Beziehungen – Gedanken im Kreis

Heute las ich einen Artikel über den perfekten Mann. Die Frage lautete, ob ein guter Mann entweder vergeben oder schwul sei. Mal abgesehen davon, was das denn für Frauen bedeuten würde, ob alle guten frei rumlaufen und wie die Hühner nach dem leckersten Korn suchen oder aber auch vergeben respektive nicht an der Männerwelt interessiert wären, fand ich den Ansatz etwas gar plakativ und wenig durchdacht.

Perfekte Männer gibt es nicht. Sorry, ist so. Es gibt auch keine perfekten Frauen, darum eh keinen, der ein Anrecht auf einen perfekten Mann hätte. Insofern hat die Natur das prima gerichtet, passt alles. Frau habe es so an sich, Männer zu erziehen und zu reparieren, lese ich. Dem würde ich gerne widersprechen, habe mich aber selber kürzlich ertappt. Ich schaute eine Doku über einen eigenwilligen, rebellischen, spannenden Schriftsteller, hübsch, anziehend, aber: Chaotisch, ungekämmt, nachlässig. Ich dachte so bei mir, wie ich ihn kämmen, anders anziehen, die Wohnung aufräumen lassen und angepasster werden liesse. Und merkte schon beim Denken, dass dann die ganze Spannung weg wäre.

Ich vermute, genau das passiert auch oft in Beziehungen. Man lernt ein stimmiges Gesamtpaket kennen und fängt dann an, Details zu verändern. Lassen sie sich ändern, stimmt nachher das Paket nicht mehr, ist nichts mehr davon da, was einen mal anzog. Lassen sie sich nicht ändern, stören wir uns an der Sturheit. Ich möchte fast selbstkritisch behaupten, dass Frauen noch ein wenig mehr dazu neigen. Dies nur unter uns, soll keiner erfahren und ich habe das nie gesagt.

In eine Beziehung zu gehen und zu denken, dass dieser eine Mensch dann all das abdeckt, was ich mir vom Leben wünsche und vorstelle, ist gar illusionär bei Lichte betrachtet, in Tat und Wahrheit aber wohl genau das, was wir machen. Und fehlt etwas, hacken wir drauf rum, blasen es auf und lassen die ganze Beziehung damit davonfliegen. Weil sie nichts taugt. Weil er nichts taugt, zumindest genau in dem Bereich, an dem wir uns gerade festbeissen, nicht. Wir können Stunden damit verbringen, zu jammern, weil unser Bauch wabbelt, die Brüste asymmetrisch sind und der Po aus der Form geraten ist. Wir hadern mit Macken von uns und wollen doch geliebt werden. Seine Macke ist aber das Killerkriterium. Die geht gar nicht. Fair? Niemand sagte, das Leben sei fair.

Nur: Ob wir so glücklich werden? Ich wage es zu bezweifeln. Ein kluger Mann sagte mir mal, dass man von einem Partner drei Dinge wünschen kann, die er abdeckt. Mehr ist nicht drin. Man muss sich also gut überlegen, wo die eigenen Prioritäten liegen. Dabei auf Gegensätze zu setzen, könnte die Sache schwierig machen. Sicherheit und Risikofreude schliessen sich irgendwie aus. Problematisch wird es wohl, wenn über die Jahre die Prioritäten ändern. Das ist oft die Klippe, über die Beziehungen stürzen. Sätze wie „Wir haben uns auseinandergelebt.“ stehen dann im Raum.

Was oft folgt? Das Leben als Single. Und die Klage: Alle guten Männer sind vergeben oder schwul. Und damit fangen wir wieder vorne an. (Einfach wieder oben anfangen zu lesen). Bei Beziehungsfragen: Einfach fragen. Irgendwas fällt mir immer ein. Wie man sieht.

1 Comment

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  1. Mann und Frau haben es per se schwer miteinander 😉
    Eigentlich geht das garnicht, Paar zu sein! Aber es gibt hier nur + oder -: Single sein oder Paar.
    Was also tun?
    Trotz aller Kritik, die ich abbekomme, überwiegt das Plus: Intensität der Zeit zusammen, auch die Konflikte, die mich zum Neubewerten zwingen, sind eigentlich willkommen.
    Die reine Freude, den anderen nach einer gewissen Pause wiederzusehen, die Bereitschaft des anderen, sein Leben neben und mit mir zu leben, was eine Adelung darstellt ….und vieles mehr.

    Gefällt 1 Person

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