Bürokratie lässt grüssen

Ich las von Aktionen. Heute haben die einen Hashtag. Das ist ein Wort mit einem Gartenzaun davor: #hashtag. Soll Menschen im Social-Media-Bereich helfen, Gleichgesinnte zu finden. Früher ging man in den Turn- oder Feuerwehrverein. Dann wusste man: Da sind welche, die wollen dasselbe wie ich. Heute hat man Hashtags.

Unter dem Hashtag #yarnbomb findet man Bilder von Objekten, die umhäkelt oder umstrickt wurden. Laternenmasten, Bäume, Brücken, Räder – alles wurde mit Garn umwickelt und mit Hashtag versehen. In den USA ein grosser Trend, in anderen Ländern kommt es auch. Ich fand die Idee toll, da ich ziemlich verliebt in meine Häkelnadeln bin. Und noch mehr: Ich sah darin ein Projekt, sah Bilder, Bücher und Botschaften drin. Rundherum hiess es: Mach, klingt toll, super Aktion.

Da ich keine 20 mehr bin, zudem ein Kind habe, mit dem man gewisse Bürokratiehürden überstand, dachte ich: Kann das so einfach sein in der Schweiz? Ich denke nicht! Ich fragte auf Twitter bei der Stadtpolizei Zürich nach. Und erhielt sofort Antwort mit Telefonnummer. Super Dienstleistung. Das muss mal gesagt sein und das meine ich ernst! Ich rief am nächsten Morgen an. Ein sehr netter Herr am Telefon, der sofort wusste, worum es geht. Auch das: Eine tolle Leistung, für eine – wie ich finde – Banalität. Wer hier Spott oder Häme reinliest, liegt falsch. Ich schätze diese Dienste.

Ich schilderte mein Anliegen. Der nette Herr (er hatte eine wirklich sehr schöne Stimme) erklärte mir, wo im Netz ich das nötige Formular finden würde, das ich ausfüllen sollte. Denn: Einfach so einhäkeln gehe nicht. Das hatte ich mir eigentlich gedacht, entgegen all der Stimmen „mach nur“. Das Formular umfasste 5 Seiten. Ziel, Zweck, Inhalt, Auswirkungen, Dauer, Intentionen und vieles mehr sollte ausführlich geschildert werden. Das war aber nicht alles. Das ausgefüllte Formular käme dann vor ein Gremium. Es gibt eine Abteilung namens „Kunst im öffentlichen Raum“, welche in einer Frist von 6 Wochen entscheiden wird, ob das wirklich Kunst ist und durchgewinkt wird, oder ob das nicht geht.

Gesetzt den Fall, man käme durch, wäre das nicht das Ende. Nun müssten die Elektrizitätswerke gefragt werden, ob ihre Laternenmasten umhäkelt werden dürfen. (Ich wollte übrigens nur eine Binde von 10cm häkeln). Mein kurzer Einwand, ich könne auch Bäume nehmen, wurde gleich abgeschmettert: Bäume gehen gar nie, da kriege ich nie eine Erlaubnis.

Fazit: Ich häkle wieder Decken, Kissen und Tierchen. Die Botschaft, die mir vorschwebte, „Herz statt Gewalt“, werde ich weiter leben, beschreiben und in meine eigenen Projekte legen. Und ab und an beneide ich ein wenig meine Häkelfreunde in den USA, die einfach Dinge einhäkeln und damit die Welt ein wenig bunter machen.

Ohne Worte

Ich wollte so viel sagen,
wollte all das Leid beklagen.
Ich wollte diese Welt bedauern,
und den ganzen Hass betrauern.
Allein: Es fehlten mir die Worte,
und viel mehr: Was wär’n die richt’gen Orte?

 

Sollt’ ich also schweigen?
Tun das nicht die Feigen?
Was aber wollt’ ich sagen?
Bleibt mir mehr als nur noch Fragen?
Was gilt denn nun?
Was ist zu tun?

 

Während alle rufen, alle schreien,
wer die Bösen in dem Spiel grad seien,
gehen mir die Worte aus,
merke ich, die Luft ist raus,
und so sitz ich hier und frage,
wen kümmert, was ich sage?

 

Das Leben wird wohl weiter gehen,
alles werd’ ich nie verstehen.
Was ich kann, ist zu versuchen,
nicht nur andere verfluchen,
sondern hier in meinem Leben,
das mir Möglichste zu geben.

Muss man alles sagen?

Internet ist die Welt, wo man anonym durch die Welten fliegt. Man kann sagen was man will, man sitzt bequem hinterm Bildschirm und niemand kann einem was. Menschen werden mutiger, sagen Dinge, die sie Aug in Auge nie sagen würden. Sie würden sich schämen. Es ist auch einfacher, jemanden anzugreifen, da dieser nicht zurückschlagen kann. Es ist auch einfacher, Gefühle zu zeigen – oder anzudeuten -, niemand schaut dir in die Augen, du verlierst das Gesicht nie, da du immer sagen kannst: All die Gefühle, all die Herzchen – das war nur Internetsprache, nicht ernst gemeint.

Da sitzt man also vor dem Bildschirm und tippt so vor sich hin. Teilt mit der Welt da draussen, die nun durch die Social Media Freunde und Follower wurden, Sorgen, Nöte und auch Freuden. Und man fragt sich vielleicht: Was an den Reaktionen ist echt? und: Was wäre noch da, wäre ich mal weg? Würde mich jemand vermissen? Würde jemand merken, dass von mir nichts mehr kommt, würde der eigene Platz nicht einfach durch einen der xxx Freunde ausgefüllt?

Das ist schlimm? Ich denke fast, es ist das kleinste Übel in den sozialen Medien. Was mir immer wieder auffällt und mehr als sauer aufstösst, sind Menschen, die meinen, sie müssen immer und überall ihre bösartigen, spöttischen und abwertenden Kommentare lassen. Kommen die nicht gut an, nennen sie es Humor und das entschuldigt ja alles. Humor muss man schliesslich haben und unter dem Deckmantel kann jede einzelne Bösartigkeit versteckt werden.

Darf man alles sagen? Wohl schon. Wir leben in einem Land mit freier Meinungsäusserung. Diese ist ein Grundrecht, ein wichtiges sogar. Nur: Muss man alles sagen? Muss man Dinge sagen, von denen man wissen kann, dass sie dem anderen wenn überhaupt etwas, nur Schmerz bringen? Es sei denn, er ist genügend abgehärtet. Aber: Ist das wirklich wünschenswert? Menschen, die abgehärtet sind gegen mögliche Angriffe, gegen jegliche Bösartigkeiten? Das wären dann die Menschen, die auch sonst die Herzen verschlossen haben, Gefühle hinter Mauern packen, um ja nirgends in Gefahr zu laufen, verletzt zu werden.

Wir züchten uns also unsere Welt voller Mauern, voller Schutzwällen. Und wir hören von vielen Seiten, dass wir das auch tun müssen, dass wir uns eine dicke Haut zulegen sollen, die Dinge nicht an uns herankommen lassen dürfen. Wie könnten andere sonst noch weiter unsensible Witze und abwertende Kommentare loslassen, wenn alle so empfindlich wären und sich alles zu Herzen nähmen? Oder: Machen die Witze und abwertenden Kommentare nur dann Spass, wenn sie den andern so richtig treffen? Was aber würde das dann über die Kommentierenden aussagen? Wohl wenig Gutes. Und genau das ist es, was mich an Facebook je länger je mehr stört. Vielleicht ist Facebook in dem Bereich aber einfach auch ein Spiegel unserer Gesellschaft. Spass um jeden Preis, so lange die anderen den Preis zahlen. Verletzte Gefühle nimmt man dabei in Kauf (noch mag ich nicht glauben, dass man es sogar darauf anlegt, auch wenn sich der Gedanke immer mehr festsetzt…). Ist das wirklich die Welt, in der wir leben wollen?

Schule heute – eine Ode

Ich habe ab und an kritisch über Schulen geschrieben, das System hier hinterfragt und auch sonst den Finger drauf gehalten. Das soll aber nicht drüber hinwegtäuschen, dass ich weiss, dass wir hier unglaublich privilegiert sind. Unsere Kinder haben eine Schule und sie können hingehen. Sie haben die Möglichkeit, ihr Leben zu gestalten. Vielleicht wissen sie es im jugendlichen Übermut nicht immer oder schätzen es gering, aber: Es ist viel mehr, als ganz viele Menschen auf dieser Welt haben.

Ich lebe in einer Schweizer Grossstadt, in einem Kreis mit vielen Ausländern. Wir hatten mit vielem zu kämpfen in der Schulzeit. Rassismus, Gewalt, Mobbing. Schulrückstände kriegte man gratis dazu. Trotzdem gibt es Menschen, die schon hier aufgewachsen sind, immer noch hier leben und heute ihre Kinder hier zur Schule schicken. Kann es so schlecht sein hier?

Wir haben hier keine heile Welt. Aber wir wissen es. Das ist oft mehr als die ganze Ignoranz möglicher Probleme. Man kann hier die Augen nicht verschliessen vor den potentiellen Schwierigkeiten und Brennpunkten, denn sie sind da. Und weil man das weiss, hat man sich drauf eingestellt. Und das ist grossartig.

Hier rutscht nichts einfach so durch, Probleme werden ernst genommen und Lösungen gesucht. Wir hatten in der Mittelstufe einige Probleme, sie wurden erkannt und gelöst. Die Oberstufe ist ein Lichtblick. Nicht alle Regeln sind immer schlüssig und toll, aber: Es gibt Regeln und es gibt Menschen, die sich Gedanken machen. Die Situation der Schulen ist nicht leicht heute. Eltern nehmen ihre Erziehungsaufgabe nicht mehr ernst, sind aber schnell dabei, Mängel in der Schule zu finden – und gar mit Anwalt anzuklagen. Als Lehrer und als Schule muss man sich absichern. Um ja keine Angriffsfläche zu bieten. Damit gerät man ein wenig in die Situation der Pharmaunternehmen, die jede – wenn auch unwahrscheinliche, aber doch mögliche – Nebenwirkung auflisten müssen, um ja nicht angreifbar zu sein. So ungeniessbar auf diese Weise Medikamente sind, so unübersichtlich werden Schulordnungen. Aufgeblasen durch all die Möglichkeiten.

Wir können noch so viel hinterfragen und unsinnig finden: Die Zeit ist, wie sie ist. Von jetzt auf gleich werden wir sie nicht ändern. So bleibe ich dankbar für die Schule, die mein Sohn besucht, weil da Lehrer sind, die sich kümmern, die Probleme erkennen, die reagieren. Ich mag nicht jede Regel gut finden, aber ich weiss: Es ist ein Privileg. Mein Kind hat eine gute Schule, hat gute Lehrer, kann sich entfalten und geht seinen Weg. Und das sollte auch mal gesagt sein.

Werbung oder: Der Fluch der Adjektive

AuftrittEs war Samstag. Wie jeden Samstag führte mich mein Weg zum Samstagseinkauf. Quer durch die Randgebiete Zürichs hin zum anvisierten Laden. Da der Hund auch Auslauf braucht, fuhr ich nicht, ich ging. Beim Gehen sieht man mehr als beim Fahren. Drum erlaufe ich mir Orte gerne. Sie wirken ganz anders. Es war also Samstag, ich erging meinen üblichen Samstagsweg. Und da sah ich es. Das Plakat. Und ich las, was drauf stand, da ich alles lese, was sich mir in Buchstaben darbietet.

Mit einem persönlichen Auftritt von Michael Flatley.

Zuerst dachte ich mir wenig. Dann stutzte ich. Und ich fragte mich: Wenn er auftritt, dann ist er ja da. So quasi persönlich. Wenn also hier ein „persönlicher Auftritt“ angekündigt ist, wie sähe dann ein unpersönlicher Auftritt auf? Gibt es das? Oder war hier mal wieder ein übereifriger Werbetexter am Werk, der ganz cool alle Adjektive in die Manege warf, die ihm grad in den Sinn kamen?

Ich tendiere, nach reiflicher, ganz tiefgehender, ultimativ substantieller, alles durchdringender Überlegung zur Variante mit dem Werbetexter. Ich find die Werbung aber nicht cool.

Medien und Moral

Es gibt wohl kaum etwas Schlimmeres, als wenn ein Kind stirbt. Schon die, welche davon Kenntnis haben, kriegen einen Stich, wie es für die Eltern sein muss, kann man sich wohl kaum vorstellen. Man kennt nur die Angst als Mutter oder Vater, es könnte so sein. Und die ist schon gross genug.

Stirbt ein Kind eines sogenannten Promi, wird das Ganze zum Ereignis, zum Happening, über das die nächsten Tage berichtet wird – erst über den Umstand an sich, danach assoziativ. Und wo berichtet wird, fallen Kommentare an. Einige wünschen den Hinterbliebenen Kraft, andere finden das doof und setzen einen Daumen nach unten (was Facebook bis heute nicht schaffte, hat die Kommentarfunktion der plakativsten Zeitung der Schweiz schon lange. Ob es gut ist? In solchen Fällen zweifelt man!). Einige finden, dass so viele Kinder sterben, wieso man so ein Brimborium um diese Promikinder macht, und Dritte haben sonst was zu mosern, wollen ihre Philosophien oder anderen Unverständlichkeiten loswerden.

An diesem Punkt ist das Kind, das nicht mehr lebt, vergessen. Es geht auch nicht mehr um die Eltern und ihr Leid. Wir sind nun schon weiter. Hier bringt sich jeder selber ins Spiel. Die Medien wittern Klickzahlen, die Kommentierenden wollen sich profilieren oder zumindest selber ins Spiel bringen.

Dass nicht über jedes Kind berichtet wird, liegt in der Natur der Sache: Die Medien erfahren selten davon. Würden sie davon erfahren, stellte sich für sie die Frage: Interessiert das die Leser? Tote Kinder sind immer ein Hingucker, da aber täglich sehr viele Kinder sterben, würden Zeitungen zu Büchern voller Berichte vom Tod. Das würde keiner mehr lesen wollen (und ertragen können). Wenn aber ein Promi betroffen ist, dann erfährt man davon und man hat mehrere Punkte, die ziehen: Ein totes Kind, einer, den man kennt und ein Thema, das man ausschlachten kann. Und das tut man dann. So lange und so weit es eben geht.

Kann man es verurteilen? Klar, man kann sagen, das sein reine Sensationshascherei, es sei Profitgier der Medien und ethisch verwerflich. Nur: Wie viele Klicks hätte ein Bericht, der einfach mal vom Leben des Promis berichtet, wie er seinen Sohn wickelt, ihm die Flasche gibt? Da würde man denken: Who cares, alles normal. Wenn nicht noch ein paar Fotos der Wohnung mit dabei wären oder sonstige Intimas: Absolut uninteressant. Stirbt das Kind aber, klickt jeder. Da wird es interessant.

Genau darauf bauen die Medien. Sie rechnen mit unserer menschlichen Neigung, mit unserer tief verwurzelten (wohl animalischen) Neugier. Wir wollen uns suhlen, wir wollen eintauchen, wir wollen im trüben fischen, wollen Abgründe sehen, wollen Emotionen geliefert kriegen. Das alltägliche Leben haben wir selber genug, gefragt sind die Ausbrüche. Und genau damit arbeiten Medien.

Ihnen einen Vorwurf zu machen, wäre eine Doppelmoral sondergleichen. Wir sind und bleiben Tiere. Wir haben Instinkte, wir haben Triebe. Wir können sie hinterfragen, wir können sie moralisch bewerten. Wir können sie zu einem gewissen Grade auch beherrschen, aber: Sie sind da. Von einem Profitunternehmen zu fordern, sie nicht mehr zu bedienen, wäre in der heutigen sehr wirtschaftslastigen Zeit wohl eher blauäugig. Man könnte bei sich selber anfangen und einfach nicht mehr draufklicken. Denn: Wenn keiner mehr klickt, stirbt – wegen mangelndem Interesse – das Interesse der Medien, solche Themen durch den Endloswolf zu drehen.

Rezension: Maria Spassov – Liebe pro m2: Das neue Wohnbuch mit Herz – mit Insidertips der 100 besten Designer

Ich bau mir meine Welt, wie sie mir gefällt

Ich habe in letzter Zeit einige Bücher zu Themen wie Innendekoration, Innenarchitektur und Homedesign gelesen. Ich klickte mich im Internet durch Bilder zu ähnlichen Themen, auch Newsletter von verschiedenen Plattformen zeigten solche. Was mir immer mehr auffällt: Es wird immer weisser. Kaum mehr ein Akzent, alles weiss, alles clean.

Zeiten haben immer Tendenzen: Die 60er waren bunt und wild, die 70er taten es ihnen gleich, die 80er eigentlich auch. Dann wurden die Formen klarer, die Farben nahmen ab. Die 90er waren eher düster, die Jahrtausendwende überschattete irgendwie Farbe und Form – und nun? Was bleibt von heute? Keine Kanten, keine Akzente, alles aalglatt, weiss und unschuldig. Und dies in einer Zeit, die so ganz anders ist – eigentlich.

Ist Mode und auch Innendekoration immer ein Gegengewicht zur Welt draussen? Richtet man sich zu Hause das ein, was man gerne im Leben hätte? Draussen alles düster, die Welt kalt und grausam, wir machen uns ein lichtes, helles Zuhause? Nur ist das ganze Weiss auch sehr kalt. Sehr unpersönlich. Das würde wiederum die Zeit selber widerspiegeln.

Wenn ich so bei mir selber schaue, widerspiegelt mein Zuhause immer mich selber. Und ja, es ist meine Burg, mein Hafen. Ich bin am liebsten Zuhause, wohnen war mir immer wichtig. Ich gehe nicht gern aus, ich gehe nicht gerne in die Ferien. Ich bastle immer an meinen vier Wänden. Wem das auch so geht, dem sei folgendes Buch empfohlen:

Liebe pro m2: Das neue Wohnbuch mit Herz – mit Insidertips der 100 besten Designer. Tipps, Tricks, Inspiration zuhauf, schön aufgemacht, mit Bildern und Zitaten untermalt. Zwar auch sehr clean und aufgeräumt, aber toll. Klar sieht ein belebtes Zuhause nie so aus, denn Kinder, Tiere und auch Männer bringen immer ihre sehr persönliche Note hinein, aber: Das macht ein Zuhause ja auch zum Zuhause.

Was immer wichtig ist: Die eigene Persönlichkeit muss ins Zuhause rein. Und genau das propagiert Maria Spassov. Mit diesem Buch kann man es lernen, hier findet man Inspiration und das Buch macht schlicht Spass!

Wie sieht es bei euch zuhause aus?

Fazit:
Ein inspirierendes und Ideen lieferndes Buch, das – wenn man nicht grad umbauen will – auch einfach Spass macht beim Ansehen. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor
Maria Spassov
Maria Spassov hat Rechtswissenschaften in Heidelberg und Chicago studiert, bevor sie ihre Leidenschaft zum Beruf machte. Die begeisterte Bloggerin hat mehr als 100 Interviews mit den größten Designern unserer Zeit geführt und ist heute als Autorin, Einrichtungsberaterin und Stylistin für Zeitschriften, Events und im TV tätig. Mit ihrem Mann und ihren zwei Söhnen lebt Maria Spassov in einem idyllischen Dorf in der Nähe des Rhodopen-Gebirges.

Angaben zum Buch:
SpassovGebundene Ausgabe:192 Seiten
Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt (28. September 2015)
ISBN-Nr.: 978-3421040084
Preis: EUR 29.99 / CHF 42.90

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Ich bin ich

Kürzlich stellte eine junge, intelligente Freundin auf Facebook diese Frage:

 „Ich werde sein“

„Ich will sein“

„Ich könnte sein“

„Ich versuche, zu sein“

„Was davon trifft am meisten auf euch zu?“

Ich las es, war erfreut, dass jemand diese Gedanken überhaupt hat. Ich konnte spontan nicht antworten. Dachte erst, es sei von allem etwas. Dann merkte ich, was mir fehlte:

 „Ich bin“

Wie will ich irgendwohin kommen, wenn ich nicht irgendwo bin? Es gibt kein Ziel ohne Start. Es gibt kein Ankommen ohne Abfahren.

Nun kann man sagen: Ich mag das heute aber nicht, drum will ich ja irgendwohin. Das liegt in der Natur der Sache, hier des Ziels. Man will dahin, weil man nicht da ist. Um dahin zu kommen, muss man nicht wissen, wie es da ist (das weiss man gemeiner Weise nie, man denkt es sich nur), man muss wissen, wo man steht. Nur so lässt sich der Weg überhaupt denken. Selbst Google Maps funktioniert so, da wird es in einem viel komplizierteren Ding wie dem menschlichen Wesen nicht anders sein.

Ich bin also nicht so, wie ich gerne wäre, drum will ich dahin, wo ich gerne sein würde. Es klingt wie ein Schlag ins Gesicht, aber:

Akzeptiere erst, wo du bist und wer du bist!

Das ist der Ausgangspunkt und ohne den wirklich an- und einzunehmen, wird man kein Ziel je erreichen. Man muss es nicht gut finden, man muss keine Jubeltänze vollführen. Aber man muss sich eingestehen: Das bin ich und ich bin gut so. In mir steckt nämlich die Kraft, von hier aufzubrechen und einen neuen Ort anzustreben.

Tut man dies nicht, zappelt man nur im Haltlosen, will irgendwohin, kann sich aber nirgends festhalten, das ist, kann sich nirgends abstossen, das Halt gibt, man weiss nur, wo man hin will, und sieht: Man ist nicht da.

Drum liebe ich das Lied: I am what I am. Das ist man immer. Hier wie dort. Und nur, wenn man sich selber kennt und annimmt, hat man eine Basis. Dann kann man alles (nun gut, vieles) erreichen. Mit all seinen Fehlern, die man sich selber zuspricht (die sind selten objektiv, sondern meist subjektiv empfunden und angeklagt durch eigene und andere Befindlichkeiten). Zuerst muss man aber gut stehen. In sich. Mit sich. Dann geht’s ab!

Power und Kraft? Bullshit!

Ich mag den Ausdruck „Powerfrau“ nicht. Ich mag es auch nicht, wenn mir jemand sagt, ich hätte ja so viel Kraft, sei ja so stark, wie ich alles meistere, was zu meistern ist. Das verwundert? Weil man denkt, das sei ein Lob? Ist es nicht. Es ist die Ignoranz dessen, was wirklich ist.

„Powerfrau“ und „du bist ja so stark“ implizieren immer, dass man das, was man tut, einfach so tut, weil man ja so stark ist oder so viel Power hat. Aber: Ab und an kann man nicht anders. Weil man schlicht keine Wahl hat. Das Leben ist, wie es ist. Oder aber man kann seine Ideale nicht verraten. Man kann zu viel Leid schlicht nicht mitanschauen. Ohne sich selber zu zerfleischen. Weil man denkt, man könnte was tun.

Es ist nicht Power. Es ist eine Entscheidung. Und die gesehene oder gefühlte Not. Beide führen zum Tun, das oft weitergeht, wenn Kraft und Power schon lange aufgebraucht sind. Das hat wenig zu tun mit „starker Frau“ oder „Powerfrau“, es ist eine Haltung.

Vom Erben

Ein Mann – nennen wir ihn Klaus – wandelt durchs Leben. Er häuft Vermögen an, weil man das ja so tut. Er setzt Kinder in die Welt – auch das tut man oft. Und dann irgendwann: Klaus wird alt. Und er denkt, dass auch der Tod mal nahen könne. Was würde dann aus seinem Vermögen? Wer soll was kriegen?

Berta und Kunibert sind die Kinder von Klaus. Sie wissen um das Vermögen von Klaus, aber es ist nicht omnipräsent. Bis zu jenem Tag, an dem Klaus sie wissen lässt, dass er denkt, dass er nicht unsterblich ist. Schon läuft das Kopfkino rund. Sie verteilen qausi schon, was nach dem Ableben von Klaus mal vorhanden sein könnte – so genau weiss man es ja nicht. Und: Bislang betraf es einen nicht, man musste selber schauen.

Jeder schaut nach England und lästert: Die Queen gibt das Zepter nicht ab, Prinz Charles wird älter und älter und schaut in die Röhre. Beim eigenen Vermögen hört das Lästern auf, da sitzt man selber auf dem Topf. Statt dem Nachwuchs in den Jahren unter die Arme zu greifen, in denen dieser es brauchen könnte, lässt man ihn darben, um dann am Leben zu krallen, ab und an mal was vom Erbe zu erwähnen, und doch biblisch weiterzuleben. So hält man sich die Erbengemeinde hörig und lebt selber in Ruhe und Frieden – da schlicht nicht jeder einen Erben hat, der eine Fallvorlage für „Derrick“, „Der Alte“ oder den „Mentalist“ sein könnte.

Und: Die potentiellen Erben machen mit. Sie springen im Dreieck, wenn der Patron ruft, sind brav still, wenn er nix sagt. Man könnte sich ja was verspielen. Wo bleibt da noch Familie? Und Liebe? Und Ehrlichkeit? Egal. Und für alle, die es verspielt haben: Man kann jedes Testament anfechten. Dann geht die Sause erst so richtig los. Und der Sieger ist immer der Anwalt.

Eigentlich müsste mich all das nicht kümmern. Ich werde nichts erben. Ich habe keine Geschwister, mit denen ich streiten könnte. Ich lese und höre es nur immer wieder. Und ich frage mich. Und verstehe es nicht. Ich würde meinen Eltern immer sagen: Lebt euer Leben, geniesst euer Geld, ihr habt es erarbeitet. Und das tun sie, sonst würde ich vielleicht erben. Zu welchem Preis? Sie wären verbiestert. Geizig. Mit sich und wohl dann auch mit mir. Denn: Sie waren immer für mich da. Als ich sie brauchte. Nun bin ich gross. Muss ich heute noch auf ein Erbe hoffen und zählen und drum kämpfen? Was genau hätte ich dann aus meinem Leben gemacht?

Ist es naiv, zu sagen, dass der, welcher sich was erarbeitet, auch darüber entscheiden können soll? Von Gesetzes wegen gibt es einen Pflichtanteil. Den anerkenne ich, wenn kein Testament besteht. Wenn aber jemand sagt: Ich habe mein Geld erarbeitet und ich will entscheiden, wohin es geht, darf dann der Staat sagen, dass das nicht geht, dass er finanzielle Pflichten über seinen Tod hinaus hat? Und: Ist es Familiensinn, diesen Willen anzufechten, weil man findet, man hätte mehr verdient?

Man kann sagen, ich wäre nie in der Situation; das ist grundsätzlich so. Aber: Ich bin  so aufgewachsen. Meine Eltern dachten gleich und entschieden gleich. Sie waren in anderen Umständen, als ich es bin, und haben auf Erbe verzichtet, weil Geschwister plötzlich Testamente anfechten wollten. Ich achte sie dafür hoch. Und ich danke ihnen von Herzen, dass sie mir vorlebten, was wirkliche Werte sind.

Das macht es in dieser Welt nicht immer leicht, da diese Werte nicht mehr populär scheinen. Menschlichkeit, Liebe, Loyalität. Geld hat sie alle entmachtet im Grossen Ganzen. Nicht bei mir. Drum: Erben wäre grundsätzlich etwas Schönes. Es ist ein Weitergeben. Es verkam zu einem Zugewinn. Und dafür geht man sprichwörtlich über Leichen.

Wo was raus soll, muss was rein

Vor einiger Zeit kam ich zum zweifelhaften Glück, dass in meinem Keller, welcher gleichzeitig Luftschutzkeller ist, 40 Notbetten untergebracht und zwei Trockenklos installiert wurden. Der gute Mann, der das ganze Zeugs anschleppte, teilte meine Meinung, dass dies höchst fragwürdig sei und eh nie gebraucht würde. Nun denn: Es ist Gesetz und alles muss seine Richtigkeit haben.

Die Abnahme der Klos durch den netten Beamten der Stadt dauerte knapp 5 Sekunden. Auf meine Frage, ob ich den Keller nun verkaufen dürfe, da er ja über genügend Schlafmöglichkeiten und sogar zwei eigene Klos verfüge, erntete ich einen kurzen Blick und ein schnell unterdrücktes Lachen (auch er teilte wohl meine Ansicht über die Unsinnigkeit des Unterfangens).

Als ich so über meinen Keller nachdachte, stellte sich mir aber eine dringende Frage: Wenn die Notwendigkeit eines Luftschutzkellers gesetzlich verankert ist, sieht man ja grundsätzlich einen Sinn darin und auch die Möglichkeit, dass dieser benutzt wird. Ich würde also mit 39 anderen Nasen in meinem Keller sitzen, wir hätten je ein Bett und zusammen zwei Klos. Nur: Was soll in die Klos? Müsste mich der Kanton nicht auch mit Essensvorräten oder zumindest Geld, solche zu besorgen, ausstatten? Ob ich mal nachfragen sollte? Oder gebe ich diesem Luftschutzkeller doch zuviel Sinn, den er doch nicht hat?

Rezension: Lotta Sjöberg – Family Living

Die ungeschönte Wahrheit

Familienleben – eine Idylle der anderen Art

Hätte ich meine Zeit mit Putzen verbracht, wäre dieses Buch nie zustande gekommen.

Sjöberg1Mit diesen Worten wird das Buch Family Living eingeleitet. Der Satz ist bezeichnend für das ganze Buch: Es könnte so schön sein mit dem Familienleben, wenn einen nur nicht die Realität einholen würde. Lotta Sjöberg erzählt aus dem ganz alltäglichen Familienirrsinn. Alles fängt damit an, dass mit den Kindern die ach so tolle Stadtwohnung zu klein und unpraktisch wird. Mehr Platz ist dringend nötig. Umzug und andere Strapazen bleiben nicht aus. Aber auch im Traumhaus ist nicht alles einfach. Kinder werden krank, der Spagat zwischen Beruf und Familie fordert seinen Tribut und auch das Leben als Paar hat so seine Tücken. Doch trotz all den täglichen Gewissenbissen, Hürden und Notlösungen ist es doch wunderbar, das Familienleben. Irgendwie.

Sjöberg2Lotta Sjöberg erzählt mit viel Humor und Sinn für die Alltäglichkeiten aus dem ganz normalen Familienleben. Illustriert hat sie das Buch mit herrlichen Zeichnungen, welche die Erzählung stützen und mit viel Liebe zum Detail weiterentwickeln, mit neuen Facetten würzen. Entstanden ist ein witziges, unterhaltsames und ehrliches Buch. Family Living ist ein Buch, das mit Illusionen aufräumt, einem zeigt: Man ist nicht allein in diesem Wahnsinn, andern geht es genauso.

Fazit:
Ein witziges, unterhaltsames und ehrliches Buch mit wunderbaren Illustrationen. Absolut empfehlenswert.

Die Autorin
Lotta Sjöberg
Lotta Sjöberg *1971, arbeitet als Zeichnerin und lebt mit ihren drei Töchtern, ihrem Mann und einem Hund in Stockholm.

Zum Buch gibt es auch eine Facebookseite: Family living the true story

Angaben zum Buch:
SjöbergFamilyGebundene Ausgabe: 176 Seiten
Verlag: Edition Moderne (1. Oktober 2015)
Übersetzung: Ulrike Samuelsson
ISBN-Nr: 978-3037311431
Preis: EUR 19.80 / CHF 29.90

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http://www.books.ch/shop/home/suchartikel/family_living/lotta_sjoeberg/EAN9783037311431/ID42374358.html?jumpId=31307229&suchId=9ffc1b1d-36c2-483c-9e40-96905cae1c85

Ich habe einen Fehler gemacht

Wir gehen durchs Leben und treffen Entscheidungen. Nicht alle führen uns an den Punkt, an den wir wollen. Das nennen wir dann Fehler. Wir denken, die Entscheidung, die wir fällten, wäre ein Fehler gewesen, da sie uns nicht dahin führte, wo wir hin wollten.

Stimmt das? Ich denke nicht, denn: Wir gehen bei dieser Bewertung davon aus, dass der Weg, den wir nicht wählten, genau dahin geführt hätte, wo wir hin wollten. Wir sind also, so denken wir, nur da angelangt, wo wir nicht hin wollten, weil wir wählten, was wir wählten, und eben nicht die Alternative. Nur dachten wir ja, dass genau der Weg an unser Wunschziel führe, drum wählten wir ihn. Können wir also sicher sein, dass der nicht gewählte Weg dahin geführt hätte?

Und: Wenn schon die Wege so unsicher sind, was ist mit den Zielen? Sind die Ziele wirklich das, was wir wirklich wollen oder malen wir es uns nur aus? Da gewesen sind wir ja nicht, sonst müssten wir es nicht anstreben. Wir denken, da gäbe es etwas, das besser wäre als das, was wir haben, und wir wollen es haben. Drum suchen wir den Weg.

Nur: Gab es nicht auch schon Dinge, die wir unbedingt haben wollten und dann merkten, dass sie eigentlich gar nicht so toll sind? Der Traummann hatte Fehler, der Hund war im kalten Regenwetter nicht wirklich toll und auch der teure Wein gab Kopfweh (zumindest wenn das letzte Glas das eine zu viel war).

Was also tun? Keine Ziele mehr haben? Sich nicht mehr entscheiden? Die „Ist-eh-alles-egal-und-ich-habe-keinen-Bock-auf-nix“-Stimmung einnehmen? Nichts von alledem! Das Leben bringt uns immer wieder an neue Kreuzungen und wir müssen uns entscheiden. Wir tun das nach dem Wissen, das wir halt eben haben. Nur weil wir nicht da landeten, wo wir hin wollten, heisst es nicht, dass die Entscheidung per se ein Fehler war, es heisst auch nicht, dass der Weg, für den wir uns entschieden haben, falsch war. Zwar führte er nicht dahin, wo wir hin wollten, aber wer weiss heute schon, wozu das gut ist?

Irgendwann werden wir an einem Punkt stehen und denken: Es ist alles prima, wie es ist. Und wir werden uns sagen: Ja, alles, was ich tat, auch das, was ich eigentlich anders geplant hatte, hat mich genau hier hin geführt. Ich will nicht verschweigen, dass es dazwischen auch ganz viele Momente gibt, in denen wir jammern, heulen, mit den Füssen stampfen und den Fäusten auf den Tisch hauen und finden, dass alles absolut doof und das Leben ebenso sei. Aber: Die andern Momente kommen. Ganz bestimmt. Und dann werden wir wissen: Alles ist gut. Alles musste genau so sein. Weil wir es uns so erklären. Denn:

 Verstehen kann man das Leben nur rückwärts. Leben muss man es vorwärts.

Das sagte schon Herr Kierkegaard. Was er damit meint, ist nicht, dass wir dann alles verstehen – so wirklich -, sondern dass wir es uns zurecht legen. Das macht uns das Leben erklärbar. Und damit ertragbar. Und irgendwie hat es auch was. Denn: Schlussendlich ist wohl alles immer gut – irgendwie. Man muss dabei nur das Gute sehen und den Rest einfach mitnehmen, weil er schlicht mit dazu gehört.

Drum: Entscheidungen sind nicht Fehler. Sie sind Lebensnotwendigkeiten, da sonst das Leben still stünde. Man kommt nicht immer dahin, wo man hin will, aber man kommt immer weiter. Und dann gilt es, das Beste aus allem zu machen.

Patchwork

Früher hatte man ja nix. Man musste also Dinge wiederverwenden. Drum nähte man neue Decken aus alten Stoffen. Bettlaken, Duvets und vieles mehr kam zu neuen Ehren. Heute muss man das nicht mehr. Dank armen Kindern irgendwo in Neu Delhi kann man eine Decke schon für Spottpreise kaufen. Das ist günstiger, als sich eine Nähmaschine zu kaufen, mit der man alte Stoffen zu neuem Ruhm führen könnte. Was man mit Stoff nicht mehr kann, macht man mit Menschen.

Waren früher Ehen (oft der Umstände wegen) für die Ewigkeit geschlossen, sind es heute zumeist Interimszustände. Schwierig daran ist meist, dass das Auseinanderdriften durch im Interim produzierten Nachwuchs erschwert wird. Nicht nur streiten sich die nicht mehr miteinander Wollenden oder Könnenden um die Modalitäten, es treten über kurz oder lang neue Menschen in ihr Leben, die selber auch ihre Altlasten mit sich tragen. So fügt man dann zusammen, was schon mal gebraucht war, um es neu zu vernähen.

Und man denkt es sich schön und hat im Kopf auch alles schön geordnet, bis einen der Alltag einholt. Der Alltag bringt es so mit sich, dass Termine von 2 Menschen schon oft schwer zu vereinbaren sind. Hat man noch Kinder, kommen die dazu – eigene Interessen, Schulaufgaben, Freunde, Schulausflüge, keine Lust, doch mal Lust, etc. Kommen noch Elternteile ausserhalb des neuen Patchworkgebildes hinzu, wird die Organisation vergleichbar mit der eines mittelgrossen Unternehmens. Erschwerend kommen dann noch die Emotionen der einzelnen Beteiligten hinzu und schon ist die – ich wollte schon sagen „Kacke am dampfen“, aber das sagt man natürlich nicht – Sache kompliziert.

Ich kauf mir mal ne Nähmaschine… Stoff erscheint mir irgendwie einfacher zu verarbeiten als Menschen. Wenn das meine Handarbeitslehrerin liest, kriegt sie einen Lachkrampf… (die erste Decke stelle ich dann bei Instagram rein J )

Das Leben wagen

Mein Leben als Rosamunde-Pilcher-Film

Ich oute mich: Ich liebe Rosamunde Pilcher. Nicht die Bücher, die würde ich kaum lesen, ich liebe die Filme. Ich liebe es, mich vor den Fernseher zu legen und in diese Welt einzutauchen, die von schönen Bildern, wundervollen Landschaften, altvertrauten Schauspielern und dem ewig gleichen Lebensmuster geprägt sind. Ich liebe es, schon am Anfang zu wissen, wie es enden wird, und nie enttäuscht zu werden. Das ist ein Stück heile Welt, die trotz Höhen und Tiefen immer sicher ist, weil sie absehbar ist. Diese Absehbarkeit allein ist schon irgendwie beruhigend, dass es dabei immer auf das Gute hinausläuft, macht es umso besser.

Und ja, ich gestehe es: Ich würde gerne in einem Rosamunde-Pilcher-Film leben. Langweilig? Das würde heissen, dass man den Kitzel braucht, dass etwas in die Hose gehen kann, um im Leben Salz in der Suppe zu haben. Es ist ja nicht mal so, dass alles reibungslos läuft in den Filmen, es gibt immer Intrigen, immer Krisen. Aber: Sie lösen sich auf und am Schluss strahlen alle, mit denen man gehofft hat, und all die, welche falsches Spiel spielen, sind entlarvt und schauen in die Röhre. Und ich sitze vor dem Fernseher und strahle glücklich vor mich hin. Frau fühlt ja mit.

Leider ist das Leben kein Pilcher-Film. Leider wissen wir nicht, wie es ausgeht und können nicht drauf bauen, dass etwas so kommt, wie wir uns das wünschen. Das bringt Unsicherheiten mit sich und diese schüren Ängste. Angst ist nie ein guter Ratgeber und sie bewirkt selten etwas Gutes. Meist ist sie unbegründet oder baut auf Ahnungen, Vorstellungen, selten auf wirkliche Fakten oder tatsächliche Gefahren. Wenn wir uns von unseren Ängsten leiten lassen, bleibt es über kurz oder lang nicht aus, dass wir anfangen, gegen alles und jedes zu kämpfen, weil überall Gefahren lauern. Menschen können einen verletzen, Projekte können scheitern, Ziele können unerreichbar sein. Und weil dem so ist, wagen wir es nicht mal. Und noch schlimmer: Wir sehen überall Gründe oder Feinde, die uns im Weg sind, die mithelfen, dass wir scheitern (wobei wir noch nicht mal gescheitert sind, wir sind nicht mal losgegangen aus der Angst heraus, der Weg könnte abrupt enden).

Heute las ich einen Spruch:

Die Zuversicht springt über den Schatten der Angst. (Ernst Ferstl)

Im wahren Leben ist es leider so, dass man nicht immer schon weiss, ob man den Mann schlussendlich kriegt, ob man die Prüfung besteht, die eigenen Ziele erreicht. Man kann es sich wünschen, aber ein Risiko bleibt. Beziehungen scheitern, Prüfungen sind immer auch ein bisschen Glück und Tagesverfassung, Wege hin zu Zielen bergen immer das Risiko von Hindernissen (von aussen wie aus einem selber). Aus diesem Grund den Weg gar nicht erst zu gehen, weil die Angst übermächtig wird, wäre schade, denn dann gibt es garantiert keinen Erfolg. Der Mann wird von einer andern weggeschnappt (und man sagt sich: „Das habe ich mir doch gleich gedacht!“), die Prüfung ist nicht bestanden („Gut habe ich es gar nicht erst versucht!“) und das Ziel bleibt in weiter Ferne („Das hätte ich eh nie erreicht!“). Nur innerlich brodeln auch die Zweifel, die an einem selber: „Wäre es nicht doch möglich gewesen?“ „Habe ich nicht vielleicht einen Fehler gemacht?“

Auf diese Zweifel gibt es keine positive Antwort, denn: Sie sind absolut richtig. Niemand anders ist schuld, dass es nicht geklappt hat, als man selber. Dabei ist nicht gesagt, dass es geklappt hätte, aber die Chance wäre ungleich höher gewesen. Und wer weiss: Vielleicht hätte man bei diesem Versuch auch gemerkt, dass der Mann gar nicht passt, die Prüfung nicht so wichtig und das Ziel nicht das richtige ist. Sogar das wäre ein Happy End, denn zu wissen, was nicht passt, weil man es selber herausfand, ist immer ein Schritt nach vorne.

Wenn es aber doch klappt, dann – ja dann – haben wir es, das:

HAPPY END

Und dann ist das Leben für einen Moment fast wie ein Pilcher-Film. Ich hol’ schon mal das Taschentuch für die Tränchen der Rührung.