Wie weit darf freie Meinungsäusserung gehen?

Kürzlich lief ich mit dem Hund durch die Pampa und liess mich über Kopfhörer willkürlich beschallen. Eine Mischung aus allem lief, es war wunderbar. Ab und an kamen langjährige Lieblinge, dann und wann Dinge, die ich nicht mehr auf dem Radar hatte oder aber gar nicht kannte. Und dann kam das:

Ich dachte, ich höre nicht recht. Ich versuchte bislang, Rap etwas abzugewinnen. Sprachkönnen war da, oft auch Tiefgang. Eine Botschaft. Es war nie mein Gebiet, aber es war eines. Das hier ist aber nur noch destruktiv und abwertend. Und es hat Erfolg. Es ist unsere Jugend, die das hört. Und sie nimmt es sich zum Vorbild.

Wir hatten Jahrhunderte, in denen nur Männer was waren. Frauen gab es natürlich, doch sie waren mehrheitlich untergeben und weniger wert, die unbequemen wurden gar verbrannt. Dann standen ein paar auf und fingen zu kämpfen an. Einige Nachfolgerinnen haben es übertrieben, sie wollten den Spiess umkehren statt für ein Miteinander einzustehen. Ich denke, dem schulden wir das hier unter anderem…

Wann wird der Mensch endlich lernen, dass es nicht geht, wenn einer nur für sich und Seinesgleichen einsteht, alle anderen bekämpft? Es wird nur klappen, wenn wir miteinander in die Welt gehen. Die ist schon schwer genug, wir sollten die Kräfte bündeln.

Was aber machen wir nun mit solchem Schrott? Darf man das verbieten? Ich meine, es ist ein Aufruf, Mütter (das sind alle Frauen, die ein Kind haben) einfach von hinten zu nehmen, egal ob sie wollen. Damit wäre doch der Tatbestand des Aufrufs zu einer Straftat gegeben? Kann oder muss man es einfach laufen lassen? Ich weiss es nicht, aber: Solche Texte sind mehr als grenzwertig.

Des Lebens Lauf

Gedankenvertieft starrte sie in die Luft, als sie plötzlich einen Knall hörte – wobei das kein Knall war, das war mehr, viel mehr, das war ein regelrechter Hyperknall. Sie fragte sich, ob es das Wort Hyperknall überhaupt gibt, denn gehört hatte sie es noch nie, irgendwie passte es auch nicht wirklich zusammen, denn da stiess ein griechischer Präfix – sie war sich nicht ganz sicher, ob es wirklich griechisch war, aber lateinisch war es eher nicht, und da sie grad am Zweifeln war, stellte sie auch den Präfix in Frage, den sie aber nach reiflichem Hin und Her der Gedanken (sie wogten hin und wogten her, fast wie Wellen im Meer oder Wanderdünen in der Wüste) als korrekt befand – auf ein deutsches Wort, was nicht ganz und gar unüblich war, solche Kombinationen gab es durchaus, auch wenn ihr gerade keine einfiel, nur blieben doch ein paar Zweifel.

Nun denn, Wörter und Namen sind Schall und Rauch, sie fühlte sich pudelwohl und jede weitere Hinterfragerei von Wörtern war obsolet – wobei sie sich grad fragte, was da eigentlich geknallt hatte – also hypergeknallt. Man hörte ja immer wieder von Überschalljets (auch so eine Kombination von zwei Sprachen, Englisch und Deutsch, nur fragte sie sich grad, ob die wirklich so hiessen oder ob sie das Wort nicht auch erfunden hatte im Eifer des Worteerfindens und – hinterfragens), doch sie sah nirgends einen, auch sah sie keinen Unfall, nichts, was als Ursache für einen Knall – welcher Art auch immer – hätte hindeuten können.

Also fragte sie sich, was sie eigentlich getan hatte, als der Knall aus heiterem Himmel in ihr Leben trat.

Sie hatte es vergessen.

Schlicht.

Einfach.

So.

Nun denn.

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Für die abc.etüden, Woche 44.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Wortspende für die Textwoche 44.17 kommt von Rina.P und ihrem Geschichtszauberei-Blog (HIER). Sie lauten: Hyperknall, Wanderdüne, pudelwohl.

 

Der Ursprungspost: HIER

 

Drittes Drittel des Lebens

Erst wollte ich als Titel „Zweite Hälfte des Lebens“ nehmen. Aber das wäre zu wenig. Ich denke nicht, dass ich nochmals gleich viel vor mir habe. Das schreibe ich ohne Wehmut oder sonstiger negativer Gefühle. Drittes Drittel trifft es besser, auch viertes Viertel wäre durchaus ok. Darum geht es aber nicht. Es geht darum:

Was erwarte ich vom Rest meines Lebens? Was ist mir wichtig?

Über diese Fragen habe ich mir viele Gedanken gemacht in letzter Zeit. Aus diesen Gedanken resultierten wohl auch die Gedanken zum Thema Minimalismus. Es geht darum, aus dem Leben zu fegen, was schlicht keinen Platz hat, um mehr Platz für das zu haben, was wichtig ist.

Was ist mir wichtig im Leben? Die Frage ist nie absolut zu beantworten, sondern immer nur individuell. Für mich – das habe ich rausgefunden – gibt es einen zentralen Wert: Mein Zuhause. Ich brauche ein Zuhause, in dem ich mich wohl fühle, in dem ich mich sicher fühle, in dem ich mich so bewegen kann, wie es für mich stimmt. Ich bin meistens zu Hause. Man kann das auch Stubenhocker nennen. Es ist aber mehr: Ich bin Nesthocker. Ich bau mir mein Nest und setz mich rein. Und ich fühle mich nur wohl, wenn das Nest so ist, wie es mir gefällt, und wenn ich das Gefühl habe, keiner kann mich daraus vertreiben. (Rational kann man sagen, aus jedem Nest kann man vertrieben werden. Darum geht es nicht. Das Gefühl muss da sein, ich bin da ganz emotional…)

Und wenn ich in dem Nest sitze, muss genug zu essen und zu trinken da sein. Ich lebe (leider) nicht gerne von Brot und Wasser, (guter) Wein und Käse mit Brot (beide auch gut) müssten schon sein. Urlaub brauch ich keinen, ich meine, mein Nest ist ja schon wunderbar, wo sollte es schöner sein?

Das klingt nach relativ wenig. Wenn ich aber anschaue, was es alles braucht, um nur die beiden zu sichern, wird mir ab und an doch Angst und Bang. Krankenkassen, Versicherungen, Strom und Wasser, Verbindungen fürs Telefon, den Computer und den Fernseher. Steuern, weil wir überhaupt noch leben und Selbstbehalte, damit wir keinen ausnutzen. Wenn wir nicht nur daheim sitzen wollen, braucht es noch Mittel für eigene oder öffentliche Fortbewegungsmittel. Und die Zähne. Wenn wir was essen wollen, müssen die taugen.

Hab ich was vergessen? Ach ja, nackt können wir nicht gehen, die Haare… sollten nicht ganz an Vogelnester erinnern… Damit hätten wir es wohl. Und ich denke noch immer: Ich bin nicht wirklich anspruchsvoll. Aber ab und an macht mir die Rechnung Angst.