Statt um etwas zu trauern, das nicht wie geplant klappt, könnte man darauf vertrauen, dass etwas nachkommt, das besser passt.
Schlagwort: Leben.
Apfelringe – oder: Meine Zähne – oder: Gesund essen
Ich komme ja langsam in ein Alter (hüstel), in dem man schauen muss, was man tut, um gesund zu bleiben. Das war in ganz jungen Jahren (hüstel) noch nicht so wichtig (ok, wäre es auch gewesen, wurde aber erfolgreich ignoriert und dies hatte keine offensichtlichen Auswirkungen), sollte nun aber in Angriff genommen werden. Frau will ja noch ein Weilchen leben und dabei nicht aussehen, als ob sie schon eine ganze Weile gelebt hätte.
Ich kaufte mir also Apfelringe. Die sind quasi wie Pommes Chips (steckt ja sogar Apfel im Nahmen drin), nur in gesund. Dachte ich. So als Knabberspass für zwischendurch also die perfekte Lösung. Davon ging ich aus. Wer hier nun mutwillig ein Aber hineinlesen will, dem sei gesagt, dass er den guten Ringen zu wenig Vertrauen schenkt und vorschnell urteilt, aber: Er hätte recht. Ein bisschen.
Ich steckte einen solchen Ring in den Mund. Es gab sie ja in verschiedenen Geschmacksvarianten, von neutral über Vanille bis hin zu Zimt. Ich wählte alle, probierte zuerst die Zimtvariation. Ich hatte ihn also im Mund, den gesunden Knabberspass mit Zimtgeschmack. Er war wirklich lecker zimtig. Ich wollte zubeissen, doch das ging nicht. Das Teil war irgendwie hartgummig von der Konsistenz. Aber lecker im Geschmack. Ich versuchte es mit lutschen, wäre doch gelacht, wenn ich den Ring nicht weich kriegte. Ich lutschte lange, der Geschmack war mittlerweile weg, wirklich beissbar war das gute Teil noch immer nicht.
Ich gab mir Mühe, mahlte, malmte, biss. Langsam spürte ich eine marginale Verkleinerung. Es waren nun zwei Teile. Mehr Geduld hatte ich nicht mehr. Ich versuchte, diese runter zu würgen. Es kratzte im Hals (also immer noch nicht weich genug), blieb mal kurz stecken, rutschte dann mit einem Schmerz runter.
Ich habe die Natur- und die Vanille-Version gleich mit dem angebrochenen Pack der Zimtäpfel entsorgt und mir das Original von Zweifel geholt. Knack, knack, knack – weg. Und lecker sind sie allemal. Gesund? So gesund kann etwas auch nicht sein, das man a) nicht beissen, b) nicht lutschen und c) nicht ohne Aufreissen der gesamten Speiseröhre schlucken kann.
Rückenschmerzen – Physiotherapie, die Erste
Claudia war brav. Sie glaubte zwar nicht wirklich an die Wirksamkeit verordneter Übungen, trotzdem machte sie einen Termin bei der Physiotherapie aus. Die vom Herrn Doktor empfohlene Physiotherapeutin war zeitnah nicht frei, ihr Mitarbeiter, Herr Bäcker aber schon. Er sei gut, wurde Claudia am Telefon versichert, er könne ihr sicher helfen. Sie hoffte es.
Der Termin kam und Claudia fuhr zum Ort des Geschehens. Kein Parkplatz weit und breit. Der einzige, den sie fand, lag so, dass sie quasi von zu Hause hätte laufen können. Nun denn. Diese Hürde nahm sie und sass alsbald wartend im entsprechenden Zimmer. Dann kam er. Er war hübsch. Wenigstens etwas. Sie folgte ihm in den Behandlungsraum, entledigte sich – der Aufforderung folgend – ihrer Kleidung und fand sich alsbald in diversen Vor- und Rückbeugen wieder. Der adrette Herr Bäcker klopfte auf Knie und Füsse, tastete Wirbel für Wirbel ab und drückte auch sonst ein wenig rum. Dann schaute er Claudia an und sagte es. Das Unwort.
„Ich zeige Ihnen eine Übung.“
Claudia sah ihn an. „Ich hatte eigentlich auf eine Massage gehofft“, sagte sie.
„Nein, es gibt keine Massage, wir machen Übungen“, sagte Herr Bäcker ernst.
Claudia versuchte ihr Glück nochmals, indem sie meinte, die kenne sie, die hülfen nix und sie hätte eigentlich auf ein wenig Spa, ein bisschen Wellness gehofft.
Der nette Bäcker lächelte breit – und er hatte ein umwerfendes Lächeln. Das half aber nicht über seine Sturheit hinweg, er wollte diese verdammte Übung und Claudia sollte sie machen.
Claudia gab nach, liess sich die Übung zeigen und machte sie pflichtschuldig nach. Sie solle eine ganz leichte Rückbeuge machen, da ihr 5. Lendenwirbel in der Beweglichkeit eingeschränkt sei, wie der gute Mann meinte. Claudia dachte an ihre täglichen Yogastellungen, die mehrfach eine um Stufen grössere Rückbeuge beinhalteten, sagte aber nichts mehr und beugte sich wie vorgezeigt leicht zurück und wieder vor, zurück und wieder vor. Das solle sie nun täglich machen. Mit der Verordnung ein breites und umwerfendes Lächeln. Claudia beschloss, zu gehorchen – zwar wenig überzeugt von der Übung, aber aus grosser Sympathie zu Herrn Bäcker heraus.
Ob es geholfen hat, so ganz wider Erwarten? Die Auflösung folgt nächstes Mal.
Rückenschmerzen, die Zweite: Dr. Frank
Wie Claudia schon erwartet hatte, waren die Rückenschmerzen auch nach zwei Wochen mit regelmässiger Medikamenteneinnahme nicht verschwunden. Im Gegenteil. Wenn sie sich bückte, ächzte sie, beim Hochkommen stöhnte sie. Das war nicht nur nicht sexy, das war vor allem kein Qualitätsmerkmal für eine Yogalehrerin. Der nächste Arztbesuch musste her. Und: Doktor Frank hatte Zeit.
Wieder machte sich Claudia auf den Weg zur Praxis, setzte sich geduldig ins Wartezimmer und sass alsbald im Stuhl vor dem Ärztepult. Doktor Frank schaute sie an, er kannte sie. Wie es ihr ginge, fragte er. Claudia fühlte sich wahrgenommen, ganz anders als beim Kollegen, dessen Namen sie bereits verdrängte, weswegen er ihr partout nicht mehr in den Sinn kam. Egal, das war hier nicht Thema, wobei sich Claudia fragte, ob sie mal einen Neurologen beiziehen sollte wegen ihrer Vergesslichkeit – aber zuerst war nun mal der Rücken dran.
Claudia erzählte also erneut von ihren Wehwehchen und Zipperlein, erörterte ihre Schlüsse aufgrund ihrer Selbststudien und deutete vage Vermutungen in Richtung Diagnose an. Doktor Frank schaute wenig beeindruckt, wies sie dann an, nochmals alle Stellungen einzunehmen, die schon der Doktor mit dem vergessenen Namen sehen wollte, klopfte hier, drückte da… und war alsbald so klug wie sein Kollege. Da die Wunderwaffe Tabletten schon ausgeschöpft war, zückte er die nächste aus dem Ärztekittel (den er übrigens nicht trägt – Klischees sind auch nicht mehr, was sie mal waren): Physiotherapie.
Claudia schaute ihn erwartungsvoll an und fragte: Massagen? Doktor Frank schaute kurz auf, denn er suchte bereits nach dem Formular für die Verordnung, und sagte (schon wieder über die Schublade gebeugt): „Nein, Übungen.“ Mittlerweile schien er das Formular gefunden zu haben, denn er tauchte wieder aus der tiefen Verbeugung auf und sass aufrecht vor ihr. Claudia meinte schüchtern (Widerstand erschien ihr mittlerweile sinnlos): „Die kenne ich doch selber, das hilft nichts.“ Doktor Frank liess sich nicht beirren: „Die kennen andere Übungen.“ Claudia schwieg. „Für den Notfall gebe ich Ihnen nochmals die Tabletten mit, damit sie Schmerzen überbrücken können.“ Claudia nickte und versuchte, nicht zu resigniert auszusehen. „Wenn nach drei Sitzungen mit der Physio nichts besser ist, brechen wir ab und röntgen mal. Rufen Sie dann einfach an“, sagt er ihr noch.
Nachdem alle Formalitäten geklärt, das Formular den Besitzer gewechselt und noch ein paar Worte gewechselt waren, verabschiedete Dr. Frank Claudia. Sie erinnerte ihn pflichtbewusst an die Medikamente, die er noch aushändigen wollte, was er pflichtschuldig tat. Dann zottelte Claudia von dannen, um einen Termin mit der Physiotherapie auszumachen. Zwar glaubte sie nicht an Übungen, wollte aber ja brav sein und musste den von der Krankenkasse vorgesehenen Weg gehen, denn: Das Hausarztmodell schreibt vor, dass erst der Hausarzt konsultiert werden muss, der dann weiterleitet. Zweifel an der Sparsamkeit dieses Modells stiegen langsam hoch, aber das wäre eine andere Geschichte. Diese hier geht nächstes Mal weiter mit dem Besuch beim Physiotherapeuten.
Das Problem mit dem Älterwerden
Mein einziges Problem mit dem Älterwerden ist, dass ich sehe, was ich alles noch nicht weiss, und fürchte, die Zeit, es zu lernen, könnte eng werden.
Früher ging das ja auch…
Wir haben heute viele Mittel, die früher nicht da waren, allen voran die netten Gadgets wie Smartphone, iPad, Computer und dergleichen. Da wir es haben, richten wir unseren Alltag so ein, sie zu brauchen, sie einzubinden, den Alltag durch sie organisierbar zu machen. Entsprechend aufgeschmissen sind wir, fällt eines mal aus. Dann kommen die Stimmen:
Früher hatte man das alles nicht, da ging das ja auch.
Nur: Früher richtete man sich ohne diese ein, weil sie nicht waren. Drum ging es. Der Alltag funktioniert immer, weil man ihn mit dem organisiert, was da ist. Heute zu sagen, früher ging es ohne Smartphone, wirkt zwar auf den ersten Blick wie ein Totschlagargument, auf den zweiten ist es einfach doof. Glaubt man nicht?
Meine Oma wusch von Hand. Waschmaschine gab es nicht (Jahrgang 1902). Jeder, der findet, früher ging es ohne Handy, soll doch mal ein Jahr ohne Waschmaschine Wäsche waschen. Meine Oma konnte das. Du nicht?
Tja… vielleicht greift das Argument, dass es früher auch ohne ging, doch nicht so wirklich… Ich will ja nix behaupten, ich tendiere aber dazu… ziemlich stark.
Kalte Welt
Die Welt ist kalt,
die Welt lässt dich
erfrieren.
Bist du am Boden,
liegst du lang.
Achtlos gehen sie
an dir vorüber.
Kaum ein Blick
– und wenn:
Verächtlich.
Liegst du im Graben,
tritt man dich
– mit Füssen.
Man tritt auch gerne
nochmals nach
und gräbt dir dann
die Grube.
Keiner will Verlierer,
keiner will den Fall.
Augen zu,
Kopf in den Sand,
sonst spürte man
– das will man nicht:
Das könnte auch –
oh Gott bewahre –
ich sein.
Schnell verdrängt.
©Sandra Matteotti
Bewusstes Handeln – Utopie?
Und dann sind da noch die, welche dir privat schreiben auf Facebook. Die dir ja nicht sagen wollen, was du tun sollst, aber es doch ganz anders tun würden. Und das müssen sie dir nun schreiben, ohne damit zu sagen, dass sie richtig und du falsch liegst. Es brennt ihnen wohl nur auf der Seele. Und muss raus. Nur kann man ja nicht alles einfach so sagen, wie es grad brennt. Drum schiesst man voraus, dass man eigentlich nichts zu sagen hat und es einen auch nichts angeht, man aber doch mal schreiben will, weil man sich so dachte, es müsste doch mal gesagt sein.
Damit alles auch ja nicht in den falschen Hals kommt, schiebt man noch ein „Versteh mich nun bitte nicht falsch“ vor. Sollte alles also so ankommen, wie man es vielleicht sogar zwar dachte, aber nicht wollte, dass es Reaktionen mit sich bringt, hat man schon mal vorgesorgt. Man kann einfach nur noch sagen: „Das hast du gaaaaaanz falsch verstanden. Das war so niiiiiiiiie gemeint.“
Die Frage, die sich mir stellt, ist: Wenn man schon denkt, etwas könnte falsch verstanden werden, wieso formuliert man es nicht so lange um, bis es unmissverständlich ist? Wer bestimmt, was falsch verstanden und was richtig ist? Ein kluger Geist sagte mal:
Eine Aussage gehört zur Hälfte dem, der sie ausspricht, und zur Hälfte dem, der sie hört.
Dessen sollte man sich im Klaren sein, wenn man etwas sagt. Damit sind falsch oder richtig obsolet, es bleibt individuell. Wenn man also etwas sagt, muss man sich im Klaren sein, dass der andere etwas daraus macht beim Hören. Das Resultat ist vielleicht nicht gewollt, aber damit nicht falsch.
Die nächste Frage, die sich mir stellt, ist: Wieso denken ganz viele Menschen, sie wüssten besser, wie die Welt dreht, als andere das tun? Und wenn jemand denkt, dass ihn die Welt des anderen nichts angeht, wieso sagt er dann was? Und wenn er was sagen will, wieso schiebt er den ganzen Vorbau davor? Wäre die Welt nicht wunderbar, würden sich die Menschen zuerst überlegen, was sie sagen oder tun wollen, sich dann der Konsequenzen bewusst werden, um dann zu handeln (wobei auch Nicht-Handeln ein Handeln ist)?
„Absolute Beginners“
Wir alle fangen irgendwann mit etwas an. Sehen all die Grossen, die schon lange vor uns begonnen haben. Denken: Wir sind kleine Lichter, nie werden wir es dahin bringen. Nur: Jeder fing irgendwann irgendwo mit irgendwas an.
Dieses Lied war mein absoluter Anfang mit David Bowie. Ich hörte es, ich war noch jung. Sehr jung. Ich informierte mich. Internet gab es nicht. Wer war er? Wofür trat er ein? Er überzeugte mich. Er war authentisch. Folgte keinem Strom ausser dem eigenen. Nun folgte er seinem eigenen Lebensstrom. Ich bin traurig. Ich kannte ihn nicht. Und doch….
Möge er mit Major Tom durchs Universum fliegen – und glücklich sein. Ich geh ne Runde weinen. Und höre seine Musik. Krebs ist scheisse. Man möge mir den Ausdruck verzeihen.
Gestern – Morgen – Heute
Hier sitze ich, habe eine ganze Serie von Liebesschnulzen hinter mir, bin also eher rührselig und denke: Das ist die richtige Stimmung für Rück- und Ausblick.
Der Rückblick lässt sich relativ einfach zusammenfassen: Es war ein schwieriges Jahr. Es war ein Jahr voller Brüche, Hindernisse, Neuorientierungen. Das machte es zu einem spannenden Jahr mit vielen Highlights, vielen Erkenntnissen, aber auch zu einem Jahr mit Tiefschlägen, Tiefgängen und Trauertälern. Den tiefsten Graben durchschritt ich wohl grad kurz vor Schluss, zum Glück bewahrheitete sich der Spruch:
Wenn irgendwo eine Tür zufällt, geht irgendwo ein Fenster auf.
Das Fenster hat sich aufgetan, als ich ganz dringend Licht suchte in all der dominanten Dunkelheit. Ein neues Projekt kam mir praktisch ins Haus geschneit, eines, wie ich es mir seit Jahren gewünscht hatte. Auch kristalisierte sich mein Weg sonst klarer heraus, so dass der Ausblick auf das neue Jahr ein hoffnungsvoller, ein freudiger ist: Er steht unter dem Motto
Follow your bliss
Das versuchte ich immer, mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Allerdings ist zu sagen: Auch die Nicht-Erfolge brachten mich weiter. Im Nachhinein. Ich wäre nie da, wo ich nun bin, wären sie nicht gewesen. Trotzdem hätte ich manchen Tiefschlag gerne übergangen. Aber nun denn: Ich bin dankbar für das, was ist.
Und so sind wir nach Rück- und Ausblick bei dem angelangt, was wirklich zählt im Leben: Das Hier und Jetzt. Alles, was war, ist vorbei. Ich kann drauf schauen, kann sehen, wohin es führte, nämlich ins Jetzt, aber es ist vorbei. Egal ob gut oder schlecht – es ist vorbei. Alles, was kommt, sind Pläne, Ziele, Wünsche, Hoffnungen. Sie sind realistisch – mal mehr, mal weniger – aber nicht da. Leben tu ich heute. Und dieses Heute ist reich an Gefühlen. Heute überwiegt bei mir die Dankbarkeit – für das, was ist, für das, was dahin führte, für das, wohin es deutet. Zuerst aber dafür, was ist.
An dieser Stelle ein ganz grosses Dankeschön an alle, die hier auf Denkzeiten mitlasen, mitdachten, mitdiskutierten. Ich habe von vielen Gedanken, Einwänden, Kommentaren gelernt, mich über sie gefreut, aus ihnen auch Kraft geschöpft.
Danke!
Wer braucht mich eigentlich?
Es gab mal eine Zeit, da studierte ich. Und weil ich keine reichen Eltern hatte, musste ich arbeiten, um mir das Studium zu finanzieren. Das Studium dauerte dadurch etwas lange, denn ich musste mir nicht nur Studiengebühren finanzieren, sondern auch eine Wohnung in Zürich, Essen, Versicherungen (ohne geht gar nicht, sagte meine Mama, ihres Zeichens Versicherungsfachfrau), Krankenkassen (damals sicher günstiger als heute, aber immer noch teuer, wenn man nix hat) und so vieles mehr.
Wenn ich mich beworben habe, kriegte ich die Stelle ziemlich sicher. Ich arbeitete in Gasthöfen (servierte Essen), in Pubs (zapfte Bier, spielte Seelentröster und machte Stimmung), bei Heizöl-Riesen (pflegte die Datenbanken und fungierte als Poweruser und Instructor für neue Programme), als EDV-Lehrer (brachte Kindern und Grosis die Grundlagen bei, anderen Zertifikatskurse), bei Zeitungen und Zeitschriften als Freischaffende (ständig auf Achse, teilweise Seiten füllend), in Banken als EDV-Sachbearbeiterin (bastelte und pflegte Datenbanken) und in Anwaltskanzleien (tippte als Assistentin und recherchierte als Paralegal). Das alles als junge Frau, nach der Matur, mitten im Studium.
Heute bin ich nicht mehr ganz so jung, kann sicher mehr als dann, habe mehr erfahren, mehr erlebt und gelernt, bin gewachsen. Und genau das scheint mir zum Verhängnis geworden zu sein. Keiner will mehr eine promovierte Frau im besten (ich sag das mal, an irgendwas muss man sich ja halten) Alter einstellen, die noch dazu einen Titel hat. Gründe (wirkliche) kommen kaum. Wenn überhaupt eine Absage kommt, heisst es: „Besser geeignet“ (worauf fusst das? Häkchen beim Anforderungsprofil?).
So oft heisst es, dass Steuergelder verschwendet werden für Nonsense. Ich habe studiert. Das kostete den Steuerzahler. Ich würde nun gerne arbeiten und mein Wissen, mein Können, meine Fähigkeiten einsetzen. Ich beherrsche Apple und Windows, ich kann mich ausdrücken, habe Weiterbilldungen in Projektmanagement, kann mit Menschen, will mit Menschen. Aber das will keiner haben. Klar kann ich weiter selbständig wursteln. Das funktioniert. Ich weiss aber nur zu gut, dass es das nicht bei jedem tut und ich für mich hätte es gerne anders. Woran liegt es?
Bin ich ein Mensch, den die (Arbeits-)Welt nicht braucht? Wer braucht mich überhaupt? Klar, mein Sohn. Mein Hund auch. Die Katzen würden es nicht zugeben (ok, eigentlich schon), aber auch sie. Nur die Welt da draussen, die braucht mich nicht.
Das klingt autobiographisch? Das mag es sein (Stellenangebote gerne an mich direkt). Aber es trifft auf ganz viele zu.
Vorwärts
Als ich dachte,
es geht nicht,
war ich zu feige?
War es die Angst,
die mich zurückhielt,
oder hatte ich Gründe,
es nicht zu tun?
Als ich Gründe fand,
waren sie real?
Unumstösslich gar?
Waren es Hindernisse,
unüberwindbare,
oder einfach nur
vorgeschobene?
Als ich nachforschte,
was es war,
hätte ich umkehren können?
Müssen gar?
Oder war es schon zu spät?
Wie lange gibt es
ein Zurück?
Als ich nicht umdrehte,
handelte ich richtig?
Weil die Angst,
selbst wenn sie erkannt ist,
nicht einfach geht,
sondern bleibt,
und zermürbt?
Als ich hinterfragte,
hatte das überhaupt einen Sinn?
Oder nimmt das Leben,
wie es auch gelebt wird,
seinen Lauf,
immer vorwärts,
nie zurück?
Ich wünsche mir
Manchmal wünsche ich mir
die Leichtigkeit im Leben zurück.
Ich wünsche mir,
unbeschwert durchs Leben zu gehen,
möchte lachen,
tanzen und singen,
nur tun,
was das Herz begehrt.
Manchmal wünsche ich mir,
das Schwere würde wegfallen.
All die Pflichten,
all die Zwänge und Ketten.
Ich möchte durch Wälder streifen,
in Blumenwiesen liegen,
die Freiheit spüren,
für immer.
Manchmal wünsche ich mir,
die Welt stünde still,
es gäbe nichts,
dem ich hinterher rennen müsste.
Nichts, das eilt,
das drängt oder fordert.
Ich möchte sein,
nur einen Moment.
Manchmal wünsche ich mir
die Leichtigkeit im Leben zurück.
Ich wünsche mir,
dass die Gedanken nicht mehr drehen,
die Zweifel verschwinden,
die Fragen schweigen.
Ich möchte einfach nur
atmen und sein.
Ethik am Arbeitsplatz oder bloss gut klingende Worte?
Nehmen wir die Firma XXX. Sie baut Stellen ab und Manager Heinz muss das umsetzen. Er muss also dahin gehen und Menschen entlassen. Er muss ihnen sagen, dass es für sie keine Stelle mehr gibt in dem Unternehmen, weil dieses sparen muss. Zwar schreibt das Unternehmen schwarze Zahlen und verzeichnet Gewinne, aber: Um die zu sichern, müssen Einsparungen her. Köpfe müssen rollen. Was ist Manager Heinz für ein Mensch? Ein skrupelloser? Ein böser? Einer, der eigentlich lügt, da der Kopf (und der Kopf ist nicht bloss ein Kopf, es ist ein Mensch, der die Stelle braucht, um zu überleben, es ist ein Mensch, der unter Umständen zu Hause eine Familie hat, die angewiesen ist auf ihn und darauf, dass er diese Stelle hat) grundsätzlich gar nicht rollen müsste, sondern es nur tut, weil gewisse Firmen ihren Ertrag über alles stellen.
Kürzlich diskutierte ich mit einem Bekannten über die heutige Arbeitswelt und darüber, dass die Bedingungen in dieser immer härter würden. Mein Bekannter sagte mit Inbrunst in der Stimme „Ich würde nie Manager werden können.“ Ich fragte ihn, ob er das auch noch sagen würde, wenn er die Wahl hätte, arbeitslos zu werden und somit seine Familie nicht mehr ernähren zu können. Er antwortete mit ja.
Ich schaute ihn an und fragte wieso. Die Begründung war: „Dazu muss man skrupellos sein.“ (Ok, er sagte „ein Arschloch). „Als Manager musst du Menschen anlügen, du musst sie entlassen, ihnen bis dahin das Blaue vom Himmel versprechen, wenn es der Firma dient. Das kann und will ich nicht. Ich lüge nicht.“
Meine Frage, ob er noch nie gelogen hätte. Ob er vor allem seine Familie, seine Frau noch nie angelogen hätte, liess er im Raum stehen und fand, dass ihm Ethik wichtig sei. Er könne nicht Menschen einfach anlügen, nur um selber eine bessere Position zu haben. Nun ehrt ihn dies sicherlich, doch frage ich mich folgendes:
Bringt man es wirklich nur als skrupelloser Mensch in höhere Positionen? Ist der Weg wirklich immer nur mit Lügen gepflastert? Gibt es in all den Managerreihen nur Arschlöcher und keine Menschen mit Herz und Mitgefühl? Ich kann es kaum glauben, aber weiter: Wenn es so wäre und man diese Reihen aus diesem Grund auch den Arschlöchern überlässt, statt sie selber auszufüllen und nach bestem Wissen und Gewissen zu handeln, ist man dann nicht selber schuld, wenn es eben gerade so ist, dass nur die dort sitzen (und damit das Managerbild überhaupt zeichnen)? Irgendwer wird die Aufgabe übernehmen, wem also tut man einen Dienst, wenn man sich selber mit solchen Argumenten davon distanziert?
Ich bin mir bewusst, dass man mit dem Argument „wenn ich es nicht tue, tut es ein anderer“ nicht alles rechtfertigen kann, aber wenn etwas getan werden muss, weil es keine Alternative gibt, dann ist es sicher zumindest bedenkenswert. Und zu guter Letzt die Frage: Der ethische Bekannte stellt das Wohl fremder Menschen mit seiner Entscheidung über das Wohl seiner eigenen Familie, in welcher er eine Rolle übernommen hat. Er will anderen Menschen nicht die Stelle kündigen, weil die daran hängen, ihre Familien an ihnen hängen, würde es aber selber in Kauf nehmen – um das nicht tun zu müssen. Ist das Ethik? Oder ist es einfach selbstherrliches Märtyrertum, das gut klingt? Oder etwas Drittes?
Von Sofamotzern und anderen Querulanten
Einer meiner Freunde teilte einen Beitrag eines Vaters, der mit seinem Sohn im Baumarkt war und beim Rauskommen merkte: Das geliebte Like-a-bike des Sohns war weg…
Was mir aufstiess? Es wurde in den Kommentaren nicht gegen den Dieb geschossen, sondern gegen den Vater. Dieser hatte zwar weder eine Anzeige gemacht, sondern nur die Rückgabe (sogar gegen Entgelt) gewünscht, und auch sonst keine wirklich bösen Worte gefunden, aber: Er hatte das Bike nicht abgeschlossen, mit dem Nennen des Markennamens Werbung gemacht und noch vieles mehr. Vom heimischen Sofa wurde geurteilt und geschossen.
Ich lese das oft in letzter Zeit. Wenn jemand ein Unrecht aufzeigt, wird das Unrecht zwar nicht negiert, aber gleich der Aufzeigende beschossen. Er zeige nur auf, täte aber nichts. Das Urteil ist zwar nicht fundiert, nur angenommen, aber es kommt als Angriff daher. Die eigenen Taten des Angreifers bleiben aussen vor, dass er nicht mal auf das Unrecht hinwies war wohl nicht nur Bequemlichkeit oder Ignoranz, sondern sicherlich einem guten Grund geschuldet. Aber:
Schon das Hinschauen ist eine Haltung. Aus dem Hinschauen können mehr Hinschauende gewonnen werden, daraus eine Handlungsabsicht und daraus eine Handlung. Irgendwo muss man mal anfangen. Wenn aber schon der Anfang belächelt, verurteilt und abgeputzt wird, sind wir bald da, wo alles sang- und klanglos durch geht. Weil die, welche an allem was rumzumeckern haben, das Terrain geebnet haben.