Lächeln
Mein Grundbedürfnis geht nach Liebe.
Ich wünschte sehr, daß man mich liebt
Und daß mein Lächeln leben bliebe,
Wenn es mich einmal nicht mehr gibt.

Das Höchste, was man hat, ist Bindung
Durch Liebe. Ich ertrage nicht
Die mir verweigerte Empfindung.
Ich öffne allen mein Gesicht

Mit einem Lächeln. Magisch scheinen
In mich die anderen hinein.
Und ich kann sie in mir vereinen,
Und sie vervielfachen mein Sein.
Eva Strittmatter

Wenn ich Bus oder Zug fahre, fallen mir immer wieder die vielen unzufriedenen Gesichter auf. Mit starrem Blick und runtergezogenen Mundwinkeln starren sie entweder in die Luft oder aber auf den Bildschirm eines Handys. Es werden selten Blicke getauscht, geschweige denn kommen Menschen ins Gespräch. Und: Kaum ein Lächeln zeigt sich. Eigentlich traurig, denn ein Lächeln kann so viel bewirken. Bei sich und bei anderen.

Lächle einen Menschen an und er fühlt sich wahrgenommen, auf eine positive Weise. Stell dir nur mal vor, wie dich jemand anlächelt. Kommt nicht gleich ein warmes Gefühl ums Herz auf? Und spüre mal in dein Gesicht, hat sich dein Mund nicht auch gleich zu einem Lächeln bewegt nur schon beim Gedanken an ein Lächeln?

Ein Lächeln kann die Welt eines Menschen für einen Moment erhellen – und oft bleibt es dann weiter hell. Lächeln bringt Liebe ins Leben. Liebe, die wir alle so sehr brauchen. Wieso nicht einfach den Menschen um uns ein Lächeln schenken? Und wieso nicht mal in den Spiegel schauen und uns selber anlächeln? Gerade dann, wenn uns vielleicht nicht so sehr zum lachen zumute ist?

„Sei dir selbst eine Insel.“ Buddha

Gerade in schwierigen Situationen sucht man gerne Hilfe und Halt im Aussen. Menschen wenden sich Religionen zu, verschreiben sich neuen spirituellen Gruppen und hoffen, da zu finden, was ihnen abhanden gekommen zu sein scheint. Man erhofft sich Halt bei anderen Menschen, klammert sich teilweise förmlich an sie als Rettungsanker quasi.

Als Buddha kurz vor seinem Tod stand, waren seine Anhänger betrübt. Was würde aus ihnen, wenn er nicht mehr wäre? Seine Botschaften hätten klarer nicht sein können. Erstens – so der Buddha – lebe er in seinen Lehren weiter. Allerdings solle man diesen nicht blind folgen, sondern sie nur als Anstoss nehmen, selber Erfahrungen zu machen. Zweitens, und das wurde er nicht müde zu betonen, sollen sie Zuflucht zu sich selber nehmen. Sie sollen aufhören nach Dingen zu suchen, die in der Ferne liegen, denn es sei alles schon da, in ihrem Herzen. Es warte nur darauf, entdeckt zu werden.
Es hilft, die eigenen Kräfte schon in guten Zeiten zu erkennen und zu pflegen, damit sie in schwierigen da sind und wir auf sie vertrauen und bauen können. Vielleicht fragen wir uns einfach mal:

  • Was tut mir gut?
  • Wie kann ich mir selber etwas Gutes tun?
  • Was sind meine Stärken?
  • Wie kann ich mir selber Halt sein, wenn ich ihn brauche?

„Manche Leute reden sich Sorgen ein, die sie gar nicht haben.“ (Fred Ammon)

„Was wäre wenn…“ – Mit dieser Floskel fangen viele Sorgen an. Wir denken an etwas, das uns passieren könnte, malen es in allen düsteren Farben aus und sorgen uns immer mehr. Wir sorgen uns über die Folgen von etwas, das nicht eingetreten ist. Unter Umständen tritt es auch nie ein, so dass wir uns die Sorgen völlig umsonst gemacht haben. Und: Wenn es denn eintritt, machen wir uns dann die Sorgen nochmals. Wir haben uns dann nicht nur doppelt gesorgt, wir haben uns zweimal zuviel gesorgt, denn:

Wenn uns etwas Schlimmes passiert, nützen die Sorgen wenig. Sie verändern nichts zum Positiven, sie tragen nichts zur Lösung bei, sie belasten uns nur und ziehen uns runter. Statt sich also sorgenvoll zu fragen „Was soll nur werden?“ hilft die Frage „Was kann ich tun?“ mehr. Wenn ich dann etwas finde, das ich tun kann, um meine Lage zu ändern, tue ich es. Wenn ich nichts finde, suche ich einen Weg, mit dieser Lage klarzukommen, indem ich versuche, sie zu akzeptiere und das beste draus zu machen.

„Kreativität ist die Fähigkeit zu sehen (oder bewusst wahrzunehmen) und zu antworten.“ (Erich Fromm)

Jeder Mensch ist kreativ, nur haben wir oft den Zugang zu unserer Kreativität verloren. Festgefahren in Routinen oder vorgefassten Meinungen reagieren wir auf Situationen, statt aktiv hinzusehen, was ist und dann aktiv etwas zu tun.

Im bewussten Wahrnehmen dessen, was ist, steckt die Möglichkeit, Neues zu schaffen – sei es im eigenen Verhalten (quasi als Lebenskunst) oder in Form eines (künstlerischen) Werkes.

Die eigene Kreativität wieder zu entdecken, heisst, sein eigenes Leben wieder aktiv in die Hand zu nehmen und sich und die in sich angelegten Fähigkeiten und Möglichkeiten zu entwickeln. Es heisst, wieder bewusst hinzusehen, was ist und entsprechend zu handeln. Das hilft uns auch im Umgang mit anderen Menschen, da wir sie wieder offen sehen, nicht durch unsere eigenen Projektionen verstellt.

Wenn der Weg zur inneren Kreativität versperrt ist, dann sind wir wie die Menschen in Platons Höhlengleichnis: Wir sehen nur die Schatten und halten sie für die Welt. Damit beschneiden wir uns selber in unseren Möglichkeiten und unserem Sein, aber auch unsere Sicht auf die Welt und unseren Umgang damit. Spätestens wenn wir das merken oder gar darunter leiden, sollten wir das Licht suchen und den Weg zur eigenen Kreativität freischaufeln.

„Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist.“ (Victor Hugo)

Musik war immer ein wichtiger Teil meines Lebens. Wenn es mir nicht gut geht, hörte ich Musik und fühle mich irgendwie gehalten, oft hilft die Musik auch, dass ich mich bald wieder besser fühle. Geht es mir gut, verstärkte die Musik das Gefühl noch. Ich habe auch viele Lieder, die ich mit (immer schönen) Erinnerungen verbinde. Läuft ein solches, kommt gleich auch die Erinnerung und damit das gute Gefühl von damals hoch.

Es gibt Musik, bei der ich genau weiss, dass ich gute Laune kriege, wenn ich sie höre, Musik, die mir beim Träumen hilft, Musik, die schöne Momente noch untermalt. Nun habe ich neu begonnen, Gitarre zu spielen. Und auch wenn ich nur ein paar Akkorde kann aktuell, tut mir das Spielen gut, bringt es mich in eine andere Welt. Vor allem, wenn meine Welt mal nicht so hell erscheint, hilft die Musik, wieder ein wenig Sonne hereinzubringen.

Probiere es mal aus: Wenn du traurig oder wütend bist, schlechte Laune hast – höre ein Lied, von dem du weißt, dass es dich fröhlich macht, zu dem du am liebsten tanzen würdest. Und dann singe und tanze. Und spüre, was mit dir passiert.

Überlaß es der Zeit

Erscheint dir etwas unerhört,
Bist du tiefsten Herzens empört,
Bäume nicht auf, versuch’s nicht mit Streit,
Berühr es nicht, überlaß es der Zeit.
Am ersten Tag wirst du feige dich schelten,
Am zweiten läßt du dein Schweigen schon gelten,
Am dritten hast du’s überwunden,
Alles ist wichtig nur auf Stunden,
Ärger ist Zehrer und Lebensvergifter,
Zeit ist Balsam und Friedensstifter.

Theodor Fontane

Ab und an ist es sinnvoll, die Dinge einfach ruhen zu lassen. Wenn wir direkt reagieren, geschieht das häufig aus einem Affekt heraus, es ist unüberlegt und oft unangemessen, da nicht aufgrund der aktuellen Situation sondern aus alten Prägungen und Mustern heraus.

Innezuhalten und alles setzen zu lassen, hilft einerseits, die aktuelle Situation richtig einzuschätzen und eine mögliche Reaktion bewusst zu wählen, andererseits merken wir aus der Distanz oft, dass sich die Angelegenheit für uns erledigt hat, wir gar nichts mehr zu tun brauchen.

„Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können.“ (Nietzsche, Also sprach Zarathustra)

Vieles im Leben haben wir nicht im Griff, wir können es schlicht nicht kontrollieren. Das Wetter, Krankheiten, Begegnungen, Todesfälle – alles kommt von aussen auf uns zu und wir können nur damit leben – auf die bestmögliche Weise. Bei all den Unsicherheiten im Aussen suchen wir nach Sicherheit, nach einem Halt, versuchen, unter Kontrolle zu haben, was sich in diese bringen lässt. Nur:

Die (vermeintliche) Kontrolle ist nicht nur oft eine Illusion, sie ist auch der Tod der Kreativität. Wo wir nur noch in vorgefertigten Schemen denken, wo wir nur noch auf vorgfertigen Pfaden gehen, wo wir alles akkurat nach Vorgabe, Regel und Vorschrift abhandeln und uns von starren Prinzipien leiten lassen, entsteht nichts Neues. Das Leben hört auf Spiel zu sein und es werden ganz sicher keine tanzenden Sterne geboren. Und:

Wirkliche Sicherheit finden wir auch so nicht. Ist der Preis unsere Kontroll- und Sicherheitsdenken also nicht zu hoch? Wieso nicht einfach mal loslassen, geschehen lassen, chaotisch und frisch denken und fühlen und handeln? Und Sterne gebären, um mit ihnen zu tanzen.