Heute stiess ich im Netz auf die Aktion der wunderbaren Künstlerin Ute Bescht (ihr erinnert euch vielleicht an ihr Porträt HIER):

Sie spricht damit ein Thema an, das mich schon viele Jahre begleitet:

Du bist nicht gut genug!

Sprich:

Ich bin nicht gut genug.

Ich hatte dieses Gefühl in vielen Varianten – teilweise kriegte ich es vermittelt oder ich sagte mir die Sätze selber:

Du bist nicht schön genug.
Du bist nicht klug genug.
Du bist nicht gut genug.
Du bist nicht offen genug.
Du bist nicht talentiert genug.
Du bist nicht fröhlich genug.
Du bist nicht umgänglich genug.
Du bist nicht normal genug.
Du bist nicht … genug.

Ich war einfach nie genug, was ich auch tat. Als ich jung war, litt ich sehr darunter. Je älter ich wurde, desto öfter konnte ich hinstehen und sagen:

He, ich bin wie ich bin – und das ist gut so.

Zumindest gegen andere. Innen nagte es weiter und im Innern wiederholte ich die Sätze und stand mir damit im Weg. Ich verfolgte Dinge nicht weiter, weil ich mir sagte, nicht gut genug zu sein. Damit nahm ich mir die Freude und auch die Möglichkeit, mir selber zu beweisen, dass ich es eben doch kann. Dass ich eben doch gut bin, gut genug.

Damit möchte ich nicht sagen, dass ich alles kann und überall gut bin. Aber: Ich bin gut genug und wenn ich es will, dann kann ich auch besser werden. Das kann ich aber nur, indem ich die Dinge tue und an sie glaube. Indem ich an mich glaube.

Es wird immer wieder Menschen geben, die mir sagen wollen, wie ich mein Leben leben müsste. Das sind Menschen, die denken, ihre Form des Lebens sei die (einzig) richtige und die mich in diese Form pressen wollen. Aber ich bin nicht wie sie. Und ich muss es nicht sein. Das müssen sie nicht begreifen, wichtig ist, dass ich es begreife – und danach lebe.

Ich bin gut, wie ich bin. Ich bin gut genug. Ich bin genug.

 

Du kannst das nicht.

Sagt leise eine Stimme. In dir.

Du bist nicht gut genug.

Spricht sie weiter. Du würdest sie gerne stoppen, aber du denkst: Irgendwo hat sie recht. Es reicht wirklich nicht. Du siehst so viel um dich, das du nicht kannst. Wie sollte das, was du tust (und du redest noch nicht mal von Können) irgendwohin reichen?

Das ist toll!

Sagt einer. Du reisst die Augen auf und denkst:

Was sieht er?

Du glaubst ihm nicht. Aber du glaubst jedem, der etwas sagt, das man nur im entferntesten Sinne als Kritik auffassen könnte. Oder notfalls was hinein interpretieren.

Wieso eigentlich?

Es gibt so Tage, an denen will nichts gelingen. Und während du da sitzt und entweder gar nicht in die Gänge kommst oder aber probierst und probierst und alles versandet, zerrinnen die Stunden und die Selbstzweifel kommen. Wie böse Dämonen sitzen sie in deinem Hirn und sprechen zu dir:

„Was machst du da überhaupt?“
„Du kannst doch eh nichts!“
„Andere können alles viel besser!“

Das sind nur einige der schönen Dinge, die sie dir zuflüstern und du neigst dazu, ihnen zu glauben. Vor allem an solchen Tagen. Und du schimpfst mit dir und schiltst dich eine dumme Kuh, die irgendwelchen Träumen nachhängt, statt etwas Sinnvolles zu leisten. Andere retten die Welt, heilen Menschen, erforschen gerade das Weltall. Du sitzt hier und willst Kunst machen. Und du machst es nicht mal gut. Ok, das eine oder andere Stück gefällt dir ganz gut, aber im Ganzen ist keine Linie, ist kein Stil, ist keine Konstanz. Es sind Anfängerwerke von einem Anfänger, der nicht weiss, ob er je mehr sein wird als ein Anfänger – oder eben einer, der lange übte und doch nirgends hinkam.

Also aufgeben? Das geht nicht. Denn: Nie hast du etwas gehabt in deinem Leben, das dir mehr bedeutete, das dir mehr gab, mit dem du dich – ausgenommen an solchen Tagen – besser fühltest. Nie gelang es dir sonst, dich in etwas so zu verlieren und dich damit gut zu fühlen, wie jetzt.

Es bleibt also nur eines: Weiter machen. Im Wissen, dass immer wieder solche Tage kommen werden. Und wenn die Zweifel gar zu gross sind, hilft es, auf den Weg zurückzublicken, den du schon gegangen bist. Wo hast du angefangen, was hast du seit da erreicht? Und du wirst Fortschritte sehen und wirst sehen, was du alles schon gemacht hast – Tolles gemacht hast.

Ja, du bist vielleicht noch nicht da, wo du hinwillst und du weißt vielleicht nicht mal genau, wo das genau sein wird. Du weißt aber, dass es der Weg ist, den du gehen willst und du hast Vorstellungen vom Ziel – nicht immer gleich klar, aber sie sind da und sie fühlen sich schön und richtig an. Vielleicht ist heute einer der Tage, an denen gar nichts klar ist, an denen die Dämonen rufen, zanken, schimpfen, dich auch auslachen. Aber: Der Tag geht vorbei und ein nächster kommt.

Es gibt ein Zaubermittel gegen die Dämonen, die dir sagen wollen, dass du gar nicht kannst, was du tust: Tu es und sie werden schweigen.