Tagesgedanken: Nein sagen lernen

„Wenn du damit beginnst, dich denen aufzuopfern, die du liebst, wirst du damit enden, die zu hassen, denen du dich aufgeopfert hast.“ (George Bernhard Shaw)

Kennst du das, dass es dir schwerfällt, nein zu sagen? Die Schule will einen Kuchen für ein Fest, die Nachbarin Kaffee trinken, der Mann will einen Ausflug machen. Und eigentlich möchtest du nicht, denkst aber, diese Wünsche nicht abschlagen zu können. Du stellst dir die Enttäuschung beim anderen vor, wenn du nein sagst, und erfüllst dann die Wünsche – wenn auch mit innerlichem Grummeln.

Für den Moment scheint das eine gute Strategie, bei der alle (ausser dir) zufrieden sind. Du bist es dann insofern, als du „alles richtig gemacht hast“. Auf den zweiten Blick stellt sich aber heraus, dass aus diesem Verhalten auf Dauer wenig Gutes wächst. Indem du dich immer wieder zu wenig ernst nimmst mit deinen Bedürfnissen, indem du diese immer wieder hintenanstellst und die eines anderen erfüllst, wächst in dir eine Unzufriedenheit heran – über dich und über den anderen. Du fängst an, ihm übel zu nehmen, was du für ihn gegen deine Überzeugung tust.

Die Unfähigkeit, nein zu sagen, kommt daher, dass wir es anderen recht machen wollen. Wir wollen unser Miteinander in Harmonie leben und scheuen davor zurück, anzuecken, Anlass zur Auseinandersetzung zu werden. Wir pflanzen unsere Vorstellung vom Verhalten des anderen in dessen Kopf und glauben dann, dass dieses auch wirklich da ist. Wir stellen uns seine Reaktion auf unser Nein vor, und reagieren dann auf die von uns vorgestellte Reaktion. Wie oft sind wir erstaunt, wenn doch mal ein Nein gelingt, dass die Reaktionen weit weg von der sind, die wir ängstlich voraussagten?

Nein sagen hat nichts mit Egoismus zu tun, sondern mit Selbstsorge. Nur, wenn wir gut zu uns selbst schauen, können wir auch eine ebenbürtige Beziehung führen. Nur wenn wir uns den Wert zuschreiben, den wir auch dem anderen geben, leben wir auf Augenhöhe. Oft stecken hinter dem Verhalten, alles richtig zu machen, Ängste: Die Angst, nicht zu genügen, die Angst, nicht geliebt zu werden, die Angst, etwas kaputt zu machen, das uns viel bedeutet. Diese Ängste haben ihren Ursprung meist in der Kindheit, es sind Prägungen unseres Kinder-Ichs, die immer wieder hervorbrechen. Wenn wir uns dessen bewusst werden, können wir uns immer wieder sagen, dass wir nun selbst gross sind, dass es uns zusteht, für uns einzustehen, dass wir auch mal nein sagen dürfen. Für uns selbst und schlussendlich auch fürs Miteinander.  

Ein Kommentar zu „Tagesgedanken: Nein sagen lernen

  1. Sandra: „Die Unfähigkeit, nein zu sagen, kommt daher, dass wir es anderen recht machen wollen.“

    Es ist keine Unfähigkeit ―
    sondern versteckte Angst.

    Sandra: „Oft stecken hinter dem Verhalten, alles richtig zu machen, Ängste“

    Wer sich solchen Ängsten stellt, ihnen also nicht nach
    gibt, kann aus Unfähigkeiten… Fähigkeiten machen.

    🍂 🍁🍂

    Sandra: „Wir wollen unser Miteinander in Harmonie leben und scheuen davor zurück, anzuecken, Anlass zur Auseinandersetzung zu werden.“

    Es folgt die ANPASSUNG, die auf vielfältige Weise und oft
    so subtil erfolgt, daß sie kaum oder nur selten bemerkt wird.

    Anpassung allgemein: Das kollektive Denken der Gruppe, zu der sich das Individuum zugehörig fühlen möchte (Gesetz, Moral, Tradition, Etikette). Zur Etikette gehören auch die ― ungeschrieben und unausgesprochen im Raum stehenden ― ERWARTUNGEN.

    Warum diese starke Neigung zur Anpassung?
    (kann jede/r gut mal an sich selbst beobachten)

    Sie ist die Währung, mit der vermeintliche Liebe,
    Aufmerksamkeit (gesehen werden, dazu gehören),
    also eine Form der „SICHERHEIT“ erkauft wird.

    Mit der Anpassung geht es
    geistig in die Bettelhaltung.

    🍂 🍁🍂

    Sandra: „Nein sagen hat nichts mit Egoismus zu tun“

    Und wenn schon…

    Ein klares JA, aber auch ein klares NEIN aussprechen zu können,
    ist eine wichtige Lern-Erfahrung, die wir im Idealfall schon früh
    (erfolgreich) machen konnten, die aber auch jetzt – in jeder Alters-
    Stufe und immer wieder – gewagt werden muß.

    Voraussetzung: Ich bin mir jeweils im Klaren
    darüber, was ich will, bzw… was stimmig ist.

    🍂 🍁🍂

    „Wenn du damit beginnst, dich denen aufzuopfern,
    die du liebst, wirst du damit enden, die zu hassen,
    denen du dich aufgeopfert hast.“

    ― George Bernhard Shaw

    Nicht zwangsläufig. Nur dann, wenn das „aufopfernde“
    Verhalten nicht stimmig ist, wenn es nicht aus Liebe
    geschieht, wenn es also tatsächlich NUR ein „Opfer“ ist.

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