Werbung oder: Der Fluch der Adjektive

AuftrittEs war Samstag. Wie jeden Samstag führte mich mein Weg zum Samstagseinkauf. Quer durch die Randgebiete Zürichs hin zum anvisierten Laden. Da der Hund auch Auslauf braucht, fuhr ich nicht, ich ging. Beim Gehen sieht man mehr als beim Fahren. Drum erlaufe ich mir Orte gerne. Sie wirken ganz anders. Es war also Samstag, ich erging meinen üblichen Samstagsweg. Und da sah ich es. Das Plakat. Und ich las, was drauf stand, da ich alles lese, was sich mir in Buchstaben darbietet.

Mit einem persönlichen Auftritt von Michael Flatley.

Zuerst dachte ich mir wenig. Dann stutzte ich. Und ich fragte mich: Wenn er auftritt, dann ist er ja da. So quasi persönlich. Wenn also hier ein „persönlicher Auftritt“ angekündigt ist, wie sähe dann ein unpersönlicher Auftritt auf? Gibt es das? Oder war hier mal wieder ein übereifriger Werbetexter am Werk, der ganz cool alle Adjektive in die Manege warf, die ihm grad in den Sinn kamen?

Ich tendiere, nach reiflicher, ganz tiefgehender, ultimativ substantieller, alles durchdringender Überlegung zur Variante mit dem Werbetexter. Ich find die Werbung aber nicht cool.

Rezension des Films: Mut zum Leben

Sie haben das wohl Schlimmste gesehen, was ein Mensch sehen kann. Sie sahen es nicht nur, sie erlebten es: Auschwitz. Ein Name, der bekannt ist, der für Leid steht, für Gräueltaten, für ein Verbrechen an der Menschheit, an der Menschlichkeit und an vielen Millionen Menschen.

 Damit so etwas nie mehr passieren kann. Darum mache ich das hier ja. Darum erzähle ich meine Geschichte. (Esther Bejarano)

Esther Bejarano, Yehuda Bacon, Éva Pusztai und Greta Klingsberg haben überlebt, was ganz vielen Menschen der sichere Tod war: Die Konzentrationslager des Zweiten Weltkriegs, die systematische Mordmaschinerie der Nazis. Überleben allein reichte aber nicht:

Überleben allein ist keine Leistung. Es kommt darauf an, was man daraus macht.

Alle oben genannten machen etwas: Sie leben ihr Leben, sie leben es bewusst und sie wollen zeigen, was war und was nie mehr sein darf. Dabei strahlt aus allen eine unglaubliche Wärme, eine unglaubliche Lebenslust, viel Witz, Kraft und Mut. Der Film bewegt, er zieht einen hinein und er lässt einen nachdenklich zurück, denn: Man ist konfrontiert mit einer Zeit, die so schwarz war, dass man sie sich kaum vorstellen kann, geschweige denn will. Und doch muss man immer wieder hinschauen, darf nicht vergessen, weil: Die Geschichte lehrt nur, wenn man aus ihr lernt. Und dazu muss sie erinnert sein.

Gerade in einer Zeit, in welcher der Rutsch nach rechts eine traurige Realität ist, sollte dieser Film zur Pflicht werden. Menschen, die den Holocaust leugnen, sollten diese Menschen erleben und dann noch auf ihrer „Meinung“ (in Anführungszeichen, denn eine Völkermordleugnung ist NIE eine Meinung, es ist IMMER eine Lüge!) bestehen können… das kann nicht gehen.

Der Film thematisiert alles, was wichtig ist: Solidarität, Menschlichkeit, Würde, Empathie. Er zeigt an Menschen, wozu Menschen fähig sind. Und er zeigt: Das Leben ist kostbar, aber man muss etwas daraus machen. Und: Man muss für seine Überzeugung einstehen. Man darf menschenfeindlichen Tendenzen keine Macht geben.

Fazit
Ein wunderbarer Film, der an Kraft, Mut, Inhalt, Gefühl kaum zu überbieten ist. Er ist nicht empfehlenswert, er ist ein Muss!

Produktinformation
MutZumLebenDarsteller: Esther Bejarano, Yehuda Bacon, Éva Pusztai-Fahidi, Great Klingsberg
Regisseure: Thomas Gonschior, Christa Spannbauer
Studio: absolut Medien GmbH
Erscheinungstermin: 14. Juni 2013
ASIN: 3848840081

Zu erwerben bei AMAZON.DE

Rezension: John Boyne – Die Geschichte der Einsamkeit

Nichts gesehen, nichts gewusst – die Wege des Herrn…

Inhalt

„Du hast eine Berufung, Odran“, rief sie. „Du hast eine Berufung zum Priester!“

Sie musste es ja wissen, denn sie war meine Mutter, und man hatte mich dazu erzogen, alles zu glauben, was meine Mutter sagte.

Als Odran Yates’ Mutter aus einer Eingebung heraus beschliesst, ihr Sohn sei zum Priester berufen, schickt sich Odran in sein Schicksal, hinterfragt es nicht, widersetzt sich nicht, sondern geht den Weg hin zum Priester. Die längste Zeit seiner Laufbahn bverbringt er aber nicht in einer Gemeinde, sondern an einem Internat als Lehrer, betreut da die Bibliothek und fühlt sich Jahr für Jahr mehr zu Hause. Als er plötzlich aus diesem Zuhause gerissen und in eine Gemeinde versetzt wird, vertraut er den Versprechen, dass er wieder zurück darf, und schickt sich auch in das Schicksal.

…aus purem Egoismus beschloss ich, das Problem zu ignorieren.

Wie sein Schicksal, so plätschert auch der Rest des Lebens mitsamt seiner Abgründe an ihm vorbei. Er übersieht sie wirklich, ignoriert sie vielleicht oder verschliesst bewusst die Augen. Immerhin gehört er einer unantastbaren Gilde an, ist Respektsperson.

Auf dem Weg nach Hause, wo mich mein leeres Bett erwartete, ahnte ich mit einem Mal, dass es die Welt, die mir vertraut war und an die ich mein Leben lang geglaubt hatte, bald nicht mehr geben würde. Die alte Welt lag im Sterben, und die neue war noch nicht geboren.

Dieses Ansehen bröckelt über die Jahre nach und nach, die katholische Kirche kommt unter Beschuss. Irgendwann kann auch Odran den Tatsachen gegenüber nicht mehr die Augen verschliessen. Jetzt wäre es an der Zeit, Stellung zu beziehen.

Rezension

Boyne weidet die ganze Problematik der katholischen Kirche aus, ohne mit dem erhobenen Moralfinger zu wedeln, sondern indem er sie in die Biographie eines eher willensschwachen Priesters packt. Odran steht für die Ignoranz derer, die nicht sehen wollen. In Odrans Fall steckt keine Boshaftigkeit dahinter, auch Absicht möchte man ihm nicht unterstellen. Es ist eine Gleichgültigkeit und auch Abgestumpftheit dem Leben gegenüber. Es ist blinder Gehorsam gegenüber wahrgenommenen Obrigkeiten, dem man sich verpflichtet fühlt.

Die Geschichte der Einsamkeit wirft Fragen auf, regt zum Nachdenken an. Wo fängt (Mit-)Schuld an? Wo kann man aufbegehren, wo muss man? Wie weit reicht der eigene freie Wille, was ist vorgegeben.

Der Roman hat einige Längen, zieht sich ab und an sehr und nimmt Windungen, die nicht dringend nötig, aber auch nicht absolut überflüssig sind. Insgesamt ist der Plot stimmig, die Charaktere sind glaubwürdig und plastisch, glaubhaft in ihrem Verhalten. Boyne ist eine Studie der Realität gelungen, welcher auf Missstände hinweist, ohne dabei moralisierend oder psychologisierend zu werden. Er ermüdet nicht durch Urteile, sondern lässt durch die Erzählung dem Leser die Möglichkeit, seine eigenen Fragen zu stellen und sein eigenes Urteil zu fällen.

Fazit:
Ein Roman, welcher der Realität den Spiegel vorhält, der Fragen aufwirft und zum Nachdenken anregt. Empfehlenswert.

Zum Autor
John Boyne
John Boyne, geboren 1971 in Dublin, ist einer der renommiertesten zeitgenössischen Autoren Irlands. Seine Bücher wurden in mehr als 40 Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Der internationale Durchbruch gelang ihm mit seinem Roman »Der Junge im gestreiften Pyjama«, der in vielen Ländern auf den Bestsellerlisten stand und von der Kritik als »ein kleines Wunder« (The Guardian) gefeiert wurde.

Angaben zum Buch:
BoyneEinsamkeitTaschenbuch: 416 Seiten
Verlag: Piper Paperback (5. Oktober 2015
Übersetzung: Sonja Finck
ISBN-Nr.: 978-3492060141
Preis: EUR 19.99 / CHF 23.90

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Noch mehr Fragen – noch mehr Antworten

Das scheint ein neuer Boom zu sein…. Nachdem Stefan Mesch kürzlich Fragen stellte, klaute Chris Popp die Idee und stellte auf seinem Blog noch mehr Fragen. Kratzige, unbequeme Fragen seien es. ich war natürlich wieder gespannt und habe mich daran versucht. Hier das Ergebnis:

Runde 1 – Gemischte Fragen an Blogger, Redakteure und mehr (softcore und medium):

Welche Daseinsberechtigung hat Dein Blog?

Die Berechtigung ergibt sich aus meinem Wunsch, fast schon Drang, zu schreiben, und sicher auch daraus, dass der eine oder andere das lesen mag, was ich schreibe. Ich behandle auf meinem Blog nicht nur Bücher, sondern auch Themen. Themen, die mir am Herzen liegen, Themen, von denen ich denke, sie sind wichtig, dass man sich dafür einsetzt.

Der Blog oder das Blog?

Nach Dr. Duden darf man ja beides, für mich ist es „der Blog“.

Einer Deiner Artikel wird von einem anderen Blogger oder beispielsweise einem Amazon-Rezensenten geklaut. Wie reagierst Du?

Ist mir schon passiert und es hat mich sehr geärgert. Auf Facebook wurden schon Bilder und auch Texte ohne Verweis auf meine Urheberschaft gepostet. Wenn ich es sehe, bitte ich um die Verlinkung. Frech finde ich es doch.

Dein Blog ist urplötzlich offline, nichts geht mehr. Wie reagierst Du dann?

Fluchen, schnauben, auf den Tisch hauen, weiter fluchen….und versuchen, das Problem zu beheben. Wohl mit noch mehr fluchen.

Du hast einen Gutschein erhalten, um 2.500 gleiche Artikel Deiner Wahl mit dem Logo Deines Blogs als Werbeartikel anfertigen zu lassen. Allerdings sind Flyer, Lesezeichen, T-Shirts und Kugelschreiber tabu. Welchen Artikel würdest Du auswählen?

Ich würde ein Notizbuch wählen. Die kann dann jeder mit eigenen Gedanken füllen und sich so seine Denkzeiten nehmen.

Nenne zwei Bücher und Deinen persönlichen perfekten Soundtrack dazu.

„Der Zauberberg“ von Thomas Mann. Der Soundtrack dazu wäre „Bolero“ von Ravel. Wieso? ich liebe ja Thomas Mann, aber die ewigen Dialoge zwischen Naphta und Settembrini nahmen irgendwie kein Ende, strapazierten ab und an meine Geduld und ich hätte mir gewünscht, sie wären etwas kürzer und weniger. Trotzdem liebte ich das Buch. Beim Bolero ist es das gleiche: Ich mag das Stück, immer kommt noch ein Instrument dazu und mit der Zeit habe ich immer das Gefühl: Es ist nun gut, es reicht… und dann kommt noch eines.

Damit niemand findet, es reiche nun, nicht noch eines, belasse ich es bei diesem einen Buch mit Soundtrack 😉

Schreibst Du Deine Rezensionen handschriftlich vor?

Nein, ich tippe drei drauf los und meist in einem Guss.

Verunstaltest Du Bücher für deine Schreibarbeit mit Knicken, Markierungen etc. oder behandelst Du sie eher wie ein rohes Ei?

Ich kritzel und markiere ständig, ja, Knicken geht aber gar nicht. Ich weiss, dass das seltsam anmutet, aber he: Ich sagte nie, dass ich keine seltsamen Angewohnheiten habe.

Wenn Du eine Schreibblockade hast – wie gehst Du vor, um diese zu überwinden?

Kenne ich eigentlich kaum. Sicher gibt es Zeiten, in denen das Schreiben leichter fliesst, aber grundsätzlich schreibe ich ständig und habe viel mehr Themen und Ideen im Kopf, als Zeit, sie niederzuschreiben. Wenn es doch mal nicht fliesst, warte ich, bis es wieder fliesst.

Schreibe ein kleines Gedicht (mindestens Vierzeiler) über Dein(en) Blog.

 Denken
Gedanken fliessen
ständig
spiralförmig
ohne Unterhalt
von einem
zum andern
wie ein springender Brunnen
sprudelnd
schäumend
in sich versinkend.
(S.M.)

Du liest in einer anderen Rezension absoluten (tatsächlichen!) Unfug – sie quillt über vor inhaltlichen Fehlern. Wie reagierst Du? Kommentierst Du? Schreibst Du den Verfasser an? Oder hältst Du die Finger still?

Wenn ich nicht gefragt werde, bin ich grundsätzlich eher still. Es sei denn, es geht um ein Thema, das mir wichtig ist, wie zum Beispiel der Kampf gegen Rechts, Diskriminierung, Rassismus und ähnliches. Da werde ich nie still sein, sondern meine Meinung sagen. Immer und immer wieder.

Hast Du schon mal eine Idee von anderen Bloggern geklaut?

Nein. Ich bin schon froh, wenn ich meine eigenen Ideen umsetzen kann 😉

Hast Du Dich schon mal einer Formulierung in einer anderen Rezension bedient, die Du gerne so ähnlich auch in einem Deiner Texte haben wolltest?

Nein. Ich formuliere selber. Immer.

Das exotischste Buch in Deiner Sammlung ist:

Das sage ich lieber nicht, denn sonst wird dieser Beitrag wieder der meist besuchte. Das war nämlich der Beitrag über das Buch, das ich im Kopf habe, auch… peinlich, peinlich 😉

Runde 2 – Gemischte Fragen an Blogger, Redakteure und mehr (medium+ und hardcore):

Stell Dir vor, man böte Dir an, Dein(en) Blog oder zumindest Deine Internetadresse für einen ordentlichen Batzen Geld zu verkaufen. Was würdest Du tun?

Das ist natürlich schwer zu sagen. Ich finde es schade, dass Blogs häufig Fronarbeit sind, da doch viel Energie, Zeit und Herzblut drinsteckt. Geld, ihn weiterzubetreiben, würde ich wohl nehmen, ihn verkaufen? Nein. Es ist mein Blog, mein Herz hängt dran, meine Seele drin. Klingt pathetisch, ist aber so.

Geld verdienen mit Deinem Blog – wie weit würdest Du gehen?

Nur soweit, dass ich nicht Herz und Seele verkaufen muss. Ich würde auch gegen keine meiner Grundsätze verstossen.

Hast Du schon mal heimlich ein Buch gelesen/einen Film gesehen/eine Serie geschaut, obwohl Du eigentlich sagtest: „Den Mist? Never ever!“?

Nein, ich stehe zu dem, was ich tue. Immer.

Liest Du Dich selbst gern?

Ich lese mich höchst selten, quasi nie.

Man lobt Dich für einen Deiner Beiträge oder gar für Dein ganzes Blog total in den Himmel. Wie gehst Du mit diesem Lob um?

Ich würde wohl hinterfragen, wieso….

Man attestiert Dir aufgrund einer Kritik keine Ahnung. Wie reagierst Du auf so etwas?

Ich würde gerne gelassen reagieren, da ich von mir weiss, dass ich nie über etwas schreibe, von dem ich keine Ahnung habe. Ich habe nicht umsonst Philosophie studiert, ich gehe den Dingen gerne auf den Grund.

Man wirft dir als Blogger/Journalist vor, Du übtest Deine Arbeit nur aus, um so möglichst viele Rezensionsexemplare abzugreifen. Wie begegnest Du diesem Vorwurf?

Ich kaufe mir ganz viele Bücher selber. Meine Bücherwände zeugen davon. Da ich langsam keinen Platz mehr habe, greift das Argument gar nicht, denn es wird hier enger und enger 😉

Ein Autor oder Verlag verlangt von Dir, Deine Rezension abzuändern oder gar zu löschen. Wie wirst Du handeln? Oder ist Dir das gar passiert? Falls ja: Wie hast Du gehandelt?

Inhaltlich oder von der Wertung her würde ich nie ändern. Wenn ich die Änderung vertreten kann, würde ich es tun. Löschen? Käme drauf an, wieso.

Der Autor/Verlag droht mit einer Klage, wenn Du die Rezension nicht abänderst/löschst. Und nun?

Da sehe ich keine rechtliche Grundlage, insofern ist die Frage müssig.

Hast Du bei Rezensionen schon mal geschummelt (beispielsweise das Buch nicht zu Ende gelesen und trotzdem eine vollständige Rezension geschrieben)?

Wenn, schreibe ich, dass ich es nicht fertig las. Habe ich auch einmal gemacht.

Sind Zugriffszahlen/Like-Zahlen und Followerzahlen wichtig für Dich? Wie wirken sie sich hinsichtlich Motivation aus?

Ich freue mich über Reaktionen, über Diskussionen, über andere Meinungen. Motivation zu schreiben brauche ich nicht, aber es ist eine Bestätigung. Und ich bin dankbar für meine aktive Leserschaft.

Liest Du auf dem Klo?

Ich lese fast überall. Mal Bücher, mal auf dem Handy, mal Zeitschriften.

Runde 3 – Zur Entspannung. Du als Konsument (softcore und seicht):

Gab es schon mal einen Protagonisten in einem Buch oder eine Figur in einem Film oder einer Serie, und Du dachtest: Verflucht, kennt der Autor mich?

Ich habe sicher schon Gedankengänge wiedererkannt, Reaktionsmuster, aber mich so ganz? Ich glaube nicht – oder hätte es vergessen.

Stell dir vor, Du könntest die Protagonisten oder beliebige andere Figuren aus zwei Büchern/Filmen/Serien miteinander vertauschen. Wen und warum?

Ich halte wenig vom Umdichten schon geschriebener Texte. Wenn ich eine eigene Geschichte mit meiner eigenen Protagonistenliste haben möchte, würde ich sie selber schreiben.

Welches ist Dein peinlichstes Lieblingsbuch/Dein peinlichster Lieblingsfilm/Deine peinlichste Lieblingsserie?

Mir ist wenig peinlich.

Welches war das frustrierendste Buchende/Filmende/Serienfinale für Dich? Wie hätte es ausgehen sollen? Warnung an die Leser der Antworten: Spoileralarm!

House of Cards. Das war für mich so nicht fertig. Ich hoffe, da kommt noch was.

Wenn Dein Leben oder Deine persönliche momentane Situation als Buch oder Film veröffentlicht würden: Wie hieße das Buch/der Film?

Immer weiter

Welches Buch/welcher Film/welche Serie hat Dich derart beschäftigt und aufgewühlt, dass Du tagelang an kaum etwas anderes denken konntest?

All die Filme und Bücher, die ich über oder von Auschwitz-Überlebenden handelten. Ich habe das Thema seit Jahren erfoscht und werde dies sicher weiter tun. Das Thema kann einen nicht loslassen, es darf einen auch nicht loslassen. Einfach darum, weil dies nie mehr passieren darf.

Hast Du schon einmal einer Figur aus einem Buch, einem Film oder einer Serie nachgeeifert? Oder wurdest Du hierdurch zu einer Handlung/Tat inspiriert?

Nein

Runde 4 – Drei Dinge, die…

…das Schreiben schreibenswert machen: Das Schreiben selber.

…Dir bei manch anderem Blog mächtig auf die Nerven gehen: Ich lese keine Blogs, die mir auf die Nerven gehen

…Du Dir bei deinem eigenen Blog schon ewig vorgenommen, aber noch nicht verwirklicht hast: Wenn ich mir was vornehme, setze ich es um.

…Dir das Lesen spontan madig machen: Zu viele nicht lesenswerte Bücher

…Du gerne als Ausrede nutzt, nur um mehr Zeit zum Lesen zu haben: Wenn ich lesen will, lese ich.

…nicht so wichtig sind wie dein Blog: Das ist schwer zu sagen.

…Dir definitiv wichtiger sind als dein Blog: Vieles ist nicht so wichtig wie mein Blog. Das liegt in der Natur der Sache und soll auch so sein.

 Irgendwie scheine ich nie dre Dinge zu haben….

Runde 5 – ein paar Sätze zum Vervollständigen:

Amazon ist…ein Grosskonzern – mit allen positiven und negativen Seiten, die solche haben.

In meinem Wohnort… wohne ich sehr gerne

Ein Autor schreibt Bücher, weil… er schreiben will und teilweise auch muss

Marcel Reich-Ranicki fand ich…bewundernswert, eindrücklich, spannend, inspirierend.

Hysterisierung und Pathetisierung in der Literatur…mag ich nicht

Was ich im Literatur-/Film-/Serienbusiness niemals verstehen werde, ist…Wenn ich es nicht verstehe, versuche ich es zu ergründen. Wenn ich es verstehe, muss ich es aber nicht zwingend gvutheissen.

Wenn ich die Bibliographie eines bestimmten Autoren/einer bestimmten Autorin einfach auslöschen könnte, dann die von _________, weil __________. Das ginge in Richtung Bücherverbrennung. Davon halte ich wenig bis gar nichts. Ich muss nicht alles mögen, trotzdem hat es seine Daseinsberechtigung.

Ich würde unheimlich gern eine Literatur-Diskussionsrunde mit folgenden Personen sehen: Marcel Reich-Ranicki und Helmut Karasek… leider geht das nicht mehr.

Wie kann man eigentlich nur solch ein Kultursnob sein wie _______! Mich interessieren Snobs nicht.

Ich fände es großartig, wenn _____ auf meinem Blog einen Gastbeitrag schreiben würde. Wer will, darf sich melden. Ich habe keine speziellen Wünsche, müsste aber sicher passen.

Ich würde ______ gerne mal fragen, ob _______ … Wen ich was fragen will, den frage ich – wenn ich ihn erreiche.

Ich würde ______ gerne mal sagen, dass _______ …Ich sage eigentlich immer, was ich sagen will.

Booktuber… Mag ich selten. Zu viel Geplauder, zu wenig Substanz. Das ist aber nur mein Geschmack.

Dieser Fragebogen… war weder kratzig noch gefährlich. Ist nun aber beantwortet 🙂

Wer bin ich und wieso blogge ich? 15 Fragen und Antworten – und mehr

Stefan Mesch rief auf seinem Blog andere Buchblogger dazu auf, Fragen zu beantworten. Da ich grundsätzlich neugierig bin, habe ich mich mal hingesetzt und mit dem Beantworten begonnen. Das kam dabei raus:

01 Das Lieblingsbuch meiner Mutter:

Meine Mutter las keine Bücher, ging aber jede Woche mit mir in die Bibliothek – so hat sie mich quasi in die Sucht getrieben.

02 Das Lieblingsbuch meines Vaters:

Mein Vater las Zeitungen, jede, die er in die Hände kriegte. Bücher las auch er kaum. Er hatte aber eine ganze Reihe grüner Bücher (wir nannten sie nur die grünen Bücher) im Regal stehen mit dem Titel „Die Kulturgeschichte der Menschheit“. So lange ich denken kann, sagte er, dass er die dann mal lesen wolle, wenn er pensioniert sei. Das ist er nun seit bald 20 Jahren, gelesen hat er sie noch immer nicht (was ich nicht anders erwartet hatte 😉 ). Noch immer liebt er aber Zeitungen und Nachrichten, ist der wohl informierteste Mensch, den ich kenne, wenn es um das aktuelle Geschehen auf der Welt geht.

03 Ich führe einen typischen Buchblog, weil…

(Ok, typisch ist er wohl nicht, aber trotzdem:) Weil ich Bücher liebe, diese Liebe gerne teile und mich immer wieder freue, wenn ich jemandem ein Buch schmackhaft machen konnte, das ihm dann wunderbare Momente beschert, wie es diese mir beschert hat.

04 Ich bin anders als die Blogs, die ich gern lese, weil…

Ich vergleiche mich nicht mit anderen Blogs. Wieso sollte ich? Ich mache meinen, andere ihren. Mein Blog ist allerdings kein reiner Buchblog, ich schreibe da auch über andere Dinge wie das aktuelle Geschehen, wenn es mich beschäftigt, tagesaktuelle Geschehnisse, philosophische Denkakrobatik und anderes mehr.

05 Am Bloggen überrascht mich / beim Bloggen habe ich gelernt, dass…

Überraschen tut mich wenig, erfreuen tut es mich aber immer wieder, wenn ich mit einem Blogartikel etwas auslöse, auf Feedback stosse.

06 Helfen Amazon-Rezensionen? Wobei? Wie?

Bei Büchern mir wenig, bei anderen Artikeln schaue ich schon dann und wann, was andere dazu sagen (z. B. die Qualität von Malstiften, Häkelnadeln, Garn, etc. )

07 Hilft Literaturkritik in Zeitungen und Magazinen? Wobei? Wie?

Ich denke, grundsätzlich kann sie Anhaltspunkte dazu geben, was einem bei einem Buch erwartet. Dadurch kann man entscheiden, ob das Buch einem liegen könnte oder nicht.

08 Helfen Blogs? Wobei? Wie? Wem?

Dasselbe wie bei 07

09 Wahr oder falsch: “Ich blogge vor allem, weil ich mich über Bücher austauschen will und im persönlichen Umfeld nicht genug Menschen habe, mit denen ich das könnte.”

Das ist sicher ein Teil. Ein anderer ist wirklich, dass ich anderen Hinweise zu Büchern geben möchte, die ihnen Spass machen könnten.

10 Mein persönlicher Geschmack und meine Prinzipien beim Lesen und Bewerten:

Es gibt eigentlich beim Lesen nur ein Kriterium: Es gefällt mir oder es gefällt mir nicht. Meine Zeit ist mir zu schade, Dinge zu lesen, die mir nicht gefallen. Da ist mir egal, ob es ein grosser Name geschrieben hat oder nicht. Was mich nicht anspricht, wird weggelegt.

11 Wer liest mich? Habe ich eine Zielgruppe?

Schwer zu sagen. Wohl Menschen, die sich für Literatur, Philosophie und das alltägliche Leben interessieren.

12 Habe ich Vorbilder?

Nein. Ich hatte nie Vorbilder oder Idole. Verehrte auch nie Schriftsteller oder Stars. Ich achte die Arbeit, das Können, finde die Menschen vielleicht spannend, aber: Kein Vorbild.

13 Welche Ratschläge würde ich meinem früheren Lese-Ich geben? Kann man lernen, Bücher besser auszusuchen, zu entdecken und zu genießen? Wie?

Schwer zu sagen. Grundsätzlich wähle ich nach Thema aus. Ganz selten nach Autor. Wenn mich ein Buch von einem Autoren begeisterte, ist die Chance gut, dass ich das nächste lesen werde. Bei beiden Kriterien kann es doch sein, dass die Umsetzung im aktuellen Buch mir nicht entspricht. Das ist der Vorteil bei der Buchhandlung vor Ort: Man kann die erste Seite anlesen. Oft weiss ich schon recht schnell, ob mir ein Buch entspricht oder nicht.

14 “Verlage brauchen mich für PR. Sie brauchen mich mehr, als ich sie brauche” …oder “Toll! Autoren und Presseabteilungen suchen Kontakt und bieten mir Bücher an. Was für ein Glück!” Was überwiegt?

Ich denke nicht in solchen Kategorien. Ich freue mich, wenn ich einen guten Kontakt habe zu den Verlagen.

15 Was soll sich tun in meinem Blog und in meinem Leser-/Schreiber-Leben in den nächsten fünf Jahren:

Das plane ich nicht. Die Zeit wird’s zeigen, wo es hingeht. Auf alle Fälle immer weiter.

Und weil es so schön war, geht es gleich weiter mit einem Bonus:

 Empfehlungen:

Ein Buch, das fast niemand mag – aber das ich liebe:

Alles von Thomas Mann… weil ich ihn halt mag.

Ein Buch, das fast alle mögen – aber das mich wütend oder ratlos macht:

Da fällt mir gar nix ein

Ein Buch, das ich bekannter gemacht habe:

So wichtig bin ich nicht.

Ein Buch, vor dem ich oft und gern warne:

Auch da muss ich passen

Ein schlechtes Buch, das ich gut fand:

Ein Buch, das ich schlecht finde, kann ich nicht gut finde. Wenn ein anderes es gut findet, ist es für den gut, auch nicht schlecht.

Ein gutes Buch, das ich schlecht fand:

Das Ganze andersrum.

Ein Geheimtipp, der bisher in Blogs noch kaum besprochen wurde:

Keine Ahnung… ich überlege langsam, die Empfehlungen zu streichen, denn irgendwie kann ich dazu nix sagen.

Ein Buch, das viel zu oft überall besprochen wurde:

Shades of Grey – HA! Endlich eine Antwort.

Ein gutes Buch von/über jemandem/n, der ganz anders ist als ich selbst:

Oh, ich denke, die meisten Bücher wurden von jemandem geschrieben, der ganz anders ist als ich, und sie handeln auch von jemandem, der anders ist als ich. Sonst könnte ich ja ständig mein eigenes Tagebuch lesen.

Ein gutes Buch von/über jemandem/n, der ganz anders denkt als ich selbst:

Ich denke, also bin ich – insofern wäre das quasi die gleiche Frage.

Ein Buch, von dessen Gestaltung/Cover/Design sich Verlage eine Scheibe abschneiden könnten:

Mir gefallen Die Bücher des Verlags Hermann Schmidt  sehr gut. Zum Beispiel Felix Scheinbergers Mut zum Skizzenbuch.

Das netteste Presseteam / die schönste Erfahrung mit einem Verlag:

Da möchte ich keine Hierarchie erstellen.

Autor*innen, die tolle Inhalte auf Facebook und Twitter posten:

Ich mag Zoë Beck sehr. Es ist eine schöne Mischung aus Informativem, Persönlichem und natürlich Oscar und Mieps.

Mein(e) Lieblingskritiker*in/Journalist*in:

Marcel Reich-Ranicki und Helmut Karasek – das waren sie.

Ein toller Text/Beitrag aus einem Verlagsblog:

Da muss ich passen

Ein Lieblings-Blogbeitrag (kein ganzer Blog):

Auch da passe ich

Ein Blogbeitrag von mir selbst, auf den ich stolz bin:

Och, oft den aktuellsten.

Mein erfolgreichster Text/Beitrag:

Dazu müsste ich die Statistik lesen.

Ein Text/Beitrag von mir, der wenig Beachtung fand, aber mehr Beachtung verdient:

Ich möchte meinen Lesern nicht sagen, was sie beachten sollen. Ich bin froh, wenn sie lesen, was sie interessiert. Tue ich selber ja auch.

Eine Frage, die diesem Fragebogen fehlt:

Ich konnte doch schon die kaum beantworten 🙂

 Und zum Vervollständigen:

“Das neue literarische Quartett…”

Ich mag keine Remakes und Kopien. Wenn eine Literatursendung, dann eine neue. Alles andere wird eh zu nichts führen.

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Kritik zur Serie: House of Cards

house-of-cardsFrank Underwood will hoch hinaus. Der Kongressabgeordnete der Demokraten sieht sich zu Höherem berufen und scheut kein Mittel, dieses zu erreichen. Vollends entfacht ist sein Ehrgeiz, als ihm ein eigentlich versprochener Posten als Aussenminister vorenthalten wird. Underwood will Rache und er geht dafür über Leichen. Nicht nur sprichwörtlich.

Mit im Boot des machthungrigen Politikers ist seine Frau Claire. Bildschön und intelligent hilft sie Frank Underwood, dessen Intrigen und unsauberen Machenschaften hin zu mehr Ruhm und Status durchzubringen. Als Claire ihre Rolle als Frau an Franks Seite nicht mehr genug ist, sie eigene Ziele erreichen will, unterstützt Frank sie zuerst, stellt sie aber immer wieder auf die zweite Position, wenn ihr Tun seinem im Weg steht. Erste Risse entstehen, die sich langsam ausweiten. Claire wird zusehends kritischer, hinterfragt ihn, sich selber, ihr gemeinsames Tun. Schlussendlich schwenkt sie aber immer wieder um. Wie weit werden die beiden es bringen? Und: Sind es wirklich die beiden gemeinsam oder würde Frank notfalls auch Claire opfern, wenn es um seine Karriere geht?

HoCHouse of Cards beleuchtet das Politspiel Amerikas, zeigt die Intrigen, die Abmachungen, die Schiebereien. Es ist eine Serie, die ein realistisches Bild von Machthunger und Opportunismus zeigt. Der Zuschauer wird durch Frank Underwood immer wieder direkt angesprochen und so über seine Pläne, Gedanken und Absichten aufgeklärt. Bissiger Humor, Tempo und Ironie runden das Ganze ab.

Kevin Spacey ist brillant in seiner Rolle als Frank Underwood. Er verkörpert glaubhaft eine Mischung aus diabolischem Machtmenschen und charismatischem Diplomaten, ab und an glaubt man gar, sensible Züge am sonst so harten Kämpfer zu entdecken. Robin Wright steht ihm in nichts nach, überzeugend spielt sie die Rolle der loyalen, intelligenten und gewinnenden Frau an der Seite von Kevin Spacey. Ein Highlight am Fernsehbildschirm!

Fazit
Witz, Spannung, Intrigen, Macht und der Gang über Leichen. Der ganze amerikanische Politzirkus in eine herausragende Serie verpackt. Brillante Schauspieler, ein stimmiges Drehbuch und eine gute Mischung aus Sexappeal und Crime machen aus der Serie ein Highlight am Fernsehbildschirm. Unbedingt schauen!

Informationen:

Deutscher Titel House of Cards
Originaltitel House of Cards
Prouktionsjahr 2013
Produktionsunternehmen Media Rights Capital,
Trigger Street Productions
Erstausstrahlung 1. Februar 2013 auf Netflix
Umfang 3+ Staffeln (39 Episoden)
Besetzung:
Frank Underwood Kevin Spacey
Claire Underwood Robin Wright
Zoe Barnes Kate Mara
Peter Russo Corey Stoll
Doug Stamper Michael Kelly
Linda Vasquez Sakina Jaffrey
Christina Gallagher Kristen Connolly

Trailer: hier

Medien und Moral

Es gibt wohl kaum etwas Schlimmeres, als wenn ein Kind stirbt. Schon die, welche davon Kenntnis haben, kriegen einen Stich, wie es für die Eltern sein muss, kann man sich wohl kaum vorstellen. Man kennt nur die Angst als Mutter oder Vater, es könnte so sein. Und die ist schon gross genug.

Stirbt ein Kind eines sogenannten Promi, wird das Ganze zum Ereignis, zum Happening, über das die nächsten Tage berichtet wird – erst über den Umstand an sich, danach assoziativ. Und wo berichtet wird, fallen Kommentare an. Einige wünschen den Hinterbliebenen Kraft, andere finden das doof und setzen einen Daumen nach unten (was Facebook bis heute nicht schaffte, hat die Kommentarfunktion der plakativsten Zeitung der Schweiz schon lange. Ob es gut ist? In solchen Fällen zweifelt man!). Einige finden, dass so viele Kinder sterben, wieso man so ein Brimborium um diese Promikinder macht, und Dritte haben sonst was zu mosern, wollen ihre Philosophien oder anderen Unverständlichkeiten loswerden.

An diesem Punkt ist das Kind, das nicht mehr lebt, vergessen. Es geht auch nicht mehr um die Eltern und ihr Leid. Wir sind nun schon weiter. Hier bringt sich jeder selber ins Spiel. Die Medien wittern Klickzahlen, die Kommentierenden wollen sich profilieren oder zumindest selber ins Spiel bringen.

Dass nicht über jedes Kind berichtet wird, liegt in der Natur der Sache: Die Medien erfahren selten davon. Würden sie davon erfahren, stellte sich für sie die Frage: Interessiert das die Leser? Tote Kinder sind immer ein Hingucker, da aber täglich sehr viele Kinder sterben, würden Zeitungen zu Büchern voller Berichte vom Tod. Das würde keiner mehr lesen wollen (und ertragen können). Wenn aber ein Promi betroffen ist, dann erfährt man davon und man hat mehrere Punkte, die ziehen: Ein totes Kind, einer, den man kennt und ein Thema, das man ausschlachten kann. Und das tut man dann. So lange und so weit es eben geht.

Kann man es verurteilen? Klar, man kann sagen, das sein reine Sensationshascherei, es sei Profitgier der Medien und ethisch verwerflich. Nur: Wie viele Klicks hätte ein Bericht, der einfach mal vom Leben des Promis berichtet, wie er seinen Sohn wickelt, ihm die Flasche gibt? Da würde man denken: Who cares, alles normal. Wenn nicht noch ein paar Fotos der Wohnung mit dabei wären oder sonstige Intimas: Absolut uninteressant. Stirbt das Kind aber, klickt jeder. Da wird es interessant.

Genau darauf bauen die Medien. Sie rechnen mit unserer menschlichen Neigung, mit unserer tief verwurzelten (wohl animalischen) Neugier. Wir wollen uns suhlen, wir wollen eintauchen, wir wollen im trüben fischen, wollen Abgründe sehen, wollen Emotionen geliefert kriegen. Das alltägliche Leben haben wir selber genug, gefragt sind die Ausbrüche. Und genau damit arbeiten Medien.

Ihnen einen Vorwurf zu machen, wäre eine Doppelmoral sondergleichen. Wir sind und bleiben Tiere. Wir haben Instinkte, wir haben Triebe. Wir können sie hinterfragen, wir können sie moralisch bewerten. Wir können sie zu einem gewissen Grade auch beherrschen, aber: Sie sind da. Von einem Profitunternehmen zu fordern, sie nicht mehr zu bedienen, wäre in der heutigen sehr wirtschaftslastigen Zeit wohl eher blauäugig. Man könnte bei sich selber anfangen und einfach nicht mehr draufklicken. Denn: Wenn keiner mehr klickt, stirbt – wegen mangelndem Interesse – das Interesse der Medien, solche Themen durch den Endloswolf zu drehen.

Rezension: Maria Spassov – Liebe pro m2: Das neue Wohnbuch mit Herz – mit Insidertips der 100 besten Designer

Ich bau mir meine Welt, wie sie mir gefällt

Ich habe in letzter Zeit einige Bücher zu Themen wie Innendekoration, Innenarchitektur und Homedesign gelesen. Ich klickte mich im Internet durch Bilder zu ähnlichen Themen, auch Newsletter von verschiedenen Plattformen zeigten solche. Was mir immer mehr auffällt: Es wird immer weisser. Kaum mehr ein Akzent, alles weiss, alles clean.

Zeiten haben immer Tendenzen: Die 60er waren bunt und wild, die 70er taten es ihnen gleich, die 80er eigentlich auch. Dann wurden die Formen klarer, die Farben nahmen ab. Die 90er waren eher düster, die Jahrtausendwende überschattete irgendwie Farbe und Form – und nun? Was bleibt von heute? Keine Kanten, keine Akzente, alles aalglatt, weiss und unschuldig. Und dies in einer Zeit, die so ganz anders ist – eigentlich.

Ist Mode und auch Innendekoration immer ein Gegengewicht zur Welt draussen? Richtet man sich zu Hause das ein, was man gerne im Leben hätte? Draussen alles düster, die Welt kalt und grausam, wir machen uns ein lichtes, helles Zuhause? Nur ist das ganze Weiss auch sehr kalt. Sehr unpersönlich. Das würde wiederum die Zeit selber widerspiegeln.

Wenn ich so bei mir selber schaue, widerspiegelt mein Zuhause immer mich selber. Und ja, es ist meine Burg, mein Hafen. Ich bin am liebsten Zuhause, wohnen war mir immer wichtig. Ich gehe nicht gern aus, ich gehe nicht gerne in die Ferien. Ich bastle immer an meinen vier Wänden. Wem das auch so geht, dem sei folgendes Buch empfohlen:

Liebe pro m2: Das neue Wohnbuch mit Herz – mit Insidertips der 100 besten Designer. Tipps, Tricks, Inspiration zuhauf, schön aufgemacht, mit Bildern und Zitaten untermalt. Zwar auch sehr clean und aufgeräumt, aber toll. Klar sieht ein belebtes Zuhause nie so aus, denn Kinder, Tiere und auch Männer bringen immer ihre sehr persönliche Note hinein, aber: Das macht ein Zuhause ja auch zum Zuhause.

Was immer wichtig ist: Die eigene Persönlichkeit muss ins Zuhause rein. Und genau das propagiert Maria Spassov. Mit diesem Buch kann man es lernen, hier findet man Inspiration und das Buch macht schlicht Spass!

Wie sieht es bei euch zuhause aus?

Fazit:
Ein inspirierendes und Ideen lieferndes Buch, das – wenn man nicht grad umbauen will – auch einfach Spass macht beim Ansehen. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor
Maria Spassov
Maria Spassov hat Rechtswissenschaften in Heidelberg und Chicago studiert, bevor sie ihre Leidenschaft zum Beruf machte. Die begeisterte Bloggerin hat mehr als 100 Interviews mit den größten Designern unserer Zeit geführt und ist heute als Autorin, Einrichtungsberaterin und Stylistin für Zeitschriften, Events und im TV tätig. Mit ihrem Mann und ihren zwei Söhnen lebt Maria Spassov in einem idyllischen Dorf in der Nähe des Rhodopen-Gebirges.

Angaben zum Buch:
SpassovGebundene Ausgabe:192 Seiten
Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt (28. September 2015)
ISBN-Nr.: 978-3421040084
Preis: EUR 29.99 / CHF 42.90

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Rezension: Peng + Hu – Hirameki

Der geniale Klecks + Kritzel-Spass

Mit Linien und Punkten zum fertigen Bild

Ein kleiner Klecks offenbart durch das Hinzufügen weniger Punkte und Striche sein wahres Wesen, im völligen Einklang mit der Phantasie des Betrachters.

Ausmalbücher boomen. Der Ausmalende kann schwarze Linienkonstrukte mit Farbe füllen und es entstehen bunte Bilder. Dieses Buch ist anders. Die Farbe ist schon da – in Klecksen wild über die Seite verteilt. Hier ist man gefordert, durch das Hinzufügen von Strichen und Punkten etwas entstehen zu lassen. Bald schon zieren Tiere, Monster, ganze Welten die Seiten.

Hirameki weckt die eigene Kreativität, lässt einen die eigene Phantasie entfalten. Nichts ist vorgegeben ausser wilden Klecksen, die für sich nichts darstellen. Erst durch das Hinzufügen von Linien entsteht das Bild. Ganz individuell. Eine witzige Idee!

Fazit:
Ein witziges Buch zum Herauskitzeln der eigenen Phantasie und Kreativität. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor
Peng & Hu
Die Künstler Peng und Hu entdeckten das phantastische HIRAMEKI-Phänomen irgendwann auf ihren Pinsel-Abwischblättern, auf dem Atelierparkett, an den Wänden und auf ihren Hemden. Daraus entwickelten sie eine geniale Kunstform für Groß und Klein. Diese Meisterleistung wurde mit dem Kaiserlichen Klecks am Band ausgezeichnet und zwei Kritzlibären des Zoos von Zing wurden zur Feier des Tages nach den Künstlern benannt.

Hinter Peng & Hu stecken der Österreicher Günter Mayer und der Niederbayer Rudi Hurzlmeier. Beide sind als komische Künstler tätig, Hurzlmeier unter anderem für die Satirezeitschrift Titanic. Mayer ist als Karikaturist für österreichische Medien bekannt geworden.

Angaben zum Buch:
PengHuHiramekiBroschiert: 192 Seiten
Verlag: Verlag Antje Kunstmann (2. September 2015)
ISBN-Nr.: 978-3956140686
Preis: EUR 14.95 / CHF 21.90

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Ich bin ich

Kürzlich stellte eine junge, intelligente Freundin auf Facebook diese Frage:

 „Ich werde sein“

„Ich will sein“

„Ich könnte sein“

„Ich versuche, zu sein“

„Was davon trifft am meisten auf euch zu?“

Ich las es, war erfreut, dass jemand diese Gedanken überhaupt hat. Ich konnte spontan nicht antworten. Dachte erst, es sei von allem etwas. Dann merkte ich, was mir fehlte:

 „Ich bin“

Wie will ich irgendwohin kommen, wenn ich nicht irgendwo bin? Es gibt kein Ziel ohne Start. Es gibt kein Ankommen ohne Abfahren.

Nun kann man sagen: Ich mag das heute aber nicht, drum will ich ja irgendwohin. Das liegt in der Natur der Sache, hier des Ziels. Man will dahin, weil man nicht da ist. Um dahin zu kommen, muss man nicht wissen, wie es da ist (das weiss man gemeiner Weise nie, man denkt es sich nur), man muss wissen, wo man steht. Nur so lässt sich der Weg überhaupt denken. Selbst Google Maps funktioniert so, da wird es in einem viel komplizierteren Ding wie dem menschlichen Wesen nicht anders sein.

Ich bin also nicht so, wie ich gerne wäre, drum will ich dahin, wo ich gerne sein würde. Es klingt wie ein Schlag ins Gesicht, aber:

Akzeptiere erst, wo du bist und wer du bist!

Das ist der Ausgangspunkt und ohne den wirklich an- und einzunehmen, wird man kein Ziel je erreichen. Man muss es nicht gut finden, man muss keine Jubeltänze vollführen. Aber man muss sich eingestehen: Das bin ich und ich bin gut so. In mir steckt nämlich die Kraft, von hier aufzubrechen und einen neuen Ort anzustreben.

Tut man dies nicht, zappelt man nur im Haltlosen, will irgendwohin, kann sich aber nirgends festhalten, das ist, kann sich nirgends abstossen, das Halt gibt, man weiss nur, wo man hin will, und sieht: Man ist nicht da.

Drum liebe ich das Lied: I am what I am. Das ist man immer. Hier wie dort. Und nur, wenn man sich selber kennt und annimmt, hat man eine Basis. Dann kann man alles (nun gut, vieles) erreichen. Mit all seinen Fehlern, die man sich selber zuspricht (die sind selten objektiv, sondern meist subjektiv empfunden und angeklagt durch eigene und andere Befindlichkeiten). Zuerst muss man aber gut stehen. In sich. Mit sich. Dann geht’s ab!

Power und Kraft? Bullshit!

Ich mag den Ausdruck „Powerfrau“ nicht. Ich mag es auch nicht, wenn mir jemand sagt, ich hätte ja so viel Kraft, sei ja so stark, wie ich alles meistere, was zu meistern ist. Das verwundert? Weil man denkt, das sei ein Lob? Ist es nicht. Es ist die Ignoranz dessen, was wirklich ist.

„Powerfrau“ und „du bist ja so stark“ implizieren immer, dass man das, was man tut, einfach so tut, weil man ja so stark ist oder so viel Power hat. Aber: Ab und an kann man nicht anders. Weil man schlicht keine Wahl hat. Das Leben ist, wie es ist. Oder aber man kann seine Ideale nicht verraten. Man kann zu viel Leid schlicht nicht mitanschauen. Ohne sich selber zu zerfleischen. Weil man denkt, man könnte was tun.

Es ist nicht Power. Es ist eine Entscheidung. Und die gesehene oder gefühlte Not. Beide führen zum Tun, das oft weitergeht, wenn Kraft und Power schon lange aufgebraucht sind. Das hat wenig zu tun mit „starker Frau“ oder „Powerfrau“, es ist eine Haltung.

Quotenschwachsinn

Die Emanzipation hat ja so mache fragwürdige Blüte getrieben. Die Forderung nach gleichem Lohn für gleiche Leistung ist eine Selbstverständlichkeit, die Forderung danach legitim und nötig. Die Umsetzung klappte bis heute nicht. Dafür hat man andere Dinge umgesetzt. Die Sprachenregelung. Linguistische Grausamkeiten waren die Folge. Ich hatte mich früher nie gefragt, ob ich auch gemeint sei, wenn jemand von Studenten sprach. Genauso wenig wie sich wohl die Tanne diskriminiert fühlt, wenn von „dem Baum“ gesprochen wird.

Neben den sprachlichen Neuorientierungen haben wir auch noch eine weitere Errungenschaft (neben vielen, die ich hier nun ausklammere): Die Quotenregelung. Man bemängelte, dass Frauen benachteiligt seien, weil sie Frauen seien, wo doch Leistung zählen müsse. Und man forderte eine Quote, die in Zukunft die Verteilung regeln soll. Wo genau da die Leistung noch Kriterium ist? Das darf man nicht hinterfragen (den Shitstorm darauf spüre ich schon förmlich…..).

Die Thematik ist aktueller denn je, denn in der Schweiz tritt grad eine Politikerin ab. Sie hat nichts falsch gemacht, sie gehört nur der falschen Partei an. Leider haben wir in der Schweiz diese Zauberformel, die besagt, wie der Bundesrat bestellt sein müsse. Die abtretende Lady war quasi das Bauernopfer dieses alten Zopfes. Und genau hier geht die Diskussion los: Die untervertretene Partei (nach Zauberformel) soll einen neuen Bundesrat stellen. Blöd nur: Sie hat niemanden. Und schon gar keine Frau und so eine müsste es ja sein. Das Argument, dass bei gleich wenig Leistung auch eine Frau gewählt werden könnte, ohne dass es gross einen Unterschied macht, ist dabei ein kleiner Trost.

Znüni-Gate

Wir hatten ja das Znüni-Problem. Das Kind hatte sich erlaubt, quer über den Schulhof zu laufen und am anderen Ende desselben im Supermarkt seine Zwischenverpflegung preiswert und lecker (im Gegensatz zum Mensaznüni, der ungeniessbar und teuer wäre) zu kaufen. Dafür erntete er Nachsitzen und soziale Arbeit. Am Morgen und über Mittag haben die Schüler hier ganz andere Wege zu bewältigen, wir leben in einer Grossstadt. Man kann sagen, die Aufsichtspflicht wäre schwer, dürften die Kinder einfach den Schulplatz verlassen (wobei der Supermarkt wirklich am Rande desselben ist). Über Mittag bleiben aber ein paar in der Schule, sind quasi am Mittagstisch und damit der Aufsicht übergeben. Sie dürfen dann doch gehen. Weil es ja die Mittagspause ist und einige gehen wollen/können/müssen.

Nun schrieb mir die Lehrerin. Erklärte mir, das sei so von wegen Aufsichtspflicht und sei auch mit der Schulleitung abgesprochen. Der Entschluss stehe. Nicht verrückbar. Ich verstehe es (sprachlich schon, rational jedoch) nicht, kenne aber das Schweizer Schulsystem und weiss: Menschenverstand gilt nicht, man liebt Formalismus. Und: Mal Festgesetztes sitzt. Starr. Und: Ich würde mich im Umgang damit nur aufregen und dazu ist mir meine Zeit zu schade. Wenn ich denke, was ich da alles Positives machen könnte? Und das aufgeben für einen Znüni? Für mich war’s abgehakt. Kind geht nicht mehr vom Schulplatz, will nun aber keine Zwischenmahlzeit mehr essen (finde ich nicht sinnvoll, aber nun denn…).

Da kommt von der Lehrerin eine SMS, ich solle mich doch bitte mit dem Schulleiter in Verbindung setzen. Er könne mir dann nochmals ganz genau erklären, wieso der Entschluss so sei, wie er sei. Ich sitze hier, weiss nicht, ob ich nun lachen oder weinen soll. Was genau soll mir das bringen? Doppelt erklärter Unsinn wird nicht besser. Und wenn er unverrückbar ist, verschwende ich meine Zeit sicher nicht damit. Ich hoffe, ich muss nun nicht zum Nachsitzen, weil ich der Aufforderung nicht nachkomme. Wenn ihr nichts mehr lest von mir, tanze ich im Schulhausareal eine Entschuldigung und binde dabei gemeinnützig Bücher ein. Oder so ähnlich.