Ich bin ja kein Rassist, aber

„Ich bin ja kein Rassist, aber…“ Wer einen Satz so beginnt, der begründet gleich nicht seine weltoffene Haltung, sondern outet sich als das, was er vorgibt, nicht zu sein. Nun könnte man sagen, das ginge ja noch, es könnte schlimmer sein, nämlich ganz braun, ganz abwehrend, zugebend rassistisch, nur: Mit solchen Statements wird ganz subtil Boden geebnet für Samen, die spriessen können. Leider spriessen keine bunten schönen Blumen, sondern braune Sumpfblüten. Unter dem Deckmantel, eigentlich kein Rassist zu sein, kann man nun alles sagen, was man offen nicht sagen dürfte. Man kann gegen die Natels der Flüchtlinge schimpfen, die sie nicht haben dürften, weil man selber auch kein tolles hat. Man darf mosern, die hätten viel schönere Kleidung und sollen sich nicht so haben, wenn sie in Zelten oder Kellern schlafen, sei ja immer noch besser als Krieg. Und man darf Hierarchien erstellen, wer nun wirklich Flüchtling ist und wer nicht: Krieg ist gut, verhungern zählt nicht. Und generell sind die, welche herkommen, eh nie echt, man selber könnte sich ja keine Reise nach Syrien oder sonst wohin leisten.

Aber nein, man ist natürlich kein Rassist. Man will nur für Recht und Ordnung sorgen im eigenen Land, schliesslich ist das ja auch klein und man hat nur begrenzt Platz und Geld und genug eigene Probleme. Und zudem ist es das eigene Steuergeld, das für diese Profiteure verprasst wird.

Zum Glück gibt es andere. Menschen die helfen. Ganze Dörfer haben sich schon organisiert und Flüchtlinge aufgenommen. Nicht nur in Heimen, sondern im Alltagsleben. Es gibt Menschen wie eine junge Frau, die 30 Syrern ein Dach über dem Kopf gab, oder Till Schweiger, der gegen Fremdenhass sprach und nun ein Flüchtlingsheim auf die Beine stellen will. Beide ernten ganz laut Spott und Häme – gar Hass. Die Kommentare bei der jungen Frau waren dabei besonders schlimm: „Die kriegte wohl sonst keinen Mann ab“, „Sex gibt es gratis obendrauf“ waren noch harmlos, Hitlerbilder folgten…

Die Welt rückt nach rechts. Wenn man dagegen spricht, wird man angegangen, man rede selber nur und sei ein Gutmensch, der von nichts eine Ahnung habe. Das darf nicht sein. Klar sind Worte noch nicht die Lösung allen Übels, aber sie sind ein Anfang. Sie sollen Boden schaffen nicht für braune Sumpfblüten, sondern für eine bunte Blumenpracht. Diese soll Herzen öffnen, denn nur so werden wir als Menschheit überhaupt überleben können langfristig.

11 Comments

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  1. Sandra ein super Beitrag, ausgenommen der Till Schweiger. Der Kernsatz liegt gleich zu Anfang „Wer einen Satz so beginnt, der begründet gleich nicht seine weltoffene Haltung, sondern outet sich als das, was er vorgibt, nicht zu sein. “ Dies ist das, was ich in meinen Beiden, wie mir gestern einer sagte, grotenschlechten Gedichte – Gedanken zum Ausdruck brachte – http://juergen-und-ursula-zwilling.de/article.php?action=show&nid=452&category=10 und http://juergen-und-ursula-zwilling.de/article.php?action=show&nid=478&category=10, abgerundet mit meinen Gedanken zum Spießer http://juergen-und-ursula-zwilling.de/article.php?action=show&nid=537&category=10. Jetzt gestattet mir, eine Mainzer Mentalitäts Antwort – „den Arsch in der Sonne im Mittelmeer bräunen, den Sonnenbrand als Promi posten und dann sagen ist bin nicht rechts – diese Einstellung kotzt mich an „

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    • Ich denke, man muss differenzieren. Prominente werden gehört. Das war immer so. Schon in den Weltkriegen waren es Schriftsteller und andere Berühmte, die ihre Stimme gaben für die gute Sache – und auch agierten. Nur weil jemand prominent ist, ist er nicht gleich immer profilierungssüchtig. Es gibt viele Promis, die schon lange Gutes tun. Jeder, der für die gute Sache Stimmung macht, ist hilfreich, denn die anderen sind zahlreich und sie pflügen das Gelände für den braunen Sumpf.

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  2. Man erkennt schon, gegen welche Personen Sie schreiben. Jedoch:
    1. Rassismus und Einwanderung sind unterschiedliche Probleme. Eine kausale Verbindung zu unterstellen, zeigt den eigenen ideologische Bias, der vernünftige Diskussionen über b e i d e Probleme verhindert.
    2. Toleranz ist keine Einbahnstraße und die Komplexität und Rechtlichkeit der Einwanderung werden fahrlässig übergangen, wenn man sämtliche Bedenken kurz als Rassismus abstempelt.
    3. „Ich bin ja kein Rassist, aber…“
    Was dieser Satz leider auch demonstriert, IMHO, ist, dass sich viele Menschen durch den politisch-korrekten Gesinningsfaschismus hier zu dieser Vor-Aussage gezwungen sehen.
    Nette Grüße

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    • Ich stimme grundsätzlich zu, dass Rassismus und Einwanderung zwei verschiedene Themen sind (grundsätzlich). Allerdings sind es oft dieselben Menschen (wenn nicht fast ausschliesslich), die in beiden Themen Stimmung machen. Auch wenn die Einwanderungsthematik andere Facetten aufweist als Rassismus pur, so werden die Argumente oft hin und her geschoben und die Grundhaltung dahinter ist dieselbe. Aus diesem Grund schien es mir legitim, das hier zu mischen.

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      • Ich verstehe Ihr gutes Motiv. Bitte beachten Sie jedoch, dass wenn vernünftige Menschen „vermischen“, dann finden (besonders) dies auch die extremen Elemente legitim. Und wenn wir alle vermischen, sterben auch die Argumente und wir sind zurück zum ideologischen links-rechts-Gesinnungskampf. MMn.

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  3. Ich finde das noch eine problematische Haltung, wenn man jemandem bereits quasi Rassismus unterstellen will (oder er würde zumindest bereits den Boden dafür ebnen), wenn er damit anfängt, er sei ja kein Rassist aber ….
    Es kann gut sein, dass er Angst davor hat, vorschnell als Rassist abgestempelt zu werden und deshalb macht er schon mal präventiv diesen Satz.
    Ich finde es zudem auch problematisch, wenn man hinter allem und jedem bereits Rassismus wittert und die Rassismusstrafnorm deckt ja nun wirklich nur sehr grobe Sachen ab, die in der Öffentlichkeit geäussert werden müssen und weitere Voraussetzungen beinhalten, die erfüllt werden müssen, damit überhaupt eine Straftat vorliegt; und der Rest läuft dann eben unter die Meinungsäusserungsfreiheit.

    Ich finde, man könnte dies gut am Gedicht von Grass exemplifizieren „Was gesagt werden muss“. Da war man sich ja in der deutschen Mainstream-Presse einig, dass dies ein antisemitische Pamphlet sei. Auf der anderen Seite gab es z.B. einen Moshe Zuckermann, der da nichts „Anstössiges“ finden konnte.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Moshe_Zuckermann

    Moshe Zuckermann hat dies ja in einem Artikel auch sehr gut erklärt, weshalb seiner Ansicht nach die Mainstream-Presse falsch liegt.

    http://www.hintergrund.de/201204062011/feuilleton/zeitfragen/was-auch-noch-gesagt-werden-muss.html

    Interessant wäre zumindest in diesem Kontext auch das Buch von Moshe Zuckermann mit dem Titel: Antisemit!“. Ein Vorwurf als Herrschaftsinstrument.

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    • Ich denke durchaus, dass dieser Vorschub meist dann kommt, wenn danach eine eigentlich rassistische oder so gemeinte Äusserung kommt. Sicher würde man nichts vorschicken, wenn danach nichts heikles käme. Es mag Ausnahmen geben, aber ich denke trotzdem, dass diese genau das sind: Ausnahmen und nicht die Regel.

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  4. Hallo,
    Danke für diesen Blogpost. Ich verstehe kein bißchen, warum in den Kommentaren diskutiert und argumentiert wird. Bei allen intelektuellen Argumenten erscheint mir das wie Augenwischerei und Ablenkerei. Wenn jemand einen Satz wie beschrieben anfängt, ist dies genau so zu sehen, wie das Sandra(Pia?) schreibt. Ich bin übrigens kein Till Schweiger-Fan, doch seine Aktionen finde ich sehr gut. Selbst seine Familie wird bedroht, denkt Ihr wirklich, dass ihm reine Profilierungssucht dazu treibt, wenn es soweit kommt?

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