Eine wettertechnisch sehr graue Woche neigt sich dem Ende zu, ich freue mich aufs Wochenende, zuerst aber noch der Freitagsfüller:

  1. CoffeeHeute wird ein ruhiger Tag werden. Ich will noch einiges recherchieren für ein mögliches Projekt, ansonsten sind keine Pendenzen oder Termine da, ich kann friedlich vor mich hin arbeiten, abarbeiten, was grad noch so anliegt. Diese Tage mag ich am liebsten. Und: Es ist Freitag, sprich: Das Wochenende steht vor der Tür. Das mag ich sowieso.
  1.  Ich bin – man höre und staune – nicht gerne beim Zahnarzt. Ich hätte Anfangs August einen Termin gehabt, den hat der Zahnarzt abgesagt, nun hätte ich ihn nächste Woche – ich überlege, ob ich den absage… Es ist auch nur eine Kontrolle und ich bin so fürchterlich unlustig, hinzugehen, zumal ich eventuell – man höre und staune nochmals – nächste Woche ein paar Tage verreisen könnte (meine Reiseunfreudigkeit – was für ein Wort – ist ja mittlerweile wohl bekannt). Vermutlich haben mich Kästner und Franz Hohler animiert. Aktuell lese ich gerade Rilkes „Florenzer Tagebuch“ – da kann schon mal Fernweh aufkommen. Da ist so ein Zahnarzttermin schlicht im Weg. Und: Die Zähne sind ja im September auch noch da, die kann man auch dann noch anschauen lassen.
  1. Vor meinem Fenster herrscht, die ganze Woche schon, so auch heute, Grau in Grau. Ich sehe durch die Vorhänge nur Silhouetten eines Hauses und von Bäumen, höre kaum Vögel, ab und an ein Flugzeug am Himmel brummen. Kühl ist es auch geworden – Vorboten des Herbstes? Oder ist der schon da?
  1. Abschied tut weh. Dabei kommt es nicht drauf an, ob man sich von Menschen, Träumen oder Situationen verabschiedet: Man möchte das, was schön ist, gerne behalten. Wenn es dann geht, geht etwas von einem mit. Die eigenen Gefühle, der Teil in einem, der daran hing, geht ein bisschen kaputt. Mascha Kaleko nannte in einem ihrer wunderbaren Gedichte jeden Abschied einen kleinen Tod. Das sehe ich genauso. Der einzige Trost ist: Meist kommt etwas Neues nach. Wir müssen dem die Chance geben, genauso schön zu werden, wie es das Alte war. Erich Kästner schrieb in einem seiner Gedichte:

Muss das Alte immer erst versinken,
ehe Neues aufersteht?

Vermutlich ist das so.

  1. Es könnte sein, dass…“. oder „es wäre, wenn…“ sind Wendungen, die ich nicht mag. Ich mag keinen Konjunktiv. Ich mag auch nicht „mal versuchen“. Entweder man tut oder man lässt es. „Ich versuche es mal“ trägt schon die Hintertür zum Nichtgelingen mit sich. Klar können Dinge nicht klappen, aber das sieht man ja noch früh genug. Also macht man sie am besten mal und versucht sie nicht nur. Und: Was dann wäre, wenn etwas andere einträfe, das sieht man, wenn das andere eingetroffen ist. Alles andere ist Spekulation und blosse Plauderei.
  1. Ich mag eigentlich auch diese lautmalerischen Wendungen wie „hahaha!“, „hihihi“ und dergleichen nicht. Ab und an verwende ich sie auch, aber möglichst selten. Ich habe es mir in der Zeit angewöhnt, als ich dachte, das gehöre dazu im Internet, man „müsse“ so schreiben. Ein paar Reste sind noch davon übrig geblieben, ansonsten schreibe ich lieber wieder ganze Sätze. Was ich aber durchaus gerne mache – und darum ging es wohl hier: Lachen. Und oft auch über mich, da ich doch auch immer wieder Stoff dazu liefere. Ich kann im Einkaufszentrum stehen und vergessen haben, was ich eigentlich einkaufen wollte – dabei bin ich nur deswegen gekommen. Es gibt so Tage, an denen suche ich alles: Telefon, Schlüssel, meinen Kopf. Und dann gibt es Tage, an denen ich alles fallen lasse, das ich in die Hand nehme – zum Glück nie Dinge, die kaputt gehen, aber Kleingeld, Schlüssel – alles fällt. Und dann wären da noch Fettnäpfchen – die müssen eine magische Anziehungskraft haben. Fies eigentlich.
  1. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf einen ruhigen Abend mit einem Glas Wein, morgen habe ich geplant, neben allen Wochenenderledigungen wie putzen, einkaufen und dergleichen mit dem Hund spazieren zu gehen, zu zeichnen, zu lesen, Bücher für ein neues Thema zusammenzusuchen und dann den Tag ausklingen zu lassen. Am Sonntag möchte ich lesen, zeichnen und hoffentlich viel Ruhe haben.

Danke für die Inspiration an Barbara, die diese tolle Aktion gestartet hat. Ihr Ursprungspost: HIER

Vor einiger Zeit startete ich mit dem ersten Fragebogen von Max Frisch Fragebogen (HIER), der zweite folgte (Thema Ehe: HIER) – wir kommen zur dritten Runde, die sich um das Thema „Frau“ dreht. Das war nicht ganz einfach, da die Fragen offensichtlich aus Männerperspektive (und für Männer?) geschrieben waren. Hier ist auch wieder nur eine Auswahl aus den Fragen des Fragebogens, den ganzen findet ihr im am Schluss genannten Buch.

Fragebogen III

  1. Tun Ihnen Frauen leid?

Nicht mehr als Männer.

  1. Warum? (Warum nicht?)

Frau zu sein ist ja kein grundsätzliches Leiden.

  1. Welche Probleme löst eine gute Ehe?

Keine. Sie bringt aber keine neuen wie eine schlechte.

  1. Befremdet Sie eine kluge Lesbierin?

Herr Frisch? Was hat Intelligenz mit der sexuellen Ausrichtung zu tun? Da könnte ich auch fragen, ob jemand mit einer breiten Nase gute Romane schreiben könne. (Die breite Nase ist mir aus einer Dokumentation über Max frisch geblieben)

  1. Was bezeichnen Sie als männlich?

Eine schwierige Frage, da sie Klischees bemüht. Noch schwieriger ist, dass ich das Gefühl habe, wir leben in einer Zeit, in welcher wir nach innen und aussen mit diesen Klischees kämpfen. ich gehöre noch zur Generation, welcher die Märchen mit schönen Prinzessinnen und rettenden Prinzen vorgelesen wurden, die aber dann lernte, dass Frauen nun keine Prinzessinnen mehr seien, sondern sich selber retten. Da ich von klein an sowieso eher der Cowboy-Typ als das Prinzessinnen-Mädchen war, kam mir das sehr gelegen, nur so ab und an, tief drin, gab es schon Momente, wo so ein rettender Prinz durchaus romantisch gewesen wäre. Selbst wenn er nicht auf dem schnaubenden Rappen dahergeritten käme und auch nicht retten würde, nur ein wenig romantischer Prinz wäre. Wobei ich ehrlich gestehen muss, dass ich – wäre das wirklich eingetreten – wohl eher peinlich berührt oder aber amüsiert gewesen wäre als romantisch erobert. Was also ist männlich? Ich belasse es dabei: Jeder Mensch, der sich durch seine biologischen Anlagen und/oder sein Selbstgefühl als Mann fühlt, ist auf seine Weise männlich.

  1. Wer hat den Kastrationskomplex erfunden?

Siegmund Freud. Er ging davon aus, dass kleine Kinder den Penis als Normalfall anschauen, so dass Mädchen in der Folge einen Peniskomplex entwickeln (weil sie keinen haben) und Jungs einen Kastrationskomplex (weil sie denken, bei den Mädchen sei ihrer durch Kastration verloren gegangen, und das nun auch fürchten). Arme, kranke Welt, alle leiden an Komplexen.

  1. Lernen Sie von einer Liebesbeziehung für die nächste?

Ich glaube, das kann man gar nicht. Man kann sicher gewisse Dinge über sich lernen, das tut man aber immer, nicht nur von Beziehung zu Beziehung, sondern auch innerhalb von Beziehungen. Schlussendlich ist eine Beziehung auch immer ein Zusammenspiel zweier Menschen. Was in einer Beziehung klappt, kann in der nächsten Beziehung harzen, und umgekehrt. So kann man nur immer in der aktuellen Beziehung sehen, was Sache ist, und dann besten Falls in der Beziehung selber lernen, das Beste draus zu machen.

  1. Möchten Sie Ihre Frau sein?

Nein – und auch nicht mein Mann.

  1. Was bewundern Sie an Frauen?

Nichts grundsätzlich. Es gibt einige Frauen, die ich achte für das, was sie machten, nicht aber für ihr Frausein per se.

  1. Warum müssen wir die Frauen nicht verstehen?

Es ist schon viel, wenn jeder sich selber versteht. Wenn er noch sein Gegenüber versteht, ist das wunderbar. Schon das halte ich für quasi unmöglich. Was ich aber sicher denke: Es gibt weder DIE Frauen noch DIE Männer. Und was es nicht gibt, kann man nicht verstehen.

Vielleicht regen euch die Fragen ja auch an? Wenn ihr mitmachen wollt, würde ich mich sehr freuen, wenn ihr mir den Link zu eurem Beitrag in den Kommentar schreibt und/oder diesen Beitrag hier bei euch verlinkt. #FrischsFragebogen

Zum Autor
Max Frisch
Max Frisch (1911-1991), einer der bedeutendsten deutschsprachigen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, konnte nicht nur mit dem Wort etwas erschaffen: Er arbeitete auch erfolgreich als Architekt. Über journalistische Arbeiten und erste literarische Versuche fand er schließlich seinen eigenen Stil als Autor. In seinen Essays, Erzählungen, Hörspielen, Dramen und Romanen war er nicht nur ein großer Literat, sondern auch ein streitbarer Humanist. Sein kritischer Geist rieb sich an seiner Schweizer Heimat ebenso wie an Demagogen in aller Welt – um doch anlässlich seines 75. Geburtstags ernüchtert festzustellen: „Am Ende der Aufklärung steht das goldene Kalb.“ Bekannt wurde er u. a. mit den Romanen „Stiller“, „Homo Faber“ und „Sein Name sei Gantenbein“ sowie Theaterstücken wie „Andorra“ und „Triptychon“.

Angaben zum Buch:
FrischFragebogenTaschenbuch: 96 Seiten
Verlag: Suhrkamp Verlag (24. August 1998)
ISBN: 978-3518394526
Preis: EUR 6 / CHF 9.90

Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u.a. bei AMAZON.DE oder BOOKS.CH

FrischFragebogenVor einiger Zeit startete ich mit dem ersten Fragebogen von Max Frisch Fragebogen (HIER) Ich kündigte damals an, dass ich mir in unregelmässigen Abständen ausgewählte Fragen weiterer Fragebogen vornehme – heute kommen wir also zum zweiten Fragebogen. Er fiel mir schwerer als der erste, da ich die Fragen vielfach merkwürdig fand und das Thema an sich auch keines ist, das mich wirklich tief interessiert (obwohl ich eine Zeit lang sehr gerne Hochzeitssendungen schaute, was aber mehr mit der Zeremonie als mit der Institution zu tun hatte):

Fragebogen II

  1. Ist die Ehe für Sie noch ein Problem?

Nicht grundsätzlich. Einerseits erachte ich die Ehe als eine sinnvolle rechtliche Institution, die gewisse Dinge für die beiden Vertragspartner regelt. Des Weiteren hat die Ehe durchaus einen ideellen Wert für gewisse Menschen als Zeichen der Zusammengehörigkeit, als Bund vor Staat oder auch Kirche. Ich mag Hochzeiten und ich mag den Gedanken, dass zwei Menschen einen Weg miteinander gehen. Klar kann man sagen, das ginge auch ohne Trauschein – aber es geht auch mit. Jeder muss für sich selber entscheiden, welche Variante ihm besser zusagt – mit allen Konsequenzen.

    1. Was haben Sie andern öfter geraten:
      a) dass sie sich trennen?
      b) dass sie sich nicht trennen?

Ich halte wenig von solchen Ratschlägen, da schlussendlich der andere sein Leben leben muss. Wenn ich ihm raten würde, sich zu trennen, ist er nachher allein und muss damit umgehen. Klar kann ich für mich denken, dass ich mich in der Situation trennen würde (wobei ich nicht weiss, ob ich es auch wirklich täte, wenn ich in der Situation wäre – es ist also reine Spekulation). Ich kann dem anderen zuhören, kann versuchen, ihm zu helfen, eine für ihn gute Entscheidung zu treffen und ihn dann darin unterstützen. Alles andere ist in meinen Augen nicht angebracht.

  1. Welche Probleme löst eine gute Ehe?

Keine. Sie bringt aber keine neuen wie eine schlechte.

  1. Wie erklären Sie es sich, dass Sie bei sich selbst oder beim Partner nach einer Schuld suchen, wenn Sie an Trennung denken?

Schon Heidegger sagte: Alles hat einen Grund. Es hilft uns, wenn wir einen Grund (mir ist das Wort lieber als Schuld, wobei ich umgangssprachlich wohl von Schuld sprechen würde, dies aber nicht im wirklichen Sinne des Wortes gemeint) für etwas haben, denn dann können wir unser Verhalten rechtfertigen und es dadurch auch vordergründig verstehen.

  1. Wenn Kinder vorhanden sind: fühlen Sie sich den Kindern gegenüber schuldig, wenn es zur Trennung kommt, d. h. glauben Sie, dass Kinder ein Anrecht haben auf unglückliche Eltern? Und wenn ja: bis zu welchem Lebensalter der Kinder?

Ich denke, Kinder verlieren immer bei Trennungen – es gibt wohl nur wenige Ausnahmen. Die Frage nach dem Anrecht auf unglückliche Eltern empfinde ich als sehr plakativ und polemisch. Glücklich ist man auch getrennt nicht zwangsläufig, dann hätten die Kinder dann also unglückliche Eltern, die obendrein noch getrennt sind. Und ja, ich fühle mich schuldig, dass ich meinem Kind keine „heile“ Familie bieten konnte, ich hätte mir das gewünscht. Ich denke, das wünschen sich wohl die meisten Eltern, wenn sie Kinder kriegen.

  1. Wenn Sie vernehmen, dass ein Partner nach der Trennung nicht aufhört, Sie zu beschuldigen: schliessen Sie daraus, dass Sie mehr geliebt worden sind, als Sie damals ahnten, oder erleichtert Sie das?

Weder noch. Ich denke, das der Grund wären noch immer vorhandene Verletzungen und Frustrationen über eine nicht erfolgreiche Ehe. Das hätte wohl wenig mit dem Grad der Liebe zu tun und wäre auch kein Grund für ein Gefühl der Erleichterung.

  1. Was pflegen Sie zu sagen, wenn es in Ihrem Freundeskreis wieder zu einer Scheidung kommt, und warum haben Sie’s bisher den Beteiligten verschwiegen?

Wohl nur, dass ich es schade und traurig finde, wenn Beziehungen zerbrechen. Für alle Beteiligten. Und: Das konnte ich ja nicht vor dem Bruch sagen.

    1. Wenn Sie die Wahl hätten zwischen einer Ehe, die als glücklich zu bezeichnen ist, und einer Inspiration, einer Intelligenz, einer Berufung usw., die das eheliche Glück möglicherweise gefährdet: was wäre Ihnen wichtiger:
      a)als Mann
      b)als Frau

Schwer zu sagen. Ich glaube, jeder wünscht sich eine glückliche Beziehung, da man aus einer solchen unglaublich viel Kraft schöpfen kann. Da Beziehungen aber doch häufig endlich sind, würde ich mich wohl für die Berufung entscheiden, da diese mir ja entspräche und wohl ein Leben lang bliebe, mir durch das Ausleben derselben auch Glück bescheren würde – und vielleicht fände sich ja ein gleich Berufener oder jemand, der mit dieser Art der Berufung leben könnte. Und sonst bliebe ich halt glücklich berufener Einzelgänger. Ich denke, das könnte mir durchaus gut liegen.

  1. Halten Sie Geheimnislosigkeit für ein Gebot der Ehe oder finden Sie, dass gerade das Geheimnis, das zwei Menschen voreinander haben, sie verbindet?

Wenn mit Geheimnis gemeint ist, man tut etwas hinter dem Rücken des anderen im Wissen, dass dieser nicht damit klar käme, im Wissen, dass man damit gemeinsame Regeln verletzt, dann erachte ich das Geheimnis als keine verbindende Angelegenheit, sondern als etwas, das tief drin trennt. Ich bin aber nicht der Meinung, dass man vor dem Partner das Innerste nach aussen drehen muss. Das hat Arthur Schnitzler in seinem Stück „Die Traumnovelle“ schön beschrieben. Der Vorsatz, dem anderen alles zu erzählen, hat das Ehepaar fast in den Abgrund geführt.

Vielleicht regen euch die Fragen ja auch an? Wenn ihr mitmachen wollt, würde ich mich sehr freuen, wenn ihr mir den Link zu eurem Beitrag in den Kommentar schreibt und/oder diesen Beitrag hier bei euch verlinkt. #FrischsFragebogen

Zum Autor
Max Frisch
Max Frisch (1911-1991), einer der bedeutendsten deutschsprachigen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, konnte nicht nur mit dem Wort etwas erschaffen: Er arbeitete auch erfolgreich als Architekt. Über journalistische Arbeiten und erste literarische Versuche fand er schließlich seinen eigenen Stil als Autor. In seinen Essays, Erzählungen, Hörspielen, Dramen und Romanen war er nicht nur ein großer Literat, sondern auch ein streitbarer Humanist. Sein kritischer Geist rieb sich an seiner Schweizer Heimat ebenso wie an Demagogen in aller Welt – um doch anlässlich seines 75. Geburtstags ernüchtert festzustellen: „Am Ende der Aufklärung steht das goldene Kalb.“ Bekannt wurde er u. a. mit den Romanen „Stiller“, „Homo Faber“ und „Sein Name sei Gantenbein“ sowie Theaterstücken wie „Andorra“ und „Triptychon“.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 96 Seiten
Verlag: Suhrkamp Verlag (24. August 1998)
ISBN: 978-3518394526
Preis: EUR 6 / CHF 9.90

Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

FrischFragebogenDas vorliegende Buch umfasst 11 Fragebogen zu Themen wie Hoffnung, Humor, Tod, Eigentum Geld und mehr. Jeder Fragebogen umfasst mehrere Fragen, die man als Leser selber durchdenken kann. Ein spannendes Buch, ein Buch, das anregt, hinterfragen lässt – sich, andere, die Welt und die Beziehungen zwischen allen.

Ich werde mir in unregelmässigen Abständen einen Fragebogen vornehmen und mich einigen Fragen daraus stellen. Die Auswahl unterliegt verschiedenen Kriterien, ein Grund ist sicher, dass der Artikel nicht ausufern soll. Wen die vollständen Fragebogen interessieren, der findet die Angaben zum Buch ganz am Schluss. Hier der erste Fragebogen:

Fragebogen I

  1. Sind Sie sicher, dass Sie die Erhaltung des Menschengeschlechts, wenn Sie und alle Ihre Bekannten nicht mehr sind, wirklich interessiert?

Nein

  1. Warum? Stichworte genügen.

Ich sehe den Menschen nicht als Gewinn für diese Welt.

  1. Möchten Sie das absolute Gedächtnis?

Nein, ich erachte Vergessen oft als Segen. Was dann wieder in die Erinnerung zurück kommt oder da geblieben ist, ist es wert, bedacht zu werden.

  1. Wie heisst der Politiker, dessen Tod durch Krankheit, Verkehrsunfall usw. Sie mit Hoffnung erfüllen könnte? Oder halten Sie keinen für unersetzbar?

Es gibt verschiedene Politiker, die ich lieber nicht mehr im Amt sehen würde, aber: Ich wünsche keinem den Tod, trotz allem, und: Ich glaube nicht, dass das viel helfen würde. Oft liegen die Probleme tiefer und es hängt nicht alles nur an einer Person, sondern auch an den Umständen, die ermöglichten, dass die Person in die Position kommen konnte.

  1. Wen, der tot ist, möchten Sie wiedersehen?

Natürlich gibt es Menschen, die mir fehlen, deren Tod schmerzte. Nur: Was würde ein Wiedersehen bringen? Ich denke, wir sollten eher so leben, dass wir wissen, dass das Leben (das eigene und das des Anderen) endlich ist und zu Lebzeiten realisieren, was möglich ist.

  1. Hätten Sie lieber einer andern Nation (Kultur) angehört und welcher?

Natürlich habe ich dann und wann was auszusetzen an meinem Land, der Kultur hier, aber ich bin grundsätzlich dankbar, in der Schweiz geboren worden zu sein.

  1. Wie alt möchten Sie werden?

So alt, dass ich noch selber denken, essen und aufs Klo gehen kann.

  1. Wenn Sie Macht hätten zu befehlen, was Ihnen heute richtig scheint, würden Sie es befehlen gegen den Widerspruch der Mehrheit? Ja oder Nein.

Nein

  1. Warum nicht, wenn es Ihnen richtig scheint?

Ich halte wenig von Alleingängen in Situationen, die für alle stimmen müssen am Schluss. Ich schätze das Leben in einer Demokratie und dazu gehört, dass man Entscheide diskutiert, abwägt, abstimmt. Klar kann es sein, dass so nicht immer die Entscheidungen gefällt werden, die man sich wünschen würde, doch ich erachte die Gefahr von Alleingängen als grösser als die Beschwernis, ab und an unliebsame Entscheide mittragen zu müssen.

Wo (diktatorische, despotische, idiotische) Alleingänge dominieren, führt das oft zu Chaos, Unterdrückung, Unglück, wie man in der Geschichte oft sah und heute leider in vielen Ländern noch sehen kann.

  1. Hassen Sie leichter ein Kollektiv oder eine bestimmte Person und hassen Sie lieber allein oder in einem Kollektiv?

Ich neige nicht zu Hass, denke aber, dass ein so starkes Gefühl ein individuelles Gefühl ist. Klar gibt es Aversionen in Ländern gegen Teile ihres Landes, einzelne Gruppierungen, oder auch gegen andere Länder. Ich würde die aber nicht als Hass bezeichnen, eher wohl als durch die Muttermilch und Kultur aufgesogene Stimmungen und Haltungen.

  1. Wenn Sie sich beiläufig vorstellen, Sie wären nicht geboren worden: beunruhigt Sie diese Vorstellung?

Nein

  1. Wenn Sie an Verstorbene denken: wünschen Sie, dass der Verstorbene zu Ihnen spricht, oder möchten Sie lieber dem Verstorbenen noch etwas sagen?

Ich hoffe und glaube, dass der Tod das Ende ist. Da spricht keiner mehr, weder ich noch andere. Irgendwann muss auch mal Ruhe sein.

  1. Gesetzt den Fall, Sie haben nie einen Menschen umgebracht: wie erklären Sie es sich, dass es dazu nie gekommen ist?

Einerseits eine zu hohe Hemmschwelle, es bewusst zu tun, andererseits das Glück, nie durch einen Unfall in die Situation gekommen zu sein.

  1. Was fehlt Ihnen zum Glück?

Das Talent dazu.

  1. Wofür sind Sie dankbar?

Dass ich bin in einem guten und sicheren Land geboren bin, dass ich einen Weg gehen konnte, wie er mir lag, und ich die Möglichkeit habe, mich mit Dingen zu beschäftigen, die mir wichtig sind. Ich bin dankbar, dass ich mich mit und durch das Schreiben täglich neu entdecken und weiter entwickeln kann, dass ich Menschen erreiche mit dem, was ich tue, und ab und an anderen eine Freude bereiten kann damit.

  1. Möchten Sie lieber gestorben sein oder noch eine Zeit leben als ein gesundes Tier? Und als welches?

Ich wäre gerne mein Hund Caruso. Wenn ich ihn so ansehe, wirkt er glücklich – und dafür bin ich dankbar.

Vielleicht regen euch die Fragen ja auch an? Wenn ihr mitmachen wollt, würde ich mich sehr freuen, wenn ihr mir den Link zu eurem Beitrag in den Kommentar schreibt und/oder diesen Beitrag hier bei euch verlinkt. #FrischsFragebogen

Zum Autor
Max Frisch
Max Frisch (1911-1991), einer der bedeutendsten deutschsprachigen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, konnte nicht nur mit dem Wort etwas erschaffen: Er arbeitete auch erfolgreich als Architekt. Über journalistische Arbeiten und erste literarische Versuche fand er schließlich seinen eigenen Stil als Autor. In seinen Essays, Erzählungen, Hörspielen, Dramen und Romanen war er nicht nur ein großer Literat, sondern auch ein streitbarer Humanist. Sein kritischer Geist rieb sich an seiner Schweizer Heimat ebenso wie an Demagogen in aller Welt – um doch anlässlich seines 75. Geburtstags ernüchtert festzustellen: „Am Ende der Aufklärung steht das goldene Kalb.“ Bekannt wurde er u. a. mit den Romanen „Stiller“, „Homo Faber“ und „Sein Name sei Gantenbein“ sowie Theaterstücken wie „Andorra“ und „Triptychon“.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 96 Seiten
Verlag: Suhrkamp Verlag (24. August 1998)
ISBN: 978-3518394526
Preis: EUR 6 / CHF 9.90

Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

Auf dem Blog Buchstabengewölk

stiess ich auf 50 Fragen, die ursprünglich auf dem Blog Piksyn

gestellt worden waren.

Da mir die Fragen gefallen, mache ich mich auch mal ans Beantworten – vielleicht gefallen sie euch ja auch und ihr macht mit?

1. Zweifelst Du manchmal daran, ob es ein Wort wirklich gibt, z. B. Sprenkel?

Ich zweifle an vielem, so auch an Worten. Wobei: Wenn das Wort dahin passt, wo ich es hinpacke, dann existiert es zumindest für den Augenblick und in dem Kontext. Ich finde das gut so.

2. Was liest Du morgens als Erstes?

Die Zeit auf dem Handy. Und wenn ich das schon in der Hand habe, schaue ich schnell bei Instagram rein. Und dann lese ich ein Gedicht – und stelle es auf Instagram, damit andere auch mitlesen können. Ich finde, den Tag mit einem Gedicht zu starten, gibt dem Tag einen guten Anfang.

3. Träumst Du horizontal oder vertikal?

Im Kreis und um die Ecke, rauf und runter, kreuz und quer.

4. Welches Lied macht für Dich die Welt groß?

Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum (Nietzsche) – Es gibt nicht das EINE Lied, es gibt Lieder für alle Lebenslagen.

5. Wen schaust Du gerne an?

Meinen Hund

6. Wer sagt, dass Du etwas machen musst?

Ich bilde mir manchmal ein, ich sei es, aber es sind die vielen kleinen Stimmen in mir, die von ganz unterschiedlichen Seiten gespeist werden: Verantwortung, Rücksicht, Pflicht, Ambitionen, Wunschvorstellungen, etc.

7. Welches war die erste Farbe, die Du gesehen hast?

Ich weiss ab und an nicht mal mehr, was ich am Vortag gegessen habe, da ist es eher illusorisch, etwas von vor 44 Jahren noch wissen zu wollen. Die Frage ist wohl nun sehr pragmatisch und wenig kreativ, aber so bin ich ab und an.

8. See oder Meer?

See – mangels Meer glücksbringender

9. Norden oder Süden?

Alles relativ

10. Wenn Du aussteigen würdest, was wäre das Letzte, was Du in Deinem jetzigen Leben tun würdest?

Die Tür hinter mir zuziehen

11. Wenn Du wählen könntest: hättest Du lieber Synästhesie und durchschnittliche Intelligenz oder einen IQ von 160?

Nur 160?

12. Lässt Du andere Menschen von Deinem Brötchen abbeißen? Und wenn es ein Döner ist?

Nein. Und nein. Und auch wenn es sonst was wäre: Nein. Ich würde aber das ganze Brötchen abgeben. Und auch sonst alles.

13. Welches war der erste Kosename, den Du bekommen hast?

Fröschli

14. Findest Du das Floskelgerüst nach Terroranschlägen beruhigend oder macht es Dich verrückt?

Weder noch, ich finde es schlicht bemühend und unnötig. Ich mag aber generell keine Floskeln und sähe ein wenig mehr Substanz – und daneben mehr Ruhe – lieber

15. Weinst Du oft?

Wenn mir danach ist

16. Fenster auf? Fenster zu?

auf – es könnte ja eine Tür zugehen

17. Magst Du mich?

Kommt drauf an, wer fragt

18. Hast Du schon mal aus Liebeskummer einen Rieseneisbecher im Bett gegessen, weil Du in einer Sitcom gesehen hast, dass man das tut, wenn man Liebeskummer hat?

Nein

19. Setzt Du Dich mit Straßenklamotten auf das Bett?

Ja

20. Was ist Dein Lieblingswort?

Caruso – weil mit Freude und Liebe verbunden

21. Wann hast Du das letzte Mal jemanden kennengelernt, mit dem oder der Du befreundet sein willst?

Letzten Donnerstag

22. Kaffee? Tee?

Beides

23. Liebst Du Dein Leben?

Es ist das einzige, das ich habe

24. Was hast Du später gelernt als andere?

Mich selber zu mögen

25. Hast Du eine persönliche Hymne?

Früher war es „I will survive“ – passt immer noch irgendwie

26. Bist Du der, der die Witze macht oder der, der den Kuchen backt?

Ich höre den anderen beim Kuchenessen beim Witze Erzählen zu.

27. Oder beides?

Ab und an auch das

28. Ist Musik für Dich die Zeitmaschine oder Duft?

Zeitmaschine

29. Wie viele Liter Wasser trinkst Du am Tag?

Ich rechne nicht

30. Was ist Deine Verlegenheitsgeste?

Nase rümpfen

31. Wie oft denkst Du, ab sofort lebe ich vegetarisch?

Habe ich schon einige Male gemacht und dann auch getan für eine Zeit

32. Stellst Du manchmal Fragen, die Du hinterher bereust?

Ja

33. Hast Du schon mal „nein“ gesagt, obwohl Du „ja“ meintest?

Ja

34. Wie oft lügst Du am Tag?

Ich versuche, so ehrlich wie möglich zu sein, ohne Menschen grundlos zu verletzen, aber…

35. Sehnst Du Dich nach dem Ende dieses Fragebogens?

Langsam sind es viele Fragen…

36. Wieviel Geld brauchst Du zum Glücklichsein?

Soviel, dass es für ein angenehmes Leben reicht

37. Hast Du manchmal einen Kloß im Hals, wenn Du Fernsehwerbung siehst?

Nein

38. Wenn Du die Zeit zurückdrehen könntest: wohin?

Nirgends – denn dann käme ja all das, was vielleicht nicht gut war und weswegen man die Zeit zurückdrehen wollte, nochmals – so hat man es hinter sich.

39. Schläfst Du mit offenem oder geschlossenem Fenster?

Offen

40. Belehrst Du andere über Rechtschreibung?

Wenn sie mich fragen

41. Hörst Du Farben?

Nein

42. Was würdest Du gerne erfinden?

Eine Gedanken-ausschalt-Maschine

43. Wie oft fehlen Dir die Worte, um jemandem etwas zu sagen?

Selten

44. Wer wärst Du gerne für einen Tag?

Ich – mich kenne ich schon einigermassen

45. Wer für ein Jahr?

Ich – mich kenne ich schon einigermassen

46. Denkst Du, man muss zu allem eine Meinung haben?

Nein

47. Wie oft kaufst Du Dir Blumen?

Selten

48. Warst Du schon einmal in New York?

„Ich war noch niemals in New York, ich war noch niemals auf Hawai, lief nie durch San Francisco in zerrissenen Jeans….“

49. Was ist spannender: die Reise nach New York oder die Reise zu sich selbst?

Eine Reise zu mir selber auf einem Trip nach New York?

50. Oder beides?

Siehe oben