Ein Halleluja für einen Klick

Social Media boomt. Wir bewegen uns darin und definieren uns darüber. Facebook, Twitter, Instagram – drei Programme, dasselbe Muster: Wer am meisten Klicks kriegt, ist der Sieger. Social Media ist das absolute Extrem der menschlichen Leistungsgesellschaft. Und: Social Media entlarvt sie auch – wenn man hinschaut.

Es gewinnt nie der Beste. Es gewinnt auch nicht der, welcher Sinn, Wert oder Inhalt hat. Es gewinnt der, welcher am besten netzwerkt. Wie netzwerkt man gut? Indem man liefert, was gefragt ist, verkauft, was gesucht ist. Qualität ist kein Merkmal. Wirklich begnadete Künstler haben gerade mal 100 Follower, Menschen mit Schminktipps und den ewig gleichen Einrichtungsbildern eine Million.

Nun kann man sagen: Das ist im Leben auch so, das ist doch nicht der Fehler von Social Media. Ich stimme dem zu. Es legt den Mechanismus einfach gnadenlos offen. Wenn man ihn denn sehen will.

Bedenklich wird er, wenn Menschen sich über diese Klicks definieren. Sie scrollen täglich durch die Bilder ähnlicher Kategorien und prüfen deren Klicks. Sie vergleichen und sehen sich im Rückstand. Und sie bewerten sich danach. Sie sind minderwertig. Offensichtlich. Es muss so sein, sonst klickten mehr. Dieses Kriterium könnte bei nicht mal sehr tiefer Recherche und Bewertung widerlegt werden, nur geht es schon lange nicht mehr um Sachlichkeit. Es sind Emotionen, die spielen – und: an diesen Emotionen hängen Bilder, Selbstbilder.

Junge Frauen stellen immer freizügigere Bilder ins Netz, hungern sich auf Kleidergrössen im bald Minusbereich, um mithalten zu können. Menschen verbiegen sich, basteln sich ein Image zurecht, um vor einem Haufen eigentlich fremder Menschen bestehen zu können, da nur deren Bestätigung den eigenen Wert definiert.

Man kann nun sagen, das sei nichts Neues, Menschen hätten schon immer anderen gefallen wollen. Das stimmt wohl. Wollte man früher aber der Gesellschaft der Menschen gefallen, die man kannte, sind es heute Millionen da draussen, für die man kaum weniger als ein kurzer Text oder eine gezielt positionierte Summe von Bildern ist. Ab und an geht es tiefer, keine Frage, und das ist wunderbar und das wirklich Tolle an Social Media. Gefährlich wird es, wenn wir unser Sein und unseren Wert auf diesen Klicks aufbauen – oder vernichtet sehen.

7 Comments

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  1. Da stimme ich Dir voll und ganz zu!
    Seit ich in WordPress bin, zählt für mich die Qualität aber nicht die Quantität!
    Dies sollte eigentlich eine Grundsatz Einstellung sein! Die Individualität und das nötige Selbstbewussein dazu muss sich entwickeln, bei den wenigsten ist es von Natur aus vorhanden! Sonst würde sie Kritik nicht so leicht aus der Bahn werfen! Das war jetzt natürlich allgemein gesprochen!
    Es ist eben der neue technisierte Zeitgeist. Früher haben wir unser Selbstbewusstsein in den Straßen geschliffen!
    Ich bin froh diese Zeit erlebt zu Haben!

    Lg Babsi

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    • Ich verstehe dich gut. Ich bin auch in einem Alter, in dem das Internet erst kam, als ich schon erwachsen war. Ich bin froh, durfte ich noch im realen Miteinander mich messen. Klar, auch damals waren Wert und Qualität nicht kongruent. Aber es war irgendwie… im kleinen eigenen Alltag, persönlicher.

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  2. Man sollte sich nicht über die Klicks definieren, freuen darf man sich durchaus. Bei mir liegen die Likes auf fb bei Null bis an die 20, was ein seltener Höchstwert bleibt. Ein eher persönlicher Satz brachte es bisher (völlig unerwartet) auf 30, doch das ist ein Ausreißer. Aber die paar Likes sind genau die, über die ich mich freue, mehr als wären es hunderte von irgendwem.

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    • Ich habe schon so viele Artikel gelesen über junge Menschen, die das nicht so sehen, gar krank werden für ein paar Likes. Ich habe es selber „erforscht“, bin duch diverse Bereiche gegangen und habe geschaut, wer wie und wieso Klicks generiert. Ich finde es gefährlich. Irgendwie. Aber das ist wohl das ganze Leben – irgendwie 😉

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      • Klar ist das so. Aber wie du sagst, so ist das Leben, und das Leben ist dynamisch. Will sagen, wir sind – aufgrund eines suggestiv statischen Weltbilds – versucht, auf die Kids zu blicken und zu sagen: SO sind sie. Aber auch das ist nur eine Momentaufnahme. Auch wir waren mal irgendwie, und heute sind wir ganz anders. Das Leben ist dynamisch, und wer sich nicht verändern will, den verändert das Leben.
        Wenn wir außerdem die Gefahren, süchtig zu werden, betrachten, dann relativiert sich vieles, und das Internet ist nur eine der Möglichkeiten. So gibt es kaum noch Jugendliche, die nicht mit Drogen in Berührung kommen, aber die meisten kommen unbeschadet davon los – der Rest steht in den Medien.
        Und in allen Lebensbereichen gibt es die versteckte Möglichkeit zu lernen.

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  3. Ich bin falsch bei FB, obwohl ich da sein sollte um mich zu vermarkten (was mir nicht liegt), bleibe ich inzischen nur noch wegen der Kontakte zu liebgewonnen Menschen. Klickzahlen haben mich noch nie interessiert und bei wordpress weiß ich nicht mal wo man die Statistiken nachschauen kann. Vielleicht mache ich es mal, doch es hält mich von der Arbeit und dem richtigen Leben ab, also kann es noch dauern. Ich weiß auch nicht wie die anderen in den Social Medieas die ganzen Nachrichten verarbeiten, denn mich überfordert dies ganz eindeutig …

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