Samira Zingaro: „Sorge dich nicht!“

Vom Verlust eines Bruders oder einer Schwester durch Suizid

Das Leben geht weiter – aber wie?

„Ich nehme mir jedes Jahr an ihrem Todestag frei, das weiss mittlerweile auch mein Arbeitgeber. Das ist mein Ritual, es ist mein Tag, es ist ihr Tag. Dann setze ich sie wieder auf den Olymp.“

Wenn sich jemand das Leben nimmt, bleiben Menschen zurück. Familie, Freunde, Bekannte. Vor allem auf Familien hat Suizid eine enorme Wirkung, er reisst eine Lücke in ein System, das sich nachher neu organisieren muss. Eltern und Geschwister müssen mit dem Verlust, ihrer Trauer und der Frage nach dem Warum, die oft von Schuldgefühlen begleitet ist, umgehen.

Samira Zingaro befasst sich in ihrem Buch „Sorge dich nicht!“ mit der Situation der Geschwister nach einem Suizid. Wie trauern sie, was geht in ihnen vor, wie geht ihr Leben nach so einem Verlust weiter?

„Hinterher ertrage ich es manchmal fast nicht, dass ich so naiv war und annahm, dass er einen Weg aus seiner Krise finden würde. Ich hätte nicht gedacht, dass er so weit gehen würde.“

Das Buch vereint verschiedene Porträts von Geschwistern, die nach den Suizid ihres Bruders oder ihrer Schwester ihr Leben weiter führen mussten. Zingaro traf diese Geschwister teilweise über einen längeren Zeitraum, sprach mit ihnen, hörte ihnen zu. Entstanden sind sieben Geschichten, die sich alle voneinander unterscheiden. Sie zeigen, dass Trauer unterschiedlich ist und der Umgang mit dem Tod ebenso. Sie zeigen auch, dass Suizid auch heute noch ein Tabuthema ist, mit dem sich die Menschen schwer tun.
Abgerundet wird das Buch durch ein Interview mit Ebo Aebischer-Crettol, dem Pionier der Internet-Seelsorge, und dem Psychiater Thomas Reisch, seit Jahren zum Thema Suizid forschend, welche ihre Erfahrung mit dem Thema Suizid darlegen.

Fazit:
Sachlich, auf den Punkt gebracht. mit dem nötigen Feingefühl und viel Offenheit geht Zingaro ein sensibles Thema an. Empfehlenswerte Lektüre.

Zum Autor
Samira Zingaro (1980) studierte Medien- und Religionswissenschaften an der Universität Fribourg. Sie war als Journalistin für verschiedene Printmedien tätig und arbeitet seit 2011 fürs Schweizer Fernsehen.

Ein Interview mit der Autorin findet sich hier

ZingaroSorgeAngaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 172 Seiten
Verlag: rüffer & rub Sachbuchverlag (11. Oktober 2013)
Preis: EUR 28.80 ; CHF 38.90

Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u.a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

2 Comments

Schreibe einen Kommentar

  1. Ein So Wichtiges Thema wie das Leben selbst … und wie DAS Leben selbst … oft ‚tödlich‘ verdrängt und tabuisiert …
    Ein ‚gewisser ‚interner‘ Link‘ führt mithin von dem (hier ja auch schon angerissenen) AutismusPhänomen über Demenz hin zur neuen Volkskrankeit Depression und Burn-Out …
    Ich würde mich in diesem Zusammenhang über eine Rezension des neuen Buches von Peter Schmidt (promovierter Autor mit Asperger-Syndrom) an dieser Denkzeiten-Stelle freuen. ‚Der Junge vom Saturn‘ reflektiert seine ‚außerirdische‘ Sicht auf die (unsrige) Welt mit einer bereichernden Eleganz, wie sie ’nur‘ aus Teilnehmender Distanz erwächst. LG & Lieben Dank

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s