Immer wieder stösst man auf Fragen wie:

Was ist dein Lieblingsbuch? Welches Buch hat dich am meisten berührt, inspiriert im Leben?

Ich kann die Frage nicht beantworten, denn es sind zu viele Bücher, die ich liebe und liebte. Auch gibt es Bücher, die ich zu gewissen Zeiten liebte, später nicht mehr – und auch umgekehrt.

Zeitungen haben Ranglisten der besten Bücher der Woche, des Monats, des Jahres, es gibt einen Literaturkanon mit Büchern, die man gelesen haben muss. Kürzlich stiess im im Netz auf die Liste der 100 liebsten Bücher der Deutschen. Auch wenn ich eigentlich wenig von Listen halte, da ich immer finde, dass Literatur Stimmungs- und Geschmackssache ist, so mag ich diese Listen auch wieder. Sie zeigen, was andere Menschen gerne lesen, geben vielleicht auch den einen oder andern Tipp, was man selber noch lesen könnte – wobei ich dafür keine Anregung bräuchte, meine Liste der noch zu lesenden (oder wieder zu lesenden) Bücher wächst sowieso ins Unermessliche.

Hier die 100 liebsten Bücher der Deutschen:
1. Der Herr der Ringe, JRR Tolkien
2. Die Bibel
3. Die Säulen der Erde, Ken Follett
4. Das Parfüm, Patrick Süskind
5. Der kleine Prinz, Antoine de Saint-Exupéry
6. Buddenbrooks, Thomas Mann
7. Der Medicus, Noah Gordon
8.Der Alchimist, Paulo Coelho
9. Harry Potter und der Stein der Weisen, JK Rowling
10. Die Päpstin, Donna W. Cross
11.Tintenherz, Cornelia Funke
12. Feuer und Stein, Diana Gabaldon
13. Das Geisterhaus, Isabel Allende
14. Der Vorleser, Bernhard Schlink
15. Faust. Der Tragödie erster Teil, Johann Wolfgang von Goethe
16. Der Schatten des Windes, Carlos Ruiz Zafón
17.Stolz und Vorurteil, Jane Austen
18. Der Name der Rose, Umberto Eco
19. Illuminati, Dan Brown
20. Effi Briest, Theodor Fontane
21. Harry Potter und der Orden des Phönix, JK Rowling
22. Der Zauberberg, Thomas Mann
23. Vom Winde verweht, Margaret Mitchell
24. Siddharta, Hermann Hesse
25. Die Entdeckung des Himmels, Harry Mulisch
26. Die unendliche Geschichte, Michael Ende
27. Das verborgene Wort, Ulla Hahn
28. Die Asche meiner Mutter, Frank McCourt
29. Narziss und Goldmund, Hermann Hesse
30. Die Nebel von Avalon, Marion Zimmer Bradley
31. Deutschstunde, Siegfried Lenz
32. Die Glut, Sándor Márai
33. Homo faber, Max Frisch
34. Die Entdeckung der Langsamkeit, Sten Nadolny
35. Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins, Milan Kundera
36. Hundert Jahre Einsamkeit, Gabriel Garcia Márquez
37. Owen Meany, John Irving
38. Sofies Welt, Jostein Gaarder
39. Per Anhalter durch die Galaxis, Douglas Adams
40. Die Wand, Marlen Haushofer
41. Gottes Werk und Teufels Beitrag, John Irving
42. Die Liebe in den Zeiten der Cholera, Gabriel Garcia Márquez
43. Der Stechlin, Theodor Fontane
44. Der Steppenwolf, Hermann Hesse
45. Wer die Nachtigall stört, Harper Lee
46. Joseph und seine Brüder, Thomas Mann
47. Der Laden, Erwin Strittmatter
48. Die Blechtrommel, Günter Grass
49. Im Westen nichts Neues, Erich Maria Remarque
50. Der Schwarm, Frank Schätzing
51. Wie ein einziger Tag, Nicholas Sparks
52. Harry Potter und der Gefangene von Askaban, JK Rowling
53. Momo, Michael Ende
54. Jahrestage, Uwe Johnson
55. Traumfänger, Marlo Morgan
56. Der Fänger im Roggen, Jerome David Salinger
57. Sakrileg, Dan Brown
58. Krabat, Otfried Preußler
59. Pippi Langstrumpf, Astrid Lindgren
60. Wüstenblume, Waris Dirie Will
61. Geh, wohin dein Herz dich trägt, Susanna Tamaro
62. Hannas Töchter, Marianne Fredriksson
63. Mittsommermord, Henning Mankell
64. Die Rückkehr des Tanzlehrers, Henning Mankell
65. Das Hotel New Hampshire, John Irving
66.Krieg und Frieden, Leo N. Tolstoi
67. Das Glasperlenspiel, Hermann Hesse
68. Die Muschelsucher, Rosamunde Pilcher
69. Harry Potter und der Feuerkelch, JK Rowling
70. Tagebuch, Anne Frank
71. Salz auf unserer Haut, Benoîte Groult
72. Jauche und Levkojen , Christine Brückner
73. Die Korrekturen, Jonathan Franzen
74. Die weiße Massai, Corinne Hofmann
75. Was ich liebte, Siri Hustvedt
76. Die dreizehn Leben des Käpt’n Blaubär, Walter Moers
77. Das Lächeln der Fortuna, Rebecca Gablé
78. Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran, Eric-Emmanuel Schmitt
79. Winnetou, Karl May
80. Désirée, Annemarie Selinko
81. Nirgendwo in Afrika, Stefanie Zweig
82. Garp und wie er die Welt sah, John Irving
83. Die Sturmhöhe, Emily Brontë
84. P.S. Ich liebe Dich, Cecilia Ahern
85. 1984, George Orwell
86. Mondscheintarif, Ildiko von Kürthy
87. Paula, Isabel Allende
88. Solange du da bist, Marc Levy
89. Es muss nicht immer Kaviar sein, Johanns Mario Simmel
90. Veronika beschließt zu sterben, Paulo Coelho
91. Der Chronist der Winde, Henning Mankell
92. Der Meister und Margarita, Michail Bulgakow
93. Schachnovelle, Stefan Zweig
94. Tadellöser & Wolff, Walter Kempowski
95. Anna Karenina, Leo N. Tolstoi
96. Schuld und Sühne, Fjodor Dostojewski
97. Der Graf von Monte Christo, Alexandre Dumas
98. Der Puppenspieler, Tanja Kinkel
99. Jane Eyre, Charlotte Brontë
100. Rote Sonne, schwarzes Land, Barbara Wood

Was haltet ihr von dieser Liste? Gibt es Bücher, die in euren Augen dringend noch mit drauf müssten? Oder Bücher, welche ihr ganz schlimm findet und nicht versteht, wieso sie drauf sind?

Ich bin gespannt!

Bei mir stapeln sich die Bücher. Ich wollte sie lesen, wollte sie rezensieren. Neuerscheinungen, die gut klangen, vielversprechend. Der Klappentext machte an, das Thema auch. Ich lese an – und stecke fest. Schon nach wenigen Sätzen meldet sich ein ungutes Gefühl. Ich versuche, es zu ignorieren, lese weiter, es geht nicht weg, im Gegenteil. Ich kämpfe. Hoffe, möchte hoffen können. Beim ersten Buch war es nicht so schlimm, beim zweiten, ging es noch, ab dem dritten fing ich an zu hinterfragen: Liegt es an mir? Liegt es an den Büchern?

Ich habe mich gefragt, was es ist, das mich so ermüdet beim Lesen. Eindeutig ist es nicht, es unterscheidet sich sicher auch von Buch zu Buch. Einige Dinge, die mir auffielen (die Liste ist nicht vollständig, ich habe einiges sicher schnell vergessen/verdrängt):

  • Der rote Faden fehlt. Damit meine ich nicht, dass eine Spannung erzeugt wird, die sich irgendwann am Schluss auflöst und man bis dahin nicht weiss, wie alles zusammen hängt. Es ist mehr so ein Hin und Her zwischen Zeiten, Figuren, Perspektiven, bei welchem man ständig hin und her blättert, um zu sehen, wo man eigentlich genau ist und wer genau was wann wie gesagt, getan, gefühlt hat. Das mag ach so kreativ wirken beim Schreiben, beim Lesen finde ich es absolut ermüdend.
  • Der Anspruch, einen realistischen Roman zu schreiben, wurde zu ernst genommen. In der Folge findet man minutiöse Beschreibungen von Toilettengängen, Frühstückskaffees und endlosen Diskussionen, wie man sie selber schon nicht am Tisch führen möchte, geschweige denn lesen. Doch man entkommt ihnen nicht, will man das Buch fertig lesen. Der Protagonist spricht über sein gestriges Nachtessen, die Schlafprobleme, die verflossenen Beziehungen, die Probleme, mit dem Rauchen aufzuhören. Das mag alles prima und wunderbar sein, aber doch nicht, wenn gerade ein Mord aufgeklärt werden soll?
  • Es findet keine Handlung statt. Das ist oben sicher auch drin, aber es geht noch weiter. Ein Mensch macht mal dies, mal das, denkt mal nach, erlebt dann was. Und so geht es weiter und man sitzt so da und denkt sich: Und nun? So what? Und wenn wir schon beim Denken sind, dann gehen wir gleich weiter zum nächsten Punkt:
  • Die Gedanken sind pseudophilosophisch. Sie haben was von Küchenphilosophie (Küchenpsychologie war gestern). Kalendersprüche reloaded quasi. Damit sollte wohl eine literarische Tiefe, eine intellektuelle Note in das Buch gebracht werden – allein: Es ging ziemlich in die Hose.

Es gäbe sicher noch viel mehr. Schlussendlich bleibt bei allem das Gefühl: Es ist schlicht vertane Zeit. Es bleibt nichts zurück. Ich lese, dann ist es gelesen, Ende. Kein Nachdenken, kein wirkliches Eintauchen. Die einzige Auseinandersetzung war der Kampf, durchzuhalten. Ich habe einmal beschlossen, keine Verrisse zu schreiben. Ich möchte kein Buch negativ rezensieren (ich habe das einmal gebrochen und sogar das tut mir leid). Ein Buch zu schreiben bedeutet meist viel Herzblut, Zeit und Energie. Das achte ich. Und ja, was mir nicht gefällt, kann anderen gefallen. Ich bin wohl verwöhnt durch meine Lieblinge Thomas Mann, Theodor Fontane, Goethe, Stefan Zweig… (ich muss hier aufhören, die Liste wäre unendlich länger), es gab aber durchaus wunderbare Neuerscheinungen, meine Liste der Rezensionen spricht dafür.

Ich lese gerne, ich lese viel. Bücher zu lesen, die nicht packen, dazu ist die Zeit zu knapp. Es tut mir wirklich immer wieder leid, Bücher wegzulegen (und meist auch wegzuwerfen, meine Wände sind voll mit Bücherregalen). Und ich komme zurück: Liegt es an mir? Kommt wirklich nur noch wenig Gutes, das in der Flut der Neuerscheinungen fast untergeht?

Einmal gross sein

Der kleine Dackel Gustav hat genug davon, alles nur von unten zu sehen. Einmal möchte er auch gross sein und die Dinge von oben betrachten. Als alles nichts hilft, erhält er von einem Freund den Tipp, auf die Stadtbrücke zu gehen, da er von dort einen weiten Blick über die ganze Stadt hat. Gustav zieht los durch die Stadt. Was ihn wohl erwartet?

Hans de Beer hat schon den kleinen Eisbären Lars erfunden und damit viele Kinderherzen erobert. Mit Gustav wird ihm das genauso gelingen. Der kleine Dackel mit dem roten Pullover ist süss gezeichnet und wer könnte sein Anliegen besser verstehen als ein kleiner Mensch?

Ein wunderbares Buch über das Kleinsein, über Freundschaft, Abenteuer und Geborgenheit. Untermalt wird die Geschichte mit grossformatigen Zeichnungen, die mit viel Liebe fürs Detail gezeichnet wurden. Die Figuren wirken alle freundlich und lieblich. Ein Buch, das schöne Momente und gute Gefühle mit sich bringt!

Fazit:
Ein schönes Buch mit einem liebenswerten Helden und wunderbaren Zeichnungen. Sehr empfehlenswert.

Der Autor und Illustrator
Hans de Beer
Hans de Beer, geboren 1957 in Muiden in der Nähe von Amsterdam. Nach einem kurzen Geschichtsstudium ließ sich Hans de Beer an der Kunstschule Rietveld Art Academy in Amsterdam ausbilden. Seine Examensarbeit über den kleinen Eisbären Lars bescherte de Beer 1987 weltweiten Erfolg. Seit seinem Abschluss 1984 arbeitet Hans de Beer als freier Illustrator. Er lebt mit seiner Lebenspartnerin, einer italienischen Illustratorin, in Amsterdam und in der Nähe von Florenz.

Angaben zum Buch:
DeBeerGustavGebundene Ausgabe: 32 Seiten
Verlag: NordSüd Verlag (20. August 2015)
Empfohlenes Alter: 4 – 6 Jahre
ISBN-Nr.: 978-3314103100
Preis: EUR 13.99 / CHF 19.90

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Ich komme zum Schluss, dass Ricardo-Käufer nicht lesen können. Wieso? Das ist das Ergebnis einer langen Feldforschung. Zuerst stellte ich meine Dinge ein und klickte die Option an, dass sie vom Käufer abgeholt werden müssen. Das führte zu Käufen, nach denen dann die Frage kam, wie ich die Sache nun zu schicken gedenke. Mein Hinweis, das wäre zur Abholung wurde meist mit einem Gejammer kommentiert, wie umständlich das wäre und dass dies gar nicht ginge.

Ich ging dazu über, nicht nur den Haken zu setzen, sondern im Beschreibtext explizit zu schreiben: Muss abgeholt werden! (Mit Ausrufezeichen!) Oft wurde dann nachgefragt, ob ich es nicht vielleicht doch schicken könnte. Das würde grundsätzlich darauf schliessen lassen, dass man lesen kann, allerdings scheint die Aussage des Gelesenen nicht wirklich klar angekommen zu sein. Anders kann ich mir die Frage nicht erklären, wenn in einem Inserat sogar doppelt steht, dass es abgeholt werden muss.

Kürzlich stellte ich wieder einen Artikel bei Ricardo rein, ein Regal. Ich schrieb extra im Begleittext, dass das Regal demontiert werden müsse. Das gute Stück wurde ersteigert, der glückliche Käufer rief auch sogleich an und fragte, wann er es denn abholen könne. Ich bemerkte, dass das Teil relativ gross sei und ich nicht wisse, ob er es alleine schaffe, zumal er es auch noch demontieren müsse. Schweigen am anderen Ende, dann: „Das Regal ist noch nicht demontiert?“

Der Abschluss meines Studiums liegt nun einige Zeit zurück. Ich habe gerne studiert, studieren war mein Kindheitstraum. Ich habe mich nur durch all die Schuljahre (teilweise wirklich) gequält, weil ich immer wusste: Ich will studieren. Was genau war nicht immer klar, das schwankte oft je nach gelegtem Fokus – mal überwiegte das Herz, mal die Sinnfrage. Das Herz hat gewonnen, ich habe mich für Literaturwissenschaft und Philosophie (das waren meine persönlichen Schwerpunkte, die Sprachwissenschaft und das Nebenfach Geschichte gehörten zum geforderten Gesamtpaket dazu und waren durchaus auch wichtig, lieferten sie doch immer Grundlagen für die von mir bevorzugten Teile) entschieden.

Wenn ich an meine Studienzeit zurück  denke, gibt es neben einigen wunderbaren Vorlesungen und Seminaren (ich hatte das grosse Glück, Peter von Matt in Aktion zu erleben. Seine Art, mit Literatur umzugehen, von ihr mit einem inneren Feuer, seiner ausgeprägten Liebe und dem unglaublichen Schatz an Wissen und Hintergrund gepaart mit viel Humor zu erzählen, hat mich sicher geprägt und in meinem Weg bestärkt) zwei Studienphasen, die mir die liebsten waren:

–       die Vorbereitung auf die Literaturzwischenprüfung

–       Die Zeit meiner Masterarbeit und die Vorbereitung auf die Literaturabschlussprüfung

In der Zeit meiner Masterarbeit tauchte ich in das Leben und Schaffen Thomas Manns (ich ging förmlich auf in Thomas Mann, saugte alles auf, was ich von und über ihn fand) ein, las dessen gesamtes Werk (wenige Ausnahmen) und daneben die Gesamtwerke Schnitzlers und Goethes. Ich hatte mir viel vorgenommen, aber es war wunderbar. Neben den Gesamtwerken hatte ich das Thema Bildungsroman, auch da gab es einige „dicken Schunken“ und tollen Werke zu lesen. Diese Zeit wurde massgeblich durch meinen menschlich wie fachlich tollen Professor geprägt, Thomas Fries. Er hat es verstanden, mir Mut zu machen, wenn mich meine Selbstzweifel übermannten, er verlor nie die Geduld, wenn ich am Thema zweifelte und stand in allem immer hinter mir. Menschen von dieser Grösse und humanistischem Geist hätte ich mir mehr gewünscht in den universitären Kreisen.

Die andere Zeit, die ich herausstreichen möchte, war die Vorbereitung auf die Literaturprüfung. Es lag mir eine Liste der zu lesenden Werke vor und ich stürzte mich hinein. Lesen im Akkord könnte man es nennen, aber es war eine fruchtbare Zeit, in der ich viele mir noch unbekannte (Literatur)Welten erforschte, in sie eintauchte und ganz viel für mich mitnahm. Aus diesem Grund habe ich beschlossen, mir diese Aufgabe nochmals vorzunehmen. Ich werde die ganze Liste erneut lesen (ohne Zeit- oder sonstigen Druck) und darüber schreiben. Die komplette Liste hat den schönen Namen Selbststudieneinheit Neuere Deutsche Literaturwissenschaft.

Die dazu entstehenden Texte werden auf einer gesonderten Seite mit dem Namen „Literarische Zeitreise“ gesammelt werden.

Viel Spass denen, die mich dabei begleiten, ich freue mich drauf!

Wer liest, sollte liebevoll auf Einzelheiten achten. Gegen den Mondschein der Verallgemeinerung ist nichts einzuwenden, vorausgesetzt, er zeigt sich, nachdem die sonnigen Kleinigkeiten des Buchs liebevoll zusammengetragen wurden. Wer mit einer fertigen Verallgemeinerung an ein Buch herangeht, beginnt am falschen Ende und bewegt sich von ihm fort, bevor er angefangen hat, es zu verstehen.

Literatur lesen bedeutet für Nabokov, mit Liebe an ein Werk heranzugehen und zuerst unbedarft und ohne Erwartungen aufzunehmen, was das Buch einem bietet. Nur so sei es möglich, die neuen Welten, die in einem Werk drin stecken, zu erfassen, sie zu erleben. Jede vorgefasste Meinung über ein Buch und Erwartung daraus stellt nach Nabokov einerseits eine Ungerechtigkeit dem Autor gegenüber dar und nimmt einem andererseits die wahre Freude an dem Buch, weil man sie so nie auf das Buch selber einlässt.

Wir sollten immer daran denken, dass mit jedem Kunstwerk, ausnahmslos, eine neue Welt erschaffen wird und diese stets als erstes so gründlich wie möglich erforschen, uns ihr als etwas völlig Neuem nähern, als einer Sache, die keine offensichtliche Verbindung mit den uns bereits bekannten Welten hat.

Romane sind so gesehen immer Märchen, sie stellen nie die Wirklichkeit dar, sondern sind erfundene Geschichten in erfundenen Welten. Dabei liefert immer die Realität den Rohstoff, aus denen man die Kunst schafft, die uns am Schluss als Roman entgegen tritt. Um dies zu erfassen, muss auch der Leser Eigenschaften mitbringen, die es ihm möglich machen, so zu lesen, dass sich die neuen Welten eröffnen.

Selbstverständlich ist ein guter Leser, wie Sie es sich schon gedacht haben, jemand, der über Vorstellungskraft, ein Gedächtnis, ein Wörterbuch und eine gewisse künstlerische Einfühlungsgabe verfügt.

Nachdem Vladimir Nabokov diese Grundzüge des Lesens und Lesers geklärt hat, geht er über, grosse Werke der europäischen Literatur auf diese Weise zu durchleuchten. Er zeigt, wie in Jane Austens Mansfield Park die einzelnen Personen eingeführt werden, wie man nach und nach in die Welt eintaucht, die Jane Austen zeichnet. Er analysiert den Aufbau, die Einleitungen von Szenen, die Darstellung von Gefühlen, die Beschreibung von Situationen, weist auf Austens Stilmittel hin. Neben aller wohlwollenden Liebe zu dem Werk zeigt er auch auf dessen Schwachstellen, die sich besonders am Schluss zeigen, indem er der Autorin einen gewissen Überdruss am eigenen Werk zuschreibt, welchen er an der zerfasernden Struktur desselben festmacht.

Als nächstes Wendet sich Nabokov Dickens zu, setzt das Leseerlebnis bildlich von dessen Bleakhaus in Beziehung zu dem des Mansfield Parks. Wieder sticht er in die Tiefe des Werkes, beleuchtet die Kernmotive, analysiert sie und zeigt ihren Gang durch den Roman. Er beleuchtet die Beziehungen der Figuren untereinander, zeigt, wie diese lebendig wirken und geht auf so manches Detail der Dickenschen Romanschreibung ein. Ebenso verfährt er mit Flauberts Madame Bovary, Stevensons Dr. Jeckyll und Mr. Hyde und Kafkas Verwandlung.

Doch wieso soll man überhaupt lesen, vor allem in Anbetracht der Umstände, die das reale Leben mit sich bringen? Lesen wird, so Nabokov, nicht helfen, das Leben zu meistern oder mit seinen Umständen besser zurecht zu kommen. Es kann aber, wenn es auf die richtige Weise und mit Liebe zum Kunstwerk geschieht, ein gutes Gefühl und eine Befriedigung über einen bringen, so dass es im Leben nicht nur Widrigkeiten, sondern auch Vollkommenheit und Inspiration gibt.

In einem zweiten Teil wendet sich Vladimir Nabokov Meisterwerken der russischen Literatur zu, er spricht über Gogols Der Mantel, Tolstois Anna Karenina und Tschechows Die Dame mit dem Hündchen. Auch ein Kapitel über Dostojewski findet sich, zu dem er sich eine eigentümliche und schwierige Haltung attestiert. Er sieht in schwanken zwischen brillantem Humor und literarischen Plattheiten. Dass Nabokovs Verhältnis zur Literatur Dostojewskis gespalten ist, zieht sich durch den ganzen Text, der sich stark auf die Schwächen des Schreibens konzentriert und diese auch gut belegt. Trotz alledem hat er ihn seine Auswahl der russischen Meisterwerke aufgenommen, dies wohl eher wegen der begeisterten Rezeption als wegen des in seinen Augen mangelhaften literarischen Werts.

Aus Nabokov spricht eine grosse Liebe zur und Kenntnis der Literatur. Diese Liebe geht beim Lesen dieses Werkes auf einen über, man möchte hingehen und alle vorgestellten Bücher nochmals lesen, sie noch genauer lesen.

Fazit:
Ein wunderbares Buch über die Liebe zum Lesen. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor
Vladimir Nabokov
Vladimir Nabokov wurde am 22. April 1899 in St. Petersburg als Kind einer russischen Adelsfamilie geboren. Er kam wegen seines westlich orientierten Vaters schon als Kind in Kontakt mit der Weltliteratur, sprach französisch und englisch. Bereits mit 17 Jahren veröffentlichte er seinen ersten Gedichtband.   Das politische Engagement des Vaters bringt diesem verschiedene Inhaftierungen und führt schliesslich zur Flucht nach London. Nabokov studiert an der Universität Cambridge Romanistik und Russische Literatur und zieht nach dem Studium nach Berlin. Er publiziert unter dem Pseudonym V. Sirin, kann aber nicht leben von der Literatur und hält sich mit Tennis- und Boxunterricht über Wasser. 1937 folgt die Emigration nach Paris, 1940 die Flucht in die USA, wo er als Kurator des zoologischen Museums an der Harvard University arbeitet und wissenschaftlich schreibt. 1948-1958 hat er eine Professur für russische und europäische Literatur an der Cornell Universität inne. 1955 erscheint sein Roman Lolita, der für Aufruhr sorgte, aber  grosse Erfolge einfuhr. Er kann in der Folge vom Schreiben leben. 1961 folgt die Übersiedlung in die Schweiz, nach Montreux, wo er 1977 stirbt. Werke Nabokovs sind unter anderem Die Mutprobe (1932), Verzweiflung (1934), Lolita (1955), Ada oder das Verlangen (1969).

NabokovLesenAngaben zum Buch:
Taschenbuch: 253 Seiten
Verlag: Fischer Taschenbuch Verlag (Juli 2010)
Übersetzung aus dem Englischen: Karl A. Klewer
ISBN: 978-3596902804
Preis: EUR  12/ CHF 17.90

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Ich will es schon lange tun. Der Wunsch, es zu tun, hat sich in mir festgesetzt, blieb sitzen, brannte sich ein. Erst eine vage Idee, ein Gespinst, dann immer grösser werdend, einnehmender. Ab und an zur Utopie erklärt, doch nie losgelassen, jagt es mich jetzt schon nachts. Ich träume davon, es zu tun oder es tun zu  müssen, mich nicht zu trauen. Werde davon verfolgt, werde es nicht los, fliehe, renne ihm wieder hinterher, weil es doch zu mir gehört. Und drum: Es ist soweit, ich werde es tun. Ich muss nur anfangen.

Vielleicht sollte ich zuerst Bücher darüber lesen, wie ich es genau anpacken muss. Es gibt so viele, die es tun, so viele, die es tun wollen und scheitern. Ich möchte es gut machen, wenn ich es tue. Also gehe ich auf Büchersuche. Ich recherchiere im Internet, bestelle Berge von Büchern, werfe dann alle wieder auf den Haufen, weil ich denke, dass ich alles, was ich lese, eigentlich schon weiss. Ich weiss, worauf es ankommt, weiss, was am Schluss dabei rauskommen sollte, weiss, wie es gut ist und wie nicht. Nur wie ich selber dahin komme, das weiss ich nicht.

Vielleicht hilft mir eine Schule? Vielleicht kann ich es da lernen? Vielleicht kann mir jemand sagen, was ich tun muss, ich ihm nur noch folgen und es gelingt? Ich gehe wieder auf Internetrecherche, sehe andere, die es tun und nun anleiten, wie ich es tun könnte. Ich sehe Schulen und Lehrgänge, ganze Studiengänge, die mich lehren wollen, das zu tun, was ich in der Theorie kann, in der Praxis nie begonnen habe. Ich verwerfe den Gedanken mit der Schule wieder, da ich denke, dass ich eigentlich selber weiss, wie es geht. Wozu dann Schule? Lieber Bücher lesen, das half immer.

Und so lese ich Bücher und stosse immer wieder auf die Bemerkung, es nun selber tun zu müssen, nicht nur zu lesen. Ich finde das gut, denn es heisst ja auch „learning by doing“. Ich denke, ich bin effizienter, wenn ich einfach mal weiter lese, das Tun auf später verschiebe, sonst komme ich nie ans Ziel. Ich klebe Post its in die Seiten, damit ich die Stelle mit den Anleitungen zum Tun wieder finde später. Später kommt nie, da ich das Buch meist vor Ende des Lesens auf die Seite lege und mich wieder anderem zuwende.

So beschliesse ich einmal mehr, es einfach zu tun. Mal im Kleinen, muss ja nicht gleich gross sein. Ich tu’s einfach, lasse mich ein auf dieses Tun, schaue, was dabei herauskommt. Ich finde den Gedanken schön, ich finde den Gedanken gut. Er fühlt sich richtig an. Doch wie soll ich es tun? Wo fang ich an? Was wird daraus? Ob ich mir da nicht zuerst mehr Gedanken machen müsste? Ich kann ja nicht einfach drauf los stürmen, sollte doch ein wenig wissen, wo das Tun durchgehen, wo es hinführen soll? Doch Schule? Da lerne ich, wie die Wege zum Ziel hin sind. Oder zumindest doch ein Buch, das ist günstiger und schneller gelesen. Nein, ich wollte es nun tun, nichts lesen oder lernen.

Ob ich noch zuerst aufräumen sollte hier? Einfach so drauflos zu tun, was ich tun will, alles andere stehen und liegen zu lassen, erscheint mir auch nicht richtig. Und all die Bücher, die ich gekauft habe, die hätte ich vielleicht doch zuerst lesen sollen. Ich meine, es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen und man lernt immer etwas dazu. Wieso auf all das Wissen verzichten und mich selber in eine Ecke zu manövrieren mit meinem Tun? Langsam wird es dunkel, ich merke, dass ich müde bin. Zu müde, um heute noch anzufangen. Aber morgen werde ich es tun. Ganz bestimmt.