Wäre Neid wirklich grün, erschräke so mancher beim Anblick im Spiegel.
©Sandra Matteotti
Denkzeiten – Sandra von Siebenthal
Philosophie und Lebens-Kunst
Wäre Neid wirklich grün, erschräke so mancher beim Anblick im Spiegel.
©Sandra Matteotti
Ich habe nichts
und taug’ drum nichts,
was kann ich denn
schon bieten?
Denn wer nichts hat,
der gilt auch nichts.
So geht es
kleinen Leuten.
Man rümpft die Nase,
hebt die Stirn,
und schaut verächtlich
dann herab.
Was will so wer
denn überhaupt,
was meint er,
wer er sei?
Die Antwort, die
ist schnell bereit:
Ein Nichts und Niemand, nur
ein Fehler im System.
©Sandra Matteotti
im kampf der worte
ungesagt
offene fragen
ungefragt
herz aus stein
in trümmern liegend
haltende arme
verschlossen jetzt
eiserne mauern
und nichts
kommt durch.
©Sandra Matteotti
Es war einmal ein kleines Kind,
das fragte viel, wie Kinder sind.
Wieso ist die Banane krumm?
Wer ist gescheit und wer schlicht dumm?
Wo kommt die Liebe her, wo geht sie hin?
Will ich da sein, wo ich jetzt bin?
Haben Tiere auch Gefühle,
gibt’s in Jerusalem genügend Stühle?
Was sehe ich, was du nicht siehst,
Wer ist nun schön und wer das Biest?
Wer muss gehorchen, wer hat Macht?
Was ist ein Krieg, was nur ne Schlacht?
Wieso sind Früchte so gesund,
was macht den Mond oft kugelrund?
Wie melkt man eigentlich die Mäuse
und wie kriegt man schlussendlich Läuse?
Was macht im Sommer Blumen bunt,
und wer bestimmt die letzte Stund’?
In welchem Alter ist man wirklich alt
und wie viel Grad sind bitterkalt?
So fragt das Kind ganz munter weiter,
von bewölkt bis richtig heiter.
Man sitzt so da und staunt gar gross,
woher nimmt es die Fragen bloss?
Es sind die Fragen schlichtes Streben,
zu verstehen, ganz zu leben,
mit jeder Blume, allem Schönen,
der Lebensfreude neu zu frönen.
Drum seid euch sicher, eins ist klar:
Was richtig ist, und was ist wahr,
das findet nur, wer Fragen stellt,
weil sich dann die Welt erhellt.
Bewahre drum das Staunen dir:
Sind zwei mal zwei auch wirklich vier?
Denn was wir glauben oder sehen,
eines bleibt: Wunder geschehen!
@Sandra Matteotti
Vom Umgang mit den eigenen Wünschen
Ich möchte dir
nur liebe geben
nicht nur neben
mit dir leben
dich erkunden
tief empfunden
sinn ergeben
deinem leben
und daneben
eng verbunden
all die Stunden
glück erleben
dich gefunden
unumwunden
zu nur geben
dass mein leben
dir verbunden
wie beim weben
strang um strang
dem band entlang
den faden schlagen
dass es hält
ein leben lang
©Sandra Matteotti
Es sind die kleinen Dinge im Alltag, an denen man die grosse Liebe erkennt.
©Sandra Matteotti
Oft denken wir
das Gute nur
vergessen gern
den Rest.
Es bleibt am Schluss
die Sahne bloss,
vergessen ist
der Mist.
Und was dann kommt
misst sich an dem,
was denken grad
gerückt.
So hat es dann
gar schweren Stand,
die Latte ist
schlicht einfach hoch.
Man setzt das Mass
vergisst alsdann,
die Augen-
wischerei
Und macht sich so
das Hier und Jetzt
kaputt mit dem,
was nie so war.
©Sandra Matteotti
Ich komme als Mensch
und ich will zu dir.
Lass mich herein,
öffne die Tür.
Nimm mich ganz an,
so wie ich halt bin,
sieh meinen Kern,
so den ganz tief drin.
Oft sind wir nur so,
wie’s and’ren gefällt,
wir passen uns an,
der ganzen Welt.
Vergessen dann schnell,
wer wir wirklich sind,
vergessen ganz schnell,
das innere Kind.
Dann spielen wir Rollen,
mal jene, mal die,
nur den, der wir sind,
den spielen wir nie.
Drum brauchen wir einen,
der uns so nimmt,
der uns erkennt,
wenn alles stimmt.
Und wie er bei uns,
so wir auch bei ihm,
von Mensch zu Mensch,
es führt nichts umhin.
So sitzen dann ich
und du vis-à-vis,
hätt’ ich nen Wunsch:
Es wär nur dies!
©Sandra Matteotti
Hier sitze ich
so ganz allein,
trink zufrieden
ein Glas Wein.
Denke, dass auch
dies „Allein“
mitunter so ganz
schön kann sein.
Müsst ich doch
– oh Gott, oh nein,
ansonsten teilen
meinen Wein.
©Sandra Matteotti
Es gab eine Zeit,
so dunkel und leer,
da dachte ich bei mir,
das Leben sei schwer.
Es gab viele Tage,
die drückten so sehr,
ich sah weder Licht noch
Hoffnung gar mehr.
Du tratst in mein Leben,
nie hätt’ ich gedacht,
dass einer allein so
was Schönes entfacht.
Wo grade noch Dunkel,
ist nun ganz viel Licht,
wo grade noch Schweres,
ist Leichtigkeit schlicht.
Und wenn ich im Leben
was wünschte für mich:
Ich möchte dir geben,
was ich hab durch dich!
©Sandra Matteotti
Das geheime Kriegstagebuch des Erich Kästner
1933 wurde Erich Kästner von den Nationalsozialisten als Autor verboten. Trotzdem blieb er als einer der wenigen prominenten und intellektuellen Gegner des Systems in Deutschland, sicherte sich sein finanzielles Überleben durch schreiben unter Pseudonym, entstanden sind in der Zeit einige Drehbücher zu unterhaltsamen Komödien. Dass ein kritischer Geist wie Kästner aber nicht einfach zuschaut, ohne sich Gedanken zu machen, liegt auf der Hand. Zwar konnte er diese nicht mehr schriftlich unter die Leute bringen, aber er hielt sie in einem blauen Buch fest.
„Der Entschluss ist gefasst. Ich werde ab heute wichtige Einzelheiten des Kriegsalltags aufzeichnen. Ich will es tun, damit ich sie nicht vergesse, und bevor sie, je nachdem wie dieser Krieg ausgehen wird, mit Absicht und auch absichtslos allgemein vergessen, verändert, gedeutet oder umgedeutet sein werden.“
Kästner hütete das kleine Buch wie seinen Augapfel, schrieb oft auch stenografisch, damit das Entziffern des Geschriebenen nicht so leicht fiele, sollten es in falsche Hände geraten. So entstand zwischen 1941 bis zum Kriegsende ein Buch mit persönlichen Aufzeichnungen Kästners zu den Ereignissen an der Front in Berlin sowie zum Kriegsgeschehen allgemein. Auch Kneipenwitze, Zeitungsmeldungen und der Alltag der Zivilisten fanden Eingang in das blaue Buch, wurden von Kästner wiedergegeben und kommentiert. Der Tonfall reicht dabei von deprimiert bis hin zu bissig und böse.
Das Blaue Buch ist nun als geschmackvoll gestaltetes Buch mit vielen erklärenden Anmerkungen im Atrium Verlag erschienen. Es stellt sich die Frage, wieso Kästner seine Aufzeichnungen nicht selber in Buchform publizieren wollte, als der Krieg vorbei war. Ein Grund dafür mag sein, dass man sich gleich nach Kriegsende mit der Erinnerungskultur noch eher schwer tat. Es mussten einige Jahre vergehen, bis diese sich ausbreitete und auch Gehör fand. Dass dieses doch sehr persönliche Werk nun doch noch seinen Weg zum Publikum findet, ist eine Bereicherung, da es einen sehr direkten, eindringlichen und kritischen Blick auf das Kriegsgeschehen des Zweiten Weltkrieges präsentiert.
Fazit:
Ein persönliches, informatives, eindrückliches ab und an auch humorvolles Buch eines kritischen Geistes. Absolute Leseempfehlung!
Zum Autor
Erich Kästner wurde 1899 in Dresden geboren und starb 1974 in München. Der Schriftsteller, Satiriker, Dramatiker und nicht zuletzt Autor der berühmten Kinderklassiker ›Das doppelte Lottchen‹, ›Das fliegende Klassenzimmer‹, ›Pünktchen und Anton‹, ›Emil und die Detektive‹ und ›Die Konferenz der Tiere‹ wurde mit zahlreichen Preisen bedacht (u.a. mit dem Büchner-Preis und der Hans-Christian Andersen-Medaille).
»Erich Kästner war ein wehmütiger Satiriker und ein augenzwinkernder Skeptiker. Er war Deutschlands hoffnungsvollster Pessimist und der deutschen Literatur positivster Negationsrat. War er ein Schulmeister? Aber ja doch, nur eben Deutschlands amüsantester und geistreichster. Er war ein Prediger, der stolz die Narrenkappe trug.« Marcel Reich-Ranicki
Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 405 Seiten
Verlag: Atrium Verlag AG (9. Februar 2018)
ISBN-Nr.: 978-3855350193
Preis: EUR 32 / CHF 44.90
Zu kaufen in Ihrer Buchhandlung vor Ort oder online u.a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH