Max Bronski: Der Tod bin ich

Der Sterbende schlug die Augen auf und begegnete noch einmal dem Blick seines Mörders. Dann glitt sein Kopf zur Seite und die zunehmend undeutlicher werdende Wahrnehmung verlor sich in der feinkörnigen, hellen Fläche seines Gartens wie in einer weit gestreckten Wüste.

Auf einem Hollandrad, mit Hut und Pfeife radelt der Mörder übers Land, um eine Tat zu verrichten, die ihre Ursachen in der tiefen Vergangenheit hat: Er bringt den mittlerweile pensionierten Gutsverwalter Eulmann um. Derselbe Täter fährt aufs Land und tötet auch noch eine Bauersfrau. Die einzige Verbindung zwischen den zwei Personen ist ein junger Mann, Tino Senoner, einerseits Nachfolger von Eulmann, andererseits Neffe der Bauersfrau.

Dass ein Zusammenhang zwischen den Toten besteht, welcher es ist, sieht Tino erst, als die Hinterlassenschaft Eulmanns in Händen hält und dadurch ins Jahr 1957/58 zurück versetzt wird. Eine wilde Geschichte rund um den kalten Krieg und einen jungen naiven Kernphysiker im Kreuzfeuer von Agenten verschiedener Lager und deren Druckmittel eröffnet sich und nimmt ihren Lauf.

Die anfängliche Orientierungslosigkeit Tinos schlägt auf den Leser über. Er hat am Anfang mit wirrem Hin und Her, wechselnder Erzählform (Ich-Erzähler und auktorialer Erzähler wechseln ab) und einem fehlenden Zusammenhang zu kämpfen. Nach und nach lüftet sich der verhüllende Schleier und man wird von der sichtbar werdenden Geschichte gepackt und mitgerissen, so dass man das Buch nicht mehr aus den Händen legen möchte, um zu erfahren, wie es endet.

Bronskis Geschichte hat verschiedene Ebenen und Thematiken. Sie handelt von einem Physiker, welcher seine Formeln in Musik umwandelt und die daraus entstehende Musik trifft auf die Struktur des Romans zu:

Musikalisch bildeten Petris Entwürfe ein aus den Fugen geratenes System ab, das sich selbst parodierte. Schräg und leicht dissonant, aber immer unterlegt mit einer klaren Struktur.

Hier tut sich quasi eine Metaebene im Roman auf, indem dieser als Musikstück paraphrasiert wird. Der Roman wirkt oft wie eine Parodie, ist aber trotzdem auch mit Ernst versetzt. Er ist fundiert geschrieben, hat alles, was ein Agententhriller haben muss. Es ist eine moderne Fassung der Faust-Thematik, indem ein Wissenschaftler seine Seele dem Teufel (hier sind es mehrere sich gegenseitig bekämpfende Teufel) verkauft und diesen Pakt schlussendlich mit dem Tod bezahlt.

Fazit:
Eine Geschichte voller Intrigen, Zahlen, Musik, Agenten, Mord und Verfolgung. Chaotisch anfangend kommt immer mehr Ordnung in die Geschichte, bis sie schlussendlich aufgeht. Fast wie Mathematik. Eine gelungene Komposition.

Zum Autor
Max Bronski
Max Bronskis Biographie könnte man auch mit „Geheimnis um…“ umschreiben. Niemand weiss, wer er ist, der Name ist ein Pseudonym. Auf Spekulationen verzichtend belassen wir es bei den (so überlieferten) bekannten Tatsachen: Max Bronski wurde 1964 in München geboren, studierte ebenda Theologie und Musikwissenschaften, allerdings nicht bis zum bitteren Ende. Er interessiert sich ausserdem für Physik, was sich in seinem neusten Thriller Der Tod bin ich niederschlägt. Von ihm erschienen sind ausserdem Sister Sox (2009), Münchner Blues (2010) und Schampanninger (2010).

BronskiTodAngaben zum Buch:
Taschenbuch: 397 Seiten
Verlag: Verlag Antje Kunstmann (15. Januar 2013)
Preis: EUR 16.95 / CHF 26.90

Zu kaufen bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

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  1. […] Max Bronski – wer auch immer er sei – stellte sich meinen Fragen. Max Bronskis Biographie könnte man auch mit „Geheimnis um…“ umschreiben. Niemand weiss, wer er ist, der Name ist ein Pseudonym. Auf Spekulationen verzichtend belassen wir es bei den (so überlieferten) bekannten Tatsachen: Max Bronski wurde 1964 in München geboren, studierte ebenda Theologie und Musikwissenschaften, allerdings nicht bis zum bitteren Ende. Er interessiert sich ausserdem für Physik, was sich in seinem neusten Thriller Der Tod bin ich niederschlägt. Von ihm erschienen sind ausserdem Sister Sox (2009),  Münchner Blues (2010), Schampanninger (2010) und Der Tod bin ich (2013). […]

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