Nach dunkler Nacht
Tautropfen glänzen
auf Halmen zart
und grün.
Langsam erwacht
was lange geschlafen
sieht Sonne nun
und Licht.
Nach dunkler Nacht
Tautropfen glänzen
das Leben kehrt
zurück.
©Sandra Matteotti
Denkzeiten – Philosophie in Theorie und Praxis
Dr. Sandra von Siebenthal
Nach dunkler Nacht
Tautropfen glänzen
auf Halmen zart
und grün.
Langsam erwacht
was lange geschlafen
sieht Sonne nun
und Licht.
Nach dunkler Nacht
Tautropfen glänzen
das Leben kehrt
zurück.
©Sandra Matteotti
wir reden viel
und hören wenig
wollen tun und
machen nichts
wir rasen durch
und warten kaum je
wollen sein wo
wir nicht sind
Wir hoffen stets
und sehen gern nur
unser Ziel nicht
das was ist
vergessen so
was einzig wichtig
für uns ein- und
hinzusteh’n.
denn nur wer sieht
wo er grad feststeckt
wird je sein wo
er hin will.
©Sandra Matteotti
Theodor Storm (1817 – 1888)
Schliesse mir die Augen beide
Schliesse mir die Augen beide
Mit den lieben Händen zu!
Geht doch alles, was ich leide,
Unter deiner Hand zur Ruh’.
Und wie leise sich der Schmerz
Well’ und Welle schlafen leget,
Wie der letzte Schlag sich reget,
Füllest du mein ganzes Herz.
______________
Projekt „Lyrische Helfer“ – Ein Gedicht, wenn man liebt
Es schien mir einfach und klar, dass man leben musste, um glücklich zu sein, und die Zukunft schien mir viel Glück zu verheissen.
Die junge Masa verliebt sich nach dem Tod ihrer Mutter in ihren viele Jahre älteren Vormund. Nachdem dieser sich anfänglich weigert, zuzugeben, dass die Liebe gegenseitig ist, kommt es schlussendlich doch zur Offenbarung und die beiden heiraten. Zusammen ziehen sie aufs Land, auf Sergej Michailycs Gut. Eine wunderbar verliebte Zeit beginnt.
…es gab nur das eine selbstsüchtige Gefühl der Liebe zueinander, den Wunsch, geliebt zu werden, grundlose, unaufhörliche Heiterkeit und das Vergessen von allem anderen auf der Welt.
Schon bald wird es Masa langweilig auf dem Land, sie sehnt sich nach mehr Abwechslung, nach dem Stadtleben und den Gesellschaften da. Sergej hat Bedenken, kann ihr aber keinen Wunsch abschlagen. Seine Bedenken sollen sich aber bewahrheiten, das grosse Glück bekommt Risse.
Familienglück ist eine wunderbare Liebesgeschichte, eine Charakterstudie, die Geschichte einer Ehe durch schwierige Zeiten hindurch. Masa kann dabei als Vorgängerin Anna Kareninas gesehen werden, viele Züge Annas sind schon in Masa angelegt, auch Teile der Geschichte lassen sich wiederfinden.
Mit dieser neuen Übersetzung von Dorothea Trottenberg liegt nun eine wunderbar moderne Fassung des Romans vor, es ist ihr gelungen, Tolstojs Poesie ins Deutsche zu übersetzen. Dass das Buch auch optisch schön daher kommt, ist das Sahnehäubchen obendrauf. Ein wahrer Lesegenuss, bei dem man kaum umhin kann, ab und an laut zu seufzen, Sätze nochmals zu lesen, weil sie so wunderschön sind.
Fazit:
Ein wunderbares Buch rund um die Liebe, die Ehe, das Glück. Absolute Leseempfehlung.
Zum Autor
Leo Tolstoi wurde 1828 in Jasnaja Poljana als Sohn eines Grafen und Großgrundbesitzers geboren. 1847 brach er sein Studium ab, um sich um die Verwaltung des elterlichen Gutes zu kümmern. Durch Landreformen versuchte er die Situation der Leibeigenen zu verbessern. Nach Militärdienst und diversen Reisen durch Europa zog er sich schließlich nach Jasnaja Poljana zurück, wo er seine großen Romane schrieb. Tolstois lebenslange Suche nach der geeigneten Lebensform kulminierte 1910 darin, daß er seine Frau verließ, da diese nicht bereit war, sich von den gemeinsamen Besitztümern zu trennen. Er starb kurze Zeit darauf an einer Lungenentzündung am 7. November 1910 in Astapowo, heute Lew Tolstoi in der Oblast Lipezk.
Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 189 Seiten
Verlag: Dörlemann Verlag (20. Juni 2018)
Übersetzung: Dorothea Trottenberg
ISBN: 978-3038200628
Preis: EUR 17
Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort und online unter anderem bei AMAZON.DE
So betitelt und untertitelt kommt dieser kleine, aber feine Gedichtband daher. Kannte ich aus Schulzeiten nur den Schimmelreiter und die ach so norddeutschen Novellen, entdeckte ich den Lyriker Storm erst spät. Das bedaure ich sehr, bin aber froh, dass es nicht zu spät war, ich ihn entdeckte. Eine wunderbar klare Sicht aufs Leben, so viel Herz und Verstand.
Wer je gelebt in Liebesarmen,
Der kann im Leben nie verarmen;
Und müsst’ er sterben, fern, allein,
Er fühlte noch die selge Stunde,
Da er gelebt an ihrem Munde,
Und noch im Tode ist sie sein.
Ein wunderbares Buch voller Gefühl, voller Poesie, voller Leben und aus dem Leben.
Was mich sehr traurig stimmt – und da kommt nun eine Kritik in eine Rezension, die nicht dem Inhalt des Buches, sondern der heutigen Zeit gilt: Lyrik wird zu gering geschätzt. Lyrik trägt so viel an Leben, an Philosophie, an Gefühl. Sie regt zum Denken an, lädt zum Innehalten ein, kann Halt in schweren Stunden sein oder Begleiter in den leichten.
Wir haben hier ein gebundenes Buch. Für 6 Euro. 9.90 CHF. Jeder seichte Krimi ist teurer. Und der wird nie nachhallen. Er ist Unterhaltung und dafür toll, ich las viele davon und möchte sie nicht schlecht reden. Nur: Wo bleiben unsere Werte? Dies ein kurzer Exkurs einer Lyrik-Liebhaberin.
Fazit:
Ein kleiner, feiner, tiefgründiger, gefühlvoller Gedichtband. Lyrik, die berührt. Absolute Leseempfehlung.
Zum Autor und den Mitwirkenden
Theodor Storm wurde 1817 in Husum geboren und studierte Jura in Kiel und Berlin. Anschließend ließ er sich als Rechtsanwalt in seiner Heimatstadt nieder. Neben seinem Beruf widmete er sich jedoch leidenschaftlich seinem eigenen literarischen Schaffen: Er schrieb Gedichte, Märchen und Novellen. Im Jahr 1888 verfassteStorm sein letztes und erfolgreichstes Werk: die Novelle ‚Der Schimmelreiter‘. Noch im gleichen Jahr erlag er einer schweren Erkrankung und starb am 4. Juli.
Prof. Dr. Gerd Eversberg war 22 Jahre lang Sekretär der Theodor-Storm-Gesellschaft in Husum. Er studierte Theaterwissenschaften, Kunstgeschichte, Germanistik, Philosophie und Pädagogik in Köln und leitet seit 1989 das Theodor- Storm-Zentrum mit Archiv und Museum in Husum. Er war Herausgeber der Schriften der Theodor-Storm-Gesellschaft, der Editionen aus dem Storm-Haus und der Storm-Briefwechsel. Neben seinen Arbeiten zur Literatur des poetischen Realismus und zur Mediengeschichte veröffentlichte er Beiträge zur „Fachdidaktik Deutsch“ und zum Philosophieunterricht sowie zur Ausstellungsdidaktik und zur Kulturgeschichte Nordfrieslands. Seit 2011 lehrt er als Honorarprofessor am Seminar für deutsche Philologie der Georg-August-Universität in Göttingen.
Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 160 Seiten
Verlag: marix Verlag ein Imprint von Verlagshaus Römerweg; Auflage: 1 (18. August 2017)
ISBN-Nr: 978-3737410526
Preis: EUR 6/ CHF 9.90
Zu kaufen in Ihrer Buchhandlung vor Ort oder online u.a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH
Du liegst mir im Sinn,
ob ich will oder nicht.
Du bist einfach drin,
darum dieses Gedicht.
Es tat uns nicht gut,
miteinander zu sein.
Statt Liebe meist Wut
und wir waren gemein.
Wir kämpften aufs Blut
und bereuten gleich sehr.
Wir meinten es gut
und machten’s uns schwer.
Und oft hält man nur
an den Träumen noch fest.
Fokussiert viel zu stur,
ignoriert dann den Rest.
Es gibt nur ein Leben,
was machen wir draus?
Könnten viel geben
und halten nur aus.
Und dann kommt die Zeit,
und wir müssen einseh’n,
was in uns laut schreit,
und müssen dann geh’n.
Zurück bleibt der Schmerz
und Trauer und Not,
es blutet das Herz
und fühlt sich wie tot.
Und irgendwann hoffst du,
nun bald zu gesunden,
und irgendwann hoffst du,
auf bessere Stunden.
©Sandra Matteotti
Christian Morgenstern (1871 – 1914)
Mittag
Tage gibt es, da des Mittags Bläue
Uebermild um braune Berge zittert
Und in unaussprechlich linder Läue
Sie wie Himmelsliebesrausch umwittert.
Ja, wie Liebe bricht es aus den Räumen,
Und nur noch aus Frauenaugensternen
Kannst du dies aus fast zu seligen Träumen
Hergesunkene Gottesleuchten lernen.
1910
____________
Projekt „Lyrische Helfer“ – Ein Gedicht, das man lesen kann, wenn man liebt
Worauf bauen
hoffen, und auch
vertrauen?
Was kann ich
wollen, tun und
was sollen?
Was darf ich
wünschen und was
für mich wollen?
Kann ich es
sagen, ist es
gegeben?
Was darf ich
dürfen und was
muss ich müssen?
Was ist mein Ziel
und was passt
so richtig?
Was ist schlicht gut
und was ist
das Falsche?
Was ist der Mensch
und was macht
ihn zu dem?
Wann bin ich Mensch
und wann darf
ich’s sein?
©Sandra Matteotti
Und ich denke,
denke an dich.
Denke an dich und
denke an mich.
An uns denke ich.
Und ich denke,
denke gar nicht.
Fühle so mich und
fühle tief dich.
Und fühle dann uns.
Und ich denke.
Und fühle ganz dich.
Und fühle und bin
nur ich ohne dich.
Vermisse dich schlicht.
Und ich denke,
denke an dich.
Denke an dich
und plötzlich weiss ich:
Dich spüren will ich.
©Sandra Matteotti
Wo die Liebe
hinfällt
liegt sie
wenn gebettet
in Herz und
Verstand
gepflegt ein
Rosenstrauch
im Wissen um
Dornen und
Blütenpracht
geniessend
©Sandra Matteotti
Siehst du
mich so
wie ich bin?
Liest du
nur so
dich hinein?
Bist du
wirklich
hier und jetzt?
Fühlst du
mich so
wie ich dich?
Willst du
es nur
gerne tun?
Was ist
echt und
was gespielt?
Was ist
echt und
was gefühlt?
Siehst du
mich so
wie ich bin?
Das kam
mir grad
in den Sinn.
©Sandra Matteotti
Das ist mein Haus
und hier mein Boot
und Autos hab’ ich viele.
Erzähl von dir,
wie steht es da?
Und: Hast du auch noch Ziele?
Was bringen die
so finanziell?
Was sollte and’res zählen?
Du hast gar nichts?
Und bist auch nichts?
Was ist das für ein Leben?
Was kümmert mich,
wer du sonst bist?
Kein Geld, das ist wie sterben.
So läuft die Welt,
setzt ihren Wert.
Und: Opfert dafür viele.
©Sandra Matteotti
Theodor Storm (1817 – 1888)
Im Volkston
1
Als ich dich kaum gesehn,
Musst es mein Herz gestehn,
Ich könnt’ dir nimmermehr
Vorübergehn.
Fällt nun der Sternenschein
Nachts in mein Kämmerlein,
Lieg’ ich und schlafe nicht
Und denke dein.
Ist doch die Seele mein
So ganz geworden dein,
Zittert in deiner Hand,
Tu’ ihr kein Leid!
2
Einen Brief soll ich schreiben
Meinem Schatz in der Fern’;
Sie hat mich gebeten,
Sie hätt’s gar zu gern.
Da lauf’ ich zum Krämer,
Kauf Tint’ und Papier
Und schneid’ mir ein’ Feder,
Und sitz’ nun dahier.
Als wir noch mitsammen
Uns lustig gemacht,
Da haben wir nimmer
An’s Schreiben gedacht.
Was hilft mir nun Feder
Und Tint’ und Papier!
Und weißt, die Gedanken
Sind allzeit bei dir.
_______________
Projekt „Lyrische Helfer“ – Ein Gedicht, wenn man liebt oder sich sehnt
Ich wollte so viel schreiben,
Romane, ganze Zyklen,
doch merkte ich schon bald mal:
um alles das zu sagen,
was mir so in den Sinn kam,
da reichten keine Worte.
Drum schrieb ich ein Gedicht.
@Sandra Matteotti
Und dann kam die Zeit
als Menschen verwert-
und austauschbar warn.
Wo nur noch Gewinn,
nur Leistung wert war –
niemals Gefühl.
Und dann kam die Zeit,
als wir uns verlorn
und Leere nur blieb,
weil die Illusion
der Jahre zuvor
im Sande verlief.
©Sandra Matteotti