Kraft, das Leben anzugehen

Wir gehen durchs Leben und das Leben fliesst so dahin. Wir hadern mit allem, was nicht passt und schimpfen, zetern, gehen weiter. Ab und an erfreut uns was, wir nehmen es zur Kenntnis, gehen weiter. Das Leben nimmt seinen Lauf, die Zeit verrinnt, vollgepackt mit Pflichten, Arbeit, Streben nach allem, was erstrebenswert scheint oder uns als solches vorgemacht wird. Und wenn das Streben nicht fruchtet, hadern wir wieder und sind unzufrieden.

Ab und an schimpfen wir mit uns selber, dass wir nicht erreichen, was wir gerne hätten. Wir schelten uns zu dumm, zu faul, zu sehr mit Unglück behaftet. Wir neiden anderen, was sie haben, weil wir es auch gerne hätten oder ab und an sogar nur, weil sie es haben. So einfach. Sie haben es, sind glücklich (oder scheinen so) und wir sehen dieses Glück und hätten das auch. Und wir finden  tausend Gründe, wieso wir es mehr verdient hätten, dieses Glück zu haben, als sie .

Und irgendwann ist dieses Leben vorbei. Und wir blicken vielleicht zurück. Und denken an die schönen Dinge und sind hoffentlich zufrieden.

Hier könnte die Geschichte zu Ende sein. Sie könnte aber auch erst anfangen. Wenn wir mal hinsehen, so ganz genau, und analysieren, womit wir hadern, was unser Leben wirklich – so ganz wirklich – beinhaltet – und wonach wir streben, so fällt – ich möchte fast wetten – auf, dass das, womit wir hadern, oft Kleinigkeiten sind, sicher keine Lebenswichtigkeiten. Das, wonach wir streben, sind oft Äusserlichkeiten wie Besitz, Erfolg, Geld, Ruhm, Ehre, Zuneigung (aufgrund von Leistung oder Aussehen oder anderem).

Schauen wir das Leben an, wie es ist, sehen wir uns wohl mit Menschen konfrontiert, die das Glück hatten, in ein Land geboren zu werden, in dem  mehrheitlich Frieden herrscht. Es sind Menschen, die ein Dach über dem Kopf haben, zu essen, einen Computer (sonst könnten sie das nicht lesen), Internet (dito), somit wohl fliessend Strom und wie ich denke auch Wasser. Sie können lesen, weil sie genug Bildung geniessen durften, es zu lernen. Und es gibt sicherlich noch ganz viel mehr, das positiv in die Waagschale geworfen werden könnte, das aber im Alltag einfach als selbstverständlich untergeht. Wer dankt schon jeden Tag dem Mann, dass es ihn gibt, dass er zuhört, wenn Probleme da sind? Wer dankt dem Kind, vor allem, wenn es mal ungezogen ist, dass es gesund ist und einen liebt, wie man ist, einem auch die Fehler verzeiht, die man macht? Wer ist dankbar für den Strom aus der Dose und die Schulbildung, die hinter einem liegt, statt nur die doofen Lehrer Revue passieren zu lassen und einen innerlichen Freudentanz aufzuführen, dass das Kapitel abgeschlossen ist?

Das Leben ist kein Ponyhof und es birgt vieles an Leid, an Unschönem, an Schmerz und Ungewolltem. Die Buddhisten sagen gar, das Leben sei Leid. Sie sagen aber auch, dass es Lösungen gibt für dieses Leid. Und in meinen Augen fangen diese Lösungen immer bei einem selber an. Wir können die Welt nicht ändern. Wir können oft nicht mal unser kleines Umfeld grundsätzlich ändern. Wir können uns aber bewusst werden, was alles gut ist in unserem Leben. Wir können dankbar sein dafür, dass so vieles gut ist. Und dass auch schwierige Zeiten (wenn auch oft erst im Nachhinein sichtbar) eine positive Seite mit sich brachten, weil man etwas gelernt hat, etwas erkannt hat, gewachsen ist. Und ja, es gibt auch diese ganz fiesen, miesen Dinge, die weder Sinn noch Zweck noch Erklärung haben, die einen einfach heimsuchen, umstossen, fertig machen. Es gibt kein Warum und kein Wofür. Jeder kennt sie, jeder hat sie wohl.

Aber es gibt daneben die anderen Dinge, die darüber nicht vergessen werden sollten. Vielleicht wäre es heilsam, jeden Abend aufzuschreiben, was an diesem Tag gut war. Immer 5 Dinge. Wenn man geübt ist, 10. Später 15. Und dann kann man das Licht löschen und in Dankbarkeit für diese 5, 10 oder 15 Dinge einschlafen. Am nächsten Tag hat man immer noch genug Kraft, die anderen anzugehen. Und wer weiss: Vielleicht werden sie weniger. Vielleicht auch weniger drückend. Vielleicht bleiben sie aber genauso schlimm wie sie es am Tag zuvor waren, aber man hat in und für sich ein wenig Kraft geschöpft, sie anzugehen.

Politik mit dem Tod

Ein Flieger des Schweizer Militärs stürzt ab, einer der Insassen ist ein deutscher Militärarzt, der sein ganzes Herzblut in seine Arbeit steckte, der sein Leben nun bei diesem Unfall verloren hat. Die Schweizer Politiker haben nichts besseres zu tun, als diesen Unfall für ihre Propagandazwecke zu nutzen; die einen schimpfen unter Berufung auf das Unglück gegen Fliegereinsaätze und die anderen regen sich auf, dass ein Deutscher im Schweizer Militär sitzt, und wollen gegen die Masseneinwanderung Propaganda machen. Auch das auf dem Unglück eines Menschen.

Wie krank und pietätlos ist diese Welt eigentlich, dass man nicht mal vor dem Tod eines Menschen innehält und ihn für eigene Zwecke ausschlachtet? Wie grausam und kalt agieren hier Politiker, indem sie alles instrumentalisieren, um ihre eigene Haltung zu untermauern? Die Rechtfertigung, es sei zum besten des Landes (das jeder für sich zu wissen in Anspruch nimmt), lasse ich nicht gelten, denn dafür müsste man mit Argumenten auffahren, die sachlich sind und die damit eine wirkliche Grundlage für die je eigene Meinung bieten.

Wie beruhigend wäre es doch, wenn die Politik, die sich um das Wohl eines Landes bemüht, von sachlichen Argumenten, menschlichen Gefühlen und gesundem Menschenverstand geleitet wäre. Eine Utopie?

Humor und Mitgefühl

Humor ist, wenn man trotzdem lacht.

Das impliziert, dass man lacht, obwohl es einem nicht gut geht. Trotzdem. Es klingt, als ob das gut ist so, gewollt.

„Niemand will dich weinen sehen, also lache, sonst stehst du alleine da. „

Diesen Rat erhielt ich als kleines Mädchen. Menschen wollen keine Probleme, die hätten sie schon selber, sie wollten Menschen, die feiern, fröhlich sind, positiv. Und wahrlich: Tauchen Probleme auf, reduzieren sich die Freunde oft. Man hört und sieht es überall.

Spass muss sein.

Muss er? Immer? Ist Ernst überholt? Antiquiert? Langweilig? Borniert? Sicher wohl abgelehnt.

Heute kann man alles durch den Kakao ziehen. Wer nicht lacht, hat den Witz nicht begriffen oder ist einfach zu steif. Humor kennt keine Grenzen und wo sie doch sind, werden sie gebrochen und die Brechenden fühlen sich als grosse Pioniere. Alle düsteren Themen werden plötzlich der Spasskultur anheim gegeben.

Szenenwechsel

Krieg, Unfrieden, Streitereien, Anonymität, Skrupellosigkeit, Unmenschlichkeit, Intoleranz. Ein paar Stichworte, die in der heutigen Gesellschaft häufig zu hören sind. Es gäbe derselben noch viele mehr. Keiner hört hin, keiner fühlt mit, jeder ist sich selbst der nächste, jeder schaut auf seinen Profit. Die Stimmen werden laut, man müsse wieder mehr für ein Miteinander einstehen, müsse wieder mehr am Leid der anderen teilnehmen, könne sie nicht einfach ihrem Schicksal überlassen.

Kinder sterben, Alte verhungern, Kranke serbeln dahin. Nahrung fehlt, Geld fehlt, Würde fehlt. Wir sehen im Internet, TV und in Magazinen Bildern von Zerstörung, von Leid, von Tod. Wir blättern um, zappen weiter, klicken uns zur nächsten Seite. Unbeirrt,  nicht betroffen.

Wir seien abgebrüht, heisst es, wir seien abgestumpft durch die Überflutung durch Informationen. Unser Hirn müsse sich schützen, um nicht unterzugehen, es könne nur noch die wirklich wichtigen Dinge annehmen und darauf reagieren. Die Hürden werden höher gesetzt, es braucht immer noch mehr Blut, noch mehr Leid, noch mehr Gewalt, um etwas auszulösen.

Szenenwechsel

Ein Unglück passiert und man hört davon. Was nun?

Humor ist, wenn man trotzdem lacht?

Einfach mal einen Witz machen, wer nicht lacht ist selber doof? Oder war das Unglück nur ein Witz? Man war ja nicht dabei… Würde man nun in Tränen ausbrechen, stünde man schön blöd da… Augen zu und durch, als hätte man nichts gesehen. Damit wahrt man das Gesicht und sollte was sein, kümmert sich sicher ein anderer… und war es was, macht sicher bald jemand einen Witz darüber und man kann noch zünftig lachen, um zu zeigen, dass man voll up to date und mit Humor gesegnet ist.

Ich könnte nun schreiben, dass es dieser Welt gut tun würde, wenn die Menschen wieder achtsamer mit sich umgehen, dass sie sich überlegen, wem gewisse Witze wirklich etwas bringen und ob sie nicht nur einfach deplatziert, weil auf dem Leid vieler Menschen aufgebaut sind. Ich könnte mir wünschen, dass Worte bewusster gewählt und Gefühle tiefer gespürt würden, könnte hoffen, dass das Mitgefühl wieder vermehrt Einzug hielte und man auch nach all den grässlichen Bildern überall nicht aufhören könnte, zu trauern, wenn Unrecht und Leid passieren. Ob das jemand lesen wollte?

Oliver Sacks: Drachen, Doppelgänger und Dämonen. Über Menschen mit Halluzinationen

Ich sehe etwas, das du nicht siehst

Wahrnehmungen sind in gewisser Hinsicht teilbar – Sie und ich können uns darauf einigen, dass dort ein Baum steht, aber wenn ich sage: „Ich sehe dort einen Baum“, und Sie erblicken nichts dergleichen, werden Sie meinen „Baum“ für eine Halluzination halten, etwas, was sich mein Gehirn oder Geist ausgedacht hat und was für Sie oder jemand anders nicht wahrnehmbar ist.

Oliver Sacks widmet sein neustes Buch den Halluzinationen. Er  grenzt diese gegen Träumerei und Realität ab und fragt nach der Herkunft dieser Wahrnehmungen, die nicht allen zugänglich sind.

Doch Halluzinationen sind wir passiv und hilflos ausgeliefert: Sie stossen uns zu – selbstherrlich kommen und gehen sie, wann es Ihnen gefällt und nicht, wann es uns gefällt.

Während in einigen Kulturen Halluzinationen ähnlich wie Träume als besondere Bewusstseinszustände gesehen werden und man versucht, sie durch Meditation, andere Techniken oder Drogen herbeizuführen, werden sie in der westlichen Kultur mit Wahnsinn und Verstandesverlust in Verbindung gebracht. Betroffene schämen sich deswegen häufig und verheimlichen, dass sie Halluzinationen haben, weil sie fürchten, verurteilt zu werden.

Nicht zu verachten ist auch der Einfluss von Halluzinationen auf Kunst, Kultur und Religion. An bekannten Beispielen wie Charles Baudelaire, Fréderic Chopin und Aldous Huxley wird der Zusammenhang zwischen Halluzination und künstlerischer Porduktivität aufgezeigt.

Oliver Sacks erzählt in verschiedenen Fallbeispielen unterhaltsam und anschaulich, wie Halluzinationen auftauchen können, was sie für die Betroffenen bedeuten und wie diese damit umgehen. Neben der Darstellung der Symptome kommt auch der wissenschaftliche Hintergrund nicht zu kurz, bleibt aber in einem für den Laien verständlichen Rahmen, ohne zu vereinfacht und dadurch verfälscht zu werden.

Fazit:
Wissenschaft anschaulich und unterhaltsam, trotzdem fundiert und informativ geschrieben. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor
Oliver Sacks, geboren 1933 in London, ist Neurologe und wurde in der Öffentlichkeit vor allem als Sachbuchautor bekannt. Seine Bücher Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte oder Der Tag, an dem mein Bein fortging erreichten ein Millionenpublikum. Über seine Forschung zur Schlafkrankheit, die er in dem Buch Zeit des Erwachens schildert, wurde der gleichnamige Hollywoodfilm mit Robin Williams und Robert de Niro gedreht. Sacks lebt in New York und schreibt regelmäßig für Zeitschriften wie Time Magazine und New Yorker.

sacksdrachenAngaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
Verlag: Rowohlt Verlag (8. März 2013)
Übersetzung: Hainer Kober
Preis: EUR 22.95 ; CHF 35.90

Erhältlich in Ihrer Buchhandlung oder online bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

 

 

Ich bin gross und du bist klein

Ich bin gross und du bist klein,
und wenn wir uns auch noch so ähnlich sind,
jeder bleibt, so wie er ist[…]
du und ich, wir passen nicht,
ich und du, wir sind zwei linke Schuh’;
doch können wir nicht Freunde werden,
so wollen wir doch niemals Feinde sein.

Peter Maffay singt in seinem Musical Tabaluga von der Begegnung eines Salamanders mit dem Drachen Tabaluga. Die beiden mögen sich, doch müssen sie merken, dass sie trotz ihrer Ähnlichkeiten nicht zueinander passen. Zu verschieden sind ihre Lebensumstände, zu verschieden ihre Lebensnotwendigkeiten und Gepflogenheiten. Was hier nur ein Märchen ist, geschrieben für Kinder, trägt wie so oft eine tiefe Wahrheit in sich. Wie oft treffen wir im Leben auf Menschen, die uns anziehen, die auch Gefühle in uns wecken. Anfangs ist alles schön, alles spannend, man fühlt sich vertraut ob der vielen Ähnlichkeiten. Langsam mischen sich Misstöne in den Gleichklang, Disharmonien erklingen.

Man möchte sie nicht hören, man denkt an die Ähnlichkeiten, an das Hochgefühl, den so Ähnlichen gefunden zu haben. Man möchte ihn festhalten, sich an ihm festhalten. Man möchte das Gefühl bewahren und ignoriert die Misstöne. Irgendwann sind sie nicht mehr zu ignorieren, dann nimmt man sie zwar wahr, redet sie aber klein. Das Kleinreden nimmt immer mehr Zeit in Anspruch, die Disharmonien nehmen überhand. Noch immer kämpft man um das zuerst gesehen, will sich den Irrtum nicht eingestehen, weil mit ihm etwas zu sterben droht, was man so gerne am Leben halten würde.

Der Kampf um die wohlklingende Melodie wird härter, anstrengender, er raubt Energie, zu viel Energie. Man kommt an den Punkt, zu sehen, dass die Melodie so nicht mehr gefällt, dass sie wenig gemeint hat mit der, die man anfangs hörte. Man kommt zu dem Punkt, dass man sich lieber die Ohren zuhalten möchte als weiter zu hören, weiss aber nicht, trauert aber noch immer dem Wohlgesang nach.

Tief drin hätte man es schon ganz am Anfang wissen können. Die erste Zeile offenbarte es:

Ich bin gross und du bist klein.

Diese Sicht trägt nie für die Ewigkeit. Keiner mag sich auf Dauer in der Sicht des Kleinen sehen. Schon bei Kindern sieht man ihr Bemühen, als Grosse wahrgenommen zu werden. Schaut man auf Beziehungen unter Erwachsenen, sollte umso mehr die Sicht eine gleich grosse sein. Kommt nur irgendwann das Gefühl auf, einen ganz Grossen vor sich zu haben, sollte man sich fragen, wieso man sich selber als kleiner empfindet. Was ist der Massstab, wer hat ihn gesetzt? Wieso denke ich, einen Grossen zu brauchen und wieso er, dass ich klein sei? Ist er wirklich so gross, wenn er mich klein haben muss?

Ich bin  gross und du bist es auch – lass uns zusammen wachsen.

So könnte es gehen.

Philipp Probst – Nachgefragt

PProbstPhilipp Probst
Philipp Probst ist ein Schweizer Schriftsteller, Buschauffeur, Journalist, LKW-Fahrer – und noch einiges mehr. Bereits früh begann er zu schreiben, die ersten Geschichten entstanden während des Schulunterrichts. Im Alter von 16 und 17 Jahren schrieb er zwei Drehbücher, welcher auf Super-8 gleich selber verfilmte: Den Krimi Der Lebensretter und den Teenagerfilm Hoffnung, welcher zugleich Abschlussarbeit der Rudolf-Steiner-Schule war. Mit diesem Film gewann er in den 80er Jahren den zweiten Preis der Schweizer Jugendfilmtage. Nach einem kurzen Abstecher in den Buchhandel landete Philipp Probst im Journalismus, arbeitete für diverse Redaktionen und Medien und schrieb schliesslich 1994 sein erstes Buch Ich, der Millionenbetrüger Dr. Alder, welches 2009 unter dem Titel Der Fürsorger verfilmt wurde.  Von ihm erschienen sind daneben unter anderem Der Storykiller, Die Boulevard-Ratten und diverse Kurzkrimis .

 
Wer sind Sie? Wie würden Sie Ihre Biographie erzählen?

Ich bin ein kreativer und tüchtiger Mensch mit Ecken und Kanten – und vielen Schwächen. Die Biographie würde ich als unterhaltenden Roman erzählen, gäbe eine nette Ferienlektüre.

Wieso schreiben Sie? Wollten Sie schon immer Schriftsteller werden oder gab es einen Auslöser für Ihr Schreiben?

Ich schreibe wegen dem Basler Autor Hans-Peter Hammel, alias –minu. Seine Geschichten in der Zeitung fand ich toll. Zuerst wurde ich allerdings Journalist und Lastwagenfahrer. Auf dem LKW habe ich dann angefangen, meinen ersten Roman zu schreiben. Die langen Fahrten auf der Autobahn haben mich inspiriert.

Es gibt diverse Angebote, kreatives Schreiben zu lernen, sei es an Unis oder bei Schriftstellern. Ist alles Handwerk, kann man alles daran lernen oder sitzt es in einem? Wie haben Sie gelernt zu schreiben?

Schreiben zu lernen ist eine harte Ausbildung. Wichtig ist, einen guten Mentor oder Textchef zu haben. Dann ist es learning by doing. Und aus Fehlern lernen. Kritisch sein. Mutig. Grundsätzlich kann man Schreiben lernen. Talent hilft natürlich, doch das Wichtigste ist die Disziplin.

Wie sieht Ihr Schreibprozess aus? Schreiben Sie einfach drauf los oder recherchieren Sie erst, planen, legen Notizen an, bevor Sie zu schreiben beginnen?

Ich schreibe einfach drauf los und versuche, so wenig wie möglich korrigieren zu müssen. Die Phantasie soll arbeiten!

Wann und wo schreiben Sie?

Meistens zu Hause am Esstisch. Aber unterwegs geht auch. Eigentlich völlig egal wo, es geht sogar auf dem Smartphone.

Hat ein Schriftsteller je Feierabend oder Ferien? Wie schalten Sie ab?

Wenn ich schlafe.

Was bedeutet es für Sie, Autor zu sein? Womit kämpfen Sie als Schriftsteller, was sind die Freuden?

Die Freude ist, den Leserinnen und Lesern Freude zu bereiten. Als Autor zähle ich mich zur Unterhaltungsbranche. Ich stehe also nicht nur im Wettbewerb mit anderen Autoren, sondern auch mit Kino, TV, Internet und Games. Ein Buch zu schreiben macht Spass, es zu verkaufen ist pickelharte Arbeit.

Wie ist das Verhältnis zu den Verlagen? Hat sich das verändert in den letzten Jahren? Man hört viele kritischen und anklagenden Stimmen, was ist deine Sicht der Dinge?

Da die Spielregeln der freien Marktwirtschaft gelten, gibt es wenig zu jammern. Ein Buch ist ein Produkt, das es zu vermarkten gilt. Ende.

Sie wohnen in der Schweiz, schreiben meist über Schweizer Schauplätze. Die Schweiz ist ein kleines Land mit einer kleinen Literaturszene. Wie sehen Sie Ihre Stellung innerhalb des deutschsprachigen Raums? Sehen Sie sich im Nachteil als Schweizer, gibt es Vorteile oder ist das irrelevant?

Kommt darauf an, ob man sich als Autor im Buchmarkt oder in der Literaturszene bewegt. Die Literaturszene hat etwas Elitäres und zählt auf staatliche Förderung. Wer da rein kommt, darf sich „von“ nennen, wird eingeladen und kann sich in den anderen subventionierten Literaturszenen des deutschsprachigen Raums bewegen. Alle anderen Schriftsteller kämpfen im Buchmarkt, also in der freien Marktwirtschaft.

Woher holen Sie die Ideen für Ihr Schreiben? Natürlich erlebt man viel, sieht man viel. Aber wie entsteht plötzlich eine Geschichte daraus? Was inspiriert Sie?

Die Geschichte entsteht beim Schreiben. Am Anfang ist einfach eine Idee, die man im Leben aufschnappt. Ich lasse meinen Figuren und deren Handlungen grossen Freiraum: Manchmal machen sie das, was ich von ihnen erwarte, ab und zu überlisten sie mich aber auch. Dazu kommen plötzlich ganz neue Ideen, dann kommt die Geschichte halt anders heraus. Das ist aber egal, Hauptsache sie ist spannend und unterhaltend.

Goethe sagte, alles Schreiben sei autobiographisch. Das stimmt sicher in Bezug darauf, dass man immer in dem drin steckt in Gedanken, was man schreibt. Wie viel Philipp Probst steckt in ihren Geschichten? Stecken Sie auch in Ihren Figuren? Gibt es eine, mit der Sie sich speziell identifizieren?

Natürlich bestehen meine Figuren aus mir. Aber nicht nur. Da werden noch andere Menschen drin verpackt. Da die Geschichten für mich realistisch sein müssen, könnte ich sie selbst auch erleben. Viele Szenen in meinen Büchern habe ich auch erlebt. Allerdings ist das kein Verarbeitungsprozess, sondern die Möglichkeit, etwas hautnah zu erzählen. Da werde ich dann wieder zum Reporter.

Wieso schreiben Sie Krimis? Ist es das, was Sie auch am liebsten lesen oder kann man dabei die eigenen bösen Seiten ausleben, die man im realen Leben eher unterdrückt?

Ich fühle mich wohler mit dem Ausdruck Thriller. Nein, es geht nicht darum, das „Böse in mir“ auszuleben. Es geht nur darum, dass in einer Geschichte ja irgendetwas passieren muss. Sonst ist es keine Geschichte oder eben eine langweilige. Wenn ich lese, will ich eine Geschichte erleben. Das gilt auch beim Schreiben. Toll finde ich aber auch Liebesromane.

Ruhm, Ehre, Moral, ethische Prinzipien – deswegen wird in Ihren Krimis gemordet. Strebt (heute?) nicht jeder danach? Steckt in jedem Menschen ein Mörder, der über Leichen ginge, um das ihm höchste Ziel zu erreichen?

Nein. Viele Menschen sind zufrieden, sich im Mittelmass der Gesellschaft zu bewegen. Das bewundere ich.

Sie haben verschiedene interaktive Kurzkrimis realisiert, kürzlich haben Sie einen Fortsetzungskrimi für das Onlinemagazin buchmagazin.ch nach 35 Folgen beendet, bei welchem Sie Inputs von Lesern annehmen und damit die Geschichte weiter gesponnen haben. Was reizt Sie an diesem Vorgehen? Wie kamen Sie auf die Idee, solche Projekte in Angriff zu nehmen?

Das sind äusserst sportliche Projekte, die viel Phantasie und Disziplin abverlangen. Das Tolle daran ist, dass mit den neuen Medien viele neue Möglichkeiten entstanden sind, die im Buchmarkt und noch mehr in der Literaturszene überhaupt keine Anwendung finden. Heute kann man als Kunde beinahe jedes Produkt online mitgestalten – warum sollte man da nicht auch auf seine Lektüre Einfluss nehmen dürfen? Zudem sind solche Projekte Werbung für mich als Autor und meine Bücher. Eines meiner besten Projekte war ein SMS-Roman für eine Freundin. Brutal hart. Aber einfach toll. Hätte ich genügend Interessenten – ich würde einen Roman per SMS/WhatsApp liefern. Jeden Tag ein Stück …

Viele Autoren heute und auch in der Vergangenheit haben sich politisch geäussert. Hat ein Autor einen politischen Auftrag in Ihren Augen?

Nein. Aber er kann und darf und soll seine Meinung äussern. Da er aber heute praktisch gar nicht mehr nach seiner Meinung gefragt wird, muss er sich auch nicht damit beschäftigen. Da Medien ebenfalls nach den Regeln der freien Marktwirtschaft funktionieren, werden Prominente zu allem Möglichen befragt werden. Und falls es ein Schriftsteller zum Bestsellerautor schafft, trifft es automatisch auch ihn. Meistens allerdings zu Themen wie: „Kaufen Sie lieber im Coop oder in der Migros ein?“

Was muss ein Buch haben, dass es Sie anspricht?

Es muss spannend sein. Jeder Schriftsteller bekommt bei mir die Chance von 50 Seiten. Falls ich dann nicht mitfiebere, bin ich weg!

Gibt es Bücher/Schriftsteller, die Sie speziell mögen, die sie geprägt haben?

Ja, aber das sind so viele … Immerhin war ich mal Buchhändlerlehrling.

Wenn Sie einem angehenden Schriftsteller fünf Tipps geben müssten, welche wären es?

  • Schreibe mal 100 000 Zeichen, die einen Sinn ergeben, innert weniger Tage. Falls du dich schwer tust damit, mache was anderes in deiner Freizeit.
  • Schreibe einem Freund oder einer Freundin einen Monat lang einen Fortsetzungsroman per SMS. Damit testest du deine Phantasie.
  • Treibe Sport oder schaff dir einen Hund an. So lernst du Disziplin.
  • Betrachte die Schreiberei als Hobby. Auch eine Modelleisenbahn ist toll!
  • Werde auf irgendeine Weise TV-Promi. Denn nur wer dich kennt, wird dein Buch kaufen.

Ich bedanke mich herzlich für diese Antworten!

Weibes Mann – eine Ode

Es war einmal ein keifend Weib,
das hatte so ne Wut im Leib,
dass es nur zeterte und flucht’,
die Worte waren gar verrucht.

Der Mann , da musste einer sein,
was sonst wohl wäre so’ne Pein,
schaute erst gross und floh alsdann,
was tät er sonst, der gute Mann?

Doch wer nun denkt, das brächte Ruh,
der sieht das Gegenteil im Nu,
da nun das Klagen angefangen,
darüber, dass er weggegangen –

allein gelassen hat das Weib,
das nun trägt nur Schwarz am Leib.
Was taugt als Grund zum Jammern noch,
wenn der triftigste von dannen zog?

So ohne Sinn und ohne Grund,
ist Jammern schlicht und endlich Schund
und des Lebens Inhalt müssig,
man desselben überdrüssig.

Es muss schnell her ein neuer Mann,
Weib tut dazu, was es nur kann,
was hat sie sonst, die gute Frau,
ausser Wäscheberg und Michflussstau?

Es braucht das Weib nen g’scheiten Mann,
damit es wieder schimpfen kann.

Das Mädchen in der Jauchegrube

Es war einmal ein Bauernmädchen, das arbeitete Tag und Nacht. Es hatte keine Eltern mehr und auch sonst fühlte es sich von der Welt verlassen. Der Hof, auf dem es schuftete, gehörte bösen Bauernleuten, die nach aussen vorgaben, das Mädchen gnädig aufgenommen zu haben, da es ja niemanden habe, es aber in Tat und Wahrheit nur als günstige Arbeitskraft ausnutzten. Nacht für Nacht weinte sich das arme Ding in den Schlaf, Nacht für Nacht betete es um Erlösung.

Eines Tages kam ein Prinz geritten, sah das arme Bauernkind. Da es nicht nur arm, sondern auch noch ausnehmend hübsch war, stieg er vom Pferd und fragte, was es denn so täte? Da schüttete ihm das Bauernmädchen sein Herz aus, weinte dabei gar bitterlich. Der Prinz wusste gleich Rat, er wollte das gute Kind retten, schliesslich sei nicht nur sein Herz, sondern auch sein Schloss gross, dem schönen Wesen sollte es an nichts mehr fehlen.

Dem Bauernmädchen wurde warm ums Herz, es sah seine nächtlichen Gebete erfüllt. Der Prinz wollte nur noch alles vorbereiten, damit die Ankunft auf dem Schloss auch schön sei, dann hole er sie, meinte er. Von diesem Tag an ging dem Bauernkind die strenge Arbeit viel leichter von der Hand, ab und an hatte es gar ein Lied auf den Lippen bei deren Verrichtung. Die Tage zogen ins Land, ab und an kam der Prinz vorbei geritten, bekräftigte all seinen Reichtum und Grossmut, vertröstete die treue Seele auf später, wenn die Zeit reif sei, um alsbald von dannen zu reiten.

Langsam kamen dem Bauernmädchen Zweifel, ob das alles auch wahr sei, was der edle Ritter Mal für Mal versprach, und es beschloss, ihn beim nächsten Mal drauf anzusprechen. Hätte es das mal gelassen. Der Prinz war erzürnt ob ihres Misstrauens, fand es beschämend, dass sie seinem reinen Wort nicht traue, Taten fordere. Er ergoss sich in den wildesten Worten, die hier wiederzugeben das Märchengenre sprengen würde. Das Bauernmädchen wurde ganz klein bei all dem Schimpfen, sah sich im Unrecht, ihn als den Armen. Sie besänftigte ihn wieder, er ritt von dannen. Die Zeit strich ins Land, die Zweifel kamen zurück. Noch immer schien das Schloss nicht empfangsbereit, noch immer spielte der Prinz auf Zeit, alles verpackt in grosse Worte, Zukunftsträume und Schlösser, die er nicht Luftschlösser genannt haben wollte.

Wieder meldete das Bauernmädchen Zweifel an, wieder war der Prinz erzürnt, dieses Mal so sehr, dass er ihr die vorher so unendlich gross beschriebene Liebe entzog. Und nicht nur das, er erzählte jeder Kuh, die wiederkäuend den Anschein machte, mit ihm zu sprechen, wie undankbar und falsch das Bauernmädchen doch gewesen sei. Er spottete und höhnte und fühlte sich dabei so gross, fast so gross wie dann, als er noch von Prunkschlössern parlierte und den edlen Retter spielte.

Fazit von der Geschichte? Märchen sind doof und man sollte nicht auf den Prinzen warten, sondern den üblen Energiefressern die lange Nase zeigen und sich selber aus der Jauchegrube ziehen. Wer nämlich drauf wartet, dass ein edler Prinz vorbei geritten käme, wird noch morgen drin sitzen und von Luftschlössern träumen.

C.S.Forester: Tödliche Ohnmacht

Befreiungsschläge

Marjorie ahnte nichts von der drohenden Katastrophe, als sie vom Bahnhof kommend den Harrison Way entlangging.

ForesterOhnmacht Als Marjorie vom Ausgang heim kommt, findet sie ihre Schwester tot in der Küche. Alles deutet auf Selbstmord hin, auch wenn Marjorie dies nicht glauben kann. Marjorie ist Mutter zweier Kinder, verheiratet mit einem tyrannischen Ehemann, Tochter einer gewitzten Mutter, bald Geliebte eines netten jungen Mannes und gefangen in den Zwängen eines gutbürgerlichen Lebens. Ausbrechen geht nicht, bleiben auch nicht – das ist das traurige Fazit Marjories, welche jedoch keinen Ausweg aus der Misere sieht. Diesen erkennt nur ihre Mutter und führt fortan ihr Umfeld auf subtile Weise an den Punkt, ihre Befreiungsstrategie, welche auch eine Racheaktion ist, auszuführen.

Tödliche Ohnmacht verfügt über einen guten Plot, plastisch gezeichnete Figuren, lässt aber in Bezug auf Spannung sehr zu wünschen übrig. Verspricht der Klappentext ein fesselndes psychologisches Porträt, findet man dieses zwar, allerdings geht es unter in endlosen Alltagsbanalitäten, Ferienausflügen und flachen Dialogen.

Fazit:
Guter Plot mit hintergründigen Finessen und psychologischem Einfühlungsvermögen, welcher allerdings mit zu wenig Spannung umgesetzt wurde, um wirklich packend zu sein.

Zum Autor
C.S.Forester
Cecil Scott Forester wird am 27. August 1899 als Cecil Lewis Troughton Smith in Kairo geboren. Sein Vater, ein Beamter im ägyptischen Bildungsministerium schickt ihn zur Erziehung nach England, wo er anschliessend ein Medizinstudium beginnt, dieses aber zugunsten einer schriftstellerischen Laufbahn 1921 abbricht. Forester, wie er sich fortan nennt, arbeitet längere Zeit als Korrespondent für die Times in London und ist als Drehbuchautor für Hollywood (African Queen, Des Königs Admiral) tätig. Forester stirbt am 2. April 1966 in Fullerton, Kalifornien.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 280 Seiten
Verlag: Deutscher Taschenbuchverlag (1. August 2013)
Übersetzung: Britta Mümmler
ISBN-Nr.: 978-3423249713
Preis: EUR  14.90 / CHF 24.90

Paul und Pauline

Wenn ich mir so den Paul anschaue, dann hat er alles, was so ein richtiger Mann haben sollte. Er ist intelligent, charmant, sieht gut aus, kümmert sich um mich, buhlt um mich, versteht alles, was ich sage, findet alles gut, was ich mache, versteht nicht, wie das mein Mann nicht machen kann. Ja – mein Mann. Der ist nicht wie Paul. Mein Mann hat Fehler. Und zwar so richtig viele. Von den Socken am Boden angefangen über Chaos wohin man schaut bis hin zu so unangenehmen Angewohnheiten, die ich gar nicht alle aufzählen will, da sie mir sonst nur wieder zu präsent sind und ich mich darüber aufrege. Wieso ich diesen Mann habe und nicht Paul? Paul war grad nicht im Angebot, als ich meinen Mann kennen lernte und zudem war mein Mann auch mal ein Paul.

Was ist geschehen? Wo hörte mein Mann auf, Paul zu sein? Wo ging Paul verloren und mein Mann blieb? Und wieso kommt nun ein neuer Paul, wenn ich doch meinen Mann habe? Ich möchte eigentlich keinen Paul haben, denn der zeigt mir die Schwächen meines Mannes noch viel deutlicher. Und ich möchte keinen Mann haben, denn dann könnte ich Paul haben. Gut, ich könnte meinen Mann verlassen und Paul nehmen, Paul wäre bereit und würde sich freuen, er findet mich ja so gut und er ist ja auch so gut. Aber das macht man nicht. Nicht so einfach. Oder doch?

Allerdings: Wenn mein Mann auch mal Paul war und nun mein Mann ist, was ist, wenn Paul auch plötzlich mein Mann und nicht mehr Paul ist? Was, wenn ich dann wieder einen Paul treffe und wieder dastehe und einen Mann habe statt einem Paul? Was, wenn ich dann wieder von Mann zu Paul wechseln muss und wieder nur warten kann, bis auch aus dem Paul ein „mein Mann“ wird? Ist nicht jeder Paul ein Mann? Und sieht man nicht nur anfangs den Paul und irgendwann nur noch den Mann? Ist das der Lauf des Lebens? Oder aber der Lauf der eigenen Wertigkeiten? Vielleicht ist es auch der Preis der Nähe?

Je näher ein Mensch kommt, je mehr Zeit man mit ihm verbringt, desto mehr kommen alle Seiten zum Tragen. Zeigt man in frühen Phasen des Zusammenseins nur die guten, will man das zwar vielleicht später auch noch – wobei eine gewisse Nachlässigkeit wohl sicherlich normal ist –, aber es lässt sich nicht mehr so einfach durchhalten, weil die Zeiten, die schlechten auszuleben, kleiner werden, während die gemeinsamen Zeiten zunehmen, so dass es nicht ausbleibt, dass man eben die nicht gewollten Seiten öfters mal zu sehen kriegt. Während anfangs die Socken in Pauls Wohnung ungesehen am Boden liegen, tun sie das irgendwann in der gemeinsamen und fallen da ins Auge. Wer weiss, was bei Paul zu Hause alles so rumliegt?

Und irgendwann kommt es hart auf hart. Und Paul sucht das Weite, weil alles so schwierig und alles so kompliziert ist und Paul eigentlich lieber schönes Wetter hat als Regen. Und mein Mann steht da und zückt den Regenschirm. Und ich denke: Was kümmern mich Socken, wenn ich nicht im Regen stehen muss? Was störe ich mich an all den Kleinigkeiten statt die wirklich wichtigen Dinge zu sehen? Wieso bin ich nicht dankbar für das, was ist, statt zu hadern über das, was nicht ist? Natürlich ist nicht alles erlaubt und ein wenig Paul täte jedem Mann gut. Aber ich bin ja auch nicht nur Pauline, sondern ab und an halt auch nur die Frau  mit Jogginghose und schlechter Laune. Ab und an bin auch ich nur die Frau, welche nicht alles am Manne lobt und gut findet und ihn den schönsten und liebsten und besten, und trotzdem erwarte ich, dass er nicht gleich zu einer Pauline springt, die all das tut, weil er das ja durchaus sein kann – und mal war für mich und noch sein könnte, würde ich nicht nur die Socken und Alltäglichkeiten sehen.

Vielleicht sollten wir immer mal wieder den Paul im eigenen Mann sehen und auch ab und an Pauline sein.