit im Wissen um den Schutz derselben und der eigenen Person und Eigentumsverhältnisse zu leben und an der Steuerung des Landes teilzuhaben durch die demokratischen Mittel, die das Volk gemeinsam in den Händen hat. Nur: Diese Befürwortung verkommt mehr und mehr zur Theorie, die tatsächliche Lage der Nation sieht anders aus.

Wollen wir die Demokratie retten und damit ein Gesellschaftssystem der Teilhabe bewahren, müssen wir den Blick wieder vermehrt auf das Gemeinwohl lenken. Oft wird das mit einem Abbau individueller Rechte und Freiheiten gleichgesetzt, was aber nicht stimmt, eigentlich im Gegenteil. Indem wir uns politisch dafür einsetzen, dass wir ein System realisieren können, in welchem Diskriminierung und Unterdrückung beseitigt werden, in welchem jeder Bürger die gleichen Rechte an der Teilhabe und Möglichkeiten, seine Fähigkeiten zu verwirklichen, hat, verbessern wir die Lage jedes Einzelnen und fördern auch das Gemeinwohl, weil eine Gesellschaft mit weniger Ungleichheiten zugleich eine besser gestellte ist, eine, in welcher Menschen untereinander eine Verbindung spüren und nicht gegeneinander ins Feld ziehen.

Die Grundfragen, die sich stellen, sind immer wieder dieselben:

Was ist ein gutes Leben?
In was für einer Gesellschaft wollen wir leben?

Wenn wir nur darauf fokussieren, was für uns persönlich ein gutes Leben wäre, dabei nicht berücksichtigen, dass wir als Individuen nie ohne die soziale Welt auskommen können, ignorieren wir die Bedingungen, die überhaupt erst ein gutes Leben ermöglichen. Der Blick auf Einzelinteressen wird immer zum Ausschluss der Anderen führen und damit nichts Gutes bringen. Identitätspolitik, die nur die Interessen der eigenen Gruppe vertritt, wird für diese Gruppe und die Gemeinschaft keine gute Welt schaffen. Es wäre an der Zeit, sich wieder mehr auf den integrativen Charakter der Demokratie zu konzentrieren. Wir müssen als Gemeinschaft für gerechte Strukturen innerhalb unseres demokratischen Systems sorgen, wir haben es durch unsere Teilhabe an politischen Entscheiden in der Hand, unser Land mitzugestalten und damit die Lebensbedingungen der Menschen in ihm.

Fukuyamas Lösung für das Problem besteht darin, „größere und einheitlichere nationale Identitäten zu definieren, welche die Mannigfaltigkeit liberaler demokratischer Gesellschaften berücksichtigen“*. Es gilt, ein nationales Bewusstsein zu entwickeln, das auf Rechtsstaatlichkeit, Gleichberechtigung und Menschenwürde baut und nicht durch Volkszugehörigkeit, Rasse, Geschlecht oder Religion bestimmt ist. Dieses einende Bewusstsein könnte auch der Tendenz der letzten Jahre, dass immer weniger Menschen wirklich an der Demokratie partizipieren, entgegen wirken. Dies war nämlich ein weiterer Effekt der vermehrten Individualisierung: Man war kaum mehr bereit, sich für etwas zu engagieren, zu dem man sich nicht zugehörig fühlt.

Um diese Teilhabe wirklich zu befördern, bedarf es einer politischen Bildung, die bereits in der Schule stattfinden müsste. Demokratisches Handeln muss gelernt, Werte und Möglichkeiten müssen vermittelt werden, damit sie umgesetzt werden können. Dazu gehört auch der Blick auf Missstände wie Diskriminierung. Dazu gehört auch der Blick auf historisches Unrecht, das es künftig zu vermeiden gilt. Dazu gehört auch der Blick aufs Ganze, weg vom Einzelnen. Nur wenn wir sehen, dass wir nicht nur vom Staat fordern können, was wir denken, dass es uns gebührt, sondern als Bürger auch etwas zurückgeben müssen, werden wir einen Staat und damit ein Zusammenleben gestalten können, in dem jeder die Anerkennung bekommt, die ihm zusteht, weil er ein Mensch unter Menschen ist und dadurch die gleiche Würde, den gleichen Wert besitzt.

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*vgl. zu dem Thema Francis Fukuyama, Identität: Wie der Verlust unserer Würde die Demokratie gefährdet

Flüchtlinge – oder: Werte auf dem Prüfstand

Lange dachten viele von uns hier im westlichen Europa, wir wären die Generationen, die nie einen Krieg erlebt haben oder erleben würden. Zwar gab es auf der Welt durchaus Krieg, doch der war immer woanders. Er war weit weg und wir verschlossen die Augen, so gut es eben ging. Gestört in unserer heilen Welt wurden wir nur, wenn Menschen aus Kriegsgebieten plötzlich in Scharen über die Grenzen wollten, wenn Menschen, die nicht mehr bleiben konnten, wo sie waren, Zuflucht suchten.

Unsere Sicht mussten wir revidieren. Es ist Krieg. Und er ist nicht so weit weg, als dass er uns nicht betreffen müsste. Ein machtbesessener, grössenwahnsinniger und selbstherrlicher Herrscher will sich ein Denkmal setzen und sein Machtgebiet zu ihm genehmen Grössen anwachsen lassen. Dafür geht er sprichwörtlich über Leichen, überschreitet mit fadenscheinigen (wenn auch durchaus immer mit ein bisschen Wahrscheinlichkeit behafteten) Gründen ebenso sprichwörtlich die Grenzen. Die Ukraine verteidigt ihr Land, sie sagen, wenn nötig mit allem, was nötig ist, was schlussendlich das Leben sein kann. Und oft sein wird. Viele Menschen fliehen, weil ein Leben so nicht mehr lebenswert, oft nicht mal mehr lebbar ist. Häuser liegen in Trümmern, die Welt, wie sie mal war, existiert für sie nicht mehr.

„Flüchtlinge sind heutzutage jene unter uns, die das Pech hatten, mittellos in einem neuen Land anzukommen und auf die Hilfe der Flüchlingskomitees angewiesen waren.“*

Diese Worte stammen von Hannah Arendt, zum ersten Mal erschienen sie 1943 in der Zeitschrift The Menorah Journal im Aufsatz We Refugees (Wir Flüchtlinge). Auch wenn sie sich in diesem Aufsatz auf die Flucht der Juden aus Deutschland bezieht, hat sich an der Grundproblematik bis heute nichts geändert – das Thema ist aktuell und wird es so lange bleiben, wie irgendwo auf der Welt Krieg herrscht.

„Wir haben unser Zuhause und damit die Vertrautheit des Alltags verloren. Wir haben unseren Beruf verloren und damit das Vertrauen eingebüsst, in dieser Welt irgendwie von Nutzen zu sein.“*

Immer wieder hört man, Flüchtlinge überfluten unsere Länder, sie machen unsere Kultur kaputt, weil sie zu viel von ihrer mitbringen. Die Menschen hier sehen sich in ihrer Identität gefährdet, weil sie plötzlich mit Neuem konfrontiert sind. Nur: Wenn man sich mal mit der anderen Seite befasst, sieht man, dass nicht die Menschen hier es sind, deren Identität in Gefahr ist. Die Menschen, die hier herkommen, die ihre Sprache, ihre Gebräuche, ihre Gewohnheiten hinter sich lassen mussten, oft auch die Mehrheit der Familie und Freunde, sie sitzen in einem fremden Land, in dem sie von vielen nicht willkommen sind, sind fremden Bräuchen ausgeliefert und haben vieles, das Bestandteil ihrer Identität war, verloren. Vielleicht ist es vor diesem Hintergrund klar, dass sie sich ein paar Dinge bewahren wollen – und sei es nur die Religion, die denen, die glauben, Halt geben kann in einer sonst haltlosen Situation.

„Der Mensch ist ein geselliges Tier, und sein Leben fällt ihm schwer, wenn er von seinen sozialen Beziehungen abgeschnitten ist. Moralische Wertvorstellungen sind viel leichter im gesellschaftlichen Kontext aufrecht zu erhalten.“*

Man sperrt Flüchtlinge in Heime, am liebsten möglichst weg von den Siedlungen der Menschen hier. Es wird von Standortentwertung gesprochen durch Flüchtlingsheime, man fürchtet um Leib und Leben, fühlt sich nicht mehr sicher, wenn die Flüchtlinge hier sind. Fast könnte man meinen, es ginge um eine Horde wilder Tiere, über die gesprochen wird, aber nein, es sind Menschen.

Leiden verbindet, insofern ist es nicht verwunderlich, dass Menschen, die hierher kamen durch eine Flucht, sich aneinander halten. Da viele hier zudem Berührungsängste haben, bleibt den Neuankömmlingen (diese Bezeichnung hätte sich Hannah Arendt statt Flüchtling gewünscht) wenig anderes übrig. Genau das ist aber problematisch. Wie sollen sich Menschen hier integrieren können, wenn man sie ausschliesst? Wie sollen sie unsere Gebräuche kennenlernen und sich einbringen lernen, wenn man sie nicht lässt? Wie sollen sie sich hier heimisch fühlen, wenn man sie wie Aussätzige behandelt?

Wir sprechen immer von Menschlichkeit und Mitgefühl, schreiben ethische Werte auf unsere Flaggen, aber: Wenn es drauf ankommt, ist sich oft jeder der Nächste. Dann zählt plötzlich der Schutz der eigenen Persönlichkeit, die man durch das Kommen (zu vieler, wie man findet) Fremder gefährdet sieht, mehr als Hilfe für oft um Leib und Leben bangende Menschen, die die grössten Strapazen auf sich nahmen, nur um wenigstens eine Chance auf Überleben zu haben. Schön wäre es, würde es nicht beim Überleben bleiben, sondern ein Leben draus. Und da sind wir gefordert.

Flüchtlinge nehmen uns nicht die Arbeit weg, sie haben ihre verloren. Sie stehlen auch unser Geld nicht. Wir haben Gesetze und Richtlinien, wie man Menschen in welchen Notlagen helfen kann – so funktioniert ein Sozialstaat, zu dem wir alle grundsätzlich ja sagen – ansonsten müsste man die gesetzlichen Grundlagen ändern, nicht den Flüchtlingen die Schuld zuweisen, denn sie haben weder die Gesetze gemacht noch können sie irgendwas hier bewegen. Insofern sind sie Gäste in einer fremden Kultur, an der sie in vielen Bereichen nicht teilhaben können.

Es wird nun an uns sein, zu zeigen, dass Werte wie Menschlichkeit, Empathie und Solidarität nicht nur leere Worte sind. Es wird an uns sein, Gastfreundschaft zu zeigen, gemeinsam ein gesellschaftliches Klima zu schaffen, in welchem Menschen, die dringend Zuflucht brauchen, diese finden und fühlen: Hier darf ich sein, hier kann ich auf- und durchatmen.

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*Hannah Arendt: Wir Flüchtlinge

In der Welt zu Hause sein


Wir werden in eine Welt geworfen, die wir uns nicht ausgesucht haben und die nicht auf uns gewartet hat. Wir wachsen in diese Welt hinein, lernen, wie sie funktioniert, was von uns erwartet wird. Je nach Kultur und Zeit und sozialem Umfeld sehen diese Erwartungen anders aus, was überall gleich ist: Wir sollten sie erfüllen. Doch was, wenn sich diese Erwartungen nicht passend anfühlen? Was, wenn wir es nicht schaffen, sie zu erfüllen? Was, wenn wir uns fremd in dieser Welt fühlen, die doch die unsere ist, entfremdet von der Welt durch unser und in unserem Sein?

„Ob Leben gelingt oder misslingt, hängt davon ab, auf welche Weise Welt (passiv) erfahren und (aktiv) angeeignet oder anverwandelt wird und werden kann…Zentral ist die Idee einer Differenz zwischen gelingenden und misslingenden Weltverhältnissen, die sich nicht am Ressourcen- oder Verfügungsreichtum und auch nicht an der Weltreichweite festmachen lässt, sondern am Grad der Verbundenheit mit und der Offenheit gegenüber anderen Menschen (und Dingen).“ *


Eine Welt, die wir als für uns passend wahrnehmen, muss etwas in uns zum Klingen bringen. Wir müssen eine Verbindung wahrnehmen, etwas, an das wir mit unserem Sein anknüpfen können. Wir müssen in unserem So-Sein die Welt als etwas erfahren, in dem wir aufgehoben sind, das uns etwas angeht, weil sie zu uns spricht.

„Subjektivität [entsteht] immer schon aus und in einer Bezogenheit auf Welt… Subjekte erfahren sich als in eine Welt gestellt, die sie etwas angeht, und dieses ‚Angehen‘ ist von positiver oder negativer Bedeutsamkeit. Die Dinge sprechen uns an oder sagen uns zu – oder sie stossen uns ab; wenn uns etwas nichts sage, so impliziert dies, dass wir keine Beziehung dazu haben.“*

Wir leben als Individuen nie unabhängig von der Welt, unser Selbst bestimmen wir immer relational zur Umwelt. Egal, ob uns diese gefällt oder eher abstösst, wir setzen uns dazu in Bezug und schaffen aus dieser Beziehung unser Selbstbild. Diese Bestimmung ist allerdings nicht für immer festgesetzt, sie ist nicht in Stein gemeisselt, sondern sie kann sich über die Zeit auch verändern.

„Weltbeziehungen sind stets dynamisch, sie konstituieren sich in und durch die prozesshaften Begegnungen von Subjekt und Welt.“*

Das hängt damit zusammen, dass sich die Welt verändert durch das, was tagtäglich in ihr vorgeht, aber auch, weil wir uns selber verändern – besonders stark im Heranwachsen, aber auch später noch. Je nach Lebensabschnitt befinden wir uns an einer anderen Stelle in unserem Sein und damit auch in einer anderen Rolle in der Welt, die uns umgibt. Einerseits haben wir andere Bedürfnisse an diese je nach Lebensplan, andererseits hat auch sie andere Erwartungen an uns. Dieses Zusammenspiel von Erwartungen und Anpassungen, von Beziehungsgefügen ist ein dynamisches, aber in dieser Dynamik kontinuierlich wandelndes.

Die Frage nach dem eigenen Sein, nach dem gelingenden Leben, kann nie im luftleeren Raum gestellt werden. Wir sind als soziale Wesen in eine Welt und ein menschliches Umfeld eingebettet, mit dem wir in einer irgendwie gearteten Beziehung stehen. Einerseits prägt uns dieses Umfeld, andererseits wollen wir uns in diesem Umfeld behaupten als die, die wir sind. Wir wollen ein Leben leben, das dem entspricht, das wir für uns als die, als die wir uns sehen, passend erachten.

Fühlen wir uns mit diesem Lebensentwurf nicht mehr zur Welt passend, kommt es zu einem Gefühl von Entfremdung. Zwar können wir uns nicht aus der Beziehung zu dieser Welt lösen, doch wir können sie auch nicht leben. Wenn wir uns zu sehr in die Welt einfügen, kann es dazu führen, dass wir uns von uns selbst entfremden. Ein gelingendes Leben kann also nur dann stattfinden, wenn zwischen uns und der Welt eine Beziehung besteht, die lebt.

„Die Vorstellung, dass Menschen selbstinterpretierende Wesen sind, impliziert, dass ihre Weltbeziehungen niemals schlechthin gegeben sind, sondern in individuellen und kulturellen Deutungsprozessen stetig artikuliert, re-konstituiert, verhandelt und transformiert werden. Sie bedeutet zugleich, dass Selbstinterpretation immer und notwendig auch Weltinterpretationen sind und umgekehrt.“*

Nun ist die Welt nicht einfach gesetzt im Sinne einer unveränderlichen objektiven Grösse. Die Welt ist immer auch das, was wir in ihr sehen, wie wir sie deuten, interpretieren. Insofern schaffen wir uns unsere Welt zu einem Stück selber durch die Perspektive, die wir ihr gegenüber einnehmen. Um also zu einem gelingenden Leben innerhalb der Welt um uns zu gelangen, bedarf es eines offenen Blickes auf diese Welt. Wir müssen bereit sein, uns von der Welt berühren zu lassen. Wir müssen sie mit all ihren Möglichkeiten und von verschiedenen Seiten betrachten und nach Antworten suchen auf unser Fragen an das Leben und die Welt. Wo finden wir einen Resonanzrahmen, wo die Möglichkeit, uns mit unseren Bedürfnissen wahr- und angenommen zu fühlen? Ebenso müssen wir offen bleiben gegenüber den Bedürfnissen der Menschen um uns und auf diese antworten. Erst durch dieses gegenseitige In-Beziehung-Treten, das sich als gegenseitige Anerkennung*** äussert, wird ein gelingendes Leben als soziale Menschen in einer gemeinsamen Welt möglich.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass für ein gelingendes Leben zuerst ein Selbstbild nötig ist, welches wir durch unseren Weltbezug und unsere Bedürfnisse für unser in der Welt Sein festlegen. Zweitens bedarf es eines aktiven In-Beziehung-Tretens, indem wir nach Antworten suchen und im Gegenzug auch auf die Welt antworten, so dass ein Resonanzraum entsteht. Durch diese Interaktion des gegenseitigen Aufeinander-Beziehens, durch die gegenseitige Anerkennung, verhaften wir uns in der Welt als selbstbestimmte Wesen, die gemeinsam mit anderen als je eigenständige und selbstbestimmte Wesen an dieser Welt partizipieren.


*Zitate aus: Hartmut Rosa, Resonanz
**mehr zum Thema Entfremdung: Rahel Jaeggi, Entfremdung
***mehr zum Thema Anerkennung: Axel Honneth

Buchtipps zum Thema

  • Hartmut Rosa: Resonanz. Eine Soziologie der Weltbeziehung, Suhrkamp Verlag, Berlin 2016.
  • Rahel Jaeggi: Entfremdung, Suhrkamp Verlag, Berlin 2016.
  • Axel Honneth: Kampf um Anerkennung, Suhrkamp Verlag, Berlin 2016.

Carolin Emcke: Gegen den Hass

Inhalt

„Der Hass richtet sich das Objekt des Jasses zurecht. Es wird passgenau gemacht.“

Was geht in Menschen vor, die andere bedrohen, angreifen, verletzen, abwerten? Was bewegt Menschen, anderen Leid anzutun, nur weil sie von dem abweichen, was man selber als Norm gesetzt hat? Wir scheinen in einer Welt zu leben, die Pluralität ausschliessen möchte, um unter Gleichen gefühlt sicher zu leben. Dass damit eine Demokratie nicht lebbar ist, ist das Eine, das Andere ist, dass wir auf diese Weise kein friedliches Miteinander erreichen werden als Gesellschaft.

Carolin Emcke geht der Frage nach dem Hass nach, sie hinterfragt die Beweggründe und Muster desselben, zeigt auf dessen Auswirkungen für einzelne Menschen, die Gesellschaft und das politische System. Sie ruft auf zu mehr Mut zum Widerstand, zur Akzeptanz von Pluralität und zu einer humanistischeren Haltung.

Weitere Betrachtungen

„Sie müssen sich sicher sein. Ohne jeden Zweifel. Am Hass zweifelnd lässt sich nicht hassen. Zweifelnd könnten sie nicht so ausser sich sein. Um zu hassen braucht es absolute Gewissheit. Jedes Vielleicht wäre da störend. Jedes Womöglich unterwanderte den Hass, zöge Energie ab, de doch gerade kanalisiert werden soll. Gehasst wird ungenau.“

Hass ist ein starkes Gefühl und dahinter steckt eine Sicherheit, dass er gerechtfertigt ist. Das Bild steht, die Meinung ist gemacht, der Andere ist der Feind und man kann diesem nur mit Hass begegnen, da er das Eigene gefährdet. So wenig differenziert und doch so in Stein gemeisselt erscheint die Gesinnung, die sich als Rassismus und Fanatismus äussert.

„Gehasst wird aufwärts oder abwärts, in jedem Fall in einer vertikalen Blickachse, gegen „die da oben“ oder „die da unten“, immer ist es das kategorial „Andere“, das das „Eigene“ unterdrückt oder bedroht…“

Feindbilder verbinden und trennen. Sie verbinden die Einen mit den Gleichgesinnten, den Mithassern, weil allen gemeinsam das Feindbild der Anderen ist, gegen welche sie mit vereinten Kräften vorgehen in ihrem Hass.

„Um dem Hass und dem Fanatismus mit Reinheit zu begegnen, braucht es aber auch zivilgesellschaftlichen (und zivilen) Widerstand gegen die Techniken des Ausgrenzens und Eingrenzens, gegen die Raster der Wahrnehmung, die manche sichtbar und andere unsichtbar machen, gegen die Blick-Regime, die Individuen, nur noch als Stellvertreter von Kollektiven gelten lassen. Es braucht mutigen Einspruch gegen all die kleinen und gemeinen Formen der Demütigung und der Erniedrigung ebenso wie Gesetze und Praktiken des Beistands und der Solidarität mit denen, die ausgeschlossen werden.“

Wir können dem nur begegnen, wenn wir aufhören, Fronten zu bilden, wenn wir das Trennende durch das Verbindende ersetzen. Wir müssen uns bewusst werden, wo Aus- und Eingrenzungen stattfinden, müssen hinter diese Mechanismen blicken und die sie auslösenden Annahmen entkräften. Wir müssen wieder beginnen, Menschen als Individuen zu sehen und nicht als Vertreter eines (fremden und deswegen abgelehnten) Kollektivs. Wir müssen hinschauen, wenn Menschen gedemütigt und diskriminiert werden und uns dagegen stellen. Schweigen ist feige, Schweigen über Hass, Rassismus und Fanatismus, über Gewalt und Diskriminierung ist im Grunde Unterstützung von alledem.

„Nur wenn die Raster des Hasses ersetzt werden, nur wenn „Ähnlichkeiten entdeckt (werden), wo vorher nur Differenzen gesehen (wurden), kann Empathie entstehen.“

Persönlicher Bezug

„Du willst, dass es aufhört. Du willst nicht, dass nur manche sichtbar sind, nur diejenigen, die irgendeinem Ebenbild entsprechen, das jemand einmal erfunden und als Norm ausgegeben hat. Du willst, dass es reicht, ein Mensch zu sein, dass es keine weiteren Eigenschaften oder Merkmale braucht, um gesehen zu werden… Du willst, dass es aufhört, weil es eine Kränkung für alle ist, nicht nur für diejenigen, die übersehen und zu Boden gestossen werden.“

Es fängt vieles schon bei uns selber an. Wenn wir uns selber hassen, stufen wir uns automatisch tiefer ein als andere und der Umstand, dass die Anderen dann über uns stehen, gibt ihnen quasi mehr Wert und damit mehr Rechte – zu Unrecht. Kein anderer hat das Recht auf unsere Psyche oder unseren Körper. Was so offensichtlich klingt, ist im Alltag vieler nicht so einfach. Wir leben in Systemen, welche Wertverteilungen und Marginalisierungen in sich tragen und die in diesen Systemen Lebenden bis tief ins Unbewusste prägen. So sind wir uns der eigenen Abwertung oft nicht bewusst. Und genauso unbewusst fallen Abwertungen anderer aus – wir verhalten uns in einer kulturell geprägten Art und unterstützen damit immer weiter die strukturelle Gewalt.

So gesehen sind wir nicht einfach Opfer einer Kultur, wir haben einiges selber in der Hand. Aber wir leben in ebendieser Kultur und müssen ihre zugrundeliegenden Muster und Prägungen aufdecken und durchbrechen, um zu einer Veränderung zu kommen.

Fazit
Ein analytisches, differenziertes, ausführliches Buch über die gefährlichen Mechanismen und Auswirkungen von Ausgrenzung, Diskriminierung und Hass. Sehr empfehlenswert.

Autorin
Carolin Emcke, geboren 1967, studierte Philosophie in London, Frankfurt/Main und Harvard. Sie promovierte über den Begriff »kollektiver Identitäten«.Von 1998 bis 2013 bereiste Carolin Emcke weltweit Krisenregionen und berichtete darüber. 2003/2004 war sie als Visiting Lecturer für Politische Theorie an der Yale University.Sie ist freie Publizistin und engagiert sich immer wieder mit künstlerischen Projekten und Interventionen, u.a. die Thementage »Krieg erzählen« am Haus der Kulturen der Welt. Seit über zehn Jahren organisiert und moderiert Carolin Emcke die monatliche Diskussionsreihe »Streitraum« an der Schaubühne Berlin. Für ihr Schaffen wurde sie mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Theodor-Wolff-Preis, dem Otto-Brenner-Preis für kritischen Journalismus, dem Lessing-Preis des Freistaates Sachsen und dem Merck-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. 2016 erhielt sie den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Bei S. Fischer erschienen ›Von den Kriegen. Briefe an Freunde‹, ›Stumme Gewalt. Nachdenken über die RAF‹, ›Wie wir begehren‹, ›Weil es sagbar ist: Über Zeugenschaft und Gerechtigkeit‹ sowie ›Gegen den Hass‹.

Angaben zum Buch
Herausgeber: FISCHER Taschenbuch; 3. Edition (23. Mai 2018)
Taschenbuch: 240 SeitenISBN-Nr.: 978-3596296873