Hermann Hesse: Bücher

Bücher

Alle Bücher dieser Welt
Bringen dir kein Glück,
Doch sie weisen dich geheim
In dich selbst zurück.

Dort ist alles, was du brauchst,
Sonne, Stern und Mond,
Denn das Licht, danach du frugst,
In dir selber wohnt.

Weisheit, die du lang gesucht
In den Bücherein,
Leuchtet jetzt aus jedem Blatt –
Denn nun ist sie dein.
(Hermann Hesse, 1918)

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Für das Projekt „Lyrische Helfer“ – Gedichte für glückliche Zeiten oder wenn man das Glück sucht

Wir alle wollen glücklich sein und tun auch sehr viel, das Glück zu finden. Wir denken, wir müssen etwas bestimmtes haben, leisten oder erreichen, damit das Glück in unser Leben kommt, suchen es bei Menschen, in Büchern, gar in Therapien. Wir sind wie der Bauer, der aufbricht, um einen Schatz zu finden und nicht merkt, dass dieser im eigenen Garten schon da gewesen wäre, er hätte ihn nur sehen und giessen müssen.

Wir sind wie ein Garten, in uns ist alles Gute (und auch anderes) angelegt. Wir entscheiden, was davon wir giessen und zum Wachsen bringen. Wenn wir in uns die guten Anlagen wie Liebe, Mitgefühl und Güte giessen, wird sich das Glück von selber einstellen. Glück findet sich nicht im Aussen, wir können es nicht erreichen. Es ist schon da, wir müssen es nur sehen und wachsen lassen.

Minimalismus: Bewusster Konsum

Wenn man über Minimalismus liest, findet man häufig Anleitungen, nach welchen Kriterien man sich von Dingen trennen soll, die man besitzt, um mit weniger bewusster und mit weniger Ballast leben zu können. Nun fällt es nicht immer leicht, Dinge wegzuwerfen, selbst Fragen wie „macht mich das glücklich?“, „brauche ich das wirklich?“, etc. führen nicht immer zu einer mit leichtem Herzen getroffenen Entscheidung.

Vielleicht fällt es leichter, wenn wir damit beginnen, was wir ins Haus holen, statt damit, was wir hinausräumen wollen? Nicht nur hilft uns das, Geld zu sparen, weil wohl so einiges im Regal bleibt, des Weiteren öffnet es uns vielleicht auch die Augen, mit welchen Begründungen wir all das, was wir zu Hause haben, angehäuft haben – so fällt es uns in einem zweiten Schritt leichter, die Argumente zu hinterfragen, die uns zum Behalten drängen wollen.

Wie viel von dem, was wir besitzen, nutzen wir auch wirklich? Wie viele der Blusen tragen wir, wie viele hängen nur im Schrank? Dasselbe gilt für Hosen, Röcke, Jacken, Schuhe. Wenn wir also wieder einmal an einem Schuhgeschäft vorbei gehen: brauchen wir wirklich ein weiteres Paar Schuhe? Wie oft werden wir Gelegenheit haben, es zu tragen? Gäbe es da Alternativen, die wir schon besitzen? Wenn nein, gibt es vielleicht ein Paar, das dafür ausziehen könnte?

Oft hilft auch ein Gedanke an die Nachhaltigkeit, sinnloses Anhäufen zu vermeiden: Es ist sinnvoller, etwas mehr auszugeben, dafür Kleider, Geräte, Gebrauchsgegenstände zu haben, die länger halten, statt ständig wieder neuen günstigen Schrott zu kaufen, der nach kurzer Zeit das zeitliche segnet, dann aber oft nicht ausrangiert wird, sondern in der Schublade weiter sein Dasein fristet. Dass wir damit – wenn wir noch ein wenig auf die Produktionsbedingungen achten – auch gleich einen Beitrag an die soziale Gerechtigkeit leisten, kommt als schöner Nebenaspekt dazu.

Wie oft flatterte schon Werbung ins Haus und du musstest plötzlich etwas dringend haben, von dem du vorher nicht mal wusstest, dass es existiert? Werbung abbestellen und im eigenen Leben hinschauen, was wirklich gebraucht wird, hilft oft auch, den Konsum einzuschränken. Den gleichen Effekt hat es, mit klaren Vorstellungen einkaufen zu gehen und sich nicht von Regal zu Regal treiben zu lassen, um noch etwas zu finden, wovon man nicht mal geträumt hatte.

Rabatte klingen nach Sparen. In Tat und Wahrheit gibt man oft mehr aus dadurch als man spart. Geschäfte rechnen damit. Wir kaufen, weil wir denken, nie mehr so günstig dazu zu kommen. Allerdings hatte es Gründe, dass wir es nicht kauften, als es noch nicht herabgesetzt war.

Ab und an hilft vielleicht nur ein gezielter Kaufstopp. Einen Monat wird nichts eingekauft (ausser lebensnotwendige Lebensmittel – keine Hamsterkäufe). Und alles, was wir sehen, im Normalfall in den Einkaufskorb gepackt hätten, legen wir als Geld in eine Kasse. Oft staunt man am Ende des Monats, was dadurch alles gespart werden konnte.

Schlussendlich müssen wir nicht vom Saulus zum Paulus werden. Ein wenig mehr Bewusstsein für unser Tun hilft aber oft, die Augen zu öffnen für Mechanismen, die sich eingefahren haben, zu Gewohnheiten wurden. Und gerade da, wo diese mehr belasten als freuen oder gut tun, ist das durchaus hilfreich.

Tagesgedanken: 3. August

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„Ein jeder ist dir auf einem Gebiet überlegen und von jedem kannst du etwas lernen.“ (Ralph Waldo Emerson)

Hast du dich auch schon mal beim Gedanken ertappt, dass andere Dinge besser können als du? Und oft passiert dir das bei Dingen, die dir wichtig sind, bei denen du selber gut sein willst. Doch: Mit wem vergleichst du dich?

Hast du dich auch schon mal beim Gedanken ertappt, dass du etwas weisst, dein Gegenüber von dir lernen kann? Nie wäre es dir in den Sinn gekommen, dass auch der andere dir noch was zeigen könnte.

Im Zen Buddhismus gibt es den Begriff des Anfängergeistes. Er ist eines der höchsten Güter. Wir sind dann wirklich fortgeschritten, wenn wir uns jeden Tag als Schüler sehen. Als Menschen, die gerade anfangen. Mit offenem Blick. Mit Neugier. Mit dem Wunsch, zu lernen.

Ein schöner Gedanke. Einfach nochmals anfangen. Die Welt neu sehen. Ohne Schubladen, ohne Kategorien, ohne zu meinen, alles wissen zu müssen. Mit einem frischen Blick. Offen.

Minimalismus – Gesprächskultur

Ich habe kürzlich zum Thema Minimalismus geschrieben (HIER) und gesagt, dass ich das Thema sporadisch weiterverfolgen möchte. Heute habe ich mir Gedanken zu unserer Gesprächskultur gemacht.

Wenn man Gespräche genauer anschaut, merkt man oft, dass es mehr Menschen gibt in ihnen, die reden, als solche, die zuhören. Sagt einer etwas, spielen sich oft folgende Szenarien ab:

  • er wird mitten im Satz unterbrochen
  • Das Gegenüber feilt innerlich schon an der Antwort, bevor der Sprechende überhaupt zum Punkt kam
  • Das Gegenüber wartet ungeduldig ab, dass er Sprechende fertig ist, um dann nicht darauf einzugehen, sondern ein eigenes Thema zu bringen

Es gäbe wohl noch viele weitere Varianten, aber ich denke, mein Punkt wurde verstanden. Statt dem anderen seinen Raum zu lassen, drängen wir uns an ihm vorbei und stellen uns in den Mittelpunkt. Wir haben etwas zu sagen (glauben wir zumindest) und wollen damit gehört werden. Zum Zuhören fehlt da die Zeit, der Wille und die Geduld. Und schlussendlich auch der Respekt.

Nun könnte man sagen: Böse Nicht-Zuhörer, arme Sprechende. Das wäre wohl zu einfach. Eine Teilschuld liegt sicher auch bei den Sprechenden selber. Wie oft sprechen wir, nur damit gesprochen ist? Wir zerreden Banalitäten, die eigentlich keiner Erwähnung wert wären, breiten das sowieso Offensichtliche in allen Breiten und Tiefen aus, obwohl es schon jeder kennt. Wieso? Weil wir es können. Weil wir da was wissen. Und das wollen wir zeigen. Und ja, wir wollen sprechen, denn: Wer nicht spricht, der wird nicht wahrgenommen und wer nicht wahrgenommen wird, der existiert in einer Weise gar nicht. Er wird übersehen, überhört, er ist inexistent.

Wie viel Platz hätten wir für wichtige Themen, wenn die ganzen Offensitlichkeiten wegfielen? Ich sage nicht, dass wir fortan nur noch bierernst durchs Leben gehen müssen und uns nur noch mit den grossen Problemen der Menschheit beschäftigen dürfen, im Gegenteil. Humor und Witz machen das Leben erst lebenswert. Gerade, wenn es schwer ist.

Aber: Das Wetter sieht jeder selber und was in den Zeitungen steht, kann jeder, den es interessiert, nachlesen. Dass es im Sommer heiss ist und bei Regen nass, liegt in der Natur der Sache. All das erzählen wir uns aber gegenseitig. Um ja nicht still zu sein. Stille scheint bedrohlich, denn man könnte in ihr merken, dass man sich nichts zu sagen hat. Nichts zu sagen hat man sich nicht, wenn man sich nichts sagt, sondern dann, wenn man die Stille nicht erträgt und sie mit Unsäglichkeiten vollstopft.

Manchmal ist weniger mehr. Auch beim Sprechen.

Minimalismus

Es gab immer mal wieder Zeiten, in denen ich mich mit Minimalismus auseinandersetzte. Der Gedanke, viel zu viel zu haben, das ich nicht brauche, machte dabei meist den Anfang. Beim Minimalismus (wie in diesem Artikel verstanden – das Thema ist aber viel breiter, was aber Thema eines nächsten Artikels sein wird) handelt es sich im weitesten Sinne um einen Lebensstil, bei dem man sich von Unnötigem und Ballast befreit und sich auf das Wesentliche beschränkt. Wenn mich das Thema mal wieder anspringt,  gehe ich durch die Wohnung und miste aus. Ganze Abfallsäcke landen im Auto und gefüllte Autos fahren zur Entsorgung. Trotzdem ist meine Wohnung alles andere als leer. Da ginge wohl mehr. Nur: Wie? Und was?

Wir leben in einer Konsumgesellschaft. Wir haben alles und das meist im Überfluss. Nie war es zudem so einfach, neue Dinge zu kaufen, sind sie doch nur noch einen Klick im Internet entfernt. Man muss nicht mal mehr die gute Stube verlassen, um diese mit Möbeln, Büchern, Dekoartikeln auszustatten. Essen kriegt man frei Haus, meist bestellt man ein wenig mehr, um die Liefergebühren zu senken – ein Teil davon wird oft schlecht und landet im Abfall. So haben wir mehr und mehr Dinge, wohin wir schauen, und weniger und weniger Bewusstsein dafür, was wir wirklich brauchen und wozu. Dafür wächst eines ständig: Der Wunsch, mehr und mehr zu haben. Leider geht das selten einher mit mehr Zufriedenheit.

Es bleibt auch nicht beim Haben-Wollen, oft folgt dem ein Zeigen-Wollen. Früher zeigte man guten Freunden die Wohnung oder am Stammtisch Fotos in der Art „mein Haus, mein Auto, mein Boot“, heute stellt man die Bilder online und lässt sich auf der ganzen Welt bewundern. Und: Man bewundert die anderen und findet immer ganz viel, was man auch noch haben sollte.

Doch damit soll nun Schluss sein. Ich las den Tipp, ich solle durch die Wohnung gehen und alles in die Hand nehmen, mich fragen, ob es mich glücklich macht. Wenn die Antwort nein sei, könne ich es wegwerfen. Nun: Mein Geschirr macht mich nicht glücklich, die Töpfe auch nicht – aber: Ohne wird essen etwas schwer. So war das wohl aber auch nicht gedacht.

Ich möchte mir in nächster Zeit vermehrt Gedanken zu dem Thema machen. Es auch einerseits in mein praktisches Leben integrieren und dieses daran ausrichten, mich andererseits auch auf anderen Wegen damit auseinandersetzen. Ich bin gespannt, wohin mich der Weg führt, ob sich was verändert, wie es sich anfühlt. Ich bin gespannt, wovon ich mich trennen werde, was mehr Gewicht kriegt, wo mehr Raum entsteht – und wofür.

Müsste ich ein Ziel definieren, wäre es dieses: Ich möchte mich mehr auf das Wesentliche konzentrieren. Ich möchte die Essenz finden, statt in Massen zu wühlen. Ich möchte hinschauen, was mir Wert ist und was nur Ballast ist. Ich möchte mehr Achtsamkeit dafür entwickeln, was ich wieso konsumiere, sammle, wünsche. Ich werde sicher kein Asket und Generalverzichtler werden, aber weniger (dafür das richtige) wäre durchaus mehr – davon bin ich überzeugt.

 

20. Juli

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„Man muss jedem Hindernis Geduld, Beharrlichkeit und eine sanfte Stimme entgegenstellen.“ Thomas Jefferson)

Eigentlich sähest du den Weg klar vor sich, doch dann zeigt sich dieses Hindernis, das alles in Frage zu stellen scheint. Zweifel kommen auf, Ärger auch, du siehst dich vor der Aufgabe, dieses Hindernis aus dem Weg zu räumen. Während du einerseits haderst, dass es überhaupt da ist, suchst du anderseits nach Lösungen – nicht immer sind sie offensichtlich. Wie gerne würdest du alles hinwerfen? Oder zumindest einfach nur schimpfen über den Gang der Welt und die Ungerechtigkeit des Lebens?

Manchmal brauchen Wege mehr Zeit als geplant oder gewünscht. Manchmal stellen sie sich auch als weiter als gedacht heraus. Geduld und Beharrlichkeit sind die Zutaten, die ans Ziel führen. Damit aber nicht genug. Das Hadern und Schimpfen mag zwar auf den ersten Blick als Seelenhygiene wirken, doch zu weit getrieben kann es auch Energie- und Hoffnungsräuber werden. Auch wenn es nicht immer einfach ist, hilft es, neben der Geduld und Beharrlichkeit auch noch für ein ausgeglichenes Gemüt zu sorgen, die Gelassenheit, auch bei Hindernissen einen ruhigen Kopf und damit eine sanfte Stimme zu bewahren.

Doch wie so oft: Es ist nicht immer einfach, es mag auch nicht immer gelingen. Behält man das aber im Hinterkopf, hat man bei jeder neuen Situation wieder eine neue Chance, es zu üben.

5. Juli

„Courage ist gut, aber Ausdauer ist besser.“ Theodor Fontane

Neues zu wagen braucht ab und an Mut. Man weiss nicht, wo der Weg hinführt, hat keine Ahnung, was der Weg mit einem macht und vor allem weiss man auch nicht, ob man je ans Ziel kommt. Geht man den neuen Weg dann mal an, dann hilft sicherlich eines: Ausdauer beim Gehen. Und auch wenn es das schöne Bonmot gibt, dass jede Reise mit dem ersten Schritt beginnt, ist es wichtig, auch die nächsten zu gehen.