17. Juni

„Da wird es hell in unserem Leben, wo man für das Kleinste danken lernt.“ Friedrich von Bodelschwingh

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Das Leben ist nicht immer nur einfach, auch schwere und düstere Stunden gehören dazu. Uns aber immer wieder vor Augen zu führen, wofür wir trotz allem dankbar sein können, hilft – gerade in dunklen Stunden – Licht ins Leben zu bringen.

16. Juni

„Gesundheit ist Glück, so sagt der Kranke – Reichtum ist Glück, sagt der Arme, Weisheit ist Glück, sagt der Philosoph – und sie haben alle Recht. Unglück aber ist gewiß, das nicht erreichen zu können, was man bedarf.“ Fanny Lewald (1811 – 1889)

Wer kennt noch das Kinderlied vom Hans im Schneckenloch, der alles hat, was er will? Sind wir nicht alle oft wie Hans? Wir sehen, was uns fehlt, statt uns an dem zu freuen, was wir haben. Wie wäre es, wenn wir das heute mal umkehren würden?

15. Juni

„Du sollst dankbar sein für das Geringste, und du wirst würdig sein, Grösseres zu empfangen.“ Thomas von Kempen

Als Kind wollte mein Sohn immer seine Münzen in Noten gewechselt haben. Münzen waren für ihn minderwertig, sie waren zu wenig wert, sie zählten quasi nicht. Ich war immer dankbar um das Kleingeld, konnte ich es doch bei Automaten gut brauchen – und ich zahlte auch an der Kasse damit.

Es gibt den schönen Spruch, dass nur der des Franken wert ist, der auch den Rappen ehrt. Wie oft kommt es vor, dass wir Kleines gering schätzen, weil wir nur nach dem Grossen streben? Dabei sehen wir meist nicht, wozu auch das Kleine gut ist. Und: Ist klein und gross nicht relativ und davon, welchen Wert WIR ihm zumessen?

Wir bilden unsere Kinder kaputt

Rousseau beschrieb den Menschen als „edlen Wilden“, der durch die Zivilisation verdorben würde. Besonders erfolgreich im Verderben ist die Erziehung. Sollte sie eigentlich dem Kind zur Fähigkeit der Selbstbestimmung verhelfen, nimmt sie ihm die natürliche Unbefangenheit und legt es quasi – wie der Staat nach Rousseau auch – in Ketten.

Kinder müssten geschützt werden, so Rousseau, sie müssten ihre eigenen Erfahrungen machen dürfen und sich nicht in Normen und Zwängen der Erwachsenenwelt wiederfinden. Rousseau ist sicher nicht unumstritten. Er stellte hohe Ansprüche in den Raum, denen er selber im eigenen Leben nicht folgte, gewisse Ansichten klingen auch sehr naiv und verklärend, aber: Statt sich auf die Unzulänglichkeiten zu konzentrieren, wäre es zweckdienlicher, sich den durchaus sinnvollen Postulaten zu widmen und zu sehen, wie es heute darum steht. Die Antwort ist ernüchternd: Nicht zum Besten.

Das heutige Schulwesen mit seinen Bildungsplänen hat es sich zur Aufgabe gemacht, durch zweckdienliche Selektion für die Privatwirtschaft funktionierende Arbeitskräfte zu generieren. Es geht nicht um die Ausbildung von individuellen Fähigkeiten und Talenten oder gar die Möglichkeit des Einzelnen, ein gutes Leben zu führen, es geht darum, wie man Menschen für die ökonomischen Anforderungen passend macht. Dazu werden Hierarchien von Bildungsstufen definiert, deren höchste die ist, bei welcher die Schüler am längsten in den Schulbetrieben sassen. Die mit den weniger langen Schulwegen sind damit in den Köpfen und in der Bewertung unterlegen. Sie werden dann Pflegepersonal für kranke Menschen, Maurer, damit die Menschen, sind sie nicht grad krank und in Pflege, ein Dach über dem Kopf haben. So wirklich toll ist nur der, welcher entscheidet, wer den Kredit kriegt, um das Haus überhaupt bauen zu können, oder der, welcher darüber entscheidet, welche Menschen die vollumfängliche Pflege haben dürfen aufgrund welcher Kriterien und Einkommensverhältnisse.

Wer also was sein will in dieser Welt, soll sich gut ausbilden. Nach Norm und Lehrplan. Er muss Tonnen an unnützem Wissen in den Kopf stopfen, nur um es gleich nach der hoffentlich erfolgreich bestandenen Prüfung wieder zu vergessen. Er lernt schon früh, dass die Mitschüler Konkurrenten sind, weil der Notenschnitt mathematisch verschlüsselt, nicht nach Fähigkeiten eruiert ist.

Unsere Schulen bilden nicht mehr aus, sie stellen Arbeitskräfte nach Bedarf und in der Wertigkeit klar unterteilt zur Verfügung. Wer nicht passt, wird passend gemacht, klappt das nicht, fliegt er. Erst vor die Tür, später in Therapien, dann in Sondersettings, notfalls aus der Schule. Was nicht sein darf, kann nicht sein. Schliesslich hat man einen Lehrplan zu erfüllen. Kinder müssen Sinuskurven berechnen und Infinitesimalrechnungen bewältigen können. Sie müssen wissen, wie ein Vogel sein Gefieder einfettet und welcher Baum in Nachbars Garten steht. Sie müssen Schillers Glocke aufsagen können und alle Flüsse Uruguays blind in einer Karte eintragen. Das ist heute Bildung. Man streicht dann lieber Sport und Kunst, die taugen nichts, um noch ein wenig mehr chemische Formeln reinzupacken. Alles, was der Seele gut tut und das Leben und selber Denken und Tun befördert, streicht man aus den Lehrplänen, um das passive Gehorchen und Erfüllen aufs Podest zu heben.

Und dann stehen wir in dieser Welt und fragen uns, wieso sie so krank ist. Wir fragen uns, wieso immer mehr Kinder an Depressionen leiden, wieso sich Kinder umbringen, weil sie keinen Sinn mehr sehen im Leben – kein Auskommen mit ihm. Kinder! Wir fragen uns, wieso wir uns als Erwachsene nicht wohl fühlen in diesem Hamsterrad, für das wir doch all die Infinitesimalrechnungen, Formeln und Glocken-Gedichte auswendig gelernt haben und dann mit Burnout aussteigen.

Und: Wir fragen uns, wieso Lehrer selber mit ihrer Aufgabe nicht mehr leben können, sie oft nach wenigen Jahren aufgeben, aufgeben müssen. Weil alles ein Kampf ist, weil das Geradebiegen von Menschen schlicht kaputt macht. Alle Beteiligten.

Wir haben seit Rousseau nichts gelernt. Wann werden wir es tun? Schon John Locke meinte, dass der Mensch als „Tabula Rasa“ auf die Welt kommt (man solte ein bisschen Gen-Material durchaus mit berücksichtigen). Alles, was dann kommt, lernt er aus Erfahrungen, durch sein Umfeld, vom Leben. Wir hätten eine Verantwortung und wir hätten es in der Hand, es besser zu machen. Es wäre an der Zeit.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Wenn der Atem ausgeht,
und nichts neuen dir bringt.
Wenn der Kopf nur noch dreht,
dich das Leben bezwingt.

Wenn das Dunkel der Nacht
dir die Sterne verdeckt,
Gefühle verflacht
und die Hoffnung verreckt.

Wenn den Himmel nicht schaust,
und den Boden nicht fühlst,
in dir Leere nur haust,
und im Leeren du wühlst.

Dann lege dich hin und
rolle dich klein,
was heute noch wund,
ist morgen schon heil.

©Sandra Matteotti

11. Juni

„Sei dankbar für das, was du hast; warte auf das übrige und sei froh, dass du noch nicht alles hast; es ist auch ein Vergnügen, noch auf etwas zu hoffen.“ (Seneca)

Es gibt ein Lied von Queen, in dem es heisst: „Ich will alles und ich will es jetzt.“ Wie oft sind wir getrieben von unserer Ungeduld, von unserem Wunsch – oft Drang, fast schon Zwang – Dinge haben zu wollen. Und zwar sofort. Dieses dringende Bedürfnis nach Erfüllung der eigenen Wünsche kann so weit gehen, das Leben zu dominieren.

Von den eigenen Wünschen beherrscht wird man so zum Sklaven, der immer neuen Wünschen hinterher rennt, denn: Sie hören nie auf. Kaum ist einer erfüllt, zeigt sich der nächste. Die Freude an der Erfüllung hält immer weniger lange an.

Bei Lichte betrachtet: Wünsche zu haben, ist schön. Sie erfüllt zu kriegen, ebenso. Aber wären alle erfüllt, wir am Ziel all unserer Träume: Wäre das wirklich erstrebenswert? Und: Was verpassen wir an Freude, wenn wir nur immer gleich dem nächsten Wunsch hinterher rennen? Statt einfach mal innezuhalten, zu sehen, was ist, was gut ist, und dankbar zu sein?

10. Juni

„Nur freie Menschen sind einander wahrhaft dankbar.“ Baruch de Spinoza

Wer kennt sie nicht: Die Mutter, die ihrem Kind sagt, es solle sich bedanken. Sie sagt es im Befehlston. Das Danke des Kindes (wenn es denn kommt) klingt dementsprechend mehr nach Pflichterfüllung denn als Herzensangelegenheit. Und die Freude über einen solchen Dank ist eher klein.

Dankbarkeit lässt sich nicht erzwingen. Sie ist ein Geschenk. Schön, wer sie spürt und ihr Ausdruck verleihen kann.

9. Juni

„Das Undankbarste, weil Unklügste, was es gibt, ist Dank erwarten oder verlangen.“ Theodor Fontane

Hilfe, die nur darauf abzielt, als Held dazustehen und die grosse Dankbarkeit zu erwarten, ist eigentlich keine ehrliche Hilfe, sondern eine Selbstdarstellung. Zwar mag es durchaus sein, dass dem anderen dadurch trotzdem geholfen ist, aber das gute Gefühl bleibt oft bei beiden aus: Man selber weiss, dass das eigene Tun nicht von Herzen kommt, darum bringt es keine Freude. Der andere spürt dasselbe und fühlt sich in der Schuld.

Was ist die Motivation hinter meinem Tun? Wieso helfe ich anderen Menschen? Wieso bin ich für andere da? Tue ich es, weil es mir ein Anliegen ist, dass es ihnen gut geht, oder tue ich es nur, um selber besser dazustehen? Folge ich meinem Herzen oder dem Spruch „Tue Gutes und sprich darüber“?

8. Juni

„In jede hohe Freude mischt sich eine Empfindung der Dankbarkeit.“ Marie von Ebner-Eschenbach

Das Leben ist kein Ponyhof und nicht immer sind die Tage hell und heiter. Schicksalsschläge, schwierige Situationen und Lebensumstände können ganz schön auf dem Magen liegen und aufs Gemüt schlagen.

Wie schön sind dagegen die fröhlichen, beschwingten Tage. Wie gut fühlt es sich an, sich freuen zu können, zu lachen. Es sind Tage, an denen eine grosse Dankbarkeit mitschwingt, dass es sie gibt. Sie zeigen nicht nur das Leben von seiner schönen Seite und lassen dich lebendig fühlen, sie helfen auch, die anderen Tage zu tragen.

7. Juni

„Was ist vergesslicher als Dankbarkeit?“ Friedrich von Schiller

Wem wolltest du schon lange mal danke sagen, hast es aber immer vergessen? Wer war da für dich, als du jemanden brauchtest, und du hast ihm nie gesagt, wie viel dir das bedeutet hat? Wer hat dir einen Abend versüsst, einen wunderbaren Tag beschert, dir ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert?

Heute wäre ein guter Tag, danke zu sagen.

6. Juni

„Wen die Dankbarkeit geniert,
Der ist übel dran;
Denke, wer dich erst geführt,
Wer für dich getan!“ Johann Wolfgang von Goethe

Warst du schon einmal in einer Situation, die dir peinlich war, in der du Hilfe benötigt und sie auch erhalten hast? Wie froh warst du um die Hilfe? Nur: Weil die Situation schon so peinlich war, wäre jede Erinnerung daran auch peinlich – und ein Danke hätte für dich die Peinlichkeit wieder geweckt. Und du dachtest, wenn du dich nun bedankst, nachdem alles vorbei ist, erinnerst du auch den anderen an deine Peinlichkeit. Und du unterliessest den Dank.

Wem war damit gedient? Keinem. Im Gegenteil. Situationen sind, wie sie sind, ab und an auch peinlich, schambehaftet, unangenehm. Hilfe ist immer ein wertvoller Dienst und in der Situation, in welcher man sie braucht, mehr als willkommen. Der Dank wird es beim Helfenden ebenso sein. Er wird nicht mehr oder weniger an deine Peinlichkeit denken, sondern sich freuen über die Wertschätzung, die du ihm durch deinen Dank zuteil werden lässt.

3. Juni

„Die Kälte der Welt rührt daher, dass wir das, was wir an Dankbarkeit empfinden, denen, denen sie gilt, nicht genugsam kundgeben.“ (Albert Schweizer)

Wann hast du das letzte Mal „Danke“ gesagt? Wenn uns jemand etwas gibt, Gesundheit wünscht, in dem Moment geholfen hat, geht ein Danke noch schneller von den Lippen. Wie oft danken wir aber den Menschen, die tagtäglich um uns sind, für uns sind, mit uns sind? Danken einfach dafür, dass sie da sind, dass sie uns gut tun, dass sie uns Gutes wünschen?

Wem könntest du heute „Danke“ sagen?

31. Mai

„Recht sehen und hören ist der erste Schritt zur Wahrheit des Lebens.“ Johann Heinrich Pestalozzi

Siehst du, was wirklich da ist, oder nur das, wovon du denkst, dass es da wäre, weil du es täglich gesehen hast und eigentlich gar nicht mehr wirklich hinschaust?

Hörst du, was wirklich gesagt wird, oder hörst du nur das, wovon du denkst, dass der andere es sagt, weil du denkst, ihn zu kennen und zu wissen, was er sagen will?

Und denkst du, dass du mit dem, was du siehst und hörst, wirklich die Welt da draussen wahrnimmst, oder nur immer deine eigene (beschränkte) Sicht derselben? Und wie wäre es wohl, wenn du den Blick und die Ohren öffnen würdest für das, was wirklich ist?

Echte Dialoge

Eine Chance zum persönlichen und gemeinsamen Wachstum

„Wirklich zuhören können nur ganz wenige Menschen. Und so wie Momo sich aufs Zuhören verstand, war es ganz und gar einmalig. Momo konnte so zuhören, dass dummen Leuten plötzlich sehr gescheite Gedanken kamen. […] Sie konnte so zuhören, dass ratlose oder unentschlossene Leute auf einmal ganz genau wussten, was sie wollten. Oder dass Schüchterne sich plötzlich frei und mutig fühlten. Oder dass Unglückliche und Bedrückte zuversichtlich und froh wurden.“(Michael Ende, Momo)

Wer kennt es nicht: Wir sind in einem Gespräch, der andere spricht. Schon während seines Sprechens fallen uns tausend Entgegnungen ein und wir beginnen innerlich, die Antwort zu formulieren. Noch während er spricht. Viele Gespräche funktionieren so.

Ab und an merkt der andere, was in uns passiert und er spricht uns darauf an. Wie schnell sind wir dabei, zu versichern, doch zugehört zu haben, können sogar noch ganze Satzfetzen wiederholen. Und ja, die Worte hörten wir wohl, doch den (gemeinten, nicht interpretierten) Sinn dahinter?

Gespräche dienen der Kommunikation. Oft wird die verstanden als Informationsaustausch. Ich habe was zu sagen, der andere soll es hören. Und meist bin ich davon überzeugt, dass meine Meinung, meine Information richtig ist. Ich will den anderen davon überzeugen. Dieser aber geht mit derselben Haltung daran. Er hat seine Meinung, die hält er entgegen. Im besten Fall teilen wir eine Meinung und nicken uns wohlwollend zu.

Wie viel ist uns entgangen. Wir haben nichts über den anderen erfahren, nichts über uns selber, keine neue Sicht dazugewonnen – wir stehen noch immer am selben Punkt wie vorher, es flossen nur ein paar Worte hin und her.

Ein wirklicher Dialog bringt mehr. Er erfordert aber auch mehr. Ein wirklicher Dialog bedingt, dass wir einander begegnen – im wahrsten Sinne des Wortes. Wir lassen uns auf den anderen ein als der, welcher er ist. Wir nehmen ihn ernst und wissen uns selber auch ernst genommen. Wir sind offen dafür, was er zu sagen hat, setzen ihm nicht gleich unsere Sicht entgegen. Wir sind offen für seine Botschaft, aber auch dafür, was sie in uns auslöst. Beide kommentieren oder werten wir nicht gleich. Wir nehmen beides wahr. Und so lernen wir was über ihn und über uns. Und über die Welt, in der wir diesen Dialog führen.

„Schliesslich besteht der Zweck dieser Reden darin, dass wir miteinander kommunizieren. Es geht nicht darum, Ihnen eine Reihe von Vorstellungen aufzudrängen. Vorstellungen und Ideale verändern nie den Geist, führen nie zu einer radikalen Veränderung des Bewusstseins. Aber wenn wir zur gleichen Zeit auf der gleichen Ebene persönlich miteinander kommunizieren können, dann ist vielleicht ein Verstehen möglich, das nicht blosse Propaganda ist.“ (Jiddu Krishnamurti)

Ein wirklicher Dialog hilft, unsere doch sehr begrenzte Sicht zu erweitern. Jeder Mensch hat nur eine begrenzte Sicht – auf sich und auf die Welt. Indem wir uns den anderen öffnen, können wir unsere Grenzen erweitern – und die der andern werden durch uns erweitert. Erst durch den anderen können wir überhaupt auch etwas über uns selber erfahren, denn: Die blindesten Flecken haben wir bei uns selber. Andere zeigen sie uns auf – weil wir durch sie uns selber besser wahrnehmen. Wir brauchen andere Menschen, ohne sie wären wir nichts, ganz sicher nicht lebensfähig.*

Damit ein wirklicher Dialog gelingen kann, braucht es verschiedene Dinge:

• die Hinwendung eines Menschen als Ganzes zum anderen als Ganzer
• Begegnung auf Augenhöhe
• die Bereitschaft, sich selber einzubringen
• Authentizität in Wort und Gefühl
• direkte Reaktion statt vorgefertigte Meinungen
• Alle Themen und Meinungen dürfen thematisiert werden
• Wirkliches Zuhören
• Gegenseitiger Respekt
• Offenheit
• Verantwortung übernehmen
• Gegenseitiges Lernen
• Mitgefühl

Nur wenn sich Menschen als Menschen auf Augenhöhe begegnen, wenn sie sich ganz und so, wie sie sind, einbringen, wenn sie sich so geben, wie sie sind, statt etwas darstellen zu wollen, wenn sie auf das reagieren, was wirklich ist, statt auf vorgefertigte Muster zurückzugreifen, anderen Sichtweisen und Meinungen gegenüber offen bleiben, diese wirklich anhören und in sich hineinhören, was das mit einem selber macht, dann ist ein wirklicher Dialog möglich. Und dann wird sich etwas verändern. In allen am Dialog beteiligten. Dann lernen alle voneinander und gehen gestärkt und reicher aus dem Dialog heraus.**

„Dieses Offensein für jede neue Erkenntnis im Aussen und Innen: das ist das Wesenhafte des modernen Menschen, der in aller Angst des Loslassens doch die Gnade des Gehaltenseins im Offenwerden neuer Möglichkeiten erfährt.“ (Pablo Picasso)

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* Die diesen Gedanken zugrunde liegende Theorie wird in einem nächsten Artikel weiter ausgebreitet, hier steht der Gedanke als nicht weiter erläutertes Axiom.

** Das Thema ist nicht spezifisch auf die Schule zugeschnitten, da es in allen Altersgruppen ein wichtiges ist. Gerade aber im Schulbetrieb erachte ich den echten Dialog als sinnvoll und für ein autonomes Lernen im Sinne einer Begleitung des Lernenden durch seinen Lehrer auf dem eigenen Weg und eine Begegnung auf Augenhöhe für unabdingbar.

Schweizers Sicht auf Österreich (2019)

Er war einmal Kanzler,
er war es nur kurz,
so hiess er ja auch,
doch das ist nun schnurz.

Er ging bald ganz schnell,
so knapp nach nur kurz,
es war nicht sehr lang,
es war schlicht nur kurz.

Was nun nur noch zählt,
ob lang oder kurz,
ist was nun denn wird;
wohl wieder nur kurz?

Ob dieses Mal lang,
oder wieder nur kurz,
man wird es wohl sehn,
es ist eigentlich schnurz.

Ein Kommen und Geh’n,
und keiner versteht’s,
man tut, was man soll,
es kommt, wie es muss.

©Sandra Matteotti