Rezension: Benedict Wells: Vom Ende der Einsamkeit

„Ich stosse ins Innere vor und sehe ein Bild klar vor mir: wie unser Leben beim Tod unserer Eltern an einer Weiche ankommt, falsch abbiegt und wir seitdem ein anderes, falsches Leben führen. Ein nicht korrigierbarer Fehler im System.“

Als die Eltern von Jules und seinen Geschwistern sterben, kommen die drei getrennt in ein Heim. Die vorher so enge Beziehung wird lockerer, sie werden sich fremder. Und doch ist da ein Band, das sie immer zusammenhält – vor allem auch in schwierigen Zeiten. Das Leben nimmt für jeden von Ihnen seinen Lauf, führt sie auf Wege, die unterschiedlicher nicht sein könnten und die wohl doch alle dem frühen Verlust der Eltern geschuldet sind.

Benedict Wells schafft es, von der ersten Seite an eine Spannung aufzubauen, die er durch die Geschichte hindurch aufrecht erhalten kann. Immer wieder steht etwas im Raum, das erst noch geschehen wird, von dem man als Leser aber noch nicht weiss, was es ist. «Vom Ende der Einsamkeit» lebt von wirklich authentischen, fassbaren Charakteren, von den Beziehungen dazwischen und von einer eingängigen Sprache, die durch die Geschichte führt.

Mein persönlicher Leseeindruck:
Jules hat mich in seinen Bann gezogen, ich ging mit ihm durch sein Leben, dachte mit ihm seine Gedanken, habe das Gefühl, ihn so verinnerlicht zu haben, dass ich mittlebte. Es war ein wirkliches Eintauchen in eine Geschichte über die Vergangenheit und ihre Spuren in der Gegenwart, die Geschichte von drei Geschwistern, welche schon jung ihre Eltern verloren haben, und die von dem Moment an mit den Folgen dieses Verlusts umgehen musste. Es war die Geschichte von drei Menschen, die versuchten, diese Vergangenheit loszuwerden, ihr zu trotzen, um dann nur noch tiefer davon geprägt zu sein. Das alles passierte wohl anfangs im Unterbewussten, schwelte da, brach langsam und immer schneller was ihr Leben in Bahnen lenkte, aus denen auszubrechen schwer scheint. Was anfangs noch im Unterbewussten schwelte, brach dann mit grosser Wucht aus. Und es forderte den bewussten Umgang damit. Als Leser war ich immer mittendrin.

„Vom Ende der Einsamkeit“ ist ein Buch über die Liebe, über Vertrauen, über die Erinnerung und den Umgang damit. Es ist ein Buch über den Zusammenhalt, den Wert der Familie und Prägungen, die die Vergangenheit in uns hinterlässt. Es ist ein zutiefst menschliches Buch, ein tiefgründiges Buch, ohne schwermütig zu sein oder machen, kein Buch der lauten Töne, sondern der feinen Nuancen.

Fazit
Eine erzählerische Meisterleistung, welche einen von der ersten Seite in den Bann zieht und nicht mehr loslässt. Absolute Leseempfehlung!

Zum Autor
Benedict Wells wurde 1984 in München geboren, zog nach dem Abitur nach Berlin und entschied sich gegen ein Studium, um zu schreiben. Seinen Lebensunterhalt bestritt er mit diversen Nebenjobs. Sein vierter Roman, ›Vom Ende der Einsamkeit‹, stand mehr als anderthalb Jahre auf der Bestsellerliste, er wurde u.a. mit dem European Union Prize for Literature (EUPL) 2016 ausgezeichnet und bislang in 37 Sprachen veröffentlicht. Nach Jahren in Barcelona lebt Benedict Wells in Zürich.

Angaben zum Buch

  • Herausgeber ‏ : ‎ Diogenes; 13. Edition (26. September 2018)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 368 Seiten
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3257244441

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Claude Anet: Ariane: Liebe am Nachmittag

Ariane ist eine junge, intelligente Frau, der die Männer zu Füssen liegen, was sie für sich zu nutzen weiss. Als sie auf Konstantin trifft, verabreden die beiden, dass dies eine Beziehung auf Zeit werden solle, zumal Konstantin schon verlobt ist. Von Liebe soll nicht die Rede sein, blosser Spass und eine gute Zeit sind das Ziel. Doch meistens kommt es anders als man denkt, Gefühle lassen sich selten mit Regeln beschränken. 

Der Roman spielt in Russland, erinnert vom Ton her an die Romane Tolstois. Es ist flüssig geschrieben, die Protagonistin ist stimmig und authentisch gezeichnet, die restlichen Figuren bleiben eher blass und im Hintergrund, sind quasi nur Staffage für den Auftritt der wichtigen Heldin. Das tut dem Buch aber keinen Abbruch, im Gegenteil, es widerspiegelt ganz das Naturell der Protagonistin, welche sich oft selber genauso zu sehen scheint: Als Mittelpunkt, um den sich die anderen quasi wie Personal scharen.

So unsympathisch das klingen mag, doch es ist nicht alles, nicht das gesamte Bild. Manchmal scheint es, dass hinter dieser ach so coolen Fassade eine sensible Seele steckt, dass diese aber geschützt werden soll. Zudem will Ariane für Ihre Ziele und Ideale kämpfen, sie will ihr Leben in die Hand nehmen und erreichen, was sie sich in den Kopf gesetzt hat. Das zeigt sich auch im Studium an, das sie gegen alle Widrigkeiten und in den Weg gelegte Steine durchsetzt und durchzieht. Dafür ist sie auch bereit, die sich ihr bietenden Möglichkeiten zu nutzen, auf Menschen (mehrheitlich Männer) zurückzugreifen, die ihr dabei helfen können.

«Ariane: Liebe am Nachmittag» ist unterhaltsam und flüssig geschrieben und ebenso zu lesen, die perfekte Sommerlektüre für die, welche keine schwere Kost und doch keinen zu seichten Roman mögen.

Fazit:
Eine stimmig erzählte Geschichte mit einer authentischen Protagonistin, flüssig zu lesen und alles in allem sehr zu empfehlen.

Zum Autor:
CLAUDE ANET, eigentlich Jean Schopfer, geboren 1868 in Morges (Schweiz). Er studierte an der Sorbonne und an der École du Louvre und arbeitete als Reporter u. a. für Le Temps und Le Petit Parisien. 1892 wurde er französischer Tennismeister. Als Korrespondent des Journal wurde er 1917 Augenzeuge der Russischen Revolution in Sankt Petersburg. Neben Reiseliteratur und Theaterstücken veröffentlichte Anet mehrere Romane, darunter Ariane, jeune fille russe (1920), der für den Prix Goncourt nominiert und u. a. von Billy Wilder mit Audrey Hepburn verfilmt wurde. Claude Anet starb 1931 in Paris.

KRISTIAN WACHINGER, geboren 1956, gelernter Buchhändler, studierte Germanistik und Romanistik in München, Nantes und Hamburg und arbeitete drei Jahrzehnte als Verlagslektor. Er übersetzte Werke u. a. von Giacomo Casanova, Prosper Mérimée, Georges Simenon und Laurent Binet.

Angaben zum Buch:

  • Herausgeber ‏ : ‎ Dörlemann; 1. Edition (27. Januar 2021)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 272 Seiten
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3038200789
  • Originaltitel ‏ : ‎ Ariane
  • Übersetzung: Kristian Wachinger

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Françoise Dorner: Die letzte Liebe des Monsieur Armand

«Noch einmal dachte ich über unsere Begegnung nach. Zwei Einsamkeiten, die zueinander finden, deren eine die Spielregeln kennt, Intelligenz und Bildung über alles stellt, Herz und Güre der moralischen Pflicht opfert, während die andere, instinktiv und empfindsam, spontan Liebe und Aufmerksamkeit zu schenken weiss, ohne dass Missverständnisse aufkommen. «

Armand, ein pensionierter Philosophiedozent, fährt im Bus nach Hause, als der mit plötzlichem Ruck hält und Armand fast hinfällt. Ein junge Frau hilft ihm und begleitet ihn nach Hause. Obwohl die beiden 50 Jahre trennen, ihre Leben und Lebenseinstellungen nicht unterschiedlicher sein könnten, verbindet sie etwas: Sie sind beide einsam, ohne Familie, ohne Sinn und Ziel im Leben. Für beide soll diese Begegnung eine Befreiung werden, ein Tor zu Einsichten über das eigene Leben und die eigenen Versäumnisse, und zum Öffner zu mehr Lebensfreude – ein Start in eine neue Lebensetappe.

Ein kurzes Buch mit viel Tiefe, mit grossen Themen, mit einer berührenden Wärme und Menschlichkeit. Die Geschichte zweier Menschen, die so unterschiedlich sie auch sind, einander ans Herz wachsen und den Weg gemeinsam gehen auf der Suche nach Verbindung, auf der Suche nach dem, was beiden im Leben so sehr fehlt: Liebe und Familie.

Auf wenigen Seiten entwickelt Françoise Dorner eine zutiefst menschliche Welt, es gelingt ihr, die beiden Charaktere stimmig, authentisch und mit Tiefe zu gestalten. Obwohl es um viele eigentlich schwierige Themen geht wie Tod, Einsamkeit, den Verlust der Familie, das Alter und die Suche nach dem Sinn, wird das Buch nie schwer, nie psychologisierend.

«Die heitere Kraft derer, die begriffen haben, dass selbsterobertes Glück die einzige gültige Antwort auf das anfängliche Unglück ist.»

«Die letzte Liebe des Monsieur Armand» ist eine Geschichte darüber, worauf es im Leben ankommt, es ist eine Geschichte über die Liebe, das Leben, das Glück und darüber, wie es zu finden ist. Eine Geschichte, die zeigt, dass nur, wer sich frei macht von den Erwartungen anderer und sich traut, das eigene Leben in die Hand zu nehmen, das Leben gewinnt.

Fazit:
Die Geschichte zweier Menschen, die trotz vieler Gegensätze zueinander finden. Ein Buch über die Liebe, über das Glück, ein wunderbares Buch, das uneingeschränkt zu empfehlen ist.

Über die Autorin
Françoise Dorner, geboren 1949 in Paris, ist Schauspielerin gewesen und hat fürs Theater geschrieben. Sie hat nicht nur in ›Flic Story‹ mitgespielt an der Seite von Alain Delon und Jean-Louis Trintignant, sondern auch in ›Maigret und der Weihnachtsmann‹. Als Drehbuchautorin hat sie ›Eine Frau nach Maß‹ und ›Die Sekretärin des Weihnachtsmanns‹ (mit Marianne Sägebrecht) verfasst. Sie erhielt den Theaterpreis der Académie française und 2004 den Goncourt du Premier Roman für ihren von der Kritik in Frankreich wie in den USA gelobten Erstling ›La fille du rang derrière‹, der jetzt auch auf Deutsch vorliegt. Heute widmet sie sich ganz dem Schreiben und lebt in Paris.

Angaben zum Buch

  • Herausgeber : Diogenes; 6. Edition (25. November 2008)
  • Sprache : Deutsch
  • Taschenbuch : 144 Seiten
  • ISBN-13 : 978-3257239034
  • Originaltitel : La douceur assassine
  • Übersetzung Christel Gersch

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Ich und Du und Wir

Es wünscht sich oft
einer partout,
als Ich zu sein
mit einem Du.

Denn ist man erst
einmal zu zweit,
erscheint das Glück
gar nicht mehr weit.

Bloss oft ist ein
Zusammensein
viel mehr allein
als ganz allein…

Der and’re ist
im Anderssein
ein Dorn im Auge,
eine Pein,

weil keiner mehr
den andern sieht,
ins innere Exil
entflieht.

Nur macht erst dieses
Selbstsosein
aus Ich und Du
ein Sein zu zwein.

©Sandra von Siebenthal, Juni 21

Max Frisch (*15. Mai 1911)

Max Frisch wird am 15. Mai 1911 in Zürich geboren, wo er die Schule besucht und studiert. Germanistik soll es sein, will Max Frisch doch Schriftsteller werden. Schon bald merkt er, dass ihm dazu das Studium herzlich wenig bringt. 1931 erscheint sein erster Artikel in der NZZ, nach dem Tod des Vaters weitet Max Frisch seine Tätigkeit im Journalismus aus, um zum Unterhalt der Mutter beizutragen. Daneben entsteht sein erster Essay mit dem Titel Was bin ich?, der bereits die Grundthemen späterer Werke in sich trägt. Noch immer belegt er vereinzelte Kurse an der Uni, schreibt für verschiedene Zeitungen und daneben Arbeiten, die sich allesamt um ein Thema drehen: Max Frisch und wer er sei.

1933 unternimmt Frisch eine Reise gegen Osten, Prag, Budapest, Belgrad und viele weitere Orte stehen auf dem Plan. Er verwirklicht damit einen von seiner Mutter lange gehegten Traum. Zu der Zeit entsteht Frischs Roman Jürg Reinhart, welcher sinnigerweise von einem Balkanreisenden handelt. Noch immer dreht sich also Frischs Denken und Schreiben um die eigene Person.

Politik ist für Frisch kein Thema, seine Haltung Deutschland und dem Nationalsozialismus gegenüber ist fast schon merkwürdig unbeteiligt. Dies ist wohl aber seiner Arbeit als Schriftsteller dienlich, kann er seine ersten Romane so problemlos bei der Deutschen Verlags-Anstalt veröffentlichen.

1937 erscheint Max Frischs zweiter Roman Antwort aus der Stille. Frisch selber äussert sich später vernichtend über das Werk, die übrigen kritischen Stimmen weisen eine grosse Bandbreite auf. Sicher ist es kein Meisterwerk, vereint aber auch wieder die für Frisch so typischen Themen der Selbstfindung und des Schwankens zwischen Bürgertum und Künstlertum. Max bezieht Stellung und entscheidet sich im Roman wie im Leben für das Bürgertum. Er verbrennt alle bisherigen Schriften und wendet sich einer solideren Materie als dem Schreiben zu: Der Architektur.

Die Würde des Menschen besteht in der Wahl.

Der Entschluss, das Schreiben zu beenden, hält nicht lange, schon 1938 gewinnt Frisch den Conrad-Ferdinand-Meyer-Preis. Es folgt Militärzeit, die er verschriftlicht und unter dem Titel Aus dem Tagebuch eines Soldaten veröffentlicht. Das Architekturstudium gedeiht, durch eine Anstellung kann Frisch endlich aus der gemeinsamen Wohnung mit der Mutter ausziehen, lernt eine Frau (Gertrude Anna Constanze von Meyenburg) kennen, die er am 30. Juli 1942 heiratet.

1943 gewinnt Frisch einen Architekturwettberb für den Bau des Letzibads in Zürich. Wirklich viel baut er trotzdem nicht, die Schriftstellerein nimmt noch immer einen grossen Platz in seinem Leben ein. Es entstehen in der folgenden Zeit diverse Arbeiten, darunter literarische Tagebücher.

1954 schreibt er seinen Roman Stiller. Frisch nimmt das Thema der Unvereinbarkeit von Kunst und bürgerlichem Leben wieder auf, bezieht nun Stellung für die Kunst und übernimmt diese Haltung ins Leben, indem er sich von seiner Familie trennt. Nicht dass er vorher ein Kind der Traurigkeit gewesen wäre, einige Liebschaften säumen seinen Weg. 1955 schliesst er auch sein Architekturbüro, um fortan als freier Schriftsteller zu leben. Im selben Jahr beginnen die Arbeiten zu Homo Faber.

Die Frau ist ein Mensch, bevor man sie liebt, manchmal auch nachher; sobald man sie liebt, ist sie ein Wunder.

1958 folgt dann das wohl prägendste Erlebnis in Max Frischs Leben: Er lernt Ingeborg Bachmann kennen. Die beiden gehen eine Beziehung ein, in welcher Eifersucht, ein ausgeprägtes Nähe-Distanzproblemen, ausserdem die Problematik von zwei durch und durch gegensätzlichen Menschen unter einem Dach sowie grosse Liebe miteinander kämpfen. Die beiden Schriftsteller ziehen nach Rom, danach nach Zürich, wo die Beziehung zerbricht. Frisch wandelt weiter zu Marianne Oeller, Bachmann kann er aber zeitlebens nicht vergessen, sie spukt weiter durch seine Romane und damit wohl offensichtlich auch in seinem Kopf.

Marianne Oeller und Frisch heiraten, was Frisch nicht davon abhält, weiter über den Zaun zu grasen, Affären zu pflegen. Auch Marianne geht eine nebeneheliche Beziehung ein, welche Max Frisch in seinem Roman Montauk thematisiert. Diese Vermischung von Privatem und Öffentlichem führt zum Zerwürfnis zwischen den Eheleuten, die Scheidung folgt 1979.

Die Zeit verwandelt uns nicht. Sie entfaltet uns nur.

Frisch wird nicht jünger, gesundheitliche Probleme kommen und das Thema Alter zieht in Frischs Werk ein. Nach Abstechern nach New York und teilweisem Leben im Tessin zieht Max Frisch zurück nach Zürich, wo er am 4. April 1991 stirbt.

Das klare Todesbewußtsein von früh an trägt zur Lebensfreude, zur Lebensintensität bei. Nur durch das Todesbewußtsein erfahren wir das Leben als Wunder.

Max Frischs Schreiben

Max Frischs Schreiben dreht sich vor allem in den Anfängen um Max Frisch. Zu den frühen Veröffentlichungen gehören denn auch Tagebücher. Im Tagebuchstil findet er eine Art der Schilderung, welche Fakten und Fiktion vereint. In den ersten Tagebüchern finden sich Vorlagen für seine späteren Romane, die sich auch stilistisch noch immer am Tagebuchstil orientieren.  Max Frisch sieht sich dieser Schreibform ausgeliefert, denkt, keine Wahl zu haben, da nur diese Form ihm zugänglich sei. Dies mag sicher zu einem gewissen Teil so sein, kann vielleicht mit seinem nach wie vor sehr um sich selber kreisenden Denken und Sein zu tun haben.

Frisch feiert grosse Erfolge mit Theaterstücken, veröffentlicht daneben aber hauptsächlich Prosawerke, Romane, Erzählungen und Tagebücher. Zentrale Themen sind immer wieder die Künstler-Bürger-Thematik, die Identitätsfindung des Menschen und das Verhältnis zwischen den Geschlechtern. Wenn bei einem Autor das Diktum Goethes, dass alles Schreiben autobiographisch sei, zutrifft, dann sicher bei Max Frisch.

Ausgewählte Werke

  • Jürg Reinhart (1934)
  • Antwort aus der Stille (1937)
  • Tagebuch mit Marion (1947)
  • Tagebuch 1946 – 1949 (1950)
  • Graf Öderland (1971)
  • Stiller (1954)
  • Homo Faber (1957)
  • Mein Name sei Gantenbein (1964)
  • Tagebuch 1966 – 1971 (1972)
  • Montauk (1975)
  • Triptychon (1978)
  • Der Mensch erscheint im Holozän (1979)

Ingeborg Bachmann: Eine Art Verlust*

Gemeinsam benutzt: Jahreszeiten, Bücher und eine Musik.
Die Schlüssel, die Teeschalen, den Brotkorb, Leintücher und ein Bett.
Eine Aussteuer von Worten, von Gesten, mitgebracht, verwendet, verbraucht.
Eine Hausordnung beachtet. Gesagt. Getan. Und immer die Hand gereicht.

In Winter, in ein Wiener Septett und in Sommer habe ich mich verliebt.
In Landkarten, in ein Bergnest, in einen Strand und in ein  Bett.
Einen Kult getrieben mit Daten, Versprechen für unkündbar erklärt,
angehimmelt ein Etwas und fromm gewesen vor einem Nichts,

(-der gefalteten Zeitung, der kalten Asche, dem Zettel mit einer Notiz)
Furchtlos in der Religion, denn die Kirche war dieses Bett.

Aus dem Seeblick hervor ging meine unerschöpfliche Malerei.
Von dem Balkon herab waren die Völker, meine Nachbarn, zu grüssen.
Am Kaminfeuer, in der Sicherheit, hatte mein Haar seine äusserste Farbe.
Das Klingeln an der Tür war der Alarm für meine Freude.

Nicht dich habe ich verloren,
sondern die Welt.

Ingeborg Bachmann (1929 – 1973)

Szenen eines Miteinanders, die kleinen Alltäglichkeiten eines geteilten Haushalts, eines geteilten Lebens. Es ist das Leben von Ingeborg Bachmann und Max Frisch, welche von 1958 bis 1962 ein Paar waren. Einerseits verkörperten die beiden eine Liaison, welche voller Mythen war, zwei helle Köpfe, zwei grosse Literaten vereint – und doch hätten sie unterschiedlicher nicht sein können. Er der pragmatische und disziplinierte Schriftsteller, welcher nach geordneten Bürozeiten in die Tasten haute und praktisch druckreife Werke aus der Maschine holte, sie der immer nach Worten suchende, der an Worten feilende Freigeist mit dem viel zu hohen Anspruch an sich und ihre Texte.

Es ist das erste Mal, dass sich Ingeborg Bachmann wirklich auf eine Beziehung einliess, mit einem Mann zusammenzog. Und immer wieder merkte sie, dass alles zu eng war, sie Distanz brauchte, dass sie ihn doch nicht ganz an sich ranlassen konnte. Es war kompliziert. Und es wurde von Max Frisch beendet, als sich dieser in eine junge Studentin verliebt hatte. Für Ingeborg Bachmann ein Schock, der sie in eine tiefe Krise stürzt, aus welcher sie sich nicht mehr so schnell erholen sollte – vielleicht nie mehr wirklich.

Im Trennungsjahr entstand dieses Gedicht, welches Ingeborg Bachmann 1967 zum ersten Mal im Hörfunk gelesen hat. Gedruckt wurde es erst posthum, 1978. Wie eine Liste, sachlich, in neutraler Sprache, listet Ingeborg Bachmann die Gegenstände, Erlebnisse und Gedanken des gemeinsamen Lebens auf – quasi eine Inventur. Und doch drängt aus jeder Zeile das Trennungsdrama, welches sie als «grösste Niederlage» ihres Lebens bezeichnete.

Man sieht sich im Gedicht an den Zürichsee zurückversetzt, alles, was normaler Alltag war, steht in der Vergangenheitsform. Es ist vorbei. Und am Schluss steht eine Art Verlust. Dieser ist aber grösser, als es rein sachlich scheinen mag. Es ist nicht nur der Verlust eines Menschen, Max Frischs, es ist der Verlust einer ganzen Welt, der Welt, die sie gemeinsam aufgebaut haben aus all den vorhergehenden Listenpunkten.

Max Frisch und Ingeborg Bachmann haben ihre Beziehung und auch ihre Trennung in ihrem Werk wieder und wieder thematisiert. Frisch unter anderem in «Mein Name sei Gantenbein», was Ingeborg Bachmann wegen der intimsten Details ihres Zusammenseins tief traf, und in «Montauk», Ingeborg Bachmann selber chiffrierter durch eine uneindeutigere Sprache und nicht alles offenbarende Komposition. Auf diese Weise lebt die Beziehung auch nach der Trennung von Tisch und Bett und Leben auf eine Weise weiter, lässt nicht los, bleibt lebens- und werkprägender Bestandteil zweier Menschen.

*zit. Nach Ingeborg Bachmann: Liebe: Dunkler Erdteil. Gedichte aus den Jahren 1942 – 1967, Piper Verlag, 6. Auflage, München 1997.

Liebe-los

Ich liebte dich,
wenn du nur wärst,
ein wenig mehr –
das bitte sehr.

Ich liebte dich,
doch fehlt mir noch,
ein ganzes Stück
zu meinem Glück.

Ich liebte dich,
doch schau mal hin,
das geht so nicht,
macht keinen Sinn.

Ich liebte dich,
ich mein’ ja nur,
doch du bleibst du,
bist einfach stur.

So sprach er einst,
ich glaubt’ es fast,
tat hier ein Stück,
und da noch was.

Ich merkte bald,
s’ist nie genug,
zumindest war ich
dann mal klug:

Mit Sack und Pack
ging ich dahin,
wo reicht’ was ich
und wer ich bin.

Da sitz ich nun
Und denk zurück,
ich denk an ihn,
denk an das Glück,

und beides war
mir nicht bestimmt.
bin nur noch ich,
und bin genug.

©Sandra von Siebenthal

Else Lasker-Schüler: Ein Liebeslied

(Else Lasker-Schüler, 1869-1945)

Komm zu mir in der Nacht – wir schlafen engverschlungen.
Müde bin ich sehr, vom Wachen einsam.
Ein fremder Vogel hat in dunkler Frühe schon gesungen,
Als noch mein Traum mit sich und mir gerungen.

Es öffnen Blumen sich vor allen Quellen
Und färben sich mit deiner Augen Immortellen…

Komm zu mir in der Nacht auf Siebensternenschuhen
Und Liebe eingehüllt spät in mein Zelt.
Es steigen Monde aus verstaubten Himmelstruhen.

Wir wollen wie zwei seltene Tiere liebensruhen
Im hohen Rohre hinter dieser Welt.

Das vorliegende Gedicht entstammt Else Lasker-Schülers letztem Gedichtzyklus «Mein blaues Klavier», welcher 1943, 1,5 Jahre vor ihrem Tod, im Exil in Jerusalem veröffentlich wurde.

Eine Frau liegt nach einsam durchwachter Nacht noch im Bett, die plagenden Träume hallen noch nach. Draussen singt ein fremder Vogel, was sie sich wünscht, ist noch unvertraut, mehr Wunsch als Realität. Und doch: Die nächste Nacht soll schöner sein. Mit dem Geliebten.

Sie sieht die Schönheit der Natur, sieht die Blumen an den Quellen, und sieht in ihnen den Geliebten auch – nur soll der, Immortellen gleich – unsterblich sein. Sie kleidet die Vorstellung der nächsten Nacht in märchenhafte Zauberbilder. Eilen soll er, doch nicht mit polterndem Schritt in schnellen Stiefeln, sondern auf Siebensternenschuhen. Es soll eine Liebe nicht von dieser Welt sein, eine, wie sie für die normalen Menschen nicht erreichbar ist – nur sie beide, diese beiden seltenen Tiere, die sich in der nächsten Nacht finden, umarmen und festhalten, sollen sie erleben.

Die Einsamkeit der Nacht dringt nicht nur aus den Worten, sie zeigt sich auch im Reim, ist einsam doch auf weiter Flur allein ohne einen solchen. Das verstärkt die Einsamkeit noch, lässt sie als zentrales Thema dieses Gedichts aufleuchten. Diese ganze Sehnsucht, dieser ganze Wunsch nach dem Geliebten entspringt dieser Einsamkeit, die als einziges Glied in einer Kette kein Gegenüber hat.

So muss sich auch Else Lasker-Schüler gefühlt haben in Jerusalem. Wie lange hatte sie Jerusalem als einzig wahre Heimat gepriesen, ein Sehnsuchtsort war es, den sie hochlobte. Als sie dann – verscheucht durch ein unmenschliches Regime im Krieg – nach Jerusalem kam, war sie nur eine Fremde. Und sie fühlte sich nicht zu Hause. Was hätte sie wohl darum gegeben, von einem Prinzen in Sternenschuhen gerettet zu werden, durch die Liebe vor der Welt und der Zeit verborgen zu sein und nicht mehr allein? Und sie denkt zurück, erinnert sich an Zeiten, wo sie zumindest freundschaftlich verbunden und nicht allein war, mit Franz Marc, welcher in seinen Bildern seltene Tiere erschuf. Daraus spricht die Sehnsucht danach, in der Einsamkeit, als Fremder unter anderen einen Gleichgesinnten zu haben. Einen, mit dem zusammen man in dieser eigenen Welt nicht mehr einsam sein müsste.  

When the night comes

Die Sonne neigt
ihr müd’ Gesicht,
sie geht in eine
and’re Welt.

Ich sitze hier,
verneige mich,
bedanke mich,
hat sie erhellt

mein Leben heut,
die Welt um mich.
Mit mir auch dich,
was mir gefällt,

da dies schlicht heisst,
du warst bei mir,
nichts and’res nämlich
wünsch ich mir.

Nun bist du fort,
es wurde Nacht.
Ich sitze hier,
hab mir gedacht,

wie schön es wär,
wär wieder Tag,
die Sonne hier.
Und du bei mir.

Die Stille dringt
durch alle Poren,
Dunkel deckt
die Welt ganz zu.

Ich denk an dich,
ich sehne mich.
Ich stell mir vor –
find keine Ruh.

Und irgendwann,
wird wieder Tag.
Das Dunkel weicht.
Und dann? Und du?

©Sandra von Siebenthal

Gegensätze ziehen sich an – oder: Zum Valentinstag

Ich hab’ so diesen einen Mann,
nicht weil ich mehr nicht haben kann,
weil einer reicht, es ist genug,
behaupte ich, mit Recht und Fug.

Ich habe also diesen Mann,
der sich nur Reime merken kann,
nicht Zahlen, Namen, Worte so,
es braucht was mehr, so irgendwo.

Da steht er dann, zitiert den Faust,
die Brust weit raus, ganz aufgebauscht,
den Jahrestag, ich wusst es zwar,
der war ihm nicht mehr ganz so klar.

So gehen wir durch diese Zeit,
und tun das gerne auch zu zweit,
im Wissen, wer der andre ist,
den man mit Vorsicht nur bemisst

nach eignem Mass, mit eignem Sinn,
er ist nicht so, wie ich halt bin,
das macht ihn aus, das ist schlicht er,
klagt‘ ich es an, wer wär ich, wer?

Ich merk mir Zahlen, merk mir Zeit,
des Esels Brück’ geht mir zu weit,
bin schlicht ganz klar, bin grad heraus,
liebe aber auch den Faust,

so sind wir beide, wie wir sind,
nicht immer nur das liebe Kind
des andren Wunsch, des andren Sein,
und sagen doch: „Auf immer dein!“

©Sandra von Siebenthal

Streit – wie weiter?

„Ich mache sicher nicht den ersten Schritt – sonst bin ich unterlegen!“

Wer ist nicht schon mit anderen Menschen aneinander gerasselt. So unschön wie es ist, am schlimmsten ist es wohl, wenn das mit dem Menschen passiert, der einem der wichtigste im Leben ist, weil: Der liebste.

So viele positive Eigenschaften man ihm normalerweise zugesteht, im Streitfall treten sie zurück. Im besten Fall weiss man noch, dass sie da sind, im schlimmsten Fall sieht man all das, was grad bedrohlich vor einem ist: Einen bösen Blick, harsche Worte, eine versteinerte Haltung, eine drohende Stimme… und das macht etwas mit einem. Nicht nur sind die liebevoll schauenden Augen, die vielen lieben Worte und Blicke und Zuwendungen verdrängt, Ängste kommen hoch. Einerseits die Verlustangst, andererseits die Angst, manipuliert und degradiert zu werden.

Wie oft denken wir: Wenn ich nachgebe, gebe ich ihm recht. Oder aber ich bin schwächer. Wenn ich die Erste bin, die ihn umarmt aus einem Streit heraus, zeige ich meine Schwäche und mein Liebesbedürfnis. Damit wird er immer über mir stehen. Er wird jede Meinung durchbringen, da er weiss: Irgendwann kommt sie (angekrochen?) und sucht die Nähe. Und dann läuft es so, wie ich es will.

Ich würde nicht mal behaupten, dass diese Haltung(en) bewusst ablaufen. Auf beiden Seiten. Meinungen, die einfach mal geäussert werden, auch im Hinblick auf Streit, scheinen wichtig. Und der, welcher sie verteidigt, ist davon überzeugt. Und es ist ihm wichtig, das zu sagen, immerhin riskiert er einen Streit. Das würde er ja wohl kaum für eine Banalität wagen. Es ist durchaus ein Privileg, alles sagen zu dürfen, was man sagen will, die Frage, die sich stellt, ist nur: MUSS man es tun? Was bringt es wirklich? Mir, den andern, dem Gemeinsamen? Ich mag in dem Fall die drei Siebe des Sokrates sehr:

Ist es wahr?
Ist es gut?
Ist es nötig?

Was ich nur vom Hören-Sagen her kenne, lasse ich vielleicht besser liegen. Wenn ich weiss, dass das, was ich sage, verletzend ist, böse ist, lasse ich es vielleicht auch besser liegen, AUSSER: Es ist nötig. Wenn ich mit der Wahrheit, die zwar schmerzhaft ist, aber mit guten Absichten geäussert, weil sie jemanden vor wirklichem Schaden bewahren kann (und ich weiss, er wird es annehmen, ansonsten ist es eh obsolet), dann ist es durchaus angebracht. Was aber bringt es einem Menschen, wenn man ihm sagt, dass er nachts immer furzt, dass er schielt wie der Löwe aus Daktari? Was bringt es einem Menschen, wenn man ihm sagt, dass sein Hinterteil schlicht so breit wie der Äquator und die Oberweite einem Brotbrett vergleichbar sei? Alles mag stimmen. Aber: Es ist weder gut noch nötig. Würde man gefragt, ob der eng anliegende Rock über dem Hintern für ein erstes Date die beste Wahl ist, sähe das anders aus. Ebenso bei der weit ausgeschnittenen Bluse, welche mangels Füllmaterial bis zum Bachnabel blicken lässt.

Und so sehr wir solche Dinge ja eigentlich kennen und wissen, so oft kommen wir an Punkte, wo es Streit gibt. Ein Wort gibt das andere, tiefgelegte Gefühle brechen auf und bringen Reaktionen, welche kaum durchdacht, sondern instinktiv verheerend sind. Weil sie einen Prozess in Gang bringen. Und den gilt es zu stoppen. Nur: Wie? Klein beigeben? Dann hat man ja gleich verloren. Denkt man so. Und nein, die eigene Meinung war ja durchaus auch was wert. Und nicht einfach so dahin gesagt.

Nur: Dabei gewinnt keiner. Und ja, ab und an ist das Nachgeben eigentlich wirklich keine Schwäche, sondern Stärke, hinzustehen, loszulassen, Nachsicht walten zu lassen. Nicht überheblich. Mit Blick auf die eigenen Anteile und Fehler, die man selber gemacht hat. Aber auch im Wissen, dass einer den Schritt gehen muss. Wieso nicht man selber? Und ja: Sollte das immer so sein, der andere sich damit als Sieger fühlen, dann ist wohl demselben und der Beziehung nicht mehr zu helfen. Die hätte man aber sicher nie gerettet, hätte man ehern auf seinem Platz beharrt. Und vor allem: Man macht sich selber das Leben immer mit schwer. Und leidet. Unter dem Streit. Unter der Distanz dadurch. Unter der Trauer, dass es so ist. Unter der Angst, was draus wird. Und man hat es in der Hand. Man kann es beenden. Und wenn man das selber hinkriegt, dann ist das Stärke, keine Schwäche. Es gibt keinen Sieger oder Verlierer, es gibt nur zwei Menschen, die wieder mit besseren Gefühlen weiter gehen können.

Husch Josten: Land sehen

Der Anruf kam im Juni des Sommers, da man viel vom Bienensterben sprach und Mücken nicht totzukriegen waren. Kurz nach Fronleichnam, von einem unbekannten Anschluss, gegen drei Uhr morgens.

Hora, eigentlich Horand Roth, Literaturprofessor und eher zurückgezogen, staunt nicht schlecht, als eines Morgens das Telefon klingelt und sein lange verschwundener Onkel Georg am Draht ist. Hora erinnert sich noch an gemeinsame Stunden am Klavier, an das wilde Leben des Onkels, an seine unkonventionellen Ansichten. Nach einem kurzen Austausch, bei welchem Georg eröffnet, dass er als Mönch einem Orden beigetreten ist, Hora aber mit dieser Information und vielen offenen Fragen zurück lässt, verspricht Georg, sich wieder zu melden, was er drei Wochen später auch tut und vor der Horas Universität steht. Die Überraschung ist gross, als Georg eröffnet, dass er eine Weile in der Gegend bleiben will.

Es entsteht eine enge Beziehung zwischen den beiden Männern, bei regelmässigen Treffen reden sie über Themen wie Glaube, was er ist, über die Liebe, das Leben. Sie erinnern sich an die Vergangenheit und doch erfährt Hora weniger, als er gerne erfahren würde. Er ist auf der Suche nach Antworten, die nur zögerlich kommen. Und doch fügt sich langsam, Stein für Stein, das Mosaik der Vergangenheit zusammen, Familiengeheimnisse kommen ans Licht – und lassen alle Beteiligten nicht unberührt.

Ein sehr feinfühlig geschriebener Roman über die Liebe, über Familien, über Familiengeschichten und die eigenen Muster, die man aus diesen zieht. Ein Buch über die Liebe, über den Glauben, ein Buch über Freundschaft und Loyalität.

Nach einer langen Leseflaute war dies das erste Buch, das mich wieder packte. Wie gerne hätte ich noch lange weitergelesen. Das Ende des Buches war ein Abschied, mir durch die Erzählung ans Herz gewachsene Menschen verschwanden wieder aus meinem Leben.

Fazit:
Nachdenklich, dicht, sprachlich und inhaltlich packend. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor
Husch Josten
Husch Josten, geboren 1969, studierte Geschichte und Staatsrecht in Köln und Paris. Sie volontierte und arbeitete als Journalistin in beiden Städten, bis sie Mitte der 2000er-Jahre nach London zog, wo sie als Autorin für Tageszeitungen und Magazine tätig war. 2011 debütierte sie mit dem Roman »In Sachen Joseph«, der für den Aspekte-Literaturpreis nominiert wurde. 2012 legte sie den vielgelobten Nachfolger »Das Glück von Frau Pfeiffer« vor und 2013 den Geschichtenband »Fragen Sie nach Fritz«. 2014 erschien »Der tadellose Herr Taft« sowie zuletzt die Romane »Hier sind Drachen« (2017) und »Land sehen« (2018) im Berlin Verlag. Jüngst wurde ihr der renommierte Literaturpreis der Konrad Adenauer Stiftung (2019) verliehen. Husch Josten lebt heute wieder in Köln.

Angaben zum Buch:
Gebundene Auagabe: 240 Seiten
Verlag: Berlin Verlag (1. August 2018)
ISBN-Nr.: 978-3827013798
Preis: EUR  20 / CHF 31.90

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Liebestöter

Worte wie Waffen,
so messerhaft scharf,
erst nur kleine Stiche,
dann Täler gefurcht.

Ein Satz gräbt sich tief
und schaufelt ein Grab;
und eh du’s versiehst,
zieht es dich hinab,

wo in dir, was liebt,
im Dunkel versiegt,
und bleibt nur ein Loch
und dieses Gefühl,

dass wie es mal war,
nie mehr wird sein,
getötet vom Wort,
liegst du da allein.