Friedrich von Schiller (1759 – 1805)

Nänie

Auch das Schöne muss sterben! Das Menschen und Götter bezwinget,
Nicht die eherne Brust rührt es des stygischen Zeus.
Einmal nur erweichte die Liebe den Schattenbeherrscher,
Und an der Schwelle noch, streng, rief er zurück sein Geschenk.
Nicht stillt Aphrodite dem schönen Knaben die Wunde,
Die in den zierlichen Leib grausam der Eber geritzt.
Nicht errettet den göttlichen Held die unsterbliche Mutter,
Wann er, am skäischen Tor fallend, sein Schicksal erfüllt.
Aber sie steigt aus dem Meer mit allen Töchtern des Nereus,
Und die Klage hebt an um den verherrlichten Sohn.
Siehe! Da weinen die Götter, es weinen die Göttinnen alle,
Dass das Schöne vergeht, dass das Vollkommene stirbt.
Auch ein Klagelied zu sein im Mund der Geliebten ist herrlich;
Denn das Gemeine geht klanglos zum Orkus hinab.

(1799)

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Projekt „Lyrische Helfer“ – Ein Gedicht, wenn man traurig ist, wenn jemand gestorben oder etwas vorbei ist

Schiller behandelt die Vergänglichkeit. Goethes Faust wünschte sich, einmal sagen zu können, der Augenblick sei so schön, er möge verweilen. Der Mensch tendiert dazu, Schönes festhalten zu wollen, doch liegt nicht auch in dessen Vergänglichkeit ein Teil der Schönheit? Wäre es nicht schön, würden wir ihm nicht nachweinen, wäre es immer da, achteten wir es gering. Erst der Umstand, dass es nicht da ist, lässt es uns wünschen, dass es wieder geht, lässt es uns schätzen. Alles hat seine Zeit, die Kunst ist wohl, die Dinge dann zu geniessen, wenn sie da sind, um sie dann wieder loszulassen.

Max Bachmann (5. 6. 1933 – 10. 5. 2018)

Memento

Vor meinem eignen Tod ist mir nicht bang,
Nur vor dem Tode derer, die mir nah sind.
Wie soll ich leben, wenn sie nicht mehr da sind?

Allein im Nebel tast ich todentlang
Und laß mich willig in das Dunkel treiben.
Das Gehen schmerzt nicht halb so wie das Bleiben.

Der weiß es wohl, dem gleiches widerfuhr;
– Und die es trugen, mögen mir vergeben.
Bedenkt: den eignen Tod, den stirbt man nur,
Doch mit dem Tod der andern muß man leben.

Mascha Kaleko

Wenn ein wunderbarer Mensch geht, bleibt die Dankbarkeit, ihn gekannt zu haben.

In Gedenken an einen wunderbaren Ehemann, Vater (den besten für mich) und Grossvater.

 

Nicht düsteres Schicksal bestimmt unsere Zukunft – wir bestimmen sie selbst. Tag für Tag, in jedem Augenblick können wir nicht nur unser eigenes Leben, sondern auch die Lebensqualität anderer Menschen auf unserem Planeten formen und erneuern. Wir verfügen über diese Macht.

41HR9WsIoGL._SX311_BO1,204,203,200_Dalai Lama und Desmond Tutu trafen sich anlässlich des 80. Geburtstags des Dalai Lama in dessen Exilheimat Indien und sprachen eine Woche lang über die Freude. Begleitet wurden sie dabei vom Journalisten Douglas Abrams, der die Gespräche schlussendlich zu diesem fertigen Text zusammentrug und das Thema mit Erkenntnissen aus der Neurobiologie wie durch persönliche Beobachtungen aus seinem Leben sowie aus dem Zusammentreffen der beiden alten Freunde anreicherte.

Wie kann man in Anbetracht auf das viele Leid auf dieser Welt Freude bewahren? Diese Frage stand immer wieder im Zentrum. Es ist eine Frage, die man auch dem Dalai Lama immer wieder stellt, welcher als Kind schon Verantwortung übernehmen musste und schlussendlich aus seiner Heimat vertrieben wurde, so dass er seit 50 Jahren im Exil lebt. Auch Desmond Tutu blickt auf turbulente Zeiten zurück, wenn man bedenkt, welchen Kampf er gegen das ehemalige Apartheid-Regime in Südafrika führte. Und strahlen beide Männer eine tiefe Freude und Gutmütigkeit aus. Züge der Verbitterung oder Worte des Hasses sucht man vergebens.

Freude und Glück lassen sich nicht erlangen, indem man eigenen Zielen und Erfolgen nachläuft […] sondern nur im Geist und Herz des Menschen, und wir hoffen, dass jeder dort Freude und Glück findet.

Worauf also gründet die Freude? Wir begegnen in diesem Buch den acht Säulen der Freude:

  1. Blickwinkel: Es gibt verschiedene Sichtweisen
  2. Bescheidenheit
  3. Humor
  4. Akzeptanz
  5. Vergebung
  6. Dankbarkeit
  7. Mitgefühl
  8. Grosszügigkeit

Jede dieser Säulen wird näher erläutert und es werden Übungen genannt, wie man sie aufbauen kann, so dass sie tragend werden.

„Das Buch der Freude“ ist ein inspirierendes Buch, ein lehrreiches Buch, ein Buch, das zum Nachdenken anregt und Freude macht beim Lesen. Durch die Beschreibungen der Hintergründe des Treffens ist es auch ein Buch, das Einblicke in das Wesen einer Freundschaft gibt. Fast hat man ab und an das Gefühl, dabei zu sitzen, den beiden beeindruckenden Männern zuzuschauen und mit ihnen eine Tasse Tee zu trinken.

Fazit
Ein wunderbares Buch: inspirierend, lehrreich, zum Nachdanken anregend – ein Buch, das zeigt, was Freude ist, wie man sie erlangen kann, und das beim Lesen Freude macht. Prädikat: Absolut empfehlenswert.

Über die Autoren
31HEYd66JuL._UX250_Tenzin Gyatso, Seine Heiligkeit der 14. Dalai Lama, bezeichnet sich selbst als einfachen buddhistischen Mönch. Geboren 1935, floh er nach der Besetzung Tibets 1959 nach Indien, wo er seitdem im Exil lebt. Das geistliche und (bis zu seinem freiwilligen Rückzug 2011) weltliche Oberhaupt der Tibeter wurde 1989 mit dem Friedensnobelpreis geehrt. Seine spirituelle Arbeit, seine Bemühungen um die politische, religiöse und kulturelle Identität Tibets sowie sein Einsatz für den Weltfrieden finden Anerkennung in der ganzen Welt.

21rkvg0J7cL._UX250_Desmond Mpilo Tutu, geboren 1931, ist emeritierter Erzbischof der Anglikanischen Kirche in Südafrika. Als wichtigste Symbolfigur neben Nelson Mandela im Kampf gegen die Apartheid erhielt er 1984 den Friedensnobelpreis. Ab 1995 war er Vorsitzender der Wahrheits- und Versöhnungskommission in Südafrika, die nach den Prinzipien von Mahatma Gandhi arbeitete. Seine Politik der Vergebung und Aussöhnung wurde zum leuchtenden Beispiel für gewaltfreie Konfliktlösung. Auch im Alter von 84 Jahren setzt sich Bischof Tutu unermüdlich weltweit für Frieden und Menschlichkeit ein.

Douglas Abrams ist Lektor, Autor mehrerer erfolgreicher Romane und Sachbücher und seit mehr als zehn Jahren Koautor von Desmond Tutu. Als Gründer der Literaturagentur Idea Architects engagiert er sich besonders für Projekte, die das Ziel verfolgen, mehr Weisheit, Gesundheit und Gerechtigkeit in die Welt zu bringen.

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 384 Seiten
Verlag: Lotos Verlag, Auflage 9 (26. September 2016)
Übersetzung: Helmut Dierlamm, Friedrich Pflüger
ISBN: 978-3778782651
Preis: EUR: 22.99 ; CHF 38.90
Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

Merke:

  • wenn dich die Menschen fragen, wie es dir geht und noch vor deiner Antwort meinen, sie wüssten es genau,
  • wenn andere fragen, was du brauchst, und dir dann sagen, was es sein soll,
  • wenn andere Menschen dir Kraft wünschen, und sie dann für sich beanspruchen,

ist die Zeit grad übel und der Umgang der falsche…

Zweites lernt man meist in ersteren.

Ab und an macht die blosse Artikulation den anderen so misslaunisch, dass es schwer ist, nochmals ans wirkliche Thema anzukoppeln – geschweige denn an die Beziehung.

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Für die abc.etüden, Woche 19.18: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Wortspende für die Textwoche 11.18 kommt von Frau M.Mama (meinnameseimama.com)

Sie lautet: Artikulation, misslaunisch, koppeln

Der Ursprungspost: HIER

Ich war eine lange Zeit sehr aktiv in den sozialen Medien unterwegs. Vor allem auf Facebook. Das tat nicht immer gut. Ich bin ein Mensch, der hinschaut, tief geht. Das ist nicht immer gewünscht. Ich bin ein Mensch, dem alles sehr nahe geht, der sich Dinge zu Herzen nimmt. Darunter litt ich sehr. Ich durfte nicht einfach sagen, was ich fühle, ich musste es filtern, da es taxiert wurde. Und verurteilt. Ich merkte oft: Man sucht fast nach Fehlern bei andern und drückt den Daumen rein. Und: Mir gingen all die Schicksale nah, die ich las. Ich nahm Anteil. Und merkte: Viele produzieren sogar ihr so genanntes Leid medienwirksam. Es geht nicht um ein Miteinander, um Mitgefühl, es geht um Likes.

Ich habe mir dann eine Auszeit genommen bei Facebook. Das war für mich das grösste Haifischbecken. Instagram ist viel Schein, aber selten Angriff. Twitter ist kurz und knapp, man kann alles mit der Zeichenzahl begründen oder entschuldigen. Facebook ist gnadenlos. Da leben sie sich aus. Ich mochte Facebook lange. Aber ich merkte, es tat mir nicht gut. Drum diese Nachricht:

Ich war eine Woche raus aus FB. Man glaubt es kaum. Es ging gut. Und es fiel wohl gar nicht vielen auf. Das ist gut. Ich gehe nicht ganz raus aus FB, aber ich werde kürzer treten. Und: Da ich hier freiwillig und zum Spass bin, lösche ich in Zukunft alles, was mir nicht gut tut. Wer nun was von Filterbubble babbeln will, darf sich gerne löschen. Ich mag kontroverse Diskussionen, aber keine Oberlehrer (ich habe zum Glück einen Schulabschluss und meiner reicht mir). Ich mag Kunst, aber es ist nicht alles Kunst, was sich solche schimpft und die Freiheit hat da wie überall eine Grenze, nämlich die, wenn die Freiheit anderer begrenzt wird. Ich mag keine Rassisten, keine Diskriminierer, keine Menschenverachter und keine ach so Lustigen, die auf alles einen doofen Kommentar haben. Ich suche hier keinen Mann, keiner muss sich fragen, wo ich die Zeit für das hernehme, das zu tun, was ich tue, ich werde auch nicht offenlegen, was ich dabei verdiene und wieso.

Ach ja: Den Witz, ob ich aus meinen Yogastellungen wieder raus komme, den hörte ich schon einige Male. Er ist weder originell noch lustig. Ich steh nicht so auf Dummheit und plakative Witze. Wenn jemand meint, sagen zu müssen, dass das schmerzen müsse, muss ich gestehen, dass ich wohl im Leben vieles tat, das schmerzte, wie wohl jeder Mensch. Für ein Foto in den sozialen Medien würde ich keine Schmerzen eingehen. Wozu? Einige verbiegen sich, um die Erwartungen anderer oder des täglichen Lebens zu erfüllen, ich tue es auf der Matte. Ich könnte das andere nicht. Ich bin sehr dankbar, dass ich es nicht muss.

Wer sich nun fragt, wieso ich das alles schreibe? Es hat klar Gründe. Wie sagte schon Heidegger in seiner Schrift „Der Satz vom Grund“:

„Nichts ist ohne Grund“

Ich werde mir kein dickeres Fell zulegen (wurde mir oft geraten), ich stehe zu meinen Schwächen und Problemen (ich bin kein Einhorn, ich bin ein Mensch), ich muss mich hier nicht anpissen lassen – wozu? Dazu gibt es das Leben, das tut es schon gut. Man sollte sich daneben Räume schaffen, die gut tun.

Ich bin gespannt auf die Reaktionen. Aber: Sie sind eigentlich nicht wichtig. Menschen, die an mir als Menschen interessiert sind, die möchte ich nicht verlieren. Davon gibt es einige auf Facebook. Und: Sie mag sie als Menschen und nehme Anteil. Und das möchte ich weiter tun können. Der Rest hat sicher genug Plattformen, sich zu produzieren. Vermutlich geht es bei den sozialen Medien im Grunde darum. Ich suche Menschen. Und Menschlichkeit. Ich habe wenige Mittel, etwas in der Welt zu verändern. Ich kann nur im Kleinen anfangen.