Tagesgedanken: Falsche Vorstellungen

Ich bin ein Mensch, der gerne seine Strukturen, seine Gewohnheiten hat. Das hat einerseits pragmatische Gründe, denn als selbständig arbeitender Mensch fehlen die Leitplanken von aussen und es fällt mir leichter, täglich nach dem etwa gleichen Plan zu arbeiten, als jeden Tag neu zu überlegen, ob und wann und was ich denn nun tun soll. Es hat aber andererseits auch weitere Gründe: Ich mag es so, fühle mich wohl, wenn ich weiss, was mich erwartet.

Neues, plötzliche Veränderungen, mag ich hingegen gar nicht. Da ertappe ich mich schon lange Zeit vorher, mir auszumalen, wie das sein könnte. Ich erzähle mir, dass das schwer wird, schüre meine Ängste, der Situation nicht gewachsen zu sein, finde immer mehr Dinge, die zu meinem Unwohlsein führen könnten. Das führt dazu, dass es nicht erst schwierig wird, wenn das Neue dann kommt, sondern ich vergifte mit diesem Gedankenkarussell schon die Zeit vorher. Und oft habe ich dann erlebt, dass alles ganz leicht war und meine Sorgen völlig umsonst.

„Vorstellungen sind mentale Muster, die nicht auf real existierenden Objekten beruhen.“ (Patanjalis Yoga Sutras, 1.9)

Es ist wohl an der Zeit, zu lernen, dass das, was am meisten Unwohlsein mit sich bringt, nicht die neuen Situationen sind, sondern meine Vorstellungen davon. Natürlich kann es sein, dass es mal schwierig wird, natürlich gibt es Situationen, in denen ich mich unwohl fühle, doch es reicht, wenn es in der Situation selbst so ist, ich muss nicht schon die Tage vorher damit belasten, denn das ist schlicht nur ein selbstgemachtes Leiden und es liegt in meiner Hand, dies zu ändern.

Mögt ihr Veränderungen oder habt ihr es doch lieber wie gewohnt?

2 Kommentare zu „Tagesgedanken: Falsche Vorstellungen

  1. Daß „die Leitplanken von außen“ fehlten, ist eine klasse Formulierung – auch wenn sich dieses Fehlen als genau die Feiheit verstehen läßt, die etwa ich an meiner Selbständigkeit immer ganz besonders geschätzt habe und weiterhin schätze. Doch für die Prägung Ihrer Formulierung danke – der Ausdruck scheint mir jenen Sätzen zuzugehören, denen Günter Steffens in seinem großen Roman „Die Annährung an das Glück“ (1976) attestiert hat, sie seien bereits im Moment ihrer Erfindung Zitat.
    ANH, 7.51 Uhr

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