Schulmensa – gegessen wird, was es gibt

Das Kind ist nun in der Oberstufe. Also schon gross. Das Kind findet, es sei schon ganz gross, könne alles entscheiden. Für mich ist es mein Kind und wird es wohl immer bleiben – ich kenne meine Gluckenmentalität. Aber zurück zur Oberstufe: Die haben da eine Mensa. Mit Mensakarte, die man online aufladen kann. Man bedeutet: Die Eltern. Das Essen ist überteuert und nicht geniessbar (sagen relevante Quellen). Das Kind sprach von halb gefrorenen Sandwiches und Tiefkühlessen. Ein Schreiben an die Eltern besagte, dass diese gefordert seien, die Karte zu füllen. Als Mindestbetrag standen 100 Franken da. Die Mutter schluckte leer.

Gleich neben dem Schulhaus hat es einen Supermarkt. Mit Frischetheke. Das Kind, preisbewusst, wie es die Mutter es erzogen hat, kaufte sein Essen da. Und kriegte Nachsitzen als Ertrag obendrauf. Es hätte unerlaubt das Schulgelände verlassen. Es gebe Regeln. Die müsse man einhalten. Es gehe um Sicherheit.

Ich finde Regeln grundsätzlich wichtig. Und ja, man muss sie einhalten, wir leben ja in einer Gemeinschaft und Kant, Rawls und Konsorten haben den Gesellschaftsvertrag zur Genüge thematisiert, so dass ich das nun hier nicht nochmals tue. ABER!!!!! Und: Bevor ich mit dem Aber anfange, schreibe ich nichts über den Schulweg, der teilweise mit mehrfachem Umsteigen von einem Verkehrsmittel zum nächsten und einigen vielbefahrenen Strassen obendrauf in einer Grossstadt erfolgt. Ich sage auch nicht, dass ich beim Sicherheitsargument bei einem Gang mal schnell über den Schulhof nur leise schlucke, an Gottfried Kellers Seldwyla und die Schildbürger denke und dann schnell schweige, da ich weiss, dass solche Gedanken nie gut kommen. Drum sag ich nix. Nirgends. Zu KEINEM!

Das Kind muss also überteuertes Essen kaufen, das nicht mal geniessbar ist. Eltern müssen die Karte dafür mit MINDESTENS 100 Franken aufladen (und natürlich nachladen). Preisbewusstsein, das man dem Kind lange eingeimpft hat, muss man ihm nun wieder abtrainieren. Sonst sitzt das Kind nämlich am Mittwoch Nachmittag in der Schule und leistet gemeinnützige Arbeit. Das ist nicht grundsätzlich schlecht, aber unter gegebenen Umständen fragwürdig.

Was bin ich froh, sitzen wir hier auf Rosen gebettet, laden Kindes goldene Kreditkarte (von der Schule ausgegeben) ständig auf, damit das Kind den Tiefkühlfrass überteuert an der Schule kaufen kann.

9 Gedanken zu “Schulmensa – gegessen wird, was es gibt

  1. Jeder Eintrag in unser Klassenbuch wegen verlassen des Schulgeländes war eine Ehrenkerbe an meinem Schultisch. Die Mutter vom Kind könnte natürlich eine Vollmacht schreiben, dass sie die volle Verantwortung beim Verlassen des Schulgeländes übernimmt, damit das Kind nicht doch noch wegen einer Samonellenvergiftung ernsthaften Schaden erleidet 😉

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    • Ich bin fast versucht, das zu wagen – bei der Schweizer Bürokratie und Zürcher Schuldregelordnung genügten wohl aber nicht mal Vollmachten…das wären dann ja Präzedenzfälle. Und die Schule denkt, die Eltern wären alles so Volldösel, die eh nicht klar denken können, drum müsse man ihnen quasi sagen, was für die Kinder gut sei – oder so. (Und für alles kriegt man ein Formular, ob man es wirklich verstanden hätte oder noch eine Erklärung bräuchte….. Leider gelten da nur Argumente, die ich nicht habe, dass es schlicht sinnfrei ist nach rationalen Kriterien wird nicht akzeptiert…)

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  2. schreib eine Vollmacht für die Mittagspause (die eh keine Schulzeit ist), Sandra. Das Essen an unseren Schulen ist wirklich eine Katastrophe – selbst wenn s gratis wäre.

    Es ist halt der sekundäre Markt, wie Altersheime auch…

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  3. Was ich an der Geschichte nicht verstehe: Von was für einer Schule sprichst du hier? Wenn es sich um die Volksschule handelt, dann gibt nicht der Schulleiter diese Regel vor, sondern das Volksschulamt. Es gilt für alle Schulen im Kanton Zürich, dass das Schulgelände während der Unterrichtszeit nicht verlassen werden darf. Das gilt für jedes Schulkind. Die Lehrpersonen haben während den Pausen Aufsichtspflicht und können diese im nächsten Supermarkt nicht wahrnehmen. Dein Sohn hat nun zwei Möglichkeiten für den Znüni: entweder er nimmt etwas mit (von Zuhause oder morgens vor der Schule im Supermarkt gekauft) oder er kauft sich etwas in der Mensa. Dazu zwingt ihn aber keiner; das ist bloss ein Angebot. Er hat auf dem Schulgelände zu bleiben und fertig. Essen kann er, was er will.

    Natürlich ist nicht jedes Kind oder jeder Elternteil mit allen Regeln einverstanden, aber es handelt sich hier um Lerngemeinschaften und da gelten nun mal einheitliche Regeln, die für den Gesamtbetrieb Sinn machen. Jedes Schulkind kennt sie und weiss auch, was die Sanktionen sind beim Regelverstoss. Manche tun sich einfach generell schwer mit Regeln.

    Ich verstehe die ganze Aufregung nicht. Solche Diskussion mit Eltern sind sinnlos und kosten Lehrpersonen und Schulleitungen unnötig Zeit und Energie, die dem eigentlichen Berufsauftrag dann leider abgehen. Das ist wirklich schade.

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    • Wieso kostet es Zeit? Ich habe es akzeptiert und die Sache auf sich beruhen lassen. Regeln sind gut und wichtig, das steht ausser Frage. Dass ich gewisse Dinge unlogisch finde, kann mir keiner nehmen. Trotzdem hält er sich an die Regel und die Möglichkeiten für Znüni sind mir durchaus bekannt.

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  4. Die Lehrerin deines Sohnes schrieb dir ja nicht aus Lust am Schreiben, sondern weil du sie wahrscheinlich zuerst angeschrieben hast. Hast du darauf erneut mit Unverständnis reagiert und wie hier drin den Sinn dieser Regel hinterfragt, dass sie es für nötig hielt, den Schulleiter beizuziehen? Das ist keine übliche Reaktion, wenn die Sache erledigt ist.

    Und ja, das erfordert Zeit: Mailverkehr mit der Mutter, Diskussion mit dem Schulleiter. Klar gehört das zum Berufsauftrag, aber Lehrer-Eltern-Austausch wegen einer solchen Nichtigkeit beziehungsweise der Verdrehung von Tatsachen? Denn faktisch zwingt ja keiner deinen Sohn, nichts oder etwas Ungesundes zu essen oder 100 Fr. einzuzahlen. Er darf bloss während der Schulzeit das Gelände nicht verlassen, genau wie alle andern im Kanton Zürich.

    Die Zeit darf man nun aufrechnen auf 22 Schüler pro Klasse und das alles wegen Nichts. Die Lehrpersonen könnten in dieser Zeit wirklich Sinnvolleres machen, im Interesse ihrer Schülerinnen und Schüler.
    Mein Vorschlag: Mach ihm doch morgens einfach einen gesunden Znüni parat. Problem gelöst.

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