Freitagsfüller – Klappe, die zweite

Schon wieder eine Woche um, der zweite Freitagsfüller steht an:

  1. Thema Nr. 1  ist aktuel – wer mich kennt, wird denken, ich sei krank – putzen. Irgendwie fühlt es sich grad an, als ob so ein Haushalt ein Fass ohne Boden sei. Gestern und heute bin ich Stunden damit beschäftigt, alles so zu putzen und aufzuräumen, dass es mir gefällt. Es ist ja nicht so, dass ich sonst nie putze, es ist immer sauber und aufgeräumt, aber irgendwas reitet mich die Tage grad. Aber: Es hat sich gelohnt. Und ich glaube, ich bin nun fertig… hoff ich… bis ich das nächste sehe. Aber: Solche Putzphasen kommen dann und wann, sind auch ganz schnell wieder vorbei, drum nutz ich sie, wenn sie da ist.
  1. Auch mal nichts zu tun, keine Pläne zu haben, einfach zu sein, finde ich unbedenklich. Ab und an kommt es mir so vor, als ob alle immer grosse Pläne hätten, Dinge unternehmen. Das fängt schon bei kleinen Kindern an, die jeden Tag ein anderes Programm im Kalender haben, und hört nie mehr auf, wie mir scheint. Ich schaue sogar extra, dass ich genügend freie Zeiten habe, in denen einfach nichts ist, die lass ich mir dann auch nicht nehmen.
  1. Gestern hätte ich fast wie eine Gluckenmutter ein Tränchen verdrückt, als der Sohnemann in die Ferien flog. Ich war wohl aufgeregter als er, habe die ganze Nacht kein Auge zugemacht. Als er dann weg war, war es schon sehr ruhig hier plötzlich. Gleich danach startete meine Putzwut… (siehe Punkt 1)
  1. Ich freue mich auf nächste Woche, die einfach frei ist – keine Termine, nichts, dass ich muss, keiner, der etwas von mir will. Ich kriegte den Rat, die Zeit zu nutzen und auch mal wegzufahren, aber ne, das wäre ja schade, denn: So ruhig habe ich die Wohnung nie. Das werde ich geniessen..
  1. Es würde helfen, wenn jeder erst vor seiner Türe kehrte, bevor er auf den Nachbarn zeigt. Die Welt wäre sauberer und friedlicher (ich habe es wirklich mit dem Putzen, scheint mir…).
  1. Ich kaufe viel zu viele Bücher bei Amazon –ist aber auch verlockend, alles nur einen Klick entfernt zu haben.
  1. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf einen ruhigen Abend mit einem Glas Wein in meiner blitzblanken Wohnung 😉 , morgen habe ich geplant, nur das zu tun, wonach mir ist und Sonntag möchte ich wiederholen !

Danke für die Inspiration an Barbara, die diese tolle Aktion gestartet hat. Ihr Ursprungspost: HIER

Tess Gerritsen: Totenlied (Rezension des Hörbuchs)

Der Walzer des Grauens

Inhalt
GerritsenTotenliedImmer wenn amerikanische Violinistin Julia Ansdell auf ihrer Geige den Walzer Incendio spielt – sie hat ihn von einer Italienreise mitgebracht – verhält sich ihre kleine Tochter merkwürdig. Einmal tötet sie die Katze, dann greift sie Julia an. Keiner hat eine Erklärung, woher die Verhaltensveränderungen der kleinen Lily kommen, weder deren Vater noch herbeigezogene Psychologen. Julias Vermutung, es könnte mit dem Lied zusammenhängen, glaubt aber keiner.

Julia lässt der Gedanke, dass ein Zusammenhang zwischen der Komposition und Lilys Verhalten besteht, nicht los, und sie reist nach Italien, um der Herkunft des Liedes auf die Spur zu kommen. Es ist zugleich eine Reise in die Vergangenheit, eine Reise in die Zeit des 3. Reiches.

Zum Inhalt
Ein Thriller ist die vorliegende Geschichte meines Erachtens nicht, es fehlen ihr alle für dieses Genre qualifizierenden Eigenschaften. Wer also einen Thriller erwartet, könnte von dem Buch mehr als enttäuscht sein, da es als einzigen Spannungspunkt das aufzudeckende Geheimnis hat, welches aber durch die ganzen Rückblenden in die Geschichte immer wieder an den Rand gedrängt wird.

Zum Hörbuch
Wer kennt Mechthild Grossmann nicht mit ihrer wunderbar sonoren Stimme. Die Aussicht, von ihr ein Hörbuch gelesen zu geniessen, war wunderbar. Wie gross dann die Enttäuschung. In diesem Roman kommen mehrheitlich Frauen, Kinder und junge Männer vor – allesamt haben sie hohe Stimmen, so dass Mechthild Grossman fast permanent nur am Säuseln ist. Die Momente, in denen sie ihre Stimme richtig klingen lassen kann, sind dünn gesät. Das Gesäusel jedoch kann mit der Zeit gehörig auf die Nerven gehen – mir ging es so. Ich musste das Hörbuch abbrechen.

Fazit:
Die Geschichte ist kein wirklicher Thriller, hat aber durchaus Spannungsmomente. Leider passt die Stimme von Mechthild Grossmann – so wunderbar sie ist – nicht zu den Figuren des Romans. Leider eine Enttäuschung auf mehreren Ebenen.

Zur Autorin und weiteren Mitwirkenden
Sie schreibt knallharte Thriller, unter die Haut gehende Krimis und gilt international als Meisterin der Spannung. Dabei hat die in San Diego aufgewachsene Tess Gerritsen gar nicht vorgehabt, Schriftstellerin zu werden. Nach einem Medizinstudium und anschließender Tätigkeit als Internistin in Honolulu, Hawaii, schien ihre Laufbahn festgelegt. Während ihres Mutterschaftsurlaubs schrieb sie dann eine Kurzgeschichte, die sofort prämiert wurde. Damit stellten sich die Weichen ihres Lebens neu. Ihre Karriere als Medizinerin hat sie mittlerweile an den Nagel gehängt und ist „Vollzeitautorin“. Privat liebt sie es eher friedlich: Nach ihren Hobbys befragt, nennt sie Gartenarbeit und Musik. Gerritsen lebt mit ihrem Mann und ihren Söhnen in Camden, Maine.

Mechthild Großmann drehte mit Fassbinder, arbeitete viele Jahre lang am Theater mit Pina Bausch und spielte in zahlreichen TV-Filmen. Seit 2002 begeistert sie mit ihrer unverkennbaren Stimme als Staatsanwältin im Münsteraner Tatort. Totenlied ist ihr achtes Tess-Gerritsen-Hörbuch für Random House Audio.

Angaben zum Buch:
MP3 CD
Verlag: Random House Audio; gekürzte Lesung (25. Juli 2016)
ISBN-Nr.: 978-3837135626
Preis: EUR 11.49 / CHF 23.90
Zu kaufen in Ihrer Buchhandlung vor Ort oder online u.a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

Hätte man mal bei Hitler…

Immer wieder lese oder höre ich in Diskussionen:

Hätte man mal unter Hitler… dann….

Man kann hier nun einsetzen, was man will, unterm Strich bleibt immer nur:

Das Argument „Hitler“ macht nicht das, was man sagt, stärker, sondern es relativiert, was unter Hitler passiert ist…

In Diskussionen geht es um konkrete Situationen mit konkreten Umständen. Sind beide schlimm, sucht man – weil wohl die Vergleiche und plakativen Argumente ausgehen – nach Worten… und findet immer nur: Hitler. Schlimmer geht nimmer und drum müsste DAS das totschlagende Argument sein. Und man klopft sich innerlich auf die Schulter, weil man es brachte. Das kann schliesslich keiner verneinen, das war schlimm.

  • Ja, es ist doof, wenn man heute wegschaut. Und es ist doof, wenn man nicht Stellung bezieht, wenn Unrecht geschieht.
  • Und es ist doof, wenn man Demonstrationen in Hamburg ausarten lässt, wenn man Politker machen lässt, wenn sie nicht so entscheiden oder handeln, wie man es möchte.
  • Es ist doof, wenn man nicht wählen geht.
  • Es ist doof, wenn man nicht hin steht und sagt: Was in der Türkei abgeht, ist gefährlich, und nicht hinschaut, was Donald Trump macht.
  • Es ist doof, wenn man Putin nicht hinterfragt und auch doof, wenn man von brennenden Flüchtlingsheimen einfach so liest und zur Tagesordnung übergeht. ABER:

Hitler hat damit nichts, aber auch GAR NICHTS zu tun. Weil:

Das Argument „Hitler“ macht nicht das, was man sagt, stärker, sondern es relativiert, was unter Hitler passiert ist…

Und das darf nicht sein!

Aufforderung an den Dichter

er sagte so
du mach mal was
mit sichelmond*
du reimst so schön
das müsste gehn

nimm halt noch
ein bisschen schmus
so herz und schmerz
und bitte sehr
nicht zu konfus

bleib im takt
ohne zäsur
das wirkt sonst gleich
so hart und nach

nem bruch
das mag ich nicht
das macht mir das
gefühl kaputt

so schreib mal was
ich kann ja dann
noch kontrolliern
ob alles passt

wie ich es möcht

_________

Für die abc.etüden, Woche 25.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von autopict und lauten: Mondsichel, Zäsur, kontrollieren.

*Ich entschuldige mich für die Umdrehung, ich hoffe, das geht so noch so knapp irgendwie….

Der Ursprungspost: HIER

Dirk Ippen (Hrsg.): Des Sommers letzte Rosen (Rezension)

Rangliste der Gedichte

Wer kennt sie nicht, die Gedichte, die man in der Schule mühsam auswendig lernen musste, die Gedichte, die man in allen Gedichtbänden findet, die bei Hochzeiten, Trauerfeiern und auch zwischendurch zitiert werden. Das vorliegende Buch hat sie gesammelt und in die passende Reihenfolge gebracht. Entstanden ist eine Sammlung von 100 Gedichte aus fast 1000 Jahren, die am häufigsten in deutschen Anthologien zu finden sind.

Die Welt wird schöner mit jedem Tag,
Man weiss nicht, was noch werden mag,
Das Blühen will nicht enden.
Es blüht das fernste, tiefste Tal:
Nun armes Herz, vergiss die Qual!
Nun muss sich alles, alles wenden.

Wir starten bei Uhlands Frühlingsglauben, finden später 18 Das Abendlied von Claudius, Nietzsches Vereinsamt, Eichendorffs Abschied, Platens Tristan und schliessen schliesslich mit Trakls Winterabend.

IppenSommersRosenDes Sommers letzte Rosen bringt sicher nicht die neue Erkenntnis in Sachen Gedichten, man findet – vor allem als begeisterter Gedichte-Leser – keine Neuentdeckungen. Auch kann man sich fragen, ob es wirklich nötig ist, Ranglisten aus Gedichten anzulegen – so mutet es ein wenig an. Aber: Es ist ein sehr schön aufgemachtes Buch mit einem ansprechenden Deckblatt, das Layout ist schnörkellos und ganz auf die einzelnen Texte ausgerichtet – ein schönes Geschenk für einen guten Freund, die Mutter oder einen Einsteiger in die Welt der Lyrik.

Müsste man einen Kritikpunkt anbringen, so wäre es, dass die wirkliche Rangliste fehlt. Zwar kann man sich den Gedichten entlanglesen, aber wenn man schon eine Liste erstellt, wäre es schön, die einzelnen Plätze auf einen Blick erfassen zu können, ohne sie abzählen zu müssen.

Fazit:
Die 100 am häufigsten in Anthologien publizierten Gedichte in einem Band, sehr ansprechend gestaltet. Ein wunderbares Geschenk für Lyrik-Liebhaber und solche, die es werden wollen.

Zum Herausgeber
Dirk Ippen, Dr. jur., ist Zeitungsverleger und lebt in München.

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 192 Seiten
Verlag: C.H.Beck (16. März 2017)
ISBN-Nr: 978-3406706301
Preis: EUR 14/ CHF 21.90
Zu kaufen in Ihrer Buchhandlung vor Ort oder online u.a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

Gute Bücher, schlechte Bücher

Ich betreibe diesen Blog ja schon eine Weile und immer wieder stellte ich mir die Frage: Welche Bücher stelle ich rein. Ich habe irgendwann für mich entschieden, nur die Bücher zu besprechen, die ich (einigermassen) gut fand. Bücher, die ich nicht lesen konnte und abbrach, oder die zu lesen eine Qual waren, liess ich still im Regal verschwinden. Ich habe diese Entscheidung immer mal wieder hinterfragt, bin dann dabei geblieben. Die Gründe dafür waren vielfältig:

  • Respekt vor der Arbeit des Autors: Selbst wenn mir das Buch nicht gefällt, hat sich jemand Mühe gegeben, Zeit investiert, auch Herzblut wohl. Er hat es immerhin geschafft, ein ganzes Buch zu schreiben. Das möchte ich nicht einfach verreissen.
  • Unterschiedliche Geschmäcker: Ein Buch, das mir nicht gefällt, kann einem anderen super gefallen. Das, was mich langweilt, findet der vielleicht genau richtig. Ich möchte von keinem Buch abraten, das jemand anderem gefallen könnte.
  • Ich habe wohl generell eher Mühe, Negatives zu sagen, da ich schlicht keinen verletzen will. Auch Bücher haben eine Seele.

Ich kann hinter dieser Entscheidung nicht mehr stehen. Ich lese viel und ganz viel breche ich ab. Und das hat immer Gründe. Ich lese kein Buch, das mich nicht packt, aus Prinzip zu Ende, dazu ist die Zeit zu knapp und dazu gibt es schlicht zu viele Bücher, die ich noch lesen möchte. Und ich werde nicht mal so alle schaffen, wieso also noch mehr nicht schaffen, nur, weil ich denke, mich durch ein Buch hindurch quälen zu müssen? Wie haltet ihr das mit den Büchern? Lest ihr fertig, was ihr begonnen habt, oder legt ihr auch mal zur Seite?

In Zukunft werde ich also auch Bücher hier besprechen, die ich nicht gut fand. Wenn ich ein Buch abbrach, werde ich offenlegen, wie weit ich gelesen und wieso ich abgebrochen habe. Wenn ich trotz Missfallens fertig las, werde ich erläutern, was mir daran konkret nicht gefiel.

Das ist vielleicht nicht mehr so nett, aber es fühlt sich für mich ehrlicher an. Ein abwertendes Urteil muss ja nicht heissen, dass das Buch keinem gefallen kann, es ist einfach mein Urteil.

In diesem Sinne: Lasst die Spiele beginnen…

Cara Nicoletti: Yummy Books (Rezension)

In 50 Rezepten durch die Weltliteratur

NicolettiYummyWas entsteht, wenn eine Frau aus einer Metzgerfamilie, die Literatur liebt, ein Buch schreibt? Wer sich die Frage schon mal gestellt hat, der findet die Antwort in diesem Buch. Cara Nicoletti kam als Kind einer Metzgersfamilie schon früh mit dem Kochen in Berührung. Von klein an zog sie sich aber auch gern mit einem guten Buch zurück. Halfen die Bücher ihr in der Kindheit und Jugend, vor der oft überfordernden Realität zu fliehen, so identifizierte sie sich auch später noch gerne mit den Figuren aus den fiktiven Welten. Noch näher fühlte sie sich ihnen, wenn sie ass, was diese assen, sprich: Sie kochte sich die Rezepte aus den Büchern einfach selber.

Ihr Literaturstudium verdiente sie sich mit Jobs in Restaurants, als Köchin, Metzgerin und vieles mehr. Sie merkte bald, dass sie ebenso gut beim Essen-Zubereiten mit Kollegen über Literatur wie mit Studienfreunden übers Essen reden konnte – die Idee für das Buch nahm Gestalt an.

Yummy Books vereint 50 Rezepte aus 50 Büchern, die sich Cara Nicolettis Lebenszeit entlang hangeln, von der Kindheit bis ins Heute. Anhand von persönlichen Anekdoten, die sie mit den einzelnen Büchern verbindet, und einer kurzen Inhaltsangabe oder Figurenbeschreibung werden die einzelnen Rezepte eingeführt. Diese enthalten neben den Inhaltsangaben eine Anleitung zur korrekten Zubereitung. Auf diese Weise kann man mit Laura von der kleinen Farm Frühstücksbratwurst essen, mit Pippi Langstrumpf Buttermilchpfannkuchen, man kann den Rollbraten vom Schweinekopf aus Herr der Fliegen kochen oder aber die in Rotwein geschmorte Lammkeule mit Wildpilzen.

Die Idee, Kochen und Bücher zu verbinden, ist gut, zumal in vielen Romanen gekocht und gegessen wird und man ab und an wirklich gerne mit am Tisch sitzen würde. Die Umsetzung mutet teilweise sehr wie ein Erinnerungs- und Lesetagebuch an, die Rezepte sind vom Layout her wenig übersichtlich gestaltet. Auch die Fotos sind eher gewöhnungsbedürftig, man sieht einige Metzgereiinterna (für sensible Gemüter und Vegetarier als eher schwierig), die einzelnen Rezepte sind wenig dekorativ abgelichtet – was aber wiederum dem Buchstil, das explizit kein Hochglanzkochbuch ist, entspricht und daher absolut passend ist. Eine Bibliographie der behandelten Werke macht es leicht, diese zum Rezept zu kaufen und zu lesen. Was fehlt, ist eine Aufstellung der einzelnen Rezepte in den Kategorien Frühstück, Hauptgang, Dessert, etc. So muss man sich, sucht man für einen bestimmten Gang ein Rezept, unter Umständen durch 50 Rezepte lesen, um etwas Passendes zu finden.

Fazit:
Die Idee, Kochen und Literatur zu verbinden, ist durchaus interessant, entstanden ist aber eher ein Erinnerungs- und Lesetagebuch statt ein Kochbuch im engeren Sinne.

Zur Autorin
Cara Nicoletti ist Metzgermeisterin, Köchin und Gründerin des literarischen Foodblogs Yummy Books. Sie kommt aus einer Metzgerdynastie aus Boston und lebt derzeit in Brooklyn, New York.

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 332 Seiten
Verlag: Suhrkamp Verlag (13. Juni 2017)
Übersetzung: Tanja Handels, Susanne Kammerer
ISBN-NR: 978-3518467763
Preis: EUR: 16.95 ; CHF 24.90
Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

Link zum Verlag: HIER

Scheingefechte*

In Hamburg schlagen sie sich
die Köpfe ein.
Als Protest gegen Gewalt,
gegen Weltzerstörung derer,
die nichts verstehen,
nur sich selber sehen.
Sagen sie.
Zum Schein!

Sie zerstören Läden und Wagen,
schiessen auf Menschen und Häuser.
Strassen brennen
und Menschen rennen,
weil ein paar zum Schein
und aus Spass an der Freude
finden: So
soll es sein!

©Sandra Matteotti

________

*aus aktuellem Anlass und dem Unverständnis heraus, wie nur irgendwer ernsthaft denken kann, mit Zerstörung und Gewalt diese beiden bekämpfen zu können…

Freitagsfüller – Klappe, die Erste

Ich habe im Netz eine neue Aktion gefunden, die ich einfach mal mitmachen möchte:

1. Ferien im Sommer sind______
Ich mag eigentlich keine Ferien. Ich bin ein Alltagsmensch, der seine alltäglichen Abläufe mag. Was ich aber mag ist, dass keine wirklichen Fixtermine regelmässig von aussen kommen wie Schule und dergleichen. Ich freue mich auf einige Wochen, die ich möglichst frei von äusseren Störungen meine Dinge machen kann, so wie sie mir zufallen, so wie sie sich grad zeigen.

2. ________Favoriten auf dem Grill
Ich habe gar keinen Grill

3. Meine Bikinifigur_____
Ich habe kein Bikini – also ich hätte eines oder sogar zwei, allerdings weiss ich nicht, wo die sind und ich denke, als ich letztes Mal einen Teil des einen fand, war es eben nur ein Teil und der Rest fehlte. Insofern mache ich mir keine Gedanken über eine da reinpassende Figur.

4. Denk ich an Michael Jackson, ________
Da denke ich an mein erstes Konzert, zu welchem ich mit meiner Freundin und deren Vater durfte, als ich so 7 oder 8 war. War ein Erlebnis. Vielleicht war ich auch 9? Egal, ich fühlte mich sehr gross.

5. Mein Lieblingsschmöker diesen Sommer_______
Das war Claire Fullers „Eine englische Ehe“ – ein tiefes, lebendiges, mitreissendes Buch über die Liebe, über deren Ende, über Verrat, Trauer und das Leben – und immer wieder doch die Liebe –, das mich sehr berührt hat. Oder nein, das war Kent Harufs Buch „Unsere Seelen bei Nacht“ – ein wunderbares Buch über zwei ältere Menschen, die auf das Geschwätz der Menschen pfeifen und einfach glücklich sind. Sagen wir, es waren die beiden…

6. ______ ist die beste Art, den Tag zu beginnen
Ein Gedicht lesen und guter Kaffee – oder guter Kaffee und ein Gedicht lesen – diese beiden auf alle Fälle.

7. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf ___________, morgen habe ich geplant, _________ und Sonntag möchte ich _________ !
Heute Abend freue ich mich auf ein gutes Glas gekühlten Chardonnayes, dazu guten Käse, Brot, etwas Rohschinken. Danach vielleicht noch ein Glas Primitivo mit der gleichen Begleitung ☺
Morgen will ich meine Gedichte sichten und in eine geeignete Reihenfolge. Daneben lesen, lesen, lesen, fürs Seelenheil eine Schnulze im TV schauen, eventuell noch eine Rezension schreiben. Das Abendprogramm dann wieder wie heute.
Weil das morgen so schön wird, mach ich das am Sonntag gleich nochmals, nur dass ich die Schnulze durch eine Philosophie-Sendung ersetze. Und immer – das tue ich eh immer: Schreiben, schreiben, schreiben….

Danke für die Inspiration an Mia, die mich in ihrem BEITRAG  auf die Aktion von Barbara aufmerksam machte: HIER der originale Textimpuls

Peter Boxall (Hrsg.): 1001 Bücher (Rezension)

…die Sie lesen sollten, bevor das Leben vorbei ist

Eine Zeitreise durch die Literatur

Die Lektüre von Romanen und Erzählungen ist und bleibt für viele Menschen das höchste Vergnügen. Mancher erinnert sich noch an das erste selbstgelesene Buch als einen wichtigen Meilenstein der persönlichen Entwicklung, und viele zählen das Lesen rückblickend zu den grössten Freuden ihrer Kindheit.

5165E1UEWjL._SX384_BO1,204,203,200_Das vorliegende Buch entält eine Zeitreise durch unsere Weltliteratur. 1001 Bücher, die man gelesen haben sollte, bevor man stirbt, will es beinhalten. Ausgewählt wurden diese 1001 Bücher von 157 Schriftstellern, Literaturwissenschaftlern und Journalisten aus der ganzen Welt. Wir lassen uns am Anfang unserer Reise durch die Literatur von Scheherezade aus 1001 Nacht verzaubern, der Weg führt weiter zu Jane Austens Romanen über heiratswillige junge Damen, sticht mit Moby Dick ins Meer, wendet sich nach einer Wegstrecke dem Bildnis des Dorian Gray zu, führt bei Max Frischs Stiller vorbei zu Jakob dem Lügner, um dann weiter zu gehen zum Parfum von Süskind, Henning Mankells Mörder ohne Gesicht und schliesslich bei Swetlana Alexejiewitschs Secondhand-Zeit zu enden.

Der Band enthält bekannte und eher unbekannte Werke. Viele, die man persönlich vielleicht gerne drin hätte, fehlen, von anderen, die sich drin finden, hört man zum ersten Mal. 1001 Bücher erhebt denn auch nicht den Anspruch der Vollständigkeit oder gar den, einen neuen Kanon auszubilden. Vorgestellt werden schlicht Bücher, welche 157 Menschen als lesenwert erachtet haben und welche diese andern Lesern ans Herz legen möchten, denn.

Jedes vorgestellte Buch wird mit den Lebensdaten seines Verfassers, seiner Entstehungszeit, seiner Erstveröffentlichung und Originaltitel vorgestellt, kurz zusammengefasst und teilweise auch in der Zeit oder einem anderen Kontext verortet. Bilder des Umschlags oder des Filmplakats bei verfilmten Büchern runden das Ganze ab. Ein Index nach Buchtiteln sowie nach Autoren hilft, gezielt nach Büchern zu suchen. Ein rundum gelungenes Buch.

Ein kleiner Kritikpunkt sei gestattet: Ein Projekt von so grossem Umfang ist wohl anfällig für Fehler – so finden sich denn auch vereinzelt welche hier. Stefan Zweigs Novelle Der Amokläufer wird schlicht als Amok betitelt – so heisst auf Deutsch die Sammlung, welche die Novelle beinhaltet. Dieser Fehler dürfte bei der Übersetzung passiert sein, da im Englischen die Novelle Amok heisst. Etwas grösser wiegt der Fehler, dass das Buch im Autorenverzeichnis Arnold Zweig statt Stefan Zweig zugeordnet ist. Das sind ärgerliche Fehler, die aber dem Vergnügen mit dem Buch keinen Abbruch tun. In einer nächsten Auflage könnte man diese leicht beseitigen.

Fazit:
Eine informative, kurzweilige, schön illustrierte Zeitreise durch die Weltliteratur. Absolute Leseempfehlung!

Der Herausgeber
Peter Boxall, der Hauptherausgeber, hat in Zusammenarbeit mit 157 (!) internationalen Rezensenten, das Mammutwerk federführend erstellt. Peter Boxall ist außerordentlicher Professor für englische Literatur an der University of Sussex (England). Er hat zahlreiche Studien zum Roman und zum Drama des 20. Jahrhunderts veröffentlicht, zuletzt erschien Don DeLillo: The Possibility of Fiction (2006).

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 960 Seiten
Verlag: Edition Olms (16. Februar 2017)
ISBN-Nr 978-3283012502
Preis: EUR 29.95 / CHF 41.90
Übersetzer: Maja Ueberle, Thomas Marti
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Didier Ottinger (Hrsg.) Magritte. Der Verrat der Bilder (Rezension)

Malerei als Ausdruck philosophischen Denkens

Magritte ging mit seiner Malerei neue Wege. Was er betrieb, könnte man als Philosophieren mit dem Pinsel bezeichnen. Sein Malen war Denken bildhaft dargestellt. Er setzte das Wort neben das Bild und umgekehrt. Die Malerei Magrittes befasst sich ohne Unterlass mit den Fragen über das Wesen und den Status der Kunst.

Vorhänge, Wörter, Flammen, Schatten, Fragmente und Collagen verweisen auf Legenden und Allegorien, die allesamt den Status der Bilder und deren Beziehung zur Wirklichkeit oder zur Wahrheit hinterfragen.

Immer wieder tauchen dabei die fünf Motive Feuer, Schatten, Vorhänge, Wörter und fragmentierte Körper auf. Der vorliegende Band setzt sich mit diesen Motiven auseinander, zeigt deren Funktion im Malen und Denken Magrittes und illustriert das anschaulich anhand der entsprechenden Bilder.

Magritte wollte hinter den gewohnheitsmässigen Gebrauch der Sprache blicken, er wollte offenlegen, das Worte beliebig Gegenständen zugeordnet werden und dann durch Generationen tradiert ohne je zu hinterfragen, was genau Objekt, was Wort und wie der Zusammenhang beider aussieht. Diesen Gedanken stellte er das Bild entgegen, welches auch ein Abbild des Objektes ist, aber nicht der Gegenstand selber. Dabei ist er der Überzeugung, dass die Verbindung Bild – Objekt weniger beliebig ist als die zwischen Wort und Objekt.

Aus der Ähnlichkeitsbeziehung zwischen der Wahrnehmung des Bildes und der des Gegenstandes ergibt sich unter anderem, dass es „in dem Sinne, in dem es Fremdsprachen gibt, keine Fremdbilder gibt“. Fremdsprachen kann es nur geben, weil die Beziehung zwischen den meisten Wörtern und dem, was sie bedeuten, beliebig ist und daher erlernt werden muss.

Mit seinen Bildern wollte Magritte das Denken sichtbar machen. Immer wieder stellt er den Bezug zur Philosophie her, bringt die Gedanken der grossen Denker auf die Leinwand.

Die vorliegende Monografie stellt die Persönlichkeit des Künstlers ins Zentrum und legt dessen Verständnis von Kunst und Wirklichkeit sowie der Beziehung zwischen den beiden offen. Hochstehende und tiefgründige Essays führen den Leser in Magrittes Denken, seine Motivwahl und deren Bedeutung im Hinblick auf sein Denken und Malen ein:

  • Magritte als Philosoph – ein Porträt (Didier Ottinger)
  • Wörter, Schatten, Flammen, Vorhänge, Fragmente. Magritte und die Gründungsmythen der Malerei (Didier Ottinger)
  • Zwischen Wahlverwandtschaft und Beliebigkeit. Anmalen gegen die imaginären Grenzen der Imagination (Klaus Speidel)
  • Sehen, um zu glauben. René Magritte und die Erfindung der Kunst (Jan Blanc)
  • Der Maler-König (Barbara Cassin)
  • Magrittes Vorhänge (Victor I. Stoichita)
  • Schönheit ist ein bildnerisches Problem (Jacqueline Lichtenstein)
  • Vom Bild als Deckmantel zur Kunst des Problems (Michel Draguet)

Auch Magritte selber kommt zu Wort in seinem Vortrag von 1938 mit dem Titel Lebenslinie I, sowie in ausgewählten Briefen.

Veranschaulicht werden all diese Theorien anhand ausgewählter und farblich hochwertiger Bilder, durch ein stilvolles Layout in Szene gesetzt werden. Ein rundum gelungenes Buch, das jedem Magritte-Fan nur empfohlen sei.

Fazit
Ein informatives, tiefgründiges und hochwertig gestaltetes Buch, das sich fundiert mit Magrittes Bildern, Motiven sowie seinen Gedanken und Theorien auseinandersetzt. Absolut empfehlenswert.

Zum Herausgeber:
Didier Ottinger ist stellvertretender Direktor des Musée national d’art moderne, Centre de création industrielle und Autor zahlreicher Bücher.

Angaben zum Buch:
MagritteGebundene Ausgabe: 224 Seiten
Verlag: Prestel Verlag (16. Januar 2017)
ISBN: 978-3791355979
Preis: EUR: 39.95 ; CHF 52.90
Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

 

Gefühle

Im Wagen
zum Abgrund
und kurz vor dem Ende
die Wende

Achterbahn
Rummel im Kreis
und mal hoch
und mal runter

vom Berg
bis ins Tal
hin zu holprigen
Strassen

schluchten
mal wieder
und doch
einzigartig

bei jeder
Fahrt.

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2017_27-17_2_zwei

Für die abc.etüden, Woche 25.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Bruni von Wortbehagen.de und lauten: Achterbahn, Strassenschlucht, einzigartig.

Der Ursprungspost: HIER

 

Hermann Hesse (*2. Juli 1877)

Heute würde Hermann Hesse 140 Jahre alt – ich hebe mein Glas!

Avatar von Sandra von SiebenthalDenkzeiten - Philosophie in Theorie und Praxis

Um meine Geschichte zu erzählen, muss ich weit vorn anfangen. Ich müsste, wäre es mir möglich, noch viel weiter zurückgehen, bis in die allerersten Jahre meiner Kindheit und noch weit über sie hinaus in die Ferne meiner Herkunft zurück.

Mit diesen Worten beginnt Hermann Hesse seinen Demian und drückt damit ein Verständnis von Sein und Werden aus, das sich durch sein ganzes Werk zieht. Die kindliche Seele, ihre Entwicklung und die Nöte dabei prägen Hermann Hesses ganzes Werk. Kaum ein anderer Schriftsteller hat Themen wie (Persönlichkeits)Bildung und Erziehung so ins Zentrum gerückt wie er.

Hermann Hesse erblickt als Sohn einer christlichen Missionarsfamilie am 2. Juli 1877 in Calw, einer kleinen Stadt im nördlichen Schwarzwald, das Licht der Welt.  1881 folgt der Umzug nach Basel, wo die Familie fünf Jahre bleibt und Hermann Hesse die Internatsschule der Basler Mission, für die seine Eltern tätig sind, besucht. 1886 führt der Weg zurück…

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