Ein Morgen in München

Ich bin soeben aufgewacht. Die Nacht war tief und ruhig gewesen, geborgen. Als ich die Augen aufschlug, brauchte ich einen Moment, um zu wissen, wo ich war. Ich schaute mich um, sah die Teppiche, Bilder, braunen Holzregale, die vielen Bücher. Ich roch den Geruch, er hatte was von Mottenkugeln, von alt, auch was Beruhigendes. So wie du. Nun wusste ich, wo ich war. Gestern angekommen, hast du mich am Bahnhof abgeholt. Wir fuhren durch viele Strassen, du bogest wild ab, redetest unentwegt, erzähltest, wo wir genau waren, was du die ganze Woche gemacht hattest, wie du dich freutest, dass ich da war, was wir machen würden dieses Wochenende. Ich war still – und glücklich, da zu sein. Bei dir. In meiner Lieblingsstadt.

Ich lauschte. Alles war ruhig. Du schliefst wohl noch. Ich lag regungslos da, wollte dich nicht wecken, wusste auch nicht, was sonst tun. Du warst mir so nah, hier war mir alles fremd. Ich fühle mich unwohl an fremden Orten. Selbst wenn die Orte mir nahen Personen gehören. Es war kalt im Raum, ich mummelte mich in meine Decke. Plötzlich standst du in der Tür, fragtest, ob ich gut geschlafen hätte, lächeltest mich an. Deine Augen, braun und warm. Der Ort fühlte sich nicht mehr fremd an, ich fühlte mich zuhause. Ob ich Frühstück wolle. „Nur Kaffee“, antwortete ich. Gewohnheitstier, das ich bin, behielt ich wenigstens hier das Vertraute bei. Fast schon entschuldigend sagtest du, dass du was essen würdest, und du präsentiertest mir stolz deinen Toaster. Eine Bratpfanne, zwei Gabeln, Toastbrot drauf. Du lächeltest mich spitzbübisch an. Ich wusste schon da, dass ich diesen Toaster nie in meinem Leben vergessen werde.

Uns geht es gut

Wunsch nach Glück

Kürzlich kam mein Sohn zu mir und sagte: „Mama, eigentlich geht es uns doch wirklich gut.“ Er überlegte kurz und korrigierte sich: „Nein, es geht uns nicht eigentlich gut, es geht uns gut.“ Ich schaute ihn an und fragte ihn, wieso er das denke. Er sagte mir: „Wir haben ein schönes Zuhause, wir haben es schön miteinander, es fehlt uns an nichts. Uns geht es wirklich gut!“

Danke!

Rezension: Joël Dicker – Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert

Ohne Liebe ist alles nichts

Halten Sie die Liebe in Ehren, Marcus. Machen Sie sie zu Ihrer schönsten Errungenschaft, zu Ihrem einzigen Ziel. Nach den Menschen kommen andere Menschen. Nach den Büchern kommen andere Bücher. Nach dem Ruhm kommt anderer Ruhm. Nach dem Geld kommt anderes Geld. Aber nach der Liebe, Marcus, nach der Liebe bleibt nur das Salz der Tränen.

Eines Abends verschwindet Nola Kellergan spurlos. Ganz Aurora ist in Aufruhr, ganz Aurora beteiligt sich bei der Suche, aber Nola bleibt verschwunden. Nach einer ersten lähmenden Zeit der Angst, in der Familien ihre Kinder zuhause einschliessen, findet das Städtchen langsam wieder zur Normalität zurück, bis 30 Jahre später Nolas Leiche gefunden wird. Sie liegt im Garten des Mannes, der 30 Jahre vorher mit Nola just am Tag ihres Verschwindens weggehen wollte, um seine Liebe zu dem 15-jährigen Mädchen leben zu können: Harry Quebert, berühmter Schriftsteller, Professor und bislang hochangesehene Persönlichkeit.

Marcus Goldman ist Schriftsteller, erfolgreicher Schriftsteller mit nur einem Buch. Es will ihm nicht gelingen, ein zweites zu schreiben, obwohl ihm sein Verleger Strafe androht, wenn nicht bald eines erscheint. Die Schreibkrankheit hat Marcus im Griff. Eines Tages der Anruf von Harry. In seinem Garten wurde die Leiche von Nola Kellergan gefunden. Nola Kellergang war die Liebe in Harrys Lebens, nie hatte er nachher wieder geliebt. Sein ganzes Leben hatte er nur auf Nola gewartet. Nun war sie tot.

In meinem Leben gab es nur Harry und seltsamerweise stellte ich mir überhaupt nicht die Frage, ob er schuldig war oder nicht: Die Antwort hätte ohnehin nichts geändert. Das war ein komisches Gefühl. Ich glaube, ich hätte ihn lieber gehasst und ihm mit der ganzen Nation ins Gesicht gespuckt, das wäre einfacher gewesen. Stattdessen sagte ich mir nur: Er ist ein Mensch, und Menschen haben ihre Dämonen. Jeder von uns. Die Frage ist nur, wie viel man diesen Dämonen durchgehen lässt.

Marcus macht sich in Zusammenarbeit mit einem Polizisten auf die Suche nach dem wahren Mörder. Harry ist schnell entlastet, aber wer hat die kleine Nola Kellergan sonst umgebracht? Die Nachforschungen bringen nach und nach neue Details und Verstrickungen aus dem Jahr 1975 ans Tageslicht, die beiden Ermittler stossen auf immer mehr Unklarheiten und vor allem immer neue Verdächtige.

Joël Dicker lässt seinen Roman auf drei Zeitebenen spielen: Im Jahr 1975, als Nola Kellergan verschwand, in den Jahren 1998 – 2002, Marcus Goldmans Ausbildungsjahren, und im Jahr 2008, dem Jahr des Leichenfundes und der Ermittlungen. Trotz der drei Ebenen ist dem Leser immer klar, in welcher Zeit er sich befindet, und er spürt, wie sich langsam das Fadennetz zwischen den Zeiten verdichtet. Der Leser nimmt durch die unmittelbare Ich-Erzählung von Marcus Goldman an den Ermittlungen teil und will den Fall selber auflösen. Er leidet mit, er sucht mit, er zieht seine Schlüsse.

Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert ist eine packende Geschichte, die viel mehr als ein Krimi ist. Es ist die Geschichte über die Liebe, eine Geschichte übers Schreiben, eine Geschichte über die Wahrheit, die nicht immer ist, wie sie auf den ersten Blick scheint. In einer gut lesbaren Sprache, mit plastischen Figuren und realistischen Schauplätzen zeichnet Dicker eine GescBildschirmfoto 2015-01-18 um 09.10.15hichte, die den Leser einsaugt und nicht mehr loslassen will. Je weiter das Buch fortschreitet, desto stärker wird aber der Zwiespalt: Einerseits will man nicht aufhören zu lesen, andererseits wird das Buch viel zu schnell fertig sein, wenn man keine Pause macht. Die Welt des Harry Quebert wieder zu verlassen ist ein Abschied, der eine Lücke hinterlässt.

Fazit:
Eines der besten Bücher seit langem. Plot, Sprache, Charaktere – Erzählkunst auf höchstem Niveau. Packend, unterhaltend, wunderbar. Absolut empfehlenswert.

 

Zum Autor
Joël Dicker
Joël Dicker wurde 1985 in Genf geboren. Der studierte Jurist hat bislang zwei Romane geschrieben: Les Derniers Jours de nos Pères und La Vérité sur l’Affaire Harry Quebert. Für Letzteren bekam er den Grand Prix du Roman der Académie Française zugesprochen sowie den Prix Goncourt des Lycéens. Das bei einem winzigen Verlag erschienene Buch wurde in Frankreich zur literarischen Sensation des Jahres 2012 und mittlerweile in über 30 Sprachen übersetzt.

Angaben zum Buch:
DickerWahrheitGebundene Ausgabe: 736 Seiten
Verlag: Piper Verlag (13. August 2013)
Übersetzung: Carina von Enzenberg
ISBN-Nr.: 978-3492056007
Preis: EUR 22.99 / CHF 20.90

Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

Immer in meinem Herzen

Lieber Michael

Ich erinnere mich noch gut, wie du mir damals im Bahnhof Bern entgegen kamst. Von weitem schon sah ich dich. Du lächeltest mich an. Ich konnte dir nicht entgegen gehen, war wie festgenagelt. Ich stand schon lange da, viel zu früh war ich gekommen. Die Vorfreude hatte mich getrieben, die Neugier, die Aufregung. Wie ich dich so kommen sah, warst du mir vertraut. Und innerlich warst du es ja auch. Wir hatten so viele Stunden geredet, so viel geschrieben. Wir kannten uns so tief. Das hier war nur noch der letzte Funke – und er sprang über.

Wir verstanden uns blind und ohne Worte, trotzdem ging uns der Gesprächsstoff nie aus und ein Blick aus deinen Augen bedeutete mir die Welt. Er hüllte mich ein mit Wärme und gab mir die Geborgenheit, die ich so lange gesucht hatte. Du hast mich immer verstanden, in meinem Sein, in meinem Tun. Du hast mich bestärkt in meinen Träumen, machtest mir Mut, zu wagen, was ich wünschte. Mit dir sah ich mich dazu in der Lage.

Du hast gesagt, ich hätte in dir ein großes schwarzes Loch geschlossen, das seit langem da gewesen sei. Du sagtest, ich sei das, was deinem Leben Sinn gäbe. Ich glaubte dir. Weil du mich nie angelogen hättest. Weil ich dasselbe fühlte.

Unser Weg war kein gradliniger, er war nicht so schön, wie er eigentlich gemeint gewesen wäre. Alles hätte so einfach sein können, denn wir waren einander das, was der andere brauchte. Und doch habe ich mich gesträubt. Und doch traute ich mich nicht. Weil die Welt ist, wie sie ist. Weil keiner verstanden hätte, was wir hatten, und jeder seine dreckige Phantasie in alles gelegt hätte. Trotzdem ich dich auf Abstand zu halten versuchte, warst du mir immer näher als irgendjemand sonst. Wenn es dir nicht gut ging, merkte ich es, rief dich an. Umgekehrt genauso. Selbst wenn mal eine Weile Pause war – wir trafen den Punkt.

Du hast mir versprochen, zum Arzt zu gehen. Du hast es nicht getan. Als du dann gingst, war es zu spät. Du riefst mich aus dem Krankenhaus an, meintest, alles sei nur Routine. Ich wollte kommen, du sagtest, du kämest bald und verabschiedetest dich. Als ich dich nicht mehr erreichte, suchte ich im Internet. Ich las deine Todesanzeige. Meine Welt brach in Stücke. Ich schrie sie laut heraus, brach zusammen. Tränen flossen, um mich ein großes, schwarzes Loch. Wohl so schwarz wie das, das ich dir füllte – und dann nicht geschlossen hielt wegen meiner Angst.

Es sind nun sechs Jahre vergangen. Sechs Jahre, in denen kaum ein Tag verging, an dem ich nicht an dich dachte. Wenn es mir schlecht geht, wünsche ich mir dich her. Wenn ich nicht weiter weiß, frage ich mich, was du gemacht hättest. Wenn ich mich unverstanden fühle, weiß ich, du hättest mich verstanden. An gewissen Tagen hadere ich und gebe mir die Schuld. Was wäre geworden, wäre ich nicht so feige gewesen? Du fehlst mir. Jeden Tag. Aber du bist auch bei mir. Jeden Tag. Ich blicke zum Himmel und frage mich, ob du mich siehst, auch wenn ich nicht daran glaube. Ich höre noch heute deine Stimme. Dein Lachen. Sehe deinen Blick. Wenn ich ganz hilf- und haltlos bin, fasse ich den Anhänger an meiner Halskette. Du hast ihn mir geschenkt. Drei Herzen. Du meintest, eins für dich, eins für mich, eins für meinen Sohn. Dein Herz ist immer bei mir und du bist in meinem Herzen. Dafür bin ich dankbar.

In Liebe

Sandra

 

____________________________________________________

Dieser Brief ist Teil des Buches 1000 Tode schreiben, erschienen als E-Book und hier erhältlich.

Ewigkeit

Was ist Ewigkeit und wann fängt sie an?
Wenn es nicht zu Ende geht, wohin geht es dann?
Immer weiter?
Wie weit kann es gehen?
Was ist es überhaupt?
Alles?
Nichts?

Wenn es ewig gibt, kann es dann nichts geben?
Muss es nichts geben, weil ohne nichts alles nichts wäre?
Ist alles nichts?
Oder steckt im Nichts alles?
Ist nichts ewig und ewig nichts?
Wenn nichts ewig ist, gibt es dann ewig nicht?
Oder erst recht?

Rezension: Christa Bernuth – Das Falsche in mir

Leichen im Keller tauchen auf

Wenn er im Tötungsmodus ist, tötet er nicht wirklich. Der Anfang sind immer Fantasien und dabei bleibt es dann auch, glaubt er. Fantasien sind nicht strafbar, solange sie im Kopf bleiben. Er begeht kein Verbrechen. Ab einem bestimmten Punkt kann er nur nicht immer unterscheiden, was gedacht und was von dem Gedachten umgesetzt wird.

Als Jugendlicher bringt Lukas Salfeld seine Jugendliebe Marion um und büsst diese Tat 10 Jahre im Gefängnis. Danach baut er sich ein neues Leben auf, heiratet, kriegt zwei Kinder, hat einen Job. Keiner in seinem Umfeld weiss von seiner Vergangenheit.

Bisher war ich sicher, dass ich alles richtig gemacht hatte. ich hatte den richtigen Beruf gewählt. ich hatte die richtige Frau geheiratet – dunkelhaarig, kraftvoll, rassig, selbstbewusst genug, mich in Ruhe zu lassen.
Ich hatte zwei Mädchen gezeugt.
Ich gebe zu, das war dumm.

Lukas lebt sein Leben in sicheren Bahnen, versucht, seine zwar auftauchenden, aber im Kopf gefangenen Fantasien im Griff zu haben. Sein sorgsam aufgebautes Leben kommt ins Wanken, als ein junges Mädchen nach demselben Muster getötet wird, wie er einst Marion tötete. Lukas hat kein Alibi für die Tatzeit und auch keine Erinnerung. Verzweifelt macht er sich selber auf die Suche nach der Wahrheit, in Sorge darüber, was er herausfinden wird.

Christa Bernuth hat in Das Falsche in mir einen spannenden Plot realisiert. Durch die unmittelbare Sicht des Ich-Erzählers Lukas Salfeld ist der Leser immer live dabei, erlebt die Geschichte quasi aus erster Hand und aus der Perspektive des Verdächtigen. Das ist vor allem am Anfang etwas verwirrend, da man nicht weiss, wo man genau ist, was man da soll und wo das Ganze hinführt. Dass die Perspektive auch noch ab und an abschweift, man immer wieder von anderen Blickwinkeln auf die Geschichte schaut, ist dem Verständnis nicht dienlich.

Was bei der Ich-Erzählung etwas fehlt, ist die persönliche Involviertheit des Erzählers. In fast monoton erscheinender Weise schildert er, was gerade passiert, was er tun will, tut oder getan hat. Da driften Unmittelbarkeit des Erzählens und des Erzählten auseinander.

Nichtsdestotrotz ist Das Falsche in mir ein solider Krimi mit einem gut aufgebauten Spannungsbogen. Er braucht am Anfang ein wenig Durchhaltevermögen, um sich zurechtzufinden, zieht dann aber an.

Fazit:
Guter Plot, eigenwillig und verschachtelt aufgebaut. Spannende Geschichte, bei welcher der Leser lange im Dunkeln tappt. Empfehlenswert.

Zum Autor
Christa Bernuth
Christa Bernuth arbeitete nach dem Studium an der Deutschen Journalistenschule in München viele Jahre als freie Journalistin für verschiedene Zeitungen und Magazine. Ihre Kriminalromane wurden in mehrere Sprachen übersetzt und drei davon verfilmt. Christa Bernuth lebt mit ihrem Mann in München. Von ihr erschienen sind unter anderem die Romane Innere Sicherheit (2009) und Wer schuld war (2010),

Angaben zum Buch:
bernuthdas_falsche_in_mirTaschenbuch: 352 Seiten
Verlag: Deutscher Taschenbuchverlag (1. Januar 2014)
ISBN-Nr.: 978-3423249928
Preis: EUR 14.90 / CHF 29.90

Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

Journalismus heute

Journalismus heute ist ganz einfach. Ziel ist es, Leser zu gewinnen. Wie tut man das am besten? Man weckt ihre Emotionen. Dazu taugt eine reisserische Schlagzeile, ein Text, der Emotionen weckt, indem nur das preisgegeben wird, was diese schürt. Die Meute springt an, ereifert sich, bildet sich aufgrund selektiver Informationen eine festgefahrene Meinung und schiesst los. Im Zeitalter von Social Media resultiert eine Lawine an Meinungen und Aufschreien, die sich hochschaukeln, sich verbreiten.

Um die Stimmung zu halten, legt man als Zeitung nochmals nach, vertieft die selektiven Informationen um Punkte, welche die am meisten anstachelnden Details noch verstärken, so dass noch mehr Menschen noch aufgeregter sind. Wenn die Meinungen dann gemacht sind, oft das Kind mit dem Bade ausgeschüttet, legt man die restlichen Informationen nach, wodurch eigentlich ein komplett anderes Bild entsteht, eines, das niemals solchen Aufruhr generiert hätte (vielleicht Betroffenheit, keine Frage, nie aber eine überbordende, emotionale Anteilnahme, die Leser generiert und bindet). Leider hört zu diesem Zeitpunkt kaum mehr jemand hin. Die Meinungen sitzen fest, das Weltbild ist in gut und böse, schwarz und weiss eingeteilt.

Langsam werden die Wogen glatter, die sachliche Wahrheit wird wohl gehört, hat allerdings kaum je die Kraft, die negativen Spuren der vorgefassten Meinungen (wenn auch falsch begründet) zu eliminieren. Zurück bleibt ein Scherbenhaufen, im besten Falle die leise Absicht, nächstes Mal zurückhaltender zu sein bei der Meinungsbildung. Wie es mit Absichten so ist – wann wüsste man es besser als nach dem Neujahr –, halten sie selten lange, höchstens wohl bis zur nächsten reisserischen Schlagzeile. Und los geht der Hexentanz. Auf ein Neues.

Nun kann man sagen: Schuld sind die Leser. Würden sie ein bisschen gelassener reagieren, alles hinterfragen, ihre Emotionen in den Griff kriegen, käme es nie zu solchen Überbordungen. Nur: Beklagen wir nicht sonst schon, dass Emotionen zu kurz kämen, dass unsere Welt verrohe? Wieso tut sie es? Weil man als Mensch mit Emotionen und Mitgefühl oft über den Tisch gezogen wird. Weil es Menschen gibt, die genau da ansetzen und die Gefühle von Menschen instrumentalisieren, sie für ihre Zwecke nutzen.

Was in der Werbung angehen mag, geht es doch darum, ein Produkt zu verkaufen, wird beim Journalismus problematisch. Seit auch Zeitungsartikel darum werben, möglichst viele Leser zu haben, geht es nicht mehr um Informationsvermittlung, sondern um Kundenbindung. Und damit kommt es zu einem Zielkonflikt. Da man die Uhr nicht zurückdrehen kann, die Welt ist, wie sie ist, bleibt wohl nur, sich als Leser immer eines Umstands bewusst zu sein:

Jeder Text ist immer auch ein Werbetext – er wirbt um den Leser.

Schlachtfeld Internet

Man stelle sich ein grosses offenes Feld vor. Darauf stehen einzelne Krieger, die sich hinter Schutzschilden verstecken. Man sieht sie zwar da stehen, weiss aber nicht genau, wer oder was sich nun hinter dem Schild versteckt. Nun rufen die einzelnen Krieger hinter ihren Schutzschilden hervor. Die einen wollen nur spielen, die anderen sind ganz lieb, die dritten wollen geliebt werden und die vierten auffallen. Die fünften wissen, wie die Schlacht läuft, und wollen, dass alle das wissen, und die restlichen wissen nicht so ganz, was sie wollen, sind aber da, um es herauszufinden. Ob immer stimmt, was sie so rufen? Man weiss es nicht, man muss es hoffen und drauf vertrauen. Es liegt aber in der Natur der Sache, dass immer einige sich nicht nur durch den Schutzschild tarnen, sondern diesen dazu nützen, ihre wahren Motive zu verbergen. Sie rufen Friede, Freude, Eierkuchen und gute Motive ins Feld und untergraben dieses dann im Versteckten mit ihren eigentlich anderen Absichten.

Etwa so kommt mir aktuell die Internetlandschaft vor. Menschen tummeln sich im weiten Feld des weltweiten Netzes, sitzen gut versteckt hinter ihren Bildschirmen und trauen sich Dinge, die sie im realen Leben nie täten. Jeder plötzlich ein Held, jeder lebt aus, was er sonst nicht schafft. Gefühle anderer? Egal. Sollen sich nicht so haben, ist ja nur Spass, ist ja nur Internet. Und wenn es doch nicht so toll ist: Kein Problem, sind ja alle weit weg und können einem nix anhaben. Was schon im realen Leben schwer rechtlich zu verfolgen ist – Stalking und Mobbing – floriert in der Cyberwelt noch ungestörter. Selbsternannte Traummänner belagern ihre Traumfrauen vollumfänglich auf allen nur erdenklichen Wegen und Kanälen. Von sich überzeugte Besserwisser und Rächer des selbst erstellten Wahrheitsanspruchs schiessen gegen andere mit allen nur erdenklichen Waffen – und schaffen es teilweise sogar, eine Hilfsarmee zu gruppieren, die mitschiesst. Und alle rufen immer wieder hinter ihrem Schutzschild hervor: „Ich bin ein Lieber, ich weiss es nur besser und meine es gut. Wer das nicht sehen will, den bringe ich mit Einsatz und Gewalt dazu.“ Zwar resultieren aus der Gewalt im Netz weder Dolchstoss noch Kugelloch, doch die Verletzungen gehen tiefer, sie treffen die Seele.

Problematisch am Ganzen ist, dass sich mangels wirklicher Mittel, solche Übergriffe einzudämmen, meist nicht die Täter zurückziehen, sondern die Angegriffenen. Was so über kurz oder lang zurückbleibt im Feld, kann jeder selber erahnen. Wichtig wäre, sich gegen solche Angriffe zu wappnen, sie nicht durchgehen zu lassen. Die aktuell wohl einzige Massnahme dazu ist pure Ignoranz. Wer um jeden Preis auffallen will – und ohne Aufmerksamkeit macht der selbstdarstellerische Kampf keinen Spass -, sitzt so hoffentlich bald auf dem Trockenen. Und wer weiss, vielleicht geht er dann bald mit seinem Spiegel sprechen, da das Gegenüber dort das einzige ist, das noch auf ihn reagiert.

Zu hoffen bleibt, dass auch die Möglichkeiten im Netz bald besser werden, aktiv gegen solche Übel vorzugehen, damit das Internet wieder mehr Spielfeld wird und bleibt, statt zum Schlachtfeld zu verkommen.

Rezension: Hjorth & Rosenfeldt – Das Mädchen, das verstummte

Wenn Erinnerungen weh tun

Erik musste sich abwenden. Er hatte schon oft gesehen, wozu Menschen fähig waren, aber das hier…
Die Kinder. Die Schlafanzüge. Die kleinen nackten Beine. […] Er konnte sich nicht erinnern, schon einmal einen solchen Vorsatz gefasst zu haben, jedenfalls nie so konkret. Aber er würde denjenigen fassen, der das getan hatte.

In einer schwedischen Kommune wird eine Familie brutal ermordet. Zeugin des Verbrechens ist ein kleines Mädchen, das durch das Geschehen traumatisiert ist und aufhört zu sprechen. Zudem ist das Mädchen in Gefahr, denn der Mörder trachtet danach, sie ebenfalls umzubringen. Sebastian Bergman und die Reichsmordkommission stehen vor einer schwierigen Aufgabe. Nicole beginnt, Sebastian mit Zeichnungen ihre Erinnerungen mitzuteilen. Bald schon hat der Mörder ihre Spur gefunden. Ein Wettkampf gegen die Zeit beginnt, den Sebastian gewinnen will. Der Psychologe wird durch das kleine Mädchen an seine eigene, verstorbene Tochter erinnert, wodurch der Fall bei ihm alte Wunden aufreisst. Er will nicht noch ein Kind verlieren.

Das Mädchen, das verstummte ist der vierte Fall mit den Ermittlern der Reichskommission und Sebastian Bergman. Wieder machen die Beziehungsgefüge zwischen den einzelnen Mitgliedern der Truppe einen grossen Teil des Buches aus, es wird direkt an den letzten Band angeknüpft. Da die Probleme nicht weniger geworden sind, im Gegenteil, hat der Anteil ihrer Erzählung sogar noch zugenommen und dominiert nun das Buch. Die Geschichte des Verbrechens geht daneben teilweise unter, wird zum Nebenschauplatz, wodurch der Thriller oft schleppend und langatmig wird, der Fortgang der Geschichte unnötig gebremst.

Hjorth & Rosenfeldt ist wieder eine spannende Geschichte mit einem guten Plot gelungen, die Figuren sind plastisch, ihre Probleme psychologisch nachvollziehbar und gut erzählt. Das Buch weist einige Redundanzen auf, wird in seinem Fortgang durch Längen gebremst und verliert dadurch an Spannung, was schade ist. Trotzdem möchte man wissen, wie alles endet, sowohl die Verbrechensaufklärung wie auch Sebastians persönliche Geschichte ziehen den Leser in den Bann. Der Roman wäre mit zwei Dritteln des Umfangs gut ausgekommen und dadurch wohl spannender gewesen, nichtsdestotrotz ein unterhaltsames und gut geschriebenes Buch.

Fazit:
Spannender Plot und plastische Figuren, deren Geschichte gut erzählt wird. Einige Längen kosten ab und an Spannung, trotz allem aber sehr empfehlenswert.

Zum Autor
Michael Hjorth
Michael Hjorth, geboren 1963, ist ein erfolgreicher schwedischer Produzent, Regisseur und Drehbuchautor. Er schrieb u.a. Drehbücher für die Verfilmungen der Romane von Henning Mankell.

Hans Rosenfeldt
Hans Rosenfeldt, Jahrgang 1964, ist in Schweden ein beliebter Radio- und Fernsehmoderator und ein gefragter Drehbuchautor, zuletzt schrieb er die Vorlage für die ZDF-Koproduktion The Bridge.

Bereits vom Autorenduo erschienen sind Der Mann, der kein Mörder war, Die Frauen, die er kannte und Die Toten, die niemand vermisst.

Angaben zum Buch:
Hjorthdas_maedchen_das_verstummteTaschenbuch: 592 Seiten
Verlag: Rowohlt Verlag (15. Oktober 2014)
Übersetzung: Ursel Allenstein
ISBN-Nr.: 978-3805250771
Preis: EUR 19.95 / CHF 29.90
Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

Dankbarkeit

Ich wurde kürzlich gefragt, was ich im und vom Jahr 2015 erwarte. Ich habe überlegt und musste sagen:

Ich wünsche mir, dass alles genauso bleibt, wie es ist. Damit wäre ich glücklich.

Ich habe sehr viel, für das ich dankbar bin. Das Jahr 2014 war nicht nur einfach, es hatte viele Hochs und Tiefs, viele schwierige Situationen. Einiges ging zu Ende, einiges fing neu an, manches schien kaputt und war nachher schöner als je zuvor. Das Leben ging seinen Lauf und es ging ihn gut. Nun, am Ende des Jahres, blicke ich auf mein Leben, wie es heute ist und ich kann nur sagen: Es ist wundervoll.

Wofür ich dankbar bin?

  • Für meine wunderbare Familie, die mein Hafen ist
  • Für meine Eltern, auf die ich seit bald 42 Jahren zählen kann
  • Dass ich wunderbare Freunde habe, auf die ich bauen kann und die mir wichtig sind
  • Dass wir alle gesund sind
  • Dass ich beruflich das machen darf, was ich liebe – im 2015 erst recht
  • Dass ich ein Zuhause habe, in dem ich mich wohl fühle
  • Dass ich genug Zeit habe, auch meine Leidenschaft (Bücher) zu pflegen
  • Dass ich überhaupt eine solche Leidenschaft habe
  • Dass wir in einem wunderschönen und im Vergleich sicheren Land wohnen
  • Dass ich ein eigenes Zimmer habe
  • Dass ich klar denken kann
  • Dass ich meine Meinung frei äussern darf – und kann
  • Dass ich auch schweigen kann – und darf
  • Dass ich die Ausbildungen machen konnte, die ich wollte
  • Dass ich neue Ausbildungen machen darf und werde
  • Dass es immer wieder weiter geht
  • Dass ich lachen kann, bis mir die Tränen kommen
  • Dass ich Menschen habe, die mit mir lachen
  • Dass ich weinen kann
  • Dass ich Menschen habe, die mit mir weinen
  • Dass ich Menschen habe, die mir Taschentücher reichen
  • Dass immer helfende Engel da waren, wenn ich sie brauchte
  • Dass ich nicht alles nennen kann, weil es zu viel ist

Das Jahr 2015 steht vor der Tür. Es bringt neue Herausforderungen für mich, auf die ich mich freue. Der Blog hier wird weiter bestehen, ich bin dankbar dafür, dass er sich entwickelt, wie er es tut. Ich bin dankbar dafür, dass da draussen Menschen sitzen, die ihn lesen, die ab und an ihre Gedanken zu meinem Schreiben teilen. Ohne euch wäre der Blog nicht, was er ist. Drum an dieser Stelle ein ganz grosses Danke. Fürs neue Jahr wünsche euch alles nur erdenklich Gute, möge auch in eurem Leben ganz viel sein, wofür ihr dankbar seid. Manchmal muss man es nur sehen.

Thich Nhat Hanh: Die Heilkraft buddhistischer Psychologie

Schritt für Schritt ins Glück hinein

Sie atmen ein und machen einen Schritt, während sich Ihre gesamte Aufmerksamkeit auf die Fusssohle richtet. Wenn Sie noch nicht vollständig, zu hundert Porzent, im Hier und Jetzt angekommen sind, machen Sie noch nicht den nächsten Schritt. […] Der Fuss ist wie ein Siegel, […] Wir sehen den Abdruck der Freiheit, den Abdruck der Festigkeit, den Abdruck des Glücks, den Abdruck des Lebens.

Thich Nhat Hanh lädt den Leser in seinem Buch Die Heilkraft buddhistischer Psychologie ein, den eigenen Geist kennenzulernen, zu sehen, wie er funktioniert und wie man ihn nutzen kann, um hin zu mehr Frieden, Freude und Glück im Hier und Jetzt zu gelangen.

Der buddhistischen Lehre nach ist das Leben Leiden. Dieses Leiden entsteht durch Anhaften an die Dinge, durch die Aufteilung in Konzepte von gut und schlecht, den Wunsch, das Gute zu haben, das Schlechte zu meiden. Wir müssen lernen, die Konzepte aufzugeben, da sie auf einer Konstruktion unseres Geistes beruhen und nicht der Wirklichkeit entsprechen.

Das Geheimnis des Buddhismus liegt darin, dass er alle Konzepte entfernt, damit die Wahrheit durchdringen und sich selbst offenbaren kann.

Indem wir lernen, diese Mechanismen wahrzunehmen, uns ihrer bewusst zu werden, können wir uns davon lösen und damit auch unsere Anhaftungen an die Dinge aufgeben, was dem Glück in unserem Leben Tür und Tor öffnet.

Unsere Anhaftung an Sichtweisen und Überzeugungen ist eines der grössten Hindernisse für unser Glücklichsein.

In leicht verständlicher Sprache führt Thich Nhat Hanh durch eigentlich komplexe Themen wir den Geist, das Bewusstsein und dessen Fluss, unsere Wahrnehmung und wie sie sich von der Wirklichkeit unterscheidet bis hin zum freien Willen. Durch achtsames Sein im Jetzt finden wir zu mehr Souveränität im Umgang mit uns selber und mit dem Leben. Daraus resultiert nichts weniger als Glück, Freude und Zufriedenheit, innerer Frieden.

Für mich ist Achtsamkeit unsere erstmalige reale Chance auf Freiheit, auf freien Willen.

Einfache Übungen, die sich leicht in den Alltag einbauen lassen, runden das Buch ab, das sich nicht nur an (praktizierende) Buddhisten wendet, sondern allgemein gültige Wahrheiten in sich trägt.

Fazit
Ein tiefgründiges Buch, ein lehrreiches Buch, eines der Bücher, die man liest und viel für sich mitnimmt. Prädikat: Absolut empfehlenswert.

Thich Nhat Hanh
Thich Nhat Hanh, 1926 in Vietnam geboren, gehört als sozial engagierter buddhistischer Mönch und Zen-Meister zu den bedeutendsten spirituellen Lehrern der Gegenwart. Die schmerzhaften Erfahrungen des Vietnamkriegs haben sein Bewusstsein dafür gestärkt, wie die buddhistische Lehre und insbesondere die Entwicklung von Achtsamkeit dazu beitragen können, Konflikte zu lösen oder erst gar nicht entstehen zu lassen. Thich Nhat Hanh lebt im Exil, seit ihm anlässlich einer Reise in die Vereinigten Staaten 1966 die Regierung von Südvietnam die Rückkehr in seine Heimat verweigerte. Er ist Autor zahlreicher Bücher und engagiert sich in der Friedensarbeit und Flüchtlingsbetreuung.

Angaben zum Buch:
ThichNhatHanhHeilkraftTaschenbuch: 224 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag (20. Mai 2013)
Übersetzung: Ursula Richard
ISBN: 978-3442220151
Preis: EUR: 8.99 ; CHF 14.90
Zu kaufen in einer Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

Rezension: Michael Robotham – Sag, es tut dir leid

Und wenn du nicht gehorchst….

Wir sind zusammen verschwunden, Tash und ich. Es war ein Sommer mit heissen Winden und heftigen Gewittern, die kamen und gingen wie, na ja, Gewitter eben. […] Vor der Stadtuhr stehend berichteten Reporter den Leuten, dass es nichts zu berichten gebe, doch sie taten es trotzdem. […] Einen Monat nach unserem verschwinden brachte George uns aus dem Speicher an diesen Ort. Die Polizei hatte die Suche nach uns mittlerweile eingestellt, und alle nahmen an, dass wir weggelaufen wären.

Drei Jahre sind sie bereits verschwunden, Piper Hadley und Tash McBain. Die Suche ist schon lange abgebrochen worden, gefunden wurden sie nie. Als ein Ehepaar brutal ermordet wird und kurz darauf die Leiche einer jungen Frau erfroren in einem See gefunden wird, ändert das schlagartig. Tash McBain war drei Jahre verschwunden, nun ist sie tot. Wo aber steckt Piper? Und wer hat die beiden Mädchen entführt?

Der Psychologe Joe O’Loughlin hilft der Polizei, den wahren Entführer zu finden, was sich als schwierig erweist, da die Polizei ungerne sieht, dass sich jemand von aussen einmischt und die vergangenen Ermittlungen anzweifelt.

Sag, es tut dir leid ist ein spannender Psychothriller, der alles in sich vereint, was man in diesem Genre erwartet: Die Figuren sind plastisch, die Schauplätze ebenso, der Plot stimmig, mit den nötigen Cliffhangers versehen, so dass man das Buch kaum aus der Hand legen mag. Die aktuelle Suche wechselt sich ab mit den Aufzeichnungen von Piper, welche erzählt, was mit ihr und Tash in all den Jahren passiert ist.

Michael Robotham zeigt auch in seinem achten Thriller, dass er sein Handwerk beherrscht. Er versteht es, den Haupterzählstrang mit Nebensträngen anzureichern, ohne Längen entstehen zu lassen. Persönliches aus dem Leben der Figuren fliesst natürlich in den Lauf der Geschichte ein, ohne sie zu belasten oder zu bremsen, im Gegenteil, sie wird dadurch plastischer, menschlicher. Und über allem bleibt ein Spannungsbogen, der nie abreisst.

 

Fazit:
Spannung und Tiefe in eine packende Form gebracht. Ein Psychothriller, der alles hat, was man sich in dem Genre erhofft. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor
Michael Robotham
Michael Robotham wurde 1960 in New South Wales, Australien, geboren. Er war lange Jahre als Journalist für große Tageszeitungen und Magazine in London und Sydney tätig, bevor er sich ganz seiner eigenen Laufbahn als Schriftsteller widmete. Mit seinen Romanen sorgte er international für Furore und wurde mit mehreren Preisen geehrt. Michael Robotham lebt mit seiner Frau und seinen drei Töchtern in Sydney. Von ihm erschienen sind unter anderem Bis du stirbst, Erlöse mich, Todeswunsch.

Angaben zum Buch:
sag_es_tut_dir_leidTaschenbuch: 480 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag (16. September 2013)
Übersetzung: Kristian Lutze
ISBN-Nr.: 978-3442313167
Preis: EUR 14.99 / CHF 15.90

Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

 

Thich Nhat Hanh: Mit dem Herzen verstehen

Verstehen als höchstes Gut

Daher sollte man wissen, dass vollkommenes
Verstehen
das höchste Mantra ist, das Mantra ohne-
gleichen,
das alles Leiden aufhebt, die unzerstörbare
Wahrheit.
[…]
Gate gate paragate
parasamgate
bodhi svaha

Das Herz-Sutra ist eines der wichtigsten buddhistischen Sutras, es enthält die Essenz der Lehre Buddhas in konzentrierter Form. Es geht darum, den Dingen auf den Grund zu gehen, sie zu durchschauen, nicht nur oberflächlich wahrzunehmen. Erst in der Vertrautheit mit dem wirklichen Wesenskern der Dinge können wir sie verstehen. Die Vertrautheit mit den Dingen, wie sie wirklich sind, ist wiederum Nahrung für das Mitgefühl in uns selber und auch in anderen.

Untersuchen wir dieses Stück Papier näher, so können wir auch den Sonnenschein darin sehen. Gibt es keinen Sonnenschein, kann der Wald nicht wachsen und alles andere auch nicht. Daher wissen wir, dass auch der Sonnenschein in diesem Papier ist und dass sich beide wechselseitig bedingen und durchdringen.

Das Inter-Sein der Dinge nimmt einen zentralen Punkt in der Achtsamkeit für die Welt und die darin vorkommenden Dinge ein. Indem wir nicht nur oberflächlich wahrnehmen, was wir sehen, sondern dahinter den Kreislauf des Lebens erkennen, können wir den Zusammenhang von allem sehen. Wir werden gewahr, dass nichts unabhängig vom anderen existiert, sondern alles durch anderes bedingt ist.

Thich Nhat Hanh bringt dem Leser in kurzen Texten die Botschaft des Herz-Sutras nahe. In poetischen Bildern und klaren Worten versteht er es, das kurze und dennoch prägnante Herz-Sutra verständlich zu machen und dem Leser damit die Augen für die Wahrheit hinter den offensichtlichen Dingen zu öffnen.

Fazit
Klar, poetisch, tiefgründig, lehrreich – ein kleines Buch mit grosser Wirkung. Prädikat: Absolut empfehlenswert.

 

Thich Nhat Hanh
Thich Nhat Hanh, 1926 in Vietnam geboren, gehört als sozial engagierter buddhistischer Mönch und Zen-Meister zu den bedeutendsten spirituellen Lehrern der Gegenwart. Die schmerzhaften Erfahrungen des Vietnamkriegs haben sein Bewusstsein dafür gestärkt, wie die buddhistische Lehre und insbesondere die Entwicklung von Achtsamkeit dazu beitragen können, Konflikte zu lösen oder erst gar nicht entstehen zu lassen. Thich Nhat Hanh lebt im Exil, seit ihm anlässlich einer Reise in die Vereinigten Staaten 1966 die Regierung von Südvietnam die Rückkehr in seine Heimat verweigerte. Er ist Autor zahlreicher Bücher und engagiert sich in der Friedensarbeit und Flüchtlingsbetreuung.

 

Angaben zum Buch:
ThichNhatHanhHerzenTaschenbuch: 224 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag (20. Mai 2013)
Übersetzung: Ursula Richard
ISBN: 978-3442220151
Preis: EUR: 8.99 ; CHF 14.90
Zu kaufen in Ihrer Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH