Von Büchern, Bildern und der Freude am Entdecken

Nun bin ich wieder da. Die Pause war lang und sie hat gut getan. Wie es Pausen oft so mit sich bringen, hatte ich Zeit, zu überlegen, Zeit, einfach zu sein und zu sehen, was sich entwickelt. Und so wird es künftig ein wenig anders weitergehen als die letzten Monate. Das habe ich mal in Worte gegossen:

Bücher begleiten mich, seit ich denken kann. Schon als Kind konnte ich stundenlang in Geschichten versinken, mit ihren Figuren leben, fremde Welten entdecken und für eine Weile alles um mich herum vergessen. Später kamen die grossen Werke der Literatur, das Studium der Germanistik und der Philosophie, das eigene Schreiben. Sprache, Geschichten und Gedanken waren über viele Jahre ein wesentlicher Teil meines Lebens.

Irgendwann kam mir die Freude am Lesen abhanden „wie andern Leuten ein Stock oder Hut“, wie Erich Kästner so schön schrieb. Was früher selbstverständlich gewesen war, fiel mir zunehmend schwer. Bücher blieben nach wenigen Seiten liegen, selbst solche, die mich einst begeistert hatten. Vielleicht war aus der Lust am Lesen über die Jahre zu sehr ein Anspruch geworden. Literatur wollte verstanden, durchdrungen, analysiert werden. Dabei hatte ich sie doch einmal vor allem geliebt, weil ich in ihr versinken, mich auch mal in sie flüchten konnte.

Inzwischen habe ich diese Freude wiedergefunden. Nicht als die Leserin, die ich früher war und die ein Buch nach dem anderen verschlang. Ich lese mit einer neuen Gelassenheit. Ich lese, was mich neugierig macht, was mich fesselt, berührt oder zum Lachen bringt. Ob Klassiker oder Gegenwartsliteratur, ob hochgelobt oder längst vergessen, spielt keine Rolle, ich muss nichts gelesen haben, nur weil man es gelesen haben sollte. Und bei etwas halte ich es mit Nabokov: Ein Buch muss nicht bis zum Ende gelesen werden. Vielleicht ist für mich die Geschichte erzählt, bevor der Autor dasselbe befand.

Was mich an Literatur fasziniert, ist diese wunderbare Möglichkeit, in andere Welten einzutauchen und dabei immer auch etwas von der eigenen zu entdecken. Wir begegnen fremden Menschen, anderen Zeiten und Lebensentwürfen und finden darin doch Fragen, Sehnsüchte und Erfahrungen wieder, die uns vertraut sind.

Darüber möchte ich auf Denkzeiten schreiben. Keine klassischen Rezensionen, keine literaturwissenschaftlichen Analysen. Davon hatte ich in meinem Leben genug. Mich interessieren persönliche Leseeindrücke: Was bleibt von einem Buch? Welche Figur geht mir nicht aus dem Kopf? Welcher Gedanke lässt mich schmunzeln, welcher widersprechen? Und weshalb berührt mich eine Geschichte, während eine andere mich völlig kaltlässt?

Neben der Literatur gehört meine grosse Leidenschaft heute der Fotografie. Sie ist mein wichtigster künstlerischer Ausdruck geworden. Mit der Kamera gehe ich auf Entdeckungsreise, suche nach Licht, Formen, kleinen Gesten und dem Unscheinbaren, das sich oft erst beim genauen Hinsehen offenbart. Vielleicht haben Lesen und Fotografieren mehr gemeinsam, als man zunächst denkt. Beide verändern den Blick. Beide lassen uns Dinge entdecken, die uns sonst entgangen wären.

Meine fotografischen Arbeiten haben auf meiner Fotoseite www.sandravonsiebenthal.com ihren eigenen Raum. Hier auf Denkzeiten stehen die Bücher, die Geschichten und die Freude an der Sprache im Mittelpunkt. Und vielleicht gesellen sich hin und wieder kleine Beobachtungen, Anekdoten oder Gedanken aus dem Alltag dazu.

Ich weiss nicht, wohin sich diese Seite entwickeln wird. Das muss ich auch nicht. Ich möchte lesen, schreiben, erzählen und mich mit Menschen austauschen, die ebenfalls Freude an Büchern und Geschichten haben.


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6 Kommentare zu „Von Büchern, Bildern und der Freude am Entdecken“

  1. Schön. Tönt wie: Aus Denkzeiten werden Denk- und Fühlzeiten. Und wer weiss — vielleicht gibts auch wieder etwas aus dem Skizzenblock dazu? HerzlichElvira, die dich vermisst hat 

    Von unterweex gesendet

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    1. Liebe Elvira, wie schön, von dir zu lesen. Ganz lieben Dank für deine lieben Worte, sie freuen mich sehr. Und ja, mehr leben, mehr fühlen, weniger denken, weniger Druck. So möchte ich es angehen. Liebe Grüsse zu dir, Sandra

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  2. Das klingt nach einem großartigen Plan. Schön, dass du zurück bist! Ich bin sehr gespannt, was du so alles ausgraben wirst – und ob ich es kenne oder kennenlernen möchte. 😉👍
    Morgenkaffeegrüße ⛅🎶🛋️☕

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