Bettina Plecher – Nachgefragt

bettina-plecherBettina Plecher wurde 1969 in Pasing (München) geboren, studierte nach dem Abitur Germanistik und Klassische Philologie. Nach dem Studium unterrichtete sie zuerst in Yorkshire, danach an verschiedenen bayrischen Gymnasien. Es folgte eine Kinderpause, der anschliessende Wiedereinstieg ins Lehreramt wurde durch das Projekt um ihren Erstlingsroman, Giftgrün (2013), vereitelt. Bettina Plecher lebt mit ihrer Familie in München.

Bettina Plecher hat sich bereit erklärt, mir einige Fragen zu beantworten, worüber ich mich sehr freue:

Wieso schreiben Sie? Wollten Sie schon immer Schriftsteller werden oder gab es einen Auslöser für Ihr Schreiben?

 

Hätte mir jemand vor zehn Jahren gesagt, dass ich einen Unterhaltungsroman schreiben würde, hätte ich ihn für verrückt erklärt.
Ich hatte ja immer das Privileg, mich beruflich mit Literatur auseinanderzusetzen zu dürfen und wusste recht genau, wie hoch die Latte liegt.
Solange ich mich fast ausschließlich mit der sogenannten Hochliteratur beschäftigt habe, hätte ich es mir deshalb niemals angemaßt, selbst zu schreiben.

In der Zeit, als meine Kinder klein waren, hatte ich eine Weile nicht mehr den langen Atem, mich mit wirklich ernsthaften Texten auseinander zusetzen und entdeckte die Unterhaltungsliteratur für mich. Es war aber gar nicht leicht, Romane zu finden, die ich richtig gut fand. So entstand die Idee, etwas zu schreiben, das auch Lesern wie mir Spaß machen könnte.

Es gibt diverse Angebote, kreatives Schreiben zu lernen, sei es an Unis oder bei Schriftstellern. Ist alles Handwerk, kann man alles daran lernen oder sitzt es in einem? Wie haben Sie gelernt zu schreiben?

Ich glaube, viel lesen, hilft beim Schreiben. Darüber hinaus sollte man wohl kreativ und vielleicht auch ein bisschen mutig sein.

Wie sieht Ihr Schreibprozess aus? Schreiben Sie einfach drauf los oder recherchieren Sie erst, planen, legen Notizen an, bevor Sie zu schreiben beginnen? Wann und wo schreiben Sie?

Einen Kriminalroman muss man planen. Das Genre setzt einen rationalen Prozess voraus. Während des Schreibens aber geschieht oft Unvorhergesehenes. Figuren entwickeln ein Eigenleben, tun auf einmal Dinge, die man ihnen zunächst gar nicht zugetraut hätte. Das ist manchmal fast unheimlich.

Ich schreibe, wenn es die Temperaturen zulassen (d.h. ab 10° Celsius), in meinem Wintergarten. Wenn es zu kalt ist, am Küchentisch.

Woher holen Sie die Ideen für Ihr Schreiben? Natürlich erlebt man viel, sieht man viel. Aber wie entsteht plötzlich eine Geschichte daraus? Was inspiriert Sie?

Ideen finde ich überall. Ich beobachte, höre zu, lese Zeitung. Das Entwickeln einer Geschichte aus den Ideen aber ist für mich harte Arbeit. Gespräche mit Freunden erleichtern mir diese Arbeit, aber es bleibt schwer.

Hat ein Schriftsteller je Feierabend oder Ferien? Wie schalten Sie ab?

Es gibt Phasen, in denen ich vollkommen absorbiert bin, und meiner Umwelt gehörig auf die Nerven falle. In anderen Phasen muss ich mich zwingen, jeden Tag einige Stunden an den Schreibtisch zu gehen – dann habe ich Feierabend, sobald ich das Laptop zuklappe.

Goethe sagte, alles Schreiben sei autobiographisch. Das stimmt sicher in Bezug darauf, dass man immer in dem drin steckt in Gedanken, was man schreibt. Sind Sie auch in Ihren Figuren? Gibt es eine, mit der Sie sich speziell identifizieren?

Natürlich bin ich in jeder meiner Figuren. In manchen mehr, in manchen weniger. Am meisten Persönliches liegt in den Figuren, aus deren Perspektive ich erzähle.

Wieso haben Sie einen Krimi geschrieben? Ist es das, was sie auch am liebsten lesen oder ist es die Freude, die bösen Seiten ausleben zu können, die man im realen Leben eher unterdrückt?

Ich finde es zum einen reizvoll, in einem Genre zu schreiben, das zwar sehr klare Strukturen vorgibt, zugleich aber auch viel Spielraum lässt.

Auf der anderen Seite interessieren mich Grauzonen. Die Grauzone zwischen Gut und Böse, Richtig und Falsch, Gesund und Krank. Mich interessiert, was passieren muss, damit jemand, der bisher ein Ausbund an Tugend war, auf einmal die Grenze zum Verbrechen überschreitet.

Sie haben Geisteswissenschaften studiert, auch in dem Bereich (wie überall in der Wissenschaft) gibt es Protegés und Kampf mit Ellbogen. Wieso verlegten Sie Ihren Roman in die Medizin?

Vielleicht ist es leichter, über etwas zu schreiben, zu dem man eine gewisse Distanz hat. Außerdem bin ich mit vielen Ärzten befreundet und fand das Spannungsfeld zwischen Menschenliebe und Ehrgeiz, Leistungswillen und Ohnmachtsgefühl.  Erfüllung und Frustration, in dem sich gerade Klinikärzte bewegen, immer schon spannend. Ich habe mich gefragt, was geschehen muss, damit eine normale Klinik, mit relativ normalen Strukturen und Bedingungen zum Nährboden für ein Verbrechen wird.

Was muss ein Buch haben, dass es Sie anspricht? Gibt es Bücher/Schriftsteller, die Sie speziell mögen?

Eine sehr schwere Frage, die in diesem Rahmen kaum beantwortet werden kann. Nur so viel: Ich liebe Geschichte, ja ich bin gierig nach Geschichten. Die deutsche Gegenwartsliteratur ist mir deshalb manchmal etwas zu handlungsarm.

Wenn Sie sich mit drei Worten beschreiben müssten, welche wären das?

Leider ziemlich kompliziert.

Herzlichen Dank für diese Antworten und den Einblick in den Schreiballtag!

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