Geduld ist eine Zier…

„Du musst dich (im Leben) wie bei einem Gastmahl benehmen. Es wird etwas herumgereicht, und du kommst an die Reihe.“ (Epiktet)

Jeder kennt sie wohl, die unliebsamen Zeitgenossen, die sich überall vordrängeln wollen, die sich bei einem Essensbuffet an dir vorbei zwängen, nur um der erste beim Fleisch zu sein. Während ich mich hier – vor allem aus Gründen des Anstands – zurückhalte, gibt es durchaus Situationen, in denen ich ungern geduldig warte, bis die Zeit reif und ich am Zug bin.

Ich war schon immer ein eher ungeduldiger Mensch. Vor allem wenn es darum ging, etwas zu lernen, hätte ich es lieber bereits gestern gekonnt, als mich erst mühsam dahin zu begeben. Auch ersehnte Ferien oder gewünschte Dinge hätte ich lieber sofort, als noch lange drauf warten zu müssen. Wenn der Entscheid, etwas zu wollen, mal gefällt war, dann gab es keinen Grund für einen Aufschub, ausser, dass die Zeit sich nicht an meine Wunschvorstellungen hielt.

Ich muss allerdings gestehen: Die Vergangenheitsform stimmt nicht immer – allerdings mit fortschreitendem Alter mehr. Denn: Wie ich es auch drehte und wendete, vieles liess sich nicht beschleunigen. Die Ferien kamen erst zu einem bestimmten Datum und um «Für Elise» auf dem Klavier zu spielen, brauchte ich erst gewisse Grundlagen.

Wir können den Lauf des Lebens nicht beschleunigen, da gewisse Dinge ihre Zeit brauchen. Gras wächst auch nicht schneller, wenn man daran zieht. Was wir aber beeinflussen können, ist unsere Haltung. Die Ferien mögen wunderbar klingen, aber auch jetzt gibt es schöne Momente, die wir vielleicht verpassen, wenn wir nur immer sehnsüchtig auf die Ferien schielen. Es wäre auch toll, jetzt schon ein anspruchsvolles Lied spielen zu können, aber es gibt durchaus auch einfachere, die wunderbar sind. Und mit einem neuen Paar Hosen wird das Leben auch nicht schöner, vor allem nicht, wenn wir noch viele haben, die wir heute anziehen und damit einen schönen Tag verleben könnten.

Manchmal hilft es, auch im Leben nicht der sein zu wollen, der sich vordrängeln will, sondern im Wissen darauf, das alles seine Zeit hat und kommen wird, wenn es denn sein soll.

4 Comments

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  1. Vielen Dank für den Text. Da kann ich Dir doch nur wünschen, dass Du zu ganz viel Geduld findest. Ohne Geduld bleibt Wichtiges gerne oberflächlich. Es muss jetzt sein, schnell und alles. Fromm nennt Geduld als eine der drei Fähigkeiten, die es braucht, um ein Künstler zu werden. Ich habe das Gefühl, dass Nachdenken – auch in Gesprächen – die Tugenden der Geduld in besonderer Weise fördern. Mit diesen Tugenden meine ich z.B. Empathie, spielen mit Kohärenzen (also mit Aussagen, die miteinander in Beziehung stehen und einem System Zusammenhalt geben), Zuhören, Verständnis entwickeln, in Reflexion über etc. Geduld passt nicht in unsere Zeit, aber sie gibt sie uns.
    Herzlich
    Peter

    Gefällt 2 Personen

    • Das klingt, als ob du schon quasi drüber stehst, die Geduld und alles Wichtige und damit Tiefgründige gefunden hättest. Dazu bist du zu beglückwünschen. Dir danke ich für deine Wünsche, ich bin noch auf dem Weg. Von dem ich ja denke, dass er ein Stück weit ein lebenslanger sein wird. Du machst mir Mut, dass es auch schneller zu schaffen ist. Aber: Ich übe mich in Geduld…

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