Lebensschichten

Manchmal seh ich mich
als Tulpenzwiebel,
Schicht um Schicht und
irgendwo ein Kern.

Von aussen unsichtbar,
doch tief gefühlt.

Ich entferne Blatt für Blatt
und dringe vor,
entdecke mich selbst
im kurzweiligen Tun.

Gedankenlos hingegeben
und doch ganz ich.

Es ist, als ob ich auferstünde
aus den Gräbern meines Seins,
in Normen gepresst
und Regeln von aussen.

Man kennt mich da nicht,
drum passen sie nicht

Ich lege sie ab, all diese
Zwänge, Ge- und Verbote,
und lasse nach aussen,
was drinnen ich fand.

Ich lebe mein Leben
als wie ein Spiel.

Es gibt sehr wohl Regeln,
vor allem Gefühl,
es gibt viel, das Spass macht,
und Freude, auch Ernst.

Es ist eine Mischung,
es ist, wie ich bin.

©Sandra Matteotti

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Für die abc.etüden, Woche 15/16 des Jahres 2019: Die Worte stammen in dieser Woche von Veronika und ihrem Blog Vrojongliert und lauten: Tulpenzwiebel, kurzweilig, auferstehen

Der obligatorische Etüden-Disclaimer: Die Headline heißt: 3 Begriffe in maximal 300 Wörtern.

Der Ursprungspost: HIER

8. April

„Was ohne Ruhepausen geschieht, ist nicht von Dauer.“ (Ovid)

Wenn man im Sport Muskeln aufbauen will, muss man ein gezieltes Training einhalten, zu welchem auch die nötigen Pausen gehören, damit die Muskeln regenerieren können. Hält man die nicht ein, frisst sich der Muskel quasi selber auf, weil ihm die Energie von aussen fehlt für den Aufbau, er also Energie aus sich selber holt.

Ressourcen sind immer beschränkt. Es gilt, sie zu nutzen und immer darauf zu achten, sie auch wieder aufzufüllen. Denn: Woher soll Energie kommen, wenn alle aufgebraucht ist? Immer mal wieder Innezuhalten, Kraft zu tanken, ist keine verlorene Zeit, sondern der Schlüssel zum Erfolg.

7. April

„Man muß bisweilen fünf gerade sein lassen.“ (Deutsches Sprichwort)

Es gibt so Tage, da wachsen die Listen der zu erledigenden Dinge in den Himmel. Wir stehen davor und denken: Wie soll ich das nur alles schaffen. Und ja, vielleicht ist nicht alles zu schaffen, vor allem nicht alles an einem Tag. Und wenn wir dann etwas nicht geschafft haben, gehen wir mit uns ins Gericht.

Aber: Statt zu verzweifeln oder hinterher zu schimpfen, hilft es, Prioritäten zu setzen:

  • Was duldet keinen Aufschub?
  • Was kann auch noch morgen erledigt werden?
  • Was kann ich delegieren?
  • Was ist eigentlich generell überflüssig und könnte gestrichen werden?
    • Muss die Wohnung wirklich auf Hochglanz poliert sein oder reicht sauber auch?
    • Müssen auch Unterhosen gebügelt werden, damit man im Falle eines Unfalls einen guten Eindruck macht?

Und dann heisst es: Nichts wie los mit gutem Mut und Zuversicht.

6. April

„Wir werden alles unserem Nutzen Widerstrebende, das uns begegnet, mit Gleichmut ertragen, wenn wir uns bewußt sind, daß wir unsere Pflicht erfüllt haben, und daß das Vermögen, welches wir haben, sich nicht soweit erstreckt, daß wir es hätten vermeiden können, und daß wir nur ein Teil der Natur sind, deren Ordnung wir folgen.“ (Baruch de Spinoza)

Wenn wir vor einer Aufgabe stehen, die knifflig erscheint, kommen schnell auch mal Ängste auf: „Was, wenn ich es nicht schaffe?“, „Bin ich gut genug?“ Und wir malen uns aus, wie wir durch Prüfungen fallen, uns blamieren bei einem Vortrag, eine gestellte Aufgabe nicht bewältigen und vielleicht sogar ausgelacht werden.

Nur: Wir sind Menschen mit Stärken und Schwächen. Wenn wir eine Aufgabe angehen, kann sie gelingen oder misslingen, das liegt in der Natur der Sache. Ein Misslingen ist aber kein Scheitern, denn das wäre es erst, würden wir die Aufgabe meiden aus Angst, sie nicht zu meistern. Wenn wir also alles tun, was wir können, um uns einer Aufgabe zu stellen, ist das genug. Egal, wie es dann rauskommt. Wir haben uns nichts vorzuwerfen und jeder, der darüber lachen würde, wäre es nicht wert, dass wir ihn ernst nehmen.

Wir sind nicht perfekt und müssen es nicht sein. Wenn wir tun, was wir tun können, reicht das. Es ist genug.

5. April

„Lerne loslassen, das ist der Schlüssel zum Glück.“ (Buddha)

Prüfung verhauen, vom Freund verlassen worden, ins Fettnäpfchen getreten, einen dummen Fehler gemacht – wer hat es nicht schon erlebt und sich danach in Gedanken gewälzt und gedreht und im Selbstmitleid gebadet oder sich mit Selbstvorwürfen beschossen? Wozu? Was passiert ist, war der erste Pfeil, der uns traf und schmerzte, wir schiessen nun den zweiten hinterher und treffen uns damit erneut, indem wir das Leiden weiterziehen.

Was passiert ist, ist passiert, das können wir nicht mehr ändern. Wir können analysieren, wie es dazu kam, und für die Zukunft was lernen. Aber dann gibt es nur noch eines, was wir tun können: Loslassen und weiter gehen.

4. April

„Wir müssen die Dinge, die in unserer Macht stehen, möglichst gut einrichten, alles andere aber so nehmen, wie es kommt.“ (Epiktet)

Der Dalai Lama wurde einmal gefragt, wie er es schafft, trotz allem, was er erlebt hat, immer freundlich und zufrieden zu wirken. Seine Antwort war, dass er das Geschehene nicht hätte ändern können, aus dem Leid der Vertreibung und des Exils aber auch Chancen und Möglichkeiten gewachsen seien, die ihn dankbar sein lassen. Er lächelte dabei.

Nun sind wir nicht alle der Dalai Lama und mitunter sind Dinge, die nicht so laufen, wie wir sie gerne hätten, schwer zu ertragen. Und doch hilft es vielleicht im Ärger über etwas nicht Gewolltes innezuhalten und sich zu fragen, ob man etwas daran ändern könnte. Wenn nicht, haben wir zwei Möglichkeiten: Wir ärgern uns weiter oder wir lächeln. Es ist erwiesen, dass man sich, wenn man lächelt, besser fühlt. Wir haben die Wahl, welche der zwei Möglichkeiten wir wählen.

You

You are my day –
you make me live,
You are my air –
you make me breathe.
You are my night –
you make me dream,
You are my sun –
you make me gleam.
You are my light –
you make me see,
You are my life –
you make me be !

©Sandra Matteotti

2. April

„Gelassenheit können nur jene erreichen, die ein unerschütterliches und klares Urteilsvermögen haben – der Rest hadert ständig mit seinen Entscheidungen schwankt hin und her zwischen Ablehnung und Akzeptanz.“ (Seneca)

Ich bin, um es gelinde auszudrücken, nicht immer sehr entscheidungsfreudig gewesen. Ich konnte sogar bei den banalsten Fragen hin und her überlegen, Argumente wälzen und zu keinem Schluss kommen. Bei den schwierigen Fragen war es umso schlimmer. Schlussendlich wollte ich die richtige Entscheidung treffen.

Ob eine Entscheidung richtig oder falsch ist, zeigt sich meist erst hinterher. Oft sind aber nicht mal Argumente ausschlaggebend, man weiss tief drin, was man eigentlich will und was passt – eine innere Stimme, ein Bauchgefühl. Und wie oft sagen wir im Nachhinein: „Hätte ich nur drauf gehört.“

Was dazu kommt: Würden wir drauf hören, hätten wir unsere Entscheidung und damit auch wieder Ruhe. Dieses andauernde Wälzen von Argumenten, dieses Hin und Her im Geist bringt meist vor allem eines mit sich: Unruhe.

Wenn also wieder einmal eine Entscheidung ansteht: Eigentlich weißt du die Antwort. Wenn du ihr nicht traust, wirf eine Münze. Fällt sie und du bist enttäuscht, hast du die Antwort auch, fällt sie und du bist froh, ebenfalls.

Aus dem Vollen schöpfen

Der Abschied naht,
hier sitze ich,
blicke zurück,
und fühle Glück.

Die Dankbarkeit
für das, was war,
erfüllt mich tief
und macht mir klar:

Im Guten füllst du
deinen Speicher,
füllst fürs Dunkel
ihn mit Licht.

Drum liebe, schätze,
sieh das Gute,
nimm es mit
auf deinen Weg!

So gehst du dann auch
guten Mutes,
deinen Rucksack
kraftbestückt.

Wird das Leben
auch mal schwerer sein,
eines bleibt dir
ganz gewiss:

Was einmal war,
das nimmt dir keiner,
was einmal ist,
bestimmst du mit.

©Sandra Matteotti

liebesschmerz

liebst du mich
frag ich dich leise
schau dir traurig
ins gesicht

du blickst mich an
mehr tust du nicht
was so gesehen
für sich spricht.

worte sind
schon lange tot
wo früher lachen
schweigen wir

ich dreh mich um
und ich geh weiter
spüre dich noch
hinter mir

ob der schmerz
dich auch auffrisst
oder ist die wehmut
nur bei mir

ich weiss es nicht
doch was ich weiss
ist leis und schlicht
ich liebe dich

©Sandra Matteotti

Kusch!

So macht man das
und ja nicht anders,
denn ich bin der,
der hier bestimmt.

Für dich bleibt nur,
dich reinzufügen,
tust du’s nicht,
wird’s Leben schwer.

Dies gehört,
bringt mucken wenig,
denn der spricht,
ist der Herr König

Ändern wird das
kaum je wirklich,
und zum Frieden
hilft nur dies:

Tränen trocknen,
Krone richten,
Lächeln und dann
weiter geh’n

©Sandra Matteotti

Lebenskunst

„Ist das schon Kunst,
kann das nicht weg?
Das könnt ich auch,
wenn ich Zeit hätt.“

„Was tust du denn
den ganzen Tag?
Ist es noch Freud,
ist es schon Plag?“

So kämpfen Menschen
an den Fronten
einer selbst gewählten
Lebensform.

Ein jeder stellt
die seine hin
als Massstab und
als gült’ge Norm.

Wir opfern Werte,
nehmen Würde,
schauen nur noch
nach Gewinn.

Wir streben alle
nach dem einen,
suchen alle
Lebenssinn.

Der Mensch ist Mensch
nur durch sein Schaffen,
nur wo er tätig,
ist er ganz.

Drum wähle klug
dein eignes Tun,
und lass dem andern
dieses auch.

Ein Keiner hat
das Mass erfunden,
ein Jeder strebt
nach seinem Sinn.

Und könnten wir
dies so belassen,
es wär uns allen
ein Gewinn.

©Sandra Matteotti

Liebesreise

Hand in Hand
begehen wir
die Welt
auf allen Strassen.

Herz und Hirn
vereinen sich
und schlagen dann
den gleichen Takt.

Und holpert es
doch dann und wann,
dann wissen wir
das Eine:

Auf jedes Tief
folgt bald ein Hoch,
und jeder Schritt
bringt uns ans Ziel.

So gehen wir
den Lebensweg
und wachsen ständig
neu daran:

Wir stehen näher,
steigen höher,
lieben tiefer,
blühen auf.

@Sandra Matteotti

20. 03. 2019

lebensbühne

so tun als ob
und einfach sein
als wäre nichts
und die welt
noch hell und rein

einfach lachen
ungeweint
die tränen lassen
die schon drängen
hin zum fluss

spiele spielen
wider diesen
ernsten ernst
und rollen füllen
selber leer

so tun als ob
und dabei hoffen
dass bald mal ernst
was grad noch
spiel

@Sandra Matteotti