Was ist meine Geschichte?

„Wir erzählen uns Geschichten, um zu leben.“ (Joan Didion)

Wir gehen durchs Leben und erzählen uns und anderen unsere Geschichte. Es ist eine Geschichte unseres Lebens, die Aneinanderreihung von Erfahrungen und Erlebnissen, die schlussendlich das ausmacht, was wir „ich“ nennen. Wir sind uns dabei selten bewusst, dass wir nur eine mögliche Geschichte erzählen, dass es noch viele andere gäbe. Noch seltener sind wir uns bewusst, dass das, was wir aus der Erinnerung als unsere Geschichte erzählen, oft anders war, als wir uns erinnern, da unser Gedächtnis die phänomenale Gabe hat, Erzählungen so zu strukturieren, dass sie Sinn ergeben, dass sie in einem Kontext stehen und darin schlüssig und nachvollziehbar klingen. Das heisst nicht, dass wir lügen, schon gar nicht bewusst, es ist nur nicht die Wahrheit, schon gar nicht die ganze.

Das Gute daran ist: Wir können unsere Geschichten ändern. Auch das ohne zu lügen. Indem wir auf andere Erfahrungen und Ereignisse fokussieren, andere Perspektiven einnehmen, ergeben sich neue Geschichten. Gerade wenn wir mit unserer Geschichte hadern, kann das heilsam sein.

Vielleicht fragst du dich mal: Was ist meine Geschichte? Und dann schau genau hin, ob es die einzig mögliche ist oder ob du nicht noch mehr findest. Und vielleicht findest du sogar die Geschichte, die dir hilft, gut damit weiter zu leben, weil sie dir etwas mit auf den Weg gibt, das dir Kraft für die Zukunft gibt.

2 Comments

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  1. Ich kann meine Geschichte nie ganz erzählen, es wäre zuviel für andere und durch einen Fehler im Gedächtnisspeicher kann ich mich an alles genau erinnern, seit ich etwas über ein Jahr alt bin. Doch ändern kann man immer etwas, alleine durch die ganzen Erfahrungen die man sammelt …

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  2. anders fokussieren, anders den Beginn von Ereignisreihen setzen, anders gewichten und verknüpfen – es gibt so viele Möglichkeiten, seine eigene Geschichte – und Geschichte überhaupt – zu erzählen. Mal ist man Opfer, mal Täter, mal Zuschauer und Schiedsrichter, mal Nutznießer, mal Geschädigter … Allein die Frage, wo man den Beginn der eigenen Existenz ansetzt – mit der Geburt oder bei früheren Leben – ändert alles. Genauso bei der eigenen Geschichte: Betrachtet man zB die deutsch-chinesischen Beziehungen seit gestern oder seit den Verträgen von Nanking? Und beginnt man die deutsche Geschichte zu erzählen bei den Bauernkriegen, beim Kampf um Rom, bei der preußischen Staatsgründung, bei der Machtübernahme der Nazis oder mit dem Grundgesetz von 1949?

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