Im Fluss

Bach-1271

Als wie ein Fass,
das tränenvoll
die letzte noch erhält,
ergiesst sich all
die Trauer nun
in Bächen in ihr Bett.

In wilden Strömen,
weit verzweigt,
mit Gurgeln und
mit Kraft bewegt,
spielt sie des Lebens
zweifach Spiel,

das niemals nur
dem Einen dient.
Wenn etwas stirbt,
lebt andres auf,
was sich ergiesst,
treibt neuen Trieb,

©Sandra von Siebenthal

Kleine Poesie: Herbstbild

Frierich Hebbel: Herbstbild
Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
Die Luft ist still, als atmete man kaum,
und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
die schönsten Früchte ab von jedem Baum.
O stört sie nicht, die Feier der Natur!
Dies ist die Lese, die sie selber hält;
denn heute löst sich von den Zweigen nur,
was vor dem milden Strahl der Sonne fällt.

Kleine Poesie: Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen


Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,
die sich über die Dinge ziehn.
Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,
aber versuchen will ich ihn.

Ich kreise um Gott, um den uralten Turm,
und ich kreise jahrtausendelang;
und ich weiß noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm
oder ein großer Gesang.
(Rainer Maria Rilke: Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen)

Schweigemauern

Ein liebes Wort,
Gefühl gezeigt,
fällt häufig schwer –
wie oft man schweigt.

Viel leichter gehen
Tadelworte,
Unmutsgesten,
Wutgeschrei.

Da ist man stark,
da ist man gross,
da zeigt man drauf,
und nicht sich auch.

Dort steckt die Angst,
da zögert man,
was mal gezeigt,
das sieht man dann.

Drum mauern wir
mit Stein und Sand,
und bauen höher
jede Wand.

Auf dass sie schütze,
was uns eigen,
doch der Preis
ist häufig Schweigen,

das verdammt
in Einsamkeit,
das damit nimmt
Gemeinsamkeit.

©Sandra von Siebenthal

seelenhalt

ein schleier liegt auf meiner seele
legt sich über freud und leid
nun liegt sie da in ihrer leere
und wirkt gar erdenschwer

es fehlen worte, fehlt gefühl
es fehlt der halt und wer ich bin
es weint das kind von ganz tief drin
ich fühl mich klein und ohne sinn

ich träume leis von bunten wiesen
sehne mich nach sternenmeer
ich möchte singen, möchte lachen
doch es fliessen tränen mehr

so leg ich mich dann auf den boden
schling die Arme eng um mich
als ob mich jemand ganz fest hielte
und im herzen dieser stich

eine kleine stimme flüstert
dass auch dann wenn alles fällt
die hoffnung bleibt auf neues licht
und bis dahin halt ich mich

©Sandra von Siebenthal

Herbstnebel

Unter tausend Blicken
Ohne Schutz
Die Seele nackt
Verletzlich schwer

Am Himmel dunkle
Wolken ziehen
Und unten drückt
Das kalte Grau

Durch dichten Nebel
Leer die Sicht
Such ich den Weg
Ich ahne bloss

Es ist als ob es
Nie mehr Licht
Mehr würde und
Der Abgrund nah

©Sandra von Siebenthal

Loslassen

Der Morgen dampft,
Ein Schleier liegt,
Im kühlen Frost
Ein Blatt sich wiegt.

Es neigt sich leis
Das Jahr zum End,
Wenn ich dir diese
Botschaft send.

Es war sehr gross,
Es war so viel,
Was wir erlebt,
Ganz ohne Ziel,

Nur mit dem Wunsch
Auf Glück zu zweit,
So gingen wir
Durch diese Zeit.

Wir nahmen mit,
Was sich uns bot,
Genossen sehr
Und ohne Not.

Und wenn es auch
Mal schwierig war,
Es ging uns gut,
Wir warn’s gewahr.

So lassen wir
Das Jahr nun zieh’n,
Und schau’n nach vorn,
Mit dem im Sinn:

Das Leben hält
Noch viel bereit,
Es wartet auf uns
Neue Zeit.

©Sandra von Siebenthal

Getragen wachsen

Und manches Mal
bin ich ein Pilz
so vor Glück strotzend,
wie man’s will.

Und manches Mal
Verlierer gar,
ich weiss schlicht nicht
wie mir geschah

Das Leben geht
oft eigne Wege,
und ich geh mit
und schaue hin.

Ich seh oft Berge
und auch Täler,
sehe Gründe,
abgrundtief.

Erst steh ich da
und bin dagegen,
seh dann hin
und traue mich

Und oft passiert es,
dass ich merke,
grad die Hürde
bringt mir was.

Ich wachse weiter,
nehm das Neue,
füg es ein in
mein So-Sein.

Doch was mir Kraft gibt,
ist der Glaube,
mir sind Menschen,
wohlgesinnt.

Es gibt Menschen
Die mich nehmen,
und mich lieben,
wie ich bin.

Dafür danke ich
schlicht diesem Leben,
und vor allem
dank ich dir!

Du bist der Stern
an meinem Himmel,
Du bist mir Halt
und Lebenszier.

Lebenswege

Ich sitze so hier und
blick vor mich hin,
ich schaue aufs Meer und
frag nach dem Sinn.

Was wird aus mir werden,
wer möchte ich sein?
Was kann ich gestalten,
wo fliess ich schlicht rein?

Ich habe noch Träume,
doch Pflicht gibt es auch,
wer soll da entscheiden,
Verstand oder Bauch?

Das Meer rauscht ganz leise
und still vor sich hin,
es zeigt sich darin mir
ein tieferer Sinn.

Wir können das Leben
gar selten versteh’n.
Ein jeder muss seinen
ganz eig’nen Weg geh’n.

Wir sind wie die Wellen,
getrieben vom Wind,
wir sind wie die Wellen,
und Windes Kind.

Mal Welle, mal Woge,
mal auch ganzes Meer,
so geh’n wir durchs Leben,
so werden wir mehr.

Wir leben das Leben,
wir wachsen daran,
wir trotzen den Stürmen,
wir kommen voran.

Und wirft uns ein Wind mal,
nen Schritt auch zurück,
der nächste treibt weiter,
wir nennen es Glück.

Doch das ist es nur,
wenn hin zu nem Ziel,
und da kommt das Ich nun
ganz deutlich ins Spiel:

Nicht jedes Ziel ist so
für jeden gemacht,
drum wähle ich meines
bewusst, mit Bedacht.

©Sandra Matteotti

Liebestöter

Worte wie Waffen,
so messerhaft scharf,
erst nur kleine Stiche,
dann Täler gefurcht.

Ein Satz gräbt sich tief
und schaufelt ein Grab;
und eh du’s versiehst,
zieht es dich hinab,

wo in dir, was liebt,
im Dunkel versiegt,
und bleibt nur ein Loch
und dieses Gefühl,

dass wie es mal war,
nie mehr wird sein,
getötet vom Wort,
liegst du da allein.

liebesmühlen

liebesmühlen

und immer wieder
ein sich streiten
und verlieren
sich dann suchen
mühsam finden
und sich schwören
so nie wieder
und dann doch
sich neu verlieren
und im suchen
schon so wissen
dass das suchen
auch ein wollen
und die angst nie
mehr zu finden
diesen kleinen
tod so
mit sich bringt

und immer wieder
ein sich fragen
und dann hadern
und dann weinen
bitter trauern
und sich sagen
so nie wieder
und dann doch sich
neu bemühen
und neu suchen
schon im wissen
dass das leben
auch ein wollen
und die angst
nicht zu bewahren
schlicht den sinn
dem leben nimmt.

und immer wieder
ein sich finden
und sich halten
sich dann schwören
innig fühlend
und sich schwören
so nie wieder
und dann doch sich
sicher sein und
neu verlieren
und dann suchen
um zu wissen
dass das suchen
schlicht dem wollen
und der angst
nicht mehr zu finden

wasser

auf die mühlen trägt.

Der goldene Käfig

Du fragtest mich, wie es mir geht,
was war dein Wunsch, was war das Ziel?
Du sagtest mir, dir geht es gut,
war das real, war das nur Spiel?

Was ist gemeint, was nur gesagt?
Wo liegt das Herz, wo nur Benimm?
Was ist noch echt, was darf so sein,
wo ist die Box, wo muss ich rein?

Wo Menschen sind, da gibt es Regeln,
nur manche töten schlicht das Sein.
Was wirklich gilt, das ist Gebot,
was man nicht will, sagt das Verbot.

So laufen wir in strammen Rastern,
geh’n im Schritt, sind gar genehm.
Und wo’s nicht passt, da greifen Strafen,
gesetzlich klar, privat bequem.

Man lässt so durch, was einem passt,
der Rest, der ist gar liederlich,
man nimmt so hin, was ganz entspricht,
den Rest verstösst man, weg damit.

Wir leben so in einer Box,
Die jemand anders definiert,
wir woll’n gefallen, dies die Krux,
es sind wir selber, die verlier’n.

©Sandra Matteotti