Hilfsbereitschaft ist nicht, zu sagen, was man gerne für den andern täte, es ist, zu fragen, was er braucht.
@Sandra Matteotti
Denkzeiten – Philosophie in Theorie und Praxis
Dr. Sandra von Siebenthal
Hilfsbereitschaft ist nicht, zu sagen, was man gerne für den andern täte, es ist, zu fragen, was er braucht.
@Sandra Matteotti
Ob etwas möglich ist, sieht man erst, wenn man es probiert.
@Sandra Matteotti
Wer denkt, mit einem Sorry seien alle Verletzungen Geschichte und das Leben gehe einfach weiter, der füllt auch Wasser in eine zerbrochene Vase, um Blumen reinzustellen.
@Sandra Matteotti
Wenn man ständig damit hadert, was man nicht kann, verpasst man die Freude darüber, was man kann.
@Sandra Matteotti
Manchmal zieht man sich ins Alleinsein zurück, um sich vor der Einsamkeit des blossen Nebeneinanders zu schützen.
@Sandra Matteotti
Auch wenn man ein Stück Vergangenheit immer mitnimmt, die Zukunft im Blick hat, sollte man nicht vergessen, einen Fuss sicher im Heute zu verankern.
@Sandra Matteotti
Wenn alle, die über die je mal über die Stränge schlugen, wegfallen, wird es ziemlich leer.
@Sandra Matteotti
Manchmal muss man Träume, die man so sehr will, aufgeben, weil sie einen daran hindern, was man so sehr braucht.
@Sandra Matteotti
Gedankenvertieft starrte sie in die Luft, als sie plötzlich einen Knall hörte – wobei das kein Knall war, das war mehr, viel mehr, das war ein regelrechter Hyperknall. Sie fragte sich, ob es das Wort Hyperknall überhaupt gibt, denn gehört hatte sie es noch nie, irgendwie passte es auch nicht wirklich zusammen, denn da stiess ein griechischer Präfix – sie war sich nicht ganz sicher, ob es wirklich griechisch war, aber lateinisch war es eher nicht, und da sie grad am Zweifeln war, stellte sie auch den Präfix in Frage, den sie aber nach reiflichem Hin und Her der Gedanken (sie wogten hin und wogten her, fast wie Wellen im Meer oder Wanderdünen in der Wüste) als korrekt befand – auf ein deutsches Wort, was nicht ganz und gar unüblich war, solche Kombinationen gab es durchaus, auch wenn ihr gerade keine einfiel, nur blieben doch ein paar Zweifel.
Nun denn, Wörter und Namen sind Schall und Rauch, sie fühlte sich pudelwohl und jede weitere Hinterfragerei von Wörtern war obsolet – wobei sie sich grad fragte, was da eigentlich geknallt hatte – also hypergeknallt. Man hörte ja immer wieder von Überschalljets (auch so eine Kombination von zwei Sprachen, Englisch und Deutsch, nur fragte sie sich grad, ob die wirklich so hiessen oder ob sie das Wort nicht auch erfunden hatte im Eifer des Worteerfindens und – hinterfragens), doch sie sah nirgends einen, auch sah sie keinen Unfall, nichts, was als Ursache für einen Knall – welcher Art auch immer – hätte hindeuten können.
Also fragte sie sich, was sie eigentlich getan hatte, als der Knall aus heiterem Himmel in ihr Leben trat.
Sie hatte es vergessen.
Schlicht.
Einfach.
So.
Nun denn.
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Für die abc.etüden, Woche 44.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Wortspende für die Textwoche 44.17 kommt von Rina.P und ihrem Geschichtszauberei-Blog (HIER). Sie lauten: Hyperknall, Wanderdüne, pudelwohl.
Der Ursprungspost: HIER
Manchmal muss man vieles tun, das nicht passt, um herauszufinden, was passt.
@Sandra Matteotti
Ein Partner ist nicht der, welcher egoistisch seinen Weg geht und findet, er hätte dich gerne dabei. Ein Partner ist der, welcher mit dir entscheidet, was ein gemeinsamer Weg sein könnte, und ihn mit dir geht.
@Sandra Matteotti
Erst wollte ich als Titel „Zweite Hälfte des Lebens“ nehmen. Aber das wäre zu wenig. Ich denke nicht, dass ich nochmals gleich viel vor mir habe. Das schreibe ich ohne Wehmut oder sonstiger negativer Gefühle. Drittes Drittel trifft es besser, auch viertes Viertel wäre durchaus ok. Darum geht es aber nicht. Es geht darum:
Was erwarte ich vom Rest meines Lebens? Was ist mir wichtig?
Über diese Fragen habe ich mir viele Gedanken gemacht in letzter Zeit. Aus diesen Gedanken resultierten wohl auch die Gedanken zum Thema Minimalismus. Es geht darum, aus dem Leben zu fegen, was schlicht keinen Platz hat, um mehr Platz für das zu haben, was wichtig ist.
Was ist mir wichtig im Leben? Die Frage ist nie absolut zu beantworten, sondern immer nur individuell. Für mich – das habe ich rausgefunden – gibt es einen zentralen Wert: Mein Zuhause. Ich brauche ein Zuhause, in dem ich mich wohl fühle, in dem ich mich sicher fühle, in dem ich mich so bewegen kann, wie es für mich stimmt. Ich bin meistens zu Hause. Man kann das auch Stubenhocker nennen. Es ist aber mehr: Ich bin Nesthocker. Ich bau mir mein Nest und setz mich rein. Und ich fühle mich nur wohl, wenn das Nest so ist, wie es mir gefällt, und wenn ich das Gefühl habe, keiner kann mich daraus vertreiben. (Rational kann man sagen, aus jedem Nest kann man vertrieben werden. Darum geht es nicht. Das Gefühl muss da sein, ich bin da ganz emotional…)
Und wenn ich in dem Nest sitze, muss genug zu essen und zu trinken da sein. Ich lebe (leider) nicht gerne von Brot und Wasser, (guter) Wein und Käse mit Brot (beide auch gut) müssten schon sein. Urlaub brauch ich keinen, ich meine, mein Nest ist ja schon wunderbar, wo sollte es schöner sein?
Das klingt nach relativ wenig. Wenn ich aber anschaue, was es alles braucht, um nur die beiden zu sichern, wird mir ab und an doch Angst und Bang. Krankenkassen, Versicherungen, Strom und Wasser, Verbindungen fürs Telefon, den Computer und den Fernseher. Steuern, weil wir überhaupt noch leben und Selbstbehalte, damit wir keinen ausnutzen. Wenn wir nicht nur daheim sitzen wollen, braucht es noch Mittel für eigene oder öffentliche Fortbewegungsmittel. Und die Zähne. Wenn wir was essen wollen, müssen die taugen.
Hab ich was vergessen? Ach ja, nackt können wir nicht gehen, die Haare… sollten nicht ganz an Vogelnester erinnern… Damit hätten wir es wohl. Und ich denke noch immer: Ich bin nicht wirklich anspruchsvoll. Aber ab und an macht mir die Rechnung Angst.
Wir haben als Menschen gewisse moralische Grundsätze. Die besagen, was geht und was eben nicht geht. Das ändert mit der Zeit, ist auch nicht an allen Orten gleich, aber Menschen, die zur gleichen Zeit im gleichen Kulturkreis leben, teilen mehrheitlich dieselben moralischen Grundsätze.
Seit es Menschen gibt, gibt es auch Kunst – in irgendeiner Form. Über Sinn und Zweck derselben streitet man zwar ab und an, aber jeder geniesst sie in irgendeiner Form und das ist Grund genug, sie weiterleben zu lassen. Kunst wird von Menschen produziert, wir nennen sie Künstler. Da sie aber Menschen bleiben, haben sie auch menschliche Eigenschaften – und damit ihre Abgründe. Was, wenn ein solcher Abgrund offengelegt wird? Was, wenn plötzlich ein Künstler einer Tat bezichtigt wird, die unseren moralischen Grundsätzen widerspricht? Betrifft das nur sein Menschsein oder aber auch seine Kunst?
Darf man Kunst eines Menschen, der sich moralisch verwerflich verhielt, noch geniessen?
Polanski hat Mädchen sexuell ausgenutzt. Weinstein stand vor kurzem am Pranger. Nun haben wir noch Kevin Spacey, Michael Jackson stand praktisch immer unter Verdacht. Das sind ein paar Namen, die mir grad einfallen, es gibt sicher viele mehr und: Es gibt ganz sicher eine enorme Dunkelziffer. Denn die Namen kennen wir ja erst, wenn jemand redet. Die Maschinerie des Schweigens funktioniert oft gut. Zu gut.
Wenn wir alle Filme von Filmproduzenten, welche übergriffig wurden, boykottieren, fällt schon mal eine grosse Bandbreite weg – darunter Filme, die Kultstatus erreichten (gerade fällt mir noch Woody Allen ein….Bing Crosby). Es gibt ja auch nicht nur Missbrauch – was ist mit Scientology? Würde man Sekten verurteilen moralisch, wären alle Filme mit Anhängern der Sekte tabu. Und: Gilt nur Moral oder auch Recht? Wie ist es mit Steuerhinterziehung? Betrug (in welcher Form auch immer)?
Der Ruf zum Boykott ist verständlich. Man will keinen Menschen „belohnen“, der sich unmoralisch verhalten hat. Man will keinem in die Hände spielen, der Blut an diesen kleben hat. Man möchte integer sein. Man hat Werte. Ansprüche. Und das ist gut so. Nur so funktioniert ein Miteinander, eine Gesellschaft. Aber:
Die Welt ist nicht schwarz-weiss, sie hat leider ganz viele Schattierungen und die machen es verdammt schwer, in ihr zu leben und zu urteilen. Auch einer, der moralisch ein Schwein ist, kann einen künstlerischen Blick auf Dinge haben, der toll ist, der tief ist, der wahr ist. Wenn man diesen anerkennt, akzeptiert man nicht gleich sein moralisches Vergehen mit.
Das Kunstwerk entstand nicht im luftleeren Raum. Es entstand in und durch den Menschen, der durch sein anderes Tun ein Ekel, ein unmoralischer Mensch, ein Betrüger oder was auch immer ist. Aber wenn er es geschaffen hat, steht es auch für sich. Als Kunst. Das vollendete Werk ist vom Künstler losgelassen. Er wendet sich dann Neuem zu. Das sagen ganz viele Künstler über ihre Werke: Sie brüten und schaffen – dann lassen sie los. Und dann passiert ja auch viel damit durch die Reaktionen der Betrachter. Das Werk gehört quasi ihnen, da sie dann daraus durch die Rezeption was machen.
Drum schaue und höre ich mir weiter Werke von Künstlern an, die ich moralisch fragwürdig finde. Ich neigte noch nie zum Fan-Kult. Mir ist relativ egal, wer hinter einem Werk steht. Entweder es überzeugt mich oder nicht. Das gibt den Ausschlag, ob es meine Zeit wert ist – oder nicht. Wie haltet ihr das?
…und ab und an… würde ich gerne die Uhr zurück drehen. Und dann würde ich besser aufpassen in der Schule. Ich würde alles mitnehmen, was man lernen könnte. Ich wäre gerne der Superstreber. Der, welcher alles weiss, immer da ist, ganz präsent. Brav.
Das war ich nie. Vieles interessierte mich schlicht nicht, weil ich es (für mich) nicht für relevant hielt. Das liess ich dann auch die Lehrer wissen. Ich war wohl unbequem. Ich setzte meine Prioritäten. Leistete natürlich auchEinsatz, aber nur gezielt. Ich hätte wohl mehr profitieren können. Von so vielem. Das denke ich. Ob es so ist? Ich weiss es nicht. Ich habe es schlicht nicht gelebt.
Schlussendlich bin ich der Überzeugung, dass man nur da Erfolg hat, wo man mit ganzem Herzen dabei ist. Aber: Um dahin zu gelangen, braucht es einen gewissen Einsatz. Erst dann sind Wege offen. Viele. Nicht alle. Wege brauchen Mut. Mut, sie zu gehen. Wer sich nur ausmalt, was er gerne hätte, wird nie an ein Ziel gelangen, da er nie den ersten Schritt tut. Er wollte nur, machte nicht. Träumte nur, ging nie. Gehen braucht Mut. Ab und an muss man dabei auch Kompromisse eingehen, um auf den Weg zu gelangen und da zu bleiben. Aber eines bleibt: Man muss gehen.
Jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt. Und ja, vielleicht gingen vor diesem Schritt einige Schritte oder ganze Wege in die Irre. Deswegen nun zu sagen, ich fürchte mich, diesen Schritt zu gehen, ist nie eine Haltung, die an ein Ziel führen kann. Damit plädiere ich nie für eine haltlose Träumerei oder blindes Drauflosgehen, das wäre aussichtslos, aber das Verharren in althergebrachten und nichts bringenden Mustern ist es ebenso.
Ich habe ja schon einige Beiträge zum Thema Minimalismus geschrieben, ein Thema, das ich spannend finde, und das ich für mich anpassen möchte. Ich bin im Leben oft umgezogen und habe da immer auch ausgemistet – vieles nahm ich aber auch mit. Und ich nahm nicht nur viel mit, ich legte auch Dinge zu – oft um des Habens Willen.
Ich versuche schon ganz aktiv, meine Einkäufe mehr zu hinterfragen. Ich habe aber auch die letzten Tage dazu genutzt, nochmals auszumisten, Dinge zu finden, die nur da sind, ohne gebraucht zu werden. Auch Dekoartikel, die nur Staub fangen, aber keine Bedeutung haben, ausser, dass sie Platz in der Wohnung einnehmen. Minimalismus ist wohl auch ein Stück weit Mut zur Lücke. Wenn ich gewisse Dinge weglegte, hinterliessen sie ein Loch. Da war nichts mehr. Das muss man auch aushalten, wenn man vorher Lücken kategorisch auffüllte.
Hat unser Kapitalismus, unsere Sammelwut, unser Einkaufsverhalten nicht überhaupt ihren Ursprung in einer Lücke? Es fehlt was (und meist nicht das, was man sich dann zulegt) und man will die Lücke stopfen. Drum zieht man los und kauft. Man vergisst schnell die Lücke im Leben, füllt eine in der Wohnung und fühlt sich kurzfristig gut. Danach sieht man das Gekaufte kaum mehr an, die Lücke im Leben ist noch da und wird unter Umständen erneut gefüllt.
Natürlich hat man Gründe, die weniger psychologisch klingen. Interior Design, Halloween-Deko oder die Einstimmung auf Weihnachten klingen gut. Auch neu entdeckte Hobbies, für die man das nötige Equipment haben muss, eignen sich gut als Grund.
Unterm Strich ist alles dasselbe. Und das flog heute. Auch Bücher waren drunter. Ich habe sie über viele Jahre in Regalen gehortet, Regale, die mittlerweile alle freien Wandstellen zudecken. Und sie sind alle voll gefüllt mit Büchern. Also sie waren. Die Lücke sieht ungewohnt aus. Aber ich hätte die Bücher nie mehr gelesen. Sie gehörten zu meinem Leben, aber zu einem anderen Teil davon. Es war ein guter Teil, aber er ist Geschichte.
Das Ausmisten tat gut. Ich bin wahrlich alles andere als ein Putz- und Aufräumteufel, aber: Die Aktion hat sich wirklich gut angefühlt. Und ich mache weiter. Ich liebe Bücher, ich liebe Deko-Artikel. Aber sie sollen zu mir einen Bezug haben. Klassiker der Literatur sind wertvoll. Darin finden sich Welten, solche, die man entdecken kann, wenn man liest, Welten, in die man eintauchen kann. Es sind Welten, die überdauern. Sie sollen bleiben. Ich werde sie nicht alle nochmals lesen, aber die Chance besteht, dass ich einige davon wieder lese.
Eigentlich braucht man im Leben ganz wenig. Ich möchte mich nicht darauf beschränken. Aber ich möchte mich auch nicht mit Dingen umgeben, die nur da sind.
Es ist nicht die Menge, die zählt, es ist der persönliche Wert!