Die Worte sind mir ausgegangen, ich weiss nicht, wo sie sind,¨. Ich wollte so viel sagen, doch in allem fehlt der Sinn.
Ich ringe und ich kämpfe, ich weine und ich suche, ich fühle so viel schreien von ganz tief in mir drin.
Und während ich da stehe den Abgrund nur noch sehe, fühle ich auch gar nichts mehr, nur Leere in mir drin.
Es gibt nicht Form noch Farbe mehr, kein Zeichen, auch kein Bild, das mir noch sagen wollt, wer ich als ich noch bin.
Liebe war, was ich einst suchte, Liebe war, was ich auch fand, ein Hafen schien’s, ein sichrer Hort, ein Heim für mich, ein Heimatort.
Doch merk ich täglich immer mehr, dass ich hier schlicht nicht hingehör, dass ich oft falsch, dass ich nicht recht, dass ich, so wie ich bin, offenbar als Liebe schlecht
in das so passe, was gewünscht. So bliebe nur, mich anzupassen, oder aber diese Stätte schnellstens möglich zu verlassen.
Das wär, was ich nie wollen würde, das ist das, was eine Bürde, mir im Leben wär, doch wär es nicht ganz gar so schwer,
wie wenn ich nur des Steines Anstoss wär, an dem die Zehen sich der eine stiesse dem ich doch nur das Beste wollte, leider ohne, dass ich’s sein sollte.
Heute vor 76 Jahren starb Else Lasker-Schüler. Ich habe mein Glas auf diese wunderbare Dichterin, die in ihrem Stil so unverwechselbar war. Ihr zu Ehren heute ein Gedicht von ihr. Dieses passt auch gut in mein Projekt „Lyrische Hausapotheke – für jede Gelegenheit gibt es ein passendes Gedicht“
Ich bin traurig
Deine Küsse dunkeln, auf meinem Mund. Du hast mich nicht mehr lieb.
Und wie du kamst -! Blau vor Paradies;
Um deinen süßesten Brunnen Gaukelte mein Herz.
Nun will ich es schminken, Wie die Freudenmädchen Die welke Rose ihrer Lende röten.
Unsere Augen sind halb geschlossen, Wie sterbende Himmel –
Alt ist der Mond geworden. Die Nacht wird nicht mehr wach.
Du erinnerst dich meiner kaum. Wo soll ich mit meinem Herzen hin?
(Else Lasker-Schüler (1869-1945)) —- Projekt „Lyrische Helfer“ – Ein Gedicht, das man lesen kann, wenn man traurig ist oder unter Liebeskummer leidet.
Freund, der Unterschied der Erdendinge Scheinet groß und ist so oft geringe; Alter und Gestalt und Raum und Zeit Sind ein Traumbild nur der Wirklichkeit.
Träg und matt auf abgezehrten Sträuchen Sah ein Schmetterling die Raupe schleichen Und erhob sich fröhlich, argwohnfrei, Daß er Raupe selbst gewesen sei.
Traurig schlich die Alternde zum Grabe: „Ach, daß ich umsonst gelebet habe! Sterbe kinderlos und wie gering! Und da fliegt der schöne Schmetterling.“
Ängstig spann sie sich in ihre Hülle, Schlief, und als der Mutter Lebensfülle Sie erweckte, wähnte sie sich neu, Wußte nicht, was sie gewesen sei.
Freund, ein Traumreich ist das Reich der Erden. Was wir waren, was wir einst noch werden, Niemand weiß es; glücklich sind wir blind; Laß uns eins nur wissen: was wir sind.
Vor vier Jahren begann alles mit den ABC-Etüden. Damals schrieb ich meistens mit, irgedwann verlor ich das Ganze ein wenig aus den Augen. Pünktlich zum Jubiläum – happy Birthday und danke für die vielen unterhaltsamen Stunden – bin ich zurück und versuche es mal wieder. Ich schrieb schon damals mehrheitlich Gedichte, auch dieses Mal soll es eines sein:
Ausbruch und Einkehr
Mein Herz schlägt orange, durchdringend als Hämmern, das grundtief erschüttert in mir die Welt.
Wie Lautsprecher dröhnt es, von tief in mir drinnen, und dringt mir durch Mark und knochentief rein.
Ich sitze und frage und weiss keine Antwort, ich suche und haste und stehe doch still.
Ich drehe im Kreis meiner eignen Gedanken, ich suche den Ausgang und stecke doch fest.
Ein Beben, ein Schweben, ein mich nicht erleben, ein Tosen, ein Schlagen, tief innen im Herz.
Ich möchte nur Ruhe, ich lege mich nieder, ich atme, ich presse, ich krieg keine Luft.
Ich bin so verloren, ich gehe mich suchen, ich lege die Arme zum Schutz um mich rum.
Und langsam fühl ich mich tief in mir geborgen, und finde den Atem und damit auch mich.
Johann Wolfgan von Goethe Bleibe nicht am Boden heften, Frisch gewagt und frisch hinaus! Kopf und Arm mit heitern Kräften, Überall sind sie zu Haus; Wo wir uns der Sonne freuen, Sind wir jede Sorge los. Daß wir uns in ihr zerstreuen, Darum ist die Welt so groß.
Wer vom Ziel nicht weiß, kann den Weg nicht haben, wird im selben Kreisall sein Leben traben; kommt am Ende hin, wo er hergerückt, hat der Menge Sinn nur noch mehr zerstückt. (Christian Morgenstern)
Die Liebe hemmet nichts; sie kennt nicht Tür noch Riegel, Und dringt durch alles sich; Sie ist ohn Anbeginn, schlug ewig ihre Flügel, Und schlägt sie ewiglich.